{"id":158152,"date":"2026-10-28T11:39:25","date_gmt":"2026-10-28T10:39:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158152"},"modified":"2026-10-28T12:44:23","modified_gmt":"2026-10-28T11:44:23","slug":"schnallt-euch-gut-an-der-zusammenstoss-steht-bevor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158152","title":{"rendered":"Schnallt euch gut an: Der Zusammensto\u00df steht bevor"},"content":{"rendered":"<p>Im Folgenden drucken wir die Gedanken zur franz&ouml;sischen Jugendrevolte des italienischen Philosophen <strong>Andrea Zhok<\/strong> ab, den er urspr&uuml;nglich in italienischer Sprache auf seinem <a href=\"https:\/\/t.me\/andreazhok\/\">Telegram-Kanal<\/a> ver&ouml;ffentlicht hat. Deutsche &Uuml;bersetzung von <strong>Maike Gosch<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Schnallt euch gut an<\/strong><\/p><p>Die Bilder der Flammen, die das Rathaus von Limoges in Frankreich verschlingen, und des Einsturzes des Glockenturms gehen um die Welt. Vorf&auml;lle wie dieser k&ouml;nnen nur verurteilt werden, ebenso wie die Pl&uuml;nderungen, die die Proteste in vielen Regionen Frankreichs begleitet haben.<\/p><p>W&uuml;rden wir uns jedoch auf diese Ebene der Betrachtung beschr&auml;nken, w&uuml;rden wir lediglich eine klassische &Uuml;bung in kleinb&uuml;rgerlichem Konservatismus betreiben, die zwar ihre Gr&uuml;nde hat, aber auch dramatisch kurzsichtig ist. &Uuml;ber ausgebrannte Autos und zerbrochene Schaufenster zu predigen, ohne dar&uuml;ber hinauszugehen, ist nur ein Zeichen daf&uuml;r, dass man die Ernsthaftigkeit der Umst&auml;nde, in denen wir uns befinden, noch nicht begriffen hat.<\/p><p>Was wir in Frankreich beobachten &ndash; und mittlerweile in unterschiedlicher Form auch in vielen anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern (Spanien, Portugal, Albanien, Belgien und seit gestern auch in Italien) &ndash;, ist alles andere als ein irrationales Ereignis. Es gibt n&auml;mlich historische Ereignisse, die nur aus lokaler Perspektive irrational erscheinen, aber eine offensichtliche Rationalit&auml;t besitzen, wenn man sie aus ausreichender H&ouml;he betrachtet.<\/p><p>Rational bedeutet nicht, das etwas schmerzlos oder frei von Ungerechtigkeiten ist.<\/p><p>Man muss den Blick schulen, um zwei Analyseebenen gleichzeitig im Blick zu behalten: jene, auf der man bestimmte Handlungen und bestimmte Personen als barbarisch, unzivilisiert oder vandalistisch beurteilen kann, und jene, auf der man verstehen kann (und muss), dass die Geschichte immer ein Fluss ist, in dem Tr&uuml;mmer und Leichen treiben, der sich aber nicht durch Predigten aufhalten l&auml;sst.<\/p><p>Was gerade geschieht, folgt einer eisernen kollektiven Rationalit&auml;t, auch wenn diejenigen, die daran beteiligt sind, oft nur ein begrenztes oder gar kein Verst&auml;ndnis daf&uuml;r haben.<\/p><p>Die Erfahrung, die die europ&auml;ischen Bev&ouml;lkerungen seit vielen Jahren mit ihren herrschenden Klassen machen, ist die eines anonymen technokratischen Organismus, einer sich selbst bewegenden Gummimauer, die sich auf &bdquo;Autopilot&ldquo; bewegt und den Bed&uuml;rfnissen der Bev&ouml;lkerung v&ouml;llig gleichg&uuml;ltig gegen&uuml;bersteht. Das Ziel dieser mit der Finanzwelt verflochtenen technokratischen Schichten bestand darin, die Gewissen der Menschen mit dem heutigen Opium des Volkes &ndash; den Medien (Entertainment &amp; Infotainment) &ndash; einzulullen und die Widerspenstigen mit restriktiven Ma&szlig;nahmen zu z&auml;hmen (ein Schlag mit dem Schlagstock hier, eine Kontosperrung dort, ein kleines Wahlgesetz hier, eine Wahlannullierung dort usw.).<\/p><p>Die allgemeine, stillschweigende und unbestrittene Pr&auml;misse der europ&auml;ischen F&uuml;hrungsschichten lautet, dass man mit dem P&ouml;bel nicht vern&uuml;nftig reden kann, sondern einfach Zuckerbrot und Peitsche abwechselnd einsetzt.<\/p><p>Alles, was &ouml;ffentlich gesagt wird, ist stets eine instrumentalisierte L&uuml;ge, ohne Ausnahme, abgesehen von den vereinzelten F&auml;llen, in denen eine Wahrheit ihrerseits instrumentalisiert werden kann. Die &ouml;ffentliche Debatte ist zu einem endlosen Theaterst&uuml;ck geworden, das sich immer weniger darum k&uuml;mmert, einen Anschein von Glaubw&uuml;rdigkeit zu wahren.