{"id":158045,"date":"2026-10-26T09:02:48","date_gmt":"2026-10-26T08:02:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158045"},"modified":"2026-10-26T10:24:31","modified_gmt":"2026-10-26T09:24:31","slug":"gute-und-boese-nazis-der-selektive-antifaschismus-in-politik-und-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158045","title":{"rendered":"Gute und b\u00f6se Nazis \u2013 der selektive Antifaschismus in Politik und Medien"},"content":{"rendered":"<p>Dem deutschen Michel wird es wahrlich nicht leicht gemacht. Hat er doch in der Schule und auch im sp&auml;teren Leben viel von den Nazis und Faschisten geh&ouml;rt, die Deutschland und Europa in den Abgrund rissen, 60 Millionen Tote, darunter 6 Millionen rassistisch motivierte Ermordungen der europ&auml;ischen Juden und 27 Millionen get&ouml;tete und ermordete sowjetische Staatsb&uuml;rger &ndash; davon rund die H&auml;lfte Zivilisten im Vernichtungskrieg im Osten. Hinzu kommen weitere viele Millionen Opfer in anderen europ&auml;ischen, vornehmlich osteurop&auml;ischen Staaten. Der faschistische Vernichtungskrieg im Osten wird massenmedial und politisch weniger thematisiert als der Holocaust an den Juden. Das hat nat&uuml;rlich nichts mit der Politik der Zwei-Klassen-Opfer zu tun, sondern ist einfach mal so. Und wie ist es mit den T&auml;tern, den Nazis? Auch hier beschleicht einen den Eindruck, dass es Zwei-Klassen-Nazis gibt. Die guten und die b&ouml;sen Nazis. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>B&ouml;se, gute und wenig wahrgenommene Nazis &ndash; Perversion in der Geopolitik?<\/strong><\/p><p>Wenn es um die Identifikation b&ouml;ser Nazis geht, reicht ein Blick in die deutsche Geschichte. Die deutsche Variante des Faschismus, der Nationalsozialismus, stellt in der Menschheitsgeschichte wohl bislang die extremste, die grausamste Form der Menschenverachtung dar: Die Rassentheorie und damit einhergehend die vermeintliche &bdquo;Rassenhierarchie&ldquo;. Der Deutsche, der Arier, an der Spitze und der Jude als vermeintlicher &bdquo;Untermensch&ldquo; ganz unten. Die anderen V&ouml;lker irgendwie dazwischen &ndash; und je dunkler die Haut-, Augen- und Haarfarbe, desto weiter unten die Zuordnung in der vermeintlichen Hierarchie. Der deutsche Nationalsozialismus verk&ouml;rperte gewisserma&szlig;en in Reinform das B&ouml;se. Daran sollten keine Zweifel gehegt werden. <\/p><p>Die deutschen Nazis waren allerdings nicht allein. In vielen europ&auml;ischen Staaten gab es Sympathisanten und Kollaborateure. Das Vichy-Regime in Frankreich, die faschistischen Regime in Italien unter Mussolini und in Spanien unter Franco, ebenso wie das kroatische Usta&scaron;a-Regime unter Pavelic nach der ersten Zerschlagung Jugoslawiens. Und auch im Baltikum wie auch in der ukrainischen Sowjetrepublik konnten sich die deutschen Nazis auf Kollaborateure mit gleicher Gesinnung verlassen. <\/p><p>Allerdings wird &uuml;ber die europ&auml;ischen faschistischen &bdquo;Kooperationspartner&ldquo; der Nazis in Politik und Massenmedien auff&auml;llig wenig berichtet. Jeder kennt, oder sollte zumindest kennen, die Konzentrationslager Auschwitz, Dachau, Buchenwald etc. Wer aber kennt das ehemalige KZ Jasenovac in Kroatien, dem damaligen Jugoslawien? Das KZ Jasenovac war das gr&ouml;&szlig;te Vernichtungs- und Konzentrationslager des faschistischen Usta&scaron;a-Regimes im sogenannten Unabh&auml;ngigen Staat Kroatien (NDH) w&auml;hrend des Zweiten Weltkrieges. Dort wurden Menschen (Serben, Roma und jugoslawische Antifaschisten, darunter Kroaten und Bosnier) wegen ihrer Ethnie oder antifaschistischen Haltung bestialisch ermordet. Die kroatische Usta&scaron;a