{"id":157921,"date":"2026-10-23T09:00:05","date_gmt":"2026-10-23T07:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157921"},"modified":"2026-10-23T09:07:46","modified_gmt":"2026-10-23T07:07:46","slug":"us-sondergesandter-steve-witkoff-in-oslo-und-sankt-petersburg-wer-profitiert-vom-krieg-und-wer-will-ihn-beenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157921","title":{"rendered":"US-Sondergesandter Steve Witkoff in Oslo und Sankt Petersburg: Wer profitiert vom Krieg und wer will ihn beenden?"},"content":{"rendered":"<p>Mit seiner Reise nach Oslo und Sankt Petersburg leitet der US-Sondergesandte Steve Witkoff die n&auml;chste Verhandlungsrunde zur Beilegung des Ukraine-Konflikts ein. Dabei verlaufen die Frontlinien wie schon bei den letzten Vermittlungsbem&uuml;hungen. Au&szlig;erhalb Europas gibt es aufrichtiges Interesse, den Konflikt zu beenden. Die Westeurop&auml;er setzen allerdings auf eine Verl&auml;ngerung des Kriegs. Vor allem Deutschland steckt in der R&uuml;stungsfalle. Friedrich Merz hat das Wirtschaftswachstum in Deutschland an die Fortsetzung des Ukraine-Kriegs gekn&uuml;pft. Von <strong>Gert-Ewen Ungar<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEs wird wieder verhandelt. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff war zu Gespr&auml;chen in Oslo und anschlie&szlig;end in St. Petersburg. In Norwegen traf Witkoff auf Vertreter der EU und den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj. Einen Tag sp&auml;ter wurde Witkoff von Russlands Pr&auml;sident Wladimir Putin in Sankt Petersburg empfangen. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner war dieses Mal nicht dabei. Er sei erkrankt, lie&szlig; er mitteilen. Ansonsten verlief das Treffen in Russland bisher wie immer. Der au&szlig;enpolitische Berater des Pr&auml;sidenten Juri Uschakow teilte im Anschluss der Presse mit, das Gespr&auml;ch sei konstruktiv gewesen. Der Ukraine-Konflikt bewege sich auf sein Ende zu.<\/p><p>In Oslo wurde ein neuer Verhandlungsvorschlag ausgearbeitet, der allerdings im Wortlaut nicht &ouml;ffentlich zug&auml;nglich ist. Dem Vernehmen nach werden unter anderem Beistandspflichten nach Artikel 5 des NATO-Vertrags als Sicherheitsgarantien f&uuml;r die Ukraine vorgeschlagen. Sollte das tats&auml;chlich der Fall sein, hat dieser Vorschlag kaum Aussicht auf Umsetzung, denn die Einbindung der Ukraine in westliche Milit&auml;rstrukturen ist zentraler Ausl&ouml;ser des Konflikts. Das wissen alle Beteiligten. Man wird wohl erst sp&auml;ter sehen, was an der Rede von NATO-Beistandspflichten tats&auml;chlich dran ist.<\/p><p>Die USA versprechen zudem die Lockerung der Russland-Sanktionen und Investitionen in die Ukraine als Anreiz. Donald Trump hat bereits zuvor Sanktionen gegen Russland aus nationalem Interesse ausgesetzt. Russland versprach im Gegenzug die sofortige Lieferung von 300.000 Tonnen Diesel. Eine erste Tranche von 40.000 Tonnen ist bereits unterwegs. Die umfassenden neuen Sanktionen auf der Grundlage des nach dem verstorbenen republikanischen Abgeordneten benannten Lindsey-Graham-Gesetzes setzte Trump vor Inkrafttreten aus.<\/p><p>Vorgeschlagen wurde die Wiederaufnahme von direkten Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine unter Vermittlung der USA. Als m&ouml;glicher Verhandlungsort werden die Vereinigten Arabischen Emirate genannt. So weit war man schon einmal. Die Verhandlungen im Februar 2026 scheiterten daran, dass die Ukraine nicht zu Gebietsabtretungen bereit war.