{"id":156773,"date":"2026-09-28T11:00:37","date_gmt":"2026-09-28T09:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156773"},"modified":"2026-09-28T09:49:10","modified_gmt":"2026-09-28T07:49:10","slug":"dgb-aktion-gegen-sozialabbau-blendet-die-militarisierung-weitgehend-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156773","title":{"rendered":"DGB-Aktion gegen Sozialabbau blendet die Militarisierung weitgehend aus"},"content":{"rendered":"<p>Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi hat zutreffende Kritik an sozialen K&uuml;rzungen formuliert &ndash; aber der Zusammenhang mit der militaristischen &bdquo;Zeitenwende&ldquo; wird von der DGB-Spitze noch immer weitgehend ignoriert. Von<strong> Bernhard Trautvetter<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nFahimi erhielt am vergangenen Samstag w&auml;hrend ihrer Essener Rede gegen den Sozialabbau viel Applaus von den fast 20.000 Demonstranten (nach <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/demonstrationen--massenproteste-gegen-sozialabbau-38312918.html\">Polizeiangaben 12.000<\/a>); sie warb f&uuml;r die Verteidigung sozialer Rechte und sie traf <a href=\"https:\/\/nrw.dgb.de\/presse\/pressemitteilungen\/pressemitteilung\/hart-verdient-18000-menschen-demonstrieren-in-essen-fuer-einen-starken-sozialstaat\/\">mit diesen Worten<\/a> den Nerv: Wenn unsere soziale Sicherheit heute angegriffen wird, &bdquo;dann stehen wir zusammen und werden uns mit aller Kraft dagegen wehren&ldquo;.<\/p><p>Sie blendete allerdings trotz ihrer markigen Worte der Ermutigung die Hauptursache f&uuml;r den Sozialabbau fast vollst&auml;ndig aus: Ein F&uuml;nftel des Bundesetats flie&szlig;t <a href=\"https:\/\/esut.de\/2025\/09\/meldungen\/63719\/ein-fuenftel-des-bundeshaushalts-2026-fuer-die-verteidigung\/\">in den Milit&auml;rsektor<\/a>. Diese Milliarden fehlen dann &uuml;berall. Die Frage der Finanzierung der Armee f&uuml;hrte schon vor &uuml;ber 100 Jahren zu politischen Zerw&uuml;rfnissen. 1917 spaltete sich <a href=\"https:\/\/vorwaerts.de\/geschichte\/6-april-1917-als-die-einheit-der-spd-zerbrach\">aus diesem Grund<\/a> die SPD mit dem sp&auml;teren Ergebnis, dass Karl Liebknecht an der Gr&uuml;ndung der KPD beteiligt war.<\/p><p>Die Konflikte um die Kosten der Hochr&uuml;stung brachten das gefl&uuml;gelte Wort &bdquo;Butter statt Kanonen!&ldquo; hervor. Vor 90 Jahren versuchte sich der von Hitler zu seinem Stellvertreter benannte Rudolf Hess mit der Parole &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fettl%C3%BCcke\">Kanonen statt Butter<\/a>!&ldquo;<\/p><p>Innerhalb der letzten zehn Jahre ist <a href=\"https:\/\/www.imi-online.de\/download\/ruestungs_factsheet_2026_kl.pdf\">der Anteil der Milit&auml;rausgaben<\/a> laut offiziellen Angaben durch die &sbquo;Sonderverm&ouml;gen&lsquo; genannte Schuldenaufnahme, die Erf&uuml;llung der NATO-Kriterien und die Aufwendungen f&uuml;r Waffenlieferungen auf mehr als das Dreifache im Vergleich zu 2016 gestiegen.<\/p><p>Diese massive Hochr&uuml;stung begleiten die <a href=\"https:\/\/esut.de\/2025\/09\/meldungen\/63719\/ein-fuenftel-des-bundeshaushalts-2026-fuer-die-verteidigung\/\">Bundesregierung, die AfD und die B&uuml;ndnisgr&uuml;nen<\/a> mit grunds&auml;tzlicher Zustimmung, allerdings mit Nuancen in der Bewertung einzelner Aspekte, darunter die Kritik an Profiten der R&uuml;stungsindustrie und an der immensen Schuldenaufnahme. <\/p><p>Den Zusammenhang mit dem Sozialabbau kritisierten alleine die Linkspartei und das BSW, die statt Hochr&uuml;stung Investitionen in Kinderg&auml;rten, Schulen und Infrastruktur fordern. <\/p><p>Bundeskanzler Merz forderte schon vor einem Jahr <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/merz-fordert-einsparungen-sozialsystem-100.html\">massive K&uuml;rzungen im Sozialbereich<\/a>, indem er behauptete, wir