{"id":158445,"date":"2026-11-04T10:00:28","date_gmt":"2026-11-04T09:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158445"},"modified":"2026-11-04T09:39:56","modified_gmt":"2026-11-04T08:39:56","slug":"wo-links-drauf-steht-ist-nicht-links-drin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158445","title":{"rendered":"Wo \u201eLinks\u201c drauf steht, ist nicht \u201eLinks\u201c drin"},"content":{"rendered":"<p>SPD und Gr&uuml;ne behaupten, sie w&uuml;rden linke Politik betreiben. Dabei sind sie f&uuml;r eine Vergr&ouml;&szlig;erung der Schere zwischen Arm und Reich, Aufr&uuml;stung und Waffenlieferungen in Kriegsgebiete sowie antidemokratische Ma&szlig;nahmen verantwortlich. Auch die Linke entfernt sich immer weiter von den Grunds&auml;tzen linker Politik. Eine geschichtliche Betrachtung zeigt, dass die Nachfolgegenerationen an F&uuml;hrungspolitikern neu gegr&uuml;ndeter linker Parteien kein Problem damit haben, die konstituierenden politischen Prinzipien ihrer Organisationen zugunsten von W&auml;hlerstimmen &uuml;ber Bord zu werfen. Von <strong>Karsten Montag<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nKann man von Parteien behaupten, sie setzen sich f&uuml;r soziale Gerechtigkeit ein, wenn sich unter ihrer Regierungsverantwortung die Schere zwischen Arm und Reich vergr&ouml;&szlig;ert hat? Die nachfolgenden Abbildungen enthalten Daten, die einer <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/jeea\/article-abstract\/24\/4\/1501\/8483894\">deutschen Studie<\/a> entnommen sind. Sie zeigen, dass der Anteil der unteren 50 Prozent der deutschen Bev&ouml;lkerung am gesellschaftlichen Gesamtverm&ouml;gen zwischen 1993 und 2008 von 4,5 auf 2,6 Prozent zur&uuml;ckgegangen ist. Im selben Zeitraum steigerte sich der Anteil der oberen zehn Prozent von 55,7 auf 60,3 Prozent. Diese Vergr&ouml;&szlig;erung der Schere zwischen Arm und Reich f&auml;llt in den Zeitraum der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung von 1998 bis 2005.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/261102-Montag-Links-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/261102-Montag-Links-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 1: Anteil der unteren 50 Prozent am deutschen Gesamtverm&ouml;gen, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/jeea\/article-abstract\/24\/4\/1501\/8483894\">Albers, T, Bartels, C., Schularick, M.: Wealth and its Distribution in Germany, 1895&ndash;2021<\/a><\/small><\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/261102-Montag-Links-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/261102-Montag-Links-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 2: Anteil der oberen 10 Prozent am deutschen Gesamtverm&ouml;gen, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/jeea\/article-abstract\/24\/4\/1501\/8483894\">Albers, T, Bartels, C., Schularick, M.: Wealth and its Distribution in Germany, 1895&ndash;2021<\/a><\/small><\/p><p>Dass es zwischen 2009 und 2013 &ndash; zur Zeit der schwarz-gelben Regierung unter Angela Merkel &ndash; zu einer relativen Umverteilung der Verm&ouml;gen von Reich nach Arm gekommen ist, liegt daran, dass zur Zeit der Euro- und Finanzkrise das gesamtgesellschaftliche Verm&ouml;gen in Deutschland absolut zur&uuml;ckgegangen ist. Die oberen zehn Prozent waren st&auml;rker davon betroffen als die unteren 50 Prozent. Die unteren 50 Prozent sind also nicht unbedingt reicher geworden, sondern ihr Abstand zu den oberen zehn Prozent hat sich nur relativ verringert. Nach der Krise setzte sich der Trend der Vergr&ouml;&szlig;erung der Schere zwischen Arm und Reich weiter fort &ndash; stets mit einer Beteiligung der SPD an der Bundesregierung.<\/p><p>Der Oberbegriff &bdquo;soziale Gerechtigkeit&ldquo; bedeutet im Grunde die Aufhebung materieller Unterschiede in der Gesellschaft und &ndash; angesichts der real existierenden extremen sowie weiterhin wachsenden Ungleichheit &ndash; eine Umverteilung des gesellschaftlichen Verm&ouml;gens von Reich nach Arm. Soziale Gerechtigkeit bedeutet selbstverst&auml;ndlich auch Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit, Armut und im Alter sowie Schutz vor Ausbeutung, faire L&ouml;hne, sichere Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung und das Recht auf gewerkschaftliche Organisation. Sie endet jedoch nicht einfach, wenn ein Teil der Bev&ouml;lkerung in den Genuss dieser Errungenschaften gekommen ist.<\/p><p>&Auml;hnlich kann man fragen, ob man von Parteien behaupten kann, sie setzen sich f&uuml;r den Frieden ein, wenn sie einer quasi unbegrenzten Kreditaufnahme f&uuml;r die Aufr&uuml;stung zustimmen, die Wiedereinf&uuml;hrung der Wehrpflicht fordern oder die Lieferung von Waffen in Kriegsgebiete beschlie&szlig;en; oder ob man von Parteien behaupten kann, sie setzen sich f&uuml;r die Demokratie ein, wenn sie die De-facto-Zensur von Presse- und Meinungsfreiheit &uuml;ber den Umweg von EU-Sanktionen bef&uuml;rworten oder das Verbot der gr&ouml;&szlig;ten und in Umfragen weit vorne liegenden Oppositionspartei fordern.<\/p><p>Linke Politik fu&szlig;t traditionell auf ebendiesen drei S&auml;ulen soziale Gerechtigkeit, Frieden und Demokratisierung. Frieden ist deswegen eine klassische S&auml;ule linker Politik, weil es vor allem die Angeh&ouml;rigen der unteren Gesellschaftsschichten sind, die an der Front als Soldaten ihr Leben lassen m&uuml;ssen, w&auml;hrend die Eliten im Hintergrund &uuml;ber Krieg und Frieden entscheiden sowie am ehesten von einem gewonnenen Krieg profitieren. Diese einfache Formel hat nichts an Aktualit&auml;t verloren. Auch in zeitgen&ouml;ssischen Kriegen sind es vornehmlich Geringverdiener und sogar Str&auml;flinge, die sich auf den Schlachtfeldern gegenseitig umbringen m&uuml;ssen. Diejenigen, die &uuml;ber die Weiterf&uuml;hrung der Kampfhandlungen entscheiden oder sich mit der Produktion von immer neuartigeren Waffen und Munition eine goldene Nase verdienen, k&ouml;nnen hingegen weit von der Front entfernt und gut gesch&uuml;tzt ihren Wohlstand genie&szlig;en. Da das &bdquo;S&auml;belrasseln&ldquo; in Form von Aufr&uuml;stung die Gefahr eines Krieges in der Regel erh&ouml;ht, geh&ouml;rt auch Abr&uuml;stung zu einer friedensorientierten linken Politik.