{"id":15854,"date":"2013-01-15T10:16:47","date_gmt":"2013-01-15T09:16:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15854"},"modified":"2019-07-31T12:37:34","modified_gmt":"2019-07-31T10:37:34","slug":"eurokrise-und-kein-ende-spanien-im-freien-fall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15854","title":{"rendered":"Eurokrise und kein Ende \u2013 Spanien im freien Fall"},"content":{"rendered":"<p>Noch immer dominiert hierzulande die Sicht, dass die Eurokrise einer fehlenden Haushaltsdisziplin der Mitgliedsl&auml;nder zuzuschreiben ist. Hauptverantwortlich seien die unsoliden, ausgabefreudigen Staaten in den jetzigen Euro-Krisenl&auml;ndern, die mit ihrer steigenden Schuldenlast die Finanzm&auml;rkte immer mehr verunsichert h&auml;tten, bis diese schlie&szlig;lich das Vertrauen in die Solvenz dieser Staaten vollst&auml;ndig verloren.<br>\nIm Zentrum des folgenden Beitrags steht die prek&auml;re &ouml;konomische Lage in einem der Krisenl&auml;nder, n&auml;mlich in Spanien, der viertgr&ouml;&szlig;ten Volkswirtschaft der Eurozone. Denn obgleich immer noch Griechenland den Schwerpunkt der hiesigen Berichterstattung bildet, geht die vermutlich st&auml;rkere Bedrohung f&uuml;r den Erhalt des Euroraums von Spanien aus, allein wegen der Gr&ouml;&szlig;e des Landes, dessen Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2011 dasjenige Griechenlands um mehr als das 5-fache &uuml;bersteigt. Von <strong>G&uuml;nther Grunert<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Einleitung<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst wird gezeigt, dass die staatlichen Budgetdefizite und der rasche Anstieg der Schuldenstandsquote in Spanien eindeutig die Folge, nicht aber die Ursache der Krise sind. Die tats&auml;chliche Ursache der Krise Spaniens und der gesamten Eurozone liegt in den Unterschieden in der relativen Wettbewerbsf&auml;higkeit der Eurol&auml;nder, die von Beginn der W&auml;hrungsunion an vorhanden und sich im Verlauf der Jahre noch vergr&ouml;&szlig;ert haben und die &ndash; mangels der M&ouml;glichkeit die W&auml;hrungen anzupassen &ndash; zu immensen Leistungsbilanzungleichgewichten im Euroraum f&uuml;hrten. Spanien verzeichnet seit vielen Jahren permanente und teilweise sehr hohe Leistungsbilanzdefizite, die mit einer zunehmenden Auslandsverschuldung des Landes einhergingen. Die mit dieser Entwicklung verbundenen Probleme wurden &uuml;ber eine lange Zeit durch eine Immobilienblase verdeckt, die f&uuml;r Wachstum und Arbeitspl&auml;tze sorgte (und f&uuml;r den Aufbau riesiger &Uuml;berkapazit&auml;ten), bis mit ihrem Platzen die Wirtschaft einbrach. <\/p><p>Die Auswirkungen dieser schweren Rezession auf den spanischen Arbeitsmarkt werden im dritten Abschnitt untersucht. In Abschnitt 3 soll begr&uuml;ndet werden, warum die Austerit&auml;tspolitik, die Spanien verordnet wurde, dem Land nicht aus seiner Bilanzrezession heraushelfen kann. Das Land muss ganz im Gegenteil in der gegenw&auml;rtigen Situation auf eine Verringerung der Staatsdefizite verzichten (Abschnitt 4). Abschnitt 5 geht der Frage nach, ob das im September 2012 vom EZB-Rat beschlossene Anleihekaufprogramm dazu geeignet ist, die Krise Spaniens (und anderer Eurol&auml;nder) zu entsch&auml;rfen. Dazu ist es notwendig, etwas ausf&uuml;hrlicher auf die Wirkungsweise des EZB-Anleiheprogramms einzugehen und zu pr&uuml;fen, ob die in diesem Zusammenhang h&auml;ufig ge&auml;u&szlig;erten Inflationsbef&uuml;rchtungen berechtigt sind. Abschnitt 6 befasst sich abschlie&szlig;end mit der Frage, ob und wie die Krise Spaniens und des Euroraums gel&ouml;st werden k&ouml;nnte. