{"id":157935,"date":"2026-10-23T10:00:14","date_gmt":"2026-10-23T08:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157935"},"modified":"2026-10-23T10:42:04","modified_gmt":"2026-10-23T08:42:04","slug":"eine-neue-strategie-der-spannung-gefaehrliche-zeiten-fuer-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157935","title":{"rendered":"Eine neue Strategie der Spannung? Gef\u00e4hrliche Zeiten f\u00fcr Europa"},"content":{"rendered":"<p>Die Angst geht um in Europa &ndash; vor der russischen Bedrohung. Genauer gesagt: Die Angst <em>soll<\/em> umgehen. Politikern, Journalisten, Experten erwecken den Eindruck: Russland bedroht uns alle. Kaum vergeht ein Tag, an dem nicht von einer &bdquo;hybriden Kriegsf&uuml;hrung&ldquo; die Rede ist. Kaum vergeht ein Tag, an dem nicht von Drohnenfl&uuml;gen, Sabotage- oder gar Anschlagsversuchen Russlands zu h&ouml;ren ist. Das Ziel ist angeblich Deutschland &ndash; aber auch andere europ&auml;ische L&auml;nder. Grundlegende Fragen dr&auml;ngen sich auf: Was passiert hier? Sind die Gesellschaften Europas mit einer neuen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155656\">Strategie der Spannung konfrontiert<\/a>? Und: Wie weit wird die Umsetzung dieser Strategie gehen? Eine Analyse von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAngst ist ein Mittel, um Politik zu machen. &Uuml;ber Angst l&auml;sst sich der einzelne B&uuml;rger, aber auch eine ganze Gesellschaft steuern. Das sind &ndash; einerseits &ndash; banale Erkenntnisse. Nicht banal &ndash; andererseits &ndash; ist es, wenn die Politik von dieser theoretischen Erkenntnis in der Praxis gebraucht macht. Dann sind Konsequenzen weitreichend &hellip;<\/p><p>Doch der Reihe nach. Mitte dieser Woche machte die Nachricht die Runde, wonach die Bundeswehr in Gefahr sei. Unter anderem ist auf <em>Tagesschau.de<\/em> <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/wdr\/bundeswehr-russland-102.html\">zu lesen<\/a>:<\/p><blockquote><p><em>Die Bundeswehr warnt vor m&ouml;glichen russischen Sabotageanschl&auml;gen auf die eigenen Truppen in Deutschland &ndash; das geht aus einer internen Lageeinsch&auml;tzung hervor, die WDR und SZ vorliegt. In dem Papier wurde die Bedrohung erstmals als &ldquo;erheblich&rdquo; eingestuft.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Das <em>Wall Street Journal<\/em> <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/world\/europe\/airfield-attack-marked-opening-shot-in-putins-sabotage-campaign-against-europe-115dedd4?st=VLhjpb\">berichtet<\/a> ebenfalls von der Bedrohung durch Russland:<\/p><blockquote><p>\n    <em>Angriff auf Flugplatz war der Auftakt zu Putins verst&auml;rkter Sabotagekampagne<\/em><\/p>\n<p>    <em>US-Geheimdienste gehen davon aus, dass die gescheiterte Operation in Deutschland in diesem Sommer Teil einer neuen Welle von Angriffen war, die vom russischen Staatschef angeordnet wurde<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und Bundeskanzler Friedrich Merz <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157809\">sagte<\/a>:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Das gro&szlig;e Bild ist, dass Russland dabei ist, die gesamte politische Ordnung unseres europ&auml;ischen Kontinents zu destabilisieren. Und das wird offensichtlich von vielen Menschen auch in meinem Land untersch&auml;tzt.