{"id":156791,"date":"2026-09-28T13:00:43","date_gmt":"2026-09-28T11:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156791"},"modified":"2026-09-28T11:52:20","modified_gmt":"2026-09-28T09:52:20","slug":"wolfgang-zarnack-die-grosse-mehrheit-ist-gegen-krieg-wir-sollten-das-auch-deutlich-mitteilen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156791","title":{"rendered":"Wolfgang Zarnack: \u201eDie gro\u00dfe Mehrheit ist gegen Krieg, wir sollten das auch deutlich mitteilen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;<a href=\"https:\/\/youtube.com\/playlist?list=PLSTmsfE6h5TY&amp;si=CGcaHO3ZIHDQzcj\">Embedded<\/a>&ldquo; &ndash; Unter diesem Titel hat der Schauspieler <strong>Wolfgang Zarnack<\/strong> im Alleingang eine Miniserie mit 53 Teilen gegen den Krieg produziert. Wie kam es dazu? Was hat ihn motiviert? Im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em> erz&auml;hlt er, wie es dazu kam, dass er die Schauspielkunst dazu verwendet, seine Stimme gegen den Krieg zu erheben. &bdquo;Es ging nie gut aus, wenn Deutschland aufger&uuml;stet hat. Dazu wollte ich nicht schweigen&ldquo;, sagt <a href=\"https:\/\/www.wolfgangzarnack.de\/embedded.html\">Zarnack<\/a>. Sein Vorname &bdquo;Wolfgang&ldquo;, sagt der Schauspieler, sei auch der Name des Bruders von seinem Vater gewesen. Sein Vater habe die Bombenn&auml;chte von Dresden erlebt &ndash; und &uuml;berlebt. Zwei seiner Geschwister seien allerdings bei der Bombardierung Dresdens gestorben. &bdquo;Meinen Namen trage ich von diesem toten Kind.&ldquo; Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Sie waren als Journalist &bdquo;embedded&ldquo;, also &bdquo;eingebettet&ldquo; in Polen &ndash; bei einem Krieg gegen Russland. Wobei, um es richtig auszudr&uuml;cken: Nicht Sie selbst, sondern der Charakter war &bdquo;embedded&ldquo;, den Sie als Schauspieler gespielt haben. Was war das f&uuml;r eine Erfahrung?<\/strong><\/p><p>F&uuml;r einen Drehblock bin ich in polnische W&auml;lder gefahren und habe dort etwa die H&auml;lfte meiner Serie gedreht, die von einem fiktiven Krieg in der nahen Zukunft handelt. Die Polenreise war auf jeden Fall eines der Highlights beim Drehen. Spannend, herausfordernd, sehr anstrengend und zugleich sehr befriedigend und sehr frei.<\/p><p><strong>Am besten mal der Reihe nach. Sie haben im Alleingang eine Serie mit bis jetzt insgesamt 53 sehr kurzen Teilen produziert, in der nur Sie als Schauspieler vorkommen. Eine Serie, die den Krieg kritisiert. Wie kam es dazu? Was war Ihre Motivation?<\/strong><\/p><p>Wir diskutieren zu Hause viel &uuml;ber neue Formate und Filmideen, und oft bleibt es beim Rumspinnen. Aber das Thema hat mich nicht losgelassen. Mich entsetzt die Aufr&uuml;stung. Mein Vater ist 1938 in Berlin geboren. Er hat Bombenn&auml;chte im Berliner Luftschutzkeller erlebt, Flucht, Internierungslager, bei einer Zugfahrt sagte seine Mutter zu ihm: &bdquo;Schau, da hinten am Horizont &ndash; das brennende Dresden.&ldquo; Zwei seiner Geschwister haben Flucht und Hunger nicht &uuml;berlebt. Sein Bruder hie&szlig; Wolfgang &ndash; meinen Namen trage ich von diesem toten Kind. <\/p><p>Wenn jetzt wie selbstverst&auml;ndlich wieder von &bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo; geredet wird, w&auml;hrend wir uns f&uuml;r Aufr&uuml;stung im gro&szlig;en Stil verschulden, bekomme ich es mit der Angst zu tun &ndash; auch f&uuml;r meine beiden eigenen Kinder. In der breiten &Ouml;ffentlichkeit wird v&ouml;llig unwidersprochen zu den Waffen gerufen, in einem Ma&szlig;e, wie ich es nicht f&uuml;r m&ouml;glich gehalten h&auml;tte. Es ging nie gut aus, wenn Deutschland aufger&uuml;stet hat. Dazu wollte ich nicht schweigen. Eine Geschichte zu erz&auml;hlen, ist meine Art, sich einzubringen. Das Handyformat und die kurzen Folgen erschienen mir ein gutes Mittel daf&uuml;r. Niedrigschwellig, jeder hat es zur Hand und kann auf dem Weg zur Arbeit oder in einer kurzen Pause eine Folge sehen und die Gedanken dazu sacken lassen. Dazu kam, dass ich ein freies Zeitfenster hatte und dieses sinnvoll nutzen wollte. Also hab ich mich entschlossen, es wirklich anzugehen. Frei nach dem Motto: Es gibt nichts Gutes, au&szlig;er man tut es.