{"id":15722,"date":"2013-01-07T13:57:37","date_gmt":"2013-01-07T12:57:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15722"},"modified":"2015-06-23T09:27:41","modified_gmt":"2015-06-23T07:27:41","slug":"angstbeiser-zur-kampagne-der-verleger-gegen-die-zwangsgebuhr-wie-sie-die-neue-rundfunkabgabe-gerne-nennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15722","title":{"rendered":"\u201eAngstbei\u00dfer\u201c &#8211; Zur Kampagne der Verleger gegen die \u201eZwangsgeb\u00fchr\u201c, wie sie die neue Rundfunkabgabe gerne nennen"},"content":{"rendered":"<p>Das Wort &bdquo;Zwangsgeb&uuml;hr&ldquo; dient dabei als Mittel, um den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk zu diskreditieren. Warum tun die Zeitungen das? Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Angstbei&szlig;er<\/strong><\/p><p>Der Pressekampagne gegen ARD und ZDF<br>\nvon Justus Meyer <\/p><p>Deutschlands Zeitungen haben ein neues Lieblingswort. Es hei&szlig;t &bdquo;Zwangsgeb&uuml;hr&ldquo;. Gemeint ist die neue Rundfunkabgabe, die nicht mehr nur &ndash; wie bisher &ndash; f&uuml;r einzelne Empfangsger&auml;te, sondern seit dem 1. Januar pro Haushalt erhoben wird. Das Wort &bdquo;Zwangsgeb&uuml;hr&ldquo; dient dabei als Mittel, um den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk zu diskreditieren. Warum tun die Zeitungen das? Die Antwort ist einfach: es geht ums Geld. Die Verleger wollen ihre Konkurrenz ausschalten.<\/p><p>W&auml;hrend die <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/gez\/warum-bestreitet-ard-dass-sie-jetzt-mehr-geld-einnimmt-27964068.bild.html\">Bild-Zeitung<\/a> in gewohnter Holzhammermanier mal einfach so behauptet, ARD und ZDF n&auml;hmen jetzt mehr Geld ein (was &uuml;berhaupt noch nicht errechnet werden kann, da noch nicht ausreichend Daten vorliegen), geht die &bdquo;Qualit&auml;ts&ldquo;-Presse subtiler vor. Sie streut, wo immer es geht, das W&ouml;rtchen <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/rundfunkgebuehr-wer-wohnt-der-zahlt-1.1538827\">&bdquo;Zwangsgeb&uuml;hr&ldquo;<\/a> ein, damit sich beim Leser das Gef&uuml;hl festsetzen kann, auf Gedeih und Verderb einem unkontrollierbaren System ausgeliefert zu sein. Einem System, das ohne Gegenleistung Geld verlangt, das ihm gar nicht zusteht. <\/p><p>&bdquo;Zwangsgeb&uuml;hr&ldquo; ist ein fieses, ja hinterh&auml;ltiges Wort.  Es unterschl&auml;gt, dass Geb&uuml;hren in der Regel ohnehin nicht freiwillig gezahlt werden. Die &ndash; inzwischen abgeschaffte &ndash; Praxisgeb&uuml;hr wurde auch nie als &bdquo;Zwangsgeb&uuml;hr&ldquo; bezeichnet.<br>\nDer Begriff suggeriert auch, dass es sich um eine Art Luxussteuer handelt und nicht um eine notwendige Abgabe zur Sicherstellung von &Ouml;ffentlichkeit und Meinungsvielfalt. Letzteres war der Grund, warum das Bundesverfassungsgericht in mehreren Urteilen entschieden hat, dass ARD und ZDF nicht nur eine Bestands- sondern auch Entwicklungsgarantie besitzen. Der Hintergedanke dabei: solange die kommerziell betriebenen Medien nicht in der Lage sind, eine fl&auml;chendeckende Versorgung der Bev&ouml;lkerung mit Information und Bildung (&uuml;brigens auch Unterhaltung!) zu gew&auml;hrleisten, ist der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk f&uuml;r unsere Demokratie unabdingbar. Daher ist es, so kann man darauf schlie&szlig;en, nur recht und billig, wenn alle daf&uuml;r zahlen m&uuml;ssen, unabh&auml;ngig von der Zahl der Empfangsger&auml;te. <\/p><p>Durch die technische Entwicklung l&ouml;sen sich die Grenzen zwischen Rundfunk und Internet l&auml;ngst auf. &Uuml;ber die Tagesschau-App z.B. oder die Internetportale der einzelnen Sender lassen sich TV-Beitr&auml;ge abrufen oder auch verlinken. Ein zus&auml;tzlicher Service, der von der Rundfunkabgabe abgedeckt wird.