{"id":157243,"date":"2026-10-07T12:00:24","date_gmt":"2026-10-07T10:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157243"},"modified":"2026-10-07T17:32:19","modified_gmt":"2026-10-07T15:32:19","slug":"die-bruesseler-tyrannei-thomas-fazis-abrechnung-mit-der-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157243","title":{"rendered":"\u201eDie Br\u00fcsseler Tyrannei\u201c \u2013 Thomas Fazis Abrechnung mit der EU"},"content":{"rendered":"<p>Der B&uuml;cherherbst ist da, heute beginnt die Frankfurter Buchmesse &ndash; ein sch&ouml;ner Anlass, Ihnen ein neues Buch vorzustellen: Unser gesch&auml;tzter Gastautor, der britisch-italienische Journalist und Autor <strong>Thomas Fazi<\/strong>, hat mit <a href=\"https:\/\/westendverlag.de\/Die-Bruesseler-Tyrannei\/2495\">&bdquo;Die Br&uuml;sseler Tyrannei oder: Der diskrete Staatsstreich&ldquo;<\/a>, erschienen im Westend Verlag, ein fulminantes Buch &uuml;ber die Europ&auml;ische Union geschrieben. Es ist eine umfassende Abrechnung mit einem Projekt, das viele Menschen mit der Hoffnung auf Frieden, Wohlstand und Solidarit&auml;t zwischen den europ&auml;ischen B&uuml;rgern verbunden haben, das sich aus Fazis Sicht jedoch immer mehr zu einer autorit&auml;ren Dystopie entwickelt, und der Tatsache, dass dies auch seit den Anf&auml;ngen der europ&auml;ischen Integration so beabsichtigt war. Von <strong>Redaktion<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9525\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-157243-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261007_Die_Bruesseler_Tyrannei_Thomas_Fazis_Abrechnung_mit_der_EU_NDS.mp3?_=1\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261007_Die_Bruesseler_Tyrannei_Thomas_Fazis_Abrechnung_mit_der_EU_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261007_Die_Bruesseler_Tyrannei_Thomas_Fazis_Abrechnung_mit_der_EU_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261007_Die_Bruesseler_Tyrannei_Thomas_Fazis_Abrechnung_mit_der_EU_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=157243-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261007_Die_Bruesseler_Tyrannei_Thomas_Fazis_Abrechnung_mit_der_EU_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"261007_Die_Bruesseler_Tyrannei_Thomas_Fazis_Abrechnung_mit_der_EU_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Fazi argumentiert in seinem Buch, dass der gesamte Prozess der europ&auml;ischen Integration nicht in erster Linie als wirtschaftliches, sondern als politisches Projekt verstanden werden m&uuml;sse, das von Anfang an darauf abgezielt habe, die Bev&ouml;lkerung in den Mitgliedsstaaten zu entmachten. Die EU habe nicht nur als Vehikel gedient, um das Kr&auml;fteverh&auml;ltnis zugunsten des Kapitals zu verschieben; sie sei auch zu einem zentralen Instrument der Unterordnung Europas unter Washington und die transatlantische Kriegslobby geworden. Am deutlichsten zeige sich dies in der europ&auml;ischen Russlandpolitik und im Ukrainekrieg, wo die EU einen katastrophalen Stellvertreterkrieg gegen den atomar bewaffneten Nachbarn Russland f&uuml;hre.