{"id":156768,"date":"2026-09-28T09:00:36","date_gmt":"2026-09-28T07:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156768"},"modified":"2026-09-28T09:09:04","modified_gmt":"2026-09-28T07:09:04","slug":"muenchen-wird-olympiabewerber-berlins-never-ending-losing-story","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156768","title":{"rendered":"M\u00fcnchen wird Olympiabewerber: Berlins \u201enever-ending losing story\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Sieger ist &hellip; M&uuml;nchen.&ldquo; So verk&uuml;ndete Bundespr&auml;sident Frank-Walter Steinmeier am Sonnabend um 14:43 Uhr die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), mit welcher Stadt Deutschland in das internationale Rennen um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 gehen wird. Dar&uuml;ber entscheidet dann das Internationale Olympische Komitee (IOC) Mitte 2029, zun&auml;chst nur f&uuml;r 2036. Von <strong>Rainer Balcerowiak<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Entscheidung f&uuml;r M&uuml;nchen hatte sich seit einiger Zeit abgezeichnet. Die Stadt punktete mit einem Konzept der &bdquo;kompakten Spiele&ldquo;, mit kurzen Wegen zu fast allen Austragungsorten und guten infrastrukturellen Voraussetzungen. M&uuml;nchen ist finanziell vergleichsweise solide aufgestellt und verf&uuml;gt auch &uuml;ber internationale Bekanntheit &ndash; nicht zuletzt durch das Oktoberfest. Politische Quersch&uuml;sse sind nicht zu erwarten: Alle relevanten Parteien &ndash; auch die Gr&uuml;nen, die dort den Oberb&uuml;rgermeister stellen &ndash; sind gl&uuml;hende Olympia-Anh&auml;nger.<\/p><p>Der letzte verbliebene Konkurrent, die Region K&ouml;ln\/Rhein\/Ruhr, versuchte mit seinem dezentralen Konzept zu &uuml;berzeugen, mit K&ouml;ln als &bdquo;Ankerstadt&ldquo; und 15 weiteren Austragungsorten, was vor allem ein deutlich h&ouml;heres Ticketverkaufspotenzial beinhaltete. Doch das Abstimmungsergebnis fiel mit 91:50 sehr deutlich f&uuml;r M&uuml;nchen aus. So manch DOSB-Funktion&auml;r hatte vielleicht auch im Hinterkopf, dass entspannte Tage und N&auml;chte an der Isar-Promenade und in den noblen Vierteln der bayrischen Metropole nebst gro&szlig;er Auswahl an exquisiten Restaurants wohl deutlich angenehmer w&auml;ren als Aufenthalte in eher &uuml;bel beleumundeten St&auml;dten wie Gelsenkirchen (Schwimmwettbewerbe) oder Duisburg (Ruder- und Kanurennen).<\/p><p><strong>Scheitern mit Ansage<\/strong><\/p><p>Das Teilnehmerfeld der deutschen Vorentscheidung hatte sich durch den am Donnerstag offiziell verk&uuml;ndeten R&uuml;ckzug Berlins erneut dezimiert. Bereits im Mai 2026 musste Hamburg die Segel streichen, nachdem sich in einem Volksentscheid 54,9 Prozent aller W&auml;hler gegen die Bewerbung ausgesprochen hatten. Dagegen konnten M&uuml;nchen und K&ouml;ln\/Rhein\/Ruhr mit Pro-Olympia-Volksentscheiden aufwarten, was erkl&auml;rterma&szlig;en ein wichtiges Kriterium f&uuml;r den DOSB war.<\/p><p>In Berlin sind &bdquo;von oben&ldquo; angesetzte Volksentscheide laut Landesverfassung nicht m&ouml;glich. Als Legitimation hatte die von CDU und SPD gef&uuml;hrte Landesregierung also nur einen Parlamentsbeschluss f&uuml;r die Bewerbung im Gep&auml;ck. Dagegen gestimmt hatten Linke und Gr&uuml;ne, die auch alsbald ank&uuml;ndigten, im B&uuml;ndnis mit zahlreichen Organisationen und Verb&auml;nden die Bewerbung nachtr&auml;glich mit einem Volksentscheid &bdquo;von unten&ldquo; wieder kippen zu wollen. Die Unterschriftensammlung des B&uuml;ndnisses NOlympia f&uuml;r die erste Stufe des Volksbegehrens war bereits in vollem Gange und konnte nach dem R&uuml;ckzug <a href=\"https:\/\/nolympia.berlin\/2026\/09\/24\/nolympia-beendet-volksbegehren\/\">jetzt beendet werden<\/a>.