{"id":158251,"date":"2026-10-30T11:50:44","date_gmt":"2026-10-30T10:50:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158251"},"modified":"2026-10-30T12:52:02","modified_gmt":"2026-10-30T11:52:02","slug":"israels-brandmauern-und-wie-netanjahu-von-der-politischen-blockade-profitiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158251","title":{"rendered":"Israels Brandmauern \u2013 und wie Netanjahu von der politischen Blockade profitiert"},"content":{"rendered":"<p>Die Wahlen in Israel haben die politische Blockade des Landes nicht aufgel&ouml;st. Der israelische &Ouml;konom und Publizist Shir Hever analysiert, welche Rolle die &bdquo;Brandmauern&ldquo; zwischen den Parteien dabei spielen, wie Netanjahu davon profitiert und warum die wichtigste dieser Brandmauern aus seiner Sicht nicht zwischen politischen Lagern verl&auml;uft, sondern die pal&auml;stinensische Bev&ouml;lkerung von politischer Macht ausschlie&szlig;t. Ein Kommentar von <strong>Shir Hever<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie USA haben ein regionales Mehrheitswahlsystem nach dem &bdquo;Winner takes all&ldquo;-<a href=\"https:\/\/fordhampoliticalreview.org\/two-party-systems-duvergers-law-and-political-polarization\/\">Prinzip<\/a>, was dazu f&uuml;hrt, dass auf Bundesebene faktisch nur zwei Parteien vertreten sind. In Deutschland dagegen, wo f&uuml;r den Einzug in den Bundestag die F&uuml;nf-Prozent-H&uuml;rde gilt, sind f&uuml;nf Parteien vertreten. In Israel, wo die H&uuml;rde bei <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2026\/10\/27\/israel-election-results-2026-when-will-we-know-who-won-and-whats-next\">3,25 Prozent<\/a> liegt und die Zahl der Wahlberechtigten nur etwa ein Neuntel derjenigen in Deutschland betr&auml;gt, sind 11 Parteien in die Knesset eingezogen.<\/p><p>Nachdem die <a href=\"https:\/\/www.haaretz.co.il\/news\/elections\/2026-10-29\/ty-article\/000001a1-88d4-def7-adad-8afc90b10000\">Stimmen<\/a> ausgez&auml;hlt waren, ergab sich folgendes Bild: Die 120 Sitze der Knesset verteilen sich auf die Parteien, von der kleinsten (Religi&ouml;ser Zionismus mit sechs Sitzen) bis zur gr&ouml;&szlig;ten (Likud mit 27 Sitzen).<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/261030-isreal-brandmauer-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Die Ergebnisse &uuml;berraschen nicht: Sie &auml;hneln weitgehend dem Ausgang aller sechs Wahlen, die zwischen 2015 und 2022 in Israel stattfanden, die mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen endeten, bei dem es fast zu einem Unentschieden kam. Keine der elf Parteien hat eine Vorsitzende &ndash; nur M&auml;nner f&uuml;hren Israels militaristische Politik.<\/p><p>Ein kurzer Blick auf die Grafik <a href=\"https:\/\/bdsmovement.net\/news\/Israels-Elections-A-Vote-For-Ongoing-Genocide-And-Apartheid-Against-Palestinians\">zeigt<\/a>, dass 101 der 120 Sitze in der Knesset von Parteien besetzt sind, die den anhaltenden V&ouml;lkermord im Gazastreifen unterst&uuml;tzen. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien sind geringf&uuml;gig und drehen sich haupts&auml;chlich darum, wer Netanjahu unterst&uuml;tzt und wer ihn ablehnt, obwohl selbst seine sch&auml;rfsten Kritiker unter den zionistischen Parteien nicht davon sprechen, ihn an den IStGH auszuliefern.