{"id":156822,"date":"2026-09-29T09:00:17","date_gmt":"2026-09-29T07:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156822"},"modified":"2026-09-29T10:40:17","modified_gmt":"2026-09-29T08:40:17","slug":"letzte-rettung-sackbahnhof-ein-weiter-so-bei-s21-und-die-demokratie-hat-sich-bald-erledigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156822","title":{"rendered":"Letzte Rettung Sackbahnhof! Ein \u201aWeiter so\u2018 bei S21 und die Demokratie hat sich bald erledigt"},"content":{"rendered":"<p>Stuttgart 21 ist ein Paradebeispiel von Demokratie in Abwicklung. Die B&uuml;rger werden nur mehr als Stimmvieh zur Durchsetzung von Profitinteressen gebraucht, die der Allgemeinheit schaden. Wer mehr Gerechtigkeit und Umverteilung w&auml;hlt, w&auml;hlt praktisch ung&uuml;ltig &ndash; wie sich in Berlin zeigen wird. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWar etwas gewesen? Ja, da war was. Mehr noch: Da ist was, und da bleibt was! Seit zwei Wochen ist es quasi amtlich. Das Bahnprojekt Stuttgart 21 war von Beginn an ein monstr&ouml;ser Betrug. Es ist nicht aus Versehen, unvorhersehbar und ungl&uuml;cklicherweise komplett aus dem Ruder gelaufen &ndash; planerisch, bautechnisch, zeitlich, finanziell. Nein, die Macher wussten, was sie anrichten, und sie unternahmen alles, um die Menschen zu t&auml;uschen, zu bel&uuml;gen, f&uuml;r dumm zu verkaufen. Mit seinem sp&auml;ten Gest&auml;ndnis im hohen Rentenalter lie&szlig; Werner Stohler die Katze aus dem Sack: Die Befunde des sogenannten Stresstests, der 2011 die Legitimation zum Weiterbau von S21 lieferte, seien f&uuml;r ihn wissenschaftlich &bdquo;wertlos&ldquo; gewesen. Er habe als damaliger Chef des mit der Untersuchung befassten Schweizer Verkehrsberatungsunternehmens SMA <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156394\">&bdquo;eben selber nicht an diese Kapazit&auml;tsrechnung geglaubt&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Das war seinerzeit auch nicht die Erwartung seiner Auftraggeberin, der Deutschen Bahn (DB). Sein Job war es, die Menschen glauben zu machen, dass ein viel zu klein dimensionierter Tiefbahnhof mit gemeingef&auml;hrlicher Schieflage und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80429\">lediglich simuliertem Brandschutz<\/a> im Stuttgarter Untergrund mehr Zugverkehr bew&auml;ltigen kann als ein &uuml;berirdischer Kopfbahnhof mit doppelt so vielen Gleisen. Diese Erwartung hatte Stohler erf&uuml;llt, daf&uuml;r wurde er bezahlt. Und die B&uuml;rger haben es geschluckt und beim folgenden Volksentscheid brav ihr Kreuzchen an der richtigen Stelle gemacht. Wobei sie streng genommen nicht pro Stuttgart 21 votierten, sondern gegen das &bdquo;K&uuml;ndigungsgesetz&ldquo; der frisch gew&auml;hlten gr&uuml;n-roten Landesregierung. &bdquo;Ja&ldquo; bedeutete, gegen das Projekt zu sein, &bdquo;Nein&ldquo; hie&szlig;, daf&uuml;r zu sein. Gegner wurden so praktisch zu Bef&uuml;rwortern, wohl nicht wenige wider besseres Wissen. Auch das war geschickt eingef&auml;delt.