{"id":15811,"date":"2013-01-11T10:59:15","date_gmt":"2013-01-11T09:59:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15811"},"modified":"2015-06-23T09:45:10","modified_gmt":"2015-06-23T07:45:10","slug":"vorstandsklausur-des-dgb-sieht-so-der-kampf-fur-einen-kurswechsel-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15811","title":{"rendered":"Vorstandsklausur des DGB: Sieht so der Kampf f\u00fcr einen \u201eKurswechsel\u201c aus?"},"content":{"rendered":"<p>Die Gewerkschaften fordern in ihren &ouml;ffentlichen Aufrufen st&auml;ndig einen politischen &bdquo;Kurswechsel&ldquo;. Zu einer Klausur hinter verschlossenen T&uuml;ren l&auml;dt der DGB-Bundesvorstand aber Politiker ein, die bestenfalls f&uuml;r ein &bdquo;Weiter so&ldquo; stehen, wenn nicht sogar &ndash; wie etwa die Kanzlerin &ndash; f&uuml;r eine weitere Beschneidung von Arbeitnehmerinteressen. Warum laden die Gewerkschaftsspitzen den SPD-Kanzlerkandidaten Steinbr&uuml;ck ein, der doch unerbittlich an dem von den Gewerkschaften zumindest in wesentlichen Teilen bek&auml;mpften Agenda-Kurs festh&auml;lt? Warum gerade den gr&uuml;nen Ministerpr&auml;sidenten Winfried Kretschmann, f&uuml;r den Schwarz-Gr&uuml;n &bdquo;eine zweite T&uuml;r&ldquo; ist?<br>\nWarum aber wird die Linkspartei, mit deren politischen Positionen die Gewerkschaften &ndash; jedenfalls nach Beschlusslage und &ouml;ffentlichen Erkl&auml;rungen &ndash; viel mehr &uuml;bereinstimmen als mit den Repr&auml;sentanten der eingeladenen Parteien, nun auch noch vom Deutschen Gewerkschaftsbund ausgegrenzt? F&uuml;r die Gewerkschaftsspitzen ist offenbar  eine &bdquo;linke&ldquo; Mehrheit, also Rot-Rot-Gr&uuml;n &ndash; selbst wenn es der W&auml;hlerwille so erg&auml;be  &ndash; keine Option. Noch mehr: die Stimmen der &uuml;ber 6 Millionen Gewerkschafter sollen noch nicht einmal als politisches Drohpotential f&uuml;r einen Kurswechsel eingesetzt werden. Ein Kampf f&uuml;r einen &bdquo;Kurswechsel&ldquo; sieht anders aus. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Am 15. und 16. Januar findet sich der DGB-Bundesvorstand zu seiner j&auml;hrlichen Klausursitzung zusammen. In diesem Jahr werden an den Beratungen <strong>Bundeskanzlerin Angela Merkel<\/strong>, CDU, und der <strong>SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbr&uuml;ck<\/strong> teilnehmen. Am Dienstagabend trifft der DGB-Bundesvorstand Winfried Kretschmann, Ministerpr&auml;sident Baden-W&uuml;rttemberg.<br>\nThemen der Gespr&auml;che werden unter anderem die inhaltliche Aufstellung des DGB zur kommenden Bundestagswahl sowie aktuelle politische Themen wie die Entwicklungen in der Wirtschaft- und Finanzkrise sein&ldquo;, so hei&szlig;t es in einer <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/presse\/++co++47d83d54-5b00-11e2-be0f-00188b4dc422\/@@index.html?tab=Pressetermin&amp;display_page=1&amp;start_date=1900-01-01&amp;end_date=2999-12-31\">Presse-Einladung zur DGB-Bundesvorstandsklausur<\/a>. <\/p><p>Der DGB und seine Gewerkschaften sind <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/uber-uns\/dgb-heute\/organisation-und-bundesvorstand\">&bdquo;pluralistisch und unabh&auml;ngig, aber keineswegs politisch neutral&ldquo;<\/a> so lautet seit eh und je die Formel, wenn Gewerkschafter nach ihrem Verh&auml;ltnis zu