<\/p><p>Dennoch sagten die <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2026\/10\/27\/israel-election-results-2026-when-will-we-know-who-won-and-whats-next\">Umfragen<\/a> etwas anderes voraus: einen Sieg der Oppositionsparteien.<\/p><p>Auch Israels <a href=\"https:\/\/www.the7eye.org.il\/topic\/%D7%A1%D7%A7%D7%99%D7%A8%D7%AA-%D7%A2%D7%99%D7%AA%D7%95%D7%A0%D7%95%D7%AA\">vier<\/a> gr&ouml;&szlig;te Zeitungen gingen davon aus, dass Gadi Eisenkot (israelischer Politiker und ehemaliger Generalstabschef der israelischen Streitkr&auml;fte) die besten Chancen habe, eine Regierung zu bilden. Das Wunschdenken steckte sogar die deutschen Medien an: Das Magazin <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/ausland\/gadi-eisenkot--das-ist-der-mann--der-israel-vor-netanjahu-retten-soll-37607176.html\"><em>Stern<\/em><\/a> salbte Eisenkot zum &bdquo;Retter Israels&ldquo;.<\/p><p>Im Jahr 2022 gab es allerdings eine Anomalie: Das rechte Lager konnte eine absolute Mehrheit erringen und m&uuml;helos eine Regierung bilden. Warum geschah das? Und warum ist die Blockade in der israelischen Politik so l&auml;hmend? Die Antwort lautet: die Brandmauern. Das ist f&uuml;r deutsche Leserinnen und Leser angesichts der deutschen <a href=\"https:\/\/orf.at\/stories\/3408865\/\">Brandmauer<\/a> gegen die AfD besonders relevant.<\/p><p>Netanjahu konnte 2022 die Mehrheit erreichen, indem er die Brandmauer gegen die kahanistische extreme Rechte aufhob &ndash; gegen die faschistische, rassistische Partei &bdquo;<a href=\"https:\/\/bip-jetzt.de\/2022\/11\/12\/bip-aktuell-236-die-neue-israelische-rechtsextreme-partei\/\">Religi&ouml;ser Zionismus<\/a>&ldquo;, die in einem Wahlb&uuml;ndnis mit gleichem Namen mit anderen Parteien bei den Wahlen 2022 14 Sitze erhielt und Netanjahus Mehrheit sicherte. Zu diesem Wahlb&uuml;ndnis geh&ouml;rte auch die Partei Otzma Yehoudit, die aus der vom Rabbiner Meir <a href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/zaiken\/AppData\/Local\/Temp\/pid-13456\/timesofisrael.com\/understanding-the-ominous-rise-of-israels-most-notorious-ultra-nationalist\">Kahane<\/a> gegr&uuml;ndeten Kach-Partei hervorgegangen ist. Der Kach-Partei wurde 1988 die Kandidatur bei den Wahlen untersagt; 1994 wurde sie als Terrororganisation eingestuft.<\/p><p>Itamar Ben-Gvir (Vorsitzender der Partei Otzma Yehudit) und Bezalel Smotrich (Vorsitzender der Partei Religi&ouml;ser Zionismus) f&uuml;hlten sich durch ihren Erfolg ermutigt und beschlossen, bei der Wahl 2026 getrennt anzutreten; sie erhielten 7 bzw. 6 Sitze. Ben-Gvirs Partei hei&szlig;t weiterhin &bdquo;Otzma Yehudit&ldquo;, was &bdquo;J&uuml;dische St&auml;rke&ldquo; bedeutet &ndash; ein unverhohlener Aufruf zur j&uuml;dischen Vorherrschaft, der dem Slogan wei&szlig;er Rassisten &bdquo;White Power&ldquo; entspricht. Smotrich nahm im Windschatten des Falls der Brandmauer Moshe Feiglin in seine Partei auf. Feiglin <a href=\"https:\/\/newarab.com\/news\/israeli-ex-likud-politician-quotes-hitler-gaza-expulsion-call\">sagte<\/a> 2024:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir sind keine G&auml;ste in unserem Land. Dies ist unser Land, ganz und gar. Wie Hitler sagte: &sbquo;Ich kann nicht leben, wenn ein einziger Jude &uuml;brig ist.