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><ol>\n<li><strong>Leistungsbilanzdefizite und Immobilienboom in Spanien<\/strong>\n<p>In allen Mitgliedsl&auml;ndern des Euroraums nahmen infolge der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008\/2009 die &ouml;ffentlichen Schulden deutlich zu. Staatliche Unterst&uuml;tzungsma&szlig;nahmen f&uuml;r das Finanz- und Bankensystem, konjunkturstabilisierende Ma&szlig;nahmen und Einnahmeausf&auml;lle durch geringeres Steueraufkommen lie&szlig;en die Budgetdefizite vor allem in Irland und den L&auml;ndern S&uuml;deuropas anwachsen und die &ouml;ffentlichen Schulden steigen. Auch Spanien konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen, obwohl es zuvor geradezu musterg&uuml;ltig im Sinne des Stabilit&auml;ts- und Wachstumspakts gewirtschaftet hatte: Vom Beginn der W&auml;hrungsunion bis zum Jahr 2007, dem letzten Jahr vor der Rezession, hatte Spanien (ebenso wie Irland und anders als Deutschland) nie die Vorgaben des Stabilit&auml;tspakts verletzt; in keinem Jahr wurde die Obergrenze f&uuml;r das Neuverschuldung von 3 Prozent des BIP &uuml;berschritten und von 2005 bis zur Krise ergaben sich sogar Haushalts&uuml;bersch&uuml;sse. Gleichzeitig lag die Staatsschuldenquote Spaniens mit 36 Prozent im Jahr 2007 klar unter dem Maastricht-Kriterium von 60 Prozent des BIP (Horn et al. 2011, S. 3) und merklich unter dem Durchschnitt des Euroraums (66 Prozent). Es kann mithin keine Rede davon sein, dass die Krise Spaniens durch eine unverantwortliche Steigerung der Staatsausgaben ausgel&ouml;st wurde.<\/p>\n<p>Die tats&auml;chlichen Ursachen der Probleme Spaniens wie auch der anderen Krisenl&auml;nder liegen vielmehr &ndash; wie an anderer Stelle ausf&uuml;hrlich erl&auml;utert (Grunert 2011a und 2011b) &ndash; in dem Auseinanderlaufen der internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit im Euroraum, das sich in differierenden Zuw&auml;chsen der Lohnst&uuml;ckkosten und als Folge in Leistungsbilanzungleichgewichten zwischen den EWU-Staaten widerspiegelt. W&auml;hrend vor allem Deutschland mit Hilfe einer ausgepr&auml;gten Lohnzur&uuml;ckhaltung das f&uuml;r alle EWU-L&auml;nder geltende 2%-Inflationsziel der Europ&auml;ischen Zentralbank kontinuierlich <em>unter<\/em>schritten hat, sind Spanien und die anderen s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;nder permanent in die andere Richtung, n&auml;mlich nach oben, abgewichen (wobei Deutschland insgesamt noch st&auml;rker von der 2%-Zielmarke abgewichen ist als die S&uuml;dl&auml;nder). Deutschland konkurrierte mit seinem Lohn- (und auch Unternehmenssteuer-)Dumping die anderen Eurol&auml;nder nieder und erzielte hohe Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse, w&auml;hrend die s&uuml;dlichen Eurol&auml;nder entsprechende Defizite aufwiesen. Dieses Problem der divergierenden Entwicklung der Leistungsbilanzsalden wurde von der Politik nie systematisch angegangen, obwohl die beschriebene au&szlig;enwirtschaftliche Konstellation, die zu einer immensen Auslandsverschuldung des Privatsektors Spaniens und der anderen Krisenl&auml;nder bei den Leistungsbilanz&uuml;berschussl&auml;ndern f&uuml;hrte, langfristig nicht haltbar sein konnte.<\/p>\n<p>Trotz steigender Leistungsbilanzdefizite erzielte Spanien bis zum Jahr 2007 noch verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig hohe Wachstumsraten, die aber prim&auml;r auf einer Immobilienblase basierten. Das hei&szlig;t, es gelang dem Land relativ lange, seine Probleme mit einer &auml;u&szlig;erst dynamischen Baukonjunktur zu &uuml;berdecken, die durch niedrige Realzinsen stimuliert wurde.<\/p>\n<p>In einer W&auml;hrungsunion, in der die Zentralbank nur einen gemeinsamen nominalen Zinssatz f&uuml;r alle beteiligten L&auml;nder festlegen kann, ist der <em>reale<\/em> Zinssatz (nominaler Zinssatz minus Inflationsrate) in jedem Mitgliedsstaat umso niedriger, je h&ouml;her dort die Inflationsrate ist. Die aus den Lohnabschl&uuml;ssen in Spanien resultierende Lohnst&uuml;ckkosten- und damit Preisentwicklung, die &uuml;ber dem Durchschnitt der Eurozone lag, ging folglich mit relativ niedrigen Realzinsen einher, was die Nachfrage nach Krediten, insbesondere Immobilienkrediten, stark ansteigen lie&szlig;. Umgekehrt veranlasste die g&uuml;nstige nominale Lohnentwicklung die Banken zu einer gro&szlig;z&uuml;gigen Kreditvergabe insbesondere an die privaten Haushalte.