<\/p><p><em>Wir drucken im Folgenden die <strong>Einleitung des Buches<\/strong> ab:<\/em><\/p><p>&bdquo;Als jemand, dessen politische Feuertaufe in der Antiglobalisierungsbewegung der sp&auml;ten 1990er- und fr&uuml;hen 2000er-Jahre stattfand, und als eingetragenes Mitglied der italienischen radikalen Linken hatte ich lange Zeit eine neutrale, ja sogar positive Einstellung zur Europ&auml;ischen Union. Wie die meisten Menschen in diesem Milieu wuchs ich in der &Uuml;berzeugung auf, dass Nationalstaaten und nationale Souver&auml;nit&auml;t ein reaktion&auml;res, ja sogar faschistisches Relikt der Vergangenheit seien &ndash; oder zumindest, dass die Hyperglobalisierung sie &uuml;berfl&uuml;ssig gemacht habe &ndash; und dass die EU die Antwort darauf sei: ein Versuch, Europa st&auml;rker und autonomer zu machen, indem die L&auml;nder ihre Souver&auml;nit&auml;t b&uuml;ndeln und so den Kr&auml;ften des Marktes besser standhalten und, im weiteren Sinne, die alten nationalen Spaltungen &uuml;berwinden und die V&ouml;lker Europas endlich vereinen. Dass dies selbst eine Variante des globalistischen Credos war, gegen das ich mich angeblich wandte, war mir damals nicht bewusst, ebenso wenig wie fast allen anderen in der Bewegung. Ich hatte den progressiv angehauchten proeurop&auml;ischen Kool-Aid getrunken.<\/p><p>Erst nach der globalen Finanzkrise von 2008 und vor allem w&auml;hrend der darauffolgenden sogenannten europ&auml;ischen Staatsschuldenkrise begann ich, diese Ansichten ernsthaft in Frage zu stellen. Als ich die offizielle Darstellung der politisch-wirtschaftlichen Reaktion auf diese Krise auseinandernahm &ndash; eine Untersuchung, die zu meinem ersten Buch <em>&bdquo;The Battle for Europe&ldquo;<\/em> f&uuml;hrte, das 2014 erschien &ndash;, stellte ich die Natur der Institution in Frage, die diese Politik vorantrieb: die Natur der Europ&auml;ischen Union selbst. Was ich sah, war keine Institution, die die Europ&auml;er vor der Gewalt der Finanzm&auml;rkte sch&uuml;tzte, sondern eine, die diese Gewalt noch verst&auml;rkte: Sie zwang ganzen L&auml;ndern strukturelle wirtschaftliche Gewalt in Form von Sparma&szlig;nahmen und Strukturanpassungsprogrammen auf und untergrub dabei die Demokratie. Ich sah, wie nicht rechenschaftspflichtige Gremien wie die Europ&auml;ische Kommission und die Europ&auml;ische Zentralbank die Befugnisse nutzten, die ihnen die Staaten &uuml;bertragen hatten, um den demokratischen Willen des Volkes zu untergraben und Millionen von Menschen soziales und wirtschaftliches Elend aufzuzwingen, am brutalsten in Griechenland &ndash; w&auml;hrend der Mainstream immer wieder beteuerte, dass mehr Europa der einzige Weg nach vorne sei.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Als die Pandemie ausbrach, hatte ich bereits ein Jahrzehnt damit verbracht, die antidemokratische, neoliberale Politik der EU zu kritisieren, und ich dachte, es g&auml;be kaum noch etwas, womit mich die Br&uuml;sseler Maschinerie &uuml;berraschen k&ouml;nnte.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Danach gab es f&uuml;r mich kein Zur&uuml;ck mehr. Seitdem habe ich die Jahre damit verbracht, die wahre Natur der Europ&auml;ischen Union in mehreren B&uuml;chern und Hunderten von Artikeln aufzudecken, selbst wenn mich dies in Konflikt mit den meisten Menschen auf der Linken brachte. Als die Pandemie ausbrach, hatte ich bereits ein Jahrzehnt damit verbracht, die antidemokratische, neoliberale Politik der EU zu kritisieren, und ich dachte, es g&auml;be kaum noch etwas, womit mich die Br&uuml;sseler Maschinerie &uuml;berraschen k&ouml;nnte. Ich habe mich geirrt, wenn auch nicht in der Weise, wie ich zun&auml;chst angenommen hatte. In den letzten Jahren haben die supranationalen Institutionen der EU ihren Einfluss weit &uuml;ber die wirtschaftliche (Miss-)Verwaltung und die &Uuml;berregulierung der Mitgliedstaaten hinaus auf Bereiche ausgedehnt, die lange Zeit als Dom&auml;ne der nationalen Regierungen galten &ndash; von &ouml;ffentlicher Gesundheit, Au&szlig;enpolitik bis hin zum Krieg selbst.