<\/p><p><strong>Kein Interesse<\/strong><\/p><p>Aber was passiert jetzt, wo klar ist, dass S21 ein mutwilliger struktureller R&uuml;ckbau von Bahninfrastruktur ist, der allen Bahnfahrern in Deutschland weit &uuml;ber den Stuttgarter Raum hinaus schadet und das Gemeinwesen mithin 30 Milliarden Euro kosten wird? Nichts! Hat Stohlers Beichte eine Diskussion in der Politik vom Zaun gebrochen, wie es weitergehen soll mit S21 und dass es ein &sbquo;Weiter so&lsquo; nicht geben darf? Nein! Wird &uuml;ber Verantwortlichkeiten gesprochen, &uuml;ber rechtliche bis hin zu strafrechtlichen Konsequenzen? Fehlanzeige! Wird die Rolle speziell der Gr&uuml;nen-Partei aufgearbeitet, die einst als S21-Gegner zur Macht in Baden-W&uuml;rttemberg gelangte, um dann &uuml;ber Nacht zum Vollstrecker einer Irrwitzunternehmung zu mutieren, &uuml;ber die der gr&uuml;ne Spitzenmann Anton Hofreiter vor drei Jahren sagte, es stehe &bdquo;f&uuml;r ein beispielloses Betr&uuml;gen der &Ouml;ffentlichkeit und ein katastrophales Versagen&ldquo;? Mitnichten.<\/p><p>Stattdessen blo&szlig; eisiges Schweigen seitens der Bundesregierung, Schulterzucken im Bundestag und bei der Bahn ein trotziges Dementi in Kleinkindmanier, dass der neue Bahnhof &bdquo;deutlich mehr&ldquo; kann als der alte. Und nat&uuml;rlich gilt das Wort von Konzernchefin Evelyn Palla, wonach S21 wie geplant (sic) zum Ende gef&uuml;hrt wird, koste es, was es wolle, und dauere es auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152498\">bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag<\/a>. Ergo l&auml;uft alles wie gehabt: Ein gigantischer, in seiner Tragweite verheerender und obsz&ouml;n teurer Skandal soll einmal mehr vertuscht werden. Die Leute im Land sollen sich am besten nicht weiter daf&uuml;r interessieren und die deutschen Leitmedien helfen mit, indem sie das Thema nach ein, zwei Tagen Aufregung routiniert abhaken. Wenn es die Leute im Land aber doch interessiert: Was denken die dann wohl &uuml;ber &bdquo;die da oben&ldquo; und welche Schl&uuml;sse ziehen sie daraus?<\/p><p><strong>Kanzler der Schmerzen<\/strong><\/p><p>Beispiel Friedrich Merz. Der Bundeskanzler erlebte vor zehn Tagen gerade die historisch bittersten Schlappen seiner Partei. Die W&auml;hler in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hatten ihn f&uuml;r seine Politik und seinen Regierungsstil &uuml;belst abgestraft, die CDU sogar aus dem Schweriner Landtag gefeuert. Aber Merz trat vor die Kamera und verk&uuml;ndete, das Votum zu ignorieren, von wegen: Die Reformen, die Ihr nicht wollt und die Euch wehtun m&uuml;ssen, werden durchgezogen. Basta! Kann man dem Souver&auml;n mit mehr Verachtung begegnen? L&auml;sst sich Geringsch&auml;tzung gegen&uuml;ber der Demokratie deutlicher demonstrieren? Vor allem aber: Merz beklagt die St&auml;rke der AfD. Aber noch nie in der deutschen Nachkriegsgeschichte hat ein deutscher Regierungschef mehr Menschen in die F&auml;nge rechter Demagogen getrieben.<\/p><p>Dabei zeigt der Fall Berlin, wie es anders gehen kann. Auch hier haben die Rechten zugelegt, aber eben in Ma&szlig;en, weil viele der durch die Bundesregierung in ihrer sozialen Sicherheit Bedr&auml;ngten f&uuml;r eine linke Alternative votiert haben. Ob die Linkspartei die auf sie gem&uuml;nzten Hoffnungen erf&uuml;llen und insbesondere die Wohnungskrise meistern wird, steht in den Sternen. Entscheidend f&uuml;r ihren Wahlsieg war aber fraglos, dass sie als einzige relevante politische Kraft die Verteilungsfrage gestellt hat. Dazu geh&ouml;ren neben der Enteignung von Immobilienkonzernen und einem Mietendeckel auch die Forderung nach einem &Ouml;PNV-Sozialticket f&uuml;r neun Euro sowie die nach bezahlbarer Energie und dem Ausbau der Gesundheitsversorgung.