<\/p>\n<p>Bei einer im Zuge der Finanzmarktliberalisierung gewachsenen Risikobereitschaft bzw. Verantwortungslosigkeit der Banken und einer laxen nationalen Bankenaufsicht entwickelte sich in Spanien eine Immobilienblase, die (auch) mit einer hohen privaten Verschuldung verbunden war. Verst&auml;rkt wurde die spekulative Blasenbildung noch durch massive Finanzstr&ouml;me &ndash; gerade auch aus Deutschland &ndash; nach Spanien, d.h. durch eine grenz&uuml;berschreitende Kreditvergabe (&bdquo;cross-border lending&ldquo;), die durch die hohen Renditeerwartungen bei Immobilien (und auch im Finanzsektor) ausgel&ouml;st wurde. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Vereinfacht formuliert: Deutsche Banken heizten den Immobilienboom in Spanien mit an. Welches Ausma&szlig; dieser Boom annahm, zeigt sich daran, dass in Spanien in den Jahren vor dem Platzen der Blase 800 000 Wohneinheiten pro Jahr gebaut wurden &ndash;  mehr als in den drei L&auml;ndern Deutschland, Frankreich und Italien zusammengenommen (Bergheim 2007, S. 10).<\/p>\n<p>Zum Vergleich: Die drei genannten L&auml;nder erzielten in dieser Zeit gemeinsam ein Bruttoinlandsprodukt, das rund 6-mal so hoch wie das in Spanien war, bei einer Bev&ouml;lkerungszahl, die diejenige Spaniens um fast das 5-fache &uuml;bertraf. Die Preise f&uuml;r Wohnimmobilien stiegen in Spanien im Zeitraum 1997 bis 2005 um j&auml;hrlich durchschnittlich 12 Prozent (EZB 2008, S. 47).<\/p>\n<p>Der &ouml;konomische Mainstream sch&auml;tzte die Entwicklung in Spanien komplett falsch ein. So wies zwar die OECD im Jahr 2005 auf einige Schwachstellen (zu geringe Produktivit&auml;tszuw&auml;chse; eine zwar stark r&uuml;ckl&auml;ufige, aber immer noch zu hohe Arbeitslosigkeit etc.) hin, war aber insgesamt voll des Lobes f&uuml;r Spanien: &bdquo;Fiscal consolidation, the fall in interest rates due to the introduction of the single currency, structural reforms pursued since the mid-1990s and a surge in immigration have created a virtuous circle of rapidly rising activity sustained by strong job creation&ldquo; (OECD 2005). Noch begeisterter zeigte sich Stefan Bergheim (Deutsche Bank Research). Da es nach der sog. &bdquo;Hypothese effizienter M&auml;rkte&ldquo; (&bdquo;efficient market hypothesis&ldquo;) keine Blasen geben kann, weil M&auml;rkte immer alle Informationen widerspiegeln und stets richtig bewerten, waren in dieser Logik der Immobilienboom und die hohen Leistungsbilanzdefizite Spaniens unproblematisch und &bdquo;eher Merkmale vergangener und gegenw&auml;rtiger St&auml;rke als Gr&uuml;nde f&uuml;r eine k&uuml;nftige Schw&auml;che&ldquo; (Bergheim 2007, S. 10). Die spanische Volkswirtschaft habe &bdquo;eine der beeindruckendsten Erfolgsgeschichten der reichen L&auml;nder&ldquo; geschrieben, &bdquo;Spaniens Erfolge sind nachhaltig&ldquo; (Bergheim 2007, S. 2). Wie nicht anders zu erwarten, war nach Bergheim einer der &bdquo;Erfolgsfaktoren&ldquo; die Liberalisierung des Arbeitsmarktes (Lockerung des K&uuml;ndigungsschutzes, versch&auml;rfte Kriterien f&uuml;r den Erhalt von Arbeitslosenunterst&uuml;tzung etc.), die zum deutlichen R&uuml;ckgang der Arbeitslosenquote gef&uuml;hrt habe.<\/p>\n<p>Die Realit&auml;t sah anders aus: Als die Immobilienblase in den Jahren 2007\/2008 platzte, brach die inl&auml;ndische Nachfrage in Spanien ein. Jetzt wurde auch das Problem der Leistungsbilanzdefizite sichtbar, die Nachfrage und Produktion zus&auml;tzlich verringerten. Spanische Banken und Bausparkassen waren mit der hohen Zahl an vergebenen Krediten f&uuml;r den Wohnungsbau extreme Risiken eingegangen, auf denen sie nach dem Platzen der Blase sitzenblieben. Bei gesunkenen Hauspreisen und einer Arbeitslosigkeit von inzwischen 26,2 Prozent w&auml;chst die Zahl der Spanier, die ihre Kredite nicht mehr bedienen, d. h. insbesondere die w&auml;hrend der Immobilienblase erworbenen H&auml;user und Wohnungen nicht abbezahlen k&ouml;nnen. Fast 400 000 Familien haben seit Beginn der Krise ihr Haus, ihre Wohnung oder ihr Gesch&auml;ft verloren (Faz.net, 8.11.2012). Nach Angaben der spanischen Zentralbank nahmen die notleidenden Kredite der Banken in den letzten Jahren stetig zu, auf zuletzt (August 2012) 178,6 Mrd. Euro. Dies entspricht 10,5 Prozent des Gesamtkreditvolumens und ist damit ein neues Rekordhoch.