{"id":157029,"date":"2026-10-04T13:00:48","date_gmt":"2026-10-04T11:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157029"},"modified":"2026-10-06T16:49:51","modified_gmt":"2026-10-06T14:49:51","slug":"wir-befinden-uns-staendig-am-rande-einer-nuklearen-krise-wassilij-kaschin-ueber-globale-fragilitaet-und-neue-verhandlungswege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157029","title":{"rendered":"\u201eWir befinden uns st\u00e4ndig am Rande einer nuklearen Krise\u201c: Wassilij Kaschin \u00fcber globale Fragilit\u00e4t und neue Verhandlungswege (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen einer Moskau-Reise sprach <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong> mit zahlreichen f&uuml;hrenden Politologen, Diplomaten und geopolitischen Analytikern &uuml;ber die fundamentale Neuordnung der Weltpolitik. Im zweiten Teil des Exklusivgespr&auml;chs analysiert der China-Experte <strong>Wassilij Kaschin<\/strong> (Direktor am Zentrum f&uuml;r umfassende europ&auml;ische und internationale Studien an der HSE) Chinas strategische Zur&uuml;ckhaltung, die reale Gefahr nuklearer Eskalationen und den aktuellen Stand von Verhandlungsstr&auml;ngen zur Ukraine unter Einbindung von Vertretern der USA.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2348\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-157029-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261004_Wir_befinden_uns_staendig_am_Rande_einer_nuklearen_Krise_Wassilij_Kaschin_ueber_globale_Fragilitaet_und_neue_Verhandlungswege_Teil_2_NDS.mp3?_=1\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261004_Wir_befinden_uns_staendig_am_Rande_einer_nuklearen_Krise_Wassilij_Kaschin_ueber_globale_Fragilitaet_und_neue_Verhandlungswege_Teil_2_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261004_Wir_befinden_uns_staendig_am_Rande_einer_nuklearen_Krise_Wassilij_Kaschin_ueber_globale_Fragilitaet_und_neue_Verhandlungswege_Teil_2_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261004_Wir_befinden_uns_staendig_am_Rande_einer_nuklearen_Krise_Wassilij_Kaschin_ueber_globale_Fragilitaet_und_neue_Verhandlungswege_Teil_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=157029-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261004_Wir_befinden_uns_staendig_am_Rande_einer_nuklearen_Krise_Wassilij_Kaschin_ueber_globale_Fragilitaet_und_neue_Verhandlungswege_Teil_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"261004_Wir_befinden_uns_staendig_am_Rande_einer_nuklearen_Krise_Wassilij_Kaschin_ueber_globale_Fragilitaet_und_neue_Verhandlungswege_Teil_2_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Teil 1 des Interviews <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157023\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>&Eacute;va P&eacute;li: Herr Kaschin, Peking bezieht weder im Ukraine-Krieg noch in den Konflikten um den Iran eine offene Position. Was steckt hinter dieser Zur&uuml;ckhaltung &ndash; strategische Vorsicht, kalkulierte Wirtschaftsinteressen oder die Vorbereitung auf einen eigenen, drohenden Gro&szlig;konflikt in Asien?