{"id":156648,"date":"2026-09-24T10:00:28","date_gmt":"2026-09-24T08:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156648"},"modified":"2026-09-24T10:02:18","modified_gmt":"2026-09-24T08:02:18","slug":"wo-sind-die-kinder-unserer-politiker-warum-sollen-wir-sterben-waehrend-sie-im-ausland-partys-feiern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156648","title":{"rendered":"Wo sind die Kinder unserer Politiker \u2013 warum sollen wir sterben, w\u00e4hrend sie im Ausland Partys feiern?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Journalistin stellt richtige Frage<\/strong><\/p><p>Eine Journalistin <a href=\"https:\/\/www.20min.ch\/story\/vitali-klitschko-interview-kiew-ukarine-krieg-kinder-politiker-103635507\">fragt<\/a> Vitali Klitschko, wo die Kinder der Politiker sind, wenn es um den Kampf an der Kriegsfront geht. Das ist eine Frage, die mehr als angebracht ist. Gut, dass sie gestellt wurde. Dabei geht es aber gar nicht darum, dass man Kinder von Politikern an der Front sehen will &ndash; genauso wenig wie dort die Kinder der &bdquo;einfachen&ldquo; Menschen sein sollten. Schlie&szlig;lich will man nicht zu dem Monster werden, das man verdammt. Angebracht ist die Frage deshalb, weil sie auf die Heuchelei der Politik ein Licht wirft. Jeder wei&szlig; es: In jedem Krieg beschw&ouml;ren Politiker das &bdquo;Wir&ldquo;. Sie reden vom Kampf und von Opfern, die ein Jeder bringen m&uuml;sse. Allerdings: An der Front sterben die Kinder der normalen Leute. Die Kinder der Politiker m&uuml;ssen dem Kriegstod nicht ins Auge sehen &ndash; genauso wenig wie die Politiker selbst. Die Antwort Klitschkos ist entlarvend. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAuch im Journalismus der gro&szlig;en Medien gibt es Lichtblicke. Ein Lichtblick ist dann zu sehen, wenn ein Journalist gegen&uuml;ber einem Politiker die richtige Frage stellt. Eine Journalistin der Schweizer Zeitung <em>Blick<\/em> hat ein Interview mit Vitali Klitschko, dem B&uuml;rgermeister von Kiew, gef&uuml;hrt.<\/p><p>Klitschko sagt darin:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Unsere Spit&auml;ler sind voll mit jungen Menschen, mit unseren Soldaten. Sie sind kaum &auml;lter als 30 Jahre und haben keine Arme, keine Beine oder keine Augen mehr. Manchmal brauche ich nach einem Besuch in unseren Spit&auml;lern selbst psychologische Betreuung. Es ist schwer zu sehen, durch welche H&ouml;lle diese jungen M&auml;nner gegangen sind.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Das ist eine bemerkenswerte Aussage. Gewiss nicht, weil sie etwas Neues hervorbringt. Schlie&szlig;lich: <em>So<\/em> ist der Krieg. Aus diesem Grund, um solche &bdquo;Bilder&ldquo;, um solche furchtbaren Schicksale zu vermeiden, wird jeder vern&uuml;nftige Politiker alles tun, damit es erst gar nicht zu einem Krieg kommt &ndash; und wenn es zu einem Krieg kommt, wird er alles daransetzen, ihn, so schnell es &uuml;berhaupt nur geht, zu einem Ende zu bringen. Bemerkenswert ist die Aussage deshalb, weil das Ausma&szlig; des Leides, dem Soldaten ausgesetzt sind, ihre Verst&uuml;mmelungen, ihre k&ouml;rperlichen und seelischen Sch&auml;den, von Politikern gerne ausgeblendet werden.<\/p><p>Auf die Aussage Klitschkos schlie&szlig;t sich die zentrale Frage der Blick-Journalistin an:<\/p><blockquote><p><strong>Manche M&auml;nner fragen: Warum k&auml;mpfen wir einfachen Leute? Wo sind die Kinder unserer Politiker &ndash; warum sollen wir sterben, w&auml;hrend sie im Ausland Partys feiern? Was antworten Sie darauf?<\/strong><\/p>\n<p>Meinen Sie das wegen meiner Kinder?<\/p>\n<p><strong>Es geht generell um die Kinder der Politiker &ndash; aber auch um Ihre.<\/strong><\/p>\n<p>Meine Kinder haben nie in der Ukraine gelebt. Sie wurden in Amerika geboren und haben in Europa oder Amerika studiert.