{"id":157941,"date":"2026-10-24T10:00:11","date_gmt":"2026-10-24T08:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157941"},"modified":"2026-10-23T16:37:29","modified_gmt":"2026-10-23T14:37:29","slug":"im-vergleich-deutsche-bahn-und-china-rail","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157941","title":{"rendered":"Im Vergleich: Deutsche Bahn und China Rail"},"content":{"rendered":"<p>Die DB und China Rail repr&auml;sentieren zwei Systeme, die nach v&ouml;llig gegens&auml;tzlichen Philosophien arbeiten. Dies f&uuml;hrt zu radikal unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich der Leistungsf&auml;higkeit des Schienenverkehrs und der &ouml;konomischen Effekte. Von <strong>Hua BIN<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nEin Freund von mir war k&uuml;rzlich in Deutschland und erz&auml;hlte mir, wie er seinen Heimflug verpasste, weil sein Zug Versp&auml;tung hatte. Ich war schockiert, denn als ich 1997 in Deutschland lebte, konnte man seine Uhr nach der Deutschen Bahn (DB) stellen.<\/p><p>Zu dieser Zeit machte ich ein Praktikum bei Mercedes-Benz in Stuttgart. Ich konnte den Fu&szlig;weg von der Wohnung zur Bushaltestelle zeitlich genau planen und hatte dann mit weniger als f&uuml;nf Minuten Gesamtwartezeit einen Anschluss an den Zug zum B&uuml;ro. Die Bus- und Zugfahrpl&auml;ne waren so perfekt aufeinander abgestimmt, dass man sich auf einen zweimin&uuml;tigen Fu&szlig;weg und genau zwei Minuten Wartezeit dazwischen verlassen konnte. Sowohl Busse als auch Z&uuml;ge waren &auml;u&szlig;erst p&uuml;nktlich.<\/p><p>Ich hatte eine besondere Vorliebe f&uuml;r die DB, da ich fast jedes Wochenende mit ihrem &bdquo;Sch&ouml;nes-Wochenende&ldquo;-Ticket f&uuml;r 35 Mark durch Deutschland reiste. Leider wurde dieses Serviceangebot im Jahr 2019 eingestellt.<\/p><p>Im Winter 1997 verirrte ich mich bei einer Wanderung mit mehreren Freunden im Schwarzwald in der N&auml;he von Baden-Baden. Erst als wir zuf&auml;llig auf ein Gleis stie&szlig;en, das uns zu einem kleinen l&auml;ndlichen Bahnhof f&uuml;hrte, konnten wir der kalten Nacht entrinnen. Ich kann mich bis heute an das warme Licht auf dem Bahnsteig erinnern.<\/p><p>Seitdem habe ich die DB immer sehr gesch&auml;tzt. Sie k&ouml;nnen sich also vorstellen, wie &uuml;berrascht ich war, als mein Freund sich &uuml;ber die Versp&auml;tung und den schlechten Service beschwerte.<\/p><p>Das brachte mich dazu, nachzulesen, was mit der DB in den letzten 30 Jahren passiert ist. Kurz gesagt: Die Dinge haben sich eindeutig zum Schlechten gewendet.<\/p><p>Heute gilt ein Zug laut Definition der DB als p&uuml;nktlich, wenn er weniger als sechs Minuten versp&auml;tet ankommt. Das ist weit entfernt von der sprichw&ouml;rtlichen P&uuml;nktlichkeit der sp&auml;ten 90er-Jahre. Selbst bei dieser niedrigen Messlatte liegt die P&uuml;nktlichkeit nur bei etwa 50 bis 60 Prozent und damit deutlich unter dem selbst gesetzten Ziel von 70 Prozent.<\/p><p>Als offizielle Gr&uuml;nde werden veraltete Infrastruktur, umfangreiche Bauma&szlig;nahmen und &uuml;berlastete Gleise genannt.<\/p><p>Doch wenn ich etwas tiefer grabe, scheint der R&uuml;ckgang der Effizienz der Deutschen Bahn auf eine v&ouml;llig missratene Privatisierung im Jahr 1994 zur&uuml;ckzuf&uuml;hren zu sein, die zu jahrzehntelanger extremer Unterinvestition in die Infrastruktur f&uuml;hrte.