stand in ihrer Grausamkeit den deutschen Faschisten in nichts nach. Und auch Teile der slowenischen (&bdquo;Domobranzen&ldquo;), der bosnisch-muslimischen (&bdquo;Waffen-SS-Gebirgs-Division ,Handschar&acute;&ldquo;) und albanischen (&bdquo;Balli Kombetar&ldquo;) Bev&ouml;lkerung geh&ouml;rten zu den zuverl&auml;ssigen und &bdquo;flei&szlig;igen&ldquo; Schl&auml;chtern, die mit Nazi-Deutschland engstens kooperierten. Nicht minder die ukrainischen und baltischen Faschisten &ndash; auch sie eiferten ihren deutschen Kollegen in Fragen der Grausamkeit eifrig nach. <\/p><p>Hinzu kommt: <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/20\/146\/2014648.pdf\">Ehemalige SS-Mitglieder aus dem Ausland beziehen oder bezogen Renten aus Deutschland<\/a>. Offensichtlich wird durchaus unterschieden zwischen b&ouml;sen deutschen Nazis auf der einen und am liebsten gar nicht thematisierten europ&auml;ischen, mit Deutschland verb&uuml;ndeten Nazis auf der anderen Seite.<\/p><p><strong>Vorbildliche Demokraten und Freiheitsk&auml;mpfer f&uuml;r westliche Werte oder verkappte gute Nazis?<\/strong><\/p><p>F&uuml;r den interessierten, und nur interessierten, Beobachter ist es schon auff&auml;llig, dass nicht nur Renten an alte SS-Mitglieder gezahlt wurden und vielleicht sogar noch gezahlt werden, sondern dass nach der deutschen Einheit 1990 Gruppierungen oder Staaten eine besondere Unterst&uuml;tzung durch Deutschland erhielten, die bereits mit Nazi-Deutschland eng kooperierten. Ist es schlicht Geschichtsvergessenheit oder steht eine Agenda dahinter? Ich vermag es nicht abschlie&szlig;end zu beurteilen. Der Leser m&ouml;ge sich sein eigenes Bild machen:<\/p><ol type=\"a\">\n<li><strong>Zerschlagung Jugoslawiens ab 1991<\/strong><\/li>\n<\/ol><p>Ich erinnere mich an die Worte meines Professors f&uuml;r Politikwissenschaften, der auch an der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung t&auml;tig war. Auf meine Frage, warum Deutschland die Anerkennungspolitik f&uuml;r die beiden sezessionistischen jugoslawischen Republiken Slowenien und Kroatien so vorantreibe, antwortete er salopp: Nach dem Ende des Kalten Krieges habe Deutschland kein Interesse mehr an einem jugoslawischen Staat. Diese Aussage hat mich sehr besch&auml;ftigt: Deutschland hat kein Interesse mehr an der Existenz eines anderen Staates? Mit welcher Berechtigung eigentlich? Setzen wir uns nicht zu Recht f&uuml;r das Existenzrecht Israels ein? Und warum lehnt Deutschland dann die Existenz anderer Staaten ab, zumal es sich um Staaten handelte, die ebenfalls Opfer Hitler-Deutschlands wurden?<\/p><p>Richtig ist: Den jugoslawischen Staat h&auml;tte man von au&szlig;en nicht allein zerst&ouml;ren k&ouml;nnen, wenn es nicht im Inneren bereits entsprechende Spannungen gegeben h&auml;tte. Aber die Sezessionsprozesse h&auml;tte man auch aufhalten und umkehren k&ouml;nnen. Erst die massive politische und massenmediale Unterst&uuml;tzung vor allem aus Deutschland und &Ouml;sterreich zu Gunsten slowenischer und kroatischer Nationalisten, sp&auml;ter den bosnischen Muslimen und den Albanern <a href=\"https:\/\/zeitschrift-osteuropa.de\/hefte\/2005\/9\/die-zukunft-des-kosovo\/\">in der s&uuml;dserbischen Provinz Kosovo<\/a>, schaffte den Durchbruch zur erfolgreichen Sezession meiner Auffassung nach. <\/p><p>Ich habe in den fr&uuml;hen 2000er-Jahren meine Dissertationsschrift zur Thematik der Kriegsberichterstattung &uuml;ber den Jugoslawienkrieg <a href=\"https:\/\/www.nomos-shop.de\/de\/p\/die-jugoslawien-kriegsberichterstattung-der-times-und-der-frankfurter-allgemeinen-zeitung-978-3-8329-0797-6\">verfasst<\/a> und habe seinerzeit auch rund zwei