<\/p><p>Allerdings war schon l&auml;nger ziemlich wahrscheinlich, dass der amtierende Senat bei den Wahlen am 20. September abgew&auml;hlt wird. Und da mit dem deutlichen Wahlsieg der Linken nun der f&uuml;r die Sportfunktion&auml;re &bdquo;worst case&ldquo; eintrat, war eigentlich klar, dass das f&uuml;r die Berliner Bewerbung der finale Sargnagel war. Aber selbst wenn die Wahl anders ausgegangen w&auml;re, hinge immer noch das Damoklesschwert eines sp&auml;teren erfolgreichen Volksentscheids gegen Olympia in Berlin im Raum &ndash; mit der Gefahr, dass der DOSB dann den von ihm ausgew&auml;hlten Bewerber wieder aus dem internationalen Rennen zur&uuml;ckziehen m&uuml;sste und Deutschland damit au&szlig;en vor w&auml;re. Genau das ist 2015 passiert, als Hamburg zwar nominiert wurde, die Bewerbung aber nach einem Volksentscheid zur&uuml;ckziehen musste.<\/p><p>Das alles war dem Berliner Senat bekannt. Doch man versuchte es mit der &bdquo;Augen zu und durch&ldquo;-Taktik. Noch am vergangenen Dienstag, als schon l&auml;ngst klar war, dass m&ouml;gliche Unterst&uuml;tzer Berlins im DOSB auf dem Absprung waren, verk&uuml;ndete der Berliner Olympia-Beauftragte Kaweh Niroomand, dass man bei der entscheidenden Versammlung am Sonnabend in Baden-Baden bis zur letzten Sekunde k&auml;mpfen wolle.<\/p><p>Dabei wurde an diesem Tag auch bekannt, dass die seit l&auml;ngerer Zeit &ndash; also nicht erst seit der Wahl &ndash; t&auml;tige Evaluierungskommission des DOSB in ihrer Bewertung der Bewerbungen Berlin mit deutlichem Abstand zu M&uuml;nchen und K&ouml;ln\/Rhein\/Ruhr <a href=\"https:\/\/cdn.dosb.de\/user_upload\/Olympiabewerbung\/Evaluierung_Konzepte\/Abschlussbericht_Evaluierungskommission.pdf\">auf den letzten Platz gesetzt hatte<\/a>. Und zwar nicht nur in den Kategorien &bdquo;politische Stabilit&auml;t&ldquo; und &bdquo;Beteiligung aller Stakeholder&ldquo;, sondern auch in Bezug auf &bdquo;Sportfachliche &amp; operative Eignung&ldquo; und &bdquo;Internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit &amp; nationale Akzeptanz&ldquo;.<\/p><p>Derweil wurde in Berlin flei&szlig;ig an Dolchsto&szlig;legenden gearbeitet. Schuld am Scheitern Berlins sei vor allem die linke Spitzenkandidatin und m&ouml;gliche k&uuml;nftige Regierende B&uuml;rgermeisterin Elif Eralp, entr&uuml;stete sich CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers. Mit ihrer kurz nach der Wahl get&auml;tigten Aussage, die Bewerbung habe sich jetzt wohl erledigt, habe sie &bdquo;Berlin immens geschadet&ldquo;. Der Stadt w&uuml;rden &bdquo;Milliarden-Zusch&uuml;sse f&uuml;r Sport und Infrastruktur verloren gehen &ndash; Geld, das in marode Schwimmb&auml;der, in Amateurvereine und barrierefreie Sporthallen flie&szlig;en w&uuml;rde&ldquo;, so Evers. Au&szlig;erdem m&uuml;sse Berlin nun auf einen &bdquo;schnelleren barrierefreien Ausbau von Bahnh&ouml;fen und Haltestellen, einen zuverl&auml;ssigeren und dichteren &Ouml;PNV und bessere Rad- und Fu&szlig;wege&ldquo; verzichten. Das ist nat&uuml;rlich ziemlich irre, zumal bekannt wurde, dass in internen Kostenrechnungen f&uuml;r die Ausrichtung der Spiele bereits jetzt nicht mehr von den urspr&uuml;nglich veranschlagten 4,8 Milliarden Euro ausgegangen wird, sondern von mindestens 16 Milliarden Euro.<\/p><p>Am Donnerstag dann schlie&szlig;lich der offizielle R&uuml;ckzug von der Bewerbung, verk&uuml;ndet auf einer Pressekonferenz des Berliner Olympia-Dreigestirns Kai Wegener (CDU, Noch-B&uuml;rgermeister), Iris Spranger (SPD, Noch-Innen- und -Sportsenatorin) und Kaweh Niroomand (Sportmanager, Ex-Olympia-Beauftragter). Auch hier m&auml;chtig Pathos: &bdquo;Heute ist ein trauriger Tag&ldquo;, denn Berlin habe &bdquo;eine gro&szlig;e Chance f&uuml;r mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt verspielt&ldquo;, so Wegener. Bis vor wenigen Tagen habe er noch gro&szlig;e Unterst&uuml;tzung bei den DOSB-Sportverb&auml;nden versp&uuml;rt, vor allem wegen &bdquo;der Strahlkraft Berlins&ldquo;. Spranger und Niroomand bastelten weiter an der Heckensch&uuml;tzen-Story der b&ouml;sen Linken, denn mit den Gr&uuml;nen w&auml;re man bestimmt irgendwie klargekommen, und eigentlich gab es ja &bdquo;keine Gegenbewegung in der Stadt&ldquo;, fantasierte der Sportmanager.