<\/p><p>Die Bahnreform von 1994 f&uuml;hrte die ehemaligen staatlichen Eisenbahnen Ost und West mit einem klaren Auftrag zusammen: Die DB sollte als gewinnorientiertes Privatunternehmen arbeiten, um sich auf einen sp&auml;teren B&ouml;rsengang vorzubereiten.<\/p><p>Um Investoren anzuziehen, gab die DB extremen Kostensenkungen den Vorzug vor der &ouml;ffentlichen Daseinsvorsorge. Sie baute aggressiv Personal ab, lagerte die Instandhaltung aus und begann, in globale Logistikunternehmen (wie DB Schenker) zu investieren, statt sich auf den inl&auml;ndischen Schienenverkehr zu fokussieren.<\/p><p>Unter dem Deckmantel der Effizienzsteigerung hat die DB ihr Streckennetz drastisch verkleinert, um Geld zu sparen. Fast 8.000 Kilometer Nebenstrecken wurden komplett abgebaut. Tausende Weichen, Ausweichgleise und Reservegleise wurden entfernt.<\/p><p>Wenn 1997 ein Zug liegen blieb oder Versp&auml;tung hatte, konnte ein Fahrdienstleiter ihn mithilfe dieser Reservegleise leicht um das Problem herumleiten. Heute hat das Bahnnetz solche Puffer nicht mehr. Bleibt ein Nahverkehrszug in der N&auml;he von Frankfurt am Main stehen, wirkt sich das &auml;hnlich aus wie ein liegengebliebenes Auto auf einer einspurigen Autobahn. Es entstehen sofortige, landesweite Folgeverz&ouml;gerungen.<\/p><p>Das Problem wird durch ein gemischtes Schienennetz noch versch&auml;rft, in dem schnelle Intercity-Expressz&uuml;ge die Gleise mit langsamen Regionalz&uuml;gen und schwerem G&uuml;terverkehr teilen.<\/p><p>Im Vergleich dazu nutzen die chinesischen Hochgeschwindigkeitsbahnen oder das franz&ouml;sische TGV-Netz gr&ouml;&szlig;tenteils eigens daf&uuml;r vorgesehene Hochgeschwindigkeitsstrecken.<\/p><p>W&auml;hrend das physische Schienennetz der DB drastisch ausged&uuml;nnt wurde, stieg die Zahl der Fahrg&auml;ste pro Jahr von 1,5 Milliarden im Jahr 1994 auf heute 2,4 Milliarden.<\/p><p>In den 1990er-Jahren war es in Deutschland noch &uuml;blich, in der N&auml;he seines Arbeitsplatzes zu wohnen. In den letzten 30 Jahren zwangen jedoch explodierende Wohnkosten in wichtigen Ballungszentren wie Frankfurt am Main, M&uuml;nchen, Berlin und Hamburg einen gro&szlig;en Teil der Erwerbsbev&ouml;lkerung dazu, weiter hinaus in die umliegenden Vororte und kleineren St&auml;dte zu ziehen.<\/p><p>Dies f&uuml;hrte zu einem rasanten Anstieg der Pendlerzahl in Deutschland, mit Millionen von Menschen, die jeden Tag deutlich l&auml;ngere Strecken hin und zur&uuml;ck zur&uuml;cklegen mussten. Das Netz der Deutschen Bahn ist mittlerweile fast st&auml;ndig zu 100 Prozent ausgelastet.<\/p><p>Um noch einen draufzusetzen, haben Deutschlands strenge Schuldenobergrenzen staatliche Ausgaben eingeschr&auml;nkt.<\/p><p>Seit Jahren gibt Deutschland nur einen Bruchteil dessen aus, was seine Nachbarl&auml;nder f&uuml;r den Bahnverkehr ausgeben. So investiert die Schweiz beispielsweise j&auml;hrlich &uuml;ber 400 Euro pro Einwohner in die Bahninfrastruktur. Deutschland gibt dagegen regelm&auml;&szlig;ig nur etwa 100 Euro aus.