Jahre im ehemaligen Jugoslawien gearbeitet, sodass ich einen relativ guten Einblick in die dortigen Realit&auml;ten erhielt. Interessant ist, dass Deutschland in Jugoslawien genau die Volksgruppen zur Sezession (Kampf f&uuml;r &bdquo;Demokratie und Freiheit&ldquo;, f&uuml;r &bdquo;westliche Werte&ldquo; etc.) und letztlich zur Zerschlagung Jugoslawiens unterst&uuml;tzte, mit denen bereits Hitler-Deutschland kooperierte. Auch in Kroatien, Bosnien und dem Kosovo tauchten faschistische Symbole wie Hakenkreuze, SS-Abzeichen und entsprechende Flaggen in den 1990er- und fr&uuml;hen 2000er-Jahren auf. Auch dort trugen nicht wenige sezessionistische K&auml;mpfer diese Symbole auf ihren Uniformen. Der damalige erste Pr&auml;sident und Wegbereiter des kroatischen Sezessionismus, Tudjman, machte keinen Hehl <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/1999\/dec\/12\/theobserver6\">aus seiner faschistischen Gesinnung.<\/a>:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Gott sei Dank ist meine Frau weder ein Serbe noch ein Jude.<\/em>&rdquo; <\/p><\/blockquote><p>Hierzu noch ein empfehlenswerter Beitrag (<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/1999\/12\/tudj-d14.html\">&bdquo;<em>Er war ein Monstrum aber unser Monstrum&ldquo;<\/em><\/a>).<\/p><p>In Knin, einer Stadt in Kroatien, wurde ich in den sp&auml;ten 1990er-Jahren bei meinem Besuch mit erhobenem rechten Arm und &bdquo;Heil Hitler&ldquo; auf der Stra&szlig;e begr&uuml;&szlig;t, als man mein deutsches KFZ-Kennzeichen erkannte. All das war so offen zur Schau gestellt, dass es einer verst&auml;rkten Anstrengung bedurft h&auml;tte, es nicht zu sehen und zu h&ouml;ren. <\/p><p>Und dennoch stellten sich die bundesdeutschen Regierungen offen auf die Seite der kroatischen faschistischen Machthaber mit dem Argument, es gehe um &bdquo;Freiheit&ldquo;, &bdquo;Demokratie&ldquo; und das &bdquo;Selbstbestimmungsrecht&ldquo;. Die deutschen Regierungen positionierten sich umgekehrt genauso deutlich gegen Jugoslawien und gegen die gr&ouml;&szlig;te jugoslawische Republik Serbien, also genau die staatlichen Akteure und die ethnische Gruppe, die auf dem Staatsgebiet Jugoslawiens die gr&ouml;&szlig;ten Opfer durch Nazi-Deutschland und seine faschistischen Kollaborateure erlitten hatten.<\/p><p>Und das nur ein Jahr nach der Deutschen Einheit und der Charta von Paris, in der das geeinte Deutschland, wie alle anderen Unterzeichnerstaaten, die Souver&auml;nit&auml;t und territoriale Integrit&auml;t aller Staaten zu achten, sich verpflichtete. Die Bundesregierung tat genau das Gegenteil. <\/p><p>Was jedoch auch auff&auml;llig war, dass entscheidende europ&auml;ische Staaten der deutschen Jugoslawienpolitik nach anf&auml;nglichem Z&ouml;gern nachgaben und auf den Zug aufsprangen &ndash; ganz so, als h&auml;tte es Nazi-Deutschland und seinen Angriff auf Jugoslawien 1941 sowie die Kooperation mit den dortigen lokalen Faschisten nie gegeben. Ganz so, als w&auml;re sie selbst nicht auch Opfer Hitler-Deutschlands gewesen. Am Beispiel Gro&szlig;britanniens, das eigentlich mit Jugoslawien durchaus historische Verbindungen pflegte, wird der Spruch des US-amerikanischen Geopolitikers Kissinger deutlich, wonach Staaten keine Freunde, sondern Interessen h&auml;tten: Waren die Briten, wie auch die offizielle EG-Position, zun&auml;chst f&uuml;r die Aufrechterhaltung einer zumindest lockeren Konf&ouml;deration Jugoslawiens und gegen unilaterale Sezessionsschritte, beugten sie sich schlie&szlig;lich der deutschen Forderung aus einem recht eigenn&uuml;tzigen Grund: Der politischen Biographie John Majors (<em>Seldon, Anthony, &bdquo;MAJOR &ndash; A POLITICAL LIFE&rdquo;, London, 1997, S. 304 f..