{"id":156966,"date":"2026-10-02T15:00:13","date_gmt":"2026-10-02T13:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156966"},"modified":"2026-10-02T10:37:30","modified_gmt":"2026-10-02T08:37:30","slug":"brics-und-der-schwierige-weg-in-die-multipolare-welt-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156966","title":{"rendered":"BRICS und der schwierige Weg in die multipolare Welt (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Neu-Delhi-Erkl&auml;rung 2026 haben die BRICS-Staaten einen weiteren Schritt hin zu einer multipolaren Weltordnung unternommen. Doch wie weit tr&auml;gt dieses Projekt &ndash; und wo st&ouml;&szlig;t es an die Grenzen der bestehenden, westlich dominierten Finanz- und Wirtschaftsordnung? In unserer neuen dreiteiligen Reihe analysiert Nel Bonilla Strukturen, M&ouml;glichkeiten und Widerspr&uuml;che von BRICS. <strong>Teil 1<\/strong> zeigt, wie das B&uuml;ndnis funktioniert, was es bisher tats&auml;chlich erreicht hat und was nicht. Ein Artikel von <strong>Nel Bonilla<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Teil 1: Wie BRICS funktioniert &ndash; seine Strukturen, seine Erfolge und seine Grenze<\/strong><\/p><p><strong>&Uuml;ber Souver&auml;nit&auml;t im Zeitalter der hybriden Kriegsf&uuml;hrung<\/strong><\/p><p>Im September 2026, w&auml;hrend die Welt drau&szlig;en stillschweigend von Sekund&auml;rsanktionen, zerrissenen Lieferketten und der unsichtbaren Artillerie permanenter hybrider Kriegsf&uuml;hrung zerteilt wurde, sa&szlig;en elf Nationen in Neu-Delhi an einem Tisch, um ein <a href=\"https:\/\/www.mea.gov.in\/bilateral-documents?dtl\/41776\">140-Punkte-Bollwerk<\/a>, die <strong>Neu-Delhi-Erkl&auml;rung 2026<\/strong>, gegen den Hegemonen zu entwerfen. Es war eine Zusammenkunft der Widerspr&uuml;che: sanktionierte Republiken und Golfmonarchien, wirtschaftliche Titanen und f&ouml;derale Demokratien, alle verbunden durch eine gemeinsame, historische Ersch&ouml;pfung gegen&uuml;ber dem Hegemonen. Dennoch schmiedeten sie entgegen aller geopolitischen Wahrscheinlichkeiten einen Konsens. Sie bauten eine Papierfestung aus Lokalw&auml;hrungsabkommen, Sondergremien f&uuml;r den Zahlungsverkehr und diplomatischen Versprechen und verk&uuml;ndeten dem transatlantischen Kern, dass die Globale Mehrheit seine einseitigen Diktate nicht l&auml;nger schweigend ertragen w&uuml;rde. Es war eine erstaunliche Leistung diplomatischen &Uuml;berlebens, eine monumentale Anstrengung der Globalen Mehrheit, sich in einer Welt, die an ungebremstem Zwang erstickt, einen souver&auml;nen Atemraum zu schaffen.<\/p><p>Aber eine Papierfestung, ganz gleich, wie riesig und komplex ihre Architektur auch sein mag, kann ihre Bewohner nicht vor den Gesetzen der Schwerkraft sch&uuml;tzen, und im 21. Jahrhundert werden diese von den Imperativen des globalen Marktes diktiert. Denn hinter der Rhetorik der souver&auml;nen Gleichheit verbirgt sich eine unromantische Realit&auml;t: Als der Gipfel endete, wurde die Aufgabe, diese neue Welt aufzubauen, an Zentralbanker, Finanzminister und deren eigene, global integrierte Funktionseliten weitergereicht.<\/p><p>Hier liegt das Paradoxon des modernen BRICS-Projekts. Diese F&uuml;hrungsschichten streben nach Autonomie vom gewaltsamen, US-gef&uuml;hrten Imperium, z&ouml;gern jedoch, den mehrschichtigen K&auml;fig des globalen Marktes zu verlassen. Sie fordern und streben nach geopolitischer Souver&auml;nit&auml;t, aber ihre inl&auml;ndische Macht bleibt an westliche Ratingagenturen gebunden &ndash; nur um eine dieser Finanzsirenen zu nennen.<\/p><p>Da ihnen ein gemeinsamer emanzipatorischer Horizont und ein postimperiales Projekt fehlen, endet ihre Solidarit&auml;t dort, wo die Transaktion beginnt. Die BRICS-Staaten bleiben fest mit dem US-System verdrahtet, sei es aus Angst vor dem Dollar-Ausschluss oder aus dem Wunsch nach Absicherung. Wenn ein Land ins Visier ger&auml;t, besteht keine verbindliche Solidarit&auml;t. Man darf dem Forum hier allerdings kein falsches Etikett anheften: BRICS wurde nie als gegenhegemoniale Festung konzipiert, sondern begann als unverbindliches Forum f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit. Und dennoch: Eine lose Kooperationsplattform mag f&uuml;r diplomatische Gipfel gen&uuml;gen, aber an den harten Erfordernissen der heutigen hybriden Kriegsf&uuml;hrung ger&auml;t sie ins Wanken.<\/p><p>Trotz aller Widrigkeiten ist die Neu-Delhi-Erkl&auml;rung, die am 12. und 13. September 2026 auf dem 18. Gipfel im Konsens verabschiedet wurde, von historischer Bedeutung, weil sie die Konsolidierung, die M&ouml;glichkeit und die &Uuml;berlebensf&auml;higkeit eines breiten diplomatisch-institutionellen Raums f&uuml;r die globale Mehrheit unter schwierigen Bedingungen demonstriert. Ihre wahre Bedeutung liegt jedoch in der infrastrukturellen Arbeit. BRICS baut eine Form der reaktiven Abschirmung auf. Und das Bemerkenswerte und Entscheidende ist, dass diese Nationen trotz ihrer tiefgreifenden strukturellen und politischen Unterschiede &uuml;berhaupt Mechanismen zur Selbstverteidigung formulieren.