{"id":156210,"date":"2026-09-14T09:00:52","date_gmt":"2026-09-14T07:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156210"},"modified":"2026-09-14T10:33:58","modified_gmt":"2026-09-14T08:33:58","slug":"shanghaier-organisation-fuer-zusammenarbeit-der-gipfel-2026-im-zeichen-des-iran-krieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156210","title":{"rendered":"Shanghaier Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit &#8211; der Gipfel 2026 im Zeichen des Iran-Krieges"},"content":{"rendered":"<p>Der k&uuml;rzlich in Kirgisien stattgefundene 26. Gipfel der Shanghaier Organisation f&uuml;r Zusammenarbeit (SCO) unter dem Titel &bdquo;<em>25 Jahre SCO: Gemeinsam f&uuml;r nachhaltigen Frieden, Entwicklung und Wohlstand<\/em>&ldquo; ist aus zwei Gr&uuml;nden von besonderem Interesse: Erstens wurde der 25. Jahrestag gefeiert. Im Jahre 2001 gr&uuml;ndeten sechs Staaten (Kasachstan, China, Kirgisien, Russland, Tadschikistan und Usbekistan) im euro-asiatischen Raum die SCO. Zweitens ist die SCO angesichts des Angriffskrieges der USA gegen ein Mitglied der SCO, den Iran, unter besonderer Belastung. Der Iran ist seit 2023 Vollmitglied dieser Organisation. Warum wurde die SCO gegr&uuml;ndet, was ist ihre Aufgabe und welchen Binnenkonflikten ist sie ausgesetzt? Ist der 25. Jahrestag ein Grund zum Feiern f&uuml;r die Mitgliedsstaaten oder befindet sich das B&uuml;ndnis in einer Krise?<strong> Von Alexander Neu<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Gr&uuml;ndungsmotiv<\/strong><\/p><p>Im Jahr 1997 hielt der damalige US-Senator und sp&auml;tere US-Pr&auml;sident Biden eine Rede beim Atlantic Council in Washington. In seiner Rede machte er sich &uuml;ber die Kritik russischer Gespr&auml;chspartner an der geplanten NATO-Osterweiterung lustig. Die Russen h&auml;tten erkl&auml;rt, sie m&uuml;ssten sich nach China orientieren, wenn die NATO sich nach Osten erweitere. Biden habe den Russen dabei &bdquo;viel Gl&uuml;ck&ldquo; gew&uuml;nscht. Und wenn das nicht funktioniere, sollten sich die Russen dem Iran zuwenden, so Biden lachend. Sie, die Russen, h&auml;tten gewusst, dass dies keine Option gewesen sei, so Biden selbstbewusst. Sie m&uuml;ssten <a href=\"https:\/\/youtu.be\/hPZNRZNvwCU?is=UtWYRFi8s0F3KmqK\">sich Richtung Westen orientieren<\/a>. <\/p><p>Vier Jahre sp&auml;ter folgte Russland dem Rat Bidens, sich auch Asien zuzuwenden, ohne jedoch die westliche Orientierung zun&auml;chst aufzugeben. Die Gr&uuml;ndung der SCO ist der konkrete Ausdruck einer multi-vektoral ausgerichteten Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik Russlands seit Beginn der 2000er-Jahre. Diese multi-vektorale Phase endete im Laufe des Ukraine-Krieges. Russland und der Westen beendeten ihre Kooperation, ja zumindest mit Blick auf EU-Europa\/Gro&szlig;britannien sogar ihre Kommunikation. <\/p><p>Die Gr&uuml;ndung der SCO ist eine unmittelbare Antwort auf die vom Westen dominierten internationalen Regierungsorganisationen wie die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138680\">OSZE, die UNO und ihre Unterorganisationen<\/a>. Diese spiegeln die Machtverh&auml;ltnisse der bipolaren und anschlie&szlig;enden unipolaren Epochen von 1945 bis in die 2000er-Jahre wider und stehen in einer jahrhundertelangen Tradition westzentrierter Ordnungsvorstellungen. Sowohl die Entscheidungsmodi &ndash; einschlie&szlig;lich der Zusammensetzung des UNO-Sicherheitsrates -, die Besetzung der Schl&uuml;sselpositionen als auch die ideologische (neoliberale) Ausrichtung der Finanz- und Wirtschaftsorganisationen beg&uuml;nstigen ungeachtet der vielf&auml;ltigen Sonderprogramme f&uuml;r Entwicklungsl&auml;nder den Globalen Westen.