&lsquo; Wir k&ouml;nnen hier nicht leben, wenn ein einziger &sbquo;Islamo-Nazi&lsquo; in Gaza &uuml;brigbleibt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Die AfD, der in Deutschland eine Brandmauer gegen&uuml;bersteht, deutet die Entscheidung, sie auszuschlie&szlig;en, nicht als Folge ihrer politischen &Uuml;berzeugungen und Handlungen, sondern als eine Entscheidung, die auf ihrer Identit&auml;t beruht. Jedes AfD-Mitglied k&ouml;nnte, wenn es wollte, beschlie&szlig;en, die Menschenw&uuml;rde und das Grundgesetz zu achten, und sich in einer der anderen Parteien Deutschlands engagieren. Versteht man den Ausschluss dagegen als identit&auml;tsbasiert, ist das etwas anderes. Die AfD nimmt eine <a href=\"https:\/\/www.sonntagsblatt.de\/artikel\/gesellschaft\/umgang-mit-der-afd-welche-strategie-funktioniert-ausgrenzung-oder\">Opferrolle<\/a> ein, als w&uuml;rde sie wegen Dingen ausgegrenzt, auf die sie keinen Einfluss hat. Die Anh&auml;nger der AfD k&ouml;nnen kaum aufh&ouml;ren, wei&szlig;e, christlich erzogene deutsche Muttersprachler zu sein. Sie k&ouml;nnen nicht &auml;ndern, wer ihre Gro&szlig;eltern waren und was diese in der Nazizeit getan haben.<\/p><p>Diese Strategie macht die AfD und jede extrem rechte Bewegung auf der Welt <a href=\"https:\/\/www.sonntagsblatt.de\/artikel\/gesellschaft\/umgang-mit-der-afd-welche-strategie-funktioniert-ausgrenzung-oder\">m&auml;chtiger<\/a>. In Kanada und den USA argumentierte der Psychologe <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PfH8IG7Awk0\">Jordan Peterson<\/a>: Wenn Minderheiten f&uuml;r ihre Rechte k&auml;mpfen k&ouml;nnen, warum sollten Wei&szlig;e nicht f&uuml;r ihre Rechte k&auml;mpfen? Diese Logik, wonach das Recht, von Unterdr&uuml;ckung befreit zu werden, genau dasselbe sei wie das Recht, andere zu unterdr&uuml;cken, hat <a href=\"https:\/\/www.voanews.com\/a\/white-nationalists-hone-narrative-of-victimization\/3990775.html\">Trump<\/a> zum Pr&auml;sidenten der USA gemacht.<\/p><p>In Israel ist diese Logik tief in der Gesellschaft verankert, und das seit der Gr&uuml;ndung des Staates. In einer <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/14623520601056240\">Kolonialgesellschaft<\/a> ist der Akt des Kolonisierens sowohl eine politische Handlung, die eine bestimmte politische Position anzeigt, als auch eine Identit&auml;t. Der Kolonisator wird sowohl durch sein Handeln definiert als auch durch seine Identit&auml;t als jemand, der aus Europa stammt, nun aber in Pal&auml;stina lebt. Mizrachim (Juden, die aus mehrheitlich muslimischen L&auml;ndern stammen) wurden im Kolonisierungsprojekt aufgrund ihrer Identit&auml;t <a href=\"https:\/\/aljadid.com\/node\/2104\">bestimmte Rollen<\/a> zugewiesen, was zugleich ein Akt rassistischer Diskriminierung durch die aschkenasischen (europ&auml;isch-j&uuml;dischen) Eliten war.<\/p><p>Die verschiedenen Str&ouml;mungen der israelischen Politik, aus denen politische Parteien hervorgegangen sind, werden allesamt viel st&auml;rker durch ihre <a href=\"https:\/\/www.voanews.com\/a\/israeli-election-bared-ethnic-tensions-among-jews\/2706866.html\">Identit&auml;t<\/a> definiert als durch ihre politischen &Uuml;berzeugungen. Obwohl einige Parteien (wie der Likud oder Yashar) behaupten, eine bestimmte politische Agenda zu verfolgen, nutzen diese Parteien in der Praxis die Identit&auml;t als Quelle der Legitimation. Der Likud ver&ouml;ffentlicht kein <a href=\"https:\/\/www.ynetnews.com\/articles\/0,7340,L-4334643,00.html\">Programm<\/a>. Die W&auml;hler sollen der F&uuml;hrung vertrauen, und in mehreren <a href=\"https:\/\/www.walla.co.il\/news\/politics\/2845580\">Interviews<\/a> sagten W&auml;hler: &bdquo;Ich w&auml;hle Likud, weil es in unserer Familie Tradition ist, Likud zu w&auml;hlen; wir sind seit 1977 Likud-W&auml;hler.