<\/p>\n<p>Die ohnehin schon gravierenden Schwierigkeiten der spanischen Banken wurden durch Kapitalflucht noch versch&auml;rft: Privatkunden und Unternehmen reduzierten &uuml;ber Monate ihre Guthaben bei den spanischen Geldh&auml;usern und brachten ihre Ersparnisse &uuml;ber die Grenzen in Sicherheit, wobei ein Gro&szlig;teil auf den Konten deutscher Banken landete. Zwar erh&ouml;hten sie im September 2012 erstmals seit M&auml;rz 2012 ihre Einlagen bei spanischen Banken wieder um 17,7 Mrd. Euro, in den f&uuml;nf Monaten zuvor hatten Haushalte und Firmen aber eine Summe von insgesamt 146 Mrd. Euro abgezogen (Financial Times Deutschland, 26.10.2012). Diese Umschichtung von Geld (vor allem auch nach Deutschland) ist zum einen vergleichsweise einfach, da Euro-Bankeinlagen frei und ohne gro&szlig;e Kosten beliebig von einer Bank zu einer anderen innerhalb der EWU verlagert werden k&ouml;nnen [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>], und zum anderen eine risikoarme Strategie: Wenn Deutschland in der EWU bleibt, befindet sich das Geld auf den sichersten Euro-Einlagenkonten, die derzeit verf&uuml;gbar sind; verl&auml;sst Deutschland die EWU, profitieren die Anleger von einer aufwertenden DM (vgl. auch Papadimitriou\/Wray 2012). F&uuml;r die spanischen Banken aber, die wie die Banken der anderen Krisenl&auml;nder einen erschwerten Zugang zum Geldmarkt haben, bedeuten die Kapitalfl&uuml;sse nach Deutschland (und in andere als sicher geltende Eurol&auml;nder), dass sie mehr Kredite von der Europ&auml;ischen Zentralbank ben&ouml;tigen, um nicht zahlungsunf&auml;hig zu werden.<\/p>\n<p>Europas Staats- und Regierungschefs haben auf ihrem Gipfel Ende Juni 2012 bis zu 100 Mrd. Euro an Krediten bereitgestellt, die dazu verwendet werden sollen, kriselnde spanische Banken zu rekapitalisieren. Erstmals nahmen die Eurol&auml;nder nicht ein ganzes Land unter den Rettungsschirm, sondern nur die angeschlagenen Banken eines Staates. Jedoch handelt es sich nicht um eine direkte Rekapitalisierung durch den ESM, wie es die spanische Regierung urspr&uuml;nglich gefordert hatte, um einen Anstieg der Staatsschuldenquote zu vermeiden. Vielmehr &uuml;berweist der ESM das Geld an den staatlichen spanischen Bankenrettungsfonds FROB. Die von Spanien gew&uuml;nschte Erweiterung der Aufgaben des ESM (direkte finanzielle Unterst&uuml;tzung systemrelevanter Banken) wird erst dann m&ouml;glich, wenn die neue Bankenaufsicht f&uuml;r den Euroraum mit ihrer Arbeit begonnen hat, also fr&uuml;hestens im M&auml;rz 2014. Vorher d&uuml;rfen Banken nur in Ausnahmef&auml;llen durch den Euro-Rettungsfonds ESM rekapitalisiert werden.<\/p><\/li>\n<li><strong>Neue Rekorde bei der Jugendarbeitslosigkeit<\/strong>\n<p>Die Rezession in Spanien, die sich nach der geplatzten Blase am H&auml;usermarkt entwickelte, hat verheerende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Erschreckend ist dabei nicht nur die allgemeine Arbeitslosenquote von zuletzt &uuml;ber 26 Prozent, sondern vor allem das Ausma&szlig; der Erwerbslosigkeit in der j&uuml;ngeren Generation.<br>\nWie aus Abbildung 1 ersichtlich, ist die Jugendarbeitslosigkeit in den Krisenl&auml;ndern Spanien, Griechenland, Portugal und Irland nach 2008 wesentlich st&auml;rker gestiegen als im Euroraum insgesamt, wobei Spanien zusammen mit Griechenland die deutlichste Zunahme verzeichnet. Die aktuellen Daten von Eurostat zeichnen ein dramatisches Bild: Danach waren im Oktober 2012 in der Eurozone 23,9 Prozent der unter 25-j&auml;hrigen ohne Job, in Spanien lag die Jugendarbeitslosenquote bei 55,9 Prozent, in Griechenland gar bei 57 Prozent im August 2012 (Eurostat 2012).