{"id":157623,"date":"2026-10-16T09:00:28","date_gmt":"2026-10-16T07:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157623"},"modified":"2026-10-15T15:28:04","modified_gmt":"2026-10-15T13:28:04","slug":"die-auswirkungen-hoher-energiekosten-auf-die-waehlergunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157623","title":{"rendered":"Die Auswirkungen hoher Energiekosten auf die W\u00e4hlergunst"},"content":{"rendered":"<p>Die hohen Energiekosten aufgrund der geopolitischen Kriege in der Ukraine und im Iran schr&auml;nken das Leben der weniger betuchten Deutschen ein. Im rechten W&auml;hlerspektrum lassen sich damit die Abwanderung von den Unionsparteien und der wachsende Zuspruch f&uuml;r die AfD erkl&auml;ren. Im linken Spektrum ist dieser Trend nicht eindeutig feststellbar. Insbesondere das BSW &ndash; die Partei mit dem h&ouml;chsten Potenzial, die beiden Konflikte zu deeskalieren &ndash; liegt derzeit in Umfragen deutlich unter der F&uuml;nf-Prozent-H&uuml;rde. Von <strong>Karsten Montag<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1212\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-157623-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261015-Auswirkungen-hoher-Energiekosten-auf-Waehlergunst-NDS.mp3?_=1\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261015-Auswirkungen-hoher-Energiekosten-auf-Waehlergunst-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261015-Auswirkungen-hoher-Energiekosten-auf-Waehlergunst-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261015-Auswirkungen-hoher-Energiekosten-auf-Waehlergunst-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=157623-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261015-Auswirkungen-hoher-Energiekosten-auf-Waehlergunst-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"261015-Auswirkungen-hoher-Energiekosten-auf-Waehlergunst-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wenn man sich derzeit fragt, warum am Ende des Geldes immer mehr Monat &uuml;brig bleibt, braucht man sich lediglich die Entwicklung der Energie- und Verbraucherpreise anzuschauen. F&uuml;r einen Liter Benzin oder Diesel zahlt man heute an Tankstellen in Deutschland rund das Doppelte wie noch vor f&uuml;nf Jahren.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abb-1-preise-fuer-super-e10-und-diesel-in-deutschland.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abb-1-preise-fuer-super-e10-und-diesel-in-deutschland.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div><small>Abbildung 1: Preise f&uuml;r Super E10 und Diesel in Deutschland in Euro je Liter, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.adac.de\/verkehr\/tanken-kraftstoff-antrieb\/deutschland\/kraftstoffpreisentwicklung\/\">ADAC<\/a><\/small><\/div><p>Insbesondere an der Entwicklung der Treibstoffpreise kann man deutlich den Zusammenhang mit den beiden aktuell bedeutenden geopolitischen Ereignissen erkennen. Die Preise f&uuml;r Benzin und Diesel schossen exakt im Februar 2022 mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine in die H&ouml;he. Das Gleiche gilt f&uuml;r die derzeitigen Preissteigerungen, die genau mit dem Beginn des Krieges gegen den Iran und der Sperrung der Stra&szlig;e von Hormus zusammenfallen.<\/p><p>Eine &auml;hnliche Entwicklung findet man auch bei den Gaspreisen. Eine Kilowattstunde Gas f&uuml;r einen durchschnittlichen Haushalt kostet heute das Doppelte wie noch vor f&uuml;nf Jahren. Auch beim Gas ist der Zusammenhang zwischen dem Kriegsbeginn in der Ukraine und der Preissteigerung eindeutig.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abb-2-gaspreis-fuer-deutsche-haushalte-mit-einem-verbrauch-von-20000-kwh-pro-jahr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abb-2-gaspreis-fuer-deutsche-haushalte-mit-einem-verbrauch-von-20000-kwh-pro-jahr.