{"id":156346,"date":"2026-09-17T11:00:33","date_gmt":"2026-09-17T09:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156346"},"modified":"2026-09-17T10:22:12","modified_gmt":"2026-09-17T08:22:12","slug":"russland-wir-fuehren-die-wahlen-unter-extremen-bedingungen-durch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156346","title":{"rendered":"Russland: \u201eWir f\u00fchren die Wahlen unter extremen Bedingungen durch\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Vom 18. bis zum 20. September finden in Russland Wahlen statt. Gew&auml;hlt wird die Duma, das russische Unterhaus. Die Kandidaten f&uuml;r die 450 Sitze in der Duma werden zur H&auml;lfte &uuml;ber Parteilisten und zur anderen H&auml;lfte &uuml;ber Direktkandidaten gew&auml;hlt. Zur Wahl stehen zehn Parteien. Au&szlig;erdem gew&auml;hlt werden die Gouverneure in acht russischen Regionen und in 39 russischen Regionen die Kommunalparlamente. Eine Analyse von <strong>Ulrich Heyden<\/strong> (Moskau).<br>\n<!--more--><br>\nBei der letzten Duma-Wahl 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 51 Prozent. Der Kreml hofft auch dieses Mal auf eine hohe Wahlbeteiligung. Gerade in Kriegszeiten ist das W&auml;hlen in Russland eine &bdquo;B&uuml;rgerpflicht&ldquo;.<\/p><p>Der Wahlkampf in Russland kommt nur m&uuml;hsam in Gang. Die Menschen sorgen sich um die steigenden Preise. Die Nachrichten aus dem Kriegsgebiet Ukraine\/Russland deuten kein Ende des Krieges an. Wie sollen in einem solchen Umfeld Wahlen stattfinden? Doch dass man die regul&auml;ren Wahlen nicht durchf&uuml;hrt, stand in Russland nie zur Debatte. Die Durchf&uuml;hrung der Wahlen ist heute eines der Signale, mit denen Russland seine Souver&auml;nit&auml;t und seinen Durchhaltewillen und auch seine Werte demonstriert. <\/p><p>Es gibt Wahldebatten im Fernsehen. Die Kandidaten d&uuml;rfen nur Fragen beantworten, sich aber nicht untereinander streiten. Harte Debatten zwischen den Parteien sind nicht erw&uuml;nscht. In Kriegszeiten soll das Volk geschlossen und nicht zerstritten sein, so offenbar das Leitmotiv der Fernsehmoderatoren. <\/p><p><strong>Es drohen ukrainische Attacken bei der Wahl<\/strong><\/p><p>&bdquo;Wir f&uuml;hren die Wahlen unter extremen Bedingungen durch&ldquo;, erkl&auml;rte Ella Panfilowa, die Leiterin der Zentralen Wahlkommission, am 5. August bei einem Treffen mit Wladimir Putin. Denn, so Panfilowa, von der &bdquo;Kiewer Bande der Kinderm&ouml;rder&ldquo; k&ouml;nne man &bdquo;alles M&ouml;gliche erwarten&ldquo;.<\/p><p>Mit dieser &Auml;u&szlig;erung spielte Panfilowa auf die Beschie&szlig;ung einer Schule in Starobelsk in der Volksrepublik Lugansk an, wo am 22. Mai bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Wohnheim 21 Sch&uuml;ler get&ouml;tet wurden. <\/p><p>Man m&uuml;sse mit &bdquo;Attacken und Cyberattacken&ldquo; rechnen, sagte die Vorsitzende der Wahlkommission. Deshalb werde man &bdquo;au&szlig;erordentliche Sicherheitsvorkehrungen treffen&ldquo;.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Gleichzeitig aber werde man die &bdquo;Transparenz und Offenheit&ldquo; bei den Wahlen beibehalten. F&uuml;r den Fall von Attacken w&uuml;rden &bdquo;Ersatzr&auml;ume&ldquo; und &bdquo;zus&auml;tzliche Energieversorgung&ldquo; bereitgehalten. <\/p><p>Die Gefahr f&uuml;r Zivilisten in Russland durch ukrainische Angriffe ist in diesem Jahr deutlich gestiegen. Die Zahl der Zivilisten, die durch ukrainische Drohnen starben, hat sich von Januar bis Juli 2026 um 119 Prozent erh&ouml;ht, erkl&auml;rte Ende August die stellvertretende Generalsekret&auml;rin der UNO, Rosemary DiCarlo, auf einer Sitzung des UNO-Sicherheitsrates.