<\/p><p>Und das &auml;rgert die Verleger, die im Internet Bezahlschranken errichten wollen. Der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk st&ouml;rt ihr neues Gesch&auml;ftsmodell, das darauf basieren soll, dass vor allem Qualit&auml;tsinhalte Geld kosten. Der Springer-Verlag macht es mit Welt-Online vor, die WAZ, FAZ und SZ testen noch, wie das am Besten gehen k&ouml;nnte: Geld f&uuml;r Artikel im Internet zu verlangen. Die sch&ouml;ne neue Internetwelt k&ouml;nnte dann so aussehen, dass der &uuml;bliche, von allen kolportierte Boulevardquark weiterhin frei im Netz erh&auml;ltlich ist, Hintergrundberichte und Analysen aber bitte bezahlt werden sollen. Dass die &ouml;ffentlich-rechtlichen Angebote dann schon bezahlt w&auml;ren, der Nutzer also im Internet das Gef&uuml;hl h&auml;tte, kostenlose Angebote zu nutzen, das ist den Zeitungen nat&uuml;rlich ein Dorn im Auge.<\/p><p>Verstehen kann man das. Guter Journalismus ist teuer. Man muss allerdings auch fragen, warum die Verleger das &ouml;ffentlich-rechtliche Angebot nicht &ndash; wie jeder gute Gesch&auml;ftsmann das t&auml;te &ndash; als Herausforderung betrachten. Im Gegenteil: unter Berufung auf eine &bdquo;Zeitungskrise&ldquo; bauen sie immer noch Redaktionen ab, d&uuml;nnen ihre Printprodukte in jeder Hinsicht aus. Sie s&auml;gen sich damit den journalistisch-&ouml;konomischen Ast ab, auf dem sie sitzen und dem sie ihren Ruf verdanken.. Dabei verdienen sie &ndash; trotz aller Klagen &ndash; immer noch gutes Geld. Der Axel Springer Verlag erwirtschaftete 2011 gar den h&ouml;chsten <a href=\"http:\/\/www.axelspringer.de\/presse\/Rekord-Jahresbilanz-Axel-Springer-erreicht-2011-zweistelliges-Umsatz-und-Ergebniswachstum_2244248.html\">Gewinn seiner Geschichte<\/a>  &ndash; zwar haupts&auml;chlich nicht mit Zeitungsangeboten, sondern mit Verkaufsportalen im Netz &ndash; aber Journalismus war schon immer das Produkt von Quersubventionierung.<\/p><p>Und Journalismus (wenn auch vielleicht nicht der von Springer) lebt von Glaubw&uuml;rdigkeit. Die wird allerdings untergraben, wenn die Zeitungen bei der Berichterstattung &uuml;ber die Rundfunkabgabe unterschlagen, wo ihre Interessen dabei liegen. Und wenn sie gezielt Stimmung machen.<\/p><p>Ein kleines, aber feines Beispiel nur aus der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom Wochenende. Unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Teures Vergn&uuml;gen&ldquo; gibt es in der &bdquo;Wochenchronik&ldquo; eine Grafik, die die Steigerung der Rundfunkgeb&uuml;hr von 1954 bis heute darstellt. Wirkt nat&uuml;rlich gewaltig, wenn man dabei unterschl&auml;gt, dass im selben Zeitraum die Preise gestiegen sind, die Zahl der Sender gewachsen ist und die Ausgaben f&uuml;r das Internet darin enthalten sind. Perfide auch, ausgerechnet die Kosten f&uuml;r die Sendeminuten von Talkshows dagegen zu setzen. Als ob ARD und ZDF nur aus Talkshow-Programm