<\/p><p>Putin schlug zudem ein direktes Treffen von US-Pr&auml;sident Donald Trump, ihm und Chinas Pr&auml;sident Xi Jinping vor. Es soll im November am Rande des APEC-Gipfels im chinesischen Shenzhen stattfinden.<\/p><p>Inzwischen fand auch ein weiterer Austausch von Gefallenen statt. Der Ukraine wurden in Wei&szlig;russland unweit der Grenze 252 tote Soldaten &uuml;bergeben, Russland erhielt 25 Gefallene zur&uuml;ck. Auch das geh&ouml;rt inzwischen zum Ritual.<\/p><p>Der Ausdruck &bdquo;eine neue Verhandlungsrunde&ldquo; ist f&uuml;r den Vorgang daher mehr als angemessen, denn es dreht sich tats&auml;chlich im Kreis. Zur Kontinuit&auml;t geh&ouml;rt auch, dass sich die Situation der Ukraine von Verhandlungsrunde zu Verhandlungsrunde verschlechtert. Ging es bei Minsk 2 noch um den Erhalt der territorialen Integrit&auml;t der Ukraine, bestand Russland in den Verhandlungsrunden danach auf Gebietsabtretungen. Inzwischen geht es f&uuml;r die Ukraine jedoch zus&auml;tzlich darum, ob und wie sie den Winter &uuml;bersteht. Die Energieinfrastruktur der Ukraine ist inzwischen massiv besch&auml;digt.<\/p><p>Und die Europ&auml;er? Sie wollen mit am Verhandlungstisch sitzen, wollen aber weiter nichts zur Konfliktl&ouml;sung beitragen. Es d&uuml;rfe keine Entscheidung &uuml;ber die Ukraine ohne die Ukraine getroffen werden, ist die Formel, die nun wieder aus der Schublade gezogen wird. Man hat sich aber immerhin wieder auf die Suche nach einem Unterh&auml;ndler f&uuml;r direkte Gespr&auml;che mit Russland gemacht. Nachdem man sich beim letzten Mal eigentlich nur darauf verst&auml;ndigen konnte, dass es auf keinen Fall Gerhard Schr&ouml;der sein darf, weil Putin seinen Namen in diesem Zusammenhang genannt hatte, steht nun der Name des finnischen Pr&auml;sidenten Alexander Stubb im Raum. Genannt wird auch Ant&oacute;nio Costa, Pr&auml;sident des Europ&auml;ischen Rates. Welchen inhaltlichen Beitrag die Europ&auml;er leisten wollen, bleibt dagegen unklar. Immerhin sieht Pr&auml;sidentenberater Juri Uschakow etwas Bewegung.<\/p><p>&bdquo;Zumindest scheint es mir, als ob man nun anf&auml;ngt, &uuml;ber die L&ouml;sung dieser Krise nachzudenken und sie ernster zu nehmen&ldquo;, sagte er gegen&uuml;ber der Presse. Woher er den Optimismus nimmt, ist jedoch nicht ersichtlich. Deutschlands Kanzler Friedrich Merz jedenfalls lehnt eine &bdquo;Kapitulation der Ukraine&ldquo; ab. Russland darf sich nicht durchsetzen.<\/p><p>Klar erkennbar ist daher, dass die Europ&auml;er kein Interesse an einer L&ouml;sung des Konflikts haben. Vor allem Deutschland hat sich mit der Umstellung auf Kriegswirtschaft in eine wirtschaftliche Falle man&ouml;vriert. Mittels massiver Schuldenaufnahme wird die R&uuml;stungsindustrie angekurbelt. Die produzierten R&uuml;stungsg&uuml;ter gehen zu einem relevanten Teil in die Ukraine. Das generiert Wachstum in Deutschland. Die Wachstumsprognosen f&uuml;r dieses Jahr wurden deutlich nach oben korrigiert. Geht der Krieg zu Ende, werden deutsche R&uuml;stungsg&uuml;ter nicht mehr nachgefragt, dann ist es mit dem Wachstum auch wieder ganz schnell vorbei. Nachhaltig ist das ohnehin nicht, denn die schwache Inlandsnachfrage l&auml;sst sich so nicht ankurbeln.