<\/p><p>Demokratisierung steht schlussendlich daf&uuml;r, dass soziale, materielle und politische Gerechtigkeit nur dann umsetzbar ist, wenn gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung mehr Einfluss auf politische Entscheidungen erhalten und Eliten ihre &uuml;berproportionalen Einflussm&ouml;glichkeiten verlieren. Eine pr&auml;sidiale oder parlamentarische Demokratie stellt dabei bei Weitem nicht das Ende der Fahnenstange dar. In Deutschland verhindert insbesondere <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_38.html\">Artikel 38 des Grundgesetzes<\/a> einen gr&ouml;&szlig;eren Einfluss der W&auml;hlerbasis. Gleichzeit &ouml;ffnet dieser Gesetzesabschnitt den Eliten T&uuml;r und Tor, einen direkten Einfluss auf die Politik im Sinne ihrer Interessen zu nehmen. Dort steht unter Absatz 1:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gew&auml;hlt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Auftr&auml;ge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>&Uuml;bersetzt bedeutet diese Textstelle, dass Kandidaten ihren W&auml;hlern im Wahlkampf das Blaue vom Himmel versprechen und nach der Wahl ihr Gewissen danach ausrichten d&uuml;rfen, wer ihnen den besten Nebenverdienst erm&ouml;glicht oder ihnen einen lukrativen Platz in einem Aufsichtsrat nach ihrer Amtsperiode anbietet. Abhilfe k&ouml;nnte ein zentrales Element der R&auml;tedemokratie leisten, das der W&auml;hlerbasis erm&ouml;glicht, die von ihr auserkorenen Abgeordneten jederzeit vor Ende der Amtsperiode wieder abw&auml;hlen zu k&ouml;nnen. Warum sollten Volksvertreter nicht an Auftr&auml;ge und Weisungen ihrer W&auml;hler gebunden sein? Sie sollen doch im wahrsten Sinne des Wortes die Interessen ihrer W&auml;hler vertreten. Demokratisierung bedeutet letztendlich eine Ausweitung der Demokratie, beispielsweise durch Volksabstimmungen oder Elemente der R&auml;tedemokratie &ndash; und nicht deren Einschr&auml;nkung.<\/p><p><strong>Moderne Auslegungen linker Politik<\/strong><\/p><p>In den letzten Jahrzehnten machen sich Parteien, die sich selbst als &bdquo;links&ldquo; bezeichnen, zu eigen, dass auch Umwelt- und Klimaschutz, Emanzipation und Gleichberechtigung sowie Toleranz von Menschen mit einer von der Norm abweichenden sexuellen Neigung typische Merkmale linker Politik seien. So werben etwa die Gr&uuml;nen mit dem Slogan <a href=\"https:\/\/www.gruene-bundestag.de\/unsere-politik\/fachtexte\/sozial-gerecht-klimaschutz\/\">&bdquo;Sozial. Gerecht. Klimaschutz.&ldquo;<\/a>, dass &bdquo;kluger Klimaschutz&ldquo; die finanzielle Situation &bdquo;f&uuml;r alle Menschen&ldquo; verbessern w&uuml;rde.<\/p><p>Man muss nur offensichtliche Widerspr&uuml;che sprachlich positiv miteinander verbinden und st&auml;ndig wiederholen. Irgendwann ist das Gehirn derjenigen, die einer derartigen Manipulation dauerhaft ausgesetzt sind, nicht mehr in der Lage, die hohen Preise f&uuml;r den Sprit an der Tankstelle oder f&uuml;r das Erdgas zur Beheizung der vier W&auml;nde mit der CO<sub>2<\/sub>-Abgabe in Verbindung zu bringen. Letztere h&auml;lt die Strompreise k&uuml;nstlich niedrig und beg&uuml;nstigt diejenigen, die sich aufgrund ihres Einkommens und Verm&ouml;gens ein neues Elektroauto sowie den Einbau einer W&auml;rmepumpe und die eventuelle Sanierung ihres Altbaus leisten k&ouml;nnen &ndash; was wiederum den Besitz eines Eigenheims voraussetzt.<\/p><p>Diese Investitionen, die sich nach f&uuml;nf bis zehn Jahren amortisieren und f&uuml;r dauerhaft niedrigere Verbrauchskosten sorgen, werden sogar noch staatlich gef&ouml;rdert. Doch was machen diejenigen Eigenheimbesitzer, die den Eigenanteil nicht aufbringen k&ouml;nnen? Noch d&uuml;sterer sieht es f&uuml;r Mieter aus, deren Vermieter kein Interesse haben, in eine neue Heizung zu investieren.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2022\/kw17-de-eeg-umlage-889580\">Die Entscheidung<\/a>, die von der rot-gr&uuml;nen Regierung im Jahr 2000 eingef&uuml;hrte EEG-Umlage abzuschaffen und die Energiewende &uuml;ber Einnahmen der CO<sub>2<\/sub>-Abgabe zu finanzieren, erfolgte 2021 &ndash; mit den Stimmen der Ampelkoalition und mit einem Gesetzesentwurf, der von einem gr&uuml;nen Wirtschaftsministerium formuliert wurde. Echte linke Politik w&uuml;rde die Energiewende so gestalten, dass insbesondere diejenigen, die aufgrund ihres niedrigen Einkommens keine R&uuml;cklagen anlegen k&ouml;nnen, die zur Miete wohnen oder sich kein neues Elektroauto leisten k&ouml;nnen, von der Energiewende keine wirtschaftlichen Nachteile davontragen.<\/p><p>&Auml;hnlich problematisch sieht es mit der <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/ueber-uns\/spe-grundsatzerklaerung\">Behauptung der SPD<\/a> aus, Emanzipation und Gleichberechtigung seien typische Merkmale linker Politik, indem sie dies aus ihrem Verst&auml;ndnis von Freiheit, Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit ableitet. Denn auch die rechte CDU macht sich die Gleichstellung von Frauen und M&auml;nnern <a href=\"https:\/\/www.cdu.de\/app\/uploads\/2026\/02\/Gleichstellungsbericht-2026.pdf\">zu eigen<\/a> &ndash; und die erste und bisher einzige Bundeskanzlerin in der Geschichte Deutschlands hatte nun einmal ein Parteibuch der CDU.<\/p><p>Noch absurder ist die Vorstellung, sexuelle Vielfalt sei mit sozialer Sicherheit verkn&uuml;pft und daher ein besonderes Merkmal linker Politik, wie die Linke dies ihren W&auml;hlern <a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/themen\/queer\/\">weismachen will<\/a>. Es waren und sind ausgerechnet homosexuelle Politiker rechter Parteien, die mit ihren Spitzenpositionen als Vorbilder f&uuml;r die erfolgreiche Selbstbestimmung von Menschen dienen, die von der sexuellen Norm abweichen &ndash; &uuml;brigens ohne aus ihrer Neigungn <a href=\"https:\/\/echte-vielfalt.de\/lebensbereiche\/lsbtiq\/bi\/ricarda-lang-kandidiert-fuer-den-gruenenvorsitz-warum-ihre-offene-bisexualitaet-dabei-wichtig-ist\/\">politisches Kapital zu schlage<\/a>, sondern diese als Normalit&auml;t darzustellen. Man denke nur an den verstorbenen Au&szlig;enminister Guido Westerwelle von der FDP, den ehemaligen CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn oder die Co-Vorsitzende der AfD Alice Weidel.<\/p><p>Die modernen Auslegungen &bdquo;linker&ldquo; Politik haben zur Folge, dass vermeintlich linke Politiker vor ihre W&auml;hlerschaft treten und ohne Schamr&ouml;te im Gesicht behaupten, sie w&uuml;rden linke Politik betreiben, obwohl ihre Parteien de facto die Schere zwischen Arm und Reich vergr&ouml;&szlig;ern, f&uuml;r Aufr&uuml;stung und Waffenlieferungen in Krisengebiete verantwortlich sind oder die Zensur von Presse und &ouml;ffentlicher Meinungsfreiheit bef&uuml;rworten. Die vermeintlich linken Politikfelder Klimaschutz und Gleichberechtigung dienen als Feigenblatt und als Ablenkung von der Tatsache, dass sich diese Parteien l&auml;ngst von den Grunds&auml;tzen linker Politik verabschiedet haben.<\/p><p>Eine Reise zur&uuml;ck in die Geschichte zeigt, dass linke Parteien und insbesondere die F&uuml;hrungsriege der Generationen, die auf die Gr&uuml;nder folgen, die Tendenz haben, ihre politischen Grunds&auml;tze aufzuweichen oder gar g&auml;nzlich &uuml;ber Bord zu werfen.<\/p><p>&bdquo;<strong>Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Verabschiedung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands von ihren konstituierenden Grunds&auml;tzen hat eine lange Geschichte und steht mit Abspaltungen und Neugr&uuml;ndungen linker Parteien in Verbindung. Die SPD ist Ende des 19. Jahrhunderts aus der Arbeiterbewegung mit einer Gr&uuml;ndergeneration hervorgegangen, die Krieg strikt abgelehnt und radikaldemokratische Ver&auml;nderungen gefordert hat. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs &ndash; rund 50 Jahre nach ihrer Gr&uuml;ndung &ndash; vollzog sie jedoch mit der Zustimmung der SPD-Reichstagsfraktion zu den Kriegskrediten der kaiserlichen Regierung &ndash; dem sogenannten &bdquo;Burgfrieden&ldquo; &ndash; ihre erste radikale politische Wende.