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Heute betreibt sie auch Propagandaoperationen in H&ouml;he von mehreren Milliarden Euro und leitet einen weitverzweigten Apparat der Online-Zensur; sie greift direkt in nationale Wahlen ein; sie verh&auml;ngt Sanktionen gegen ihre eigenen B&uuml;rger ohne Gerichtsverfahren und entzieht ihnen grundlegende B&uuml;rgerrechte; (&hellip;)&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Union legt heute nicht nur die Bedingungen fest, unter denen 450 Millionen Menschen arbeiten, Handel treiben, konsumieren und investieren; sie baut nicht nur weiterhin Europas Sozialstaaten im Namen der Sparpolitik (und nun auch der Wiederaufr&uuml;stung) ab und zwingt ganze Staaten finanziell zur Gefolgschaft; sie hebt nicht nur nach Belieben nationale Gesetze und Verfassungen auf und h&ouml;hlt demokratische Prozesse aus &ndash; all das tut sie schon seit Langem. Heute betreibt sie auch Propagandaoperationen in H&ouml;he von mehreren Milliarden Euro und leitet einen weitverzweigten Apparat der Online-Zensur; sie greift direkt in nationale Wahlen ein; sie verh&auml;ngt Sanktionen gegen ihre eigenen B&uuml;rger ohne Gerichtsverfahren und entzieht ihnen grundlegende B&uuml;rgerrechte; und, was vielleicht am beunruhigendsten ist, sie hat sich zu einer vollwertigen Kriegsmaschine gewandelt, die an der Spitze einer Aufr&uuml;stungswelle und eines Stellvertreterkriegs gegen Russland steht, der den europ&auml;ischen Volkswirtschaften bereits schweren Schaden zugef&uuml;gt hat und den Kontinent in einen offenen Konflikt mit der gr&ouml;&szlig;ten Atommacht der Welt zu ziehen droht. Und dennoch sind sich die meisten B&uuml;rger der Rolle der EU beim stetigen Abbau ihrer demokratischen, wirtschaftlichen, politischen und sozialen Rechte weitgehend nicht bewusst.<\/p><p>Was mich &uuml;berraschte, war nicht die Richtung der Entwicklung, sondern die Geschwindigkeit und das Ausma&szlig; &ndash; und vor allem, auf wie wenig Widerstand all dies stie&szlig;. Das war die zweite Erkenntnis dieser Jahre und der Ansto&szlig; f&uuml;r dieses Buch: Meine fr&uuml;here Kritik war zu eng gefasst gewesen. Ich hatte das, was in Wirklichkeit etwas ganz anderes war, als wirtschaftliche Pathologie &ndash; als neoliberale Verzerrung &ndash; behandelt: ein politisches Konzept, dessen volle Dimensionen erst erkennbar wurden, als die wirtschaftliche Maske fiel. Die Zensur, die Wahlmanipulation, der Kriegskurs: Das sind keine neuen Entwicklungen. Es ist dieselbe Logik, die auf neue Bereiche angewendet wird. Es ist diese verborgene Realit&auml;t, die dieses Buch aufzudecken versucht: wie die undurchsichtige Maschinerie Br&uuml;ssels tats&auml;chlich funktioniert, wem sie dient und zu welchem Preis.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Was wir erleben, ist keine Degeneration, sondern eine Enth&uuml;llung: ein Projekt, das sich endlich so zeigt, wie es schon immer war.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das Buch richtet sich aber auch an jene Kritiker, sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite, die sich zwar gegen die aktuelle Politik der EU stellen, aber weiterhin daran glauben, dass die Union demokratisch reformiert werden kann. Selbst unter ihren Kritikern wird die EU im Allgemeinen als ein gut gemeintes Projekt angesehen, das irgendwie irgendwann vom Weg abgekommen ist &ndash; auch wenn Uneinigkeit dar&uuml;ber herrscht, wann, warum und wer daran schuld ist. Dieses Buch vertritt eine andere These: dass die derzeitige Auspr&auml;gung der EU weder eine Abweichung von einem zuvor positiven Kurs noch von den Absichten ihrer Gr&uuml;nder darstellt, sondern den H&ouml;hepunkt eines Projekts, das von Anfang an elit&auml;r, antidemokratisch und autorit&auml;r war. Was wir erleben, ist keine Degeneration, sondern eine Enth&uuml;llung: ein Projekt, das sich endlich so zeigt, wie es schon immer war. Wenn das zutrifft, beantwortet sich die Frage nach der Reform weitgehend von selbst, auch wenn der Leser bis zum letzten Kapitel warten muss, um die vollst&auml;ndige Argumentation zu sehen.