{"id":157633,"date":"2026-10-17T14:00:14","date_gmt":"2026-10-17T12:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157633"},"modified":"2026-10-15T20:08:19","modified_gmt":"2026-10-15T18:08:19","slug":"deutschland-wird-grossschadensfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157633","title":{"rendered":"Deutschland wird Gro\u00dfschadensfall"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die R&uuml;stungsindustrie boomt, ein Ministerpr&auml;sident jubelt, der VW-Chef will mit Entlassungen um Milliarden besser werden, eine Denkfabrik fordert Strammstehen.<\/strong> Es ist ja nicht so, dass die B&uuml;rger nicht protestieren, nicht laut Nein zum Wahnsinn sagen, unser Land durch die Eliten und ihrem Gefolge vor die Wand zu fahren. Doch je mehr Gegenwehr durch das Volk aufkommt, junge Menschen sich f&uuml;r die Verweigerung des Wehrdienstes aussprechen, Demonstrationen f&uuml;r Frieden und soziale Gerechtigkeit zahlreicher und kraftvoller werden, desto mehr scheinen die reaktion&auml;ren Kr&auml;fte ihre (erfolgreichen wie sinnlosen) Anstrengungen zu verst&auml;rken, aus Deutschland eine waffenstarrende, militarisierte Republik zu machen, bei der die einfachen Menschen alle Kosten tragen und der Profit aus sinnentleerter Wertsch&ouml;pfung in den Taschen der Kriegstreiber, Hetzer und Eigent&uuml;mer der Waffenschmieden landet. Stichworte aus Deutschland lassen normale B&uuml;rger verzweifeln: Marschflugk&ouml;rper aus Leipzig, Ministerpr&auml;sident findet R&uuml;stungsindustrie Klasse, VW-Chef will Entlassungen f&uuml;r mehr Profit. Und da sind die Planspiele aus einer uns&auml;glichen Denkfabrik &hellip; Deutschland wird zum Gro&szlig;schadensfall. Ein Zwischenruf von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Michael Kretschmer &bdquo;betonte&ldquo; &hellip;<\/strong><\/p><p>Da wird nahe der Stadt des Friedens, Leipzig, von der US-Firma Covenant eine Waffenfabrik er&ouml;ffnet &ndash; eine, in der k&uuml;nftig j&auml;hrlich bis zu 1.000 Marschflugk&ouml;rper produziert werden. Bis kurz vor der Einweihung blieb der Coup, typisch coole USA, geheim. Das einfache Volk solle sich keine Sorgen machen, die Medien auch nicht und so. Der s&auml;chsische Ministerpr&auml;sident Michael Kretschmer d&uuml;ste dann, als es so weit war mit dem zukunftsweisenden Produktionsbeginn, aus Dresden heran und &bdquo;betonte&ldquo;: Die R&uuml;stungsindustrie sei f&uuml;r Sachsen (und nat&uuml;rlich auch f&uuml;r Deutschland) wichtig. Frage: Was sind das f&uuml;r K&ouml;rper, die im Marschflug eingesetzt werden? Das w&uuml;rde der brave B&uuml;rger schon wissen wollen, dachte ich, wenn es um seine Sicherheit geht, die ihm von der Regierung und den R&uuml;stungsindustriellen versprochen wird. 1. Mit diesen Waffen werde die Verteidigungsf&auml;higkeit erh&ouml;ht. 2. In f&uuml;hrenden Medien, so bei der <em>Zeit<\/em>, erfahre ich, dass die Dinger zum Waffensystem Anthem geh&ouml;ren. Dieser Marschflugk&ouml;rper k&ouml;nne einen 200 Kilogramm schweren Gefechtskopf tragen und werde als Waffe f&uuml;r Pr&auml;zisionsschl&auml;ge tief im gegnerischen Gebiet genutzt. Nicht von Leipzig aus, nein, sondern vom &bdquo;Kunden&ldquo;, hei&szlig;t es aus der Firmenzentrale. Kunden k&ouml;nnten zum Beispiel die Bundeswehr sein, also die, die das Ganze bezahlen &hellip;<\/p><p>Damit ich als braver B&uuml;rger auch ein wenig politische Bildung mitnehme, las ich in der <em>Zeit<\/em> von Herrn Kretschmer noch <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-10\/covenant-leipzig-marschflugkoerper-anthem-ruestung-gxe\">die ideelle, philosophische Ausrichtung des Ganzen<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n<em>Sachsens Ministerpr&auml;sident Michael Kretschmer begr&uuml;&szlig;te die Ansiedlung des Unternehmens. &bdquo;Wir sind in einer Zeit, in der wir uns sicher aufstellen m&uuml;ssen. Freiheit, Demokratie, Wohlstand geht nicht ohne Sicherheit. Und die beste Sicherheit ist immer noch die Abschreckung&ldquo;, sagte er. Daher sei es gut, in diesem Bereich aktiv zu sein.