<\/em>), des damaligen britischen Premierministers, ist zu entnehmen, dass es sich dabei um ein politisches Gesch&auml;ft zwischen London und Bonn gehandelt habe. Deutlicher wurde der damalige britische Au&szlig;enminister Douglas Hurd in einem Gespr&auml;ch mit der <em>Financial Times<\/em>: <\/p><blockquote><p>\n    <em>&bdquo;Etwa drei Wochen nach Maastricht dr&auml;ngten uns Kohl und Genscher in der Frage Kroatiens, und wir hatten das Gef&uuml;hl, nicht ablehnen zu k&ouml;nnen. Sie hatten sich &ndash; sehr gro&szlig;z&uuml;gig &ndash; nicht gegen unsere Ausnahmeregelungen beim Sozialkapitel und bei der W&auml;hrungsunion gestellt, und wir hatten das Gef&uuml;hl, ihnen daf&uuml;r etwas schuldig zu sein.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>    <em>(&bdquo;About three weeks after Maastricht, Kohl and Genscher pushed us on Croatia and we felt we couldn&rsquo;t refuse. They had generously not opposed our opt-outs over the social chapter and monetary union and we felt we owed them something in return&ldquo;<\/em> &ndash; <em>Zitiert nach: Financial Times, 14. <\/em><em>Aug. 1999)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Waren es genau die Briten und Franzosen, die zwei Jahre zuvor noch Bauchschmerzen mit der damaligen Wende und anstehenden deutschen Wiedervereinigung angesichts der Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges hatten, pflegten sie zwei Jahre sp&auml;ter Deals &uuml;ber das Schicksal von Drittstaaten in bester kolonialistischer Tradition zu machen. Auch sie d&uuml;rften die faschistischen Symbole, Insignien und &Auml;u&szlig;erungen der Nationalisten im auseinanderbrechenden Jugoslawien nicht &uuml;bersehen haben. Handelt es sich also um &bdquo;gute&ldquo;, zumindest aber &bdquo;ertr&auml;gliche Nazis&ldquo;, solange sie nur im geopolitischen Sinne Teil des Westens werden wollten, solange sie angeblich nur &bdquo;Demokratie und westliche Werte&ldquo; leben wollten? Sind das denn die &bdquo;westlichen Werte&ldquo;?<\/p><p>Um bei der Beschreibung faschistischen Problematik fair zu bleiben, muss auch konzediert werden, dass das heutige Kroatien nicht mehr das Kroatien der 1990er- und fr&uuml;hen 2000er-Jahre ist. Ungeachtet der weitgehenden Abwendung von der faschistischen Ideologie Kroatiens hin zu einem mal mehr, mal weniger ertr&auml;glichen Patriotismus muss die Frage erlaubt sein, ob der Zweck wirklich alle Mittel heiligt. Ein Staats- und Nationenaufbau auf dem ideologischen Ger&uuml;st des Faschismus ist schlichtweg nicht akzeptabel. Das Gleiche gilt auch f&uuml;r die deutsche Jugoslawienpolitik &ndash; faschistische Kr&auml;fte als akzeptable Gespr&auml;chspartner, nur um geopolitische Ziele zu erreichen, ist mehr als fragw&uuml;rdig. Wie weit d&uuml;rfen geopolitische Machtambitionen gehen &ndash; ist der gehuldigte Faschismus und Nazismus ein akzeptabler Preis?<\/p><p>Dieses miserable politische Verst&auml;ndnis des &bdquo;Der Feind meines Feindes ist quasi automatisch mein Freund&ldquo; findet in der heutigen Ukraine nicht nur seine Fortsetzung, sondern auch seine besondere Perversion.