{"id":157284,"date":"2026-10-08T10:06:32","date_gmt":"2026-10-08T08:06:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157284"},"modified":"2026-10-08T11:16:42","modified_gmt":"2026-10-08T09:16:42","slug":"millionen-fuers-nichtstun-porsche-vonovia-und-deutsche-bank-machens-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157284","title":{"rendered":"Millionen f\u00fcrs Nichtstun \u2013 Porsche, Vonovia und Deutsche Bank machen&#8217;s m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"<p>Wann verdient ein Topmanager zu viel? Was bedeutet Leistung? Wieviel ist genug? Wie wichtig kann ein einzelner Mensch f&uuml;r ein Unternehmen mit tausenden Mitarbeitern sein? Es gibt Fragen, die stellen sich immer wieder neu. So auch in diesen Tagen. Denn mit Lutz Meschke, einem fr&uuml;heren Spitzenmanager des Sportwagenbauers Porsche, gibt es erneut einen Fall, der die Gem&uuml;ter erhitzt. Mehr als 20 Millionen Euro soll Meschke noch bis 2030 erhalten &ndash; f&uuml;rs Nichtstun wohlgemerkt! Und Meschke ist beileibe kein Einzelfall. &Auml;hnliche Vorg&auml;nge gab es in diesem Jahr auch bei der Deutschen Bank und dem Wohnungskonzern Vonovia. Von <strong>Thomas Trares<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMeschke war bei Porsche Finanzvorstand und stellvertretender Vorstandsvorsitzender &ndash; und das nicht nur f&uuml;r die Autosparte (Porsche AG), sondern auch f&uuml;r die b&ouml;rsennotierte Dachholding (Porsche SE), f&uuml;r die Meschke die Beteiligungen managte. Erst im August 2024 hatte die Porsche SE seinen Vertrag um f&uuml;nf Jahre bis Mitte 2030 verl&auml;ngert und die Bez&uuml;ge deutlich erh&ouml;ht. Doch kurze Zeit sp&auml;ter, im Februar 2025, schied Meschke zun&auml;chst bei der Porsche AG und im Dezember 2025 dann auch bei der Porsche SE aus. W&auml;hrend Meschke bei der Porsche AG eine Abfindung von 11,6 Millionen Euro kassierte, l&auml;uft sein Vertrag bei der Porsche SE einfach weiter. Meschke erh&auml;lt weiter Festgehalt, Altersversorgung und Boni. Bis zum Vertragsende 2030 d&uuml;rften so aus beiden Anstellungen mehr als 20 Millionen Euro zusammenkommen.<\/p><p><strong>Klage gegen Porsche-Aufsichtsrat<\/strong><\/p><p>Der Fall hat nun den langj&auml;hrigen Porsche-Aktion&auml;r und ausgewiesenen Corporate-Governance-Experten Christian Strenger [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] auf den Plan gerufen. Im September hat dieser beim Landgericht Stuttgart Klage eingereicht, dies jedoch nicht gegen Meschke, sondern gegen den Aufsichtsrat der Porsche SE, weil dieser Meschke unangemessen beg&uuml;nstigt habe. In seiner Klage ficht Strenger die Beschl&uuml;sse der Hauptversammlung vom 25. Juni an, mit denen die Mitglieder des Aufsichtsrates f&uuml;r das Gesch&auml;ftsjahr 2025 entlastet wurden. Nach Ansicht Strengers h&auml;tte dies nicht geschehen d&uuml;rfen. &bdquo;Lutz Meschke erbringt f&uuml;r die Porsche SE au&szlig;er Stillschweigen nichts mehr &ndash; trotzdem wird er bis 2030 f&uuml;rstlich weiterbezahlt. Genau darin liegt das Problem f&uuml;r die nicht nur kursm&auml;&szlig;ig gebeutelten Aktion&auml;re&ldquo;, erkl&auml;rte er. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Gr&ouml;&szlig;ere Wellen hat zuletzt auch der Fall Alexander Wynaendts geschlagen. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Der aus den Niederlanden stammende Manager ist Aufsichtsratschef der Deutschen Bank und erh&auml;lt daf&uuml;r k&uuml;nftig bis zu 1,4 Millionen Euro pro Jahr. 2025 waren es noch 950.000 Euro. Damit ist Wynaendts nicht nur der bestbezahlte Aufsichtsrat Deutschlands, sondern auch der erste Einkommensmillion&auml;r &uuml;berhaupt auf solch einem Posten. Zum Vergleich: Auf Platz zwei folgt mit geb&uuml;hrendem Abstand Siemens-Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe, der 2025 auf ein Sal&auml;r von 612.000 Euro kam. Wynaendts ist neben der Deutschen Bank auch als Kontrolleur bei der Fluggesellschaft Air France-KLM, dem US-Mobilit&auml;tsdienstleister Uber Technologies und der niederl&auml;ndischen Finanzholding Puissance t&auml;tig.