<\/p><p>Die Reformunwilligkeit dieser Organisationen &ndash; oder besser gesagt, der diese Organisationen im Wesentlichen dominierenden Staaten &ndash; zur Verhinderung einer den neuen Machtverh&auml;ltnissen angepassten Repr&auml;sentation der nicht-westlichen Staaten hat nicht nur Russland, sondern auch weitere Staaten &ndash; zuv&ouml;rderst China &ndash; frustriert und sie bewogen, einen neuen Weg zu gehen: die Schaffung eigener intra-regionaler, intra-kontinentaler Kooperationsstrukturen. Mit der Gr&uuml;ndung des BRICS-Systems sogar inter-kontinentaler Kooperationsstrukturen, die auf eine Re-Regionalisierung der internationalen Strukturen hinauslaufen. Nie war die UNO in ihrer 80-j&auml;hrigen Geschichte so irrelevant wie heute. <\/p><p><strong>SCO &ndash; Selbstverst&auml;ndnis eines neuen Konstrukts auf &bdquo;alten&ldquo; Prinzipien und Normen basierend<\/strong><\/p><p>Dem Selbstverst&auml;ndnis (Charter of the Shanghai Cooperation Organization) nach, widmet sich die SCO nahezu allen politischen Feldern der Region, die einer F&ouml;rderung der zwischenstaatlichen Kooperation zum Zwecke der Schaffung der regionalen Stabilit&auml;t bed&uuml;rfen &ndash; und das ohne Einmischung raumfremder Akteure:<\/p><blockquote><p>\n<em><strong>&bdquo;Artikel 1<\/strong><\/em><br>\n<em><strong>Ziele und Aufgaben<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Die wesentlichen Ziele und Aufgaben der SCO sind:<\/em><\/p>\n<p><em>St&auml;rkung des gegenseitigen Vertrauens, der Freundschaft und der gutnachbarschaftlichen Beziehungen zwischen den Mitgliedstaaten;<\/em><\/p>\n<p><em>Entwicklung einer vielf&auml;ltigen Zusammenarbeit bei der Wahrung und St&auml;rkung von Frieden, Sicherheit und Stabilit&auml;t in der Region sowie F&ouml;rderung einer neuen demokratischen, gerechten und rationalen politischen und wirtschaftlichen Weltordnung;<\/em><\/p>\n<p><em>gemeinsame Bek&auml;mpfung von Terrorismus, Separatismus und Extremismus in all ihren Erscheinungsformen, Kampf gegen den illegalen Drogen- und Waffenhandel sowie sonstige Formen grenz&uuml;berschreitender Kriminalit&auml;t und gegen illegale Migration;<\/em><\/p>\n<p><em>F&ouml;rderung einer effizienten regionalen Zusammenarbeit in Bereichen wie Politik, Handel und Wirtschaft, Verteidigung, Strafverfolgung, Umweltschutz, Kultur, Wissenschaft und Technologie, Bildung, Energie, Verkehr, Kredit- und Finanzwesen sowie in anderen Bereichen von gemeinsamem Interesse;<\/em><\/p>\n<p><em>F&ouml;rderung eines umfassenden und ausgewogenen Wirtschaftswachstums sowie der sozialen und kulturellen Entwicklung in der Region durch gemeinsame Ma&szlig;nahmen auf der Grundlage gleichberechtigter Partnerschaft, mit dem Ziel einer stetigen Steigerung des Lebensstandards und der Verbesserung der Lebensbedingungen der Bev&ouml;lkerung der Mitgliedstaaten;<\/em><\/p>\n<p><em>Koordinierung der Ans&auml;tze zur Integration in die Weltwirtschaft;<\/em><\/p>\n<p><em>F&ouml;rderung der Wahrnehmung von Menschenrechten und Grundfreiheiten im Einklang mit den internationalen Verpflichtungen der Mitgliedstaaten und deren nationaler Gesetzgebung;<\/em><\/p>\n<p><em>Pflege und Ausbau der Beziehungen zu anderen Staaten und internationalen Organisationen;<\/em><\/p>\n<p><em>Zusammenarbeit bei der Verh&uuml;tung internationaler Konflikte und deren friedlicher Beilegung;<\/em><\/p>\n<p><em>gemeinsame Suche nach L&ouml;sungen f&uuml;r Probleme, die im 21. Jahrhundert auftreten.