Parteien gefragt werden. Gewerkschaften m&uuml;ssen ihre politischen Forderungen gegen&uuml;ber allen Parteien vertreten. Es ist deshalb nichts dagegen einzuwenden, wenn der DGB-Bundesvorstand Repr&auml;sentanten der Parteien zu seiner Klausursitzung einl&auml;dt. <\/p><p>Warum aber nur die CDU-Vorsitzende und Kanzlerin Angela Merkel und den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbr&uuml;ck und warum am Rande der Klausur gerade ein Treffen mit dem Ministerpr&auml;sidenten Baden-W&uuml;rttembergs, Winfried Kretschmann von den Gr&uuml;nen?<\/p><p>Warum eigentlich nicht auch mit einem Vertreter der FDP, mit einem Politiker der LINKEN oder vielleicht sogar mit einem Piraten?<\/p><p>Nun ja, dass Philipp R&ouml;sler nicht eingeladen wurde, kann man verstehen. Dass Gewerkschaften von der FDP nichts, aber auch gar nichts erwarten k&ouml;nnen, das hat die zu Ende gehende Legislaturperiode zur Gen&uuml;ge bewiesen. Die Piraten haben sich mit gewerkschaftlichen Forderungen bisher kaum befasst und ob sie jemals im Bundestag sitzen werden, ist mehr als unsicher. Ob sie der Einladung in eine &bdquo;Klausur&ldquo; gefolgt w&auml;ren, ist eher unwahrscheinlich. W&auml;re das doch ein klarer Versto&szlig; gegen das auferlegte Transparenzgebot.<\/p><p>Aber warum grenzt der DGB auch die Partei DIE LINKE aus? Gibt es mit dieser Partei, wenn man nur einmal einige zentrale gewerkschaftliche Positionen nimmt, nicht mehr &Uuml;bereinstimmung als mit der CDU und ihrer Vorsitzenden. Man denke nur an die Forderung nach einem <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/themen\/++co++f225ddc6-f803-11e1-b953-00188b4dc422\/@@index.html?tab=Alle&amp;display_page=5&amp;k:list=Internationales%20%26%20Europa\">&bdquo;Kurswechsel f&uuml;r Europa&ldquo;<\/a>, an den Mindestlohn, an einen Stopp der Rente mit 67, an die Wiedereinf&uuml;hrung einer Verm&ouml;genssteuer oder an eine Reform der Erbschaftssteuer, an die Bek&auml;mpfung des Niedriglohnsektors und der prek&auml;ren Arbeit und und und. <\/p><p>Wenn man die gewerkschaftlichen Positionen ernst nimmt, so kann man doch sogar mehr sachliche &Uuml;bereinstimmungen mit der Linkspartei als mit der SPD feststellen, zumal wenn es um die Agenda-Politik geht, zu der sich doch Peer Steinbr&uuml;ck nahezu uneingeschr&auml;nkt bekennt. <\/p><p>Auch der gr&uuml;ne Ministerpr&auml;sident Winfried Kretschmann ist nun nicht gerade daf&uuml;r bekannt, dass er &ndash; auch innerhalb seiner Partei &ndash; f&uuml;r gewerkschaftliche Forderungen eingetreten w&auml;re. Er geh&ouml;rt zu denjenigen unter den gr&uuml;nen Spitzenpolitikern, der am offensten f&uuml;r eine schwarz-gr&uuml;ne Koalition offen ist. F&uuml;r ihn ist ein Zusammengehen mit Merkel eben <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/idw_dlf\/1925257\/\">&bdquo;eine zweite T&uuml;r&ldquo;<\/a>. Will der DGB-Bundesvorstand durch die Einladung gerade von Kretschmann etwa ein politisches Signal an die Gr&uuml;ne Partei in Richtung auf eine schwarz-gr&uuml;ne Koalition senden (sollte es mit Schwarz-Rot nicht klappen)?