<\/p><p><strong>Gehaltssprung bei Deutsche-Bank-Aufsichtsrat<\/strong><\/p><p>Bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank Ende Mai haben Aktion&auml;rsvertreter nicht nur die H&ouml;he seiner Verg&uuml;tung, sondern auch den enormen Gehaltssprung von 47 Prozent kritisiert. Dieser entsteht vor allem dadurch, dass die Verg&uuml;tung f&uuml;r die Leitung von Aussch&uuml;ssen k&uuml;nftig nicht mehr gedeckelt wird. Das hei&szlig;t, ein Aufsichtsrat kann nun durch das Sammeln von Ausschussposten (Risikoausschuss, Pr&uuml;fungsausschuss, etc.) sein Gehalt k&uuml;nstlich aufbl&auml;hen. Aktion&auml;rsvertreter haben dies scharf kritisiert. Aus ihrer Sicht sollte die Arbeit in den Aussch&uuml;ssen zum normalen Job eines Aufsichtsratschefs geh&ouml;ren und nicht extra verg&uuml;tet werden. &bdquo;Die vollst&auml;ndige Aufhebung der Deckelung der Ausschussverg&uuml;tung ist sehr gro&szlig;z&uuml;gig bemessen und geht uns zu weit&ldquo;, sagte Union-Investment-Fondsmanagerin Alexandra Annecke. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Eine au&szlig;erordentlich hohe Abfindung hat auch der fr&uuml;here Vorstandsvorsitzende des Wohnungskonzerns Vonovia, Rolf Buch, erhalten. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Buch war Ende 2025, also mehr als zwei Jahre vor Ende seines Vertrages, aus dem Unternehmen ausgeschieden. &Auml;hnlich wie bei Meschke wird auch Buch weiterhin viel Geld &uuml;berwiesen. Im laufenden Jahr erh&auml;lt er insgesamt 3,3 Millionen Euro Karenzentsch&auml;digung. Das ist ein Ausgleich daf&uuml;r, dass er ein Jahr lang nicht in Konkurrenz zu Vonovia treten darf. Hinzu kommen eine Abfindung von knapp 5,8 Millionen Euro sowie 210.528 virtuelle Vonovia-Aktien, deren Wert Anfang 2028 ausgezahlt werden soll. Durch die Kombination all dieser Zahlungen d&uuml;rften Buch nach seinem Ausscheiden noch rund 15 Millionen Euro zuflie&szlig;en.<\/p><p><strong>Vertr&auml;ge sind einzuhalten<\/strong><\/p><p>Doch was genau ist von all diesen F&auml;llen zu halten? Die Unternehmen verweisen in der Verg&uuml;tungsdebatte gern darauf, dass sie im Wettbewerb um Spitzenmanager hohe Geh&auml;lter zahlen m&uuml;ssen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Und im Fall des vorzeitigen Ausscheidens von Managern gehe es auch darum, bestehende Vertr&auml;ge einzuhalten und teure Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Und nicht zuletzt gilt im deutschen Recht das Prinzip der Vertragsfreiheit, das hei&szlig;t, die Unternehmen sind prinzipiell frei darin, mit ihren Mitarbeitern Vertr&auml;ge nach eigenem Gutd&uuml;nken auszuhandeln. Doch gerade bei b&ouml;rsennotierten Konzernen sind diesem Prinzip Grenzen gesetzt.<\/p><p>Der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) etwa definiert Standards f&uuml;r gute und verantwortungsvolle Unternehmensf&uuml;hrung. Dabei handelt es sich allerdings nur um einen Leitfaden, dessen Empfehlungen und Anregungen rechtlich nicht bindend sind. Klar ist aber, dass in allen drei F&auml;llen eklatant gegen den Kodex versto&szlig;en wurde. So besagt der DCGK, dass die Zahlungen an ein Vorstandsmitglied bei vorzeitigem Ende seiner T&auml;tigkeit den Wert von zwei Jahresverg&uuml;tungen nicht &uuml;berschreiten sollen. Bei dem fr&uuml;heren Porsche-Vorstand Meschke l&auml;uft der Vertrag aber noch viereinhalb Jahre weiter &ndash; inklusive Boni f&uuml;r eine Zeit, in der er gar nicht mehr aktiv ist.<\/p><p><strong>Buch profitiert doppelt<\/strong><\/p><p>&Auml;hnlich sieht es auch bei Vonovia aus. Hier h&auml;tte Buchs Karenzentsch&auml;digung von 3,3 Millionen Euro eigentlich mit seiner Abfindung von 5,8 Millionen Euro verrechnet werden m&uuml;ssen. Dies ist auch im DCGK klipp und klar geregelt. Dort hei&szlig;t es: &bdquo;Im Fall eines nachvertraglichen Wettbewerbsverbots soll die Abfindungszahlung auf die Karenzentsch&auml;digung angerechnet werden.&ldquo;[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Bei Buch wurde sie aber hinzuaddiert statt abgezogen. Eine besonders bizarre Note erh&auml;lt die Angelegenheit noch dadurch, dass die Aufsichtsratschefin von Vonovia, Clara Streit, gleichzeitig die Vorsitzende der Regierungskommission f&uuml;r den DCGK ist. Es ist also ausgerechnet das von ihr kontrollierte Unternehmen, das besonders eklatant gegen den von ihr geh&uuml;teten Kodex verst&ouml;&szlig;t.