&ldquo; Bei Yashar ist es nicht anders. Obwohl die Partei neu ist (sie ist nie zuvor angetreten), gewann sie an St&auml;rke, indem sie auf die Identit&auml;t der Gener&auml;le setzte, die sie anf&uuml;hren &ndash; allen voran Eisenkot selbst, der im Gaza-Krieg seinen Sohn und seinen Neffen <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/ex-idf-chief-eisenkots-nephew-dies-in-gaza-fighting-day-after-eisenkots-son-killed\/\">verloren<\/a> hat &ndash;, und auf den Hass seiner W&auml;hler gegen Likud-W&auml;hler, der ebenfalls auf Identit&auml;t beruht.<\/p><p>Was ist der Unterschied zwischen Yashar und B&rsquo;Yachad? Yashar bedeutet auf Hebr&auml;isch &bdquo;gerade&ldquo; oder &bdquo;ehrlich&ldquo;. &bdquo;B&rsquo;Yachad&ldquo; bedeutet &bdquo;zusammen&ldquo;. Vertreten die beiden Parteien unterschiedliche Programme? <a href=\"https:\/\/arabcenterdc.org\/resource\/opposition-parties-offer-no-alternative-political-visions-in-israels-elections\/\">Kaum<\/a>. Doch Umfragen haben gezeigt, dass es sie viele Stimmen <a href=\"https:\/\/jbiznews.com\/?p=334073\">kosten<\/a> w&uuml;rde, wenn sie zu einer gr&ouml;&szlig;eren Partei fusionieren w&uuml;rden. Zehntausende Israelis weigern sich, eine Partei zu w&auml;hlen, auf deren Liste Personen der einen oder der anderen Partei stehen, und so sehen wir, dass sich die Brandmauern nicht nur gegen die extreme Rechte richten, sondern auch gegen andere Gruppen.<\/p><p>Die bekannteste selbst auferlegte Beschr&auml;nkung, also Brandmauer, betrifft die ultraorthodoxen Juden, die in ihren beiden Parteien vertreten sind: Shas (&uuml;berwiegend Mizrachim) und UTJ (englische Abk&uuml;rzung f&uuml;r &bdquo;United Torah Judaism&ldquo;, &bdquo;Vereinigtes Tora-Judentum&ldquo;, &uuml;berwiegend aschkenasisch). Die <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2024\/6\/25\/israels-supreme-court-orders-conscription-for-ultra-orthodox-men\">meisten<\/a> Ultraorthodoxen sind vom Milit&auml;rdienst befreit, w&auml;hrend f&uuml;r andere j&uuml;dische Israelis die Wehrpflicht gilt. Der Groll j&uuml;discher Zionisten gegen die Ultraorthodoxen n&auml;hrte einen Hass, der die Ultraorthodoxen als <a href=\"https:\/\/www.ynetnews.com\/article\/3878962\">Parasiten<\/a> darstellte, als faul, gierig und weibisch &ndash; allesamt antisemitische Stereotype, die in Europa ge&auml;chtet w&auml;ren, in Israel aber allt&auml;glich sind. Sowohl Shas als auch UTJ <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/ultra-orthodox-party-rules-out-coalition-with-lapid\/\">erkl&auml;rten<\/a>, sie w&uuml;rden wegen seiner hasserf&uuml;llten &Auml;u&szlig;erungen gegen die Ultraorthodoxen keiner Koalition mit Jair Lapid beitreten. Lapid ist derzeit auf der 2. Platz der Partei B&rsquo;Yachad.