<\/p><p>Die Einladungen gerade an diese drei Politiker &ndash; und das wei&szlig; auch der DGB-Bundesvorstand &ndash; ist also ein klares Zeichen, dass der Dachverband der Gewerkschaften entweder von einer gro&szlig;en Koalition oder aber von Schwarz-Gr&uuml;n ausgeht, ja eine dieser beiden Regierungsbildungen sogar anstrebt. Dar&uuml;ber hinaus &ndash; und vielleicht sogar vor allem &ndash;  wird  durch die Ausgrenzung der Linkspartei deutlich, dass f&uuml;r die Gewerkschaftsspitzen &ndash; selbst wenn es der W&auml;hlerwille so erg&auml;be  &ndash; eine &bdquo;linke&ldquo; Mehrheit, also Rot-Rot-Gr&uuml;n keine Option ist &ndash; ja noch nicht einmal als politisches Drohpotential eingesetzt werden soll. <\/p><p>Es ist ja unverkennbar, dass sowohl dem DGB-Vorsitzenden Michael Sommer als auch dem Vorsitzenden der gr&ouml;&szlig;ten Einzelgewerkschaft, Berthold Huber von der IG Metall, eine gro&szlig;e Koalition am liebsten w&auml;re. Eine andere Interpretation lassen j&uuml;ngste Interview&auml;u&szlig;erungen kaum zu. <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/dgb-chef-michael-sommer-rentenpolitik-das-ist-eine-verhoehnung-der-menschen\/v_print\/7404764.html\">Sommer im Tagesspiegel<\/a>: &bdquo;Wir hatten Gl&uuml;ck, dass eine gro&szlig;e Koalition regierte, als uns die letzte Krise erwischt hat.&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/sonntagszeitung\/wir-muessen-mehr-frauen-nach-oben-bringen-11979106.html\">Huber in der FAZ<\/a>: &bdquo;Wahr ist, dass wir in der Krise ab 2008 von der Politik der damaligen gro&szlig;en Koalition profitiert haben.&ldquo; Bei der IG BCE ist das Eintreten f&uuml;r Schwarz-Rot oder vielleicht noch Rot-Schwarz schon Tradition. <\/p><p>Wenn das aber so ist, warum l&auml;dt man dann &uuml;berhaupt noch Steinbr&uuml;ck ein, der doch angeblich <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article109235836\/Steinbrueck-Nie-wieder-in-einem-Kabinett-Merkel.html\">&bdquo;nie wieder&ldquo;<\/a> in ein Kabinett Merkel eintreten will?<\/p><p>Was halten eigentlich etwa die Gewerkschaftsspitzen von ver.di oder der GEW von solchen Koalitionsw&uuml;nschen? Warum haben sie nicht auf eine Erweiterung der Einladungsliste gedr&auml;ngt? <\/p><p>Da verlangt der DGB in &ouml;ffentlichen Erkl&auml;rungen einen <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/themen\/++co++f225ddc6-f803-11e1-b953-00188b4dc422\/@@index.html?tab=Alle&amp;display_page=5&amp;k:list=Internationales%20%26%20Europa\">&bdquo;Kurswechsel f&uuml;r Europa &ndash; jetzt!&ldquo;<\/a>. Die IG Metall veranstaltete sogar einen internationalen Kongress unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.igmetall.de\/cps\/rde\/xchg\/internet\/style.xsl\/kongress-der-ig-metall-in-berlin-10671.htm\">&bdquo;Kurswechsel f&uuml;r ein gutes Leben&ldquo;<\/a> und verlangt einen <a href=\"http:\/\/www.igmetall.de\/cps\/rde\/xbcr\/SID-9F43A63D-BFA4A87B\/internet\/2012-12-19%20Eurokrise%20und%20Perspektive%20Endversion_0194508.pdf\">&bdquo;Kurswechsel jetzt!&ldquo; [PDF &ndash; 1.5 MB]<\/a>.