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p><em><strong>&bdquo;Artikel 2<\/strong><\/em><br>\n<em><strong>Grunds&auml;tze<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Die SCO-Mitgliedstaaten halten sich an folgende Grunds&auml;tze:<\/em><\/p>\n<p><em>gegenseitige Achtung der Souver&auml;nit&auml;t, Unabh&auml;ngigkeit und territorialen Integrit&auml;t der Staaten sowie der Unverletzlichkeit der staatlichen Grenzen, Gewaltverzicht, Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, Verzicht auf Gewaltanwendung oder Gewaltandrohung in den internationalen Beziehungen, kein Streben nach einseitiger milit&auml;rischer &Uuml;berlegenheit in angrenzenden Gebieten;<\/em><\/p>\n<p><em>Gleichberechtigung aller Mitgliedstaaten, Suche nach gemeinsamen Standpunkten auf der Grundlage gegenseitigen Verst&auml;ndnisses und der Achtung der jeweiligen Auffassungen;<\/em><\/p>\n<p><em>schrittweise Umsetzung gemeinsamer Aktivit&auml;ten in Bereichen von gemeinsamem Interesse;<\/em><\/p>\n<p><em>friedliche Beilegung von Streitigkeiten zwischen den Mitgliedstaaten;<\/em><\/p>\n<p><em>Nicht gerichtet gegen andere Staaten oder internationale Organisationen;<\/em><\/p>\n<p><em>Verhinderung jeglicher unrechtm&auml;&szlig;iger Handlungen, die gegen die Interessen der SCO gerichtet sind;<\/em><\/p>\n<p><em>redliche Erf&uuml;llung der Verpflichtungen, die sich aus dieser Charta und anderen im Rahmen der SCO verabschiedeten Dokumenten ergeben.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Der Anspruch auf eine <em>&bdquo;(&hellip;) promotion of a new democratic, fair and rational political and economic international order (&hellip;)&ldquo; <\/em>in Artikel 1 ist ein direkter Seitenhieb auf die westliche Dominanz in den &bdquo;alten&ldquo; Regierungsorganisationen UNO und OSZE. <\/p><p>Und der Hinweis in Artikel 2, die SCO sei nicht gegen andere Staaten oder internationale Organisationen gerichtet, ist nur die halbe Wahrheit. Denn tats&auml;chlich geht es auch und vor allem darum, den Westen als eigenn&uuml;tzigen Gestaltungs- und Machtfaktor aus der Region zu verdr&auml;ngen bzw. fernzuhalten. Ob man diesen Ansatz als anti-westlich oder nicht vielmehr als naheliegend interpretiert, liegt wohl im Auge des Betrachters.<\/p><p>Die SCO ist unter Betrachtung ihrer Ziele und Prinzipien eine rein intergouvernementale internationale Regierungsorganisation, die auf den mit der UNO-Charta zentralen Normen der Souver&auml;nit&auml;t, der Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten und der souver&auml;nen Gleichheit ihrer Mitgliedsstaaten beruht. Sie verf&uuml;gt im Gegensatz zur EU &uuml;ber keine supranationalen Kompetenzen und Strukturen, wodurch ein Eigenleben der Organisation durch Souver&auml;nit&auml;tsabtretung ihrer Mitgliedsstaaten ausgeschlossen ist. <\/p><p>Die