<\/p><p>Mit dem Begriff &bdquo;Burgfrieden&ldquo; ist das Aussetzen innenpolitischer und sozialer Konflikte im Deutschen Kaiserreich w&auml;hrend des Krieges gemeint. Parteien und Gewerkschaften stellten Streiks und Opposition gegen die Regierung ein, um geschlossen den Krieg zu f&uuml;hren. Bereits damals wusste man schon, wie man den Menschen mit sprachlichen Verkn&uuml;pfungen von offensichtlichen Widerspr&uuml;chen im Sinne von George Orwells &bdquo;Neusprech&ldquo; (&bdquo;Krieg ist Frieden&ldquo;) das Gehirn verdrehen konnte.<\/p><p>Die Entscheidung fiel unter dem damals verbreiteten Narrativ, das Deutsche Reich befinde sich in einem Verteidigungskrieg gegen Russland. Tats&auml;chlich war die russische Armee in deutsches Territorium einmarschiert &ndash; allerdings erst, nachdem die Reichsregierung unter Kaiser Wilhelm II. &Ouml;sterreich-Ungarn bedingungslosen Beistand (<a href=\"https:\/\/www.geschichte-abitur.de\/quellenmaterial\/quellen-erster-weltkrieg\/blankoscheck-des-deutschen-reiches-an-oesterreich-ungarn\">&bdquo;Blankoscheck&ldquo;<\/a>) in einem drohenden Konflikt mit dem von Russland unterst&uuml;tzten Serbien zugesagt und Russland ohne Not den Krieg erkl&auml;rt hatte. Die geschichtlichen Parallelen zum aktuellen Zeitgeschehen sowie die Rolle der SPD darin k&ouml;nnten kaum deutlicher sein.<\/p><p>Die Haltung der SPD-F&uuml;hrung im Ersten Weltkrieg f&uuml;hrte 1917 zur Aufspaltung der Partei in die Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands (MSPD) und die Unabh&auml;ngige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) sowie zur Gr&uuml;ndung des Spartakusbundes, aus dem 1918 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) hervorging. MSPD und ein Gro&szlig;teil der Mitglieder der USPD vereinigten sich 1922 wieder zur SPD. Die KPD wurde das erste Mal Ende 1923 aufgrund der Verh&auml;ngung eines Ausnahmezustands von Reichspr&auml;sident Friedrich Ebert (SPD) f&uuml;r knapp ein halbes Jahr verboten. Ein weiteres faktisches Verbot folgte 1933 durch die Nationalsozialisten. Die Machtergreifung der NSDAP f&uuml;hrte auch zum damals vorl&auml;ufigen Ende der SPD. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die KPD 1956 vom Bundesverfassungsgericht erneut verboten. Das Verbot gilt bis heute.<\/p><p>Einen weiteren sprichw&ouml;rtlichen Verrat an den Grunds&auml;tzen linker Politik beging die MSPD-F&uuml;hrung unter Friedrich Ebert, dem sp&auml;teren ersten Reichspr&auml;sidenten Deutschlands, im Rahmen der Novemberrevolution. In ganz Deutschland hatten sich im November 1918 Arbeiter- und Soldatenr&auml;te gebildet mit dem Ziel, die Monarchie und den Ersten Weltkrieg zu beenden sowie eine R&auml;tedemokratie einzuf&uuml;hren. Als Vorbild der Bewegung dienten die Kommunarden 1871 in Paris, die Russische Revolution 1905 sowie die Oktoberrevolution 1917 in Russland.<\/p><p>Ebert war ein entschiedener Gegner der sozialen Revolution in Deutschland. Er hatte w&auml;hrend des Ersten Weltkriegs die Kriegskredite bef&uuml;rwortet, den Ausschluss von Kriegsgegnern aus der SPD vorangetrieben und war somit ma&szlig;geblich f&uuml;r die Spaltung seiner Partei verantwortlich. W&auml;hrend der Novemberrevolution strebte er eine parlamentarische Monarchie an und arbeitete vertrauensvoll mit dem damaligen Reichskanzler Prinz Max von Baden, einem Cousin von Kaiser Wilhelm II., zusammen. Ebert stellte sich an die Spitze der Revolution, um ebendiese zu verhindern.<\/p><p>In einem geheimen Telefongespr&auml;ch am 10. November 1918 verabredete Ebert, der am Vortag das Amt des Reichskanzlers von seinem Vorg&auml;nger Prinz Max &uuml;bernommen hatte, mit dem damaligen Chef der Obersten Heeresleitung, Wilhelm Groener, die gewaltsame Abwendung der sozialen Revolution. Der erst 1925 bekannt gewordene &bdquo;Ebert-Groener-Pakt&ldquo; f&uuml;hrten zur blutigen Niederschlagung von Bestrebungen, die auf die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft abzielten, sowie zu erheblichen Gewaltexzessen rechtsgerichteter Truppen. Hierunter fielen unter anderem die gewaltsamen Beendigungen des Spartakusaufstandes im Januar 1919 in Berlin &ndash; inklusive der Ermordung der ehemaligen SPD-Mitglieder und KPD-Gr&uuml;nder Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht &ndash; sowie der M&uuml;nchner R&auml;terepublik im Mai 1919.<\/p><p>Karl Liebknecht war der Sohn von Wilhelm Liebknecht, der zusammen mit August Bebel zu den wichtigsten Gr&uuml;nderv&auml;tern der SPD z&auml;hlte. Beide SPD-Gr&uuml;nder unterst&uuml;tzten die revolution&auml;re Pariser Kommune von 1871 &ndash; der Vorl&auml;ufer und Urtyp der R&auml;tedemokratie &ndash; und wurden unter anderem daf&uuml;r 1872 zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt. Aufgrund des Agierens der SPD-F&uuml;hrung im Ersten Weltkrieg und der Jahre danach verbreitete sich das Sprichwort: &bdquo;Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!&ldquo;<\/p><p>Heute werden die damals verr&auml;terisch angesehenen Handlungen Eberts und der MSPD-F&uuml;hrung in der Regel als Abwendung eines B&uuml;rgerkriegs und von Zust&auml;nden wie in der Sowjetunion &ndash; &uuml;bersetzt &bdquo;R&auml;teunion&ldquo; &ndash; besch&ouml;nigt. Dabei war zum damaligen Zeitpunkt der B&uuml;rgerkrieg in Russland noch im Gange. Er endete damit, dass Wladimir Lenin und Leo Trotzki die r&auml;tedemokratische Bewegung in ihrem Heimatland bis 1921 gewaltsam aufl&ouml;sten und eine kommunistische Einparteiendiktatur einf&uuml;hrten.<\/p><p>Es d&uuml;rfte kaum verwundern, dass Bundespr&auml;sident Frank-Walter Steinmeier (SPD) zum 100. Jahrestag der Wahl von Friedrich Ebert zum Reichspr&auml;sidenten ebendiesen <a href=\"https:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Frank-Walter-Steinmeier\/Reden\/2019\/02\/190211-Matinee-Friedrich-Ebert.html\">in h&ouml;chsten T&ouml;nen gelobt<\/a> und ihn geschichtsverzerrend zu einem &bdquo;Republikaner aus Leidenschaft&ldquo; erkl&auml;rt hat. Als damaliger Bundesau&szlig;enminister unterst&uuml;tzte Steinmeier 2014 aktiv den Machtwechsel in Kiew als Vermittler zwischen dem damaligen Pr&auml;sidenten Wiktor Janukowitsch und der Opposition. Die Verhandlungen m&uuml;ndeten in eine gewaltsame Absetzung von Janukowitsch, die von der Mehrheit westlicher Politiker und Medien als &bdquo;demokratische Massenbewegung&ldquo; dargestellt wird.<\/p><p>Bis heute nicht g&auml;nzlich gekl&auml;rt, jedoch <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/politik\/welt\/ukraine-chronik-der-westlichen-einmischung\/\">nachweislich belegt<\/a> ist <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107076\">die Rolle<\/a>, welche die Vereinigten Staaten bei dem Umsturz in Kiew spielten. Dem westlichen Narrativ widerspricht zudem auch der aus der Westukraine stammende kanadische Politikwissenschaftler Ivan Katchanovski. In einer <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/23311886.2023.2269685#d1e668\">von ihm ver&ouml;ffentlichten Studie<\/a> kommt er zu dem Schluss, dass das von Scharfsch&uuml;tzen angerichtete Massaker an Demonstranten und Polizisten am 20. Februar 2014, das zur Absetzung des ukrainischen Pr&auml;sidenten f&uuml;hrte, eine erfolgreiche &bdquo;False-Flag&ldquo;-Operation von Teilen der Maidan-F&uuml;hrung war.