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Allen drei Beitr&auml;gen beziehungsweise &Auml;u&szlig;erungen ist etwas gemein: Es fehlt an Substanz. Nahezu alles bleibt im Vagen. Schon ein kurzer Blick verdeutlicht das Problem.<\/p><p><strong>Beitrag der Tagesschau<\/strong><\/p><blockquote><p><em>Der Zufallsfund eines Landwirts in Niedersachsen sorgt bei der Bundeswehr f&uuml;r eine Neubewertung der Sicherheitslage: Mitte September wurde unweit des Fliegerhorsts Wunstorf eine offenbar abgest&uuml;rzte Drohne entdeckt. Sie &auml;hnelt in der Konstruktion jener mit Sprengstoff best&uuml;ckten Drohne, die Anfang August beim gescheiterten Anschlag auf dem Flughafen Leipzig\/Halle eingesetzt wurde. Auch die Wunstorfer Drohne trug eine Konservendose mit hochexplosivem Sprengstoff, sie wurde nur wenige Meter von dem Flugger&auml;t entfernt entdeckt. Der Unterschied: Die Drohne von Wunstorf lag wohl schon zwei Jahre in der N&auml;he des Bundeswehr-St&uuml;tzpunkts. Das sollen die technischen Analysen des Bundeskriminalamtes (BKA) ergeben haben. Und die Ermittler gehen davon aus, dass damit &ndash; anders als in Leipzig &ndash; keine zivilen Frachtflugzeuge angegriffen werden sollten, sondern m&ouml;glicherweise Flugzeuge der Bundeswehr.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Die Formulierungen &bdquo;offenbar&ldquo;, &bdquo;&auml;hnelt&ldquo;, &bdquo;wohl&ldquo;, &bdquo;gehen davon aus&ldquo;, &bdquo;m&ouml;glicherweise&ldquo; fallen ins Auge. Weiter ist zu lesen:<\/p><blockquote><p><em>Diese Erkenntnis sorgt nun offenbar f&uuml;r eine neue Bewertung der Gef&auml;hrdungslage:<\/em><\/p><\/blockquote><p>Schon an dieser Stelle muss man den Text aufbrechen. &bdquo;Erkenntnisse&ldquo;? &bdquo;Diese&ldquo;? Welche? Der Text springt von &bdquo;gehen davon aus&ldquo; und &bdquo;m&ouml;glicherweise&ldquo; zu: &bdquo;Erkenntnissen&ldquo;. Von Erkenntnissen kann hier aber keine Rede sein, sondern von Mutma&szlig;ungen. Weiter im Text:<\/p><blockquote><p><em>WDR und SZ liegt eine interne Sicherheitsanalyse der Bundeswehr vor. Darin wird die Bedrohung durch russische Sabotage gegen die Bundeswehr erstmals als &ldquo;Erheblich&rdquo; eingestuft, die zweith&ouml;chste Stufe in der Bewertungsskala. Erstmals geht die Bundeswehr nun davon aus, dass sie selbst hierzulande Ziel russischer Anschl&auml;ge werden kann.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Wieder f&auml;llt die Formulierung auf: &bdquo;geht &hellip; nun davon aus&ldquo;.<\/p><blockquote><p><em>In dem Papier hei&szlig;t es mit Verweis auf die Drohnenfunde in Leipzig und Wunstorf: &ldquo;Die Vorf&auml;lle unterstreichen, dass RUS (Russland) seit geraumer Zeit nahezu sicher &uuml;ber die F&auml;higkeit und sehr wahrscheinlich jetzt auch &uuml;ber die gesteigerte Absicht verf&uuml;gt, gegen Kr&auml;fte und Einrichtungen der BW (Bundeswehr) aber auch Partner wie der UKR (Ukraine) in DEU (Deutschland) vorzugehen.&rdquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Wir achten auf die Formulierungen &bdquo;nahezu sicher&ldquo; und &bdquo;sehr wahrscheinlich&ldquo;.<\/p><blockquote><p><em>Mit dem Einsatz von Drohnen &ldquo;als kinetisches Wirkmittel&rdquo; habe Russland &ldquo;eine bisher antizipierte rote Linie der Sch&auml;digungsabsicht mit kinetischer und\/oder letaler Wirkung&rdquo; gegen&uuml;ber Deutschland und der Bundeswehr &uuml;berschritten, hei&szlig;t es in der Gef&auml;hrdungsbewertung. Gemeint ist der Einsatz einer Drohne als Waffe, auch mit potenziell t&ouml;dlicher Wirkung. &ldquo;W&auml;hrend der Vorfall LEIPZIG noch mit einer mittelbaren Bedrohung der BW bewertet werden konnte, ist mit dem Vorfall WUNSTORF sehr wahrscheinlich von einer direkten Betroffenheit der BW als Ziel auszugehen.&rdquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Hier wird eine Vermutung (oder ist es zweifelsfrei erwiesen, dass Russland tats&auml;chlich dahinter steckt?) zur Wahrheit. Wieder findet die Formulierung &bdquo;sehr wahrscheinlich&ldquo; Anwendung.<\/p><blockquote><p><em>Strategisch verfolge Russland dabei &bdquo;sehr wahrscheinlich eine Zersetzungsabsicht, die sich aktuell auf die politische und gesamtgesellschaftliche Schw&auml;chung der DEU Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die UKR fokussiert&ldquo;, so die Analyse der Bundeswehr. Operativ verfolge Russland das Ziel, jegliche Unterst&uuml;tzung der Ukraine &bdquo;in Form von Ausr&uuml;stung und Ausbildung&ldquo; zu besch&auml;digen und somit &bdquo;die Verteidigungsf&auml;higkeit der UKR selbst zu sch&auml;digen&ldquo;.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Erneut hei&szlig;t es: &bdquo;sehr wahrscheinlich&ldquo;. So weit zu dem Beitrag der &bdquo;Tagesschau&ldquo;.<\/p><p><strong>Wall Street Journal<\/strong><\/p><p>Der Beitrag des <em>Wall Street Journal<\/em> geht etwas mehr in die &bdquo;Tiefe&ldquo;, allerdings: Der Autor st&uuml;tzt sich komplett auf das, was &bdquo;Beh&ouml;rden&ldquo; <em>sagen<\/em> oder gar <em>glauben<\/em>. Mit anderen Worten: Harte Fakten fehlen weitestgehend. Zwei Abschnitte sind allerdings bemerkenswert. Zun&auml;chst:<\/p><blockquote><p><em>US-Geheimdienste gehen davon aus, dass die gescheiterte Operation am Flughafen Leipzig-Halle in diesem Sommer einer der ersten Schritte einer verst&auml;rkten Kampagne von Sabotage und verdeckten Aktionen gegen NATO-Staaten war, die direkt vom russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin angeordnet wurde &ndash; so europ&auml;ische Beamte, die &uuml;ber die Erkenntnisse der Geheimdienste informiert wurden.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Hier f&auml;llt die Formulierung auf: &bdquo;gehen davon aus&ldquo;. Wie zu sehen ist: Es sind &bdquo;US-Geheimdienste&ldquo;, die von &bdquo;etwas ausgehen&ldquo; &ndash; und es gibt &bdquo;europ&auml;ische Beamte&ldquo;, die &uuml;ber die &bdquo;Erkenntnisse&ldquo; (Information? Desinformation?) informiert wurden. Mit anderen Worten: Was an dieser Stelle l&auml;uft, ist sowohl f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeit als auch f&uuml;r Journalisten vollkommen intransparent.<\/p><p>Insbesondere dann, wenn man davon ausgeht, dass die US-Tiefenpolitik bisher eine treibende Kraft in der Positionierung der Ukraine als Stellvertreter im Kampf gegen Russland war, muss jeder Journalist mit &auml;u&szlig;erster Vorsicht auf Geheimdienstinformationen aus dieser im Grunde genommen durch Waffenlieferungen etc. mit in den Krieg involvierten Konfliktpartei umgehen. Kritische Distanz? Fehlanzeige. Zum zweiten bemerkenswerten Abschnitt:<\/p><blockquote><p><em>Russlands verdeckte Angriffe werden laut westlichen Beamten von einer Abteilung des russischen Milit&auml;rgeheimdienstes (GRU) geleitet. Diese Abteilung, bekannt als &bdquo;Special Tasks Service&ldquo; (SSD), ist eine Organisation, die 2023 durch den Zusammenschluss einiger der t&ouml;dlichsten verdeckten Einheiten Russlands gegr&uuml;ndet wurde, mit dem Auftrag, verdeckte Kriegshandlungen gegen Europa zu f&uuml;hren.