<\/p><p>Will man den Gewerkschaftsmitgliedern etwa vorgaukeln, dass mit Merkel, Steinbr&uuml;ck oder auch Kretschmann ein &bdquo;Kurswechsel&ldquo; m&ouml;glich w&auml;re? Glaubt man auf den Vorstandsebenen der Einzelgewerkschaften tats&auml;chlich, dass man den Eingeladenen in einer Klausur &ndash; also hinter verschlossenen T&uuml;ren &ndash; politische Zugest&auml;ndnisse abringen k&ouml;nnte? Muss der DGB-Bundesvorstand nicht vielmehr damit rechnen, dass der &ouml;ffentliche  Eindruck aufkommen muss, dass man sich eher anbiedert und dass man sich damit abspeisen l&auml;sst, dass sich die Prominenz die Ehre des Besuches gibt? <\/p><p>Sollte man gerade in einem Wahljahr nicht eher daf&uuml;r sorgen, dass der DGB mit den Stimmen seiner immerhin noch &uuml;ber 6 Millionen Mitglieder ein entscheidendes Stimmgewicht f&uuml;r einen politischen Kurswechsel in die Wahlurnen wirft? <\/p><p>Wie will man bei der Bundestagswahl einen Kurswechsel herbeiw&auml;hlen, wenn eine politische Partei wie DIE LINKE, die dabei helfen k&ouml;nnte, einfach ausgegrenzt wird? Wie wollen die Gewerkschaften glaubhaft machen, dass sie f&uuml;r einen politischen Wechsel einstehen, wenn sie die Machtoption einer &bdquo;linken&ldquo; Mehrheit bei der Bundestagswahl schon im Vorfeld ausblenden und damit ausschlie&szlig;en? <\/p><p>Selbst die Gewerkschaftsspitzen, die mit Merkel, Steinbr&uuml;ck oder den Gr&uuml;nen sympathisieren, m&uuml;ssten doch wissen, dass sie ohne das Drohpotential, dass n&auml;mlich ein Teil der Gewerkschafter CDU, SPD oder Gr&uuml;nen die Stimme versagen k&ouml;nnten, politisch nichts oder kaum etwas f&uuml;r die Interessen ihrer Mitglieder erreichen k&ouml;nnen. <\/p><p>Hat die F&uuml;hrung der Gewerkschaften aus ihrer Anpassung an den Agenda-Kurs nichts gelernt?<\/p><p>Solche Fragen und noch viele andere mehr m&uuml;ssten sich eigentlich Gewerkschafter stellen, wenn sie von dieser Einladungsliste zur Klausur ihrer Vorsitzenden erfahren. <\/p><p>Wenn Sie einer Gewerkschaft angeh&ouml;ren, warum protestieren Sie nicht gegen diese Einladungsliste? Oder warum  schicken Sie nicht einfach diese und ihre weiteren Fragen noch vor der DGB-Bundesvorstandsklausur an Ihre Vertreter in diesem obersten Gremium der deutschen Gewerkschaftsbewegung. <\/p><p>Die Antworten w&uuml;rden uns sehr interessieren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gewerkschaften fordern in ihren &ouml;ffentlichen Aufrufen st&auml;ndig einen politischen &bdquo;Kurswechsel&ldquo;. Zu einer Klausur hinter verschlossenen T&uuml;ren l&auml;dt der DGB-Bundesvorstand aber Politiker ein, die bestenfalls f&uuml;r ein &bdquo;Weiter so&ldquo; stehen, wenn nicht sogar &ndash; wie etwa die Kanzlerin &ndash; f&uuml;r eine weitere Beschneidung von Arbeitnehmerinteressen. Warum laden die Gewerkschaftsspitzen den SPD-Kanzlerkandidaten Steinbr&uuml;ck ein, der doch<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15811\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[109,190],"tags":[517,1076,315,253],"class_list":["post-15811","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gewerkschaften","category-wahlen","tag-dgb","tag-kretschmann-winfried","tag-merkel-angela","tag-steinbrueck-peer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15811","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15811"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15811\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26497,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15811\/revisions\/26497"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15811"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15811"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15811"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}