{"id":156503,"date":"2026-09-21T09:25:29","date_gmt":"2026-09-21T07:25:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156503"},"modified":"2026-09-21T10:29:37","modified_gmt":"2026-09-21T08:29:37","slug":"landtagswahlen-in-berlin-und-mecklenburg-vorpommern-triumph-fuer-die-linke-und-desaster-fuer-die-cdu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156503","title":{"rendered":"Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern: Triumph f\u00fcr die Linke und Desaster f\u00fcr die CDU"},"content":{"rendered":"<p>Der Pulverdampf der Wahlen in Sachsen-Anhalt ist noch lange nicht verraucht, und schon gibt es neue dicke Luft. Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind &auml;hnlich spektakul&auml;r, und f&uuml;r kr&auml;ftige Nachwahl-Wehen ist auch gesorgt. Von <strong>Rainer Balcerowiak<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nBeginnen wir in Berlin. Eindeutiger Wahlsieger ist die Linke, die ihr Ergebnis von 2023 mehr als verdoppeln konnte und 25,7 Prozent der Stimmen gewann. Krachend abgew&auml;hlt wurden dagegen die bisherigen Regierungsparteien CDU und SPD, die jeweils mehr als ein Drittel ihrer Stimmen verloren und bei 18,8 bzw. 12,1 Prozent der Stimmen landeten. Verloren haben auch die Gr&uuml;nen, die fast ein Viertel ihrer Stimmen einb&uuml;&szlig;ten und mit 14,3 Prozent noch hinter der AfD landeten. Die ist neben den Linken mit einem Zuwachs um 7,2 Prozentpunkte und einem Ergebnis von 16,3 Prozent der zweite gro&szlig;e Gewinner dieser Wahl. Das BSW lag in den Hochrechnungen lange Zeit bei 5 Prozent, scheiterte aber letztendlich mit 4,7 Prozent an dieser H&uuml;rde und verpasste somit den Einzug ins Abgeordnetenhaus.<\/p><p>Der Berliner Wahlkampf hatte nach der Wahl in Sachsen-Anhalt noch mal m&auml;chtig Fahrt aufgenommen. Die CDU hatte zwar den abrupten Absturz ihres Regierenden B&uuml;rgermeisters und Spitzenkandidaten Kai Wegner und dessen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153667\">kurzfristige Ersetzung durch Stefan Evers<\/a> anscheinend ganz gut verkraftet, befand sich angesichts des Wahldesasters im Osten aber in einer kollektiven Depression. Die ohnehin in den Umfragen ziemlich abgeschlagene SPD hatte pl&ouml;tzlich eine vermeintliche Korruptionsaff&auml;re ihres Spitzenkandidaten Steffen Krach am Hals. Und die eine Zeitlang in den Umfragen f&uuml;hrende LINKE und ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp sahen sich nach einigen Vorf&auml;llen rund um den Bezirksverband Neuk&ouml;lln erneut mit <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/berlin-wahl-2026\/beitraege\/berlin-elif-eralp-wahlkampf-rapper-linke-israel-rapper.html\">heftigen Antisemitismus-Vorw&uuml;rfen konfrontiert<\/a>.<\/p><p>Die AfD konnte dagegen nach dem Wahltriumph in Sachsen-Anhalt vor Kraft kaum laufen und rechnete mit einem deutlich besseren Ergebnis. Zwar konnte sie in ihren Hochburgen im Osten der Stadt Ergebnisse einfahren, die fast sachsen-anhaltinische Ausma&szlig;e haben, aber f&uuml;r eine gesamtst&auml;dtische &bdquo;Blaue Welle&ldquo; reichte es bei weitem nicht. F&uuml;r die Spitzenkandidatin Kristin Brinker, die auch den Landes- und Fraktionsvorsitz innehat, k&ouml;nnte es nach diesem insgesamt doch entt&auml;uschenden Ergebnis ungem&uuml;tlich werden. Schon l&auml;nger gibt es innerparteiliche Kritik an ihrem &bdquo;zu weichen&ldquo; Kurs.<\/p><p><strong>Wohnungskrise war wahlentscheidend<\/strong><\/p><p>Das BSW w&auml;hnte sich nach dem &uuml;berraschenden Erfolg in Sachsen-Anhalt auch wieder im deutlichen Aufwind und setzte angesichts des eskalierenden Konflikts mit Russland weiterhin konsequent auf sein Kernthema Frieden, unter anderem mit durchaus wahrnehmbaren Protesten gegen die <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1202302.demonstration-streit-ums-russische-haus-erreicht-die-strasse.html\">Schlie&szlig;ung des Russischen Hauses in Berlin<\/a>. Aber was sich bei dem Europa- und den Bundestagswahlen in Berlin noch als recht zugkr&auml;ftig erwies, ist in der Priorit&auml;tenliste der W&auml;hler f&uuml;r das Landesparlament dieser infrastrukturell und sozial ziemlich abgerockten Stadt offensichtlich deutlich nach hinten gerutscht. Dazu kommt, dass das BSW stadtpolitisch nicht allzu viel Origin&auml;res zu bieten hatte. Und so hat es eben nicht gereicht.