<\/em><\/p>\n<p><em>Der SSD wird von Generaloberst Andrej Averyanov befehligt, einem Veteranen der verdeckten Kriegsf&uuml;hrung, dessen Agenten mit Attentaten, Vergiftungen und Bombenanschl&auml;gen in ganz Europa in Verbindung gebracht werden. Westliche Geheimdienste haben den Anschlag in Leipzig auf einen seiner Abteilungsleiter zur&uuml;ckgef&uuml;hrt, Oberst Denis Smolyaninov, gegen den die Europ&auml;ische Union und Gro&szlig;britannien Sanktionen verh&auml;ngt haben, weil er russische verdeckte Operationen in Europa leitet.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Das ist spannend. Das <em>Wall Street Journal<\/em> wird zumindest an dieser Stelle etwas konkreter. Allerdings: Die &bdquo;Fakten&ldquo; st&uuml;tzen sich auf die Formulierung &bdquo;laut westlichen Beamten&ldquo;. <em>Wer<\/em> hat hier konkret <em>was<\/em> auf Basis <em>welchen tats&auml;chlichen<\/em> Wissens gesagt? Ohne diese Informationen ist das Gesagte mit &auml;u&szlig;erster Vorsicht zu betrachten.<\/p><p>Selbst unter der nicht einmal abwegigen Annahme, dass dieser Special Task Service existiert und entsprechend agiert &ndash; schlie&szlig;lich: Was hat die CIA bisher bereits so getrieben &hellip;? &ndash;: Das Nebul&ouml;se ist allgegenw&auml;rtig.<\/p><p><strong>Halten wir fest<\/strong><\/p><p>Sowohl die Aussagen von Merz wie auch die Beitr&auml;ge des <em>Wall Street Journal<\/em> und der &bdquo;Tagesschau&ldquo; fischen im Tr&uuml;ben. Sie erwecken den Eindruck des &bdquo;Faktischen&ldquo;. Sie gaukeln vor, zu zeigen, wie &bdquo;es&ldquo; <em>ist <\/em>bzw. was nur der einzig logische Schluss sein <em>kann<\/em> oder geradezu: <em>sein muss<\/em>. Substanziell k&ouml;nnen sie nicht einmal im Ansatz punkten.<\/p><p>Damit stehen diese drei ausgew&auml;hlten Beispiele f&uuml;r schier unz&auml;hlige Berichte und Aussagen von Politikern und Experten, die eine russische Bedrohung als real zeichnen. Ihnen ist gemein: Echte Beweise fehlen. Daf&uuml;r erzeugen sie Angst.<\/p><p>Ein unbedarfter B&uuml;rger mag denken: Wenn schon so reputierte Medien von der russischen Gefahr sprechen und selbst der Bundeskanzler die Deutschen daf&uuml;r kritisiert, dass sie diese Gefahr aus Russland nicht ernst nehmen, dann muss da doch etwas dran sein. Mit diesen &Uuml;berlegungen w&auml;ren wir bei der:<\/p><p><strong>Strategie der Spannung<\/strong><\/p><p>Den meisten Leser der <em>NachDenkSeiten<\/em> d&uuml;rfte dieser Begriff bekannt sein. Dennoch der Form halber: Die <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2004\/juli\/strategie-der-spannung\">Strategie der Spannung<\/a> f&uuml;hrt zu einem der <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/die-dunkle-seite-des-westens-a-4c36b621-0002-0001-0000-000039997525\">dunkelsten Kapitel Italiens &ndash; und der westlichen Demokratien<\/a>.<\/p><p>1990 sah sich der damalige italienische Ministerpr&auml;sident Giulio Andreotti durch einen ermittelnden Richter und den Druck von Journalisten gen&ouml;tigt, vor die &Ouml;ffentlichkeit zu treten und zu enth&uuml;llen, dass in Italien eine Organisation mit Namen Gladio existierte. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/playlist?list=PL6J1OzLHamQ_Sn7dG-D4lXOlNZdUIU7BP\">Gladio<\/a> war der italienische Zweig eines paramilit&auml;rischen Netzwerkes, das nach dem Zweiten Weltkrieg in zahlreichen L&auml;ndern der NATO aufgebaut wurde. Es waren die &bdquo;Geheimarmeen der NATO&ldquo;, die sich im Falle einer russischen Invasion Europas als Untergrundarmeen &uuml;berrollen lassen sollten, um dann von innen heraus einen Partisanenkrieg zu er&ouml;ffnen.<\/p><p>Das Problem: Teile dieses Netzwerkes, wurden, wie sp&auml;ter immer deutlicher wurde, fr&uuml;hzeitig politisch aktiviert. Ermittlungen italienischer Gerichte und Recherchen legen nahe, dass &bdquo;Soldaten&ldquo; aus dem Umfeld der NATO-Geheimarmeen im ideologischen Kampf zwischen West und Ost (Kapitalismus vs. Sozialismus\/Kommunismus) auf tiefenpolitischer Ebene zum Einsatz kamen, sprich: Das Prinzip der &bdquo;Strategie der Spannung&ldquo; wurde umgesetzt. In L&auml;ndern, in denen Moskau zugewandte, linke Parteien und Kr&auml;fte stark waren, sollte die Bev&ouml;lkerung durch Terror, der vorgeblich von linken Terrorgruppen ausging, in Angst versetzt werden &ndash; damit sie sich von den Linken abwendet.<\/p><p>Eine viel zitierte Aussage des verurteilten Neofaschisten Vincent Vinciguerra <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/playlist?list=PL6J1OzLHamQ_Sn7dG-D4lXOlNZdUIU7BP\">lautet<\/a>:<\/p><blockquote><p><em>Man musste Zivilisten angreifen, das Volk, Frauen, Kinder, unschuldige Menschen, Unbekannte, die weit entfernt von jedem politischen Spiel waren. Der Grund war ganz einfach: Diese Menschen, die italienische &Ouml;ffentlichkeit, sollten dazu gebracht werden, sich an den Staat zu wenden und nach gr&ouml;&szlig;erer Sicherheit zu verlangen.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Ohne an dieser Stelle weiter auf den gro&szlig;en Komplex Gladio und tiefenstaatlich gelenkter Terrorismus einzugehen: Die Strategie der Spannung zielte auf die K&ouml;pfe der B&uuml;rger. Sinn und Zweck dieser Strategie war es, die Bev&ouml;lkerung gegen die Linken in Stellung zu bringen und sich den vorherrschenden Parteien zuzuwenden.<\/p><p>Mit diesem Wissen dr&auml;ngt sich Fragen auf: Erleben wir gerade eine neue Strategie der Spannung? Kann es sein, dass die Drohnensichtungen, angeblichen Anschlagsversuche usw. Teil einer Strategie sind, Angst in der Bev&ouml;lkerung zu erzeugen, um Wut gegen Russland zu sch&uuml;ren? Ist es so, dass diese permanente Angsterzeugung nicht auf ein reales Bedrohungspotenzial zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist, sondern auf die politische Absicht, h&ouml;here Zustimmungswerte f&uuml;r ihre Konfrontations- und Aufr&uuml;stungspolitik zu bekommen? Diese Fragen sind schwierig &ndash; denn die Antworten f&uuml;hren auf den Boden der Spekulation.<\/p><p>Nur: Sie deshalb nicht zu stellen, w&auml;re in Anbetracht der gro&szlig;en Menge an Nachrichten, die von der russischen Bedrohung erz&auml;hlen, journalistisch so inakzeptabel, wie Spekulationen problematisch sind. Es gibt allerdings einen Weg, der mit gutem Gewissen gegangen werden darf.<\/p><p><strong>Zeit, laut zu denken<\/strong><\/p><p>Die Annahme, dass Russland auf Geheimdienstebene in europ&auml;ischen L&auml;ndern aktiv ist, ist nicht verwerflich. Im Gegenteil. Es muss geradezu davon ausgegangen werden, dass Russland sowohl in Deutschland als auch in anderen L&auml;ndern aktiv ist.