{"id":158256,"date":"2026-10-30T13:00:48","date_gmt":"2026-10-30T12:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158256"},"modified":"2026-10-30T14:27:56","modified_gmt":"2026-10-30T13:27:56","slug":"skandal-ohne-skandal-die-mittelbayerische-zeitung-und-eine-bsw-veranstaltung-mit-michael-meyen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158256","title":{"rendered":"Skandal ohne Skandal: Die Mittelbayerische Zeitung und eine BSW-Veranstaltung mit Michael Meyen"},"content":{"rendered":"<p>Die <em>Mittelbayerische Zeitung<\/em> zeigt gerade, wie man als Zeitung das Meinungsklima vergiftet. In einem scheinbar nachrichtlichen Artikel geht es drunter und dr&uuml;ber. Stein des Ansto&szlig;es: Das BSW hat den Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen zu einem Vortrag eingeladen. Thema: &bdquo;Journalismus und Macht&ldquo;. Meyen richtet sich in einem <a href=\"https:\/\/www.freie-medienakademie.de\/medien-plus\/rufmord-journalismus\">Offenen Brief<\/a> an die verantwortliche Chefredakteurin Andrea Rieder. Klar ist: Eine journalistisch entkernte Berichterstattung zeigt sich l&auml;ngst auch im Lokaljournalismus. Anonyme Heckensch&uuml;tzen d&uuml;rfen losfeuern, Medien skandalisieren, wo kein Skandal ist. Die Hauptsache ist, es trifft die Kritiker der Machtverh&auml;ltnisse. Weltanschauung sticht Journalismus. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1306\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-158256-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261030_Skandal_ohne_Skandal_Die_Mittelbayerische_Zeitung_und_eine_BSW_Veranstaltung_mit_Michael_Meyen_NDS.mp3?_=1\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261030_Skandal_ohne_Skandal_Die_Mittelbayerische_Zeitung_und_eine_BSW_Veranstaltung_mit_Michael_Meyen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261030_Skandal_ohne_Skandal_Die_Mittelbayerische_Zeitung_und_eine_BSW_Veranstaltung_mit_Michael_Meyen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261030_Skandal_ohne_Skandal_Die_Mittelbayerische_Zeitung_und_eine_BSW_Veranstaltung_mit_Michael_Meyen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=158256-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/261030_Skandal_ohne_Skandal_Die_Mittelbayerische_Zeitung_und_eine_BSW_Veranstaltung_mit_Michael_Meyen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"261030_Skandal_ohne_Skandal_Die_Mittelbayerische_Zeitung_und_eine_BSW_Veranstaltung_mit_Michael_Meyen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die <em>Mittelbayerische Zeitung<\/em> ver&ouml;ffentlicht einen <a href=\"https:\/\/www.mittelbayerische.de\/lokales\/stadt-regensburg\/streit-um-umstrittenen-redner-in-regensburg-initiative-gegen-rechts-fordert-absage-22291604\">Artikel<\/a> (hinter Bezahlschranke), der sich auf eine anonyme &bdquo;Initiative gegen Rechts&ldquo; st&uuml;tzt. Ziel ist: Michael Meyen. Grund: Das BSW hat den sich mittlerweile im Ruhestand befindlichen Professor zu einem Vortrag eingeladen. Eine anonyme &bdquo;Initiative gegen Rechts&ldquo; schmeckt nicht, dass Meyen im &ouml;rtlichen Kolpinghaus auftritt, und setzt mit einer &bdquo;Pressemitteilung&ldquo; zur Skandalisierung an. Prompt greift die <em>Mittelbayerische<\/em> &bdquo;das Thema&ldquo;, das ein seri&ouml;ser Journalismus schnell als weltanschaulich verseucht erkannt und abgelehnt h&auml;tte, auf. Und, voil&agrave;, die Skandalisierung beginnt.<\/p><p>&bdquo;Streit um BSW-Veranstaltung&ldquo; lautet die &Uuml;berschrift. Nur, realistisch betrachtet: Es gibt keinen Streit. Was es gibt, ist eine Initiative, der die <em>Mittelbayerische Zeitung<\/em> eine B&uuml;hne bietet &ndash; und die aus dem Schatten der Anonymit&auml;t Folgendes in dem Blatt sagen darf: &bdquo;Meyen hat sich in der Vergangenheit zu antisemitischen, verschw&ouml;rungsideologischen und extrem rechten Kreisen hervorgetan.