<\/p>\n<p>Eine Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 50 Prozent hat verheerende Langzeitfolgen: Wird &uuml;ber die H&auml;lfte der arbeitswilligen und &ndash;f&auml;higen Jugend vom Erwerb von Qualifikationen, Fertigkeiten, Erfahrungen und Arbeitseinstellungen ausgeschlossen, so w&auml;chst eine Generation heran, von der sich ein Gro&szlig;teil zwischen instabilen, geringbezahlten Arbeitsverh&auml;ltnissen und langen Phasen der Arbeitslosigkeit hin- und herbewegen oder aber die Flucht ins Ausland antreten wird. Die ersten sechs Monate des Jahres 2012, in denen die Zahl der 20- bis 29-J&auml;hrigen in Spanien gegen&uuml;ber dem Vorjahr bereits um 4,3 Prozent gesunken ist (Financial Times Deutschland, 22.10.2012), bieten hier einen Vorgeschmack. Man kann sich kaum ein besseres Rezept vorstellen, die Zukunft eines ganzen Landes systematisch zu ruinieren.<\/p>\n<p><em>Abbildung 1: Jugendarbeitslosigkeit in der Eurozone <\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130109_eurokrise.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n<p><em>Quelle: Mitchell 2012<\/em><\/p>\n<p>Die Reaktion weiter Teile der Politik hierzulande auf die dramatische Zuspitzung der Lage l&auml;sst sich nur noch als grotesk bezeichnen: So haben etwa die gleichen Politiker, die ansonsten lautstark vor den negativen Konsequenzen der &Uuml;beralterung der westlichen Gesellschaften warnen (die darin best&uuml;nden, dass immer weniger Arbeitende immer mehr Rentner versorgen m&uuml;ssten), offenbar kein Problem damit, L&auml;nder wie Spanien oder Griechenland zu einem Austerit&auml;tskurs zu dr&auml;ngen, der im Ergebnis mehr als der H&auml;lfte der Jungen, die sp&auml;ter f&uuml;r die Alten aufkommen m&uuml;ssen, eine ad&auml;quate Ausbildung und berufliche Entwicklung verwehrt. <\/p>\n<p>Die Gr&uuml;nde f&uuml;r die hohe Erwerbslosigkeit gerade junger Menschen in Spanien sind sicherlich vielf&auml;ltig. Beispielsweise stehen viele Jugendliche, die in der Boomphase geringqualifizierte, aber vergleichsweise gutbezahlte Jobs in der Bauwirtschaft angenommen hatten, nach dem Platzen der Immobilienblase ohne Stelle und ohne Ausbildung auf der Stra&szlig;e. Generell l&auml;sst sich eine starke Konzentration j&uuml;ngerer Besch&auml;ftigter in Sektoren und Berufen feststellen, die besonders hart von der Krise betroffen sind und\/oder die nur mittlere bis niedrige Qualifikationsanforderungen aufweisen. Hinzu kommt, dass sich junge Menschen in Spanien h&auml;ufig in prek&auml;ren Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen befinden. Weit verbreitet ist vor allem die befristete Einstellung: So gingen im Jahr 2008 von der Altersgruppe der 16- bis 24-J&auml;hrigen 59 Prozent einer vor&uuml;bergehenden Besch&auml;ftigung nach, bei den 25- bis 29-J&auml;hrigen betrug der entsprechende Anteil 41,8 Prozent. Gerade diese befristeten Jobs wurden aber (speziell zu Beginn der Krise) in gro&szlig;em Umfang abgebaut (S&aacute;nchez 2012, S. 6f).<\/p>\n<p>Eine Wende zum Besseren ist hinsichtlich der Jugendarbeitslosigkeit nicht in Sicht, allein deshalb nicht, weil in Spanien seit dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes weder im Privatsektor noch in der &ouml;ffentlichen Verwaltung in nennenswertem Umfang neue Arbeitspl&auml;tze entstanden sind, schon gar nicht f&uuml;r Neulinge ohne Berufserfahrung.<\/p><\/li>\n<p><strong>Weshalb die Austerit&auml;tspolitik in die Sackgasse f&uuml;hrt<\/strong><\/p>\n<p>Sucht man nach L&ouml;sungsm&ouml;glichkeiten der Spanien- und Eurokrise, so ist eine Untersuchung der Ursachen unerl&auml;sslich, denn ohne eine stimmige Diagnose kann es keine erfolgreiche Therapie geben. Tats&auml;chlich handelt es sich bei den wirtschaftlichen Problemen Spaniens, deren letzter Grund in den permanenten Leistungsbilanzdefiziten des Landes liegt, nicht um eine &bdquo;gew&ouml;hnliche&ldquo; Rezession, sondern um eine besondere Form der Wirtschaftskrise, die der japanische &Ouml;konom Richard C. Koo als &bdquo;Bilanzrezession&ldquo; (&bdquo;balance sheet recession&ldquo;) bezeichnet (Koo 2011, 2003). Im Kern beschreibt der Begriff eine Rezession, die &ndash; wie in Spanien, aber auch in Irland oder Portugal &ndash; nach dem Platzen einer gro&szlig;en Spekulationsblase (hier: einer Immobilienblase) eintritt, wonach der Privatsektor mehrere Jahre lang seine Schulden abzubauen versucht.