<\/p><p>Die Verurteilung unilateraler Sanktionen und die Appelle f&uuml;r fairere Quoten im IWF und sogar die <a href=\"https:\/\/www.pib.gov.in\/PressReleasePage.aspx?PRID=2296367&amp;lang=1&amp;reg=3&amp;\">Verfassung<\/a> der &bdquo;Strategie f&uuml;r die Wirtschaftliche BRICS-Partnerschaft 2030&ldquo; k&ouml;nnen wir als solche Reaktionen auf den Wirtschaftskrieg des US-gef&uuml;hrten Imperiums verstehen. So geht es bei der Wirtschaftsstrategie wohl um den Aufbau eigener Logistiknetzwerke, lokaler W&auml;hrungskreisl&auml;ufe und KI-Standards &ndash; alles, um die k&uuml;nftigen imperialen Einschl&auml;ge abzufedern.<\/p><p>Diese Konsolidierung beweist, dass sich ein nicht-imperialer Koordinationsraum reproduzieren l&auml;sst und man seinen Handlungsspielraum erweitern kann. Dennoch m&uuml;ssen wir der Realit&auml;t ins Auge sehen: Die Erweiterung des Handlungsspielraums ist nicht gleichbedeutend mit der Demontage des Systems, das die Regeln diktiert. Hier bleibt die Organisation in ihrem Kernwiderspruch gefangen. Ihre gr&ouml;&szlig;te St&auml;rke &ndash; ein souver&auml;nit&auml;tswahrender Pluralismus &ndash; ist zugleich das, was sie daran hindert, zu jener koh&auml;renten, sch&uuml;tzenden Architektur zu werden, nach der die gegenw&auml;rtige Zeit scheinbar verlangt.<\/p><p>Was genau hat Neu-Delhi nun erreicht, und was ist n&ouml;tig, damit Multipolarit&auml;t mehr wird als nur eine Umverteilung der Macht innerhalb der bestehenden Ordnung?<\/p><p><strong>Ein zwischenstaatliches Forum im imperialen Labyrinth: Was ist BRICS?<\/strong><\/p><p>Bevor wir sein geopolitisches Gewicht bewerten k&ouml;nnen, m&uuml;ssen wir pr&auml;zisieren, was BRICS eigentlich ist. Laut der <a href=\"https:\/\/www.brics2026.gov.in\/about-us\/\">offiziellen Plattform<\/a> der indischen BRICS-Pr&auml;sidentschaft 2026:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;BRICS bringt elf gro&szlig;e Schwellen- und Entwicklungsl&auml;nder der Welt zusammen: Brasilien, China, &Auml;gypten, &Auml;thiopien, Indien, Indonesien, den Iran, Russland, Saudi-Arabien, S&uuml;dafrika und die Vereinigten Arabischen Emirate. Es dient als n&uuml;tzliche Plattform f&uuml;r Konsultationen und Kooperationen zu aktuellen Fragen von globaler wie regionaler Bedeutung sowie zu Fragen der globalen politischen und wirtschaftlichen Governance.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Mit anderen Worten ist BRICS eine Koordinations- und Kooperationsplattform. Aber es ist auch ein Forum, das seinen Mitgliedern strategische Autonomie erm&ouml;glichen soll &ndash; und zwar in einer Weltwirtschaft, deren finanzielle, rechtliche, technologische und marktbezogene Strukturen nach wie vor stark von den Vereinigten Staaten und der breiteren transatlantischen Sph&auml;re diktiert werden.<\/p><p>Im Unterschied zur Europ&auml;ischen Union als supranationale Einheit und im Unterschied zu milit&auml;rischen Verteidigungsb&uuml;ndnissen fehlen den BRICS eine gemeinsame W&auml;hrung, ein gegenseitiger Verteidigungspakt sowie supranationale Implementationsmechanismen. Dieses Forum funktioniert durch Konsensfindung, und zwar gerade, weil es sich hierbei um eine souver&auml;nit&auml;tswahrende zwischenstaatliche Architektur handelt, in der die Mitgliedsstaaten ihre volle Autonomie behalten und nur dort zusammenarbeiten, wo sich ihre nationalen Interessen zuf&auml;llig &uuml;berschneiden.<\/p><p>Dennoch kann man sagen, dass sich die BRICS <a href=\"https:\/\/www.pib.gov.in\/PressReleaseIframePage.aspx?PRID=2308611&amp;reg=48&amp;lang=2\">offiziell darauf geeinigt haben<\/a>, auf drei Ebenen (freiwillig) miteinander zu kooperieren. Da w&auml;re die S&auml;ule der politischen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit, die S&auml;ule der wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit und schlie&szlig;lich die S&auml;ule des kulturellen und zwischenmenschlichen Austauschs.<\/p><p>Weiterhin wird BRICS durch die j&auml;hrlichen Gipfeltreffen vorangebracht. Interessanterweise f&uuml;hrt die rotierende Pr&auml;sidentschaft dazu, dass die Agenda stets einen bestimmten geopolitischen Einschlag hat und die innenpolitischen Priorit&auml;ten des Gastgebers widerspiegelt. Diese Gipfeldiplomatie wird zudem durch ein institutionelles Kontinuum gest&uuml;tzt, das ministerielle Ebenen und Au&szlig;enminister umfasst und von einem wachsenden Netz von Arbeitsgruppen aus Fachministerien, Zentralbanken, Entwicklungsbanken, Regulierungsbeh&ouml;rden, Universit&auml;ten und Wirtschaftsunternehmen getragen wird.<\/p><p>Trotz der scheinbar losen Struktur der BRICS funktioniert es auf mehreren wichtigen Ebenen der Geopolitik und Geowirtschaft.<\/p><p>Zum einen sind sie ein hochrangiges diplomatisches Forum f&uuml;r politische Abstimmungen. Zum anderen sind sie eine technische Plattform f&uuml;r die grenz&uuml;berschreitende regulatorische und wirtschaftliche Koordination.<\/p><p>Die BRICS fungieren auch als Erm&ouml;glicher f&uuml;r bilaterale und minilaterale Projekte, die andernfalls kaum multilaterale Deckung f&auml;nden.<\/p><p>Und schlie&szlig;lich fungieren die BRICS als aufstrebender institutioneller Architekt, der gezielte Gegengewichte wie die New Development Bank (NDB) und das Contingent Reserve Arrangement (CRA) aufbaut.