<\/p><p><strong>Umverteilung tabu<\/strong><\/p><p>Das alles w&auml;re bezahlbar, ginge die Politik an die Reicht&uuml;mer der Reichen heran, etwa mittels h&ouml;herer Erbschaftssteuern oder Reaktivierung einer Verm&ouml;genssteuer. Dazu m&uuml;sste nat&uuml;rlich auch das wahnsinnige Aufr&uuml;stungsprogramm f&uuml;r die Bundeswehr gestoppt werden. Aber das alles kommt f&uuml;r die neoliberalen &Uuml;berzeugungst&auml;ter der Sorte Merz, Markus S&ouml;der (SPD) und Lars Klingbeil (CSU) und die Profiteure, die sie vertreten, nicht in Frage. Und deshalb spricht aktuell in der Hauptstadt keiner mehr &uuml;ber die soziale Mission der Linken, sondern alle nur noch &uuml;ber ihr <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156698\">&bdquo;Antisemitismusproblem&ldquo; und ihre &bdquo;N&auml;he zu Clankriminellen&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Es schreit praktisch zum Himmel, dass die Kampagne allein darauf zielt, die Linke unm&ouml;glich zu machen, einen Senat unter ihrer F&uuml;hrung zu verhindern und damit alle &bdquo;sozialromantischen&ldquo; Anwandlungen im Keim zu ersticken. Und einmal mehr geht es darum, den W&auml;hlerwillen zu sabotieren, dergestalt, dass am Ende die gerupfte CDU doch wieder mitregieren kann, um etwa der Wohnungslobby den R&uuml;cken freizuhalten. Das alles ist ein offenes Geheimnis, und die Konzernmedien wie der nicht minder abh&auml;ngige &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk spielen das falsche Spiel mit. Dabei ist es den Akteuren erneut v&ouml;llig egal, welchen Schaden dabei die Demokratie nimmt, wie der Verdruss in der Bev&ouml;lkerung weiter zunimmt und sich immer mehr Menschen angewidert abwenden.<\/p><p><strong>Vonovia-Boss w&auml;hlt nicht links<\/strong><\/p><p>Dem Vonovia-Boss ist es herzlich egal, wenn beim n&auml;chsten Urnengang an der Spree die AfD bei 30 Prozent und mehr landet. Hauptsache die &bdquo;Kommunisten&ldquo; kommen nicht zum Zug. Aber wo bleibt dabei der Souver&auml;n? F&uuml;r die Wochenzeitung <em>der Freitag<\/em> hat der Wahlausgang in der Hauptstadt das Zeug, eine Debatte zu er&ouml;ffnen, &bdquo;die weit &uuml;ber Berlin hinausreicht und den Kern unseres Zusammenlebens betrifft&ldquo;. Eigentlich, folgert Autorin Elsa Koester, &bdquo;m&uuml;sste also die gesamte Republik links von Friedrich Merz jetzt in heller Aufregung dar&uuml;ber diskutieren, wie die Linke darin unterst&uuml;tzt werden kann, dieses demokratische Projekt einer wahrhaft linken Alternative zum Funktionieren zu bringen&ldquo;. Werde die Partei dagegen von der Macht ferngehalten oder scheitere, w&auml;re dies eine &bdquo;Katastrophe f&uuml;r die Demokratie in diesem Land. Dann gibt es wirklich nur noch eine rechte Alternative.