<\/p><p>Der gewaltsame Umsturz in Kiew war Ausl&ouml;ser f&uuml;r den achtj&auml;hrigen B&uuml;rgerkrieg in der Ukraine, der letztendlich zum direkten milit&auml;rischen Eingreifen Russlands f&uuml;hrte. <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/resource\/blob\/2196306\/2260264\/8efa1868839ede7609437b341d75c3c5\/2024-02-16-ukraine-sicherheitsvereinbarung-deu-data.pdf\">Von westlichen Politikern<\/a> und Medien wird Russlands Einmarsch in die Ukraine in der Regel als &bdquo;unprovozierter&ldquo; und &bdquo;brutaler&ldquo; &bdquo;Angriffskrieg&ldquo; dargestellt. Frank-Walter Steinmeier geh&ouml;rt zu denjenigen Politikern, die dieses Narrativ sowie <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/resource\/blob\/975954\/2336154\/391a41ec7b0c1cfe79ec957d6454de9b\/17-2-bpr-gipfeltreffen-ukraine-data.pdf\">die Behauptung verbreiten<\/a>, Russland bedrohe &bdquo;das freie und demokratische Europa&ldquo;.<\/p><p><strong>Godesberger Programm, der NATO-Doppelbeschluss und die Gr&uuml;ndung der Gr&uuml;nen<\/strong><\/p><p>Nach dem Zweiten Weltkrieg besann sich die SPD auf ihre Tradition als Arbeiterbewegung zur&uuml;ck und verfolgte unter ihrem antikommunistisch ausgerichteten Vorsitzenden Kurt Schumacher eine demokratisch-sozialistisch und marxistisch gepr&auml;gte Politik. Sie wollte soziale Ungleichheit verringern, die Macht gro&szlig;er Unternehmen begrenzen und die Wirtschaft st&auml;rker gesellschaftlich kontrollieren. Zudem lehnte die Partei die Westintegration der Bundesrepublik und den NATO-Beitritt ab.<\/p><p>1959 verabschiedete sich die SPD mit ihrem <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Beschluesse\/Grundsatzprogramme\/godesberger_programm.pdf\">Godesberger Programm<\/a> offiziell von ihrem Ziel, den Kapitalismus &uuml;berwinden zu wollen, und bekannte sich stattdessen zur &bdquo;sozialen Marktwirtschaft&ldquo; und zum Privateigentum. Des Weiteren bef&uuml;rwortete die Partei die Wiederaufr&uuml;stung Deutschlands und die Eingliederung in die NATO. Das Programm diente dazu, die SPD nach der Niederlage in der Bundestagswahl 1957, in der die Unionsparteien die absolute Mehrheit errangen, den W&auml;hlern als &bdquo;Volkspartei&ldquo; und als &bdquo;regierungsf&auml;hig&ldquo; zu pr&auml;sentieren.<\/p><p>Willy Brandt, von 1969 bis 1974 erster Bundeskanzler der SPD seit Gr&uuml;ndung der Bundesrepublik, stellte sich zwar nicht gegen das Godesberger Programm, st&auml;rkte jedoch mit einer <a href=\"https:\/\/www.igmetall.de\/im-betrieb\/mitbestimmung\/im-betrieb\/50-jahre-betriebsverfassungsgesetz-72\">Reform des Betriebsverfassungsgesetzes<\/a> die Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechte sowie die Mitbestimmung im Betrieb. Mit ihrer <a href=\"https:\/\/www.fes.de\/wissen\/ostpolitik\">Ostpolitik<\/a> sorgten Brandt und sein Berater Egon Bahr (SPD) f&uuml;r eine deutliche Entspannung im Kalten Krieg und legten den Grundstein f&uuml;r die Konferenz f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE &ndash; ab 1995 OSZE) sowie f&uuml;r die deutsche Wiedervereinigung.<\/p><p>Allerdings hat Brandt 1968, als Vizekanzler in einer gro&szlig;en Koalition mit den Unionsparteien, auch den Notstandsgesetzen, die dem Bund im Verteidigungsfall au&szlig;erordentliche Rechte zusprachen und den Einsatz der Bundeswehr im Inneren sowie die Einschr&auml;nkung von Grundrechten erm&ouml;glichten, zugestimmt. Ebendiese Notstandsgesetze best&auml;tigten die damals von Studentenunruhen begleitete <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/linksextremismus\/geschichte-der-raf\/49201\/ausserparlamentarische-opposition-und-studentenbewegung\/\">au&szlig;erparlamentarische linke Opposition<\/a> (APO) in ihrem Misstrauen in den Staat und trugen zur Gr&uuml;ndung der linken Terrororganisation &bdquo;Rote Armee Fraktion&ldquo; im Jahr 1970 bei. Die APO war eine Reaktion auf das Godesberger Programm der SPD, die Verbreitung von Atomwaffen und die Wiederaufr&uuml;stung Deutschlands.<\/p><p>Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), Nachfolger von Willy Brandt, versch&auml;rfte durch seine harte Haltung gegen&uuml;ber der Roten Armee Fraktion den Konflikt zwischen der SPD und der au&szlig;erparlamentarischen Linken. Schmidt war zudem einer der entscheidenden Initiatoren des NATO-Doppelbeschlusses, der 1979 von den Mitgliedsstaaten der NATO gemeinsam gefasst wurde. Die &Uuml;bereinkunft erfolgte als Reaktion auf die Modernisierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf sowjetischem Boden. Der Beschluss sah eine &bdquo;Nachr&uuml;stung&ldquo; von US-amerikanischen Mittelstreckenraketen auf deutschem Boden vor, falls sich die Sowjetunion nicht auf Verhandlungen zur Abr&uuml;stung einl&auml;sst. Ab 1983 erfolgte tats&auml;chlich die Stationierung von Pershing-II-Raketen der US-Armee in S&uuml;ddeutschland.<\/p><p>Der NATO-Doppelbeschluss l&ouml;ste heftige Proteste in der deutschen Friedensbewegung aus. Zwischen 1981 und 1983 fanden in der damaligen deutschen Hauptstadt Bonn Demonstrationen mit Teilnehmerzahlen zwischen 300.000 und 500.000 Menschen statt. An der letzten dieser Massendemonstrationen <a href=\"https:\/\/presse.wdr.de\/plounge\/tv\/wdr_fernsehen\/2023\/05\/20230531_stell_dir_vor_es_ist_krieg.html\">nahm auch ein junger Olaf Scholz teil<\/a>, damals stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD-Jugendorganisation. 41 Jahre sp&auml;ter <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/resource\/blob\/976074\/2298418\/b4eca6d3ccfdfd9fb1580117e1cf7910\/2024-07-10-gemeinsame-erklaerung-usa-ger-nato-gipfel-data.pdf\">stimmte Bundeskanzler Scholz<\/a> der Stationierung von atomwaffenf&auml;higen Kurz- und Mittelstreckenwaffen der US-Armee in Deutschland zu. Diese 180-Grad-Wende nach vier Jahrzehnten Parteikarriere scheint symptomatisch f&uuml;r Spitzenpolitiker zu sein, deren Parteien sich selbst am linken Rand des W&auml;hlerspektrums verorten.<\/p><p>Anfang 1980 gr&uuml;ndete sich die Partei &bdquo;Die Gr&uuml;nen&ldquo;. Die Partei ging aus Mitgliedern der ehemaligen Au&szlig;erparlamentarischen Opposition, der Friedensbewegung, der Anti-Atomkraft- und Umweltschutzbewegung sowie der Frauenbewegung hervor. Sie forderte mehr soziale Gerechtigkeit und wollte B&uuml;rgerinitiativen mehr Einfluss auf politische Entscheidungen geben. 1983 zog die Partei nach einem Wahlerfolg von 5,6 Prozent der Stimmen zum ersten Mal in den Bundestag ein, w&auml;hrend eine Koalition aus CDU\/CSU und FDP mit Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) die Regierung stellte.<\/p><p><strong>Seeheimer Kreis in der SPD, &bdquo;Realpolitiker&ldquo; bei den Gr&uuml;nen<\/strong><\/p><p>Als nach 16 Jahren Kohl-Regierung SPD und die Gr&uuml;nen die Bundestagswahl 1998 gewannen und die Bundesregierung mit Gerhard Schr&ouml;der (SPD) als Kanzler und Joschka Fischer (Die Gr&uuml;nen) als Vizekanzler stellten, hatten viele Menschen die Hoffnung, dass sich nach Jahren rechter Regierungspolitik die Situation f&uuml;r die untere H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung verbessern w&uuml;rde. Sie wurden bitter entt&auml;uscht.