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 2: Gaspreis f&uuml;r deutsche Haushalte mit einem Verbrauch von 20.000 kWh pro Jahr in Euro je Kilowattstunde, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/databrowser\/view\/nrg_pc_202__custom_22913031\/default\/table\">Eurostat<\/a><\/small><\/p><p>Anders als bei den Treibstoffpreisen ist aktuell beim Gas noch keine Anhebung der Verbraucherpreise aufgrund des Konfliktes im Nahen Osten zu erkennen. Das liegt jedoch daran, dass zwischen Beschaffungspreis und dem Preis f&uuml;r Endkunden mehrere zeitliche und vertragliche Puffer liegen. Der Anstieg des Beschaffungspreises seit M&auml;rz 2026 am wichtigsten Referenzmarkt f&uuml;r europ&auml;isches Erdgas, dem virtuellen Handelspunkt im niederl&auml;ndischen Gasnetz, l&auml;sst jedoch auf lange Sicht nichts Gutes f&uuml;r die Entwicklung des Endkundenpreises erahnen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abb-3-referenzpreis-fuer-erdgas-am-virtuellen-marktplatz-niederlande-ttf.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abb-3-referenzpreis-fuer-erdgas-am-virtuellen-marktplatz-niederlande-ttf.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 3: Referenzpreis f&uuml;r Erdgas am virtuellen Marktplatz Niederlande (TTF) in Euro je Megawattstunde, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.investing.com\/commodities\/ice-dutch-ttf-gas-c1-futures-historical-data\">Investing<\/a><\/small><\/p><p>Schlussendlich l&auml;sst sich eine deutliche Steigerung des Strompreises in Deutschland feststellen. Der Anteil des Beschaffungspreises lag 2022 und 2023 rund dreimal so hoch und 2026 noch immer rund doppelt so hoch wie Mitte der 2010er-Jahre. Der Grund daf&uuml;r ist die Abh&auml;ngigkeit der Stromerzeugung in Deutschland vom Gas sowie das <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107396\">Merit-Order-Prinzip<\/a> bei der Strompreisbildung. Der Anteil an Erdgas an der Stromerzeugung lag <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2026\/09\/PD26_317_43312.html\">im ersten Halbjahr 2026 bei 16,5 Prozent<\/a>.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abb-4-strompreise-fuer-endkunden-in-deutschland.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abb-4-strompreise-fuer-endkunden-in-deutschland.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 4: Strompreise f&uuml;r Endkunden in Deutschland in Cent je Kilowattstunde, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.bdew.de\/service\/daten-und-grafiken\/bdew-strompreisanalyse\/\">Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft<\/a><\/small><\/p><p>Dass der gesamte Endkundenpreis derzeit nicht noch h&ouml;her ausf&auml;llt, liegt haupts&auml;chlich an der Abschaffung der EEG-Umlage im Jahr 2022. Seitdem wird der Ausbau der erneuerbaren Energien &uuml;ber den Klima- und Transformationsfonds des Bundes finanziert, in den auch Erl&ouml;se der CO&#8322;-Bepreisung flie&szlig;en. Einfach ausgedr&uuml;ckt bedeutet dies, dass der Strompreis politisch motiviert auf Kosten h&ouml;herer Treibstoff- und Gaspreise k&uuml;nstlich niedrig gehalten wird. Besonders betroffen sind Hausbesitzer, die sich keine neue W&auml;rmepumpenheizung leisten k&ouml;nnen, sowie Mieter, deren Hausbesitzer nicht auf eine derartige Heizung umstellen wollen.<\/p><p><strong>H&ouml;here Energiekosten bedeuten h&ouml;here Inflation und geringeres Wirtschaftswachstum<\/strong><\/p><p>Die Energiepreise haben einen erheblichen Einfluss auf die Verbraucherpreise und die Wirtschaft. W&auml;hrend seit 2000 bis einschlie&szlig;lich 2021 in der Eurozone eine gewisse Parallelit&auml;t zwischen Inflation und Wirtschaftswachstum festzustellen ist, kann man exakt mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine eine deutliche Abweichung erkennen. Die Verbraucherpreise ziehen seitdem ungew&ouml;hnlich stark an, und das Wirtschaftswachstum hat sich verlangsamt. Eine <a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/projections\/html\/ecb.projections202609_ecbstaff~8e340fc69d.mt.html\">Prognose der Europ&auml;ischen Zentralbank (EZB)<\/a> best&auml;tigt diesen Trend in den kommenden Jahren f&uuml;r das Szenario, dass der Energiepreisschock aufgrund der Sperrung der Stra&szlig;e von Hormus l&auml;nger anh&auml;lt.