<\/p><p>Aber man muss es klar sagen: Ein Interesse an einem Ende des Kriegs besteht seitens Deutschlands schon aus wirtschaftlichen Gr&uuml;nden nicht. Das ist &uuml;brigens nicht das erste Mal, dass ein deutscher Kanzler das Land in die R&uuml;stungsfalle f&uuml;hrt. Das &bdquo;Wirtschaftswunder&ldquo; der Nationalsozialisten unter Reichskanzler Adolf Hitler bestand aus der Aufnahme verdeckter Schulden und einer massiven Ankurbelung der R&uuml;stungsindustrie. Merz braucht den Krieg und das Feindbild Russland zum politischen &Uuml;berleben. Am Ausmalen des Feindbilds arbeitet er t&auml;glich unter Einsatz all seiner Kr&auml;fte. Der von ihm gezeichneten russischen Bedrohung entspricht hier vor Ort in Russland jedoch nichts. Russland hat keine Absichten, Deutschland zu &uuml;berfallen, und will auch die Ukraine nicht einnehmen. Russland will eine dauerhafte Friedensl&ouml;sung f&uuml;r den Konflikt in der Ukraine. Genau das aber will Merz nicht.<\/p><p>Kein Interesse an Frieden hat auch Wolodymyr Selenskyj. Auch sein politisches und auch pers&ouml;nliches Schicksal ist mit diesem Krieg verbunden. Dass Selenskyj keinen Frieden will, hat Donald Trump richtig erkannt. Er hatte mehrfach die Gelegenheit, den Konflikt auf dem Verhandlungsweg beizulegen, hat sich aber immer dagegen entschieden. Im Krieg halten lie&szlig; er sich durch die Unterst&uuml;tzungszusagen der Europ&auml;er.<\/p><p>Auch in Br&uuml;ssel setzt man auf die Verl&auml;ngerung des Kriegs. Russlands Interessen d&uuml;rfen f&uuml;r eine Friedensl&ouml;sung keine Ber&uuml;cksichtigung finden, ist dort das Credo, alles andere k&auml;me einer Niederlage gleich. Rational ist das nicht. Aber trotz guter Argumente haben es die Kritiker dieser suizidalen EU-Politik schwer. Sie werden einfach nicht geh&ouml;rt. Der Zug sitzt auf dem Gleis und rollt in Richtung Abgrund. Einen Friedensschluss wird die EU daher nicht unbeschadet &uuml;berstehen. Sie hat sich komplett verspekuliert und opfert den Wohlstand der EU der Verl&auml;ngerung des Kriegs.<\/p><p>Damit sind die Fronten weitgehend gekennzeichnet. Jenseits Europas, in Russland, den USA, in China und im globalen S&uuml;den gibt es ein reges Interesse daran, den Ukraine-Konflikt beizulegen und eine L&ouml;sung zu finden, die den Konflikt dauerhaft beendet. In der EU, in Kiew und in Berlin gibt es dieses Interesse nicht. Dort setzt man auf eine Verl&auml;ngerung des Kriegs auf Kosten der Ukrainer und der Ukraine. Damit ist auch umrissen, auf welche Erz&auml;hlung sich die Deutschen nach Ende des Kriegs einstellen m&uuml;ssen. Sie lautet: Deutschland tr&auml;gt die Verantwortung f&uuml;r die komplette Zerst&ouml;rung der Ukraine und den Tod einer ganzen Generation von ukrainischen M&auml;nnern. Deutschland hat diesen Krieg aus eigenn&uuml;tzigen, wirtschaftlichen Interessen k&uuml;nstlich verl&auml;ngert und stand dem Frieden im Weg. Man wird in K&uuml;rze sehen, ob es den Europ&auml;ern auch dieses Mal wieder gelingt, die Friedensbem&uuml;hungen zu hintertreiben. Im Sinne der Ukraine w&auml;re das nicht.<\/p><p><small>Titelbild: Kristina Solovyova, RIA Novosti\/President of Russia<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit seiner Reise nach Oslo und Sankt Petersburg leitet der US-Sondergesandte Steve Witkoff die n&auml;chste Verhandlungsrunde zur Beilegung des Ukraine-Konflikts ein. Dabei verlaufen die Frontlinien wie schon bei den letzten Vermittlungsbem&uuml;hungen. Au&szlig;erhalb Europas gibt es aufrichtiges Interesse, den Konflikt zu beenden. Die Westeurop&auml;er setzen allerdings auf eine Verl&auml;ngerung des Kriegs. 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