<\/p><p>Auch bei den Wahlen zu den Bezirksparlamenten gab es teilweise deutliche Verschiebungen. So konnte die Linke die Gr&uuml;nen in deren klassischen Hochburgen Berlin-Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg deutlich &uuml;berholen und wird dort voraussichtlich die Bezirksb&uuml;rgermeister stellen. Auch in Pankow, Treptow-K&ouml;penick, Lichtenberg und Neuk&ouml;lln wurde die Linke st&auml;rkste Kraft.<\/p><p>Das Gewinnerthema der Linken war eindeutig die Wohnungsfrage. Wohnungsmangel und Mietenexplosion haben in der Hauptstadt f&uuml;r immer mehr Menschen existenzbedrohende Ausma&szlig;e angenommen, und die Partei hat Forderungen zur Eind&auml;mmung dieser Krise am klarsten formuliert, bis hin zur Vergesellschaftung gro&szlig;er privater Wohnungskonzerne und einem gro&szlig;en kommunalen Neubauprogramm. Die Partei konnte vor allem in der Gruppe der 16- bis 24-J&auml;hrigen mit einem Anteil von &uuml;ber 40 Prozent punkten. Und sie profitierte von der deutlich gestiegenen Wahlbeteiligung und gewann deutlich mehr bisherige Nichtw&auml;hler als die anderen Parteien &ndash; was eigentlich die Dom&auml;ne der AfD ist.<\/p><p><strong>Regierungsbildung bleibt vorerst offen<\/strong><\/p><p>Was diese Wahl relativ langweilig machte: Es war schon vorher klar, dass es danach quasi unabh&auml;ngig vom Wahlergebnis nur zwei denkbare Regierungsformationen geben kann: CDU\/Gr&uuml;ne\/SPD oder LINKE\/Gr&uuml;ne\/SPD. Zwar k&ouml;nnen die Linken als Wahlsieger einen Auftrag zur Regierungsbildung f&uuml;r sich reklamieren, aber im Zuge von Sondierungen und Koalitionsverhandlungen k&ouml;nnen Gr&uuml;ne und SPD jederzeit mit der schwarzen Karte winken. Besonders beim zentralen Wahlkampfschlager der Linken, der Vergesellschaftung gro&szlig;er privater Wohnungskonzerne, ist mit einem beinharten Veto der SPD zu rechnen. Auch bei anderen Themen &ndash; wie etwa der Olympia-Bewerbung und der massiven Aufr&uuml;stung der Polizei &ndash; k&ouml;nnte es vernehmlich knirschen.<\/p><p>Nat&uuml;rlich ist von den Linken wie &uuml;blich zu erwarten, dass sie sich angesichts lockender Regierungsbeteiligung oder gar dem Amt der Regierenden B&uuml;rgermeisterin f&uuml;r Elif Eralp &auml;u&szlig;erst &bdquo;flexibel&rdquo; zeigen wird und nicht nur die Vergesellschaftung, sondern auch weitere Wahlkampfschlager relativ schnell begraben wird. Die Basis, die &uuml;ber den Koalitionsvertrag abstimmen darf, soll dann mit dem bew&auml;hrten Totschlagargument, dass es ohne die &bdquo;Kompromisse&ldquo; viel schlimmer werde, weil dann die CDU am Ruder bleibe, eingenordet werden; was bisher auch immer geklappt hat. Aber es ist auch denkbar, dass Gr&uuml;ne und SPD eine Koalition mit der arg gerupften und auch bundespolitisch taumelnden CDU nach ersten Sondierungen mit den Linken als pflegeleichter einstufen. Deren Spitzenkandidaten f&uuml;hrten am Wahlabend auch immer wieder das &bdquo;Antisemitismus-Problem&ldquo; dieser Partei als m&ouml;gliches Hindernis f&uuml;r eine &bdquo;rot-gr&uuml;n-rote&ldquo; Koalition ins Feld.<\/p><p><strong>AfD gewinnt in Mecklenburg-Vorpommern, CDU fliegt aus dem Landtag<\/strong><\/p><p>Gew&auml;hlt wurde auch in Mecklenburg-Vorpommern. Der recht popul&auml;ren Ministerpr&auml;sidentin Manuela Schwesig (SPD) ist es gelungen, ihre lange Zeit in den Umfragen weit zur&uuml;ckliegende Partei in einer fulminanten Aufholjagd an die scheinbar uneinholbare AfD heranzuf&uuml;hren. Dabei hatte sie sich auch deutlich vernehmbar von einigen &bdquo;Reformvorhaben&ldquo; der Bundesregierung abgesetzt, etwa bei der Rente, in der Pflege und beim Gesundheitswesen. Ganz gereicht hat das aber nicht. Die SPD erreichte 35,5 Prozent der Stimmen, ein Verlust von 4,1 Prozentpunkten gegen&uuml;ber 2021. Die AfD ist mit 38,2 Prozent und einem Zugewinn von 21,1 Prozentpunkten klarer Wahlsieger, hat aber ihr Wahlziel absolute Mehrheit deutlich verpasst. Ihr Spitzenkandidat Leif-Erik Holm hatte auch nicht die Entertainer- und Volkstribun-Qualit&auml;ten eines Ulrich Siegmund.