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abb-5-harmonisierter-verbraucherpreisindex-und-index-des-realen-bip-in-der-eurozone.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abb-5-harmonisierter-verbraucherpreisindex-und-index-des-realen-bip-in-der-eurozone.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 5: Harmonisierter Verbraucherpreisindex und Index des realen BIP in der Eurozone inklusive Energiepreisschock-Szenario der EZB, 2020=100, Datenquellen: historischer Verbraucherpreisindex: <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/databrowser\/view\/prc_hicp_ainr__custom_22916483\/default\/table\">Eurostat<\/a>, historischer Index BIP: <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/databrowser\/view\/nama_10_gdp__custom_22916923\/default\/table\">Eurostat<\/a>, Prognosen: <a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/projections\/html\/ecb.projections202609_ecbstaff~8e340fc69d.mt.html\">Europ&auml;ische Zentralbank<\/a><\/small><\/p><p>Ein &uuml;berm&auml;&szlig;iges Ansteigen der Inflation bei vergleichsweise magerem Wirtschaftswachstum bedeutet: Die h&ouml;heren Preise k&ouml;nnen nicht durch h&ouml;here L&ouml;hne kompensiert werden. Das hei&szlig;t, die Menschen werden &auml;rmer &ndash; und zwar sp&uuml;rbar. Besonders hart trifft es diejenigen, deren Einkommen bereits zuvor nur so gerade zur Deckung der laufenden Kosten gereicht hat. Dar&uuml;ber d&uuml;rften auch die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/konjunktur\/inflation-verbraucherpreise-deutschland-100.html\">Verharmlosungen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.zdfheute.de\/wirtschaft\/ifo-konjunktur-prognose-wirtschaft-100.html\">Relativierungen<\/a> von <em>ARD<\/em> und <em>ZDF<\/em> nicht hinwegt&auml;uschen.<\/p><p>Der Zusammenhang zwischen der deutschen Au&szlig;enpolitik &ndash; Sanktionen gegen Russland, Unterst&uuml;tzung der Ukraine, der USA und Israels &ndash; und deren gravierenden wirtschaftlichen Folgen f&uuml;r fast alle Bundesb&uuml;rger ist so auff&auml;llig, dass er nicht zu &uuml;bersehen ist. Einmalige Aktionen wie Tankrabatts oder Heizkostenzusch&uuml;sse verpuffen wie der sprichw&ouml;rtliche Tropfen auf dem hei&szlig;en Stein &ndash; zumal es sich dabei lediglich um kurzfristige Haushaltsverschiebungen handelt, die letztendlich sowieso von den Steuerzahlern refinanziert werden. Wer die wirtschaftliche Situation der deutschen Unternehmen und B&uuml;rger verbessern will, muss sich also daf&uuml;r einsetzen, die beiden geopolitischen Konflikte in der Ukraine und im Iran zu deeskalieren sowie die Energielieferungen aus Russland wieder aufzunehmen.<\/p><p><strong>Die Positionen der deutschen Parteien zu dem Konflikt in der Ukraine und zu Russland<\/strong><\/p><p>Regierung und Teile der inner- und au&szlig;erparlamentarischen Opposition sind sich hinsichtlich der Sanktionen gegen Russland und der Unterst&uuml;tzung der Ukraine gr&ouml;&szlig;tenteils einig. Sowohl CDU, CSU, SPD, Gr&uuml;ne und FDP bef&uuml;rworten die Sanktionen gegen Russland und wollen diese sogar noch ausweiten. Die Linke lehnt Sanktionen zulasten der allgemeinen Bev&ouml;lkerung in Russland ab, bef&uuml;rwortet jedoch gezielte Sanktionen gegen die russische Regierung und den milit&auml;risch-industriellen Komplex des Landes. Dem gegen&uuml;ber stehen die Positionen der AfD und des BSW, die eine Beendigung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und eine Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, insbesondere im Energiebereich, fordern.