<\/p><p>Schr&ouml;der stand dem Seeheimer Kreis nah &ndash; dem rechten Fl&uuml;gel der SPD, der sich als Vertreter des Godesberger Programms versteht. Die rechte Vereinigung in der Partei hatte sich nach der Kanzlerschaft Willy Brandts gebildet und bereits Schl&uuml;sselprojekte zur Regierungszeit Helmut Schmidts unterst&uuml;tzt, darunter die Umsetzung des NATO-Doppelbeschlusses sowie eine marktorientierte Wirtschafts- und Industriepolitik. Der Zusammenschluss von Bundestagsabgeordneten der SPD <a href=\"https:\/\/www.seeheimer-kreis.de\/\">beschreibt seine Politik<\/a> als &bdquo;modern&ldquo;, &bdquo;pragmatisch&ldquo; sowie sich &bdquo;an der Realit&auml;t&ldquo; messend. Folgende Spitzenpolitiker der SPD sind Mitglieder des Seeheimer Kreises oder stehen diesem nah:<\/p><ul>\n<li>Frank-Walter Steinmeier (Mitglied): derzeitiger Bundespr&auml;sident, ehemals Chef des Bundeskanzleramtes, Au&szlig;enminister, Vizekanzler und Fraktionsvorsitzender der SPD<\/li>\n<li>Lars Klingbeil (Mitglied): derzeitiger Finanzminister, Vizekanzler und Bundesvorsitzender der SPD, stand zun&auml;chst der Parlamentarischen Linken &ndash; dem linken Fl&uuml;gel der SPD &ndash; nahe, machte nach seinem Wechsel 2015 zum Seeheimer Kreis Parteikarriere<\/li>\n<li>Sigmar Gabriel (Mitglied): ehemals Umwelt-, Wirtschafts- und Au&szlig;enminister, Vizekanzler und Bundesvorsitzender der SPD, seit 2019 Vorsitzender der Atlantik-Br&uuml;cke<\/li>\n<li>Peer Steinbr&uuml;ck (Mitglied): ehemals Finanzminister und stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD<\/li>\n<li>Franz M&uuml;ntefering (nahestehend): ehemals Verkehrs- und Arbeitsminister, Vizekanzler, Bundes- und Fraktionsvorsitzender der SPD, unter anderem bekannt f&uuml;r den Spruch &bdquo;Nur wer arbeitet, soll auch essen&ldquo;<\/li>\n<li>Olaf Scholz (nahestehend): ehemals Bundeskanzler, Arbeits- und Finanzminister sowie stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD<\/li>\n<li>Weitere Mitglieder des Seeheimer Kreises, die ehemals in der Bundesregierung vertreten waren, sind beziehungsweise waren Ulla Schmidt (Gesundheitsministerin), Hans-Jochen Vogel (Justizminister), Hans Apel (Finanz- und Verteidigungsminister) und Barbara Hendricks (Umweltministerin)<\/li>\n<\/ul><p>Macht man die Gegenprobe und sucht nach SPD-Spitzenpolitikern mit Regierungsamt, die der <a href=\"https:\/\/www.parlamentarische-linke.de\/\">Vereinigung der Parlamentarischen Linken<\/a> der SPD angeh&ouml;ren oder nahestehen, beziehungsweise angeh&ouml;rten oder nahestanden, f&auml;llt das Ergebnis deutlich magerer aus:<\/p><ul>\n<li>Andrea Nahles (Mitglied): ehemals Arbeitsministerin<\/li>\n<li>B&auml;rbel Bas (Mitglied): ehemals Arbeitsministerin und Bundesvorsitzende der SPD<\/li>\n<li>Karl Lauterbach (Mitglied): ehemals Gesundheitsminister<\/li>\n<li>Oskar Lafontaine (nahestehend): ehemals Finanzminister und Bundesvorsitzender der SPD<\/li>\n<\/ul><p>Bis auf kurze Ausnahmen in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg sowie w&auml;hrend der Regierungszeit von Willy Brandt verfolgt die SPD auf Reichs- beziehungsweise Bundesebene &ndash; gemessen an ihren Gr&uuml;ndungsgrunds&auml;tzen soziale Gerechtigkeit, Frieden und Demokratisierung &ndash; seit 1914 keine eindeutig linke Politik mehr. Diese Entwicklung haben auch die Gr&uuml;nen durchgemacht &ndash; allerdings in einem viel k&uuml;rzeren Zeitraum.<\/p><p>Der Streit um die grunds&auml;tzliche politische Ausrichtung der Gr&uuml;nen zwischen Fundamentalisten (&bdquo;Fundis&ldquo;) und Realpolitikern (&bdquo;Realos&ldquo;) begann bereits mit dem Einzug in den Bundestag 1983 und der Frage, ob die Partei grunds&auml;tzlich mit der SPD eine Koalition bilden sollte. Nachdem die Gr&uuml;nen, die sich aufgrund der Vereinigung mit B&uuml;rgerrechtsbewegungen und Oppositionsgruppen in der DDR seit Anfang 1990 &bdquo;B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen&ldquo; nannten, bei der Bundestagswahl 1990 an der F&uuml;nf-Prozent-H&uuml;rde gescheitert und nur aufgrund von Direktmandaten mit acht Abgeordneten in den Bundestag einzogen waren, setzten sich die Realos und ihre wichtigsten Vertreter, Joschka Fischer und Otto Schily (sp&auml;ter SPD), durch.<\/p><p><strong>V&ouml;lkerrechtswidrige Angriffskriege, &Ouml;kosteuer, Riester-Rente, Hartz-Reformen und die Linke<\/strong><\/p><p>Die Regierungszeit von Rot-Gr&uuml;n ist gekennzeichnet von Entscheidungen und Gesetzen, die den Grunds&auml;tzen linker Politik diametral entgegenstehen. 1999 beteiligte sich die Bundeswehr an den v&ouml;lkerrechtswidrigen Luftangriffen der USA gegen Serbien &ndash; der erste Kampfeinsatz der Bundeswehr seit der Gr&uuml;ndung der Bundesrepublik. Um das fehlende Mandat des UN-Sicherheitsrates herunterzuspielen, pr&auml;sentierten der damalige Au&szlig;enminister Joschka Fischer (Gr&uuml;ne) sowie der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) der &Ouml;ffentlichkeit eine Reihe von angeblichen Belegen f&uuml;r eine bevorstehende humanit&auml;re Katastrophe im Kosovo &ndash; darunter auch der sogenannte &bdquo;Hufeisenplan&ldquo;. Fischer sprach sogar von V&ouml;lkermord und verglich die Situation mit der Aussage &bdquo;Nie wieder Auschwitz&ldquo; mit dem Holocaust. Der Hufeisenplan und andere vorgebrachte Begr&uuml;ndungen stellten sich im Nachhinein <a href=\"https:\/\/monde-diplomatique.de\/artikel\/!5584546\">als F&auml;lschungen heraus<\/a>.<\/p><p>Die Bundeswehr war auch an dem v&ouml;lkerrechtlich &auml;u&szlig;erst fragw&uuml;rdigen Angriffskrieg der USA auf Afghanistan ab 2001 sowie an der 20-j&auml;hrigen Besetzung des Landes beteiligt. Die US-Regierung unter George W. Bush hatte aus dem Terroranschlag vom 11. September 2001 auf das World Trade Center und das Pentagon, an dem kein einziger Afghane beteiligt war, einen Verteidigungskrieg gegen Afghanistan konstruiert und sogar den NATO-B&uuml;ndnisfall ausgerufen. Der damalige Verteidigungsminister <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/service\/newsletter-und-abos\/bulletin\/rede-des-bundesministers-der-verteidigung-dr-peter-struck--784328\">Peter Struck (SPD) rechtfertigte<\/a> 2002 die Beteiligung der Bundeswehr mit der &auml;u&szlig;erst fragw&uuml;rdigen Begr&uuml;ndung, die deutsche Sicherheit werde &bdquo;auch am Hindukusch verteidigt&ldquo;.<\/p><p>Selbst die Abgrenzung der Bundesregierung von dem v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA gegen den Irak 2003 erscheint im Nachhinein in einem tr&uuml;ben Licht &ndash; abgesehen davon, dass sie den USA die Nutzung ihrer Milit&auml;rbasen in Deutschland zur logistischen Abwicklung des Krieges erlaubte. Als Au&szlig;enminister Fischer auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz im Februar 2003 dem damaligen US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CpuN-yM1sZU\">entgegenschmetterte<\/a>, er sei nicht von den Kriegsgr&uuml;nden der US-Regierung &uuml;berzeugt, verschwieg er, dass er konkrete Belege daf&uuml;r hatte. Zehn Jahre sp&auml;ter gab er <a href=\"https:\/\/youtu.be\/wbbk-LOK-fI?t=1419\">in einem Interview<\/a> mit dem ZDF zu, dass die Bundesregierung zum damaligen Zeitpunkt beweisen konnte, dass die von US-Au&szlig;enminister Colin Powell im UN-Sicherheitsrat vorgelegten <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nyyhvgZpleo\">&bdquo;Belege&ldquo;<\/a> f&uuml;r ein irakisches Chemiewaffenprogramm gef&auml;lscht waren. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/wbbk-LOK-fI?t=2088\">Fischer begr&uuml;ndete<\/a> sein Schweigen damit, dass die &bdquo;Entscheidungen alle schon gefallen waren&ldquo; und &bdquo;ein Wunder&ldquo; h&auml;tte passieren m&uuml;ssen, um die US-Regierung von ihrer Kriegsentscheidung abzubringen.<\/p><p>Sozialpolitisch hat die rot-gr&uuml;ne Regierungskoalition eine Reihe von Gesetzen verabschiedet, die letztendlich zu einer Vergr&ouml;&szlig;erung des Abstands zwischen Arm und Reich gef&uuml;hrt haben &ndash; wie in den ersten beiden Abbildungen dargestellt. Mit Einf&uuml;hrung der &Ouml;kosteuer 1999 wurden fossile Energietr&auml;ger und elektrische Energie h&ouml;her besteuert, um die Lohnnebenkosten der Unternehmen zu senken. Eine <a href=\"https:\/\/elibrary.duncker-humblot.com\/article\/4688\/verteilungswirkungen-der-oumlkologischen-steuerreform-auf-private-haushalte-eine-empirische-analyse\">Untersuchung aus dem Jahr 2000<\/a> zeigt, dass dadurch &bdquo;leistungsschw&auml;chere Haushalte relativ st&auml;rker belastet werden als leistungsst&auml;rkere&ldquo;.<\/p><p>Die Einf&uuml;hrung der Riester-Rente 2002 &ndash; einer kapitalgedeckten, staatlich gef&ouml;rderten Altersvorsorge zus&auml;tzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung &ndash; <a href=\"https:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.584679.de\/publikationen\/externe_referierte_aufsaetze\/2018_0004\/distributional_effects_of_subsidizing_retirement_savings_accounts__evidence_from_germany.html\">beg&uuml;nstigte<\/a> insbesondere Haushalte mit hohem Einkommen. Schlie&szlig;lich verf&uuml;gt die einkommensschwache Bev&ouml;lkerungsgruppe &uuml;ber einen geringeren finanziellen Spielraum, um eine private Altersvorsorge abzuschlie&szlig;en. <a href=\"https:\/\/www.mpisoc.mpg.de\/newsroom\/meldungen\/detail\/announce\/die-kosten-der-riester-rente-im-vergleich\/\">Mehrere<\/a> <a href=\"https:\/\/www.vzbv.de\/publikationen\/riestern-fast-immer-zu-teuer\">Untersuchungen<\/a> <a href=\"https:\/\/www.finanzwende.de\/themen\/verbraucherschutz\/riester-rente\/riester-viel-gebuehren-wenig-rente\/kosten-von-riester-vertraegen\/\">zeigen<\/a>, dass bis zu einem Viertel der Beitr&auml;ge zur Riester-Rente von den Kosten f&uuml;r die Versicherungsindustrie aufgefressen wird. <a href=\"https:\/\/www.transparency.de\/publikationen\/detail\/article\/diana-wehlau-lobbyismus-und-rentenreform-der-einfluss-der-finanzdienstleistungsbranche-auf-die-teil-privatisierung-der-alterssicherung\">Weitere<\/a> <a href=\"https:\/\/www.finanzwende-recherche.de\/unsere-themen\/finanzlobbyismus\/studie-im-auftrag-des-geldes\/rendite-statt-rente-die-nie-enden-wollende-kampagne-fuer-die-riester-rente\/\">Studien<\/a> verdeutlichen, dass die Versicherungslobby einen hohen Einfluss auf die Einf&uuml;hrung der Riester-Rente ausge&uuml;bt hatte. Unzweifelhaft ist, dass der Namensgeber der staatlich gef&ouml;rderten kapitalgedeckten Altersvorsorge &ndash; der damalige Arbeitsminister Walter Riester (SPD) &ndash; im Nachhinein aufgrund von Zuwendungen der Versicherungsindustrie <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/article1983765\/Nebeneinkuenfte-Riester-verdient-284-000-Euro-mit-Riester-Rente.html\">finanziell erheblich<\/a> <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/transparency-international-kritisiert-walter-riester-und-bert-ruerup-wegen-maschmeyer-geschaeften-ein-beispiel-politischer-korruption-8966\">profitierte<\/a>.<\/p><p>Mit der Verk&uuml;ndung der &bdquo;Agenda 2010&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2003-03-14-agenda2010-211202\">gab Bundeskanzler Schr&ouml;der<\/a> 2003 sogar &ouml;ffentlich zu, dass er Sozialleistungen k&uuml;rzen wollte. Die darauf folgenden Hartz-Reformen haben die Rechte und Leistungen insbesondere f&uuml;r Langzeitarbeitslose deutlich verringert und zu <a href=\"https:\/\/zeitgeschichte-online.de\/themen\/das-ende-der-transformation\">landesweiten Protesten<\/a> mit &uuml;ber 200.000 Teilnehmern gef&uuml;hrt.<\/p><p>Aus Protest gegen die Agenda 2010 gr&uuml;ndeten entt&auml;uschte SPD-Mitglieder und Gewerkschafter 2005 die Partei &bdquo;Arbeit &amp; soziale Gerechtigkeit &ndash; Die Wahlalternative&ldquo; (WASG). Aufgrund der geplanten Sozialeinschnitte sowie des anstehenden Angriffs auf Serbien trat Oskar Lafontaine (SPD) bereits 1999 von seinen &Auml;mtern als Finanzminister, SPD-Vorsitzender und Bundestagsabgeordneter zur&uuml;ck. 2005 trat er g&auml;nzlich aus der SPD aus und wurde Mitglied der WASG. 2005 trat die Partei in einem Wahlb&uuml;ndnis gemeinsam mit der &bdquo;Partei des Demokratischen Sozialismus&ldquo; (PDS), der Nachfolgeorganisation der &bdquo;Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands&ldquo; (SED) der DDR, zur Bundestagswahl an. Mit den Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine und dem PDS-Politiker Gregor Gysi gewann das B&uuml;ndnis 8,7 Prozent der Zweitstimmen und zog mit 54 Mandaten in den Bundestag ein. 2007 fusionierten die beiden Parteien zur neuen Partei &bdquo;Die Linke&ldquo;.<\/p><p><strong>Grundrechte einschr&auml;nkende COVID-Ma&szlig;nahmen, Waffenlieferungen in Kriegsgebiete, Russlandsanktionen und Einschr&auml;nkung der Presse- und Meinungsfreiheit<\/strong><\/p><p>Als nach der Bundestagswahl 2021 SPD, Gr&uuml;ne und FDP die Ampelkoalition bildeten, hatten Kritiker der damaligen COVID-19-Ma&szlig;nahmen die Hoffnung, die neue Regierung w&uuml;rde eine Reihe der zuvor von der Gro&szlig;en Koalition beschlossenen und die Grundrechte einschr&auml;nkenden Ma&szlig;nahmen &ndash; insbesondere die diskriminierenden 2G- und 3G-Regeln &ndash; beenden. Auch sie wurden bitter entt&auml;uscht. Ende 2021 beschloss der neu gew&auml;hlte Bundestag eine Versch&auml;rfung der 3G-Regel sowie die einrichtungsbezogene Impfpflicht f&uuml;r Personal im Gesundheits- und Pflegebereich. Im M&auml;rz 2022 brachte eine Gruppe von f&uuml;hrenden Ampel-Politikern sogar einen Antrag f&uuml;r eine allgemeine COVID-19-Impfpflicht f&uuml;r &uuml;ber 18-J&auml;hrige in den Bundestag ein.<\/p><p>Im April 2022 stimmte der Bundestag dann &uuml;ber einen modifizierten Antrag f&uuml;r eine Impfpflicht f&uuml;r &uuml;ber 60-J&auml;hrige ab, der jedoch scheiterte. Ein H&ouml;hepunkt hinsichtlich der Abwesenheit von Sachargumenten in der damaligen Debatte im Bundestag war die <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/video237594081\/Emilia-Fester-Gruene-Klar-fuer-allgemeine-Impfpflicht.html\">Rede von Emilia Fester (Gr&uuml;ne)<\/a>. In ihren von Emotionen und Hysterie geleiteten Aussagen warf Fester den Abgeordneten der AfD sowie ihren &bdquo;Freunden der Freiheit&ldquo; vor, diese seien wegen ihrer ablehnenden Haltung zur COVID-19-Impfung daf&uuml;r verantwortlich, dass sie ihre Freiheit einschr&auml;nken musste.