<\/strong><\/p><p><strong>Wassilij Kaschin:<\/strong> Ich denke, hier spielen sowohl Vorsicht als auch Chinas aktive Vorbereitung auf eine eigene Krise eine Rolle. Nach allem, was wir wissen, betreibt China tats&auml;chlich einen aktiven milit&auml;rischen Aufbau, legt Vorr&auml;te an und betreibt Mobilisierungsvorbereitung der Wirtschaft. Man kann nicht ausschlie&szlig;en, dass sich die Chinesen in den kommenden Jahren auf einen gro&szlig;en milit&auml;risch-politischen Konflikt in Asien vorbereiten. Gleichzeitig bestehen innerhalb Chinas selbst erhebliche Probleme fort &ndash; sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft. Wir erleben eine sehr gro&szlig;e S&auml;uberungswelle in der chinesischen Armee und im zivilen Staatsapparat, w&auml;hrend die Regierung versucht, recht akute strukturelle Wirtschaftsprobleme zu l&ouml;sen.<\/p><p>Daher strebt China gegenw&auml;rtig danach, das Niveau der Konfrontation mit den USA zu senken. W&auml;hrend des Besuchs des US-Pr&auml;sidenten in China vereinbarten die Staats- und Regierungschefs beider L&auml;nder Beziehungen der konstruktiven und strategischen Stabilit&auml;t. Sie betrachten einander weiterhin als Hauptgegner, aber in n&auml;chster Zeit wird China nicht an einer Versch&auml;rfung dieser Beziehungen interessiert sein. Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten sind f&uuml;r China teilweise vorteilhaft, da sie es erm&ouml;glichen, den Druck der USA auf China zu verringern, und den Vereinigten Staaten keine M&ouml;glichkeit geben, ihre Ressourcen in Asien zu konzentrieren. Dabei arbeitet China aktiv mit allen Konfliktparteien zusammen &ndash; insbesondere ist es der Hauptlieferant von wichtigen Dual-Use-G&uuml;tern sowohl f&uuml;r Europa und die Ukraine als auch f&uuml;r Russland. Es verfolgt seine eigene politische Linie, was im Grunde v&ouml;llig zu erwarten ist.<\/p><p><strong>In Moskau wird offen &uuml;ber Eskalationsgrenzen bis hin zu pr&auml;ventiven Schritten gegen Europa diskutiert, wie sie etwa Sergei Karaganow fordert. Wo verl&auml;uft aus Ihrer Sicht die rote Linie, und wie breit wird diese Debatte in der russischen Expertengemeinschaft gef&uuml;hrt?<\/strong><\/p><p>Fragen der Eskalation werden st&auml;ndig diskutiert. Haupts&auml;chlich werden sie als m&ouml;gliche Aktion in Reaktion auf eine Eskalation seitens Europas betrachtet. Aus unserer Sicht bestehen die Handlungen Europas beispielsweise in der Stationierung von Angriffswaffen auf dem Territorium europ&auml;ischer L&auml;nder f&uuml;r Schl&auml;ge tief in das russische Territorium hinein, in der Teilnahme europ&auml;ischer Geheimdienste an Sabotage- und Terroroperationen der Ukraine auf unserem Territorium sowie in der Kaperung russischer oder mit Russland verbundener Handelsschiffe durch europ&auml;ische L&auml;nder. Auf all diese Aktionen muss Russland irgendeine Antwort geben.<\/p><p>Eines der oft vorgebrachten Argumente besteht darin, dass selbst dann, wenn wir mit den Folgen dieser Handlungen fertig werden k&ouml;nnen, das Ausbleiben einer Vergeltung unsererseits unsere Abschreckung schw&auml;cht. Daher werden Fragen, Europa in der einen oder anderen Form einen Gegenschlag zu versetzen, st&auml;ndig aufgeworfen und aktiv diskutiert. Bis jetzt ist die russische F&uuml;hrung der Ansicht, dass eine solche Eskalation den Aufgaben der speziellen Milit&auml;roperation nicht entsprechen w&uuml;rde, aber sobald sie entscheidet, dass die Vorteile die Nachteile &uuml;berwiegen, wird die Eskalation stattfinden.