<\/p><p>Ebenso erkl&auml;rten bestimmte zionistische Parteien, sie w&uuml;rden niemals einer Koalition mit den ultraorthodoxen Parteien beitreten. Zum Beispiel ist Yisrael Beiteinu (&bdquo;Israel, unser Zuhause&ldquo;) unter Avigdor Lieberman ebenso weit rechts wie der Likud, wom&ouml;glich sogar noch weiter, <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/unveiling-party-slate-liberman-vows-not-to-enter-coalition-with-ultra-orthodox\/\">weigerte<\/a> sich aber, der vorherigen Koalition (2022-2026) beizutreten, weil dort die Ultraorthodoxen vertreten waren. Das ist eine weitere Brandmauer, die die Koalitionsbildung zus&auml;tzlich erschwert.<\/p><p>Woran erkennen wir, welche Brandmauer h&ouml;her und f&uuml;r die israelische Politik zentraler ist als eine andere? An der Sprache. Der Diskurs &uuml;ber die Unterschiede zwischen den zionistischen Parteien wird hitzig gef&uuml;hrt, bleibt aber innerhalb der Grenzen dessen, was im israelischen politischen Diskurs sagbar ist. Eine noch h&ouml;here und m&auml;chtigere Brandmauer ist eine, die fast nie erw&auml;hnt wird, weil sie so tief im israelischen Diskurs verankert ist, dass man sie als selbstverst&auml;ndlich hinnimmt: die Tatsache, dass die pal&auml;stinensischen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger Israels nicht wirklich als vollwertige Staatsangeh&ouml;rige <a href=\"https:\/\/jfjfp.com\/israels-opposition-should-remember-there-is-no-democracy-without-arabs\/\">gelten<\/a>. Im <a href=\"https:\/\/www.adalah.org\/uploads\/uploads\/Final_2_pager_on_the_JNSL_27.11.2018%20.pdf\">Nationalstaatsgesetz<\/a> von 2018 wird pal&auml;stinensischen B&uuml;rgern das Recht auf nationale Selbstbestimmung verwehrt. Sie sind auf individuelle Rechte beschr&auml;nkt.<\/p><p>Israelische Zeitungen berichteten &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.jpost.com\/israel-election-2026\/article-912371\">drei Bl&ouml;cke<\/a> (wie die Grafik oben zeigt) und fassten dabei die Gemeinsame Liste und Ra&rsquo;am, zwei nichtzionistische arabische Parteien, in einem eigenen Block zusammen. Indem sie den Block aus vier Parteien als &bdquo;Oppositionsparteien&ldquo; bezeichneten, unterschlugen sie, dass auch die beiden arabischen Parteien Oppositionsparteien sind. Da es sich jedoch um arabische Parteien handelt, werden sie von den israelischen Mainstream-Medien nicht als echte Opposition anerkannt, denn die Rolle der Opposition besteht darin, um die Bildung einer Regierungskoalition zu k&auml;mpfen &ndash; was f&uuml;r diejenigen fast undenkbar ist, die Israel als &bdquo;j&uuml;dischen Staat&ldquo; sehen und damit meinen: einen <a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/latest\/campaigns\/2022\/02\/israels-system-of-apartheid\/\">Apartheidstaat<\/a>.<\/p><p>Netanjahu konzentrierte seinen gesamten Wahlkampf auf einen einzigen Punkt: Er <a href=\"https:\/\/arabcenterdc.org\/resource\/israels-election-and-eisenkots-arab-coalition-dilemma\/\">sagte<\/a>, &bdquo;Eisenkot wird mit den Arabern eine Koalition bilden&ldquo; &ndash; ein Vorwurf, der f&uuml;r jeden, der meint, dass in einer Demokratie B&uuml;rger am politischen Prozess teilnehmen d&uuml;rfen, unverf&auml;nglich klingen mag. Im israelischen Kontext klingt Netanjahus Warnung wie die Anschuldigung, Eisenkot werde einen Tabubruch begehen. Als die Wahlergebnisse ver&ouml;ffentlicht wurden, <a href=\"https:\/\/www.haaretz.co.il\/news\/elections\/2026-10-28\/ty-article\/000001a1-7f8b-de48-aba1-ffdba6e10000\">erkl&auml;rte<\/a> Netanjahu: &bdquo;Der rechte Block hat in der zionistischen &Ouml;ffentlichkeit eine klare Mehrheit.