<\/p><p>Laut Aktiengesetz muss die Verg&uuml;tung eines Vorstands zudem in einem angemessenen Verh&auml;ltnis zu seinen Aufgaben und Leistungen wie auch zur Lage des Unternehmens stehen. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Doch gerade bei Porsche passen die &uuml;ppigen Abfindungszahlungen nicht zur aktuellen Misere. Umsatz und Gewinn des Sportwagenbauers sind im vergangenen Jahr drastisch eingebrochen, die Aktie gar aus dem Dax in den MDax abgestiegen. Und auch bei der Deutschen Bank sieht die Lage nur scheinbar gut aus. Zwar hat diese f&uuml;r 2025 in absoluten Zahlen einen neuen &bdquo;Rekordgewinn&ldquo; ausgewiesen, in punkto Rendite ist das Institut aber lediglich europ&auml;ischer Durchschnitt. &bdquo;Spitze beim Gehalt, Mittelma&szlig; bei Rendite und Bewertung &ndash; auf Dauer l&auml;sst sich diese Differenz nicht rechtfertigen&ldquo;, hie&szlig; es dazu in einem Kommentar des <em>Handelsblatts<\/em>. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p><strong>Wie weit darf ein Aufsichtsrat gehen?<\/strong><\/p><p>Und nicht zuletzt ist zu kl&auml;ren, ob der Aufsichtsrat in den genannten F&auml;llen die Interessen der Aktion&auml;re &uuml;berhaupt angemessen vertreten hat. Diese Frage ist in der &ouml;konomischen Theorie auch als das Prinzipal-Agenten-Problem bekannt. F&uuml;r den Aktion&auml;r (Prinzipal) besteht das Problem grunds&auml;tzlich darin, dass er Motivation, pers&ouml;nliche Interessen und den tats&auml;chlichen Arbeitseinsatz des von ihm beauftragten Aufsichtsrats (Agent) nur unzureichend kennt. Dies er&ouml;ffnet Spielraum f&uuml;r &bdquo;opportunistisches Verhalten&ldquo;. Bei Porsche und Vonovia jedenfalls hat der Aufsichtsrat &ndash; aus welchen Gr&uuml;nden auch immer &ndash; Vertr&auml;ge durchgewinkt, die die Aktion&auml;re teuer zu stehen kommen. Governance-Experte Strenger indes will nun vor Gericht kl&auml;ren lassen, wie weit ein Aufsichtsrat &uuml;ber die Regeln guter Unternehmensf&uuml;hrung hinausgehen darf. Bei der Porsche SE sei f&uuml;r ihn ein Punkt erreicht, an dem er &bdquo;Flagge zeigen&ldquo; m&uuml;sse, sagte er.<\/p><p><small>Titelbild: ChatGPT, erstellt mit k&uuml;nstlicher Intelligenz<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/47e8ebf5c8ef4ae6a5d1d29bca15252c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.hhl.de\/de\/fakultaet-forschung\/fakultaet-forschung-prof-christian-strenger\/\">hhl.de\/de\/fakultaet-forschung\/fakultaet-forschung-prof-christian-strenger\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/porsche-se-ex-manager-kassiert-millionen-obwohl-er-weg-ist-aktionaer-klagt\/100250429.html\">handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/porsche-se-ex-manager-kassiert-millionen-obwohl-er-weg-ist-aktionaer-klagt\/100250429.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.boersen-zeitung.de\/banken-finanzen\/erster-aufsichtsrat-wird-zum-einkommensmillionaer\">boersen-zeitung.de\/banken-finanzen\/erster-aufsichtsrat-wird-zum-einkommensmillionaer<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/live.deutsche-boerse.com\/news\/ROUNDUP-2-Deutsche-Bank-Proteste-und-Kritik-an-Aufsichtsratsverguetung-035acbb8-6ce9-4ce9-aa60-3c02ca48d2aa\">live.deutsche-boerse.com\/news\/ROUNDUP-2-Deutsche-Bank-Proteste-und-Kritik-an-Aufsichtsratsverguetung-035acbb8-6ce9-4ce9-aa60-3c02ca48d2aa<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.iz.de\/politik\/news\/-vonovia-aktionaere-kritisieren-buch-deal-2000044366\">iz.de\/politik\/news\/-vonovia-aktionaere-kritisieren-buch-deal-2000044366<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.dcgk.de\/de\/kodex\/aktuelle-fassung\/g-verguetung-von-vorstand-und-aufsichtsrat.html\">dcgk.de\/de\/kodex\/aktuelle-fassung\/g-verguetung-von-vorstand-und-aufsichtsrat.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/aktg\/__87.html\">gesetze-im-internet.de\/aktg\/__87.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/meinung\/kommentare\/geld-die-deutsche-bank-ist-champion-beim-gehalt-aber-nicht-im-geschaeft-01\/100228582.html\">handelsblatt.com\/meinung\/kommentare\/geld-die-deutsche-bank-ist-champion-beim-gehalt-aber-nicht-im-geschaeft-01\/100228582.html<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann verdient ein Topmanager zu viel? 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