best&uuml;nden, als ob der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk nur das Fernsehen w&auml;re, als ob es keine differenzierte H&ouml;rfunklandschaft g&auml;be, die neben den Programmen des Deutschlandradios noch weitere anspruchsvolle Kultursender hegen und pflegen w&uuml;rde? Und bei diesen Sendern, nebenbei bemerkt, werden nicht nur Journalisten besch&auml;ftigt, sondern finden auch viele Schriftsteller, Schauspieler, Regisseure ein Zubrot, ohne dass sie sich sonst kaum &uuml;ber Wasser halten k&ouml;nnten. Was sind dagegen noch nicht einmal 18 Euro, und das nicht pro Person, sondern pro Haushalt? Und wie viel kostet eigentlich ein Zeitungsabonnement? <\/p><p>Nun rennt die Pressekampagne gegen ARD und ZDF nat&uuml;rlich bei Vielen offene Tore ein. Denn wer, der sich nur noch &uuml;ber das Netz informiert, der lieber Radio h&ouml;rt, der Spielfilme und Serien  herunterl&auml;dt oder via DVD konsumiert statt die Glotze einzuschalten, kann schon einsehen, warum er auch f&uuml;r Florian Silbereisen, G&uuml;nter Jauch und Markus Lanz bezahlen soll? Der Denkfehler dabei: es geht eben nicht nur um &uuml;berfl&uuml;ssige Fernsehtalkshows und Volksmusik. Es geht um die M&ouml;glichkeit f&uuml;r jeden B&uuml;rger, f&uuml;r einen angemessenen Preis Dokumentationen auf ARTE und den dritten Programmen zu sehen, sich &uuml;ber die Tagesschau live oder im Netz informieren zu k&ouml;nnen oder Opern&uuml;bertragungen im Radio zu h&ouml;ren. Und auf diese Dinge auch kostenlos verlinken zu d&uuml;rfen. Und es geht darum, eine Konkurrenz f&uuml;r die Kommerzsender und die Verlage aufrecht zu erhalten, ohne die sie l&auml;ngst boulevardesker und niveauloser w&auml;ren als sie es jetzt sind. Denn Niveau kostet Geld. <\/p><p>Einige Verantwortliche bei ARD und ZDF machen es den Kritikern allerdings auch leicht. Der Zuschauer und -h&ouml;rer hat bei so mancher Programmreform nicht mehr den Eindruck, dass die Sender noch wissen, warum und f&uuml;r wen sie eigentlich senden Und ob sie ihr Publikum noch ernst nehmen. Der Umgang des WDR mit der B&uuml;rgerinitiative &bdquo;Radioretter&ldquo; sprach im letzten Jahr f&uuml;r sich. Innovationsfreude, Kreativit&auml;t, Aufbruch statt Abbruch? Sind eher in publizistischen Randgebieten zu finden. Dabei kann man gerade an der Kampagne der Verleger, die im Grunde eine Art  Angstbei&szlig;en ist, erkennen, dass die &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender in einer starken Position sind.   Denn sie sind durch die Art ihrer Finanzierung B&uuml;rgerrundfunk. Und wir, die B&uuml;rger, m&uuml;ssten jetzt darauf dringen, dass &bdquo;unser&ldquo; Rundfunk, f&uuml;r den wir bezahlen, auch die Aufgaben wahrnimmt, die ihm das Bundesverfassungsgericht aufgetragen hat. Und die best&uuml;nden eher in mehr Qualit&auml;t als in weniger. Es best&uuml;nde in mehr kritischem Journalismus und weniger Tingeltangel. In anspruchsvoller Unterhaltung statt billiger Seifenopern. In Kultur statt Boulevard. Kurz: in Anspruch statt (nur) Quote. Doch das d&uuml;rfte den Verlegern erst recht nicht passen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wort &bdquo;Zwangsgeb&uuml;hr&ldquo; dient dabei als Mittel, um den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk zu diskreditieren. Warum tun die Zeitungen das? 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