&ldquo; Tats&auml;chlich ist Netanjahus Mehrheit solide, wenn man 21 Prozent der B&uuml;rger ignoriert. Eine Brandmauer gegen eine ganze Minderheit ist keine Brandmauer mehr, sondern eine <a href=\"https:\/\/www.pennpress.org\/9780812239270\/ethnocracy\/\">Ethnokratie<\/a>.<\/p><p>Es gibt mehrere Szenarien daf&uuml;r, was nun geschehen kann. Nach israelischem Recht <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2026\/10\/27\/israel-election-results-2026-when-will-we-know-who-won-and-whats-next\">entscheidet<\/a> der Pr&auml;sident Izchak Herzog, wer als Erster die Chance erh&auml;lt, eine Koalition zu bilden. Netanjahu k&ouml;nnte einige Oppositionspolitiker (vielleicht sogar von der arabischen Ra&rsquo;am-Partei) auf seine Seite ziehen und doch noch eine Mehrheitskoalition bilden. Eisenkot k&ouml;nnte sein Wahlversprechen <a href=\"https:\/\/www.972mag.com\/eisenkot-netanyahu-election-failed-strategy\/\">brechen<\/a> und eine Koalition oder Minderheitsregierung mit der Gemeinsamen Liste bilden, doch damit w&uuml;rde er sich selbst delegitimieren und seine politische Karriere zerst&ouml;ren, was Netanjahu die M&ouml;glichkeit g&auml;be, die Koalition zu destabilisieren und die Macht zu &uuml;bernehmen, so wie er es bereits 2022 <a href=\"https:\/\/forward.com\/news\/506677\/israels-change-government-promised-political-stability-but-that-didnt-hold-the-guide-to-a-fifth-election\">getan<\/a> hatte, indem er Mitglieder von Bennetts Partei zum Parteiwechsel &uuml;berredete, vorgezogene Wahlen erzwang und diese gewann.<\/p><p>Die beiden k&ouml;nnten sich sogar auf eine Art Einheitsregierung oder Rotation einigen, was in der Praxis die Fortsetzung von Netanjahus Herrschaft bedeuten w&uuml;rde. Sollte keine dieser Optionen gelingen, gibt es eine weitere Wahl, und Netanjahu bleibt in der Zwischenzeit <a href=\"https:\/\/www.idi.org.il\/articles\/27002\">gesch&auml;ftsf&uuml;hrender<\/a> Ministerpr&auml;sident mit au&szlig;erordentlichen Befugnissen. Er k&ouml;nnte zwar immer noch Kriege anzetteln, aber er kann nicht abgesetzt werden.<\/p><p>All diese Optionen deuten darauf hin, dass Netanjahu enorme Macht beh&auml;lt. Die Zeitung <em>Haaretz<\/em> <a href=\"https:\/\/jfjfp.com\/israels-opposition-should-remember-there-is-no-democracy-without-arabs\/\">begann<\/a>, das Undenkbare zu erw&auml;gen, und forderte Eisenkot auf, sein Versprechen zu brechen und eine Koalition mit der Gemeinsamen Liste zu bilden. Obwohl diese Empfehlung wohl kaum ernstgenommen wird, erinnert sie uns daran, dass es noch eine weitere Brandmauer gibt, die bisher nicht erw&auml;hnt wurde. 3,3 Millionen Pal&auml;stinenser im Westjordanland und 2,1 Millionen <a href=\"https:\/\/english.aawsat.com\/arab-world\/5097128-gaza-population-down-6-start-war-says-palestinian-statistics-bureau\">Pal&auml;stinenser<\/a> im Gazastreifen unterstehen israelischer <a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/latest\/news\/2024\/07\/icj-opinion-declaring-israels-occupation-of-palestinian-territories-unlawful-is-historic-vindication-of-palestinians-rights\/\">Herrschaft<\/a>, m&uuml;ssen <a href=\"https:\/\/al-shabaka.org\/policy-memos\/palestinian-clearance-revenues-israels-tool-to-collapse-the-pa\/\">Steuern<\/a> an Israel zahlen und die israelische W&auml;hrung verwenden, sind entrechtet. Sie haben in Israels Apartheidsystem &uuml;berhaupt keine Vertretung. Eines Tages werden sie ihre Freiheit und ihre Rechte haben.