{"id":15832,"date":"2013-01-14T09:10:55","date_gmt":"2013-01-14T08:10:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15832"},"modified":"2015-06-23T09:47:52","modified_gmt":"2015-06-23T07:47:52","slug":"eine-replik-auf-leserbriefe-zur-zwangsgebuhren-kampagne-der-verleger-rundfunk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15832","title":{"rendered":"Eine Replik auf Leserbriefe zur \u201eZwangsgeb\u00fchren\u201c- Kampagne der Verleger Rundfunk."},"content":{"rendered":"<p>Auf den <a href=\"Http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15722\">Gastbeitrag vom 7.1.<\/a> mit dem Titel &bdquo;Angstbei&szlig;er&ldquo; &ndash; Zur Kampagne der Verleger gegen die &bdquo;Zwangsgeb&uuml;hr&ldquo; kamen einige kritische Mails unserer Leser. Unten folgt eine Replik des Gastautors. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nVorweg noch:<br>\nEs gab Kritik von NDS-Leserinnen und &ndash;Lesern, die selbst auf Fernsehen und H&ouml;rfunk verzichten und deshalb nicht einsehen, eine pauschale Geb&uuml;hr bezahlen zu m&uuml;ssen. Andere Kritiker wiesen darauf hin, in unserem Gastbeitrag sei nicht ausreichend ber&uuml;cksichtigt worden, dass auch der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk ziemlich &bdquo;auf den Hund gekommen&ldquo; ist. Sie haben mit Recht angemerkt, dass wir in vielen Beitr&auml;gen auf den NachDenkSeiten sehr kritisch mit Produkten des &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehens umgehen. Ich pers&ouml;nlich habe des &Ouml;fteren schon eine weit gehende Gleichschaltung vieler Medien, auch eine Gleichschaltung mit der herrschenden Ideologie festgestellt.<br>\nDie Kritiker beachten bei ihrer Kritik allerdings zu wenig, dass der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk, vor allem das Fernsehen, auch deshalb so schlecht geworden ist, weil er bewusst in diese Richtung getrieben worden ist, vor allem &uuml;ber den Kampf um die Einschaltquoten. Da ich den Kampf der privaten und potentiellen privaten Veranstalter von Fernsehen und H&ouml;rfunk seit Anfang an &ndash; seit 1977 &ndash; verfolge, habe ich auch deren Taktik beobachtet, das Konkurrenzprodukt (&ouml;ffentlich-rechtliches Fernsehen und H&ouml;rfunk) immer schlechter werden zu lassen, um damit Argumente f&uuml;r die private Konkurrenz zu finden.<br>\nAuf diese Erfahrung h&auml;tte ich bei der Einf&uuml;hrung zum Artikel &bdquo;Angstbei&szlig;er&ldquo; am 7.1. hinweisen m&uuml;ssen. Ich bedaure dieses Vers&auml;umnis.<\/p><p>Es folgt die Stellungnahme des Autors:<\/p><p><strong>Die &bdquo;Zwangsgeb&uuml;hren&ldquo;- Kampagne der Verleger und der &Ouml;ffentlich-Rechtliche Rundfunk<\/strong><\/p><p><strong>Eine Replik auf einige Leserbriefe,<\/strong><br>\n<strong>von Justus Meyer<\/strong><\/p><p>Wie ich auch aus Gespr&auml;chen mit Freunden wei&szlig;, ist das Thema Rundfunkgeb&uuml;hren hochgradig emotional besetzt. Das geht so weit, dass das neue System sogar von Menschen, die seit dem 1. Januar weniger bezahlen, weil die Abgabe eben jetzt pro Haushalt und nicht mehr pro Empfangsger&auml;t f&auml;llig wird, abgelehnt wird. Dabei spielt eine gro&szlig;e Rolle, dass Viele durchaus das Gef&uuml;hl haben, nun gefangen zu sein in einem Zwangssystem. W&auml;hrend man fr&uuml;her angeben konnte,  kein