<\/p><p>Als im Februar 2022 der Krieg in der Ukraine begann, beschloss die Bundesregierung, Waffen an die Ukraine zu liefern und Russland zu sanktionieren. In einem <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/newsroom\/interview-aussenministerin-baerbock-faz-2553542\">Interview mit der Frankfurter Allgemeinen<\/a> zur Unterst&uuml;tzung der Ukraine mit deutschen Panzern &auml;u&szlig;erte die damalige Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock (Gr&uuml;ne) Ende 2022 den Satz: &bdquo;Unsere Waffenlieferungen helfen offensichtlich sehr deutlich, Menschenleben zu retten.&ldquo; Entweder ist dieser Satz ein Hinweis auf mangelndes logisches Denkverm&ouml;gen oder eine geschickte Manipulation der &ouml;ffentlichen Meinung im Sinne von George Orwells &bdquo;Neusprech&ldquo;.<\/p><p>Zumindest zeigt Baerbocks Haltung, wie weit sich ihre Partei innerhalb von nur vier Jahrzehnten von den Prinzipien der Friedensbewegung, aus der die Gr&uuml;nen hervorgegangen waren, entfernt hat. Noch deutlicher werden die Parallelen zur Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten zu Beginn des Ersten Weltkriegs bei der Entscheidung des bereits abgew&auml;hlten Bundestages im M&auml;rz zur Lockerung der Schuldenbremse. Die Fraktionsmitglieder von SPD und den Gr&uuml;nen <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/parlament\/plenum\/abstimmung\/abstimmung?id=951\">stimmten ann&auml;hernd unisono<\/a> f&uuml;r die Ausnahme der Aufnahme von Schulden f&uuml;r Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse. Die Bundestagsfraktion der Linken votierte zwar geschlossen gegen diese Grundgesetz&auml;nderung. Im Bundesrat stimmte die Partei, die in den Landesregierungen von Bremen und Mecklenburg-Vorpommern vertreten ist, jedoch daf&uuml;r.<\/p><p><strong>Die Linke n&auml;hert sich an die Linie von SPD und Gr&uuml;ne an<\/strong><\/p><p>Bereits 2022 war Oskar Lafontaine, einer der wichtigsten Gr&uuml;nder der Linken, aus der Partei ausgetreten. F&uuml;r ihn sei die Linke in einem seit 2015 anhaltenden schleichenden Prozess <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2022-03\/oskar-lafontaine-tritt-aus-der-linkspartei-aus\">zu einer Partei geworden<\/a>, &bdquo;in der die Interessen der Arbeitnehmer und Rentner und eine auf V&ouml;lkerrecht und Frieden orientierte Au&szlig;enpolitik nicht mehr im Mittelpunkt stehen&ldquo;. F&uuml;hrende Linke h&auml;tten sich nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine f&uuml;r steigende R&uuml;stungsausgaben und umfassende Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen, so Lafontaine.<\/p><p>Aus &auml;hnlichen Gr&uuml;nden traten zehn der Bundestagsabgeordneten der Linken Ende 2023 aus der Partei aus und gr&uuml;ndeten Anfang 2024 das &bdquo;B&uuml;ndnis Sahra Wagenknecht&ldquo; (BSW), das sich mittlerweile in &bdquo;B&uuml;ndnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft&ldquo; umbenannt hat. Die zentralen Unterschiede zwischen der Linken und dem BSW werden an der Haltung zu Russland und Israel, der Aufarbeitung der COVID-19-Ma&szlig;nahmen sowie bei dem Thema Migration deutlich.<\/p><p>W&auml;hrend das BSW die Aufhebung s&auml;mtlicher Sanktionen gegen Russland fordert und eine Wiederaufnahme der Energielieferungen aus Russland anstrebt, will die Linke zwar die Sanktionen, die sich gegen die russische Zivilbev&ouml;lkerung richten, aufheben, aber die Sanktionen <a href=\"https:\/\/www.abgeordnetenwatch.de\/profile\/nicole-gohlke\/fragen-antworten\/die-linke-hat-sich-in-der-vergangenheit-immer-gegen-sanktionen-gegen-russland-ausgesprochen-wie-stehen-sie-nun\">gegen &bdquo;das Regime in Moskau und seine finanziellen Unterst&uuml;tzer&ldquo; beibehalten<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/video256141972\/Sanktionen-gegen-Russland-Man-muss-endlich-an-die-russische-Schattenflotte-ran-fordert-Linke-Chef-van-Aken.html\">fordert Ma&szlig;nahmen<\/a> gegen die russische &bdquo;Schattenflotte&ldquo;. Da die beiden gro&szlig;en russischen Energieunternehmen Gazprom und Rosneft, die Deutschland vor den Embargos mit Gas und &Ouml;l beliefert haben, mehrheitlich dem russischen Staat geh&ouml;ren, d&uuml;rfte es daher schwierig sein, sie zu einer Wiederaufnahme von Lieferungen nach Deutschland zu bewegen. Daher trifft es sich gut, dass die Linke die Energieabh&auml;ngigkeit von Russland <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Linken-Chef-fordert-Stopp-der-Gasimporte-aus-Russland-id30028844.html\">g&auml;nzlich beenden will<\/a>.<\/p><p>Die Linke vertritt zudem keine einheitliche Haltung zu den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150304\">EU-Sanktionen<\/a> gegen H&uuml;seyin Do&#287;ru und Jacques Baud. Einzelne Vertreter der Partei <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/loginFailed.php?ref=\/artikel\/524750.die-linke-stuttgart-kritischer-journalismus-ist-kein-verbrechen-solidarit%C3%A4t-mit-h%C3%BCseyin-do%C4%9Fru.html\">sprechen<\/a> sich <a href=\"https:\/\/www.abgeordnetenwatch.de\/profile\/heidi-reichinnek\/fragen-antworten\/welche-position-nimmt-die-linke-in-der-causa-hueseyin-dogru-ein-der-vom-ministerrat-der-europ-union-wegen\">dagegen<\/a> aus, andere <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/jacques-baud-wegen-ukraine-propaganda-sanktioniert-cancel-culture-94114189.html\">daf&uuml;r<\/a>. SPD und Gr&uuml;ne <a href=\"https:\/\/www.abgeordnetenwatch.de\/profile\/macit-karaahmetoglu\/fragen-antworten\/wie-stehen-sie-zu-den-eu-sanktionen-gegen-hueseyin-dogru-und-jacques-baud\">verteidigen die Sanktionen<\/a> hingegen <a href=\"https:\/\/www.abgeordnetenwatch.de\/profile\/michael-bloss\/fragen-antworten\/wie-kann-es-sein-dass-menschen-von-der-eu-ohne-rechtsstaatliche-grundlage-sanktioniert-werden\">sehr deutlich<\/a>. Nur das BSW lehnt sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148568\">einheitlich ab<\/a> und setzt sich f&uuml;r die Betroffenen ein.<\/p><p>Auch hinsichtlich der Unterst&uuml;tzung Israels ist sich die Linke <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/linke-partei-nahostkonflikt-antisemitismus-israel-genozid-100.html\">nicht einig<\/a>. Das BSW vertritt hingegen eine <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256279846\/krieg-in-nahost-wagenknecht-fordert-weitgehenden-bruch-mit-israel.html\">klare Position<\/a> gegen die israelische Regierung und deren deutsche Unterst&uuml;tzung.<\/p><p>&Auml;hnlich verw&auml;ssert ist die Position der Linken zur Aufarbeitung der Corona-Ma&szlig;nahmen. Einerseits <a href=\"https:\/\/www.dielinkebt.de\/presse\/pressemitteilungen\/detail\/aufarbeitung-der-pandemie-der-ungleichheit-ist-ueberfaellig\/\">fordert sie diese<\/a>, andererseits haben die Abgeordneten der Fraktion der Linken im Bundestag im Juli 2025 einen Antrag der AfD-Fraktion zur Einsetzung eines Corona-Untersuchungsausschusses <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/parlament\/plenum\/abstimmung\/abstimmung?id=958\">abgelehnt<\/a>. Stattdessen hat die Partei der Einsetzung einer Enquete-Kommission zugestimmt, die &uuml;ber deutlich weniger Rechte und M&ouml;glichkeiten verf&uuml;gt als ein Untersuchungsausschuss. Das BSW hat hingegen bereits 2024 einen Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Corona-Ma&szlig;nahmen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121577\">beantragt<\/a> und in verschiedenen Landtagen daf&uuml;r gestimmt.