<\/p><p>Das Beispiel Israels zeigt, dass der Ausschluss bestimmter Parteien nach dem Prinzip der &bdquo;Brandmauer&ldquo; die Gefahr birgt, die Debatte vom Inhalt auf die Identit&auml;t zu verlagern, was die Macht der extremen Rechten st&auml;rken kann. In Israel hat dies zu einer politischen Pattsituation gef&uuml;hrt, die Netanjahu geschickt ausnutzt, um <a href=\"https:\/\/naharnet.com\/stories\/en\/262865-netanyahu-makes-israeli-history-as-longest-serving-premier\">l&auml;nger<\/a> an der Macht zu bleiben als jeder andere Staatschef in der Geschichte Israels. Eines Tages werden diese Mauern fallen. Wenn die Pal&auml;stinenser, die in dem von Israel kontrollierten Gebiet die Mehrheit bilden, das gleiche Stimmrecht haben, wird die Mehrheitskoalition auch die Meinungen der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung widerspiegeln. Wenn dieser Tag kommt, wird es keinen j&uuml;dischen Staat in der heutigen Form mehr geben, aber es wird Demokratie geben.<\/p><p><small>Titelbild: Felix Lipov \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158094\">Parlamentswahlen und eine Sinnkrise in Israel: Ist ein Neuanfang m&ouml;glich?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=157980\">Israel: Wahlen im Zeichen von Krieg &ndash; Die fehlende Vision von Frieden<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wahlen in Israel haben die politische Blockade des Landes nicht aufgel&ouml;st. Der israelische &Ouml;konom und Publizist Shir Hever analysiert, welche Rolle die &bdquo;Brandmauern&ldquo; zwischen den Parteien dabei spielen, wie Netanjahu davon profitiert und warum die wichtigste dieser Brandmauern aus seiner Sicht nicht zwischen politischen Lagern verl&auml;uft, sondern die pal&auml;stinensische Bev&ouml;lkerung von politischer Macht ausschlie&szlig;t.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158251\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":158252,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[175,190],"tags":[2580,2686,1926,303,255],"class_list":["post-158251","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-israel","category-wahlen","tag-apartheid","tag-identitaetspolitik","tag-netanjahu-benjamin","tag-palaestina","tag-wahlanalyse"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/shutterstock_4204664053.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/158251","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=158251"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/158251\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":158279,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/158251\/revisions\/158279"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/158252"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=158251"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=158251"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=158251"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}