<\/p><p>Die St&auml;rke der BRICS liegt in der F&auml;higkeit, Handlungsspielr&auml;ume zu erweitern &ndash; durch die Er&ouml;ffnung alternativer Entwicklungswege, bilateraler Finanzierungsoptionen und auf der globalen Mehrheit basierende Verhandlungsr&auml;ume.<\/p><p>Dennoch stellt es keine vollst&auml;ndig konsolidierte Gegenordnung dar, nicht zuletzt deshalb, weil die BRICS-Staaten weiterhin tief in den globalen Markt integriert bleiben. Wohl oder &uuml;bel ist diese Integration zugleich ihr gr&ouml;&szlig;tes Kapital und ihr wunder Punkt:<\/p><p>W&auml;hrend sie ihnen Zugang zu lebenswichtigem Handel, Kapital und Technologie gew&auml;hrt, unterwirft sie sie den Imperativen jener Finanzordnung, gegen die sie sich eigentlich absichern wollen.<\/p><p><strong>Was hat BRICS erreicht?<\/strong><\/p><p>Um das Wesen der BRICS zu begreifen, m&uuml;ssen wir sowohl verstehen, was die <strong>Neu-Delhi-Erkl&auml;rung 2026<\/strong> erreicht hat, als auch, wie die Organisation als Ganzes funktioniert.<\/p><p>Theoretisch, sofern sie umgesetzt wird, skizziert die Erkl&auml;rung eine andere Art der globalen wirtschaftlichen Kontrolle: mehr Repr&auml;sentation f&uuml;r die globale Mehrheit in Institutionen wie dem IWF, der Weltbank und der UN; eine Erweiterung der New Development Bank (NDB) sowie einen Aufschwung bei der Kreditvergabe und Abwicklung in lokalen W&auml;hrungen. Sie zielt zudem auf Zahlungsinteroperabilit&auml;t, die Resilienz von Lieferketten und Logistik, industrielle Kapazit&auml;ten, digitale &ouml;ffentliche Infrastruktur, KI-Standards, gemeinsame Forschung sowie einen gemeinsamen Widerstand gegen einseitige Zwangsma&szlig;nahmen ab.<\/p><p>Wie &uuml;blich bei Gipfeltreffen-Erkl&auml;rungen der BRICS, tr&auml;gt auch diese die Handschrift des indischen Gastgebers. So werden indigene Sportarten und traditionelle Medizin als Rahmen f&uuml;r die Zusammenarbeit vorgestellt. Gleichzeitig stellt die Agenda die Weichen f&uuml;r die kommende chinesische Pr&auml;sidentschaft, insbesondere in den Bereichen Lieferketten und KI. Die Erkl&auml;rung enth&auml;lt viele weitere Vorschl&auml;ge und Aufforderungen zur Fortf&uuml;hrung bereits bestehender Mechanismen. So wird beispielsweise vorgeschlagen, ein zentrales Archiv einzurichten, das die Arbeit jedes BRICS-Vorsitzes dokumentiert &ndash; etwas, das erstaunlicherweise noch gar nicht existiert.<\/p><p>Was wurde aber nun tats&auml;chlich in Neu-Delhi erreicht? Um diese Frage zu beantworten, m&uuml;ssen wir zwischen etablierten, funktionierenden Mechanismen, verabschiedeten Rahmenwerken oder Arbeitspl&auml;nen und Vorschl&auml;gen im Fr&uuml;hstadium unterscheiden. Tats&auml;chlich bezieht sich nicht jeder der 140 Punkte der Erkl&auml;rung auf eine funktionierende Institution oder einen bestehenden Plan; viele sind Vorschl&auml;ge, die k&uuml;nftige Absichten signalisieren.<\/p><p>Denn um zu begreifen, warum der Ausbruch aus dem mehrschichtigen K&auml;fig so schwerf&auml;llt, m&uuml;ssen wir hinab in den Maschinenraum der Institutionen steigen, wo die tats&auml;chlichen Grenzen und M&ouml;glichkeiten der BRICS zutage treten.<\/p><p><strong>Bestehende Strukturen unter neuer politischer Ausrichtung<\/strong><\/p><p>Die BRICS arbeiten nicht nach einem festgesetzten institutionellen Kalender, da es keinen supranationalen Vertrag und daher auch keinen verfassungsrechtlichen Zeitrahmen gibt, der eingehalten werden muss. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Jahreszahlen, die den Beginn eines Mechanismus andeuten, mit der Billigung auf einem Gipfel, der Unterzeichnung eines zwischenstaatlichen Abkommens oder der schrittweisen Institutionalisierung eines Arbeitsprozesses zusammenfallen. &Uuml;ber fast zwei Jahrzehnte hinweg entwickelten sich ministerielle und technische Mechanismen schrittweise, w&auml;hrend sich das geopolitische Terrain unter ihnen ver&auml;nderte.<\/p><p><strong>Die finanzielle Frontlinie: Der Kampf um die Infrastruktur<\/strong><\/p><p>Nirgendwo ist BRICS so institutionell weiterentwickelt wie im Finanzsektor. Doch genau hier kollidieren zwei Realit&auml;ten auf engstem Raum: Der dringende politische Bedarf, sich durch eigene Finanzinfrastrukturen gegen den imperialen Wirtschaftskrieg abzuschirmen, prallt ungebremst auf die Sorge der nationalen Banken und Exportkonzerne, ihre lebenswichtige Nabelschnur zum globalen Markt &ndash; und damit zu SWIFT und transatlantischem Kapital &ndash; zu durchtrennen.<\/p><p><strong>Die NDB: Ein bescheidener Gegenentwurf<\/strong><\/p><p>Auf dem Gipfel in Fortaleza im Juli 2014 <a href=\"https:\/\/brics.br\/en\/about-the-brics\/new-development-bank\">gegr&uuml;ndet<\/a> und bis 2015 einsatzbereit, wurde die New Development Bank (NDB) als multilateraler Kreditgeber konzipiert, um Ressourcen f&uuml;r Infrastruktur und nachhaltige Entwicklung in den Schwellenl&auml;ndern zu mobilisieren.