<\/p><p>Das Buch argumentiert, dass die europ&auml;ische Integration, auch in ihren Vorl&auml;uferformen vor der EU, in erster Linie nicht als wirtschaftliches, sondern als politisches Projekt verstanden werden sollte: als ein Projekt, das darauf abzielt, die Massendemokratie zu entmachten.<\/p><p>Dieser Impuls ist so alt wie das Projekt selbst. Die Gr&uuml;ndergeneration, gepr&auml;gt vom Zusammenbruch der Zwischenkriegszeit, machte sich daran, eine eingeschr&auml;nkte Demokratie aufzubauen, in der die folgenreichsten Entscheidungen au&szlig;erhalb der Reichweite der W&auml;hlerschaft lagen. Mitte der 1970er-Jahre, als sich die Nachkriegsordnung aufl&ouml;ste und die Forderungen der Bev&ouml;lkerung zunahmen, wurde die Massendemokratie von den Eliten auf beiden Seiten des Atlantiks als t&ouml;dliche Bedrohung f&uuml;r den kapitalistischen Status quo angesehen, und der Drang, sie einzud&auml;mmen, verfestigte sich zu einem Programm. Das Mittel dazu war ein Angriff auf den Nationalstaat &ndash; den wichtigsten institutionellen Ausdruck der Demokratie &ndash; zugunsten des transnationalen Kapitals und der heimischen Oligarchien. Dieses Programm wurde in Maastricht verfassungsrechtlich verankert, wodurch der Neoliberalismus tief in das Gef&uuml;ge der Union eingebettet wurde &ndash; ein Wandel, den der Euro dann ein f&uuml;r alle Mal zementierte, indem er den (meisten) Mitgliedstaaten die grundlegendste S&auml;ule ihrer wirtschaftlichen Souver&auml;nit&auml;t entzog, n&auml;mlich die Befugnis, eine eigene W&auml;hrung auszugeben, und sie in etwas verwandelte, das Kolonien von Br&uuml;ssel und Frankfurt gleicht.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Jede Notlage, ob real oder inszeniert, wurde genutzt, um Befugnisse nach oben zu verlagern, die keine W&auml;hlerschaft unter normalen Bedingungen gew&auml;hrt h&auml;tte.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das Buch argumentiert, dass dies nichts Geringeres als einen verfassungsrechtlichen und juristischen Staatsstreich darstellte, wenn auch einen ungew&ouml;hnlich diskreten. Dies war beabsichtigt. Von Anfang an war die Integration darauf ausgelegt, heimlich und durch Krisen voranzutreiben: Jede Notlage, ob real oder inszeniert, wurde genutzt, um Befugnisse nach oben zu verlagern, die keine W&auml;hlerschaft unter normalen Bedingungen gew&auml;hrt h&auml;tte. Das ist die eine Seite des Br&uuml;sseler Imperiums. Die andere ist, wenn &uuml;berhaupt, noch bemerkenswerter: Dieselbe Union, die nahezu absolute Macht &uuml;ber ihre Mitglieder aus&uuml;bt, zeigt nahezu absolute Unterwerfung gegen&uuml;ber ihrem Schutzherrn jenseits des Atlantiks. Die EU hat nicht nur als Vehikel gedient, um das Kr&auml;fteverh&auml;ltnis zugunsten des Kapitals zu verschieben; sie war ein zentrales Instrument der Unterordnung Europas unter Washington und die transatlantische Kriegslobby &ndash; am offensichtlichsten in den Beziehungen zu Russland, wo sie einen katastrophalen Stellvertreterkrieg gegen ihren atomar bewaffneten Nachbarn begonnen hat. Die Integration war von Anfang an in eine von den USA gef&uuml;hrte strategische Ordnung eingebettet &ndash; gef&ouml;rdert, finanziert und gelenkt von Washington &ndash; und hat sich nun zu dem entwickelt, was dieses Buch als Hyper-Vasallisierung bezeichnet: einen Zustand, in dem Europa den Vereinigten Staaten politisch, wirtschaftlich und milit&auml;risch st&auml;rker untergeordnet ist als jemals zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Ein Imperium, das selbst ein Vasall ist: Das ist das Paradoxon, auf das der Titel hinweist, und der Zustand, den dieses Buch zu erkl&auml;ren versucht.