<\/p><p>Die katastrophale Erfahrung der DB mit der Privatisierung spiegelt wider, was bei anderen &auml;hnlichen Projekten wie [dem gr&ouml;&szlig;ten privaten Wasser- und Abwasserversorgungsunternehmen] Thames Water in Gro&szlig;britannien geschah.<\/p><p>Als die Regierung unter Margaret Thatcher im Jahr 1989 den britischen Wassersektor privatisierte, wurde Thames Water mit einer sauberen Bilanz und ohne Schulden an private Investoren &uuml;bergeben. Die nachfolgenden privaten Eigent&uuml;mer behandelten das Versorgungsunternehmen, das 16 Millionen Kunden in London und S&uuml;dengland bedient, jedoch wie eine unternehmerische Melkkuh.<\/p><p>Private Investoren &ndash; Wall-Street-Banken und Hedgefonds &ndash; belasteten das Versorgungsunternehmen mit einem Schuldenberg und entnahmen Hunderte Millionen an Verwaltungsgeb&uuml;hren und Dividenden.<\/p><p>Anstatt die Einnahmen zu nutzen, um die aus der viktorianischen Zeit stammenden Rohrleitungen und Kl&auml;ranlagen zu verbessern, floss das Geld an die Aktion&auml;re und in Bonuszahlungen f&uuml;r F&uuml;hrungskr&auml;fte. Bis 2026 stieg diese Verschuldung auf rund 20 Milliarden Pfund.<\/p><p>W&auml;hrend der gezielte Einsatz von Finanzinstrumenten und strukturierten Finanzierungen kurzfristige Renditen f&uuml;r privates Beteiligungskapital generierte, verrottete die physische Infrastruktur.<\/p><p>Thames Water ist zu einem landesweiten Skandal geworden, nachdem das Unternehmen Milliarden Liter ungekl&auml;rtes Abwasser direkt in die Themse und in lokale Gew&auml;sser geleitet hat.<\/p><p>Aufgrund der veralteten Infrastruktur treten 25 Prozent des gesamten aufbereiteten Wassers direkt aus den Leitungen aus, bevor es die Haushalte der Kunden &uuml;berhaupt erreicht.<\/p><p>Angesichts schwerer D&uuml;rreperioden und Rekordtemperaturen verh&auml;ngt Thames Water wiederholt l&auml;ngere Bew&auml;sserungsverbote, da dem System die strukturelle Widerstandsf&auml;higkeit fehlt, um die Wasserversorgungssicherheit der Region zu gew&auml;hrleisten.<\/p><p>Die meisten Privatisierungsprojekte &ouml;ffentlicher Versorgungsunternehmen weisen ein &auml;hnliches Muster auf: chronische Unterinvestition, extreme K&uuml;rzungen der Betriebskosten und untragbare Verschuldung, w&auml;hrend sich Finanzinvestoren bereichern.<\/p><p>Die DB und Thames Water sind Symbole f&uuml;r die Zerst&ouml;rung &ouml;ffentlicher G&uuml;ter zugunsten privater Investorengewinne in rentenkapitalistischen &Ouml;konomien.<\/p><p>Im krassen Gegensatz dazu bleibt die chinesische Infrastruktur fest in &ouml;ffentlicher Hand.<\/p><p>W&auml;hrend Europa und die USA bei der Verwaltung ihrer nationalen Infrastruktur eine Politik des reaktiven, von Austerit&auml;t gepr&auml;gten und auf Renteneinnahmen ausgerichtetes Managements verfolgen, hat China eine Strategie des vorausschauenden, angebotsorientierten Bauens eingeschlagen &ndash; oft Jahre dem Bedarf voraus.<\/p><p>In den 1990er-Jahren war China noch stark von jahrzehntealten, technisch veralteten Schienennetzen abh&auml;ngig, die immer wieder Ausf&auml;lle verzeichneten.<\/p><p>Ich erinnere mich noch daran, wie ich mitten im Sommer stundenlang in Waggons ohne Klimaanlage sa&szlig;, als der Zug von Peking nach Chongqing auf meiner Heimreise vom College wegen eines Motorschadens liegen blieb. Fr&uuml;her dauerte die Fahrt nach Fahrplan 40 Stunden. Heute ben&ouml;tigt der Hochgeschwindigkeitszug weniger als sieben Stunden.