<\/p><p>Funktional spiegelt die NDB nicht das Strukturanpassungsmodell der Bretton-Woods-Institutionen wider: W&auml;hrend der Internationale W&auml;hrungsfonds (IWF) und die Weltbank historische Hilfen an makrostrukturelle Schocktherapien, Deregulierung und Austerit&auml;t kn&uuml;pften, arbeitet die NDB in einem entwicklungsorientierten Rahmen und finanziert langfristige, greifbare Infrastruktur mit minimalen politischen Auflagen. Dar&uuml;ber hinaus wurde die NDB, im Gegensatz zur quotengewichteten Herrschaft des IWF &ndash; die dem Westen ein effektives Vetorecht garantiert &ndash;, auf der Grundlage souver&auml;ner Gleichheit gegr&uuml;ndet. Die f&uuml;nf Gr&uuml;ndungsmitglieder halten gleiche Anteile und Stimmrechte, w&auml;hrend die NDB insgesamt konsensbasiert gef&uuml;hrt wird.<\/p><p>Dennoch bleibt die NDB in ihrem Umfang bescheiden. Ihre systemische Einschr&auml;nkung besteht sowohl in ihrer bescheidenen Kapitalobergrenze als auch in ihren selbstgesetzten Grenzen. Der Grund f&uuml;r die Grenzen des NDB liegt darin, dass er von vornherein als Erg&auml;nzung zu den globalen Kapitalm&auml;rkten konzipiert wurde. Vielsagend ist, dass BRICS-Kommuniqu&eacute;s routinem&auml;&szlig;ig mehr politisches Kapital darauf verwenden, die Umverteilung der IWF-Stimmrechtsquoten zu fordern als die NDB zu rekapitalisieren oder zu einer eigenst&auml;ndigen Alternative auszubauen. Die Urspr&uuml;nge und der Zweck der NDB offenbaren, dass die Mitgliedsstaaten (oder zumindest ein Teil ihrer Eliten) nach wie vor einen Platz innerhalb der westlich dominierten Finanzarchitektur suchen &ndash; und das, obwohl sie sich gegen deren zunehmende Instrumentalisierung als Waffe verteidigen.<\/p><p><strong>Das CRA: Ein blockierter Rettungsschirm<\/strong><\/p><p>Parallel zur NDB 2014 mit einer anf&auml;nglichen Kapitalzusage von 100 Milliarden US-Dollar <a href=\"https:\/\/brics.br\/en\/about-the-brics\/new-development-bank\">gegr&uuml;ndet<\/a>, wurde das Contingent Reserve Arrangement (CRA) als multilaterales Sicherheitsnetz konzipiert, um die Auswirkungen von Zahlungsbilanzkrisen und kurzfristigen Liquidit&auml;tsschocks abzumildern. Auf dem Papier stellt das CRA einen souver&auml;nen Liquidit&auml;tsschild dar und ist somit eine wunderbare Errungenschaft. In der Praxis wurde es jedoch noch nie in einer Krise aktiviert. Dieses brachliegende Dasein resultiert teilweise aus seinem institutionellen Design:<\/p><p>Nach den <a href=\"https:\/\/infobrics.org\/files\/country\/russia\/documents\/2014\/finance\/2014_07_15_Treaty_for_the_Establishment_of_a_BRICS_Contingent_Reserve_Arrangement.pdf?ysclid=mugrhktrg6655868536\">Regeln des CRA<\/a> kann ein in Not geratener Mitgliedsstaat bedingungslos nur auf 30 Prozent seiner maximalen Kreditquote zugreifen. Der Zugriff auf die restlichen 70 Prozent erfordert, dass der Antragsteller ein aktives, an Bedingungen gekn&uuml;pftes Strukturanpassungsprogramm mit dem IWF eingeht. Da Schwellenl&auml;nder gerade deshalb zu BRICS tendierten, um der IWF-&Uuml;berwachung und -Konditionalit&auml;t zu entkommen, macht diese Anforderung das CRA, gelinde gesagt, zu einem unattraktiven Gl&auml;ubiger. Dar&uuml;ber hinaus fehlt dem CRA im Gegensatz zum IWF oder der Multilateralisierung der Chiang-Mai-Initiative (CMIM) ein dediziertes, st&auml;ndiges &Uuml;berwachungssekretariat. Was bedeutet das? Nun, es bedeutet, dass es die Kreditw&uuml;rdigkeit nicht zuverl&auml;ssig bewerten, makro&ouml;konomische Schwachstellen nicht &uuml;berwachen und Auszahlungsprotokolle nicht verwalten kann. Zudem wird die Ausl&ouml;sung eines multilateralen Kreditmechanismus zwischen Staaten mit unterschiedlichen geopolitischen Ausrichtungen und wirtschaftlichen Verwundbarkeiten unweigerlich zu politischen Reibereien f&uuml;hren, was die Mitglieder dazu veranlasst, sich eher auf bilaterale W&auml;hrungs-Swaps von Zentralbanken zu verlassen als &uuml;berhaupt zu versuchen, das CRA (und letztlich den IWF) zu navigieren.<\/p><p><strong>Die Zentralbanker: Architekten der Absicherung<\/strong><\/p><p>Das prim&auml;re finanzielle und makro&ouml;konomische Steuerungsgremium der BRICS ist der Prozess der Finanzminister und Zentralbankgouverneure (FMCBG). Bemerkenswerterweise ist dieser Arbeitsprozess (ein sog. <em>Track<\/em>) &auml;lter als die j&auml;hrlichen Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs: Er trat erstmals im November 2008 in S&atilde;o Paulo zusammen, kurz vor dem G20-Gipfel, um eine Antwort der Schwellenl&auml;nder auf die Finanzkrise der Wall Street zu <a href=\"https:\/\/bricscouncil.ru\/en\/history\">koordinieren<\/a>. Man k&ouml;nnte sagen, dass dies die Urspr&uuml;nge der BRICS sind.<\/p><p>Der FMCBG, der im Konsens operiert und vom j&auml;hrlich rotierenden Vorsitz (Markenzeichen der BRICS) geleitet wird, fungiert als mechanischer Kern der BRICS-Wirtschaftsdiplomatie. Sein Geltungsbereich umfasst vier Hauptfronten. Eine dieser Fronten ist die Koordination einer vereinten diplomatischen Lobbyarbeit f&uuml;r die Umverteilung von IWF- und Weltbankquoten, um das tats&auml;chliche produktive Gewicht der Globalen Mehrheit widerzuspiegeln. Eine weitere ist die Aufsicht &uuml;ber die BRICS Payment Task Force (BPTF), die die technische Kompatibilit&auml;t zwischen inl&auml;ndischen Zahlungssystemen untersucht, um grenz&uuml;berschreitende Zahlungen und Investitionen in nationalen W&auml;hrungen zu erleichtern. Eine dritte Front dient als technisches Aufsichtsgremium, das sowohl die NDB als auch das CRA steuert.