<\/p><p>So glaubt niemand, der bei klarem Verstand ist, wirklich, dass Russland im Begriff ist, in unser Land einzufallen, aber das hindert Scharen von institutionellen Schw&auml;tzern nicht daran, diesen Unsinn jeden Tag mit ernstem Gesicht zu wiederholen. Und nat&uuml;rlich wei&szlig; die ganze Welt, dass in diesem M&auml;rchenspiel, das von den Boulevardzeitungen angeheizt wird, der einzige relevante Punkt &ndash; der stabile Dreh- und Angelpunkt bei allen wechselnden Umst&auml;nden &ndash; die Absicht ist, willk&uuml;rlich &uuml;ber &ouml;ffentliche Ressourcen zu verf&uuml;gen, um sie privaten Interessen zuzuf&uuml;hren.<\/p><p>Kurz gesagt: Die herrschenden Klassen haben sich l&auml;ngst daran gew&ouml;hnt, die Bev&ouml;lkerung wie dumme Tiere zu behandeln, denen sie keine rationale Begr&uuml;ndung schulden und die einerseits mit selektiven Verlockungen und gezielten Privilegien, andererseits durch Entmachtung zu lenken sind.<\/p><p>Und dieser Mechanismus kann funktionieren und funktioniert auch lange Zeit.<\/p><p>Bis er nicht mehr funktioniert.<\/p><p>Und er funktioniert nicht mehr an dem Tag, an dem zu viele Menschen zu viel verlieren, um es sich leisten zu k&ouml;nnen, in einem Zustand der Lethargie zu verharren.<\/p><p>Man darf &bdquo;zu viel verlieren&ldquo; hier nicht mit Dingen wie &bdquo;Tod durch Verhungern&ldquo; gleichsetzen.<\/p><p>In einer modernen Gesellschaft geraten die Menschen schon lange bevor sie &bdquo;verhungern&ldquo; in einen Zustand unertr&auml;glicher Entbehrung.<\/p><p>Heute bedeutet es beispielsweise f&uuml;r den Gro&szlig;teil der Bev&ouml;lkerung, vom Rest der Welt, von der Arbeit, vom sozialen Leben und vom Leben selbst abgeschnitten zu sein, wenn man es sich nicht leisten kann, ein Auto zu nutzen oder Zugang zum Internet zu haben. Und die Tatsache, dass Autos und Handys einst Luxusg&uuml;ter waren, bedeutet nichts: Jetzt ist dies die neue Ebene der &bdquo;Teilnahme am gemeinsamen Leben&ldquo;, das, was Leben von Nicht-Leben unterscheidet.<\/p><p>Ein Volk, das wie Lasttiere gez&uuml;chtet wird, denen man gelegentlich &bdquo;panem et circenses&ldquo;, beschissene Gelegenheitsjobs und Fernsehpropaganda verabreicht, wird &ndash; an dem Tag, an dem dieses Spiel ins Stocken ger&auml;t &ndash; f&uuml;r die Argumente der &ouml;ffentlichen Anst&auml;ndigkeit, des Respekts vor Eigentum, der Ehrerbietung gegen&uuml;ber Denkm&auml;lern usw. nicht empf&auml;nglich sein.<\/p><p>Diejenigen, die Autos, historische Geb&auml;ude und Gesch&auml;fte in Brand stecken, sind kulturell und moralisch benachteiligte Menschen. Doch die wahren Schuldigen, diejenigen, die zur Rechenschaft gezogen werden sollten, sind jene obersten Schichten, die diese Benachteiligung gef&ouml;rdert und gewollt haben, weil sie dachten, es sei n&uuml;tzlich f&uuml;r sie.<\/p><p>Heute steht der Druckkochtopf kurz vor der Explosion. Selbst wenn diese Welle wieder abebben sollte, ist dies nur der Anfang, denn die europ&auml;ischen F&uuml;hrungsschichten sind weder materiell noch kulturell in der Lage, den Kurs zu korrigieren. Also schnallt euch an, denn der Zusammensto&szlig; steht bevor.<\/p><p><small>Titelbild: Pierre Laborde \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema: <\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157839\">Der &bdquo;Macronismus&ldquo; ist am Ende &ndash; Das franz&ouml;sische Volk begehrt auf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157818\">Die Jugend rebelliert &ndash; und die Eliten verstehen die Welt nicht mehr<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Folgenden drucken wir die Gedanken zur franz&ouml;sischen Jugendrevolte des italienischen Philosophen <strong>Andrea Zhok<\/strong> ab, den er urspr&uuml;nglich in italienischer Sprache auf seinem <a href=\"https:\/\/t.me\/andreazhok\/\">Telegram-Kanal<\/a> ver&ouml;ffentlicht hat. 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