<\/p><p>Als China im Jahr 2004 mit dem Bau seines nationalen Hochgeschwindigkeitsbahnnetzes begann, gab es eine Welle negativer Presse aus dem Westen. Westliche &bdquo;Experten&ldquo; &auml;u&szlig;erten sich eifrig dar&uuml;ber, wie verschwenderisch das Projekt sei und dass sich die Bahn niemals rentieren w&uuml;rde.<\/p><p>Den Schwarzsehern zum Trotz hat China in den letzten 20 Jahren &uuml;ber 50.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecken gebaut und damit mehr als 70 Prozent der weltweiten Gesamtkapazit&auml;t geschaffen.<\/p><p>Am 28. September 2026 gab China die Fertigstellung von vier neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken in vier Provinzen bekannt. Diese erweitern das Netz um weitere 1.142 Kilometer.<\/p><p>Eine dieser Strecken ist die 318 Kilometer lange Verbindung Harbin&ndash;Yichun. Sie ist mittlerweile Chinas n&ouml;rdlichste Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke und f&uuml;hrt durch alpinen Permafrost.<\/p><p>Das Netz deckt nun 97 Prozent aller St&auml;dte mit mehr als 500.000 Einwohnern ab. Es wird auf daf&uuml;r vorgesehenen Bahnstrecken betrieben und erreicht eine Abfahrtsp&uuml;nktlichkeit von 98 Prozent sowie eine Ankunftsp&uuml;nktlichkeit von 95 Prozent.<\/p><p>Anstatt bei jeder einzelnen Strecke auf Profitabilit&auml;t und hohe Renditen abzuzielen, dient das chinesische Hochgeschwindigkeitsbahnsystem als &ouml;ffentliches Gut und generiert systemischen Nutzen f&uuml;r die gesamte Wirtschaft und die Allgemeinheit.<\/p><p>Die DB und China Rail repr&auml;sentieren zwei Systeme, die nach v&ouml;llig gegens&auml;tzlichen Philosophien arbeiten. Dies f&uuml;hrt zu radikal unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich der Leistungsf&auml;higkeit des Schienenverkehrs und der &ouml;konomischen Effekte.<\/p><p><strong>Vorausschauend Bauen vs. r&uuml;ckl&auml;ufige Verm&ouml;genswerte managen<\/strong><\/p><p>Chinas Infrastrukturstrategie basiert auf der Philosophie, dass der Aufbau gro&szlig; angelegter Hochleistungsverkehrsnetze Wirtschaftswachstum und zuk&uuml;nftige Nachfrage schafft, statt auf den Bedarf nur zu reagieren.<\/p><p>Indem China das weltweit gr&ouml;&szlig;te Hochgeschwindigkeitsbahnnetz aufbaute, noch bevor die Nachfrage vollst&auml;ndig ges&auml;ttigt war, konnte das Land die Engpassphase vollst&auml;ndig umgehen.<\/p><p>Demgegen&uuml;ber betreibt Deutschland ein streng bedarfssynchrones (Just-in-Time) und gewinnorientiertes Unternehmensmodell.<\/p><p>Investitionen werden nur gebilligt, wenn mathematisch nachgewiesen ist, dass die vorhandenen Kapazit&auml;ten vollst&auml;ndig ausgesch&ouml;pft sind.<\/p><p>Das bedeutet, dass zum Zeitpunkt der Planung, Finanzierung und des Baus eines Projekts die Nachfrage den Ausbau bereits bei Weitem &uuml;berholt hat, was dazu f&uuml;hrt, dass das Netzwerk permanent hinterherhinkt.<\/p><p>China hat fr&uuml;h erkannt, dass die Mischung aus langsamen G&uuml;terz&uuml;gen und schnellen Personenz&uuml;gen die Gesamtkapazit&auml;t eines Netzes einschr&auml;nkt. Beijing hat ein v&ouml;llig separates, eigens daf&uuml;r vorgesehenes Netz f&uuml;r die Hochgeschwindigkeitsz&uuml;ge Fuxing und Hexie aufgebaut.