<\/p><p>Bei den Verlierern sorgt vor allem das spektakul&auml;re Desaster der CDU f&uuml;r Aufsehen. Erstmals scheiterte die Partei bei einer Landtagswahl mit Verlusten von 8,4 Prozentpunkten mit 4,9 Prozent an der 5-Prozent-H&uuml;rde und wird nicht mehr im Landtag vertreten sein. In der Bundes-CDU wird dieses desastr&ouml;se Erlebnis gewisse Zerfallserscheinungen inklusive der Debatte um eine Abl&ouml;sung von Friedrich Merz m&auml;chtig befeuern. Und auch bei der SPD wird man registrieren, dass der relative Erfolg von Manuela Schwesig vor allem ihrer deutlichen Kritik am &bdquo;Reformkurs&ldquo; zu verdanken ist.<\/p><p>Die Linke verlor rund ein Drittel ihrer Stimmanteile und landete bei 6,5 Prozent. Die Gr&uuml;nen haben den erneuten Einzug in das Landesparlament trotz leichter Verluste mit 5,7 Prozent geschafft, was zwar nicht wirklich &uuml;berraschend, aber keineswegs sicher war. Gescheitert ist dagegen auch in Mecklenburg-Vorpommern das BSW mit 4,8 Prozent. Wie in Sachsen-Anhalt hatte das BSW im Wahlkampf eine Wiederwahl von Manuela Schwesig ausgeschlossen und f&uuml;r einen &bdquo;unabh&auml;ngigen&ldquo; Ministerpr&auml;sidenten mit einem &bdquo;Expertenkabinett&rdquo; mit wechselnden Parlamentsmehrheiten unter Einbeziehung der AfD geworben. Inhaltlich setzte das BSW auch in Mecklenburg-Vorpommern auf den Themenkomplex Frieden\/Aufr&uuml;stung; aber anscheinend mit recht geringer Resonanz, obwohl in Mecklenburg-Vorpommern als Ostsee-Anrainer-Land die Eskalation des Konfliktes mit Russland besonders pr&auml;sent ist.<\/p><p>Die Regierungsbildung wird in diesem Bundesland &ndash; anders als in Sachsen-Anhalt und Berlin &ndash; vergleichsweise einfach sein. Zwar hat die &bdquo;rot-rote&ldquo; Koalition keine Mehrheit mehr, kann aber relativ ger&auml;uschlos die Gr&uuml;nen mit ins Boot nehmen. Differenzen &uuml;ber die Kriegst&uuml;chtigkeits-Politik sind nicht zu erwarten. SPD und Gr&uuml;ne geh&ouml;ren eh zum Kriegstreiber-Lager, und die Linke hat auch das Votum des Landes f&uuml;r die Kriegskredite im Bundesrat einfach durchgewunken.<\/p><p>Einer der H&ouml;hepunkte des Wahlabends war zweifellos ein seltsam entr&uuml;ckter Auftritt des Bundeskanzlers unmittelbar nach den ersten Prognosen. Der bekr&auml;ftigte trotz des desastr&ouml;sen Einbruchs seiner Partei den &bdquo;Reformkurs&ldquo; der Regierung, der jetzt umso entschlossener durchgezogen werden m&uuml;sse. Dazu br&auml;uchte es &bdquo;R&uuml;ckgrat, Standhaftigkeit und Geduld&ldquo;, und das werde er &bdquo;aufbringen, als CDU-Vorsitzender und vor allem als Bundeskanzler&ldquo;. Was die beiden Wahlniederlagen f&uuml;r das BSW bedeuten werden, ist noch nicht absehbar. Gerade nach dem Erfolg in Sachsen-Anhalt sitzt der Schock jetzt ziemlich tief, und die ersten Reaktionen wirkten eher trotzig bis unbeholfen.<\/p><p>Der Landtagswahlzirkus legt jetzt eine l&auml;ngere Tourneepause ein. Weiter geht es erst am 18. April 2027 in Schleswig-Holstein und im Saarland, gefolgt von Nordrhein-Westfalen an 25. April. Bis dahin wird noch einiges passieren, und wohl niemand w&uuml;rde derzeit eine Wette darauf eingehen, dass Friedrich Merz dann noch Kanzler ist oder die Bundesregierung als Ganzes in ihrer jetzigen Form noch existiert.<\/p><p><small>Titelbild: MakroBetz\/shutterstock.com<\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/5bebef84025a4cdbae5546f4dc306832\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Pulverdampf der Wahlen in Sachsen-Anhalt ist noch lange nicht verraucht, und schon gibt es neue dicke Luft. Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind &auml;hnlich spektakul&auml;r, und f&uuml;r kr&auml;ftige Nachwahl-Wehen ist auch gesorgt. 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