{"id":158163,"date":"2026-10-28T13:37:01","date_gmt":"2026-10-28T12:37:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158163"},"modified":"2026-10-28T14:12:14","modified_gmt":"2026-10-28T13:12:14","slug":"norwegen-und-finnland-reden-mit-moskau-bundesregierung-setzt-auf-eskalation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158163","title":{"rendered":"Norwegen und Finnland reden mit Moskau \u2013 Bundesregierung setzt auf Eskalation"},"content":{"rendered":"<p>W&auml;hrend Finnland und Norwegen den Dialog mit Moskau suchen, setzen die gro&szlig;en europ&auml;ischen NATO-Staaten und insbesondere die Bundesregierung weiter auf Aufr&uuml;stung und eine immer engere Anbindung der Ukraine an den Milit&auml;rpakt &ndash; auf Kosten jeder Verhandlungsl&ouml;sung. Von <strong>Sevim Dagdelen<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Ein Anruf aus dem Norden<\/strong><\/p><p>Wenn nach viereinhalb Jahren in Moskau das Telefon klingelt, sind es der finnische und der norwegische Regierungschef Alexander Stubb und Jonas Gahr St&oslash;re, die sich ein Herz gefasst und den russischen Staatschef Wladimir Putin angerufen haben, um &uuml;ber ein Ende des Ukraine-Krieges zu sprechen. <\/p><p>Warum ausgerechnet diese beiden L&auml;nder, fragt man sich. Vielleicht, weil Norwegen und Finnland eine ganz eigene Geschichte mit der Sowjetunion und ihrem Nachfolgestaat, der Russischen F&ouml;deration, verbindet. Die sowjetischen Truppen, die die norwegische Provinz Finnmark 1944 befreit hatten, zogen sich am 1. September 1945 zur&uuml;ck. <\/p><p>Finnland, das sich am V&ouml;lkermord an den V&ouml;lkern der Sowjetunion durch die Blockade von Leningrad beteiligt hatte und im besetzten Karelien Konzentrationslager betrieb, in denen die russische Bev&ouml;lkerung interniert wurde, hatte lange auf eine Au&szlig;enpolitik gesetzt, die eine NATO-Mitgliedschaft ausschloss und eine Ber&uuml;cksichtigung sowjetischer und russischer Sicherheitsinteressen zur Maxime erkl&auml;rt hatte. Die Sowjetunion hatte den verpachteten Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt Porkkala bei Helsinki 1956 vorzeitig zur&uuml;ckgegeben. Interessensausgleich pr&auml;gte &uuml;ber Jahrzehnte das gemeinsame Verh&auml;ltnis. <\/p><p>Trotz der finnischen NATO-Wende im Zuge des Ukraine-Krieges scheint Finnland sich im Unterschied zu den anderen europ&auml;ischen Staaten allerdings noch einen Rest Verstand bewahrt zu haben. Und auch wenn das gemeinsame Telefonat sich im Vortragen bekannter gegens&auml;tzlicher Positionen ersch&ouml;pfte, war es ein Zeichen, dass man im Norden an der russischen Grenze bereit ist zum Dialog. <\/p><p><strong>Wer den Dialog verweigert<\/strong><\/p><p>Wer aber nicht bereit ist zum Dialog, sind die anderen europ&auml;ischen NATO-Mitgliedstaaten. Das wurde deutlich in der harten Kritik der d&auml;nischen Ministerpr&auml;sidentin am Anruf in Moskau. Die sogenannten E5-Staaten &ndash; Deutschland, Frankreich, Gro&szlig;britannien, Italien und Polen &ndash; sendeten am 26. Oktober bei ihrem Treffen in Paris ein ganz anderes Signal aus. Nicht um Verhandlungen, sondern um weitere Aufr&uuml;stungsgarantien f&uuml;r Kiew ging es bei der Zusammenkunft mit dem ukrainischen Verteidigungsminister. <\/p><p>W&auml;hrend also in Abu Dhabi Russland, die USA und die Ukraine &uuml;ber ein