{"id":15719,"date":"2013-01-07T09:11:58","date_gmt":"2013-01-07T08:11:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15719"},"modified":"2013-01-09T09:32:01","modified_gmt":"2013-01-09T08:32:01","slug":"leserbrief-von-e-j","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15719","title":{"rendered":"Leserbrief von E. J."},"content":{"rendered":"<p>Leserbrief zu Paul Krugman: Debt in times of zero, zitiert in den Nachdenkseiten vom 04.01.2012<\/p><p>Wie gro&szlig; ist die Verwirrung und wie aussichtslos die Lage, wenn selbst ein kluger Kopf wie Paul Krugman nicht umhin kommt, vor den b&ouml;sen Folgen der &ldquo;Staatsfinanzierung&rdquo; &uuml;ber die Notenpresse zu warnen. Oder wie anders l&auml;sst sich die letzte Passage seines Artikels verstehen ?<\/p><p>Irgendwann &ndash; so Krugman &ndash; wird es zur Abwendung steigender Inflation bei vollausgelasterter Kapazit&auml;t notwendig sein, das zum Erwerb von Staatsanleihen auf dem Sekund&auml;rmarkt gedruckte Geld wieder einzusammeln. Die Staatsanleihen befinden sich dann wieder in Privathand &ndash; die Staatsverschuldung wird &ldquo;real&rdquo;. Kein free lunch f&uuml;r den Staat, die &ldquo;Finanzierung&rdquo; &uuml;ber die Notenpresse erweist sich als Illusion.<\/p><p>In punkto Inflation verkennt Krugman, dass der erfolgte Ankauf von Staatsanleihen durch die Fed auf dem Sekund&auml;rmarkt (Quantitative Easing, QE) nichts mit dem G&uuml;termarkt, auf dem Inflation entsteht, zu tun hat. Weder sind die Banken f&uuml;r ihre Konsum- oder Investitionskreditvergabe auf Zentralbankgeld angewiesen (sie sch&ouml;pfen selbst Kreditgeld), noch wird &ndash; wie die mangelnde Kapazit&auml;tsauslastung der US-Wirtschaft nach mehreren Etappen QE belegt &ndash; das f&uuml;r Staatsanleihen gezahlte Geld f&uuml;r produzierte G&uuml;ter und Dienstleistungen au&szlig;erhalb des Finanzsektors nachfragewirksam.  Welche abergl&auml;ubischen oder finanzmarktimmanenten Gr&uuml;nde die Notenbanken f&uuml;r QE haben m&ouml;gen, mit Nachfrage in der Realwirtschaft und Inflation haben weder An- noch Wiederverkauf von Staatsanleihen durch die Fed etwas zu tun. Will der Staat etwas gegen Inflation unternehmen, muss er (z.B. &uuml;ber Steuererh&ouml;hungen) Kaufkraft vom G&uuml;ter- und Dienstleistungsmarkt nehmen.<\/p><p>Zweitens vers&auml;umt es Krugman, die Absurdit&auml;t der gesetzlichen Verschuldensgrenze beim richtigen Namen zu nennen. Absurd ist sie n&auml;mlich nicht, weil sie der &ldquo;Verschuldung&rdquo; eine Obergrenze setzt, sondern weil sie eine &Uuml;berschuldungsf&auml;higkeit suggeriert, die f&uuml;r den w&auml;hrungssouver&auml;nen amerikanischen Staat (anders als f&uuml;r die Eurostaaten)  nicht existiert. Dies beweist gerade das Beispiel der Platinm&uuml;nze, mit deren Hilfe die Ausgaben des amerikanischen Staatshaushalts auf Dauer ohne Steuereinnahmen oder Kredite bew&auml;ltigt werden k&ouml;nnten.  Gleiches g&auml;lte &ndash; z&auml;hlte dieses Verfahren nicht auf Grund willk&uuml;rlicher Festlegung als &ldquo;Verschuldung&rdquo; &ndash; f&uuml;r durch den Fiskus herausgegebene und durch die Fed unmittelbar angekaufte Staatsanleihen.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<\/p><p>Diese landen &ndash; anders als Krugman mit Verweis auf das Aufkaufprogramm der Fed und die angeblichen Erfordernisse der Inflationsabwehr (s.o.) wenig trennscharf behauptet &ndash; nicht notwendig in Privathand, sondern m&uuml;ssen die staatliche Sph&auml;re theoretisch &uuml;berhaupt nicht verlassen. Eine Finanzierung des Staates durch den Verkauf von Staatsanleihen an privat findet nicht statt. Die Einl&ouml;sung von Staatsanleihen durch den w&auml;hrungssouver&auml;nden Staat unterliegt im &uuml;brigen &ndash; anders als in Euroland &ndash; keinerlei Zweifeln, weshalb Staatsanleihen in Privathand nicht mehr oder weniger real sind als in den H&auml;nden der Fed.<\/p><p>Gleichwohl sieht Krugman offenbar Gefahren der &Uuml;berschuldung, deren Ma&szlig;stab er aber schuldig bleibt. Nur in Zeiten der Nullzinspolitik auf Grund  lahmender Wirtschaft sind staatliche Defizite f&uuml;r ihn kein Problem.<\/p><p>Insoweit sitzt selbst Krugman der Analogie zur schw&auml;bischen Hausfrau auf, die &ndash; ebenso wie die Staaten des Euro &ndash; zur Bestreitung ihres Haushalts ausschlie&szlig;lich auf Einnahmen oder Kredite angewiesen ist. Beiden letztgenannten ist die M&ouml;glichkeit der Geldsch&ouml;pfung, anders als dem amerikanischen Fiskus, genommen.  <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en und den besten W&uuml;nschen f&uuml;r das Neue Jahr <\/p><p>E. J.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Korrektur: Der Fed ist es auf Grund der derzeit geltenden Bestimmungen untersagt, Geld unmittelbar zur Finanzierung des Fiskus zu sch&ouml;pfen.<br>\nDiese Verfahrensweise &auml;ndert nichts an der potentiell unbegrenzten Schuldentragf&auml;higkeit der amerikanischen Regierung (Treasury und Fed) und dem allgemein so wahrgenommenen Fehlen eines Insolvenzrisikos. Die &ldquo;M&auml;rkte&rdquo; haben im &uuml;brigen, wie an anderer Stelle auf den Nachdenkseiten erl&auml;utert, keinen Einfluss auf den Zinssatz der US-Staatsanleihen auf dem Prim&auml;rmarkt. Dies ist dann auch der entscheidende Unterschied zu den Eurostaaten und der schw&auml;bischen Hausfrau, die sich beide wie ein Privathaushalt zu &ldquo;Marktbedingungen&rdquo; finanzieren m&uuml;ssen.\n<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leserbrief zu Paul Krugman: Debt in times of zero, zitiert in den Nachdenkseiten vom 04.01.2012<\/p>\n<p>Wie gro&szlig; ist die Verwirrung und wie aussichtslos die Lage, wenn selbst ein kluger Kopf wie Paul Krugman nicht umhin kommt, vor den b&ouml;sen Folgen der &ldquo;Staatsfinanzierung&rdquo; &uuml;ber die Notenpresse zu warnen. 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