{"id":158487,"date":"2026-11-05T09:00:58","date_gmt":"2026-11-05T08:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158487"},"modified":"2026-11-05T09:07:01","modified_gmt":"2026-11-05T08:07:01","slug":"ukrainische-geheimgefaengnisse-die-verzweiflung-der-valentina-molodaja","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158487","title":{"rendered":"Ukrainische Geheimgef\u00e4ngnisse: Die Verzweiflung der Valentina Molodaja"},"content":{"rendered":"<p>Es war eine Inszenierung, die der Welt vorgef&uuml;hrt wurde. Eine Rettungssanit&auml;terin befreit M&auml;nner aus einem Geheimgef&auml;ngnis in der N&auml;he der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Die Rettungssanit&auml;terin ist Fake, die Geheimgef&auml;ngnisse sind es nicht. Was die Inszenierung &ouml;ffentlich machte, sind systematische extralegale Inhaftierungen in Verbindung mit Gewalt und Folter durch ukrainische Mobilisierungskr&auml;fte. Die Brutalit&auml;t des Systems Selenskyj gegen die eigene Bev&ouml;lkerung nimmt zu, denn die Ukraine verliert den Krieg. Von <strong>Gert-Ewen Ungar<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEs waren bedr&uuml;ckende Bilder, die am 3. November um die Welt gingen. Sie zeigten die n&auml;chtliche Befreiung von M&auml;nnern aus einem Geheimgef&auml;ngnis in Petropawliwska Borschtschahiwka, einem Dorf in der N&auml;he von Kiew. Unter ihnen war ein 14 Jahre alter Junge. Sie zeigten eine w&uuml;tende Menge, die gegen die Praxis der Zwangsmobilisierung protestierte und dabei in rasender Wut einen Bus in Brand steckte. Zudem zeigten sie eine Rettungssanit&auml;terin, die kniend um Zugang zu Verletzten fleht.<\/p><p>Die Rettungssanit&auml;terin hei&szlig;t Valentina Molodaja. Sie wurde inzwischen inhaftiert und ihr Name zudem auf der ber&uuml;chtigten Liste der Feinde der Ukraine, Mirotworetz, gesetzt. Es war insgesamt eine Inszenierung, die man zu sehen bekommen hat &ndash; eine Inszenierung aus Verzweiflung.<\/p><p>Die Rekonstruktion der Ereignisse l&auml;sst sich zu folgender Geschichte zusammenf&uuml;gen: Valentina Molodaja wurde die Existenz eines Geheimgef&auml;ngnisses bekannt &ndash; vermutlich, weil ihr Mann dort interniert wurde. Sie sucht den Ort mehrfach auf, denn sie sucht nach M&ouml;glichkeiten, nach innen zu gelangen. Die z&uuml;ndende Idee ist ein gefakter Rettungseinsatz.<\/p><p>Sie zieht einen Jungen hinzu, der &uuml;ber den Zaun klettert, vom Inneren des Gel&auml;ndes einen Notruf absetzt und Valentina als Rettungskraft ruft. Im Anschluss entstehen die bekannten Bilder von der Befreiung von M&auml;nnern, die in einem Geheimgef&auml;ngnis eingesperrt waren, um an die Front verbracht zu werden. So ungef&auml;hr d&uuml;rfte der Ablauf gewesen sein.<\/p><p>Ja, das Ganze war eine Inszenierung. Aber Valentina Molodaja gelang mit dieser Inszenierung, etwas Wichtiges ans Licht der &Ouml;ffentlichkeit zu zerren: Es gibt in der Ukraine Geheimgef&auml;ngnisse und extralegale Inhaftierungen. Die Nationalgarde, zu der auch das Regiment Asow geh&ouml;rt und die dem Innenministerium untersteht, unterh&auml;lt diese Geheimgef&auml;ngnisse und bringt dort Zwangsmobilisierte und gefasste Deserteure unter. Eine gesetzliche Grundlage f&uuml;r die Inhaftierungen gibt es keine, ein rechtsstaatliches Verfahren gibt es ebenfalls nicht. Gewaltanwendung ist dabei wohl an der Tagesordnung.