{"id":157134,"date":"2026-10-05T12:10:12","date_gmt":"2026-10-05T10:10:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157134"},"modified":"2026-10-05T12:37:34","modified_gmt":"2026-10-05T10:37:34","slug":"friedensdemo-in-stuttgart-mit-polizeilichem-zwischenspiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157134","title":{"rendered":"Friedensdemo in Stuttgart mit polizeilichem Zwischenspiel"},"content":{"rendered":"<p>Berlin und Stuttgart &ndash; auf zwei gro&szlig;en Demonstrationen am 3. Oktober sagten die Menschen &bdquo;Nein zu Hochr&uuml;stung, Wehrpflicht und Krieg!&ldquo;. In Stuttgart waren es nach Angaben der Veranstalter rund 15.000 Menschen, in Berlin 20.000. Zuvor hatten &uuml;ber 300 Initiativen zu den Demos aufgerufen. Ein kurzer, unfriedlicher Zwischenfall in Stuttgart diente vielen Medien hinterher als Aufh&auml;nger in der Berichterstattung. <strong>Constantin Schnell<\/strong> war vor Ort.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Lesen Sie dazu auch: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157118\">&bdquo;Nach der Friedensdemo in Stuttgart: ein Impuls (nicht nur) f&uuml;r die Jugend&ldquo;<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157127\">&bdquo;Linke-Spitze billigt Angriff auf Friedensdemo&ldquo;<\/a>.<\/em><\/p><p>Aus ganz S&uuml;ddeutschland kamen an diesem angenehm-sp&auml;tsommerlichen Tag die Demonstranten, um vom Stuttgarter Schlo&szlig;platz aus durch die Innenstadt zu laufen &ndash; knapp Zehntausend waren es faktisch, also rund so viele wie im letzten Jahr. Das Motto &bdquo;Nein zu Hochr&uuml;stung, Wehrpflicht und Krieg!&ldquo; wurde von Rednerinnen und Rednern wie &Ouml;zlem Alev Demirel (Stellv. Parteivorsitzende Die Linke, MdEP) oder Sevim Da&#287;delen (BSW, bis 2025 MdB) ausgef&uuml;hrt. Es vergehe kaum ein Tag, an dem die NATO nicht eine neue Eskalation auflege, machte Da&#287;delen den Ernst der Lage klar. Mit &bdquo;Wir wollen keinen Krieg mit Russland. Wir wollen Frieden mit Russland&ldquo; rief sie zu ernsthaften Verhandlungen mit Russland auf. &bdquo;Lange vor einem Krieg wird die Wahrheit bewusstlos geschlagen, um den Krieg vorzubereiten. Es liegt an uns, dieser Wahrheit auf die Beine zu helfen.&ldquo; W&auml;hrend Da&#287;delen so &uuml;ber Redefreiheit sprach, kam es zu einem Tumult auf der B&uuml;hne. Durchaus bedrohlich st&uuml;rmte ein junger Mann auf die Rednerin zu. Noch bevor er sie erreichen konnte, wurde er von Polizisten &uuml;berw&auml;ltigt. In diesem Zusammenhang kam es zu Tr&auml;nengaseinsatz und zwei Festnahmen. Zeitgleich st&ouml;rte ein Dutzend sehr gut organisiert wirkende junge Menschen die Rede Da&#287;delens lautstark.<\/p><p>Im Nachgang wurde durch ein Schreiben von &bdquo;OTKM Stuttgart &ndash; Offene Treffen gegen Krieg und Militarisierung&ldquo; klar, dass die Aktion keineswegs spontan war und durchaus Gewalt in Kauf genommen wurde. Die Gruppe, auf deren Website kein Impressum zu finden ist, schreibt: &bdquo;Wir haben uns an der heutigen Demonstration &sbquo;Nein zu Hochr&uuml;stung, Wehrpflicht und Krieg!&lsquo; beteiligt. Neben einer starken und k&auml;mpferischen Beteiligung am antikapitalistischen Block haben wir die Rede von Sevim Dagdelen (BSW) f&uuml;r eine antifaschistische Intervention genutzt.&ldquo; Wer die passiv-aggressive Entschlossenheit der Gruppe miterlebt hat, muss sich wundern &uuml;ber die besch&ouml;nigenden Worte, mit denen die Aktion weiter beschrieben wird: Man habe versucht, &bdquo;w&auml;hrend der Rede auf die B&uuml;hne zu gelangen, um eine kurze politische Einordnung zu liefern.&ldquo; Sevim Da&#287;delen machte in ihrer Rede allerdings deutlich, dass f&uuml;r sie die AfD eine Partei sei, die fest zur NATO und deren Ziele stehe &ndash; und die somit kontr&auml;r zu den Interessen der Friedensbewegung positioniert sei.<\/p><p>Wie so oft bei Friedensdemonstrationen fiel auf, dass Menschen unter 30 Jahren kaum zu sehen waren. Umso erfreulicher, dass die Demo mit Statements von zwei Vertretern der jungen Generation er&ouml;ffnet wurde. Deutliche Worte auf der B&uuml;hne fand Leo, ein 17-j&auml;hriger Sch&uuml;ler aus Weinheim\/Bergstra&szlig;e, der an seiner Schule die Schulstreiks gegen Wehrpflicht mitorganisiert: &bdquo;Wir werden nicht gegen Jugendliche aus anderen L&auml;ndern schie&szlig;en!