<\/p><p><strong>Fehlt es Ihnen an kriegskritischen Stimmen in der &Ouml;ffentlichkeit?<\/strong><\/p><p>Ja. Nat&uuml;rlich gibt es sie, aber sie kommen in den gro&szlig;en Medien, meiner Ansicht nach, zu wenig vor. Es sind mir also deutlich zu wenige. Insgesamt wundere ich mich, dass das Thema offenbar in der Bev&ouml;lkerung bisher so wenig angekommen ist. Verglichen mit dem, was uns droht, sollte es wirklich zum hei&szlig;en Krieg kommen, ist das erschreckend leise. Die gro&szlig;e Mehrheit ist gegen Krieg, wir sollten das auch deutlich mitteilen.<\/p><p><strong>Nun zu der Serie und dem Hauptdarsteller. Ihre Filmfigur ist ein Journalist. Bitte erz&auml;hlen Sie uns mehr &uuml;ber diese Figur und davon, wie die Handlung aussieht.<\/strong><\/p><p>Die Geschichte spielt 2029, basierend auf realen Kriegsszenarien. Meine Figur ist Sportjournalist aus Hannover und ich habe mich bem&uuml;ht, einen typischen B&uuml;rger unserer Zeit abzubilden. Er ist ersch&ouml;pft von dem, was er macht, und sucht Sinn in seiner T&auml;tigkeit. Deswegen meldet er sich als Embedded-Journalist, um die Truppe zu begleiten. Um sich zu erkl&auml;ren und seinen Weg zu dokumentieren, nimmt er ein Videotagebuch f&uuml;r seine kleine Tochter auf. Und in diesem Setting erleben wir die Geschichte. Wie er mit Themen konfrontiert wird, die er nicht auf dem Schirm hatte, und so St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck seine Weltsicht ins Wanken kommt; quasi einem Realit&auml;tscheck unterworfen wird. Jede der 53 Folgen hat ein eigenes kleines Thema, sei es Eltern-Kind-Beziehung, sei es Medienkritik oder das eigene Selbstbild in einer Krisensituation. Und gleichzeitig geht die &auml;u&szlig;ere Handlung, also das Kriegsgeschehen, stetig weiter.<\/p><p><strong>Warum haben Sie die Figur so angelegt? Was ist die Absicht der Serie? Welche Botschaft steht im Raum?<\/strong><\/p><p>Ich habe Markus bewusst als nachdenklichen, liberalen Durchschnittsmenschen angelegt. Dadurch, dass er so &bdquo;normal&ldquo; ist, habe ich die Hoffnung, dass sich viele mit ihm identifizieren k&ouml;nnen. Ich will viele Menschen mit der Serie erreichen. Und gleichzeitig will ich einen Diskurs anregen. Ich glaube, es gibt keinen Menschen, der nicht einmal an einer Stelle laut aufschreien und der Figur widersprechen m&ouml;chte. Das finde ich wichtig, weil wir, aus meiner Sicht, wirklich wieder lernen m&uuml;ssen, mit gegens&auml;tzlichen Positionen gesund klarzukommen. <\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus war es mir wichtig, den Krieg zu zeigen. Ich bin eben mit den Geschichten &uuml;ber Krieg aufgewachsen, von klein auf. Jetzt kann man nat&uuml;rlich fragen, ob das so sinnvoll ist (lacht), aber ich habe schon den Eindruck, dass die Schrecken des Krieges in der breiten &Ouml;ffentlichkeit ziemlich in Vergessenheit geraten sind. Welche Botschaft jeder am Ende mitnimmt, w&uuml;rde ich gerne den Zuschauern &uuml;berlassen. Ich glaube, das ist diverser, als ich es mir ertr&auml;umen kann.<\/p><p><strong>Wie war das f&uuml;r Sie, diese Figur zu spielen, aber auch &uuml;berhaupt, dieses Projekt zu bewerkstelligen? Erz&auml;hlen Sie uns bitte noch mehr von Ihren Erfahrungen. Und: Was waren die Herausforderungen?