SCO steht f&uuml;r ein Modell der Staatenwelt, einer Welt aus miteinander interagierenden souver&auml;nen Staaten. Westliche Ans&auml;tze verfolgen demgegen&uuml;ber eine tendenziell staatenlose Welt: Die Relativierung der Souver&auml;nit&auml;t, der selbstmandatierte Anspruch des Westens auf Interventionen (RtP- und Unable-unwilling-Doktrinen etc.) und die omin&ouml;se &bdquo;regelbasierte Ordnung&ldquo; der 1990er- bis 2010er-Jahre liefen darauf hinaus, den nicht-westlichen Staaten lediglich eine konditionierte Souver&auml;nit&auml;t zu zugestehen. Angesichts der unterschiedlichen Philosophien (Globalismus versus Souver&auml;nismus) hinsichtlich des Charakters der internationalen Politik zwischen dem Westen auf der einen und dem Nichtwesten auf der anderen Seite gewinnt die SCO an Attraktivit&auml;t.<\/p><p>Zwischenzeitlich sind der SCO Indien (2017), Pakistan (2017), Wei&szlig;russland (2024) und Iran (2023) beigetreten. Hierdurch ist die SCO zur gr&ouml;&szlig;ten regionalen\/intra-kontinentalen Regierungsorganisation der Welt mutiert (BRICS hat keinen Organisationscharakter): Die SCO repr&auml;sentiert rund 43 Prozent der Weltbev&ouml;lkerung (NATO rund 13 Prozent) und generiert etwa 34 Prozent Anteil am weltweiten BiP nach Kaufkraftparit&auml;t (NATO-Staaten etwa 33 Prozent BiP-Anteil nach Kaufkraftparit&auml;t).<\/p><p>Weitere Staaten besitzen unter dem Begriff &bdquo;SCO Plus&ldquo; Beobachterstatus, sind Gastteilnehmer oder Dialogpartner, darunter das NATO-Mitglied T&uuml;rkei. Der Entscheidungsmodus ist das Konsensprinzip (Article 16 &ndash; Charter of the Shanghai Cooperation Organization). Wie weit das Konsensprinzip k&uuml;nftig angesichts der Aufnahme weiterer Staaten und somit der unausweichlichen Interessendivergenzen aufrecht zu erhalten ist, ist offen.<\/p><p><strong>SCO &ndash; externe und interne Herausforderungen<\/strong><\/p><p>Die SCO ist keine homogene Gruppierung. Sie besteht aus Staaten mit unterschiedlichem Macht- und Gestaltungspotential, mit unterschiedlichen nationalen Interessen. Und wie bei jeder intergouvernementalen Regierungsorganisation gilt auch hier der Grundsatz: Eine Organisation ist so stark, wie es ihre Mitglieder zulassen. Es ist immer ein spannungsgeladenes Konstrukt zwischen den beiden Antipoden Konsens und Dissens. <\/p><p>Der Konsens zwischen den Staaten als Bindemittel muss naturgem&auml;&szlig; st&auml;rker sein als der Dissens zwischen ihnen, damit das Konstrukt funktionieren kann. Der &uuml;bergreifende und bestimmende Konsens, das Bindemittel besteht in dem Anspruch, im asiatischen Raum, zumindest im SCO-Raum, keinen raumfremden M&auml;chten einen signifikanten Einfluss mehr zuzugestehen &ndash; der Anspruch beinhaltet unausgesprochen das Ziel einer finalen Dekolonialisierung. Und dieser Anspruch stellt einen direkten Angriff auf die bis vor wenigen Jahren herrschende unipolare Weltordnung, der westlichen Dominanz, der Pax Americana dar. Der Westen wird in seinem Anspruch der Aus&uuml;bung der jahrhundertealten Globaldominanz bereits durch die blo&szlig;e Existenz der SCO herausgefordert. Der rechtswidrige Angriffskrieg der USA auf den Iran ist auch neben anderen Ursachen im Kontext des Weltneuordnungsprozesses zu interpretieren: Russland und China als zentrale Akteure des Weltneuordnungsprozesses und somit auch der SCO sollen als H&auml;uptlinge ohne Indianer (Iran, Venezuela und andere kleinere Staaten) dastehen, um somit den Prozess der Multipolarisierung aufzuhalten, mindestens aber zu verlangsamen.