<\/p><p>Abgesehen von diesen Fronten bietet der FMCBG den BRICS eine Plattform, um den heutigen imperialen unilateralen wirtschaftlichen Zwang zu verurteilen. <a href=\"https:\/\/www.brics2026.gov.in\/\">Unter Indiens Vorsitz<\/a> im Jahr 2026 etwa sprach der <a href=\"https:\/\/www.thehindu.com\/news\/national\/brics-finance-ministers-central-bank-chiefs-voice-concern-about-unilateral-imposition-of-tariffs\/article71455815.ece\"><em>Track<\/em><\/a> Warnungen gegen unilaterale Zollerhebungen und extraterritoriale Finanzsanktionen aus.<\/p><p>Dies soll den FMCBG-Prozess keineswegs schm&auml;lern. Tats&auml;chlich baut er weiterhin defensive Strukturen f&uuml;r die BRICS im Finanzbereich auf. Allerdings hat er eine strukturelle Obergrenze, die seine Kapazit&auml;ten f&uuml;r Verteidigung und Autonomie begrenzt.<\/p><p>Beispielsweise l&auml;sst sich hier der Wandel hin zum bilateralen Handel in Lokalw&auml;hrungen anf&uuml;hren, der unter den BRICS-Mitgliedern echte Zugkraft gewonnen hat. Dieser Prozess spiegelt sich heute darin wider, dass Indien russische Energieimporte <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/finance\/russia-says-no-more-hurdles-payments-with-india-2026-09-02\/\">routinem&auml;&szlig;ig<\/a> in Rupien und Dirham abwickelt, w&auml;hrend der bilaterale sino-russische Handel mittlerweile <a href=\"https:\/\/www.aa.com.tr\/en\/world\/russia-china-conduct-over-99-of-trade-in-national-currencies-says-official\/3734770\">&uuml;berwiegend<\/a> ohne westliche W&auml;hrungen abgewickelt wird.<\/p><p>Gleichzeitig hat die NDB die <a href=\"https:\/\/www.ndb.int\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/NDB_StrategyDocument_eVersion_07.pdf\">Finanzierung in Lokalw&auml;hrungen erh&ouml;ht<\/a>. Dies ist einer der Schl&uuml;sselprozesse der Entdollarisierung.<\/p><p>Auch wenn die Idee einer einheitlichen &bdquo;BRICS-W&auml;hrung&ldquo; 2022 <a href=\"https:\/\/interfax.com\/newsroom\/top-stories\/80526\/\">von Russland<\/a> und 2023 erneut <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/markets\/us\/brazils-lula-supports-trading-currency-for-brics-countries-idUSL1N36T1WW\/\">von Brasilien<\/a> ins Spiel gebracht wurde, um westliche Finanzsanktionen und das SWIFT-Netzwerk zu umgehen, haben mehrere Faktoren die Umsetzung ins Stocken geraten lassen &ndash; so z. B. die divergierenden Geldpolitiken und Inflationsprofile der Mitgliedsstaaten. Infolgedessen ist der FMCBG auf das praktikablere Ziel umgeschwenkt, inl&auml;ndische Massenzahlungssysteme (wie Brasiliens Pix und Indiens UPI) <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2026\/9\/16\/what-is-brics-pay-and-can-it-rival-the-wests-swift-payments-system\">miteinander zu verkn&uuml;pfen<\/a>.<\/p><p>Es gibt jedoch noch grundlegendere Engp&auml;sse im FMCBG-Prozess. Dazu geh&ouml;ren nicht nur geopolitische Reibereien zwischen den Mitgliedsstaaten.<\/p><p>Ein Beispiel hierf&uuml;r ist, dass sich Neu-Delhi <a href=\"https:\/\/carnegieendowment.org\/india\/research\/2026\/06\/managing-divergence-indias-brics-presidency-in-2026\">m&ouml;glicherweise<\/a> gegen eine auf den Yuan ausgerichtete Regelung str&auml;uben w&uuml;rde, da es nachdr&uuml;cklich und oft die Vernetzung bestehender nationaler Zahlungssysteme bef&uuml;rwortet. Weiterhin fordert der FMCBG seit fast zwei Jahrzehnten <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/finance\/brics-finance-chiefs-urge-reform-global-development-financial-institutions-2026-09-11\/\">eine Reform des IWF<\/a>. Und immer noch verf&uuml;gen die Vereinigten Staaten &uuml;ber eine entscheidende Sperrminorit&auml;t. Ganz zu schweigen davon, dass der US-Dollar trotz der BRICS-Bem&uuml;hungen zur Nutzung lokaler W&auml;hrungen noch immer mehr als 50 Prozent der globalen &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.swift.com\/sites\/default\/files\/files\/global-currency-tracker_september-2026.pdf\">SWIFT<\/a> abgewickelten Transaktionen beherrscht, w&auml;hrend der chinesische Yuan bei unter vier Prozent verharrt.<\/p><p>Nicht zuletzt hat die Aufnahme sehr unterschiedlich ausgestatteter Volkswirtschaften &ndash; darunter &Auml;gypten, der Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate &ndash; widerspr&uuml;chliche au&szlig;enpolitische Orientierungen, Petrodollar-Abh&auml;ngigkeiten und makrofinanzielle Volatilit&auml;ten mit sich gebracht, was den Konsensprozess unweigerlich verlangsamt hat. Dies ist sicher einer der Faktoren, der zu breiteren, verw&auml;sserteren gemeinsamen Erkl&auml;rungen f&uuml;hrt.