Ger&auml;t zu haben und so nichts zahlen musste, scheint einem dieser &bdquo;einfache Ausweg&ldquo; nun versperrt. Nat&uuml;rlich kann man sich weiterhin aus sozialen Gr&uuml;nden von der Geb&uuml;hr befreien lassen &ndash; doch der Gedanke, sich dann rechtfertigen zu m&uuml;ssen, bereitet vielen Probleme. <\/p><p>Auch einige NDS-Leser haben meine Anmerkungen zur &bdquo;Zwangsgeb&uuml;hren&ldquo;-Kampagne der Verlage heftig kritisiert. Dabei ging es den meisten allerdings nicht um mein Anliegen &ndash; die Kampagne der Verlage aufzuzeigen &ndash; , sondern grunds&auml;tzlich darum, ob ARD und ZDF &uuml;berhaupt Geb&uuml;hren bekommen sollten und ob sie ihrem Auftrag &uuml;berhaupt noch gerecht werden.<\/p><p>Letzteres kann man sich wirklich fragen. Seit der Einf&uuml;hrung der kommerziellen Sender sind ARD und ZDF beliebiger und auch stromlinienf&ouml;rmiger geworden, haben ihren Informationsanteil in Spartensender oder ins Nachtprogramm verschoben und wagen eher weniger Experimente als dass sie neue Ma&szlig;st&auml;be setzen. Das wird nicht nur hier auf den Nachdenkseiten immer wieder kritisiert. Das bedeutet aber meiner Meinung nach nicht: der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk muss weg.<\/p><p>Was man nicht vergessen darf: es gibt immer noch, und nun auf mehr Sender verteilt, in Fernsehen und H&ouml;rfunk hochkar&auml;tige Informations- und Unterhaltungsangebote. Man macht sich das dann klar, wenn man sich einfach mal vorstellt, wie ein Fernsehabend verlaufen w&uuml;rde, g&auml;be es die &ouml;ffentlich-rechtlichen Programme nicht. Auch ich schaue wenig TV, weil ich meine Zeit lieber aktiv nutze, war aber sehr froh, bei Krankheit an einem oder zwei Abenden in der letzten Woche u.a. eine hervorragende Reportage &uuml;ber den internationalen Kunsthandel und den letzten F&auml;lscherskandal auf Phoenix schauen zu k&ouml;nnen, eine Wiederholung von Dieter Wedels &bdquo;Schattenmann&ldquo;- Mehrteiler auf 3SAT und eine Diskussion &uuml;ber Politiker-Geh&auml;lter im Bayerischen Rundfunk. In einem reinen Kommerzfunk, der zudem keine Konkurrenz von ARD und ZDF f&uuml;rchten m&uuml;sste und dadurch vermutlich noch flacher w&auml;re, h&auml;tte ich kein vergleichbares Angebot gehabt. Noch gravierender f&auml;llt der Unterschied im Radio aus, auch wenn die popul&auml;ren Wellen der ARD &ndash; zugegebenerma&szlig;en &ndash; immer seichter werden.<\/p><p>Mehrfach kam von Lesern das Argument, sie s&auml;hen nicht ein, f&uuml;r ein Angebot zahlen zu m&uuml;ssen, das sie selbst nicht nutzen &ndash; sei es, weil sie nur Radio h&ouml;ren m&ouml;chten oder sei es, weil sie Medienkonsum an sich ablehnen. Auch dieses Argument kann ich durchaus verstehen, weil ich lange Jahre selbst ausschlie&szlig;lich H&ouml;rfunk genutzt habe. Ich teile auch die Ansicht, dass es den meisten Menschen gut t&auml;te, sie s&auml;&szlig;en nicht st&auml;ndig vor der Glotze. Allein: ich kann das Fernsehen leider nicht abschaffen und da ich meine Mitmenschen auch nicht dazu zwingen kann, es aus zu lassen, m&ouml;chte ich dazu beitragen, dass es eine vern&uuml;nftige Alternative zu den Privatsendern gibt &ndash; und das schlie&szlig;t auch Volksmusiksendungen ein.