<\/p><p>Was die Unterst&uuml;tzung der Ukraine mit Waffen und finanziellen Mitteln angeht, setzt sich der Riss durch die politische Landschaft fort &ndash; mit einer weiteren Zwitterstellung der Linken. CDU, CSU, SPD, Gr&uuml;ne und FDP bef&uuml;rworten die milit&auml;rische und finanzielle Unterst&uuml;tzung der Ukraine &ndash; bis hin zum Ausbau der Langstreckenf&auml;higkeit des Landes und zur Lieferung von Marschflugk&ouml;rpern. Lediglich die SPD will der Ukraine keine Taurus-Marschflugk&ouml;rper aus Bundeswehrbest&auml;nden zur Verf&uuml;gung stellen, unterst&uuml;tzt aber die gemeinsame Entwicklung und Produktion von Drohnen mit gro&szlig;er Reichweite. Die Linke lehnt Waffenlieferungen in Kriegs- und Krisengebiete ab. Zugleich verurteilt sie Russlands v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg, erkennt das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine an und bef&uuml;rwortet die finanzielle Unterst&uuml;tzung des Landes. Auch in diesem Punkt sind die Positionen von AfD und BSW eindeutig kontr&auml;r zu denen der &uuml;brigen Parteien. Beide Parteien lehnen Waffenlieferungen in Krisengebiete grunds&auml;tzlich ab und fordern die Beendigung der finanziellen Unterst&uuml;tzung der Ukraine sowie direkte Friedensverhandlungen unter Einbeziehung Russlands.<\/p><p>Statt innen- und au&szlig;enpolitisch die Gefahr einer direkten Konfrontation mit Russland zu minimieren, provozieren CDU, CSU, SPD, Gr&uuml;ne und FDP diese regelrecht. Sie betrachten angebliche russische Cyberangriffe und Sabotageaktionen &ndash; trotz Mangels an &ouml;ffentlich nachvollziehbaren Belegen &ndash; als konkrete Sicherheitsbedrohung und sehen Deutschland als Ziel hybrider Kriegsf&uuml;hrung. Zudem bewerten sie Russlands Angriff auf die Ukraine als imperialen Krieg und sehen darin eine Gefahr f&uuml;r die europ&auml;ische Friedensordnung. Trotz wiederholter Dementis aus dem Kreml gehen diese Parteien davon aus, dass Russland bereits vor Ende des Jahrzehnts weitere europ&auml;ische Staaten angreifen wird. Mit diesem Narrativ, das selbst von prominenten westlichen geopolitischen Analysten wie Jeffrey Sachs, John Mearsheimer, Larry Johnson, Glenn Diesen, Alexander Mercouris, Douglas Macgregor oder Lawrence Wilkerson heftig bestritten wird, rechtfertigen diese Parteien eine beispiellose schuldenfinanzierte Aufr&uuml;stung Deutschlands auf Kosten von Sozialleistungen und zuk&uuml;nftiger Generationen.<\/p><p>Auch die AfD will die Bundeswehr st&auml;rken, die deutsche R&uuml;stungsindustrie ausbauen und fordert sogar die Wiedereinf&uuml;hrung der Wehrpflicht. Allerdings lehnt die Partei die Finanzierung der Aufr&uuml;stung &uuml;ber neue Schulden oder die Aufweichung der Schuldenbremse strikt ab. Zudem schreibt die AfD hybride Bedrohungen und Cyberangriffe nicht ausschlie&szlig;lich Russland zu und sieht das Land nicht als strategischen Gegner.<\/p><p>Sowohl die Linke als auch das BSW widersprechen der politischen Schlussfolgerung, die aus den angeblichen hybriden Bedrohungen und dem Krieg in der Ukraine eine umfassende Aufr&uuml;stung und weitere milit&auml;rische Konfrontationen ableitet. Beide Parteien fordern eine Abr&uuml;stung Deutschlands und setzen sich lediglich f&uuml;r eine verteidigungsorientierte Bundeswehr ein.<\/p><p><strong>Die Positionen der deutschen Parteien zu dem Konflikt im Nahen Osten<\/strong><\/p><p>Hinsichtlich des Krieges im Nahen Osten und der Unterst&uuml;tzung Israels zeichnen sich andere Konstellationen in der deutschen Politiklandschaft ab als bei dem Krieg in der Ukraine. CDU, CSU, Gr&uuml;ne und FDP verurteilen die iranische F&uuml;hrung und sehen diese als Ursache f&uuml;r die regionale Instabilit&auml;t. Gezielte Schl&auml;ge gegen iranische Milit&auml;rinfrastruktur und Kommandostrukturen werden als nachvollziehbare Reaktion auf eine konkrete Bedrohung beschrieben. Die AfD verurteilt die iranische F&uuml;hrung zwar und bezieht keine eindeutige Stellung zur V&ouml;lkerrechtswidrigkeit der Angriffe, zeigt sich jedoch skeptisch gegen&uuml;ber milit&auml;rischen Interventionen zum Sturz von Regierungen und warnt vor den Folgen eines Regimewechsels von au&szlig;en. Die Gr&uuml;nen kritisieren die Nichteinhaltung des V&ouml;lkerrechts durch die USA und Israel, betonen aber gleichzeitig das Existenzrecht Israels und bef&uuml;rworten Waffenlieferungen an das Land.