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] 329 Zivilisten sind in Russland zwischen Januar und Juli 2026 durch ukrainische Drohnen gestorben. 2.197 Zivilisten wurden in diesem Zeitraum durch ukrainische Drohnen verletzt. <\/p><p><strong>Die Wahl als &bdquo;B&uuml;rgerpflicht&ldquo;<\/strong><\/p><p>Sich an der Wahl zu beteiligen, war in Russland immer eine Art B&uuml;rgerpflicht. Und zu Kriegszeiten gilt diese moralische Pflicht ganz besonders. Ella Panfilowa erkl&auml;rte, &bdquo;wenn die Soldaten an der Front k&auml;mpfen&ldquo;, sei es &bdquo;die Pflicht der B&uuml;rger, zur Wahl zu gehen&ldquo;. Der russische Pr&auml;sident f&uuml;gte in dem Gespr&auml;ch mit Panfilowa hinzu, &bdquo;von der Legitimit&auml;t der Staatsmacht h&auml;ngt die Einheit unserer Gesellschaft ab&ldquo;. <\/p><p>Auf dem Treffen am 5. August informierte die Leiterin der Zentralen Wahlkommission den Pr&auml;sidenten auch &uuml;ber die Nummern der Parteilisten, die per Losverfahren bestimmt wurden. Die Nummer &bdquo;1&ldquo; hat auf der Parteiliste die Regierungspartei Einiges Russland (Jedinaja Rossija). Ihr folgte mit der Nummer &bdquo;2&ldquo; die westlich-orientierte Partei Jabloko. <\/p><p>Doch schon f&uuml;nf Tage nach dem Treffen von Putin und Panfilowa, am 10. August, wurde die Partei Jabloko auf Beschluss des Obersten Gerichts <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154878\">von der Wahlliste gestrichen<\/a>. Der Leiter der Partei &bdquo;Heimat&ldquo; (Rodina), Alexej Schurawlow, der meist mit scharfen Attacken gegen den Westen in russischen Talk-Shows auftritt, hatte eine Klage gegen Jabloko beim Obersten Gericht eingereicht. Besonders gereizt hatte Schurawlow offenbar das Wahlprogramm von Jabloko. Es bestand aus nur wenig mehr als 40 Worten, in denen die Einstellung der milit&auml;rischen Handlungen in der Ukraine und ein Dialog mit Kiew gefordert wurde.<\/p><p>Seine Klage vor dem Obersten Gericht begr&uuml;ndete Schurawlow mit folgenden Vorw&uuml;rfen:[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Jabloko habe mehr als f&uuml;nf Prozent der Wahlwerbung aus Quellen au&szlig;erhalb des offiziellen Wahlfonds finanziert und auch finanzielle Hilfe aus dem westlichen Ausland erhalten. Bei der Wahlwerbung sei mit dem Zitieren aus sowjetischen Versen das Urheberrecht verletzt worden. <\/p><p>Dem dritten Vorwurf von Schurawlow, die Partei Jabloko habe sich mit &Auml;u&szlig;erungen gegen das Verbot der LGBT-Bewegung in Russland &bdquo;extremistisch&ldquo; ge&auml;u&szlig;ert, folgte das Oberste Gericht nicht. <\/p><p>Der Ausschluss von Jabloko von den Wahlen zur Duma hat in Russland nicht zu Protesten gef&uuml;hrt. Jabloko hatte bei den Duma-Wahlen 2021 nur 1,3 Prozent der Stimmen bekommen. Harte Kritik am politischen Kurs Russlands findet man in der russischen &Ouml;ffentlichkeit seit 2022 kaum noch. Kritik wird nur noch im privaten Kreis ge&auml;u&szlig;ert.