<\/p><p>Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen der Linken und dem BSW wieder bei der Migrationsfrage. W&auml;hrend die Linke Deutschland <a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/wahlen\/wahlprogrammdebatte-2021\/wahlprogrammentwurf-2021-erster-entwurf\/eine-solidarische-einwanderungsgesellschaft\/\">als &bdquo;solidarische Einwanderungsgesellschaft&ldquo; bezeichnet<\/a>, will das BSW die Zuwanderung <a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/programm\/freiheit\/\">auf eine Gr&ouml;&szlig;enordnung begrenzen<\/a>, die Deutschland und seine Infrastruktur nicht &uuml;berfordert. Als Grund daf&uuml;r nennt die Partei, dass die versch&auml;rfte Konkurrenz um bezahlbaren Wohnraum, um Jobs mit niedrigen L&ouml;hnen und f&uuml;r eine misslungene Integration in erster Linie diejenigen zahlen, die &bdquo;nicht auf der Sonnenseite des Lebens&ldquo; stehen. Schlussendlich sei noch erw&auml;hnt, dass die Linke &ndash; im Gegensatz zum BSW, jedoch genauso wie SPD und Gr&uuml;ne &ndash; ein Verbot der AfD fordert &ndash; der gr&ouml;&szlig;ten Oppositionspartei, die in Umfragen weit vor den anderen Parteien liegt.<\/p><p>Die Aufweichung grunds&auml;tzlich linker Positionen hat der Linken einen deutlichen Zuspruch der W&auml;hlergunst beschert &ndash; &auml;hnlich wie dies in der Vergangenheit bei der SPD und den Gr&uuml;nen der Fall war. Bei der Bundestagswahl 2025 erhielt die Linke &uuml;berraschenderweise knapp neun Prozent der Stimmen, obwohl sie nur wenige Wochen zuvor in den Umfragen bei drei bis vier Prozent Zustimmung lag. In aktuellen Umfragen erreicht der Zuspruch zur Linken sogar elf Prozent. Das BSW, das den Einzug in den Bundestag bei der letzten Wahl nur knapp verpasst hat, rangiert derzeit in den Umfragen hingegen nur bei drei Prozent. Das hinterl&auml;sst brennende Fragen.<\/p><p><strong>Warum w&auml;hlt eine &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der Deutschen rechts?<\/strong><\/p><p>Die ersten beiden Abbildungen in diesem Beitrag sagen nichts &uuml;ber den gehobenen Mittelstand aus &ndash; also denjenigen Bev&ouml;lkerungsteil, dessen Anteil am gesamtgesellschaftlichen Verm&ouml;gen &uuml;ber dem der unteren 50 Prozent und unter demjenigen der oberen zehn Prozent liegt. Das wird an dieser Stelle nachgeholt.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/261102-Montag-Links-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/261102-Montag-Links-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 3: Anteil der oberen 50 bis 90 Prozent am deutschen Gesamtverm&ouml;gen, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/jeea\/article-abstract\/24\/4\/1501\/8483894\">Albers, T, Bartels, C., Schularick, M.: Wealth and its Distribution in Germany, 1895&ndash;2021<\/a><\/small><\/p><p>Zu erkennen ist, dass auch der Anteil des gehobenen Mittelstands am Gesamtverm&ouml;gen &ndash; genauso wie derjenige der unteren 50 Prozent &ndash; zugunsten der oberen zehn Prozent zur&uuml;ckgegangen ist. Das wirft die berechtigte Frage auf, warum in der Bundestagswahl 2025 &uuml;ber 80 Prozent der W&auml;hler f&uuml;r Parteien gestimmt haben, die in der Vergangenheit 90 Prozent der Bev&ouml;lkerung zugunsten der oberen zehn Prozent materiell benachteiligt haben.<\/p><p>Die Politik, die SPD und Gr&uuml;ne heutzutage verfolgen, kann man &ndash; gemessen an ihren Grunds&auml;tzen zur Zeit ihrer Gr&uuml;ndung &ndash; getrost nicht mehr als links bezeichnen. Dass die beiden Parteien von gro&szlig;en Teilen der Bev&ouml;lkerung trotzdem immer noch als links wahrgenommen werden, kann h&ouml;chstens damit zusammenh&auml;ngen, dass sie im Vergleich zur Politik von CDU, CSU, FDP und der AfD weniger rechts erscheinen. Dass ausgerechnet das BSW &ndash; die einzige Partei, die derzeit konsequent die drei grunds&auml;tzlichen S&auml;ulen linker Politik vertritt &ndash; an Zuspruch verliert, kann man im Grunde nur damit erkl&auml;ren, dass gro&szlig;en Teilen der Bev&ouml;lkerung &uuml;berhaupt nicht bewusst ist, was linke Politik eigentlich bedeutet.<\/p><p>Diese Verwirrung deutet auf eine seit Jahrzehnten, wenn nicht gar &uuml;ber ein Jahrhundert andauernde Dauermanipulation der &ouml;ffentlichen Meinung durch Medien mit gro&szlig;er Reichweite hin, die sich mehrheitlich in den H&auml;nden der oberen zehn Prozent befinden.<\/p><p><small>Titelbild: Yossakorn Kaewwannarat \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/8ac6b5d85fef4bddb490250b9dfb7c52\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SPD und Gr&uuml;ne behaupten, sie w&uuml;rden linke Politik betreiben. Dabei sind sie f&uuml;r eine Vergr&ouml;&szlig;erung der Schere zwischen Arm und Reich, Aufr&uuml;stung und Waffenlieferungen in Kriegsgebiete sowie antidemokratische Ma&szlig;nahmen verantwortlich. Auch die Linke entfernt sich immer weiter von den Grunds&auml;tzen linker Politik. Eine geschichtliche Betrachtung zeigt, dass die Nachfolgegenerationen an F&uuml;hrungspolitikern neu gegr&uuml;ndeter linker Parteien<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158445\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":158446,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[195,194,123,127,191,132],"tags":[1550,861,356,912,3293,2493,1754,1611,2554,893,2250,466,397,359,2791,309,974,259,260,1703,2377,966,1019],"class_list":["post-158445","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-linke","category-gruene","category-kampagnentarnworteneusprech","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-spd","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-agenda-2010","tag-ampelkoalition","tag-apo","tag-buergerkrieg","tag-bellizismus","tag-ebert-friedrich","tag-energieversorgung","tag-kriegsluegen","tag-linksliberalismus","tag-militarisierung","tag-nachkriegszeit","tag-nato","tag-ostpolitik","tag-parteistroemungen","tag-raetesystem","tag-repressionen","tag-rot-gruen","tag-russland","tag-ukraine","tag-voelkerrecht","tag-waffenlieferungen","tag-weltkrieg","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/shutterstock_2306395427.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/158445","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=158445"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/158445\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":158451,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/158445\/revisions\/158451"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/158446"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=158445"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=158445"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=158445"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}