<\/p><p>Der Angriff auf ein SCO-Mitglied durch einen anderen, einen raumfremden Akteur stellt sodann auch eine Belastung f&uuml;r das SCO-B&uuml;ndnis dar &ndash; unmittelbar und mittelbar: <\/p><p>Die unmittelbare Belastung wird deutlich, wenn man sich folgende Fragen stellt: Kann man als SCO-B&uuml;ndnis einen Angriff von au&szlig;en auf ein Mitglied zulassen, auch wenn die SCO selbsterkl&auml;rt kein Verteidigungsb&uuml;ndnis ist? Muss man reagieren, und wenn ja, wie, diplomatisch, mit Sanktionen oder gar milit&auml;risch? Sind alle SCO-Mitglieder dabei? Die Antworten auf diese Fragen sind nach jetzigem Stand der Dinge eher negativ:<\/p><p>In ihrer Abschlusserkl&auml;rung &ndash; leider ist sie auf Englisch noch nicht auf der SCO-Homepage abgelegt, weshalb hier auf Sekund&auml;rquellen zur&uuml;ckgegriffen wird &ndash; konnten sich die Staats- und Regierungschefs lediglich auf laue Formulierungen oder besser gesagt Phrasen einigen:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Die Mitgliedstaaten &auml;u&szlig;ern tiefe Besorgnis &uuml;ber die Entwicklungen im Nahen Osten und im Umfeld des Iran.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Und<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Die Mitgliedstaaten bekr&auml;ftigen ihre Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Souver&auml;nit&auml;t und territoriale Integrit&auml;t der Islamischen Republik Iran und setzen sich f&uuml;r eine Beilegung des Konflikts ausschlie&szlig;lich mit politischen und diplomatischen Mitteln ein. In diesem Zusammenhang begr&uuml;&szlig;en sie alle Bem&uuml;hungen, die auf eine Deeskalation der Lage in der Region abzielen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Der rechtswidrige Angriff auf den Iran wird zwar mit dem Hinweis auf die Verletzung der UNO-Charta eindeutig verurteilt, gemeinsame Unterst&uuml;tzungshandlungen (beispielsweise Verh&auml;ngung unilateraler Sanktionen, Waffenlieferungen etc.) f&uuml;r das SCO-Mitglied Iran werden indessen nicht formuliert, sondern lediglich die Hoffnung auf eine R&uuml;ckkehr diplomatischer Mittel zum Ausdruck gebracht.<\/p><p>Es gibt sodann keine geschlossenen harten Reaktionen der SCO, sondern lediglich einzelstaatliche Unterst&uuml;tzungsma&szlig;nahmen jenseits der SCO-Strukturen und auch nur unterhalb der milit&auml;rischen Schwelle. <\/p><p>Wie wenig die SCO an einem Strang zieht, ja sogar aus den Reihen der SCO ein Mitglied den US-Angriff auf das SCO-Mitglied Iran unterst&uuml;tzt, wird deutlich, vergegenw&auml;rtigt man sich das &auml;u&szlig;erst sch&auml;bige Verhalten Indiens, als es das iranische Kriegsschiff, das als Gast zu Feierlichkeiten in Indien weilte, den USA geradezu zum Abschuss darbot.<\/p><p>Dieses Bild der schwachen Geschlossenheit und Nicht-Handlungsbereitschaft jenseits wohlfeiler Phrasen kontrastiert enorm mit dem entschlossenen Verhalten der NATO und der EU hinsichtlich ihrer massiven Unterst&uuml;tzungsleistungen f&uuml;r die Ukraine, einem Staat, der weder EU- noch NATO-Mitglied ist.