<\/p><p>Der FMCBG-Prozess wurde urspr&uuml;nglich nicht dazu geschaffen, die US-gef&uuml;hrte Finanzhegemonie zu schw&auml;chen. Aber die heutigen Zeiten hybrider Kriegsf&uuml;hrung, eben auch im Finanzbereich, haben dazu gef&uuml;hrt, dass der FMCBG-Prozess nun doch noch eine parallele Infrastruktur zur Absicherung aufbaut. Diese Infrastruktur erm&ouml;glicht es souver&auml;nen Staaten, einen Raum gegen den transatlantischen Finanzzwang zu schaffen, w&auml;hrend sie notwendigerweise in den breiteren globalen Markt integriert bleiben. Aber eine Antwort auf den heutigen Wirtschaftskrieg bedarf mehr als nur der Koordination der Zentralbanken. Und auch hier haben die BRICS einen Unterbau aus wirtschaftlichen, zivilgesellschaftlichen und technischen Arbeitsgruppen und Mechanismen geschaffen.<\/p><p><strong>Wirtschaft und Wissenschaft: Der Bau von Fluchtrouten<\/strong><\/p><p>Wenn wir uns nun dem Bereich der Privatwirtschaft und der Bildung zuwenden, stellen wir fest, dass die Initiativen in diesen Bereichen in erster Linie dazu dienen, grenz&uuml;berschreitendes Vertrauen und praktische Konnektivit&auml;t ohne westliche Vermittlung aufzubauen. Angefangen beim BRICS Business Council (BBC), der <a href=\"https:\/\/bricsbusinesscouncil.co.in\/about-us.html\">2013 gegr&uuml;ndet wurde<\/a>, k&ouml;nnen wir ihn als den unternehmerischen Lobbyarm von BRICS verstehen. Der BBC (nicht der Sender!) arbeitet in neun Arbeitsgruppen, um die &uuml;blichen imperialen Lieferketten zu umgehen. Und er hat in dieser Hinsicht konkrete Erfolge erzielt.<\/p><p>Beispielsweise hat er den Datenaustausch im Zollwesen automatisiert und direkte Lieferkettenabkommen f&uuml;r Getreide und D&uuml;ngemittel institutionalisiert, um die Mitglieder vor Sanktionen zu sch&uuml;tzen. Die BRICS Women&rsquo;s Business Alliance (WBA) wurde 2020 <a href=\"https:\/\/bricswomen.com\/2025\/07\/01\/press-accreditation-open-brics-womens-alliance-plenary-and-brics-business-forum-to-address-global-inclusion-innovation-and-development\/\">ins Leben gerufen<\/a>. Die WBA betrachtet die wirtschaftliche F&uuml;hrungsrolle von Frauen als makro&ouml;konomischen Imperativ. Sie hat erfolgreich eine verifizierte digitale Netzwerkinfrastruktur f&uuml;r &uuml;ber 5.000 Unternehmerinnen aus 60 L&auml;ndern geschaffen &ndash; die es von Frauen gef&uuml;hrten Firmen erm&ouml;glicht, schnelle, vertrauensvolle grenz&uuml;berschreitende Partnerschaften au&szlig;erhalb des mehrschichtigen K&auml;figs zu bilden &ndash; und Inkubatoren gestartet, die Start-ups direkt mit Risikokapitalfonds aus dem Globalen S&uuml;den verbinden.<\/p><p>An der Bildungsfront wurde 2015 die BRICS Network University (BRICS-NU) <a href=\"https:\/\/brics-nu.unesp.br\/about\/\">formalisiert<\/a>. Die BRICS-NU fungiert als Konsortium, das 178 Partneruniversit&auml;ten verbindet. Auch dieses Netzwerk hat Fortschritte beim Aufbau eines unabh&auml;ngigen globalen BRICS-Universit&auml;tsrankings erzielt, um westliche akademische Metriken herauszufordern. Und ja, auch die Wissenschaft ist Teil dieses mehrschichtigen K&auml;figs, weshalb eine solche Bem&uuml;hung von Bedeutung ist. Nichtsdestotrotz hat es sich schwergetan, aufgrund kollidierender nationaler Bildungsgesetze die Mobilit&auml;t von Studierenden oder gemeinsame Abschl&uuml;sse zu erm&ouml;glichen.<\/p><p><strong>Forschung und Zivilgesellschaft<\/strong><\/p><p>BRICS nutzt intensiv staatlich unterst&uuml;tzte Forschungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Netzwerke, um neue Strategien zu entwickeln und zur Reife zu bringen und die Idee eines demokratischen Multilateralismus zu verbreiten. Man k&ouml;nnte sagen, dies sei eine weitere Form der Diplomatie.<\/p><p>Ein etablierter Mechanismus in dieser Hinsicht ist der BRICS Think Tank Council (BTTC) sowie das dazugeh&ouml;rige Academic Forum. Der 2008\/2009 entstandene und <a href=\"https:\/\/bricsthinktankscouncil.org\/\">2013 institutionalisierte<\/a> BTTC dient als intellektueller Brutkasten des B&uuml;ndnisses. Er generiert erfolgreich politische Rahmenwerke (wie etwa Strategien zur Abwicklung in Lokalw&auml;hrungen), die die sogenannten <em>Sherpas<\/em> (darauf kommen wir sp&auml;ter noch zu sprechen) schlie&szlig;lich in die offiziellen Erkl&auml;rungen einweben.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus hat er ein souver&auml;nes System von Fortschrittsindikatoren <a href=\"https:\/\/bricscouncil.ru\/en\/analytics\/report-brics-cooperation-progress-according-bttc-indicator-system\">etabliert<\/a>, um die Entwicklung der verschiedenen Mitgliedsstaaten anhand von Metriken zu bewerten, die unabh&auml;ngig von westlichen Bewertungsma&szlig;st&auml;ben f&uuml;r Regierungsf&uuml;hrung und politische Entwicklung (sog. <em>Governance<\/em>-Indizes) sind.