<\/p><p>Im Gegensatz zu Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der im Juni 2025 mit <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=yHr3q9lAdFM&amp;t=130s\">seiner Aussage<\/a>, Israel mache im Iran die &bdquo;Drecksarbeit&ldquo; f&uuml;r &bdquo;uns alle&ldquo;, das V&ouml;lkerrecht mit F&uuml;&szlig;en getreten hat, warf die SPD-Bundestagsfraktion den USA und Israel im M&auml;rz 2026 <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/iran-krieg-spd-fraktion-spricht-von-volkerrechtsbruch-im-iran-15311796.html\">V&ouml;lkerrechtsbruch vor<\/a>. Dieser deutliche Gegensatz zwischen den Regierungsparteien hindert die SPD jedoch nicht daran, auf Bundesebene weiterhin mit der Union in einer Koalition zu bleiben und Waffenlieferungen nach Israel zuzustimmen.<\/p><p>Die Linke und das BSW verurteilen den US-israelischen Krieg gegen den Iran als v&ouml;lkerrechtswidrig und lehnen einen von au&szlig;en herbeigef&uuml;hrten Regimewechsel ab. Sie fordern ein Ende der Waffenlieferungen an Israel und eine Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran. Zugleich verurteilen beide Parteien die iranische Diktatur und deren Repressionen gegen die eigene Bev&ouml;lkerung.<\/p><p><strong>Auswirkungen der Positionen der Parteien auf aktuelle Umfragewerte<\/strong><\/p><p>Im rechten W&auml;hlerspektrum ist eine deutliche Abwanderung von der Union hin zur AfD zu erkennen. Aus einer <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/deutschlandtrend\/deutschlandtrend-september-100.html\">aktuellen Umfrage<\/a> geht hervor, dass zwei Drittel der AfD-Anh&auml;nger Deutschlands Sicherheit durch Russland wenig beziehungsweise gar nicht bedroht sehen. <a href=\"https:\/\/media.rtl.com\/meldung\/RTL-ntv-Trendbarometer-00550\/\">Eine weitere Umfrage<\/a> zeigt, dass ehemalige W&auml;hler von CDU und CSU ihre Abwanderung haupts&auml;chlich damit begr&uuml;nden, dass die Union sich zu wenig um die Alltagssorgen der Menschen k&uuml;mmert und ihr Wahlversprechen der Einhaltung der Schuldenbremse gebrochen hat. Die Konsequenzen der Politik der Union werden insbesondere bei aktuellen Umfragewerten zur Bundestagswahl deutlich.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abb-6-umfrage-bundestagswahl.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abb-6-umfrage-bundestagswahl.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 6: Umfrage Bundestagswahl, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.wahlrecht.de\/umfragen\/\">Sonntagsfrage Bundestagswahl<\/a><\/small><\/p><p>Allerdings haben in einer <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/deutschlandtrend\/grafiken\/deutschlandtrend-pdf-208.pdf\">Umfrage aus dem M&auml;rz<\/a> 40 Prozent der AfD-Anh&auml;nger den US-israelischen Angriff auf den Iran f&uuml;r gerechtfertigt gehalten. Das war der h&ouml;chste Wert unter den abgefragten Parteianh&auml;ngern. Der hohe Wert l&auml;sst sich vermutlich mit der islamkritischen Haltung der Partei und eines Gro&szlig;teils ihrer W&auml;hler erkl&auml;ren. Darauf deutet unter anderem eine <a href=\"https:\/\/afdbundestag.de\/nach-teheran-schlag-braucht-es-eine-realistische-politik-im-deutschen-interesse\/\">Stellungnahme<\/a> des au&szlig;enpolitischen Sprechers der AfD-Bundestagsfraktion, Markus Frohnmaier, vom M&auml;rz hin. Darin wirft er der iranischen F&uuml;hrung vor, Terrorstrukturen aufgebaut und finanziert, Stellvertreterkriege angeheizt und damit Konflikte befeuert zu haben. Dies w&uuml;rde durch &bdquo;islamistische Netzwerke und Finanzstr&ouml;me, Sicherheitsrisiken und Migrationsbewegungen&ldquo; bis nach Deutschland wirken. Diese Haltung schr&auml;nkt das Potenzial der AfD ein, dem Konflikt im Nahen Osten entgegenzuwirken.