&ldquo;<\/p><p>Damit k&ouml;nnte sie richtig liegen. Den Neoliberalen ist rechts allemal lieber als links. Und wenn die L&uuml;ge Profit verspricht, hat die Wahrheit ausgedient. Der leider viel zu fr&uuml;h verstorbene Marco B&uuml;low, der 16 Jahre als unerw&uuml;nschte Person f&uuml;r die SPD im Bundestag sa&szlig;, stellte in seinem Buch <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher\/politik\/innenpolitik\/korrumpiert.html?listtype=search&amp;searchparam=b%C3%BClow\">&bdquo;Korrumpiert&ldquo;<\/a> fest, dass praktisch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130628\">hinter s&auml;mtlichen politischen Initiativen ein Profitinteresse<\/a> steht. Politik dreht sich demnach fast ausnahmslos um lukrative Gesch&auml;fte weniger, in aller Regel auf Kosten der vielen.<\/p><p>Bei Stuttgart 21 ging es nie um einen verkehrstechnischen Mehrwert, sondern darum, einen funktionierenden Bahnhof zu schleifen, um Platz zu schaffen f&uuml;r ein Immobilienprojekt namens Rosensteinquartier. Daf&uuml;r musste man alles passend machen, was irgendwie ging, einschlie&szlig;lich des Volkswillens. Was nur wenige wissen: Die Schweizer SMA hatte sich nur ein Jahr vor dem &bdquo;Stresstest&ldquo; S21 schon einmal mit S21 befasst, im Auftrag des Landes Baden-W&uuml;rttemberg und unter Regie desselben Herrn Stohler, der jetzt den ganzen Schwindel auffliegen lie&szlig;.*<\/p><p><strong>Erst Verriss, dann Eins mit Sternchen<\/strong><\/p><p>Dabei war dieses erste, wohlgemerkt rechtsverbindliche Gutachten ein veritabler Verriss des Vorhabens, was damals der Journalist und Buchautor Arno Luik (<a href=\"https:\/\/westendverlag.de\/Schaden-in-der-Oberleitung\/1866\">&bdquo;Schaden in der Oberleitung: Das geplante Desaster der Deutschen Bahn&ldquo;<\/a>) in einem <em>Stern<\/em>-Artikel &ouml;ffentlich machte. Ihm war die Studie von einem Insider zugespielt worden. &Uuml;ber viele Seiten hatten die Experten &bdquo;Engp&auml;sse&ldquo;, &bdquo;Konflikte&ldquo; und &bdquo;Fahrzeitverl&auml;ngerungen&ldquo; seziert und die DB fast verzweifelt gefragt: &bdquo;Letztes Wort bez&uuml;glich Infrastruktur-Dimensionierung gesprochen? Letztes Wort bez&uuml;glich Konzeption S-Bahn gesprochen?&ldquo; Im Klartext, res&uuml;mierte Luik seinerzeit, schaffe S21 &bdquo;statt eines &sbquo;neuen Herzens mitten in Europa&lsquo; einen Herzinfarkt&ldquo;.<\/p><p>Infolge der Ver&ouml;ffentlichung stellte die Linksfraktion im Bundestag eine <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/17\/033\/1703333.pdf\">Kleine Anfrage<\/a> an die Bundesregierung. Sp&auml;testens damit musste allen Parteien klar sein, welches Desaster sich schon ganz zu Anfang der Bauarbeiten abzeichnete &ndash; auch den Gr&uuml;nen. Vor allem: Wegen des vernichtenden Urteils der SMA stimmten die Projektgegner der Durchf&uuml;hrung des &bdquo;Stresstests&ldquo; &uuml;berhaupt erst zu, im sicheren Gef&uuml;hl, dass die Pr&uuml;fer es noch einmal durchfallen lassen. Dann die b&ouml;se &Uuml;berraschung: Die SMA gab gr&uuml;nes Licht und bescheinigte eine &bdquo;wirtschaftlich optimale Betriebsqualit&auml;t&ldquo;. Offiziell ver&ouml;ffentlicht wurde das erste Gutachten nie. Es wurde &bdquo;kassiert und unter Verschluss gehalten vom Innenministerium&ldquo;, schrieb Luik, weil es festhielt: &bdquo;Das ist Unsinn, was ihr da macht.