<\/p><p>Best&auml;tigt hat die Existenz der Geheimgef&auml;ngnisse Kyrylo Budanow, Leiter des Pr&auml;sidialamts der Ukraine. Der Tumult, den Valentina Molodaja ausgel&ouml;st hat, war so laut, dass der Leiter des B&uuml;ros von Selenskyj pers&ouml;nlich vor Ort erschien, um die Situation zu kl&auml;ren. In diesem Zusammenhang gab er die Existenz einer gro&szlig;en Zahl &auml;hnlicher Einrichtungen in der Ukraine zu. Die Rede ist von &uuml;ber eintausend. Er versprach zudem Aufkl&auml;rung und die Bestrafung derjenigen, die Gewalt und Folter anwenden. Es gibt regelm&auml;&szlig;ig Berichte, dass Zwangsmobilisierte misshandelt und geschlagen werden, muss hinzugef&uuml;gt werden. Dabei kommt es auch zu Todesf&auml;llen. Der deutsche Medienkonsument erf&auml;hrt davon allerdings in der Regel nichts. Sp&auml;ter &auml;ndert sich jedoch der Ton. Budanow will nun gegen Provokateure vorgehen. Valentina Molodaja wird inhaftiert.<\/p><p>Der Vorgang wirft ein Schlaglicht auf den Zustand der ukrainischen Gesellschaft und der ukrainischen Streitkr&auml;fte.<\/p><p>Die Verluste der Ukraine an der Front sind hoch. Das russische Verteidigungsministerium meldet jeden Tag deutlich &uuml;ber eintausend tote und verwundete ukrainische Soldaten. Nun kann man diese Zahlen als Propaganda abtun, aber auch der Austausch von Gefallenen st&uuml;tzt die Deutung, dass die Verluste der Ukraine deutlich h&ouml;her sind als die Russlands. In Russland gab es zudem nur eine Mobilisierungswelle im Herbst 2022. Seitdem gibt es in Russland nur viel Werbung f&uuml;r einen Einsatz im Donbass. Gelockt wird mit vergleichsweise hohem Sold und guten Sozialleistungen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass sich die Prophezeiung, nach den russischen Parlamentswahlen, die im September stattfanden, werde es zu einer weiteren Mobilisierungswelle kommen, nicht erf&uuml;llt haben.<\/p><p>Im Gegensatz dazu wird in der Ukraine permanent mobilisiert. Der Zwang und die Gewalt, die dabei angewandt werden, nehmen zu. Dass es Zwangsmobilisierung gibt, leugnen inzwischen auch die gro&szlig;en deutschen Medien nicht mehr. Sie haben es lange getan, mussten sich jetzt aber dem Zwang der Fakten beugen. Sie spielen nun das Ausma&szlig; herunter. Auch im Zusammenhang mit dem aktuellen Fall wird beschwichtigt. Die Tatsache, dass es in der Ukraine massenhafte illegale Inhaftierungen ohne rechtsstaatliche Verfahren gibt, f&auml;llt einfach unter den Tisch. Die Ukraine verteidigt westliche Werte und ist eine Demokratie, Punkt. Die Existenz von Geheimgef&auml;ngnissen und extralegalen Inhaftierungen passen nicht in diese Erz&auml;hlung und werden daher unterschlagen.<\/p><p>Der Grund f&uuml;r die Zwangsmobilisierungen l&auml;sst sich einfach erkl&auml;ren. Die Ukraine kann laut russischen Quellen die Verluste an der Front nicht mehr durch Rekrutierung auffangen. Die Ukraine verliert den Krieg, ihr gehen nach und nach die Soldaten aus. Der Druck, Nachschub in Form von Soldaten an die Front zu liefern, ist daher enorm.