<\/p><p>&Uuml;ber einige Varianten hat k&uuml;rzlich Pr&auml;sident Putin gesprochen &ndash; vor Kurzem &auml;u&szlig;erte er beispielsweise bei einem Treffen mit der F&uuml;hrung der Pazifikflotte, dass Russland in asiatischen Gew&auml;ssern Handelsschiffe jener europ&auml;ischen L&auml;nder festsetzen k&ouml;nne, die sich an der Kaperung russischer Schiffe beteiligen. Dies ist ein Beispiel f&uuml;r Eskalation: Wenn bestimmte europ&auml;ische L&auml;nder russische Tanker beschlagnahmen, kann die russische Pazifikflotte jedes beliebige europ&auml;ische Schiff, das nach China oder Japan unterwegs ist, problemlos aufbringen und ebenso beschlagnahmen. Und Europa wird dem nichts entgegensetzen k&ouml;nnen.<\/p><p>Andere Eskalationsvarianten sind ebenfalls m&ouml;glich. Dies h&auml;ngt sehr stark von den Einsch&auml;tzungen der aktuellen Gesamtsituation ab. Da wir unter den Bedingungen dieser Konfrontation h&ouml;chstwahrscheinlich sehr lange Zeit leben m&uuml;ssen, ist es f&uuml;r uns notwendig &ndash; ebenso wie in der Zeit des Kalten Krieges &ndash;, bestimmte Verhaltensregeln auszuarbeiten, damit es nicht zu unvorhergesehenen Ereignissen kommt. Wir befinden uns st&auml;ndig am Rande einer Eskalation und einer nuklearen Krise, dies wird kontinuierlich diskutiert, und es werden daf&uuml;r jeweils Argumente vorgebracht.<\/p><p><strong>Mit Blick auf die BRICS-Staaten und die entstehende Multipolarit&auml;t: Ist China in dieser neuen Weltordnung lediglich einer von vielen Akteuren oder deren eigentlicher Architekt? Und steuern wir auf ein stabiles multipolares System zu oder auf eine unkontrollierte globale Fragmentierung, in der Europa an den Rand gedr&auml;ngt wird?<\/strong><\/p><p>China ist heute ein Land, das &uuml;ber eine eigene ganzheitliche Vision davon verf&uuml;gt, wie sich die Welt entwickeln sollte. Zudem ist dies wahrscheinlich das einzige Land mit einer detaillierten, umfassenden Vision der Weltordnung, da die USA eine solche Vision eingeb&uuml;&szlig;t haben. Russland hat seine eigenen Konzepte, die jedoch nicht ann&auml;hernd so ausgearbeitet und detailliert sind wie die chinesischen. China verf&uuml;gt &uuml;ber vier globale Konzepte von Xi Jinping und eine Reihe weiterer prinzipieller Positionen.<\/p><p>Gleichzeitig sehen wir, dass China trotz einer komplexen Vision der Weltordnung keineswegs bereit ist, diese zu verteidigen, Risiken einzugehen und daf&uuml;r Kosten zu tragen. Genau deshalb hat China w&auml;hrend der Krise um den Iran oder Venezuela eine &auml;u&szlig;erst passive Position eingenommen &ndash; selbst unter Bedingungen, in denen der US-Pr&auml;sident Donald Trump die Wiederbelebung der Monroe-Doktrin und sein Recht erkl&auml;rte, Lateinamerika zu leiten, das f&uuml;r China eine lebenswichtige Region, ein Markt und eine Rohstoffquelle ist.<\/p><p>Deshalb denke ich, dass uns eine lang anhaltende und sehr gef&auml;hrliche Phase des Chaos bevorsteht. Wir sehen, dass die Vereinigten Staaten ihr traditionelles F&uuml;hrungsmodell im Zusammenhang mit der Kontrolle &uuml;ber internationale Institutionen und das System der globalen Steuerung aufgegeben haben, w&auml;hrend China nicht bereit ist, diese Rolle zu &uuml;bernehmen, und dazu in n&auml;chster Zeit h&ouml;chstwahrscheinlich auch nicht bereit sein wird. Europa wiederum muss, um ein eigenst&auml;ndiger Akteur in der Weltpolitik zu werden, der in seinem Einfluss mit China, Russland und den USA vergleichbar ist, zahlreiche interne Schwierigkeiten &uuml;berwinden. In Europa entwickelt sich eine eigene interne Krise, deren Ausgang unklar ist: Wir wissen nicht, wer in einigen Jahren die f&uuml;hrenden europ&auml;ischen L&auml;nder regieren wird, welche politischen Kr&auml;fte an die Macht kommen, welche Agenda sie verfolgen und wie sie interagieren werden.