<\/p><p><strong>Berlin hat sich erneut l&auml;cherlich gemacht<\/strong><\/p><p>Jedenfalls hat sich dieser Senat w&uuml;rdig in die <a href=\"https:\/\/www.zdfheute.de\/panorama\/olympia-absage-berlin-dritter-versuch-100.html\">Chronik der gescheiterten Berliner Olympiabewerbungen<\/a> eingereiht. Mit einer langweiligen, wenig zugkr&auml;ftigen Imagekampagne, einem recht st&uuml;mperhaft zusammengeschusterten Bewerbungskonzept mit vielen Leerstellen und Nebelkerzen und einer nahezu stoischen Ignoranz in Bezug auf die allgemeine Stimmung in der chaotisch d&uuml;mpelnden und hoffnungslos &uuml;berschuldeten Stadt.<\/p><p>Es lohnt ein kleiner R&uuml;ckblick. Zwar konnte 1993 die mit zahlreichen Skandalen &ndash; von dubiosen Beratervertr&auml;gen bis zu Dossiers &uuml;ber die sexuellen Vorlieben einzelner IOC-Mitglieder &ndash; gespickte Bewerbung f&uuml;r die Olympischen Spiele im Jahr 2000 nicht verhindert werden, denn Volksentscheide auf Landesebene gab es damals noch nicht. Doch die Protestbewegung gegen Olympia <a href=\"https:\/\/autox.nadir.org\/archiv\/chrono\/olymp_chro.html\">sorgte f&uuml;r m&auml;chtigen Budenzauber<\/a>, was auch den Hohen Herren des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nicht verborgen blieb. Die konnten sich bei ihren Inspektionsbesuchen in Berlin nur mit martialischen Polizeiaufgeboten und vielen Personensch&uuml;tzern durch die Stadt bewegen. Am 23. September 1993 um 16:34 Uhr verk&uuml;ndete IOC-Pr&auml;sident Juan Antonio Samaranch dann in Monte Carlo die von vielen ersehnte Entscheidung: &bdquo;And the winner is Sydney&ldquo;. Nur 9 der 88 IOC-Mitglieder hatten Berlin ihre Stimme gegeben.<\/p><p>2015 zog Berlin nach einer eher unspektakul&auml;r-langweiligen Bewerbungskampagne f&uuml;r die Olympischen Spiele 2024 in der nationalen Vorentscheidung gegen Hamburg den K&uuml;rzeren. Doch die Freude der Hamburger Olympia-Fans w&auml;hrte nur kurz. Nach einem entsprechenden Volksentscheid musste Hamburg zur&uuml;ckziehen und der DOSB stand ohne Bewerber da. Den Zuschlag erhielt dann Paris. Das werden viele DOSB-Mitglieder noch gut in Erinnerung gehabt haben.<\/p><p>Wie dem auch sei: Der Drops ist gelutscht, in M&uuml;nchen freut man sich. Wobei die Chancen, dass sich die bayrische Landeshauptstadt bei der internationalen Entscheidung des IOC durchsetzen kann, eher durchwachsen sind. Es gibt diverse hoch gehandelte Konkurrenten wie Istanbul, Budapest, die indische Millionenstadt Ahmedabad, Katar, Santiago de Chile, und auch &Auml;gypten ist voraussichtlich im Rennen. F&uuml;r das vor allem auf Profitmaximierung orientierte IOC und die mit ihm verbandelten Sponsoren sind das &auml;u&szlig;erst interessante Orte, mit gro&szlig;em Potenzial f&uuml;r die Erschlie&szlig;ung neuer M&auml;rkte. Denn darum geht es ja bei Olympia.<\/p><p>In Berlin wird man jetzt &ndash; wie schon 1993 und 2015 &ndash; noch ein paar Wunden lecken und Schuldzuweisungen f&uuml;r die Pleite &ndash; f&uuml;r die immerhin je nach Lesart 8 bis 15 Millionen Euro versenkt wurden &ndash; hin und her schieben. Dabei sollte man sich jetzt doch energisch den eigentlich wichtigen Problemen der Hauptstadt zuwenden, wie z.B. dem eklatanten Wohnungsmangel, der wachsenden Armut und maroder Infrastruktur. Doch derzeit haben besonders die Parteien, die diesen Olympia-Quatsch angezettelt und versemmelt haben, Wichtigeres zu tun: N&auml;mlich mit allen denkbaren Tricks und Schweinereien zu verhindern, dass eine Politikerin der Linken als Regierende B&uuml;rgermeisterin in das Rote Rathaus einzieht.<\/p><p><small>Titelbild: FooTToo \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/dece7ae10d1f48699f94e5ec8755db1b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Sieger ist &hellip; M&uuml;nchen.&ldquo; So verk&uuml;ndete Bundespr&auml;sident Frank-Walter Steinmeier am Sonnabend um 14:43 Uhr die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), mit welcher Stadt Deutschland in das internationale Rennen um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 gehen wird. 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