<\/p>\n<p>Nach Richard Koo entwickelt sich eine Bilanzrezession in folgender Weise: Der Privatsektor baut massiv Schulden auf, indem er mit geliehenen Mitteln Immobilien und\/oder andere spekulative Verm&ouml;genswerte wie z. B. Rohstoffzertifikate kauft. Mit wachsender Nachfrage steigen die Preise der Verm&ouml;genswerte, bis schlie&szlig;lich die Preisblase platzt und der Privatsektor bei sinkendem Verm&ouml;gen auf einem Berg von Schulden sitzen bleibt (die Verm&ouml;genspreise brechen ein, w&auml;hrend die Verbindlichkeiten sich nicht ver&auml;ndern). Als Folge beginnen private Haushalte und Unternehmen (einschlie&szlig;lich Banken), ihre Bilanzen zu sanieren, indem sie alle Anstrengungen darauf richten, ihre Ersparnis zu erh&ouml;hen oder Schulden zur&uuml;ckzuzahlen. Die Geldpolitik verliert ihre Wirkung, da viele private Wirtschaftsakteure nicht mehr bereit sind, ihre Kreditaufnahme auszuweiten, wie tief auch immer die Zinss&auml;tze fallen. Umgekehrt sind zahlreiche Banken nicht daran interessiert, Kredite an Akteure mit Bilanzproblemen zu vergeben, schon gar nicht, wenn sie als Kreditgeber selbst von &bdquo;Bilanzsch&auml;den&ldquo; betroffen sind.<br>\nDamit aber verringert sich die aggregierte Nachfrage und die Volkswirtschaft st&uuml;rzt in eine Rezession, eben eine Bilanzrezession. Denn wenn &ndash; auch bei Niedrigstzinsen &ndash; kaum noch jemand Geld leihen und ausgeben will, verliert die Wirtschaft fortlaufend Nachfrage in H&ouml;he der Ersparnisse und der Nettoschuldenr&uuml;ckzahlungen. Koo verdeutlicht den Prozess an einem Beispiel: Er geht von einer vereinfachten Volkswirtschaft aus, in der ein Haushalt ein Einkommen von $1000 erzielt und eine Sparquote von 10 Prozent aufweist, also $900 ausgibt und $100 spart. In der &uuml;blichen Lehrbuchwelt werden die gesparten $100 vom Finanzsektor aufgenommen und an einen Kreditnehmer verliehen. Wenn letzterer die $100 ausgibt, betragen die Gesamtausgaben $1000 ($900 plus $100) bei einem urspr&uuml;nglich erwirtschafteten Einkommen von $1000 und die Rechnung geht auf. Wenn sich nun aber der Privatsektor entschuldet, gibt es keine Kreditnehmer f&uuml;r die gesparten $100, selbst bei einem Zinssatz von null. Die Ausgaben verringern sich mithin auf nur $900 und da die Ausgaben des einen die Einnahmen des anderen sind, erzielt dieser andere ein Einkommen von $900. Spart er davon gleichfalls 10 Prozent, werden nur $810 ausgegeben. Die gesparten $90 werden wiederum von niemandem geliehen und die Wirtschaft schrumpft auf $810, danach auf $730 usw. (Koo 2011, S. 22). Dieses simple Beispiel verdeutlicht, wie ein Land in eine Depression abgleitet, wenn der Privatsektor &uuml;ber einen langen Zeitraum versucht, seine Schulden abzubauen.<\/p>\n<p>Richard Koos These l&auml;sst sich auch auf andere Weise darstellen und erweitern, n&auml;mlich anhand einiger einfacher &Uuml;berlegungen zur volkswirtschaftlichen Saldenmechanik (dazu auch Grunert 2011b). Von der Ausgabenseite betrachtet, setzt sich das Bruttoinlandsprodukt (Y) eines Landes wie folgt zusammen:<\/p>\n<p>Y = C + I + G + (X &ndash; M),<\/p>\n<p>wobei C den privaten Konsum, I die privaten Investitionen, G die Staatsausgaben (incl. staatlicher Investitionen), M die Importe und X die Exporte (einschlie&szlig;lich des Nettoeinkommens aus dem Ausland) bezeichnen. Von der Einnahmeseite her gilt:<\/p>\n<p>Y = C + S + T,<\/p>\n<p>wobei S f&uuml;r die Ersparnis und T f&uuml;r die Steuern steht. Die beiden Formeln f&uuml;r Y, also f&uuml;r das BIP, lassen sich gleichsetzen:<\/p>\n<p>C + S + T = Y = C + I + G + (X &ndash; M)<\/p>\n<p>Eine Umformung dieser Gleichung f&uuml;hrt zu den Finanzierungssalden der drei volkswirtschaftichen Sektoren Privatsektor (Haushalte und Unternehmen, S &ndash; I), Staat (T &ndash; G) und Ausland (M &ndash; X), die sich zu Null addieren:<\/p>\n<p>(S &ndash; I) + (T &ndash; G) + (M &ndash; X) = 0<\/p>\n<p>Der Finanzierungssaldo des Auslands entspricht hierbei der Leistungsbilanz mit umgekehrtem Vorzeichen.