<\/p><p>Ich m&ouml;chte beispielsweise auch gerne, dass meine Mutter im Altersheim, die nicht mehr die Konzentration zum Lesen findet, kein permanent durch Werbeclips unterbrochenes Fernsehprogramm, inklusive Dieter Bohlen und Heidi Klum schauen muss. Und ich m&ouml;chte auch, dass Menschen, die &ndash; etwa durch ihre Sozialisation &ndash; keine Zeitungen lesen oder es sich abends mit einem Buch gem&uuml;tlich machen, die M&ouml;glichkeit haben, sich halbwegs anst&auml;ndig zu informieren oder sich unterhalten zu lassen. Ich m&ouml;chte keine amerikanischen Verh&auml;ltnisse, in denen sich nur eine gut verdienende Elite teures und werbefreies Abonnementsfernsehen leisten kann.<\/p><p>Wir alle zahlen f&uuml;r Dinge, die wir selbst nicht nutzen. Ich fahre beispielsweise kein Auto, komme aber trotzdem f&uuml;r die entsprechende Infrastruktur auf. Ich gehe nicht in die Oper, subventioniere sie aber indirekt mit. Kinderlose kommen f&uuml;r Kinderg&auml;rten mit auf, Autofahrer f&uuml;r den &ouml;ffentlichen Nahverkehr. Auch das mag den ein oder anderen &auml;rgern, aber nur so funktioniert unsere Gesellschaft. Man k&ouml;nnte das auch altmodisch &bdquo;Solidarit&auml;t&ldquo; nennen.<\/p><p>Ein Leser &auml;rgerte sich &uuml;ber die Formulierung, ARD und ZDF seien f&uuml;r die Demokratie unabdingbar. Das war nicht in erster Linie mein Argument, sondern das ist die Auffassung des Bundesverfassungsgerichtes. Damit ist aber auch nicht gemeint, dass ARD und ZDF so bleiben m&uuml;ssen, wie sie zur Zeit sind. Es geht eher darum, dass es in Deutschland ein System geben muss, in dem sicher gestellt ist, dass sich eine Mehrheit der B&uuml;rger zu angemessenen Kosten &uuml;ber die Dinge der Gesellschaft informieren, sie diskutieren und sich eine Meinung bilden kann. Bislang wird dies, in der Auffassung des BVErfG, nur durch das &ouml;ffentlich-rechtliche System garantiert. Das bedeutet nicht, dass das in Zukunft so bleiben muss. Wenn Privatanbieter ein &auml;hnliches System garantieren k&ouml;nnten, k&ouml;nnte das auch anders werden. Nur sieht es danach nicht aus. Wenn die Verlage im Internet Bezahlschranken errichten, wie geplant, dann werden ARD und ZDF mit ihren Online-Angeboten eher an Bedeutung gewinnen.<\/p><p>Braucht es daf&uuml;r allerdings so viele &ouml;ffentlich-rechtliche Sender? Und m&uuml;ssen die so sein, wie sie zur Zeit sind? Das sind berechtigte Fragen. Deshalb noch einmal mein Argument: ARD, ZDF und all die anderen Sender sind der Rundfunk aller B&uuml;rger &ndash; und wir alle sind, sei es &uuml;ber die Quote oder &uuml;ber den Druck auf die Politik, daf&uuml;r mitverantwortlich, wie dieser Rundfunk aussieht.<\/p><p>Ein Leser fand genau dieses Argument naiv. Er hat l&auml;ngst aufgegeben, von den &Ouml;ffentlich-Rechtlichen Sendern Qualit&auml;t einzufordern. Ich finde das schade, weil es nicht weiterhilft. Mit dem selben Argument m&uuml;sste man sich von der Politik abwenden Und w&uuml;rde damit den Falschen in die H&auml;nde spielen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den <a href=\"Http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15722\">Gastbeitrag vom 7.1.<\/a> mit dem Titel &bdquo;Angstbei&szlig;er&ldquo; &ndash; Zur Kampagne der Verleger gegen die &bdquo;Zwangsgeb&uuml;hr&ldquo; kamen einige kritische Mails unserer Leser. 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