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Besser werden durch das Feuern derer, die die Werte schaffen<\/strong><\/p><p>Ich bin f&uuml;r einen Moment beinah wie Kretsche (Kretschmer) begeistert, aber nur kurz. Dann komme ich wieder in die Niederungen der zivilen Produktion bzw. zur Denke elit&auml;rer Wirtschaftskapit&auml;ne, die den profanen Arbeiter allenfalls als Kostenfaktor betrachten. So vernahm ich von Volkswagen-Chef Oliver Blume den Satz: &bdquo;Wir m&uuml;ssen elf Milliarden Euro besser werden.&ldquo; Besser werden durch Geld? Ach so, der gute Mann will elf Milliarden weniger &bdquo;ausgeben&ldquo; &ndash; weniger vor allem f&uuml;r das Personal. Blume wurde auch gleich hart und konkret: K&uuml;ndigung der Tarifvertr&auml;ge mit den gut bezahlten Arbeitern, denen, die die Autos herstellen! Die frei gewordenen Euro landen woanders: Profit und so.<\/p><p>Ein Irrsinn der Gier. Man bedenke: VW ist immer noch erfolgreich, sch&uuml;ttet an die Eigent&uuml;mer massiv Rendite aus, gilt in China (!) derzeit als Marktf&uuml;hrer mit 13 Prozent auf dem Automarkt. VW ist nicht nur VW, Skoda, Audi, Porsche und Lamborghini. Gut, hierzulande l&auml;uft es gerade nicht so, scheint es. Was Wunder, Volkswagen baut keine Wagen f&uuml;r das Volk. Bei Porsche und mit Lambos l&auml;sst sich richtig Schotter verdienen, so das Kalk&uuml;l der nimmersatten &Ouml;konomen. Doch die Frage bleibt, Herr Blume: Wo ist der Polo, der kleine VW, ein Kombi, ein Bully f&uuml;r die Familie &ndash; und die alle finanzierbar auch f&uuml;r den nicht ganz so gro&szlig;en Geldbeutel? Arbeitslose Leute k&ouml;nnen zudem auch keine Autos kaufen. Herrn Blume und seinesgleichen ficht das nicht an, ganz andere Strategien treiben diese Leute. Money, Money, Money. Monopoly mit Autos und, man staunt, Finanzdienstleistungen. In Sachen R&uuml;stungsindustrie sind die Profis aus Wolfsburg sicher auch gut informiert, was Renditem&ouml;glichkeiten angeht. So eine Transformation von VW zum Panzer w&auml;re sehr viel eintr&auml;glicher und diente unser aller Sicherheit durch Abschreckung.<\/p><p><strong>Bei solchen Denkfabriken braucht es keine Feinde mehr<\/strong><\/p><p>Ich fasse zun&auml;chst f&uuml;r mich zusammen: Vor den St&auml;dten unseres Landes schicke R&uuml;stungsindustrien (sch&ouml;n diskret und geheim) aufzubauen, macht unser Land sicherer. Bei VW (und bei vielen anderen Firmen) richtig Kohle zu sparen, indem die Arbeiter gefeuert werden, macht den Konzern besser. Und &ndash; aller guten Dinge sind 3 &ndash; ich finde zu 3. bei der zentralen milit&auml;rpolitischen Denkfabrik der Bundesregierung eine wichtige Forderung an die Verantwortlichen und die Menschen im Land:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;&hellip; engere Einbindung der rund 11.000 deutschen Kommunen in die Vorbereitungen auf den &bdquo;Spannungs- oder Verteidigungsfall&ldquo;, also einen m&ouml;glichen Krieg. Obwohl die Kommunen bei der Bew&auml;ltigung eines Gro&szlig;schadensfalles das &bdquo;operative Fundament in der Fl&auml;che&ldquo; seien, gebe es dort &bdquo;wenig &Uuml;bungsroutinen&ldquo;, kritisiert eine aktuelle Analyse aus der Bundesakademie f&uuml;r Sicherheitspolitik (BAKS).