&ldquo;<\/p><p><strong>L&auml;uft wie geschmiert<\/strong><\/p><p>Aber da waren Kr&auml;fte am Werk, die sich am Unsinn bereichern wollten und konnten. In seinem Film, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=q9IXQ0L3X20\">&bdquo;Die sieben Tods&uuml;nden von Stuttgart 21&ldquo;<\/a> des Regisseurs Klaus Gietinger, in dem Stohler sein &bdquo;Gest&auml;ndnis&ldquo; ablegt, rauschen wiederholt Zahlenkolonnen &uuml;ber den Bildschirm. Sie schl&uuml;sseln eine <a href=\"https:\/\/wikireal.info\/wiki\/Stuttgart_21\/Lobbyismus#Parteispenden_Herrenknecht\">Vielzahl an Spenden durch die Herrenknecht AG<\/a> an die CDU, FDP und sp&auml;ter auch die SPD im L&auml;ndle auf. Das Unternehmen mit Sitz in Schwanau, Baden-W&uuml;rttemberg, ist der weltweite Marktf&uuml;hrer f&uuml;r maschinelle Tunnelvortriebstechniken und war und ist bis heute bei praktisch jedem der S21-Tunnelbauten engagiert.<\/p><p>Der besonders umstrittene Pfaffensteigtunnel, ein elf Kilometer langes S21-Erg&auml;nzungsprojekt, dessen Bau noch in den Anf&auml;ngen steckt, wurde im politischen Berlin anfangs nur &bdquo;Bilger-Tunnel&ldquo; genannt, nach dem damaligen Staatssekret&auml;r im Bundesverkehrsministerium (BMV), Steffen Bilger. Heute ist der CDU-Mann selbst BMV-Chef und gilt als Merz&lsquo; Mann zur Mobilisierung von Privatkapital <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155309\">&bdquo;zur Finanzierung unserer Infrastrukturmodernisierung&ldquo;<\/a> und als Anbahner einer m&ouml;glichen allgemeinen Autobahnmaut.<\/p><p>Bilger habe den Tunnel &bdquo;tats&auml;chlich gegen den anf&auml;nglichen Widerstand der Bahn und des Landes durchgedr&uuml;ckt&ldquo;, sagte der Physiker Christoph Engelhardt bei seiner <a href=\"https:\/\/wikireal.info\/w\/images\/6\/68\/2026-08-03_Engelhardt_Rede_Montagsdemo.pdf\">Rede<\/a> auf der 816. Montagsdemo gegen S21 Anfang August. Engelhardt, der die Faktencheck-Plattform <em>WikiReal.org<\/em> betreibt, hat Bilger angeschrieben mit der Bitte, offenzulegen, &bdquo;welche Spenden oder sonstigen F&ouml;rderungen bis hin zum Sponsoring haben Sie oder Ihre Parteigliederung aus dem Umfeld von Martin Herrenknecht w&auml;hrend Ihrer politischen Laufbahn erhalten&ldquo;. Man darf gespannt sein auf die Antwort.<\/p><p><strong>Altona wird plattgemacht<\/strong><\/p><p>Stuttgart 21 hat einen kleinen Bruder &ndash; in Hamburg. Dort soll der Fern- und Regionalbahnhof Altona weichen &ndash; f&uuml;r ein neues Stadtquartier &ndash; und Ersatz geschaffen werden durch Ausbau des Bahnhofs in Diebsteich. Auch hiergegen laufen Kritiker Sturm, weil die geplanten Kapazit&auml;ten nicht einmal ausreichten, das Bestandsfahrplanangebot des Jahres 2019 st&ouml;rungsfrei abzuwickeln. Die Bedenken gingen so weit, dass der Verkehrsclub Deutschland (VCD) schon vor Jahren eine Klage gegen das Projekt anstrengte. Also haben die Stadtoberen ein Gutachten zur Kl&auml;rung der Streitfrage eingeholt. Wo wohl? Bei der Schweizer SMA.<\/p><p>Das Testat wurde nur rudiment&auml;r publiziert und attestierte Diebsteich, 29 Z&uuml;ge in der Stunde aufnehmen zu k&ouml;nnen. &Uuml;ber den eigentlichen Engpass, die Ausfahrt nach S&uuml;den, verloren die Pr&uuml;fer kaum ein Wort. Beziehungsweise lie&szlig;en sie durchblicken, dass es mit dem Betrieb nur klappen k&ouml;nnte, wenn die Fernverkehrshalte am Bahnhof Dammtor weitgehend aufgegeben w&uuml;rden. Das aber wollte der Senat um keinen Preis, weshalb er von einer offiziellen Ver&ouml;ffentlichung des Gutachtens absah. Und als sich immer mehr Abgeordnete in der B&uuml;rgerschaft daf&uuml;r interessierten, behauptete die Stadtf&uuml;hrung, es sei zur&uuml;ckgezogen worden und m&uuml;sse deshalb in der Schublade bleiben. Erf&uuml;llt hat das Gutachten seinen Zweck dennoch. Der VCD zog aufgrund des Testats und weiterer Zusagen des Senats sowie der Einrichtung eines weitgehend funktionslosen Dialogforums Schiene Altona seine Klage zur&uuml;ck, woraufhin der zwischenzeitliche Baustopp aufgehoben wurde.