<\/p><p>Das Besondere an der gegenw&auml;rtigen Periode ist, dass sich nicht nur das Kr&auml;fteverh&auml;ltnis zwischen L&auml;ndern und Staatengruppen ver&auml;ndert &ndash; innerhalb jedes gro&szlig;en Staates und B&uuml;ndnisses gibt es eine ganz gravierende interne Krise. Krisen gibt es in China, den USA, Europa, Japan, und komplexe Transformationsprozesse finden in Russland und Indien statt. Sehr viel wird nicht von den zwischenstaatlichen Beziehungen abh&auml;ngen, sondern von den gleichzeitig ablaufenden innenpolitischen Prozessen. Uns stehen einige sehr gef&auml;hrliche Jahrzehnte bevor. Wahrscheinlich war die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts das letzte Mal &auml;hnlich gef&auml;hrlich, als es gleichzeitig gro&szlig;e Ersch&uuml;tterungen innerhalb jedes gro&szlig;en Landes und Konflikte zwischen ihnen gab. Die jetzige Zeit ist noch gef&auml;hrlicher, weil es mehr Akteure gibt und der Faktor Atomwaffen hinzugekommen ist. Deshalb ist es f&uuml;r uns wichtig, einerseits den feindseligen Charakter unserer Beziehungen und die Tatsache, dass er so bleiben wird, ehrlich anzuerkennen und andererseits eine planm&auml;&szlig;ige Arbeit zur Suche nach Formen des friedlichen Zusammenlebens zu leisten, da wir uns bereits am Rande einer nuklearen Krise befinden.<\/p><p><strong>Wie bewerten Sie vor dem Hintergrund der aktuellen innenpolitischen Entwicklungen die Rolle und Zukunft Deutschlands in Europa &ndash; und wie erkl&auml;ren Sie sich die besondere H&auml;rte und emotionale Aufladung im heutigen deutsch-russischen Verh&auml;ltnis?<\/strong><\/p><p>Deutschland befindet sich heute in einem Zustand sehr gro&szlig;er innenpolitischer Ungewissheit. Wir wissen nicht einmal, was das Land in politischer Hinsicht in einigen Jahren darstellen wird, da der Niedergang der traditionellen Parteien und der Aufstieg neuer Kr&auml;fte &ndash; sowohl am rechten als auch am linken Rand &ndash; un&uuml;bersehbar sind. Bislang ist v&ouml;llig unklar, wie sich dieser politische Kampf entwickeln wird.<\/p><p>Nat&uuml;rlich versucht Deutschland dabei, seine F&uuml;hrungsposition in Europa zu st&auml;rken und die Transformation der Europ&auml;ischen Union zu bestimmen. Gleichzeitig versch&auml;rfen sich jedoch die internen wirtschaftlichen Probleme, und wir beobachten einen sp&uuml;rbaren industriellen Abschwung. Wenn Deutschland seine industrielle und technologische &Uuml;berlegenheit einb&uuml;&szlig;t, wird es im Laufe der Zeit an Bedeutung verlieren und aufh&ouml;ren, ein geopolitischer Schl&uuml;sselfaktor zu sein. Gegenw&auml;rtig ist die Lage jedoch von einem H&ouml;chstma&szlig; an Unvorhersehbarkeit gepr&auml;gt.<\/p><p>Hier sind zudem viele Emotionen im Spiel, denn Deutschland war &uuml;ber Jahre hinweg Russlands wichtigster Partner in Europa, und die Beziehungen zwischen Russland und der EU bauten sich in vielerlei Hinsicht um diese Achse auf. Daher hat ihr Bruch einen besonders emotionalen Charakter: Wir erleben eine &auml;u&szlig;erst feindselige Rhetorik von beiden Seiten und bedauerlicherweise immer wieder den R&uuml;ckgriff auf dunkle Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte.<\/p><p>Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in eine langwierige, besonders schwere Konfrontation &uuml;bergehen, die von Emotionen und historischen Appellen gesch&uuml;rt wird, ist recht hoch. Das sind schwierige Beziehungen, in denen direkte Dialogkan&auml;le praktisch fehlen. Dennoch: Wenn es uns gelingt, die F&auml;higkeit zur Aufrechterhaltung von Kontakten und zur vern&uuml;nftigen Er&ouml;rterung der Lage schrittweise wiederherzustellen, k&ouml;nnte dieser negative Trend gestoppt werden. Bislang muss man allerdings feststellen, dass sich die Beziehungen zu Deutschland schwieriger entwickeln als mit den meisten anderen europ&auml;ischen Staaten.