<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Also einen m&ouml;glichen Krieg? Deutschlands Kommunen, unsere St&auml;dte und D&ouml;rfer w&uuml;rden dann, so die &bdquo;Denker&ldquo; in zynischem Deutsch formulierend, &bdquo;operatives Fundament in der Fl&auml;che&ldquo;. Die Marschflugk&ouml;rper sind dann losgeflogen (aber wohin?), eine Antwort wird nicht auf sich warten lassen, und der Gro&szlig;schadensfall (so ein Wort muss man sich erstmal als Ersatz f&uuml;r Krieg einfallen lassen) ist eingetreten. Dann jedoch br&auml;uchte der brave B&uuml;rger keinen familienfreundlichen VW mehr &ndash; und &Uuml;bungsroutine auch nicht. Wozu soll das Ganze gut sein, was sich die Bundesakademie in Potsdam so ersonnen hat?:<\/p><blockquote><p>\n<em>Im Kriegsfall h&auml;tten die Kommunen etwa f&uuml;r die &bdquo;Wiederaufnahme der Versorgung&ldquo; der Bev&ouml;lkerung und die &bdquo;Stabilisierung der sozialen Ordnung&ldquo; zu sorgen. Die Schulen seien &bdquo;mehr als Bildungsorte&ldquo;; sie dienten auch als &bdquo;potenzielle Notunterk&uuml;nfte und Notfalltreffpunkte&ldquo;, weshalb nun sogleich die &bdquo;Inventur der Schulstandorte&ldquo; vorzunehmen sei. Den &bdquo;Pakt f&uuml;r den Bev&ouml;lkerungsschutz&ldquo;, den die Bundesregierung im Mai verabschiedet hatte, h&auml;lt die BAKS-Analyse f&uuml;r nicht zureichend. Das Papier sieht unter anderem die Beschaffung neuer &bdquo;Spezialfahrzeuge&ldquo; zum &bdquo;Transport Schwerverletzter&ldquo; vor und k&uuml;ndigt an, Berlin werde &bdquo;zehntausende moderne Schutzanz&uuml;ge&ldquo; zum Schutz &bdquo;gegen chemische, biologische und radiologische Gefahren&ldquo; kaufen &ndash; zur potenziellen Nutzung im Inland. <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die S&auml;tze sind wie im Rausch geschrieben. Schulen fallen im Zusammenhang mit Notfalltreffpunkt. Das sind viele Geb&auml;ude und Strukturen doch jetzt schon dank K&uuml;rzung und Kurzsichtigkeit, oder?<\/p><p>Und da ist das Unbehagen der Planspiel-Akademiker mit Blick auf das Schachbrett Deutschland, auf die Figuren, die Menschen, bei denen massive L&uuml;cken erkennbar sein sollen:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Aktuell&ldquo; bestehe allerdings &bdquo;eine markante L&uuml;cke zwischen dieser Aufgabe einerseits und der realen Leistungsf&auml;higkeit andererseits&ldquo;. So gebe es &bdquo;wenig &Uuml;bungsroutinen&ldquo;; auch entwickle sich &bdquo;das Bewusstsein f&uuml;r die Dringlichkeit&ldquo; besserer Vorbereitung auf etwaige Schadensf&auml;lle &bdquo;nur langsam&ldquo;. In der Praxis stehe &bdquo;die personelle, organisatorische und kommunikative Vorsorge&ldquo; immer noch &bdquo;in Konkurrenz zu anderen Aufgaben&ldquo; im Alltag der rund 11.000 Kommunen in der Bundesrepublik.<\/em><br>\n(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/news\/detail\/10571\">GFP<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.bbk.bund.de\/DE\/Home\/home_node.html\">BBK<\/a>)\n<\/p><\/blockquote><p>Derlei Amtsdeutsch &uuml;bersetze ich f&uuml;r mich: Der brave B&uuml;rger will keinen Krieg, noch nicht, er muss ein wenig weich geklopft werden. Ihm muss eingetrichtert werden, dass er seinen Keller ausbaut, Vorr&auml;te anschafft, jeden Mittwoch die kommunale Alarmsirene freudig und beruhigt abh&ouml;rt, den Sohnemann brieft, dass Bundeswehr doch eine feine Sache ist. An seinem Arbeitsplatz, der somit wie einst wieder zum Kampfplatz f&uuml;r den Frieden bzw. f&uuml;r den Gro&szlig;schadensfall wird, stellt er schon mal ein Feldbett bereit. Und dann muss das mit der Konkurrenz der Aufgaben im Alltag besprochen werden. Die 11.000 Kommunen sollen engagiert sondieren, was alles weg kann und was st&ouml;rt auf dem Weg zu allseitiger Bereitschaft, Gefechtst&uuml;chtigkeit, Wachsamkeit, Abschreckungsf&auml;higkeit.<\/p><p>Ach, liebe Leute, der Gro&szlig;schadensfall &hellip;<\/p><p><small>Titelbild: ChatGPT, mit k&uuml;nstlicher Intelligenz erstellt<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Die R&uuml;stungsindustrie boomt, ein Ministerpr&auml;sident jubelt, der VW-Chef will mit Entlassungen um Milliarden besser werden, eine Denkfabrik fordert Strammstehen.<\/strong> Es ist ja nicht so, dass die B&uuml;rger nicht protestieren, nicht laut Nein zum Wahnsinn sagen, unser Land durch die Eliten und ihrem Gefolge vor die Wand zu fahren. 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