{"id":156326,"date":"2026-09-17T09:00:08","date_gmt":"2026-09-17T07:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156326"},"modified":"2026-09-17T09:21:53","modified_gmt":"2026-09-17T07:21:53","slug":"politik-auf-augenhoehe-das-waere-eine-demokratische-zumutung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156326","title":{"rendered":"Politik auf \u201eAugenh\u00f6he\u201c? Das w\u00e4re eine demokratische Zumutung"},"content":{"rendered":"<p>Ein Politiker auf Augenh&ouml;he mit den B&uuml;rgern &ndash; manche halten das f&uuml;r erstrebenswert, weil Politiker oft als arrogant und von &bdquo;oben herab&ldquo; sprechen. Doch so angebracht, wie diese Forderung &bdquo;auf Augenh&ouml;he&ldquo; zun&auml;chst klingen mag, so falsch ist sie. Zwischen Politikern und B&uuml;rgern hat es keine &bdquo;Augenh&ouml;he&ldquo; zu geben. Es gibt ein klares &Uuml;ber- und Unterordnungsverh&auml;ltnis. Der Politiker ist der Angestellte des Volkes. Er ist Diener des Staates. Der Politiker steht unter dem B&uuml;rger, nicht &uuml;ber ihm. &Uuml;ber die Verh&auml;ltnisse nachzudenken, ist angebracht. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.&ldquo; So steht es in Artikel 20 Absatz 2 Grundgesetz. In unserer parlamentarischen und repr&auml;sentativen Demokratie steht das Volk &ndash; und damit auch der einzelne B&uuml;rger &ndash; verfassungsrechtlich &uuml;ber dem Politiker. Der demokratisch gew&auml;hlte Politiker, unabh&auml;ngig davon, wie hoch sein Amt ist, zieht seine Kraft, seine &bdquo;Legitimation&ldquo; einzig und allein aus dem Auftrag des Volkes. Das Volk ist der Souver&auml;n. Politiker in diesem System sind keine Herrscher oder Herren. Sie sind Diener. Sie dienen dem Volk. Oder genauer: Sie haben dem Volk &ndash; und damit wieder: auch dem einzelnen B&uuml;rger &ndash; zu <em>dienen<\/em>.<\/p><p>Nat&uuml;rlich folgt diese Skizzierung einem naiv-demokratischen Modell. Es gibt die verfassungsrechtliche, theoretische Ebene und die praktische, das hei&szlig;t, die Ebene des Tats&auml;chlichen. Dass zwischen dem Soll-Zustand und dem Ist-Zustand ein schwerer Bruch liegt, ist l&auml;ngst vielen B&uuml;rgern klar.<\/p><p>Wir k&ouml;nnten an dieser Stelle &uuml;ber einen den demokratischen Institutionen vorgelagerten politischen Formationsprozess von Machteliten sprechen (Stichwort etwa: Bilderberg), &uuml;ber machtelit&auml;re Einfl&uuml;sse im Windschatten der Demokratie, &uuml;ber die Aush&ouml;hlung demokratischer Prozesse, &uuml;ber die massiven Schw&auml;chen einer parlamentarischen und repr&auml;sentativen Demokratie in der Praxis. Doch lassen wir das an dieser Stelle beiseite und halten uns an das Papier.<\/p><p>Sie, der diese Zeilen gerade liest, sind <em>nicht<\/em> der Angestellte von Herrn Merz oder irgendeines anderen Politikers. Politiker sind <em>Ihre<\/em> Angestellten. Politiker stehen in <em>Ihrem<\/em> Dienst. Sie, Ihre Kinder, Ihre Freunde, Ihre Nachbarn usw. zahlen das Gehalt der Politiker.<\/p><p>Wie kann unter diesen Bedingungen ein Politiker von &bdquo;Augenh&ouml;he&ldquo; mit den B&uuml;rgern reden?<\/p><p>Auf Augenh&ouml;he? Das w&auml;re eine demokratische Zumutung.<\/p><p>Der Politiker steht in unserer demokratischen Hierarchie unten. Der B&uuml;rger steht oben.