<\/p><p><strong>Zum Abschluss: Wie bewerten Sie vor dem Hintergrund der j&uuml;ngsten US-Aktivit&auml;ten den aktuellen Stand und die Aussichten von Verhandlungsprozessen zur Ukraine?<\/strong><\/p><p>Wenn wir &uuml;ber inhaltliche Verhandlungen zur Ukraine sprechen: Vollwertige Gespr&auml;che fanden im Grunde nur f&uuml;r eine sehr kurze Zeit im Januar und Februar dieses Jahres [2026] statt &ndash; konkret waren das die Verhandlungen in Abu Dhabi, die durch den US-Angriff auf den Iran unterbrochen wurden. Das waren echte Verhandlungen unter Beteiligung hochrangiger Milit&auml;rs beider Seiten, obwohl es von ukrainischer Seite Versuche gab, diese zu torpedieren. So wurde w&auml;hrend der Gespr&auml;che vom ukrainischen Geheimdienst ein Attentat auf General Alexejew ver&uuml;bt, der in diese Prozesse involviert war. Dennoch fand eine reale Er&ouml;rterung konkreter Fragen im Zusammenhang mit einer Friedensregelung statt.<\/p><p>Aktuell ist das positive Zeichen, dass von US-Seite nicht nur Steve Witkoff eingebunden ist, sondern breitere Delegationen &ndash; darunter CIA-Chef John Ratcliffe und Jared Kushner in seiner Rolle als Sondergesandter sowie Vertreter verschiedener US-Beh&ouml;rden. Das weckt begr&uuml;ndete Hoffnung auf die Ingangsetzung eines vollwertigen diplomatischen Prozesses.<\/p><p>Das Wichtigste, worauf wir hoffen k&ouml;nnen, ist die Wiederaufnahme planm&auml;&szlig;iger, inhaltlicher Verhandlungen, in deren Rahmen Arbeitsgruppen gebildet und Fragen Schritt f&uuml;r Schritt abgearbeitet werden. Wir k&ouml;nnen nicht sicher sein, dass es rasche Fortschritte geben wird, aber zumindest entsteht ein strukturierter Verhandlungsprozess. Ich bin &uuml;berzeugt, dass Russland auf jene Bedingungen bestehen wird, die zuvor in Anchorage [Alaska] er&ouml;rtert wurden, und sich auf keine substanziellen Abstriche oder weitreichenden Zugest&auml;ndnisse einlassen wird. Nichtsdestotrotz ist das Entscheidende jetzt, diesen Prozess &uuml;berhaupt in Gang zu bringen.<\/p><p><strong>Herr Kaschin, vielen Dank f&uuml;r dieses Interview.<\/strong><\/p><p><em><strong>Wassilij Kaschin<\/strong> ist Direktor am Zentrum f&uuml;r umfassende europ&auml;ische und internationale Studien (CCEIW) der Nationalen Forschungsuniversit&auml;t &bdquo;HSE&ldquo; in Moskau. Zudem ist er leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum f&uuml;r China-Studien und Regionalprojekte des MGIMO sowie Dozent am Lehrstuhl f&uuml;r internationale Sicherheit der Fakult&auml;t f&uuml;r Weltpolitik an der Moskauer Lomonossow-Staatsuniversit&auml;t (MSU) und Kandidat der Politikwissenschaften. Er ist Mitglied des Rates f&uuml;r Au&szlig;en- und Verteidigungspolitik (SVOP).<\/em><\/p><p><small>Titelbild: &copy; Tilo Gr&auml;ser<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/6261d1f273ca4fc2aabcf74203c85b91\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen einer Moskau-Reise sprach <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong> mit zahlreichen f&uuml;hrenden Politologen, Diplomaten und geopolitischen Analytikern &uuml;ber die fundamentale Neuordnung der Weltpolitik. 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