<\/p><p>Deutschland zwang hingegen schnelle Nahverkehrsz&uuml;ge dazu, dieselben Gleise mit schweren G&uuml;terz&uuml;gen zu teilen, um Geld zu sparen und den Bau v&ouml;llig neuer Strecken zu vermeiden.<\/p><p>Wenn ein langsamer G&uuml;terzug liegen bleibt, kommt auch das gesamte nationale Expressnetz zum Stillstand.<\/p><p><strong>Wirtschaftlicher Multiplikator vs. direkter Profit<\/strong><\/p><p>Der chinesische Staat betrachtet Hochgeschwindigkeitsz&uuml;ge als &ouml;ffentliches Versorgungsgut und als wirtschaftlichen Multiplikator.<\/p><p>Selbst wenn einzelne Eisenbahnlinien mit finanziellen Verlusten arbeiten oder hohe Schulden machen, sind die Investitionen aufgrund der enormen wirtschaftlichen Produktivit&auml;t, der regionalen Integration und der Stadtentwicklung, die sie erm&ouml;glichen, gerechtfertigt.<\/p><p>Im Rahmen der Privatisierung im Jahr 1994 behandelte die deutsche Regierung die DB wie ein gew&ouml;hnliches Handelsunternehmen. Der Erfolg wurde daran gemessen, ob die Betriebskosten gesenkt und ein direkter finanzieller Gewinn erzielt wurde. Dies f&uuml;hrte unmittelbar dazu, dass die pr&auml;ventive Instandhaltung der Schienenwege vernachl&auml;ssigt wurde.<\/p><p>Man w&uuml;rde vielleicht denken, dass das deutsche Modell zumindest eine h&ouml;here Kapitalrendite f&uuml;r Investoren erzielen konnte, auch wenn China einen h&ouml;heren gesamtgesellschaftlichen Nutzen erzielt.<\/p><p>Doch die Realit&auml;t zeigt eine ironische Wendung: Das deutsche Modell hat letztendlich auch die Investoren entt&auml;uscht.<\/p><p>In einem klassischen kapitalistischen System f&uuml;hrt die Vernachl&auml;ssigung der Instandhaltung von Verm&ouml;genswerten in der Regel zu hohen Dividenden f&uuml;r Investoren oder treibt die Aktienkurse in die H&ouml;he.<\/p><p>Doch weil die Privatisierung der DB unausgegoren war, erreichte sie keines von beiden. Der einzige Investor der DB ist nach wie vor die Bundesregierung, denn der Plan f&uuml;r einen B&ouml;rsengang wurde vor zwei Jahrzehnten aufgegeben.<\/p><p>Da das Bahnnetz zugunsten kurzfristiger Kosteneinsparungen des Unternehmens ruiniert wurde, holten die langfristigen Verbindlichkeiten das Unternehmen schlie&szlig;lich ein.<\/p><p>Anstatt &uuml;ppige Dividenden zu zahlen, hat die DB die Steuerzahler durch Rettungspakete Milliarden gekostet. K&uuml;rzlich meldete das Unternehmen einen Nettoverlust von 2,3 Milliarden Euro.<\/p><p>Um ihre gewaltigen Schulden in den Griff zu bekommen, war die DB gezwungen, ihr hochprofitables globales Logistiktochterunternehmen DB Schenker zu verkaufen. Damit stabilisierte sie ihre Bilanz k&uuml;nstlich.<\/p><p>Indem Deutschland ein &ouml;ffentliches Kernmonopol wie ein Privatunternehmen behandelte, schuf es kein hochprofitables Unternehmen, sondern einen &bdquo;Engpass&ldquo;, der die deutsche Wirtschaft jedes Jahr Milliarden an entgangener Unternehmensproduktivit&auml;t kostet.<\/p><p>In einer sozialistischen Marktwirtschaft wird kritische Infrastruktur &uuml;ber staatliche Unternehmen gesteuert.<\/p><p>W&auml;hrend China Rail aufgrund des Ausbaus seines umfangreichen Hochgeschwindigkeitsnetzes eine massive Schuldenlast tr&auml;gt, werden die Verluste direkt vom Staat aufgefangen.