<\/p><p>Michael Jung, Sprecher des Umweltverbandes Prellbock Altona e.V., ordnete die Dinge am Montag gegen&uuml;ber den <em>NachDenkSeiten<\/em> ein:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Gef&auml;lligkeitstestate haben wie L&uuml;gen kurze Beine. Dramatisch daran ist, dass dadurch Milliarden Euro an &ouml;ffentlichen Geldern versenkt werden, die an anderer Stelle f&uuml;r die dringend notwendige Sanierung der Bestandsanlagen der Bahn fehlen. Nach dem Eklat um das SMA-Gef&auml;lligkeitstestat f&uuml;r Stuttgart 21 ist es notwendig, die Vorg&auml;nge um die Begutachtung der Leistungsf&auml;higkeit von Diebsteich gr&uuml;ndlich aufzuarbeiten und die entsprechenden Schl&uuml;sse daraus zu ziehen. Und die k&ouml;nnen nur sein: Abbruch des Bauvorhabens und eine umfassende Sanierung des Bahnhofs Altona.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Spie&szlig; umdrehen<\/strong><\/p><p>F&uuml;r S21 muss und kann der Schluss nur hei&szlig;en, den Kopfbahnhof zu erhalten, um per Kombil&ouml;sung einen f&uuml;r die Allgemeinheit tauglichen Bahnverkehr zu erm&ouml;glichen. Dasselbe hatte schon Ex-SMA-Chef Stohler bei den Schlichtungsgespr&auml;chen vor 15 Jahren angeregt. Bereits jetzt zeichne sich ab, dass Stuttgart 21 &bdquo;weder den aktuellen Verkehr noch den bis 2030 und dar&uuml;ber hinaus weiterwachsenden Bahnverkehr bew&auml;ltigen&ldquo; k&ouml;nne, befand am Freitag der Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), J&uuml;rgen Resch. Sein Verband will eine eigene Kapazit&auml;tspr&uuml;fung durchf&uuml;hren. <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/baden-wuerttemberg\/stuttgart\/duh-umwelthilfe-kapazitaetstest-s21-100.html\">&bdquo;Wir machen jetzt den Realit&auml;tscheck f&uuml;r den Stuttgarter Tiefbahnhof.&ldquo;<\/a><\/p><p>Den Realit&auml;tscheck zum Zustand der Demokratie im Land erleben die Menschen im Land seit Langem als: &bdquo;Ihr habt nichts zu melden!&ldquo; Es w&auml;re an der Zeit, den Spie&szlig; umzudrehen &ndash; in Berlin, in Stuttgart, in Hamburg, &uuml;berall.<\/p><p>* Korrektur 29.09.2026 10 Uhr: In einer fr&uuml;heren Version war an dieser Stelle von einem Testat statt eines Gutachtens die Rede. Da jedoch nur Gutachten rechtsverbindlichen Charakter haben, haben wir dies pr&auml;zisiert.<\/p><p><small>Titelbild: Markus Mainka \/ Shutterstock<\/small><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/221cb40989b2433ab22c5b1b41eab769\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stuttgart 21 ist ein Paradebeispiel von Demokratie in Abwicklung. Die B&uuml;rger werden nur mehr als Stimmvieh zur Durchsetzung von Profitinteressen gebraucht, die der Allgemeinheit schaden. Wer mehr Gerechtigkeit und Umverteilung w&auml;hlt, w&auml;hlt praktisch ung&uuml;ltig &ndash; wie sich in Berlin zeigen wird. 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