<\/p>\n<p>Nach dieser Gleichung steht dem Defizit eines Sektors stets ein gleich gro&szlig;er &Uuml;berschuss der beiden anderen Sektoren gegen&uuml;ber. Dr&uuml;ckt man die sektoralen Finanzierungssalden in Prozent des BIP aus, so gilt  zum Beispiel: Verzeichnet der Staat ein Defizit von 5 Prozent des BIP und der private Sektor einen &Uuml;berschuss von 2 Prozent, so betr&auml;gt das Leistungsbilanzdefizit des betrachteten Landes 3 Prozent (das Ausland weist einen &Uuml;berschuss von 3 Prozent der inl&auml;ndischen Wirtschaftskraft gegen&uuml;ber diesem Inland auf).<\/p>\n<p>Die zuletzt angef&uuml;hrte Gleichung l&auml;sst sich wie folgt umstellen:<\/p>\n<p>(S &ndash; I) = (G &ndash; T) + (X &ndash; M)<\/p>\n<p>Wendet man dies auf die aktuelle Situation Spaniens an, so wird das Dilemma, in dem sich das Land befindet, schnell deutlich: Der hochverschuldete Privatsektor Spaniens  &ndash; also die spanischen Haushalte und Unternehmen (incl. der Banken) &ndash; hat keine Wahl: Er muss, wie Richard Koo zu Recht herausstellt, seine Schulden abbauen. Dies bedeutet, dass der Privatsektor einen Finanzierungs&uuml;berschuss (Einnahmen&uuml;berschuss) erzielen will und alles daransetzt, S &gt; I zu erreichen. Ist S &gt; I, so ist die linke Seite der Gleichung und damit auch die rechte Seite positiv, d. h. die Summe aus der Bilanz des Staatssektors und der Leistungsbilanz ist positiv (und gleich der linken Seite). Was aber geschieht bei einem Leistungsbilanzdefizit? Die Gleichung zeigt: Will in einer Volkswirtschaft mit defizit&auml;rer Leistungsbilanz (X &lt; M) der Privatsektor insgesamt sparen [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] (S &gt; I), um seinen hohen Schuldenstand zu verringern, so erfordert dies kontinuierliche staatliche Budgetdefizite (G &gt; T). Auf Spanien &uuml;bertragen: Wenn das Land ein Leistungsbilanzdefizit von beispielsweise 3,7 Prozent des BIP aufweist (wie im Jahr 2011), muss der Staat ein Defizit von mehr als 3,7 Prozent des BIP verzeichnen, damit der Privatsektor einen &Uuml;berschuss erzielen kann. Tats&auml;chlich aber soll der Staat in Spanien seinen Fehlbetrag nach Vorgabe der Europ&auml;ischen Kommission drastisch senken und steht zudem vor dem Problem, nur noch gegen hohe Risikopr&auml;mien Geld zu erhalten. Versucht der spanische Staat deshalb, seine Defizite z. B. &uuml;ber Ausgabenk&uuml;rzungen zu reduzieren und nimmt gleichzeitig der Privatsektor einen Schuldenabbau in Angriff, sind diese Sparpl&auml;ne nicht logisch miteinander vereinbar. Stattdessen f&uuml;hren Ausgabenk&uuml;rzungen von Staat und privatem Sektor zu einer sinkenden aggregierten Nachfrage, so dass Output und erwirtschaftetes Einkommen fallen. Dies wiederum verringert nicht nur die Sparm&ouml;glichkeiten des Privatsektors, sondern verschlechtert auch &uuml;ber die automatischen Stabilisatoren den staatlichen Finanzierungssaldo.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Allein die Leistungsbilanz verbessert sich, da die Importe Spaniens zur&uuml;ckgehen (die Importausgaben sind eine Funktion des inl&auml;ndischen Einkommenswachstums).[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Die Rezession versch&auml;rft sich und die Banken m&uuml;ssen weit h&ouml;here Abschreibungen vornehmen als geplant. Um die neu auftretenden Haushaltsl&ouml;cher zu stopfen, werden dann weitere staatliche Sparprogramme aufgelegt, was die n&auml;chste Runde eines &ouml;konomischen Teufelskreises von abnehmendem Wachstum, zunehmender Arbeitslosigkeit, sinkenden Steuereinnahmen, steigenden Budgetdefiziten etc. einleitet.<\/p>\n<li><strong>Spanien braucht Staatsdefizite<\/strong>\n<p>Spanien hat im Jahr 2011 sein Haushaltsziel nicht erreicht: Das Etatdefizit betrug statt der vorgesehenen 6,0 Prozent schlie&szlig;lich 9,4 Prozent des BIP. Da sich auch die Zielmarke f&uuml;r 2012 von 4,4 Prozent schon bald als unrealistisch erwies, genehmigten die Finanzminister der Eurozone und die EU-Kommission dem Land f&uuml;r das vergangene Jahr zun&auml;chst ein Defizit von 5,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Daf&uuml;r sollte aber das Defizit im Jahr 2013 auf keinen Fall &uuml;ber 3 Prozent des BIP liegen. Inzwischen wurde das Spardiktat noch einmal aufgeweicht: Spanien erh&auml;lt ein weiteres Jahr Zeit und soll nunmehr bis 2014 das Haushaltsdefizit auf 3 Prozent senken. Gleichzeitig verpflichtete sich das Land auf ein Defizitziel von 6,3 Prozent im Jahr 2012 und 4,5 Prozent im Folgejahr 2013.