<\/p><p>Einem jedem B&uuml;rger ist es selbstverst&auml;ndlich freigestellt, Respekt vor dem Amt, das ein Vertreter des Staates hat, zu haben. Ein B&uuml;rger kann einen Politiker, der &ndash; vereinfacht gesagt &ndash; vom Volk gew&auml;hlt wurde, mit Achtung begegnen, weil das Amt, etwa das des Bundeskanzlers, gro&szlig;e, schwere Aufgaben mit sich bringt. All das &auml;ndert aber nichts daran, dass das Unter- und &Uuml;berordnungsverh&auml;ltnis zugunsten des B&uuml;rgers ausf&auml;llt.<\/p><p>Was w&auml;re wohl, wenn ein Angestellter oder ein Arbeiter heute zu seinem Chef gehen w&uuml;rde und sagte: &bdquo;Wir reden jetzt mal auf Augenh&ouml;he!&ldquo;?<\/p><p>Aller Voraussicht nach w&uuml;rde der Chef ein solches Auftreten als ziemliche Frechheit empfinden.<\/p><p>Eine Augenh&ouml;he zwischen B&uuml;rger und Politiker kann es dann geben, wenn der B&uuml;rger sich der &Uuml;ber- und Unterordnungsverh&auml;ltnisse bewusst ist und aus Gr&uuml;nden dem Politiker eine &bdquo;Augenh&ouml;he&ldquo; erm&ouml;glicht. So wie etwa bisweilen ein Chef mit seinem Arbeiter zusammen am Tisch sitzt, ein Bier trinkt und dann eine gewisse Augenh&ouml;he entstehen mag.<\/p><p>Diese Augenh&ouml;he l&auml;sst ein Chef vielleicht dann zu, wenn der Arbeiter gute Arbeit leistet und wenn Sympathie besteht.<\/p><p>Im Hinblick auf die gegenw&auml;rtige Politik, die das Land kriegst&uuml;chtig machen will und es mit Volldampf an die Wand f&auml;hrt, kann von &bdquo;guter&ldquo; Arbeit gewiss keine Rede sein.<\/p><p>Um die grunds&auml;tzlichen theoretischen Machtverh&auml;ltnisse, wie sie hier dargelegt werden, wei&szlig; hoffentlich ein jeder Demokrat Bescheid. Doch ist es angebracht, sie hervorzuheben.<\/p><p>Ob in direkten Begegnungen zwischen B&uuml;rger und Politiker auf &bdquo;der Stra&szlig;e&ldquo;, im Fernsehen oder sonst an einem Ort: Immer wieder ist festzustellen, dass der B&uuml;rger, der doch das Grundgesetz auf seiner Seite hat, nicht wie ein Dienstherr, sondern wie ein Untertan in Erscheinung tritt. Mit h&auml;ngenden Schultern, Unsicherheit und Zur&uuml;ckhaltung l&auml;sst er sich von seinem Angestellten &uuml;ber den Mund fahren und zurechtweisen.<\/p><p>Und der Politiker, der Angestellte, der Diener? Er tritt als Herr auf. Selbstsicher, rhetorisch versiert und im &ouml;ffentlichen Auftreten geschult, mit gro&szlig;em Ego, voller Arroganz, &Uuml;berheblichkeit und Selbstgef&auml;lligkeit steht er da und tut so, als st&uuml;nde er &uuml;ber dem B&uuml;rger.<\/p><p>Bei einer Staatsverschuldung von bald 3 Billionen Euro und all den anderen Verwerfungen im Land, f&uuml;r die unsere Diener verantwortlich sind, m&uuml;sste jeder Politiker in tiefster Demut in der Gr&ouml;&szlig;e eines D&auml;umlings vor dem Volk stehen.<\/p><p>Das Gegenteil ist der Fall.<\/p><p>Doch, wie es hei&szlig;t, zum Tango bedarf es immer zwei.<\/p><p>Wer gegen&uuml;ber einem Politiker als Diener und Untertan auftritt, darf sich nicht wundern, wenn er genau so behandelt wird.<\/p><p><small>Titelbild: Ki generiert mit Grok<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/1c520d585efa4a43bf6f88d219d59f19\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Politiker auf Augenh&ouml;he mit den B&uuml;rgern &ndash; manche halten das f&uuml;r erstrebenswert, weil Politiker oft als arrogant und von &bdquo;oben herab&ldquo; sprechen. 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