&ldquo;<\/p><p>So geht&rsquo;s, Knall auf Fall. Die Schlagworte gibt die <em>Mittelbayerische<\/em> ohne auch nur den Ansatz einer kritischen Perspektivierung weiter. &bdquo;Antisemitisch&ldquo;, &bdquo;verschw&ouml;rungsideologisch&ldquo;, &bdquo;extrem rechte Kreise&ldquo;? Bei diesen Begriffen steht auch ohne Verhandlung fest: Schuldig im Sinne der Anklage.<\/p><p>Willkommen beim publizistischen &bdquo;Standgericht&ldquo;.<\/p><p>&bdquo;Begr&uuml;ndungen&ldquo; l&auml;sst die <em>Mittelbayerische<\/em> durch die Initiative wiedergeben: Meyen &bdquo;sei&ldquo; Herausgeber der Publikation &bdquo;Demokratischer Widerstand&ldquo; und habe das Buch &bdquo;Die Propaganda-Matrix&ldquo; ver&ouml;ffentlicht. &bdquo;Fachleute&ldquo; w&uuml;rden das Buch als &bdquo;verschw&ouml;rungstheoretisch und wissenschaftlich unseri&ouml;s&ldquo; einstufen.<\/p><p>&bdquo;Gott&ldquo;, m&ouml;chte man sagen, &bdquo;bewahre uns vor diesen Experten!&ldquo; Wahrscheinlich sind das jene Experten, die von der Coronaimpfung als &bdquo;nebenwirkungsfrei&ldquo; gesprochen haben. Aber lassen wir das.<\/p><p>Erstens: Meyen <em>ist<\/em> nicht Herausgeber des &bdquo;Demokratischen Widerstands&ldquo;, sondern <em>war<\/em> der Mitherausgeber &ndash; f&uuml;r kurze Zeit. Die richtige Formulierung w&auml;re: &bdquo;sei gewesen&ldquo;. Hier hat die Zeitung also eine Falschaussage wiedergegeben.<\/p><p>Zweitens: Das Buch Propaganda-Matrix liegt gerade hier auf dem Schreibtisch. Es ist ein ausgezeichnetes Buch von einem, der die Machtverh&auml;ltnisse im journalistischen Feld intellektuell durchdrungen hat.<\/p><p>Aber lassen wir das und kommen zu drittens: Die W&ouml;rter &bdquo;verschw&ouml;rungstheoretisch&ldquo; und &bdquo;verschw&ouml;rungsideologisch&ldquo; sind Kampfbegriffe &ndash; die eine anst&auml;ndige Zeitung nicht einfach so ins Blatt zu werfen lassen hat.<\/p><p>Und damit sind wir beim Punkt.<\/p><p>Journalismus.<\/p><p>Bei einem so einem heiklen Thema, wo das Ansehen und die Reputation eines Menschen auf dem Spiel stehen, ist journalistische Verantwortung gefragt.<\/p><p>Ein seri&ouml;ser Journalismus h&auml;tte die Pressemitteilung der Initiative mit Kopfsch&uuml;tteln gelesen und gebeten, zuk&uuml;nftig nicht mehr von einer derlei weltanschaulichen D&uuml;rftigkeit bel&auml;stigt zu werden.<\/p><p>Doch die <em>Mittelbayerische<\/em> nimmt Kampfbegriffe auf, hilft Raunen und Emp&ouml;rungsgetue, &Ouml;ffentlichkeit zu verschaffen.<\/p><p>Meyen ist &ndash; das darf man nicht au&szlig;er Acht lassen &ndash; ein reputierter Kommunikationswissenschaftler und Journalismusforscher. F&uuml;r seinen Weg bis hin zum Inhaber eines Lehrstuhls an der M&uuml;nchner Ludwig-Maximilians-Universit&auml;t (LMU) und zum Erfolg als Spiegel-Bestseller-Autor gibt es gute Gr&uuml;nde.<\/p><p>Gute Gr&uuml;nde gibt es auch f&uuml;r seine Positionierung als Medienkritiker. Meyen hat &ndash; in alter linker Tradition &ndash; die Trias Macht, Herrschaft und Journalismus beleuchtet.<\/p><p>Dass er dabei unbequem werden und anecken musste, ergibt sich von selbst.<\/p><p>Dass Meyen sich herausnahm, im Mai 2020 Ken Jebsen ein Interview zu geben, missfiel den Lordsiegelbewahrern unserer Zeit.<\/p><p>Dass Meyen sich nicht einsch&uuml;chtern lie&szlig;, weiter machte und die &bdquo;roten Linien&ldquo; der Meinungsw&auml;chter missachtete, <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Sueddeutsche-Anklageschrift-in-Nachrichtenform-gegen-kritischen-Professor-4770614.html?seite=all\">missfiel noch mehr<\/a>.<\/p><p>Der Rest ist Geschichte. Die Geschichte einer Hetzjagd gegen einen Professor, der kein Arschkriecher der Macht war.<\/p><p>Das, und vieles mehr, hat eine Zeitung die &Ouml;ffentlichkeit wissen zu lassen, wenn sie denn unbedingt dar&uuml;ber &bdquo;berichten&ldquo; will, dass es vorgeblich ein Problem mit einem Auftritt Meyens vor Ort gibt.