<\/p><ol start=\"2\" type=\"a\">\n<li><strong>Ukraine<\/strong><\/li>\n<\/ol><p>Mehr noch als im ehemaligen Jugoslawien ist die Wiedergeburt des Faschismus, ja sogar der deutschen Version des Nazismus, in der Ukraine nicht zu &uuml;bersehen. Um das ganz deutlich zu sagen: Nicht das gesamte ukrainische Volk und auch nicht die gesamte ukrainische Armee sind faschistisch oder nazistisch. Die Sicherheitskr&auml;fte der Ukraine befinden sich in einem Verteidigungskrieg. &Uuml;ber die Ursachen des Krieges und auch die v&ouml;lkerrechtliche Einordnung desselben habe ich bereits mehrfach geschrieben. <\/p><p>Ebenso klar ist aber auch, dass Teile der ukrainischen Gesellschaft, der Politik und der Sicherheitskr&auml;fte der nationalsozialistischen Ideologie fr&ouml;nen. Es ist eben nicht so, dass der Nazismus in der Ukraine blo&szlig;e Zeitgeschichte ist und die ukrainische F&uuml;hrung sich vom faschistischen Erbe distanziert. Es ist eben nicht so, dass die Ukraine salopp formuliert gegen&uuml;ber dem polnischen und russischen Nachbarn sowie gegen&uuml;ber den j&uuml;dischen Hinterbliebenen erkl&auml;rt, es ist damals irgendwie dumm gelaufen mit den hunderttausenden Toten durch unsere ukrainischen Nazi-Opas. Wir entschuldigen uns daf&uuml;r und wollen gute Nachbarn sein. Wir wollen die Geschichte aufarbeiten. Nein, im Gegenteil: Nazistische Fackelm&auml;rsche, R&uuml;ckholung der Gebeine faschistischer F&uuml;hrer und deren Beerdigung mit h&ouml;chsten staatlichen Ehren, dem Staatsbegr&auml;bnis, <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/bandera-kult-ukraine-100.html\">Umbenennung von Stra&szlig;en und Pl&auml;tzen nach faschistischen F&uuml;hrern<\/a>, Hakenkreuzt&auml;towierungen, Hakenkreuz- und Wolfsangelflaggen und -fahnen, Totenkopf-SS-Symbole auf den Uniformen und so weiter <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/die-ukraine-selenskyj-und-die-oun-wenn-faschisten-als-helden-verehrt-werden-10337053\">sind Ausdruck einer spezifischen Geisteshaltung<\/a>.<\/p><p>Und diese Geisteshaltung bildet ein bestimmendes Element der neuen, der gegenw&auml;rtigen ukrainischen Nationenbildung. Und daran &auml;ndert auch ein j&uuml;discher Pr&auml;sident nichts, <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/ukraine-wolodymyr-selenskyj-nimmt-an-staatsbegraebnis-fuer-1938-ermordeten-nationalisten-teil-a-e8677db8-1084-4e73-b4d3-cb3b6db5f1c3\">denn er tr&auml;gt es mit<\/a>. Der Nazismus in der Ukraine ist auch kein Thema in Politik und Massenmedien in Br&uuml;ssel, Berlin, London oder Paris. Das Treffen mit faschistischen Kr&auml;ften auch nicht. Stattdessen wird verharmlost, die Faschisten seien ja nicht nennenswert im ukrainischen Parlament, in der Rada, vertreten. Dieses Argument wird gerne von Vertretern der Gr&uuml;nen &ndash; die Partei, die sich gerne als Antifaschismus in Reinform betrachtet &ndash; in den Debatten vorgebracht. Das Wahlverhalten 2019 &ndash; zu diesem Zeitpunkt fanden die letzten Parlamentswahlen statt &ndash; ist ein Indiz daf&uuml;r, dass die ukrainische Gesellschaft selbst in ihrer Mehrheit zumindest seinerzeit wohl nicht vom Geist des Faschismus vergiftet war. Anders schaut es im Staatsapparat aus: Die Nazis m&uuml;ssen nicht in der Rada in nennenswerter Gr&ouml;&szlig;e vertreten sein, denn sie sitzen in den Sicherheitsapparaten und lenken die Politik von dort, daf&uuml;r braucht es keine Rada-Sitze.<\/p><p>Demgegen&uuml;ber wird die AfD von den parteipolitischen und zivilgesellschaftlichen Gralsh&uuml;tern des deutschen Antifaschismus tagt&auml;glich des Nazismus &uuml;berf&uuml;hrt, von denselben Akteuren, die in der Ukraine einfach keinen Faschismus, keinen Nazismus entdecken k&ouml;nnen. Die den ukrainischen Faschismus als Wahnvorstellung oder als billiges Kremlnarrativ abzutun versuchen. <\/p><p>Zumindest in Polen gibt es gesellschaftlichen und politischen Widerstand gegen das Wegschauen, das Verharmlosen des Nazismus in der Ukraine, ohne dass Polen deshalb seine Unterst&uuml;tzung der Ukraine im Krieg selbst infrage stellt. Polen zeigt, es auch anders geht.