<\/p><p>Mit dem US-Angriff auf den Iran und der sehr &uuml;berschaubaren Reaktion der SCO als ein Staatenb&uuml;ndnis wird auch die SCO mittelbar angegriffen, ihr Selbstverst&auml;ndnis, &auml;u&szlig;eren M&auml;chten keinen Handlungsspielraum mehr zuzugestehen, intendiert ersch&uuml;ttert. Das Nichthandeln der SCO basiert unter realpolitischem Blick auf der Interessenheterogenit&auml;t ihrer Mitglieder. Der oben genannte Konsens ist zwar formal vorhanden, wird jedoch stets durch divergierende Interessen herausgefordert: <\/p><ul>\n<li>Der kurze Krieg zwischen zwei SCO-Mitgliedern, Indien und Pakistan, im Fr&uuml;hjahr 2025 widerspricht Artikel 2 der Charta der SCO fundamental und untergr&auml;bt damit das Vertrauen in die Charta und die Glaubw&uuml;rdigkeit der SCO.<\/li>\n<li>Das Lamentieren Indiens nicht nur in der Frage des Iran-Krieges der USA und Israels, sondern auch in Fragen weitergehender Integrationsschritte der SCO, wie der m&ouml;glichen Schaffung einer W&auml;hrungsalternative zum Dollar als Handelsw&auml;hrung, droht, das B&uuml;ndnis zu l&auml;hmen, zumindest nicht in der Qualit&auml;t handlungsf&auml;hig zu machen, wie es sein m&uuml;sste, um den Weltneuordnungsprozess als B&uuml;ndnis voranzutreiben. <\/li>\n<\/ul><p>Indien ist das schw&auml;chste Glied in der Kette. &Auml;hnlich wie das NATO-Mitglied T&uuml;rkei will Indien das Beste aus beiden Welten und setzt sich damit zwischen alle St&uuml;hle.<\/p><p><strong>Ergebnis des Gipfels in Bischkek<\/strong><\/p><p>Laut der Erkl&auml;rung des SCO-Generalsekret&auml;rs wurden 28 Dokumente auf dem Gipfel verabschiedet. Darunter das &bdquo;Protokoll zu &Auml;nderungen und Erg&auml;nzungen der SCO-Charta&ldquo; sowie &bdquo;die Erkl&auml;rung des Rates der Staatschefs der SCO-Mitgliedsstaaten, die von Notlagen betroffen sind&ldquo;, was auch immer unter &bdquo;Notlagen&ldquo; zu verstehen ist. Auch soll die Kooperation mit anderen regionalen internationalen Regierungsorganisationen vertieft werden, in denen insbesondere Russland der dominante Akteur ist. Hierzu z&auml;hlen die &bdquo;Organisation des Vertrages &uuml;ber kollektive Sicherheit&ldquo; (OVKS) sowie die &bdquo;Gemeinschaft Unabh&auml;ngiger Staaten&ldquo; (GUS). <\/p><p>Des Weiteren wird Englisch zur Arbeitssprache in der SCO angesichts der Vielfalt ihrer Mitglieder erhoben. <\/p><p>Wirklich interessant ist, dass der Generalsekret&auml;r der SCO explizit hervorhob, <\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>dass es der Organisation selbst unter den gegenw&auml;rtig schwierigen Bedingungen gelingt, gemeinsame Positionen zu entwickeln, ihren friedensorientierten und b&uuml;ndnisfreien Charakter zu bewahren und gegenseitiges Vertrauen aufrechtzuerhalten<\/em>&ldquo;.<\/p><\/blockquote><p>Dieses defensive, ja nahezu bemitleidenswerte Statement legt vielmehr nahe, dass es im Geb&auml;lk der SCO doch sp&uuml;rbar knirscht angesichts der bereits oben dargelegten Handlungen einiger Mitgliedsstaaten, die weder dem Geist noch den Buchstaben der SCO-Charta entsprechen. Auch habe Indien, laut Medienberichterstattung, nachdr&uuml;cklich um eine Beendigung des Ukraine-Krieges geworben. Putin habe darauf nur oberfl&auml;chlich reagiert.