<\/p><p>Die <em>Mittelbayerische<\/em> l&auml;sst aus. Sie baut auf das Getue der Initiative und klebt Meyen sofort am Anfang des Artikels das Etikett &bdquo;umstritten&ldquo; an.<\/p><p>Journalismus am Ende.<\/p><p>Warum ist Meyen &bdquo;umstritten&ldquo; &ndash; aber Merz, Pistorius und viele andere, die doch zweifelsfrei auch &bdquo;umstritten&ldquo; sind, nicht?<\/p><p>&Uuml;ber die, sagen wir: h&ouml;chst umstrittene, Verwendung des Begriffs &bdquo;umstritten&ldquo; ist l&auml;ngst ein <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109070\">Buch<\/a>, das zum Spiegel-Bestseller wurde, erschienen. Das Label &bdquo;umstritten&ldquo; heftet der &bdquo;Qualit&auml;tsjournalismus&ldquo; unserer Zeit oft genug jenen an, die er an den publizistischen Pranger stellen will. Umstritten ist, wer die &bdquo;falsche&ldquo; Meinung vertritt.<\/p><p>Der <em>Mittelbayerischen<\/em> scheint das egal. Der Autor, <a href=\"https:\/\/www.mittelbayerische.de\/autoren\/philip_hell-10757636\">Philip Hell<\/a>, greift zu dem Begriff. Und: Immer wieder findet, auf die eine oder andere Weise, die Formulierung &bdquo;extrem rechts&ldquo; Anwendung &ndash; siebenmal, z&auml;hlt Meyen.<\/p><p>Anders gesagt: Die negative Rahmung ist gesetzt. Da hilft es auch nichts, dass noch eine Ex-Stadtr&auml;tin zum Ende des Artikels Meyen verteidigen darf.<\/p><p>Ein journalistisches Feigenblatt, zur Absicherung.<\/p><p>Die Macht der anonymen Worte und Beschuldigungen entfaltet sich. Zum Schluss des Artikels erf&auml;hrt der Leser: &bdquo;Kolpinghaus-Chef k&uuml;ndigt Pr&uuml;fung an&ldquo;.<\/p><p>Pluralismus? Meinungsvielfalt? Auftritt von Herrschaftskritikern?<\/p><p>Da muss &bdquo;gepr&uuml;ft&ldquo; werden.<\/p><p>Wie eine Zeitung das Meinungsklima vergiftet? Hier sehen wir es.<\/p><p>Die Methode ist altbekannt. Ob bei dem Historiker <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Ein-Journalismus-nahe-an-der-Grenze-zur-Manipulation-3377435.html?seite=all\">Daniele Ganser<\/a>, der Russland-Expertin Gabriele Krone-Schmalz, Michael Meyen usw.: Immer wieder wollen &bdquo;Initiativen&ldquo; Auftritte verhindern &ndash; und skandalisieren mit Hilfe von Medien, die in weltanschaulicher Komplizenschaft verbunden sind.<\/p><p>Die Sicht der anderen? F&uuml;r manche ist sie kaum zu ertragen.<\/p><p>Journalistischer Standard: Wer in der &Ouml;ffentlichkeit in einem seri&ouml;sen Medium etwas sagen m&ouml;chte, muss seinen Namen offenbaren. F&uuml;r anonyme &Auml;u&szlig;erungen ist zwar Platz &ndash; aber nur unter Umst&auml;nden, die Anonymit&auml;t zwingend erforderlich machen. Anonymit&auml;t im Journalismus dient dazu, Aussagen zu erm&ouml;glichen, die von hohem &ouml;ffentlichen Interesse sind. Nichts davon tr&auml;gt hier.<\/p><p>Beitr&auml;ge wie diese sind journalistisch untragbar. Die <em>Mittelbayerische<\/em> tr&auml;gt sie dennoch. Auch die Chefredakteurin <a href=\"https:\/\/www.mittelbayerische.de\/autoren\/andrea_rieder-14188166\">Andrea Rieder<\/a> tr&auml;gt sie mit. Warum?<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot NDS<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/91e7898f0e2441dbb08375daff227bac\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die <em>Mittelbayerische Zeitung<\/em> zeigt gerade, wie man als Zeitung das Meinungsklima vergiftet. In einem scheinbar nachrichtlichen Artikel geht es drunter und dr&uuml;ber. Stein des Ansto&szlig;es: Das BSW hat den Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen zu einem Vortrag eingeladen. Thema: &bdquo;Journalismus und Macht&ldquo;. Meyen richtet sich in einem <a href=\"https:\/\/www.freie-medienakademie.de\/medien-plus\/rufmord-journalismus\">Offenen Brief<\/a> an die verantwortliche Chefredakteurin Andrea Rieder. 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