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Diese beiden Tendenzen stehen nicht im Widerspruch zueinander; sie verst&auml;rken sich gegenseitig. Supranationale Macht&uuml;bernahmen wurden wiederholt von Washington im Austausch f&uuml;r eine Angleichung an die US-Politik best&auml;tigt; und jede Vertiefung dieser Angleichung erforderte die Unterdr&uuml;ckung innerstaatlicher Dissidenz, die die neuen supranationalen M&auml;chte praktischerweise bereitstellen. Ein Imperium, das selbst ein Vasall ist: Das ist das Paradoxon, auf das der Titel hinweist, und der Zustand, den dieses Buch zu erkl&auml;ren versucht.<\/p><p>Ein abschlie&szlig;endes Wort zum Aufbau des Buches. Es gliedert sich in zwei Teile.<\/p><p>Teil 1 ist eine historische Rekonstruktion: Er zeichnet die Genealogie des Projekts nach, von seinen intellektuellen Urspr&uuml;ngen in der Zwischenkriegszeit &uuml;ber die Gr&uuml;ndungsjahrzehnte und den Weg nach Maastricht und zur Einheitsw&auml;hrung, die Eurokrise und den autorit&auml;ren Wandel, den sie festigte, die erste populistische Revolte und die Gegenoffensive der Union bis hin zu den beiden gro&szlig;en Beschleunigern der Zentralisierung und Unterordnung: der Pandemie und dem Ukraine-Krieg.<\/p><p>Teil 2 wechselt von der Erz&auml;hlung zur Analyse: wie die EU heute tats&auml;chlich funktioniert, die &Ouml;konomie der supranationalen Integration, der Propaganda- und Zensurkomplex, die Sanktionierung von Einzelpersonen, der Umgang mit unbequemen Wahlen, die Politik der Hyper-Vasallisierung &ndash; und schlie&szlig;lich die Frage, ob ein solches Konstrukt &uuml;berhaupt reformiert werden kann. Leser, die es kaum erwarten k&ouml;nnen, die Gegenwart zu verstehen, k&ouml;nnen direkt zu Teil 2 &uuml;bergehen, der so verfasst ist, dass er f&uuml;r sich allein stehen kann. Ich halte den historischen Teil jedoch f&uuml;r ebenso wichtig, da er die Beweise liefert, auf denen alles andere beruht. Ohne ihn liest sich die j&uuml;ngste Vergangenheit wie eine Chronik von Skandalen und Fehltritten; mit ihm entpuppt sich die EU als das, was sie tats&auml;chlich ist: keine Maschine, die Fehlfunktionen aufweist, sondern eine Maschine, die genau das tut, wozu sie gebaut wurde.&ldquo;<\/p><p>Das Buch<strong> erscheint am 12. Oktober<\/strong>.<\/p><p><em>Thomas Fazi: <a href=\"https:\/\/westendverlag.de\/Die-Bruesseler-Tyrannei\/2495\">&bdquo;Die Br&uuml;sseler Tyrannei oder: Der diskrete Staatsstreich&ldquo;<\/a>, aus dem Englischen von Ludwig Krebbers, Neu-Isenburg 2026, Westend Verlag, Taschenbuch, 224 Seiten, ISBN 9783987911781, 22 Euro.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der B&uuml;cherherbst ist da, heute beginnt die Frankfurter Buchmesse &ndash; ein sch&ouml;ner Anlass, Ihnen ein neues Buch vorzustellen: Unser gesch&auml;tzter Gastautor, der britisch-italienische Journalist und Autor <strong>Thomas Fazi<\/strong>, hat mit <a href=\"https:\/\/westendverlag.de\/Die-Bruesseler-Tyrannei\/2495\">&bdquo;Die Br&uuml;sseler Tyrannei oder: Der diskrete Staatsstreich&ldquo;<\/a>, erschienen im Westend Verlag, ein fulminantes Buch &uuml;ber die Europ&auml;ische Union geschrieben. 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