<\/p><p>Die L&uuml;cke im &ouml;ffentlichen Raum versuchen nun in westliche L&auml;nder &uuml;bergesiedelte russische Oppositionelle wie Julia Navalnaja und Maksim Kaz zu f&uuml;llen. Sie werben per Internet f&uuml;r &bdquo;kluges W&auml;hlen&ldquo;. F&uuml;r jede Region Russlands schlagen sie Kandidaten verschiedener Parteien vor, mit denen man die Stimmenzahl f&uuml;r die Regierungspartei Einiges Russland maximal dr&uuml;cken k&ouml;nne &ndash; eine Taktik, f&uuml;r die der verstorbene Oppositions-Politiker Alexej Nawalny das erste Mal bei der Duma-Wahl 2018 geworben hatte. Wenn man seinen Wohnort in einer Internet-Plattform eingibt, wird von &bdquo;Kluges W&auml;hlen&ldquo; der Namen des Kandidaten genannt, der die meisten Chancen gegen den &ouml;rtlichen Kandidaten von Einiges Russland hat. <\/p><p><strong>Benzin muss im Ausland gekauft werden<\/strong><\/p><p>Die diesj&auml;hrigen Wahlen in Russland finden in einer v&ouml;llig anderen Situation statt als die letzten Duma-Wahlen 2021. Seit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine ist die wirtschaftliche Situation in Russland schwieriger geworden. Diese Tatsache k&ouml;nnte der Regierungspartei Einiges Russland, die 325 der 450 Sitze in der Duma hat, zu schaffen machen. W&auml;hler k&ouml;nnten verst&auml;rkt patriotische und linke oder neue Parteien wie &bdquo;Neue Leute&ldquo; oder &bdquo;Partei der direkten Demokratie&ldquo; w&auml;hlen.<\/p><p>Nur ein Beispiel f&uuml;r die angespannte wirtschaftliche Situation: Seit Kiew gezielt russische Raffinerien mit Drohnen beschie&szlig;en l&auml;sst, gibt es einen Mangel an Benzin. Russland war gezwungen, Benzin in Nachbarl&auml;ndern wie Wei&szlig;russland, Kasachstan und der T&uuml;rkei zu kaufen. Dadurch begann der Rubel, an Wert zu verlieren. Er rutschte von 73 Rubel f&uuml;r einen Dollar auf 85 Rubel f&uuml;r einen Dollar. &Auml;hnlich war die Entwicklung beim Euro. <\/p><p>Zudem gibt es in Russland seit 2022 einen massiven Anstieg der Verbraucherpreise. Nach meinem Eindruck sind die Preise um 20 Prozent gestiegen. Die Preise f&uuml;r Importwaren wie Elektronik und Autos haben sich teilweise sogar verdoppelt. <\/p><p>Zu Protesten haben die Preiserh&ouml;hungen aber bisher nicht gef&uuml;hrt. Der Gro&szlig;teil der Russen passt sich notgedrungen an die Situation an. Viele russische Autofahrer tanken nun auch Reservekanister voll. Gro&szlig;e Warenh&auml;user sind leerer als fr&uuml;her.<\/p><p>Auch im Wahlkampf macht sich das Problem der Preissteigerungen bemerkbar. So wurde von dem Moskauer KPRF-Kandidaten Viktor Zarichin bei einer Wahldebatte im russische Fernsehkanal &bdquo;Erstes&ldquo; die staatliche Kontrolle der Preise bei Grundnahrungsmitteln und die Abschaffung der Mehrwertsteuer f&uuml;r diese Nahrungsmittel gefordert.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Die Vertreter aller anderen Parteien &ndash; auch die der Regierungspartei Einiges Russland &ndash; forderten ebenfalls eine mehr verbraucherfreundliche Politik. Die gro&szlig;en Lebensmittel-Lieferanten w&uuml;rden die Preise hochtreiben, hie&szlig; es von mehreren Parteien-Vertretern. Es brauche in russischen St&auml;dten mehr M&auml;rkte, auf denen die Erzeuger von Lebensmitteln selbst ihre Produkte verkaufen. Ein Vertreter der Regierungspartei Einiges Russland forderte ein &bdquo;Anti-Korruptionskomitee&ldquo; und die Festsetzung bestimmter Preise durch den Staat. <\/p><p><strong>Liberaldemokraten: Jeder Russe soll einen halben Hektar bekommen<\/strong><\/p><p>Der Vertreter der national orientierten Liberaldemokraten &ndash; die Partei wurde von Wladimir Schirinowski gegr&uuml;ndet &ndash; forderte, dass jeder Russe einen halben Hektar Boden bekommen m&uuml;sse, wo man Gem&uuml;se und Obst anbauen k&ouml;nne. Wenn man so eine Ma&szlig;nahme