&ldquo; Er rief die &bdquo;Generation Widerstand&ldquo; dazu auf, die Musterungsbescheide einfach zu verbrennen. Ronja Fr&ouml;hlich vom B&uuml;ndnis gegen Wehrpflicht appellierte an die Lehrkr&auml;fte: &bdquo;Es braucht Lehrerinnen und Lehrer, die sagen &sbquo;Meine Sch&uuml;ler kriegt ihr nicht!&lsquo;&ldquo;. Darauf angesprochen, warum so wenig junge Menschen auf der Friedensdemo seien, verwies Leo darauf, dass &bdquo;vor zwei Jahren Schulstreiks gegen Krieg und Wehrpflicht noch unvorstellbar gewesen waren. Heute machen sich alle in meiner Schule, nicht nur die Jungs, Gedanken &uuml;ber dieses Thema. Und in 130 St&auml;dten in Deutschland hatten wir Schulstreiks.&ldquo;<\/p><p>Eine andere Antwort hatte eine junge Teilnehmerin, die von ihrer Oma mit zur Demo genommen wurde. Auch sie war der Meinung, dass das Thema Wehrdienst die Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler politisiere, aber: &bdquo;Es liegt an der Vermittlung; ich und viele andere haben schlicht nicht mitbekommen, dass es diese Demo gibt.&ldquo; In den traditionellen Medien waren im Vorfeld tats&auml;chlich praktisch keine Ank&uuml;ndigungen der Demos ver&ouml;ffentlicht worden. Vielleicht haben junge Menschen aber auch ganz andere Protestformen: Bei der Anti-Wehrpflicht-Demo am 2. Oktober in Berlin kamen mehr als 3.000 junge Menschen zusammen. Unter dem Motto &bdquo;Unzwingbar &ndash; kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht&ldquo; traten dabei unter anderem Martin Sonneborn (Die Partei, MdEP) und die Hiphopper &bdquo;K.I.Z.&ldquo; auf.<\/p><p>Hermann Merkle von Pax Christi (Mitorganisatoren der Demonstration) sieht ebenfalls positiv auf die Generation U30: &bdquo;Wenn junge Menschen sich nun Gedanken machen &uuml;ber Krieg, R&uuml;stung und Wehrdienst, hei&szlig;t das nicht, dass sie automatisch an eine Friedensbewegung wie die unsere Anschluss finden. Sie m&uuml;ssen ihre eigene Formen des Widerstands finden.&ldquo; Bedenklich findet er allerdings, dass Sch&uuml;ler teilweise einseitig von der Bundeswehr informiert werden. &bdquo;Wenn die Bundeswehr in eine Schule kommt, dann erwarte ich, dass das Thema Wehrdienst kontrovers dargestellt wird, zum Beispiel indem man auch Vertreter der Friedensbewegung einl&auml;dt.&ldquo; Denn die Schule sei gem&auml;&szlig; dem sogenannten Beutelsbacher Konsens zu Neutralit&auml;t verpflichtet.<\/p><p>Klare Worte fand Margot K&auml;&szlig;mann, die ehemalige hannoverische Landesbisch&ouml;fin, die per Videobotschaft zugeschaltet war. Es sei f&uuml;r R&uuml;stung Geld ohne Ende da, w&auml;hrend es andererseits sehr schmerzhafte Eingriffe in die Sozialsysteme gebe &ndash; ein Zusammenhang, der von fast allen Rednerinnen und Rednern betont wurde. K&auml;&szlig;mann appellierte deutlich an eine gro&szlig;e gesellschaftliche Institution: &bdquo;Die Kirchen m&uuml;ssen dringend zum Frieden aufrufen!&ldquo;. Ebenso wie die Gewerkschaften, m&ouml;chte man da anschlie&szlig;en. Denn weder die gro&szlig;en Kirchen noch die Gewerkschaften hatten die Demonstrationen unterst&uuml;tzt. Nur vereinzelte Gewerkschaftsgruppen waren dabei, wie zum Beispiel der Ver.di Ortsverband Saar-Blies oder die Ver.di Jugend Stuttgart. Daf&uuml;r gibt es immer mehr kleine Graswurzelgruppen, wie die &bdquo;Freie Friedensinitiative Stuttgart&ldquo; oder &bdquo;1.000.000 Stimmen f&uuml;r den Frieden&ldquo;, die nicht Teil von Kirchen, Gewerkschaften oder Parteien sind. Ihre Mitglieder kommen oft aus dem kritischen B&uuml;rgertum, das sich beispielsweise bei Stuttgart21, FreeAssange oder in der Coronazeit politisiert hat. M&ouml;glicherweise sind es solche Menschen, die die Friedensdemos stark machen.<\/p><p><strong>Hinweis:<\/strong> Demonstration gegen die M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz am 13. Februar 2027 in M&uuml;nchen.<\/p><p><a href=\"https:\/\/nie-wieder-krieg.org\/2026\/09\/06\/unterstuetzende-gruppen\/\">&uuml;ber 300 Initiativen<\/a><\/p><p><small>Titelbild: &copy; Constantin Schnell<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin und Stuttgart &ndash; auf zwei gro&szlig;en Demonstrationen am 3. Oktober sagten die Menschen &bdquo;Nein zu Hochr&uuml;stung, Wehrpflicht und Krieg!&ldquo;. In Stuttgart waren es nach Angaben der Veranstalter rund 15.000 Menschen, in Berlin 20.000. Zuvor hatten &uuml;ber 300 Initiativen zu den Demos aufgerufen. 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