<\/p><p>Gleicherma&szlig;en versucht die Zivilgesellschaft, sich dem Einfluss westlicher Finanzierungsfl&uuml;sse zu entziehen. Und hier haben die BRICS durch die im Jahr 2015 <a href=\"https:\/\/bricscouncil.ru\/en\/grazhdan?ysclid=muih3dpqhp620837807\">ins Leben gerufene Civil BRICS<\/a> und das begleitende BRICS Civil Forum eine Struktur geschaffen, die die Entwicklung von Autonomie in diesem Bereich erm&ouml;glichen kann. Zudem funktioniert der Civil-BRICS-Mechanismus wie ein Beratungsgremium, das NGO-Empfehlungen auf offiziellen Kan&auml;len weitergeben kann. Weiterhin entsteht hier eine transnationale Infrastruktur von Basisorganisationen, die nun &uuml;ber L&auml;ndergrenzen hinweg Strategien koordinieren k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Regierungskoordination und technische Netzwerke<\/strong><\/p><p>Die breite operative Maschinerie der BRICS liegt in ihren spezialisierten ministeriellen und technischen Netzwerken. Abseits des geopolitischen Rampenlichts konzentrieren sich diese B&uuml;rokraten der mittleren Ebene und Wissenschaftler auf Datenformatierung und logistische Effizienz. Sie haben eine bemerkenswerte informationelle Integration erreicht und die Konstellation von Fernerkundungssatelliten (zum <a href=\"https:\/\/news.cgtn.com\/news\/2026-09-07\/BRICS-countries-deepen-space-cooperation-to-address-global-challenges-1Qf8axwUpwY\/p.html\">Austausch souver&auml;ner Klima- und Katastrophendaten<\/a>), ein Forschungs- und Entwicklungszentrum f&uuml;r <a href=\"https:\/\/tvbrics.com\/en\/news\/brics-vaccine-research-and-development-r-d-centre-launched-online\/\">Impfstoffe<\/a> sowie ein Rahmenwerk f&uuml;r Wettbewerbsbeh&ouml;rden (Competition Authorities Framework) <a href=\"https:\/\/bricscompetition.org\/\">etabliert<\/a>. Dieser letzte Mechanismus ist so konzipiert, dass er den Mitgliedsstaaten die kollektive Hebelwirkung verleiht, um z.B. gegen westliche Tech-Monopole vorzugehen, w&auml;hrend gleichzeitig kritische Sektoren wie Getreidewertsch&ouml;pfungsketten erforscht werden, um &bdquo;<em>einheitliche Ans&auml;tze zur Antimonopolregulierung<\/em>&ldquo; zu entwickeln.<\/p><p>Nat&uuml;rlich offenbaren diese eher technischen Netzwerke &ndash; die an der Oberfl&auml;che vielleicht weniger politisch erscheinen &ndash; auch eine der Grenzen des B&uuml;ndnisses.<\/p><p>Zum einen weist BRICS ein Vertrauensdefizit auf, das physischer Natur ist. Was meine ich damit? Nun, die Mitgliedsstaaten teilen virtuelle Daten bereitwillig, aber Vorschl&auml;ge, die physische Integration oder makro&ouml;konomisches Vertrauen erfordern, geraten routinem&auml;&szlig;ig ins Stocken. Zwei gro&szlig;e, noch nicht realisierte Vorschl&auml;ge veranschaulichen diese Obergrenze:<\/p><p>Die von Russland vorangetriebene Agrar-Getreideb&ouml;rse der BRICS ist ein solcher unrealisierter <a href=\"https:\/\/infobrics.org\/en\/post\/102525\/?ysclid=muij70gufd867205716\">Vorschlag<\/a>. Diese vorgeschlagene B&ouml;rse w&uuml;rde den US-Dollar umgehen und westlichen Zentren (wie Chicago und London) die M&ouml;glichkeit nehmen, globale Benchmarks f&uuml;r Lebensmittel festzulegen.<\/p><p>Obwohl die erweiterten BRICS-Staaten &uuml;ber die H&auml;lfte der globalen Lebensmittelproduktion kontrollieren, bleibt die Initiative aufgrund interner W&auml;hrungsstreitigkeiten (in welcher W&auml;hrung wird der Handel bepreist?) und der Weigerung von L&auml;ndern wie Indien, den heimischen Agrarprotektionismus einem gemeinsamen multilateralen Markt zu &uuml;berlassen, blockiert. Dar&uuml;ber hinaus wird der globale Getreidehandel fest im mehrschichtigen K&auml;fig gehalten und ist vollst&auml;ndig auf maritime Transportversicherer, internationale Schiedsgerichte und Inspektionsbeh&ouml;rden mit Sitz in Europa und den USA angewiesen.<\/p><p>Da BRICS derzeit weder &uuml;ber eine integrierte gemeinsame Verrechnungsstelle noch &uuml;ber einheitliche Zertifizierungsstandards f&uuml;r Qualit&auml;tsstufen von Agrarg&uuml;tern in den H&auml;fen der Mitgliedsl&auml;nder verf&uuml;gt, fehlt dem Forum die spezifische Architektur, die erforderlich ist, um eine souver&auml;ne Getreideb&ouml;rse funktionsf&auml;hig zu machen. Mit anderen Worten: Gegenw&auml;rtig kann es diese Gitterst&auml;be des K&auml;figs nicht umgehen.<\/p><p>Ein weiterer bemerkenswerter, aber noch nicht realisierter Vorschlag ist ein einheitliches BRICS-Smart-Grid, <a href=\"https:\/\/brics-dcoe.global\/\">basierend<\/a> auf dem bereits etablierten BRICS Digital Centre of Excellence (DCoE) f&uuml;r intelligente Netze und Energiespeicherung. Dieser Vorschlag w&uuml;rde den BRICS erm&ouml;glichen, physische transnationale intelligente Netze sowie einen gemeinsamen strategischen &Ouml;l- und Gaspuffer aufzubauen. Es w&uuml;rde ein vollst&auml;ndig geschlossenes Energie-&Ouml;kosystem schaffen, das die weltgr&ouml;&szlig;ten Energieproduzenten (Russland, VAE, Iran) direkt mit den weltgr&ouml;&szlig;ten Energieverbrauchern (China, Indien) verbindet &ndash; auch wenn es <a href=\"https:\/\/infobrics.org\/files\/country\/russia\/documents\/2026\/energy\/2026_06_26_BRICS_Guiding_Principles_of_Smart_Grids_and_Energy_Storage.pdf\">im jetzigen Stadium<\/a> erstmal um technischen Austausch, die Interoperabilit&auml;t von Standards und freiwillige Pilotprojekte gehen wird. Dennoch k&ouml;nnten auch hier geopolitische Spannungen in den Vordergrund treten: Indiens <a href=\"https:\/\/www.orfonline.org\/research\/a-strategic-framework-for-mitigating-electronic-hardware-related-national-security-risks-in-india\">kritische Pr&uuml;fung<\/a> chinesischer Ausr&uuml;stung f&uuml;r die Energieversorgung w&auml;re ein solches potenzielles Hindernis f&uuml;r eine tiefere Infrastrukturintegration. Schlie&szlig;lich erfordert die physische Verbindung von Energienetzen ein immenses Ma&szlig; an Vertrauen &ndash; ganz zu schweigen von den geopolitischen Infrastrukturanf&auml;lligkeiten, die ohnehin bestehen. Denn selbst wenn ein solches Energienetz mit Energiespeicherungskapazit&auml;ten aufgebaut w&uuml;rde, wer w&uuml;rde diese physische Infrastruktur sch&uuml;tzen?