<\/p><p>Denn: Bespitzelungen, Absch&ouml;pfungen von Informationen, sei es auf wirtschaftlicher, technischer, politischer Ebene oder im Forschungsbereich, ist sozusagen alte Tradition. Die USA bespitzeln Russland, Russland bespitzelt die USA, die USA bespitzeln auch Deutschland (&bdquo;Aussp&auml;hen unter Freunden geht gar nicht&ldquo;), Russland bespitzelt &hellip; usw. Das war schon immer so &ndash; und nimmt eben zu und ab, so wie es gerade die jeweiligen politischen &bdquo;Lagen&ldquo; verlangen.<\/p><p>Dass also Russland gerade jetzt, wo die Situation mit der NATO angespannt ist wie zu den schlimmsten Zeiten im Kalten Krieg, &bdquo;Aktivit&auml;t&ldquo; zeigt, ist sehr wahrscheinlich.<\/p><p>Am Rande: Viele erinnern sich bestimmt noch an die altbekannte Comicreihe &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.lambiek.net\/artists\/p\/prohias_antonio.htm?srsltid=AYCX9vLowkkAZzEpuxvSX2JB5VQDlXI6pYljwQBvXUPdB9LZBcL3FLzW\">Spy vs. Spy<\/a>&ldquo;, worin in einigen Bildern immer wieder die Geschichte zwischen einem in Wei&szlig; und einem in Schwarz gekleideten Spion geschildert wurde, die nichts anderes im Kopf hatten, als sich gegenseitig zu sabotieren. Das war ein humoristisches Abbild der Spionagezeit im Kalten Krieg. Das Offensichtliche, also dass die Geheimdienste von West und Ost sich bek&auml;mpften, wo sie nur konnten, wurde in &bdquo;Spy vs. Spy&ldquo; auf lustige Weise verpackt.<\/p><p>Wichtig zu wissen ist: Auch wenn der &Ouml;ffentlichkeit klar war, dass die Staaten sich im Hintergrund auf Geheimdienstebene permanent gegenseitig beharkten: Nahezu alles, was passierte, blieb in der Ebene des &bdquo;Schattenreichs&ldquo; der Dienste.<\/p><p>Dieses Mal ist es anders. Medien berichten in extrem hoher Dichte und Schlagzahl von angeblichen russischen Aktivit&auml;ten in Deutschland und Europa. Oft stehen die bekannten Feindbildbauer aus Politik und Expertentum vor den Kameras, helfen mit dabei, Angst zu sch&uuml;ren. Allein das ist alles schon sehr ungew&ouml;hnlich.<\/p><p>Was interessiert es die Oma in Buxtehude, wenn angeblich in M&uuml;nchen am Flughafen &bdquo;der Russe&ldquo; eine Drohne fliegen l&auml;sst? F&uuml;r nahezu den allergr&ouml;&szlig;ten Teil der Bev&ouml;lkerung sind die realen oder herbeigedichteten russischen Aktivit&auml;ten auf deutschem Boden ohne Relevanz. Denn: Diese gab es auch in der Vergangenheit. Diese gibt es mutma&szlig;lich auch jetzt, und es wird sie auch vermutlich zuk&uuml;nftig geben.<\/p><p>Von Relevanz sind geheimdienstliche Aktivit&auml;ten fremder Staaten f&uuml;r die Geheimdienste und die Politik, die davon betroffen sind. Die &Ouml;ffentlichkeit hat bei diesem Thema weder auf Seite der Politik noch auf der der Geheimdienste Einblicke. Einblicke gibt es nur dann, wenn sie politisch gewollt sind. Was soll es also, dass jeden Tag Medien von einer angeblichen russischen Bedrohung berichten?<\/p><p>Der Geist, der in dem Zitat von Vinciguerra liegt, scheint sichtbar zu werden. Die Annahme, dass diese &bdquo;Berichterstattung&ldquo; von der russischen Bedrohung nicht dazu dient, die Bev&ouml;lkerung zu informieren, sondern durch Angst zu manipulieren, dr&auml;ngt sich regelrecht auf.<\/p><p>Selbst wenn die Anschuldigungen sogar wahr w&auml;ren: Die dann &ndash; f&uuml;r die Politik, nicht f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung &ndash; reale Bedrohungslage m&uuml;sste von verantwortungsvollen Politikern dort entsch&auml;rft werden, wo sie entsch&auml;rft werden kann, n&auml;mlich auf dem Boden der Diplomatie &ndash; nicht auf dem Marktplatz der &Ouml;ffentlichkeit. Die B&uuml;rger k&ouml;nnen bei diesem Thema ohnehin nur mit den Schultern zucken.