durchf&uuml;hren w&uuml;rde, dann brauche man daf&uuml;r &bdquo;nur f&uuml;nf Prozent des Territoriums von Russland&ldquo;. Leicht durchf&uuml;hrbar ist dieser Vorschlag aber nicht. Es gibt zwar viele unbebaute und brach liegende Fl&auml;chen in Russland, doch die liegen meist weit von den St&auml;dten entfernt. <\/p><p>Der Vertreter der Partei &bdquo;F&uuml;r direkte Demokratie&ldquo;, die kurz vor den jetzt anstehenden Wahlen von IT-Experten gegr&uuml;ndet wurde, erkl&auml;rte in einer Wahldebatte, 39 Prozent der Einkommen gingen heute f&uuml;r Lebensmittel drauf. Auch dieser Parteivertreter fordert &bdquo;die Kontrolle der Zwischenh&auml;ndler&ldquo;.<\/p><p>Der Vertreter der sozialdemokratischen Partei &bdquo;Gerechtes Russland&ldquo; forderte in einer Wahldebatte einen Stopp bei der Erh&ouml;hung der Kosten f&uuml;r die Wohnraumbewirtschaftung. Der Vorsitzende der Liberaldemokraten forderte sogar die Bestrafung von Firmen, welche Wohnh&auml;user nicht korrekt bewirtschaften. Notfalls m&uuml;ssten diese Firmen geschlossen werden. <\/p><p>Die Bewirtschaftung von Mehrfamilienh&auml;usern, die seit den 2000er-Jahren meist von Firmen der Kommunen abgewickelt werden, ist ein schmerzlicher Dauerbrenner in Russland. Kritik gibt es immer wieder wegen schlampiger Reparaturen und einem undurchsichtigen Abrechnungssystem. <\/p><p><strong>Die bissige Ironie des roten Agitators<\/strong><\/p><p>Trotz aller M&auml;ngel und aller Kritik wird die Regierungspartei Einiges Russland aber wohl wieder die Wahlen gewinnen. Bei den Duma-Wahlen 2021 bekam die Partei 49,8 Prozent der Stimmen. <\/p><p>Einiges Russland hat einen enormen Vorteil. Sie stellt nicht nur die meisten B&uuml;rgermeister und Gouverneure. Auf der &bdquo;f&ouml;deralen Kandidaten-Liste&ldquo; dieser Partei stehen auch die Namen landesweit bekannter Politiker. Angef&uuml;hrt wird die Liste von Au&szlig;enminister Sergej Lawrow, dem Moskauer B&uuml;rgermeister Sergej Sobjanin, der Beauftragten f&uuml;r die Rechte der Kinder, Maria Lwowa-Belowa, dem Milit&auml;r-Korrespondenten Jewgeni Poddubnyj und dem Leiter der Jugendorganisation &bdquo;Junarmija&ldquo;, Wladislaw Golowin.<\/p><p>Einiges Russland beteiligt sich auch an den Wahldebatten im Fernsehen, aber wichtiger ist f&uuml;r das Image der Partei, wenn ihre Kandidaten im Fernsehen neu gebaute Krankenh&auml;user, Schulen und U-Bahn-Stationen vorstellen. <\/p><p>Der st&auml;rkste Herausforderer von Einiges Russland ist die Kommunistische Partei der Russischen F&ouml;deration. Sie bekam bei den letzten Duma-Wahlen 18,9 Prozent der Stimmen. Die Partei-F&uuml;hrung kritisiert die russische Regierung sachlich und ohne &Uuml;bertreibungen. Doch es gibt auch j&uuml;ngere KPRF-Kandidaten, die eine komplett andere Sprache sprechen. Sie kommentieren die Regierungspolitik oft mit bissiger Ironie. <\/p><p>Landesweit bekannt ist Nikolai Bondarenko aus Samara. Bondarenko wurde von einem Gericht in Samara von der Wahlliste der KPRF gestrichen, weil Bondarenko angeblich auf seiner Website das Bild des verstorbenen Bloggers Alexej Nawalny gepostet hat. Bondarenko bestreitet, dass die inkriminierte Website seine Seite ist und er hat vor Gericht Widerspruch gegen die Streichung von der Wahlliste eingelegt. <\/p><p>Die F&uuml;hrung der KPRF stellte sich geschlossen hinter Bondarenko. Der Politiker aus Samara spricht, wie man zuhause am K&uuml;chentisch spricht, er schimpft und ironisiert. Er ist Blogger und hat &uuml;ber zwei Millionen Abonnenten. Bondarenko kritisiert nicht Putin, sondern die Partei Einiges Russland. Diese Partei macht er verantwortlich f&uuml;r das starke soziale Gef&auml;lle in Russland. Die Sch&auml;rfe seines Auftretens erinnert an Alexej Nawalny, der ebenfalls Einiges Russland in die Zange nahm.