Ende des Krieges verhandeln, verfolgen die gro&szlig;en europ&auml;ischen NATO-Staaten weiterhin ihre milit&auml;rischen Ziele auf Kosten der Ukrainer. Insbesondere SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius erweist sich als besonderer Scharfmacher. Putin sei nicht an ernsthaften Verhandlungen interessiert, so sein Mantra, um Deutschland und Europa aus den Verhandlungen herauszuhalten. <\/p><p><strong>Immer engere Anbindung an die NATO<\/strong><\/p><p>W&auml;hrenddessen wird auch an anderer Stelle durch die NATO neu eskaliert. Die Ukraine erh&auml;lt jetzt zum ersten Mal Zugang zu R&uuml;stungsauftr&auml;gen der NATO und kann &uuml;ber die R&uuml;stungsbeschaffungsagentur des Milit&auml;rpakts Vertr&auml;ge abschlie&szlig;en. Die NATO Support and Procurement Agency teilte mit, die Ukraine sei der sogenannten Sicherheitspartnerschaft SCSP beigetreten. Von nun an k&ouml;nnen ukrainische R&uuml;stungsschmieden an NATO-Ausschreibungen teilnehmen und die Beschaffung von Milit&auml;rg&uuml;tern mitgestalten. Die Ukraine ist das erste Nicht-NATO-Mitglied, das an dieser Agentur des Milit&auml;rpakts teilnehmen kann. <\/p><p>Der Beitritt ist definitiv eine deutlich engere operative und technologische Anbindung Kiews an die NATO als bisher. Das ist auch ein politisches Signal, dass eine Verhandlungsl&ouml;sung im Ukraine-Krieg von Seiten der NATO schlicht nicht erw&uuml;nscht ist. Eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine ist ein zentraler Knackpunkt bei den Verhandlungen. Russland hatte stets auf eine Neutralit&auml;t des Landes gedrungen. Mit der NATO-Entscheidung vom 22. Oktober setzt man ein klares Signal, dass man weiterhin an einer immer engeren Kooperation von Seiten der NATO mit der Ukraine arbeitet, um so auch m&ouml;gliche Verhandlungsergebnisse, die die Neutralit&auml;t der Ukraine festzuschreiben bereit sind, institutionell zu hintertreiben. <\/p><p>Die NATO setzt weiterhin auf Expansion und sieht in der Herausforderung Russlands ihr sicherheitspolitisches Heil. Die Europ&auml;er insgesamt sind weiter nicht verhandlungsbereit und signalisieren sogar offen, jede Verhandlungsl&ouml;sung torpedieren zu wollen. Ja, allein ein Gespr&auml;ch mit Moskau zu f&uuml;hren, wird abgelehnt.<\/p><p>Das Telefonat des finnischen und norwegischen Regierungschefs bleibt ein Hoffnungsschimmer. Zumal diese beiden Russland-Anrainer Gespr&auml;chsbedarf zu sehen scheinen. Wenn es nicht anders geht, m&uuml;sste das ein Modell sein. Wenn die Europ&auml;er als Ganzes nicht verhandeln wollen, dann k&ouml;nnten es zumindest einzelne europ&auml;ische Staaten tun. Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass insbesondere Deutschland, letztlich die Bev&ouml;lkerung, f&uuml;r die Blockadehaltung der Bundesregierung einen hohen Preis wird zahlen m&uuml;ssen &ndash; weit &uuml;ber die bisherigen wirtschaftlichen Sch&auml;den hinaus.<\/p><p><small>Titelbild: 3D_Hue \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&auml;hrend Finnland und Norwegen den Dialog mit Moskau suchen, setzen die gro&szlig;en europ&auml;ischen NATO-Staaten und insbesondere die Bundesregierung weiter auf Aufr&uuml;stung und eine immer engere Anbindung der Ukraine an den Milit&auml;rpakt &ndash; auf Kosten jeder Verhandlungsl&ouml;sung. 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