<\/p><p><strong>Denken wir weiter laut<\/strong><\/p><p>Sollte Russland die ihm zur Last gelegten Taten begangen haben: Was w&auml;re der Sinn? Was der Nutzen?<\/p><p>Angenommen, Russland h&auml;tte auf dem Leipziger Flughafen einen Anschlag auf eine Versorgungslinie f&uuml;r den Ukrainekrieg ver&uuml;bt. Der milit&auml;rische Nutzen d&uuml;rfte minimal sein &ndash; der politische Schaden w&auml;re gigantisch. Dass Russland in Deutschland und anderen L&auml;ndern aktiv ist, mag sein &ndash; aber das &bdquo;Drohnentheater&ldquo; ergibt keinen Sinn.<\/p><p>Je mehr man dar&uuml;ber nachdenkt, umso mehr dr&auml;ngt sich der Verdacht auf, dass auf niedrigschwelliger Ebene eine Strategie der Spannung eingesetzt wird. Diese Strategie der Spannung ist noch nicht mit einem gro&szlig;en realen Schaden verbunden, es geht nicht um Terroranschl&auml;ge &ndash; aber wird das auch so bleiben? Und in gewisser Weise wird die Bev&ouml;lkerung ja bereits durch die Angstmache terrorisiert.<\/p><p>Wenn westliche Staaten in der &bdquo;Gladio-Zeit&ldquo; auf das Mittel des Terrors gegen die eigene Bev&ouml;lkerung zugegriffen haben: Wie sieht es heute aus, wo sie auf Biegen und Brechen versuchen, das Feindbild Russland fest in den K&ouml;pfen der Bev&ouml;lkerung zu zementieren? Auch diese Fragen sind zu stellen. Sie d&uuml;rfen kein Tabu sein.<\/p><p>Der Schweizer Historiker Daniele Ganser, der im deutschsprachigen Raum <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/die-dunkle-seite-des-westens-a-4c36b621-0002-0001-0000-000039997525\">grundlegende Arbeit<\/a> zu Gladio geleistet hat, sagte gegen&uuml;ber den <em>NachDenkSeiten<\/em>:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Drohnen k&ouml;nnen sehr einfach im Rahmen einer Strategie der Spannung eingesetzt werden, um ein Land oder eine Partei zu diskreditieren. Theoretisch kann ein &Uuml;belt&auml;ter eine Drohne in ein Haus oder ein Flugzeug oder eine Milit&auml;rkaserne steuern, wo sie explodiert, und danach sagen, das war das Land X oder die Partei Y. Sofort steht dann das Land X oder die Partei Y in einem sehr schlechten Licht da, das ist immer das Ziel bei der Strategie der Spannung, auch wenn X oder Y nicht f&uuml;r den Drohnenangriff verantwortlich sind und zu Unrecht beschuldigt werden.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p><small>Titelbild: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/finnishgovernment\/55527525629\" title=\"European Arctic Summit 13&ndash;14 September 2026\">European Arctic Summit 13&ndash;14 September 2026<\/a>&ldquo; von <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/finnishgovernment\/\">FinnishGovernment<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/deed.de\" rel=\"license noopener noreferrer\">CC BY 4.0<\/a><\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/b5beb56d6efa4a75a8d8a233622a87a8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Angst geht um in Europa &ndash; vor der russischen Bedrohung. Genauer gesagt: Die Angst <em>soll<\/em> umgehen. Politikern, Journalisten, Experten erwecken den Eindruck: Russland bedroht uns alle. Kaum vergeht ein Tag, an dem nicht von einer &bdquo;hybriden Kriegsf&uuml;hrung&ldquo; die Rede ist. 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