k&ouml;nnten uns das System des Sozialstaats nicht mehr leisten &ndash; er nahm konkret Ausgaben f&uuml;r die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sowie das inzwischen zur sogenannten &sbquo;Grundsicherung&lsquo; zusammengestutzte &sbquo;B&uuml;rgergeld&lsquo; ins Visier. <\/p><p>Er forderte von den Menschen mehr &sbquo;Eigenverantwortung&lsquo;. In anderen Worten: Menschen, die im Laufe eines Monats vor der Wahl stehen, wie sie die Miete bezahlen, ob sie an Energiekosten, an Nahrungsmitteln oder anderen Bereichen des Daseins sparen, um &uuml;ber die Runden zu kommen, sollen nun mit weiteren Einschnitten <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/mieter-heizkosten-hilfe-wohngeld-kuendigung-stromsperre-100.html\">belastet werden<\/a>. <\/p><p>Die Regierung Merz kann sich hier auf die Vorarbeit der Regierung Scholz st&uuml;tzen, deren Finanzminister Lindner noch 2024 ein Moratorium <a href=\"https:\/\/taz.de\/Angriff-auf-den-Sozialstaat\/!5991896\/\">bei den Sozialausgaben<\/a> forderte. <\/p><p>Der Zusammenhang von Hochr&uuml;stung und Sozialabbau ist so erdr&uuml;ckend evident, dass Protest dagegen auch in Teilen der Gewerkschaften aufkommt, wie <a href=\"https:\/\/www.gew.de\/positionen\/beschluesse-2025\">der Antrag D03<\/a> auf dem GEW-Gewerkschaftstag 2025 offenbarte.<\/p><p>In der DGB-Spitze wird man auch zunehmend mit der Forderung &sbquo;Abr&uuml;stung statt Sozialabbau&lsquo; konfrontiert.<\/p><p>Yasmin Fahimi hat letzten Samstag in ihrer Essener Rede auf der Kundgebung gegen Sozialabbau das Marktversagen und Vers&auml;umnisse der Merz-Regierung kritisiert. Sie kritisierte auch die Arbeitgeber: Personalabbau sei oft ein Mittel zur Gewinnsteigerung auf Kosten Betroffener. Sie forderte eine &bdquo;erfolgreiche Wirtschaftspolitik&ldquo; und verlangte entschiedenen Unternehmergeist. Sie forderte einen Schutz f&uuml;r den Binnenmarkt. <\/p><p>Die politische Kurskorrektur, die sie verlangte, spitzte sich in einer Forderung nach einer &sbquo;aktiven Industriepolitik&lsquo; zu. Yasmin Fahimi lie&szlig; offen, wie sich diese Forderungen mit ihrer Kritik an der Strategie der Profitmaximierung vereinbart, die sie auf Unternehmerseite beobachtet. Sie stellt das System nicht infrage, das zur sozialen Schieflage f&uuml;hrt, gegen die sie im Konkreten so deutliche Worte des Protests erhebt. <\/p><p>Immerhin verwies sie auf die Tatsache, dass die Gewerkschaften viele Rechte abh&auml;ngig Besch&auml;ftigter erk&auml;mpft haben, darunter den Achtstundentag, den Mindestlohn und die Mitbestimmung. Sie betonte die W&uuml;rde des Menschen, wenn sie beispielsweise auf das gute Recht der Arbeiter auf wohlverdiente Ruhezeiten am Feierabend verwies und auf den Schutz f&uuml;r hart erarbeitete Rentenanspr&uuml;che. Sie erkl&auml;rte, dass Demokratie in Solidarit&auml;t, Chancengerechtigkeit und Frieden erfahrbar wird. Hier wenigstens kam der Zusammenhang in einer Andeutung vor, den sie die ganze Zeit au&szlig;er Acht gelassen hatte.<\/p><p>In den nach ihrer Rede vorgetragenen kurzen Statements aus der Gewerkschaftsjugend der Einzelgewerkschaften und des DGB selbst wurde deutlich, dass die jungen Gewerkschaftler zur Militarisierung ein deutlich bewussteres Verh&auml;ltnis haben: Sie verwiesen auf die erfolgreichen Sch&uuml;lerstreiks gegen die Wehrerfassung, in der sie einen Schritt auf dem Weg zur Wehrpflicht sehen, die sie &ndash; wie die gesamte Militarisierung der &sbquo;Kriegst&uuml;chtigkeits-Propaganda&lsquo; &ndash; ablehnen. <\/p><p><small>Titelbild: BalkansCat \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi hat zutreffende Kritik an sozialen K&uuml;rzungen formuliert &ndash; aber der Zusammenhang mit der militaristischen &bdquo;Zeitenwende&ldquo; wird von der DGB-Spitze noch immer weitgehend ignoriert. 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