{"id":157187,"date":"2026-10-06T10:44:38","date_gmt":"2026-10-06T08:44:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157187"},"modified":"2026-10-06T13:11:54","modified_gmt":"2026-10-06T11:11:54","slug":"der-echte-antisemitismus-kommt-aus-der-selbsternannten-mitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157187","title":{"rendered":"Der echte Antisemitismus kommt aus der selbsternannten Mitte"},"content":{"rendered":"<p>Seit den Wahlen in Berlin l&auml;uft die Antisemitismusvorwurf-Maschinerie mal wieder auf Hochtouren. Ziel ist die Linkspartei. Aufh&auml;nger ist deren Kritik an Israels V&ouml;lkermord in Gaza. Sowas ist im politischen Diskurs hierzulande ja tabu. Es geht aber auch, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156698\">so darf man annehmen<\/a>, um die Verteilungsfrage, an der die Linke mit ihrer Forderung, gro&szlig;e Wohnungskonzerne zu vergesellschaften, r&uuml;ttelt. Die Antisemitismusdefinition, die dieser Kampagne zugrunde liegt, ist merkw&uuml;rdig. Noch merkw&uuml;rdiger ist es jedoch, dass im Windschatten dieser Kampagne der echte, scharf zu kritisierende Antisemitismus ein Stelldichein feiert. Und dieser Antisemitismus kommt weder von links noch rechts, sondern mitten aus der selbsternannten Mitte. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAls Antisemitismus werden heute &ndash; so der Eingangssatz von <em>Wikipedia<\/em> &ndash; alle pauschalen Formen von Judenhass, Judenfeindlichkeit oder Judenfeindschaft bezeichnet. Es geht um Juden, also Angeh&ouml;rige einer Religionsgemeinschaft. <a href=\"https:\/\/www.zentralratderjuden.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/TBERICHT_ZR_2024.pdf\">Laut Zentralrat der Juden in Deutschland<\/a> gibt es davon hierzulande rund 118.000, der Gro&szlig;teil von ihnen besitzt die deutsche Staatsangeh&ouml;rigkeit. Eigentlich ist dies alles selbstverst&auml;ndlich und m&uuml;sste nicht im Rahmen eines derartigen Artikels erkl&auml;rt werden.<\/p><p>Die Umdeutung des Judentums von einer Religionsgemeinschaft in eine Rasse ist einer der Kernpunkte des klassischen Antisemitismus, der gerade in Deutschland zu Zeiten des Nationalsozialismus seinen H&ouml;hepunkt erreichte. Es war niemand anderes als NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/364861357_Die_Schlechten_sind_anders_-_die_Andern_sind_schlecht_Constantin_Brunners_Antisemitismustheorie\">der in seinen Reden<\/a> Juden als &bdquo;Ausl&auml;nder&ldquo; bezeichnete, die &bdquo;in deutschen Fragen nicht mitzureden [h&auml;tten]&ldquo; und &bdquo;nur Gastrecht unter uns [gen&ouml;ssen]&ldquo;. Ich bin mir sicher, dass Bundeskanzler Friedrich Merz dies anders sieht. Aber warum in drei Teufels Namen bezeichnete er dann im Berliner Wahlkampf <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/video6aac0ccea4540a02b8a81574\/merz-im-berlin-wahlkampf-die-perfideste-form-der-auslaenderfeindlichkeit-ist-antisemitismus.html\">den Antisemitismus wortw&ouml;rtlich<\/a> als &bdquo;perfideste Form der Ausl&auml;nderfeindlichkeit&ldquo;? Diese Formulierung l&auml;sst keinen anderen Schluss zu, als dass er deutsche Juden als Opfer in seiner eigenen Antisemitismusdefinition ausschlie&szlig;t. Das ist widerw&auml;rtig und geschichtsvergessen.<\/p><p>Abseits aller modernen Antisemitismusdefinitionen w&uuml;rde ich pers&ouml;nlich sogar so weit gehen und diese &Auml;u&szlig;erung selbst als &bdquo;antisemitisch&ldquo; brandmarken, da Merz mit ihr die Verbrechen, die die Deutschen im Namen des Antisemitismus im gewaltigen Ausma&szlig; auch gegen inl&auml;ndische deutsche Juden begangen haben, negiert. Wer Juden &ndash; direkt oder indirekt &ndash; als &bdquo;Ausl&auml;nder&ldquo; bezeichnet, sieht sie nicht als Angeh&ouml;rige einer Religionsgemeinschaft, sondern im Sinne einer Rasse und ist damit selbst Rassist und Antisemit. Doch wo bleibt die Kritik? Sicher, w&auml;re Merz ein &bdquo;Linker&ldquo;, w&uuml;rde es emp&ouml;rte Kommentare in den klassischen Medien hageln. Beim Antisemitismus aus der Mitte heraus sucht man die sonst &uuml;blichen Emp&ouml;rungsrituale jedoch vergebens.