<\/p><\/blockquote><p>Es ist offensichtlich. Klitschko weicht der Frage aus.<\/p><p>Die Journalistin hakt nach:<\/p><blockquote><p><strong>Dennoch stellen sich viele Menschen diese Frage.<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe selbst im Ausland gelebt. Aber ich bin zur&uuml;ckgekommen, weil meine Wurzeln hier sind. Niemand hat mich gezwungen. Mir gef&auml;llt der Satz: &laquo;Wollen Sie den Krieg stoppen? Dann schicken Sie die Kinder der Entscheidungstr&auml;ger an die Front.&raquo;<\/p>\n<p><strong>Aber sie sind nicht dort. Eben das wird kritisiert.<\/strong><\/p>\n<p>Ich erw&auml;hne diesen Satz mit den Entscheidungstr&auml;gern nicht umsonst. Was mich betrifft: Ich bin jeden Monat an der Front. Ich m&ouml;chte nicht sterben, aber ich habe keine Angst.<\/p>\n<p><strong>Sie weichen meiner Frage dennoch aus, Herr Klitschko.<\/strong><\/p>\n<p>Was soll ich Ihnen antworten? Was meine Kinder betrifft, habe ich die Antwort gegeben. Ich kenne viele Gesch&auml;ftsleute, deren Kinder an der Front k&auml;mpfen &ndash; und ich kenne viele Gegenbeispiele. Man kann das nicht verallgemeinern.<\/p>\n<p><strong>Heisst das, es m&uuml;ssten mehr Kinder von Entscheidungstr&auml;gern an die Front, damit der Krieg endet?<\/strong><\/p>\n<p>Ihre Frage ist eine Frage f&uuml;r die ganze Gesellschaft. Ich bin f&uuml;r mich und meine Familie verantwortlich. Wir haben diesen Krieg nicht begonnen. Diesen <em>Scheisskrieg<\/em> kann nur ein Mensch stoppen: Derselbe, der ihn begonnen hat.<\/p><\/blockquote><p>Je mehr Klitschko redet, umso deutlicher wird, warum die Kritik am zweierlei Ma&szlig; der Politik, wenn es um den Einsatz ihrer eigenen Kinder geht, mehr als angebracht ist.<\/p><p>Die Geschichte von den &bdquo;<a href=\"https:\/\/friedensnoten.de\/beitraege\/die-doppelmoral-der-kriegsmacher\/\">Fortunate Son<\/a>&ldquo;, die einst die Band Creedence Clearwater Revival besungen hat, also: die Geschichte der &bdquo;gl&uuml;cklichen S&ouml;hne&ldquo; der Politiker, die nicht an die Front gehen, ist uralt.<\/p><p>Sie ist auch heute real.<\/p><p>Und noch etwas: Wenn Klitschko davon spricht, dass er jeden Monat an der &bdquo;Front&ldquo; sei, dann kann man das so nicht stehenlassen. An der Front &bdquo;ist&ldquo;, wer mit einem Gewehr im Sch&uuml;tzengraben liegt, nicht weg kann, jeden Tag, Stunde f&uuml;r Stunde in das M&uuml;ndungsfeuer des Feindes blicken muss &ndash; und schlimmstenfalls sogar noch &bdquo;busifiziert&ldquo; wurde, das hei&szlig;t, gegen seinen Willen unter Gewalt zwangsrekrutiert wurde. Ein Politiker, der unter maximalem Schutz an die &bdquo;Front&ldquo; f&auml;hrt, um sich tempor&auml;r ein Bild vor Ort zu machen, der &bdquo;ist&ldquo; nicht an der Front.<\/p><p><small>Titelbild: <a rel=\"nofollow\" class=\"external text\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/people\/45198836@N04\">European People&rsquo;s Party<\/a> &ndash; <a rel=\"nofollow\" class=\"external text\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/eppofficial\/54483888272\/\">EPP Congress 2025 | Valencia | Day 1<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\" title=\"Creative Commons Attribution 2.0\">CC BY 2.0<\/a>, <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=164574962\">Link<\/a><\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/43377a3ff86541d5bc77b1533eb7b1a9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Journalistin stellt richtige Frage<\/strong><\/p>\n<p>Eine Journalistin <a href=\"https:\/\/www.20min.ch\/story\/vitali-klitschko-interview-kiew-ukarine-krieg-kinder-politiker-103635507\">fragt<\/a> Vitali Klitschko, wo die Kinder der Politiker sind, wenn es um den Kampf an der Kriegsfront geht. 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