<\/p><p>Aus der Perspektive Beijings ist die direkte finanzielle Kapitalrendite von Investitionen in die Eisenbahninfrastruktur selbst zweitrangig. Der eigentliche Gewinn liegt in der gesellschaftlichen und makro&ouml;konomischen Rendite.<\/p><p>Durch die Verbindung weit verstreuter St&auml;dte senkt der Staat Transportkosten, steigert den Immobilienwert, erschlie&szlig;t regionale Arbeitsm&auml;rkte und f&ouml;rdert die wirtschaftliche Mobilit&auml;t.<\/p><p>Tats&auml;chlich subventioniert der Staat die Zugfahrkarten, um in der gesamten Gesellschaft enormen Gewinn in Form von Steuereinnahmen und Wirtschaftswachstum einzufahren.<\/p><p>Ein herausragendes Beispiel ist die Greater Bay Area in Guangdong: Sieben Metropolen &ndash; darunter Guangzhou, Shenzhen und Hongkong &ndash; sind &uuml;ber Hochgeschwindigkeitsz&uuml;ge, U-Bahnen und ein Autobahnnetz zu einem integrierten Netzwerk verbunden.<\/p><p>Die Region, die sich einer beispiellosen Lieferketten-Dichte erfreut, wird von der Weltorganisation f&uuml;r geistiges Eigentum der Vereinten Nationen als innovativster St&auml;dteverbund der Welt eingestuft, noch vor dem Silicon Valley.<\/p><p>Die gleiche Vorgehensweise wiederholt sich in nahezu jedem Bereich mit nat&uuml;rlichen Monopolen &ndash; Telekommunikation, Strom- und Wasserversorgung, nationales Autobahnnetz und Bankwesen.<\/p><p>Anstatt privatem Kapital zu erlauben, aus solchen Verm&ouml;genswerten Rentiers-Eink&uuml;nfte zu erzielen, wie es in kapitalistischen Gesellschaften geschieht, h&auml;lt Beijing diese Schl&uuml;sselbereiche der Wirtschaft fest in &ouml;ffentlicher Hand.<\/p><p>Das deutsche kapitalistische Modell versucht, die DB in eine ordentliche Schublade zu stecken und verlangt, dass die Schublade selbst profitabel sein muss.<\/p><p>Chinas staatlich gef&uuml;hrtes Modell betrachtet die Eisenbahn hingegen lediglich als ein R&auml;dchen in einem gr&ouml;&szlig;eren nationalen Getriebe.<\/p><p>Das 30-j&auml;hrige Experiment der DB hat letztlich belegt, dass man bei kritischen &ouml;ffentlichen Monopolen wie der Eisenbahn, wenn man versucht, auch noch den letzten Cent an unternehmerischen Mikrogewinnen herauszupressen, in der Regel das gesamte System zum Zusammenbruch bringt.<\/p><p><em>Der Beitrag erschien im Original bei <a href=\"https:\/\/strategic-culture.su\/news\/2026\/10\/11\/deutsche-bahn-and-china-rail\/\">Strategic Culture Foundation<\/a>. &Uuml;bersetzt aus dem Englischen von <strong>Marta Andujo<\/strong>.<\/em><\/p><p>&Uuml;ber den Autor: Hua BIN aus China ist ein ehemaliger Unternehmensleiter und Autor geopolitischer und wirtschaftlicher Analysen.<\/p><p><small>Titelbild: Hochgeschwindigkeitsbahnhof von Wuhan \/ <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/time-to-look\/32641126133\">Ted McGrath \/ flickr<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-sa\/2.0\/deed.de\">CC BY-NC-SA 2.0<\/a><\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/bba74af789f640188d462c72a5659cfb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die DB und China Rail repr&auml;sentieren zwei Systeme, die nach v&ouml;llig gegens&auml;tzlichen Philosophien arbeiten. 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