<\/p><p>Ein weiteres sehr typisches Beispiel f&uuml;r den Antisemitismus aus der &ldquo;politischen Mitte&rdquo; ist der Fernsehkomiker Florian Schroeder. Dazu muss man wissen, dass Schroeder, der ohnehin als besonders staatstragend gilt, vom ZDF offenbar als Nachfolger des Formats des scheidenden Jan B&ouml;hmermann <a href=\"https:\/\/www.newsroom.de\/news\/aktuelle-meldungen\/vermischtes-3\/neue-zdf-show-mit-florian-schroeder-nimmt-gruene-und-linke-ins-visier-980110\/\">vorgesehen ist<\/a> und sich offenbar nun durch besonders niveaulose Kritik an den politischen R&auml;ndern beim ZDF-Fernsehrat lieb Kind machen will. Wie dem auch sei. Auf jeden Fall hat sich Schroeder nach den letzten Landtagswahlen durch einen besonders geschmacklosen Clip hervorgetan, den man eigentlich unter &bdquo;Bl&ouml;dsinn as usual&ldquo; verbuchen k&ouml;nnte &ndash; w&auml;re da nicht eine Zeile, die Schroeders tiefsitzenden Antisemitismus offenbart &hellip;<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/Xn8EFJUmqIo?si=tkJLBpoIAxx7eLAa\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p>Es geht um den Plan der Berliner Linkspartei, Wohnungskonzerne zu vergesellschaften. Eingespielt wird Spitzenkandidatin Elif Eralp mit dem Zitat: &bdquo;Wir m&uuml;ssen vergesellschaften, den Volksentscheid umsetzen und die Spekulation aus Berlin verdr&auml;ngen&ldquo;. Dazu f&auml;llt Florian Schroeder dann nichts Besseres ein als der Satz: &bdquo;Wenn ich mir die Linke in Berlin so anschaue, ist die Gefahr gro&szlig;, dass zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Juden enteignet werden. Und da muss man gar nicht viel spekulieren&ldquo;.<\/p><p>Schroeder setzt also &ndash; ohne das direkt so zu sagen &ndash; &bdquo;Spekulanten&ldquo; und &bdquo;Wohnungskonzerne&ldquo; mit &bdquo;Juden&ldquo; gleich. Was geht eigentlich in seinem Kopf vor? Schon Hitler schrieb in seiner <a href=\"https:\/\/www.jku.at\/fileadmin\/gruppen\/142\/parteiprogramm_nsdap.pdf\">Erkl&auml;rung zum NSDAP-Programm<\/a> von den &bdquo;j&uuml;dischen Grundspekulationsgesellschaften&ldquo; und niemand anders als der NS-Vordenker Gottfried Feder war es, der in seinen <a href=\"https:\/\/dokumen.pub\/das-programm-der-n-s-d-a-p-und-seine-weltanschaulichen-grundgedanken.html\">Schriften zum NSDAP-Programm<\/a> die Juden als &bdquo;Schieber und Wucherer&ldquo; (so nannte man damals &bdquo;Spekulanten&ldquo;) bezeichnete, die den deutschen Besitzern, ihren &bdquo;Grund und Boden [&hellip;] oft um ein sogenanntes Butterbrot abgegaunert h&auml;tten&ldquo;.<\/p><p>Nicht die Linkspartei, sondern Florian Schroeder denkt anscheinend in den Schablonen von Hitler und Feder. Das sind nicht die &bdquo;antisemitischen Stereotype&ldquo;, die in der Vergangenheit vor allem von linken Think Tanks Gott und der Welt &ndash; und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47830\">auch mir<\/a> &ndash; um die Ohren gehauen wurden, um einem &bdquo;verk&uuml;rzte Kapitalismuskritik&ldquo; zu attestieren &ndash; das ist echter Antisemitismus.<\/p><p>Doch auch hier blieb der Aufschrei aus. Quod licet Iovi, non licet bovi? Offenbar hat die &bdquo;politische Mitte&rdquo; einen Freifahrtschein f&uuml;r antisemitisches Denken. Aber wehe, jemand &bdquo;von den R&auml;ndern&ldquo; kritisiert den V&ouml;lkermord in Gaza. Dann schwingt die Antisemitismuskeule genau aus jenen Kreisen, die zum echten Antisemitismus aus der Mitte schweigen. So wird letztendlich Antisemitismus wieder salonf&auml;hig gemacht. Deutschland, mir graut vor dir.<\/p><p><small>Titelbild: Florian Schroeder via YouTube<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/4b2e42d56079499b928f3000fe8874d8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit den Wahlen in Berlin l&auml;uft die Antisemitismusvorwurf-Maschinerie mal wieder auf Hochtouren. Ziel ist die Linkspartei. Aufh&auml;nger ist deren Kritik an Israels V&ouml;lkermord in Gaza. Sowas ist im politischen Diskurs hierzulande ja tabu. 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