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Unter Ber&uuml;cksichtigung der Abschlusserkl&auml;rung sowie der festgestellten Friktionen innerhalb des SCO-B&uuml;ndnisses, wie oben dargelegt, scheint der 25. Jahrestag der Gr&uuml;ndung der SCO jenseits rhetorischer Blasen kein Grund zur Freude gewesen zu sein. Es scheint vielmehr, dass auf dem Wege zu einer multipolaren Weltordnung die SCO ins Stottern ger&auml;t. Insbesondere Indien streut Sand ins Getriebe der SCO.<\/p><p>Die internen Interessendivergenzen (insbesondere die Konflikte zwischen China und Indien sowie Pakistan und Indien) sowie die Schaukelpolitik Indiens zwischen der westlichen Welt und dem Nicht-Westen stellen gro&szlig;e Herausforderungen f&uuml;r die SCO dar. Entsprechend sind die Erkl&auml;rungen und auch Entscheidungen immer eher ein Produkt des Minimalkonsenses denn eines umfassenden Aufbruchs der SCO, seit sie neue, bisweilen schwierige Mitglieder hinzugewonnen hat. Eine fortgesetzte Aufnahme neuer Mitglieder k&ouml;nnte die SCO zu einer &bdquo;lame duck&ldquo; machen. Insbesondere die Aufnahme der T&uuml;rkei, die gleichsam Indien das Beste aus beiden Welten will, k&ouml;nnte der SCO den Todessto&szlig; geben.<\/p><p>Im Jahre 2027 wird Pakistan den SCO-Gipfel ausrichten.<\/p><p><small>Titelbild: Der indische Premierminister Narendra Modi spricht mit dem russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin und dem chinesischen Pr&auml;sidenten Xi Jinping vor dem SCO-Gipfel 2025 im Meijiang Convention Center, Tianjin, China, 1. September 2025 &ndash; Quelle: Shutterstock \/ Photo Agency<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/19aa4efe583d40c0b1a2cf317864afb3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der k&uuml;rzlich in Kirgisien stattgefundene 26. Gipfel der Shanghaier Organisation f&uuml;r Zusammenarbeit (SCO) unter dem Titel &bdquo;<em>25 Jahre SCO: Gemeinsam f&uuml;r nachhaltigen Frieden, Entwicklung und Wohlstand<\/em>&ldquo; ist aus zwei Gr&uuml;nden von besonderem Interesse: Erstens wurde der 25. Jahrestag gefeiert. Im Jahre 2001 gr&uuml;ndeten sechs Staaten (Kasachstan, China, Kirgisien, Russland, Tadschikistan und Usbekistan) im euro-asiatischen Raum<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156210\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":138681,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,212,189,211],"tags":[1460,2102,2008,951,3276,466,259,3284,1556],"class_list":["post-156210","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-gedenktagejahrestage","category-parteien-verbaende-und-organisationen","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","tag-biden-joe","tag-geostrategie","tag-indien","tag-iran","tag-multipolare-welt","tag-nato","tag-russland","tag-shanghai-cooperation-organization","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/shutterstock_2675310921.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156210","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=156210"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156210\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":156226,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156210\/revisions\/156226"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/138681"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=156210"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=156210"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=156210"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}