<\/p><p>Mitte September geschah ein Wunder. Nikolai Bondarenko wurde, obwohl von der Wahlliste der KPRF gestrichen, vom Fernsehkanal &bdquo;Das Erste&ldquo; zu einer Wahldebatte mit Kandidaten anderer Parteien eingeladen. Der KPRF-Mann machte daraus ein Riesen-Spektakel. Er filmte[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] mit seinem Handy nicht nur seinen Auftritt w&auml;hrend der Wahldebatte, sondern auch &ndash; ohne Vorwarnung &ndash; Vorgespr&auml;che im Studio mit Mitarbeitern des Fernsehkanals, anderen Kandidaten sowie deren Mitarbeitern. Vor und nach der Wahldebatte kritisierte Bondarenko direkt vor der Kulisse des Studios die vorgegebene Form der Debatte, bei der jeder Teilnehmer nur eine Minute Redezeit hat und ein Schlagabtausch zwischen den Kandidaten nicht zugelassen wird. <\/p><p><strong>Ein Journalist: &bdquo;Alle Parteien sollen die gleichen Chancen haben&ldquo;<\/strong><\/p><p>Wer sich gr&uuml;ndlich &uuml;ber die russischen Wahlen informieren will, findet in russischen Zeitungen und Internetportalen ausreichend Informationen. Insbesondere die liberale Zeitung <em>Nesawisimaja Gaseta<\/em> und das Business-Portal <em>RBK<\/em> berichteten sehr ausf&uuml;hrlich &uuml;ber den Ausschluss der Partei Jabloko und die Wahlkampagne der KPRF und anderer Parteien. <\/p><p>Am 14. Juli konnte man in der <em>Nesawisimaja Gaseta<\/em> einen Artikel[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] lesen, der darauf hinwies, dass die Dominanz der Partei Einiges Russland nicht gut ist f&uuml;r die politische Stabilit&auml;t in Russland. Der Autor meinte, es k&ouml;nne vorkommen, dass staatliche Verwaltungen, &bdquo;um den Namen des Pr&auml;sidenten und der Zentralbank zu sch&uuml;tzen&ldquo;, F&auml;lschungen der Wahlergebnisse vornehmen. Doch wer solche F&auml;lschungen mache, riskiere, dass es zu &bdquo;sozialen Spannungen&ldquo; komme.<\/p><p>Der Westen w&uuml;rde auf solche Spannungen &bdquo;geradezu warten&ldquo;. So k&ouml;nne aus einem &bdquo;taktischen Sieg&ldquo; von Einiges Russland bei den Wahlen eine &bdquo;strategische Niederlage&ldquo; werden. <\/p><p>Der Autor des Artikels gab zu bedenken, dass eine st&auml;rkere Rolle der kleineren Parteien im politischen Leben f&uuml;r die Stabilit&auml;t Russlands g&uuml;nstig w&auml;re. Die Partei Einiges Russland sei 1999 als Bollwerk gegen &bdquo;den destruktiven Einfluss westlicher Elemente&ldquo; gebildet worden. Daf&uuml;r sei &bdquo;der Eisbrecher Einiges Russland&ldquo; n&uuml;tzlich gewesen. Doch heute g&auml;be es in der Duma mit den vier Parteien Einiges Russland, KPRF, Gerechtes Russland und Liberaldemokraten eine klare Mehrheit f&uuml;r den Pr&auml;sidenten Russlands. &bdquo;Was passiert Schreckliches f&uuml;r die Sicherheit des Landes, wenn in einem Wahlkreis nicht der Vertreter von Einiges Russland, sondern der Vertreter von Gerechtes Russland oder der Liberaldemokraten siegt?