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Geopolitik ist Machtpolitik &ndash; es geht um den Ausbau und der Aufrechterhaltung von r&auml;umlichen Einflusszonen. Machtpolitik wird mit nahezu allen denkbaren Instrumenten gef&uuml;hrt &ndash; auch mit der Instrumentalisierung des V&ouml;lkerrechts, der Androhung und Anwendung von Gewalt etc. Und in der Machtpolitik scheint auch die Devise, der Feind meines Feindes ist mein Freund, zu gelten. So weit, so gut, oder besser gesagt, so schlecht. <\/p><p>Wenn jedoch Hass auf andere oder ethnische oder zivilisatorische &Uuml;berlegenheitsideologie gegen&uuml;ber anderen V&ouml;lkern und Staaten handlungsweisend wird und dabei alle denkbaren Register bis hin zur Tolerierung oder gar Nutzung des Faschismus und des Nationalsozialismus oder des Islamismus (Libyen und Syrien) gezogen werden, l&auml;uft das moralische Koordinatensystem selbst im Rahmen der Machtpolitik aus dem Ruder. Wenn die Bef&uuml;rworter eines solchen Politikverst&auml;ndnisses sich auch noch &uuml;ber andere moralisch erh&ouml;hen, ist der Gipfel der Absurdit&auml;t, der Perversion erreicht. <\/p><p>Es gibt keine guten Nazis, gute Faschisten oder gute Islamisten, auch nicht, wenn sie &bdquo;unseren geopolitischen oder geo-&ouml;konomischen Zielen&ldquo; dienen (k&ouml;nnten). Ein praktizierter selektiver Antifaschismus, mithin ein Antifaschismus, der aus opportunistischen Erw&auml;gungen heraus auch Ausnahmen formuliert &ndash; also ein paar Nazis hier und da, die man unterst&uuml;tze, sei schon irgendwie vertretbar, da es der gr&ouml;&szlig;eren Sache diene &ndash; ist kein Antifaschismus, sondern seine Negation. Auf faschistische\/nazistische Kr&auml;fte zur&uuml;ckzugreifen, es zu wollen oder es einfach nur so geschehen zu lassen, stellt eine geistige Verwahrlosung dar und ist nichts weniger als eine geistige und gesellschaftliche Barbarisierung.<\/p><p><small>Titelbild: DmyTo\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/7c721ee61a4541539c71198b24dbe75c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem deutschen Michel wird es wahrlich nicht leicht gemacht. Hat er doch in der Schule und auch im sp&auml;teren Leben viel von den Nazis und Faschisten geh&ouml;rt, die Deutschland und Europa in den Abgrund rissen, 60 Millionen Tote, darunter 6 Millionen rassistisch motivierte Ermordungen der europ&auml;ischen Juden und 27 Millionen get&ouml;tete und ermordete sowjetische Staatsb&uuml;rger<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158045\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":158046,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[201,125],"tags":[1933,3212,1945,462,1403,1599,1919,416,955,1203,2203,260],"class_list":["post-158045","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ideologiekritik","category-rechte-gefahr","tag-antifaschismus","tag-doppelte-standards","tag-faschismus","tag-jugoslawien","tag-konzentrationslager","tag-kroatien","tag-lueckenpresse","tag-nationalsozialismus","tag-neonazismus","tag-separatismus","tag-serbien","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/shutterstock_2635576813.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/158045","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=158045"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/158045\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":158065,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/158045\/revisions\/158065"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/158046"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=158045"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=158045"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=158045"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}