<\/p><p><strong>Die <em>Sherpas<\/em> und das Wesen von BRICS<\/strong><\/p><p>Die eigentlichen W&auml;chter &uuml;ber den Konsens und die Konstrukteure der Ambiguit&auml;t der Deklarationen sind jedoch die <em>Sherpas<\/em>. Diese leitenden Regierungsdiplomaten, die seit 2011 t&auml;tig sind, bilden das st&auml;ndige <a href=\"https:\/\/www.brics2026.gov.in\/new1\/\">diplomatische R&uuml;ckgrat<\/a> der BRICS.<\/p><p>Sie beaufsichtigen j&auml;hrlich Hunderte technischer Veranstaltungen, standardisieren Erweiterungskriterien und &ndash; was am wichtigsten ist &ndash; verfassen die abschlie&szlig;enden Gipfelkommuniqu&eacute;s. Die Sherpas zu verstehen ist der Schl&uuml;ssel zum Verst&auml;ndnis des Wesens der BRICS selbst. Sherpas sind Meister der konstruktiven Ambiguit&auml;t &ndash; sie entwerfen Texte, die es h&ouml;chst unterschiedlichen Staaten erm&ouml;glichen, dasselbe Dokument zu unterzeichnen, ohne ihre souver&auml;nen Interessen zu kompromittieren. Sie arbeiten nach einem Konsensmodell, was bedeutet, dass die strategischen Rivalit&auml;ten des B&uuml;ndnisses sie oft dazu zwingen, die Sprache auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu verw&auml;ssern.<\/p><p>Interessanterweise weigert sich der Sherpa-Mechanismus, ein physisches Sekretariat einzurichten. Anders als die Europ&auml;ische Union, die &uuml;ber einen zentralisierten Gerichtshof und eine B&uuml;rokratie mit all den dazugeh&ouml;rigen Konsequenzen verf&uuml;gt, arbeitet BRICS nach dem Prinzip des &bdquo;Pr&auml;sidentschafts-Reset-Syndroms&ldquo;. Das bedeutet, dass sich die Priorit&auml;ten mit jedem neuen j&auml;hrlichen Vorsitz mehr oder weniger unvorhersehbar verschieben.<\/p><p>Obwohl dies manchen seltsam erscheinen mag, ist dieser Mangel an physischer und zentralisierter Struktur auf au&szlig;enpolitischer Ebene eine bewusste Entscheidung. Das Fehlen eines Sekretariats verhindert, dass ein einzelner Mitgliedsstaat den administrativen Kern des B&uuml;ndnisses politisch vereinnahmt. Auf diese Weise stellt BRICS sicher, dass es ein souver&auml;nit&auml;tswahrendes Forum bleibt. Schlie&szlig;lich k&ouml;nnte eine zentral handelnde B&uuml;rokratie die Souver&auml;nit&auml;t eines Landes beschneiden. Und genau dieser Spagat zwischen der Ambition des Machbaren und dem Schutz der Souver&auml;nit&auml;t jedes Landes f&uuml;hrt uns vor Augen, dass die BRICS ein von inneren Widerspr&uuml;chen getriebenes Zweckb&uuml;ndnis ist &ndash; auch wenn der heutige geopolitische Kontext ihn transformieren k&ouml;nnte. Dennoch k&ouml;nnen wir die Erkl&auml;rung von Neu-Delhi nur dann besser einordnen, wenn wir diese institutionellen Fesseln anerkennen. Sie offenbart n&auml;mlich das, was momentan maximal machbar ist, wenn Staaten zwar den K&auml;fig reformieren, aber ihre eigene Handlungsfreiheit nicht an ein gemeinsames Projekt abtreten wollen.<\/p><p><strong>Ende Teil 1<\/strong><\/p><p><small>Titelbild: Foto von <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/@xue_zheng?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Zheng XUE<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/traditionelles-chinesisches-gebaude-mit-blick-auf-einen-belebten-hafen-SoAe5dQiQ4c?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Neu-Delhi-Erkl&auml;rung 2026 haben die BRICS-Staaten einen weiteren Schritt hin zu einer multipolaren Weltordnung unternommen. Doch wie weit tr&auml;gt dieses Projekt &ndash; und wo st&ouml;&szlig;t es an die Grenzen der bestehenden, westlich dominierten Finanz- und Wirtschaftsordnung? In unserer neuen dreiteiligen Reihe analysiert Nel Bonilla Strukturen, M&ouml;glichkeiten und Widerspr&uuml;che von BRICS. <strong>Teil 1<\/strong> zeigt, wie<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156966\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":156967,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,211,30],"tags":[3192,1980,1754,2575,1426,1494,2640,3276,2700],"class_list":["post-156966","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-autonomie","tag-brics","tag-energieversorgung","tag-handelskrieg","tag-hegemonie","tag-infrastruktur","tag-leitwaehrung","tag-multipolare-welt","tag-systemkonkurrenz"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/zheng-xue-SoAe5dQiQ4c-unsplash.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156966","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=156966"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156966\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":156970,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156966\/revisions\/156970"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/156967"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=156966"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=156966"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=156966"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}