<\/p><p>Im vermeintlich linken W&auml;hlerspektrum ist auf den ersten Blick keine Abwanderung aufgrund der Folgen der geopolitisch motivierten Kriege in der Ukraine und im Iran festzustellen &ndash; im Gegenteil. Ausgerechnet das BSW, die Partei mit dem gr&ouml;&szlig;ten Potenzial, die beiden Konflikte zu deeskalieren, verliert an W&auml;hlergunst. Stattdessen k&ouml;nnen die Linke und ausgerechnet die Gr&uuml;nen &ndash; die Partei, die &auml;hnlich wie die Union am wenigsten zur Deeskalation in den beiden umk&auml;mpften Regionen beitr&auml;gt &ndash; einen h&ouml;heren Zuspruch verzeichnen. Dieses Ph&auml;nomen ist erkl&auml;rungsbed&uuml;rftig.<\/p><p>Aus <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/fileadmin\/user_upload\/Studien\/Report\/PDF\/2024\/IW-Report_2024-Verteilungsreport-2024.pdf\">einem Report<\/a> des Instituts der deutschen Wirtschaft vom Dezember 2024 geht hervor, dass die Anh&auml;nger der Gr&uuml;nen sich am wenigsten Sorgen um ihre eigene wirtschaftliche Situation machen (siehe Abbildung 5-4, Seite 23). Aus derselben Abbildung geht hervor, dass sich AfD-Anh&auml;nger im Vergleich zu den anderen Parteien die gr&ouml;&szlig;ten Sorgen machen. Der Gro&szlig;teil der Gr&uuml;nen-Anh&auml;nger kann also h&ouml;here Energiepreise deutlich eher verkraften als die Anh&auml;nger aller anderen Parteien &ndash; insbesondere der AfD. Das liefert eine Erkl&auml;rung daf&uuml;r, warum Gr&uuml;nen-Anh&auml;nger nicht zum BSW abwandern, sondern m&ouml;glicherweise eher noch Zulauf von gut betuchten W&auml;hlern anderer Parteien erhalten.<\/p><p>Die Linke hat insbesondere bei jungen W&auml;hlern sowie im Westen Deutschlands &ndash; unter anderem aufgrund einer professionellen Social-Media-Kampagne &ndash; <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/parteien\/parteien-in-deutschland\/die-linke\/42138\/wahlergebnisse-und-waehlerschaft-der-linken\/\">deutlich zugelegt<\/a>. Das BSW leidet hingegen unter innerparteilichen Konflikten &ndash; insbesondere im Osten Deutschlands. Das k&ouml;nnte eine Abwanderung der W&auml;hlerschaft zur AfD beg&uuml;nstigen. Hinzu kommt das mediale Framing, russlandfreundliche Politik stehe generell mit &bdquo;rechtsextremen&ldquo; Positionen in Verbindung.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Die insbesondere f&uuml;r die weniger betuchten Bev&ouml;lkerungsschichten negativen Folgen der russland- und iranfeindlichen Politik der Bundesregierung haben im rechten W&auml;hlerspektrum augenscheinlich gro&szlig;en Einfluss auf den Zuspruch zur AfD und den erheblichen Verlust an Vertrauen in die Unionsparteien. Im linken W&auml;hlerspektrum ist dieser Trend nicht so eindeutig festzustellen. Die SPD hat nicht mit derart gro&szlig;en Verlusten zu k&auml;mpfen wie CDU und CSU, liegt aber mit ihren derzeitigen Umfragewerten unter dem Ergebnis der letzten Bundestagswahl, das sowieso schon das niedrigste in der bundesrepublikanischen Geschichte der SPD darstellt.<\/p><p>Der Zuspruch der Linken d&uuml;rfte hingegen mit der grunds&auml;tzlich friedensorientierten Position der Partei sowie mit der Hoffnung zusammenh&auml;ngen, dass eine st&auml;rkere Belastung von Gutverdienern und Verm&ouml;genden die hohen Energiekosten f&uuml;r sozial Schw&auml;chere kompensieren k&ouml;nnten. Das BSW, das im Grunde am ehesten in den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten deeskalierend wirken k&ouml;nnte, hat mit innerparteilichen Konflikten und der inhaltlichen N&auml;he mit der AfD in einigen Positionen zu k&auml;mpfen.<\/p><p><small>Titelbild: TANYARICO \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/47f6313e080c4a6ab90757d981c92fe0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die hohen Energiekosten aufgrund der geopolitischen Kriege in der Ukraine und im Iran schr&auml;nken das Leben der weniger betuchten Deutschen ein. Im rechten W&auml;hlerspektrum lassen sich damit die Abwanderung von den Unionsparteien und der wachsende Zuspruch f&uuml;r die AfD erkl&auml;ren. Im linken Spektrum ist dieser Trend nicht eindeutig feststellbar. 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