&ldquo;, fragt der Autor rhetorisch. <\/p><p>Es sei nicht richtig, wenn die Pr&auml;sidialverwaltung und die Verwaltungen der Regionen sich vor allem um das Wohlergehen von Einiges Russland k&uuml;mmerten. Alle Parteien m&uuml;ssten die gleichen Chancen bekommen. Das w&auml;re auch &bdquo;eine ernsthafte Ma&szlig;nahme gegen Korruption&ldquo;. Korrekt laufende Wahlen w&uuml;rden &bdquo;soziale Spannungen in der Gesellschaft abbauen&ldquo;. Dann h&auml;tten die W&auml;hler &bdquo;das Gef&uuml;hl, dass ihre Stimme z&auml;hlt&ldquo;.<\/p><p>Dass so ein Artikel in einer angesehenen russischen Zeitung erscheint, ist meiner Meinung nach ein positives Signal.<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Diese Parteien stehen zur Wahl<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Einiges Russland (liberal-patriotisch, 2021: 49,8 Prozent)<\/li>\n<li>KPRF (Kommunisten, 2021: 18,9 Prozent)<\/li>\n<li>LDPR (Liberaldemokraten, 2021: 7,5 Prozent)<\/li>\n<li>Gerechtes Russland (Sozialdemokraten, 2021: 7,4 Prozent)<\/li>\n<li>Neue Leute (Partei der gro&szlig;st&auml;dtischen Mittelschicht, 2021: 5,3 Prozent)<\/li>\n<li>Partei der Rentner (2021: 2,4 Prozent)<\/li>\n<li>Kommunisten Russlands (2021: 1,3 Prozent)<\/li>\n<li>Die Gr&uuml;nen (2021: 0,91 Prozent)<\/li>\n<li>Partei der direkten Demokratie (gegr&uuml;ndet 2020 von IT-Experten)<\/li>\n<li>Heimat (radikal-patriotisch, 2021 ein Direktmandat)<\/li>\n<\/ul><\/div><p><small>Titelbild: Ulrich Heyden<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/cd39ee8c10fd4e768ccdf938ac2bf9a8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/rutube.ru\/video\/3860165a375f34db83af1a2a58dc7d06\/\">Treffen von Ella Panfilowa mit Wladimir Putin<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.vesti.ru\/ns\/oon-v-rossii-rastet-kolichestvo-ranenykh-i-pogibshikh-ot-atak-vsu-lyudej\">Bericht des russischen Fernsehens, vesti<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.vedomosti.ru\/politics\/articles\/2026\/08\/12\/1220673-sud-obyasnil-otmenu-yabloka\">Die Klage der Partei &bdquo;Heimat&ldquo; gegen die Partei Jabloko<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Wahlkampfdebatte in russischen Fernsehkanal &bdquo;Das Erste&ldquo; am 8. September 2026<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] KPRF Kandidat Bondarenko im Fernsehstudio des f&ouml;deralen Kanals &bdquo;Das Erste&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BtfSBDG3pX4\">&#1041;&#1086;&#1085;&#1076;&#1072;&#1088;&#1077;&#1085;&#1082;&#1086; &#1085;&#1072; &#1055;&#1045;&#1056;&#1042;&#1054;&#1052;. &#1044;&#1077;&#1073;&#1072;&#1090;&#1099; &#1085;&#1072; &#1075;&#1083;&#1072;&#1074;&#1085;&#1086;&#1084; &#1082;&#1072;&#1085;&#1072;&#1083;&#1077; &#1089;&#1090;&#1088;&#1072;&#1085;&#1099;<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Michail Jemeljanow (Nesawisimaja Gaseta) zu den Duma-Wahlen <a href=\"https:\/\/www.ng.ru\/kartblansh\/2026-07-14\/3_9537_kb.html?ysclid=mu3wgq7jqy25270258\">&#1042;&#1099;&#1073;&#1086;&#1088;&#1099;-2026: &#1086;&#1073; &#1080;&#1085;&#1077;&#1088;&#1094;&#1080;&#1086;&#1085;&#1085;&#1086;&#1084;, &#1072;&#1083;&#1072;&#1088;&#1084;&#1080;&#1089;&#1090;&#1089;&#1082;&#1086;&#1084; &#1080; &#1072;&#1083;&#1100;&#1090;&#1077;&#1088;&#1085;&#1072;&#1090;&#1080;&#1074;&#1085;&#1086;&#1084; &#1074;&#1072;&#1088;&#1080;&#1072;&#1085;&#1090;&#1072;&#1093; \/ &#1050;&#1040;&#1056;&#1058;-&#1041;&#1051;&#1040;&#1053;&#1064; \/ &#1053;&#1077;&#1079;&#1072;&#1074;&#1080;&#1089;&#1080;&#1084;&#1072;&#1103; &#1075;&#1072;&#1079;&#1077;&#1090;&#1072;<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 18. bis zum 20. 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