<\/strong><\/p><p>Das Spielen hat mir gro&szlig;en Spa&szlig; gemacht. Ich finde, es gibt durchaus auch einige Stellen, die ganz lustig geworden sind. Wieder eine Figur auf so einem langen und durchaus intensiven Weg zu begleiten, war sehr sch&ouml;n und sehr erf&uuml;llend. Aber das Drehen selber ist ja bei so einem Projekt der kleinste Teil. Normalerweise bereite ich mich vor, begreife die Figur, arbeite ihr Ziel heraus und lerne meinen Text. Dann fahre ich irgendwohin, wir drehen und ich fahre wieder heim. <\/p><p>Diesmal fing die Arbeit schon lange vor der ersten Drehbuchfassung an. Dann die ganze Drehvorbereitung: Kost&uuml;m, Requisiten und Ausstattung mussten besorgt werden. Und nach dem Dreh ging es an den Schnitt. Das war die gr&ouml;&szlig;te Arbeit. Nebenbei habe ich versucht, eine &ouml;ffentliche Wahrnehmung herzustellen. Das ist wahrlich nicht mein Steckenpferd. Jede dieser Aufgaben ist ein eigener Job f&uuml;r sich und die gr&ouml;&szlig;te Herausforderung war, dass ich alles alleine gemacht habe. Auch in Bereichen, in denen ich kaum Erfahrungen hatte und dort also immer wieder aus meiner Komfortzone raus musste.<\/p><p><strong>Wie sieht es in der Filmbranche aus beim Thema Kritik an Aufr&uuml;stung, Krieg, Konfrontationspolitik gegen&uuml;ber Russland? Wie denken Ihre Kollegen? Haben Sie da Einblicke?<\/strong><\/p><p>Unsere Branche ist ja eine, die ungern aneckt. Bei Themen, die auch medial weitverbreitet sind, sind viele sehr engagiert und zeigen sehr gern laut und stolz ihre Haltung. Sehr selten aber, wenn sie von der breiten Masse abweicht. Selbstverst&auml;ndlich gibt es Ausnahmen. Aber meistens erlebe ich sie &uuml;berwiegend angepasst. Beim Thema Krieg nehme ich jedoch eine deutliche Zur&uuml;ckhaltung wahr. Klar, so ein paar Ukrainefahnen, aber wenig &ouml;ffentliche Forderungen zum Beispiel nach Aufr&uuml;stung. Vielleicht kommt das noch, wenn das Thema noch hei&szlig;er wird. Vielleicht &uuml;berraschen sie mich aber auch und sie erkennen die Notwendigkeit, hier mal klar und unmissverst&auml;ndlich Farbe zum Frieden zu bekennen. Auf der Leinwand lieben wir ja mutige Figuren. Vielleicht f&auml;rbt das ja mal ab. Privat rede ich eigentlich kaum noch &uuml;ber Politik mit Kollegen.<\/p><p><strong>Nun haben Sie als Schauspieler Ihre Stimme gegen den Krieg erhoben. Was meinen Sie: Was k&ouml;nnen all die anderen B&uuml;rger tun?<\/strong><\/p><p>Jeder kann sich auf seine Art f&uuml;r Frieden engagieren. Laut werden, klar Farbe bekennen, auch wenn es Gegenwind gibt. Ich glaube, wir d&uuml;rfen aber nicht den Fehler machen und uns mit anderen vergleichen: &bdquo;Der hat sich 6 Monate rausgenommen und eine eigene Serie gemacht. Das kann ich gar nicht, weder finanziell noch handwerklich. Dann kann ich ja gar nichts machen.&ldquo; Das ist nat&uuml;rlich Unfug. Jeder kleine Schritt in die richtige Richtung z&auml;hlt. Jede Hand, die man einem vermeintlichen Gegner reicht, z&auml;hlt. Jeder auf seine Weise in seinem Tempo, nach seinen M&ouml;glichkeiten, nach seinem Mut. Sehr hilfreich dabei ist es, wenn man nicht alleine agiert, sondern sich mit Gleichgesinnten zusammentut. Es also nicht so zu machen wie ich (lacht). Es also nicht alleine zu machen. Was ich vor allem nicht alleine kann, ist, die Serie breit bekanntzumachen. Daf&uuml;r braucht es viele Menschen, die mich dabei mit kleinen Schritten unterst&uuml;tzen. Wer sie gut findet, wen sie ber&uuml;hrt, der kann das ganz einfach weitersagen.<\/p><p><em>Anmerk. Red.: Die Serie von Wolfgang Zarnack findet sich auf Youtube: <a href=\"https:\/\/youtube.com\/playlist?list=PLSTmsfE6h5TY&amp;si=CGcaHO3ZIHDQzcj\">Playlist<\/a> und alle weiteren Informationen auf: <a href=\"https:\/\/www.wolfgangzarnack.de\/embedded.html\">wolfgangzarnack.de\/embedded.html<\/a><\/em><\/p><p><small>Titelbild: Wolfgang Zarnack<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;<a href=\"https:\/\/youtube.com\/playlist?list=PLSTmsfE6h5TY&amp;si=CGcaHO3ZIHDQzcj\">Embedded<\/a>&ldquo; &ndash; Unter diesem Titel hat der Schauspieler <strong>Wolfgang Zarnack<\/strong> im Alleingang eine Miniserie mit 53 Teilen gegen den Krieg produziert. Wie kam es dazu? Was hat ihn motiviert? 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