<\/p><p>Dass dem so ist, ist auch im Westen klar. Deutschlands Au&szlig;enminister Wadephul erkl&auml;rte sich zur Kooperation bereit. Er will der Ukraine Namen und Aufenthaltsort von sich in Deutschland aufhaltenden ukrainischen M&auml;nnern im wehrpflichtigen Alter mitteilen. Die Ausreise soll dabei &bdquo;ohne Zwang&ldquo; erfolgen, teilt er in dem Zusammenhang mit. Wie das m&ouml;glich sein soll, bleibt allerdings Wadephuls Geheimnis. Die ukrainischen M&auml;nner sind in Deutschland, um sich dem Wehrdienst zu entziehen.<\/p><p>Nahezu zeitgleich mit dem medialen Aufflammen des Skandals um die Geheimgef&auml;ngnisse in der Ukraine empf&auml;ngt Bundeskanzler Merz Wolodymyr Selenskyj in Berlin und sagt ihm weitere 200 Millionen Euro an Unterst&uuml;tzung zu. Merz und mit ihm deutsche Politik halten am Krieg fest und setzen auf Verl&auml;ngerung. Wie bei jedem Krieg gilt auch hier die Regel, dass vor allem diejenigen Krieg wollen, die nicht hinm&uuml;ssen. Friedrich Merz zum Beispiel. Was sie damit der Ukraine antun, f&uuml;hrte Valentina Molodaja vor. Sie griff in ihrer Verzweiflung zu allen ihr zur Verf&uuml;gung stehenden Mitteln.<\/p><p>Der aus dieser Verzweiflung entstandene Plan zur Befreiung von Inhaftierten in Verbindung mit der Anstiftung zum Protest von Valentina Molodaja war nicht der erste und wird auch nicht der letzte Aufstand gegen die Praxis der Zwangsmobilisierung gewesen sein. Je prek&auml;rer die Lage f&uuml;r die Ukraine wird, desto umfassender wird die Brutalit&auml;t, mit der Selenskyj gegen sein eigenes Volk vorgeht und seine Soldaten in den Fleischwolf wirft. So kam es beispielsweise im Juni zu einem Vorfall in der westukrainischen Stadt Lwow. Dort flammte ein Tumult auf, nachdem ein 30 Jahre alter Mann zwangsweise zum Wehrdienst eingezogen werden sollte. Der Vorfall endete mit einer &ouml;ffentlichen Dem&uuml;tigung derjenigen, die versuchten, die Mobilisierung zu verhindern. Sie wurden gezwungen, in einem Video der Mobilisierungsbeh&ouml;rde &bdquo;Ruhm und Ehre&ldquo; zu bescheinigen. Das Video wurde in den sozialen Netzwerken ver&ouml;ffentlicht. Einige der Demonstranten meldeten sich dann &bdquo;freiwillig&ldquo; zum Dienst an der Front. Mittelalterlicher Pranger unter Zuhilfenahme moderner Technik.<\/p><p>Was die Vorf&auml;lle aber auch andeuten, ist, dass der Ukraine-Krieg zu Ende geht &ndash; und zwar auf die f&uuml;r die Ukraine schlimmste denkbare Art und Weise. Die Ukraine verliert den Krieg, weil es keine Soldaten mehr gibt. Eine ganze Generation von M&auml;nnern ist tot oder verst&uuml;mmelt. Deutschland hat dazu einen ma&szlig;geblichen Beitrag geleistet. Valentina Molodaja hat mit einer drastischen Inszenierung auf die dramatische Lage hingewiesen, in der sich die Ukraine befindet. Daf&uuml;r geb&uuml;hrt ihr Dank.<\/p><p><small>Titelbild: Francis Farrell\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war eine Inszenierung, die der Welt vorgef&uuml;hrt wurde. 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