<\/p>\n<p>In der Tat war das Defizitziel von 3 Prozent f&uuml;r das Jahr 2013 wenig realistisch und es ist auch zu bezweifeln, ob dieses Kriterium 2014 erreicht werden kann. Nehmen wir trotzdem an, es gel&auml;nge Spanien wirklich, sein Haushaltsdefizit in naher Zukunft auf 3 Prozent zu senken; gleichzeitig bliebe sein Leistungsbilanzdefizit mit 3,7 Prozent auf dem Stand von 2011. Dann w&auml;re die zwingende Folge, dass der Privatsektor Spaniens ein Finanzierungsdefizit von 0,7 Prozent verzeichnete. Statt sich zu entschulden, w&uuml;rde der private Sektor also seine Schulden erh&ouml;hen; die Krise Spaniens wird so nicht gel&ouml;st, sondern versch&auml;rft. Tats&auml;chlich m&uuml;sste der spanische Staat alles daransetzen, den nur schleppend vorankommenden Schuldenabbau im Privatsektor zu unterst&uuml;tzen, statt ihn mit einer radikalen Haushaltskonsolidierung zu erschweren oder gar zu blockieren. Denn wenn hochverschuldete Akteure aus dem Privatsektor ihre Ausgaben reduzieren, wenn sie ihre noch verf&uuml;gbaren Aktiva verkaufen und damit deren Preise nach unten treiben [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>], wenn sie gar in gro&szlig;er Zahl den Bankrott erkl&auml;ren m&uuml;ssen und so auch die Gl&auml;ubiger gef&auml;hrden, dann gibt es nur noch einen Akteur, der das Ruder herumrei&szlig;en kann &ndash; den Staat. Der Staat ist in der Lage, mit einem genau entgegengesetzten Handeln den Abw&auml;rtsprozess zu stoppen: &bdquo;Er kann eingreifen, indem er seine Ausgaben erh&ouml;ht und die Konjunktur stabilisiert, er kann auch eingreifen dadurch, dass er selbst beziehungsweise die Zentralbank Aktien oder Anleihen aufkauft, um deren Preisverfall zu stoppen. Er kann auch daf&uuml;r sorgen, dass Konkursverfahren verschoben werden, indem er &uuml;berschuldete Akteure herauskauft.&ldquo; (Flassbeck 2011, S. 111f) Nat&uuml;rlich ist ein solches antizyklisches Verhalten nicht ohne eine h&ouml;here Verschuldung des Staates m&ouml;glich. <\/p>\n<p>Erforderlich w&auml;re also im Fall Spaniens, in der n&auml;chsten Zeit auf eine Senkung der Staatsdefizite zu verzichten, da das jetzt stattfindende Deleveraging des Privatsektors, d. h. der Abbau von Altschulden, ohne ein deutliches Defizit der &ouml;ffentlichen Haushalte nicht aufrechtzuerhalten ist.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]  Wenn der Privatsektor sparen will, um seinen Schuldenstand reduzieren zu k&ouml;nnen, sind seine Ausgaben ged&auml;mpft und nicht in der Lage, das nationale Einkommenswachstum zu st&uuml;tzen. Weil letzteres jedoch die Voraussetzung f&uuml;r einen erfolgreichen Deleveraging-Prozess ist, muss der Staat versuchen, zumindest die Ausgabenl&uuml;cke, die aus den verst&auml;rkten Sparanstrengungen des privaten Sektors resultiert, zu schlie&szlig;en. Eine Bilanzrezession l&auml;sst sich nur mit einer staatlichen Stimulierung des Wachstums &uuml;berwinden, die so lange beibehalten werden muss, bis die Privaten ihre Bilanzen in Ordnung gebracht haben. Richard Koo stellt mit Recht fest: &bdquo; [&hellip;] nothing is worse than fiscal consolidation when a sick private sector is minimizing debt&ldquo; (Koo 2011, S. 27) Um es anhand des obigen einfachen Beispiels von Koo zu verdeutlichen: Nur wenn sich der Staat die erw&auml;hnten $100 leiht und ausgibt, bleiben die Ausgaben der Volkswirtschaft unver&auml;ndert bei $1000 ($900 Ausgaben des privaten Haushalts plus $100 Staatsausgaben). Der Staat h&auml;lt so die Einkommen im privaten Sektor aufrecht und erm&ouml;glicht es den Unternehmen und privaten Haushalten, ihre Schulden zur&uuml;ckzuzahlen. Verweigert der Staat seine Unterst&uuml;tzung inmitten einer Phase des Deleveraging des Privatsektors, entspricht dies dem Abzug der oben genannten $100 und die Wirtschaft schrumpft von $1000 auf $900, dann $810 usw.<br>\nNun l&auml;sst sich einwenden, dass Spanien und andere Krisenl&auml;nder der Eurozone gro&szlig;e Schwierigkeiten h&auml;tten, die Entschuldung des Privatsektors mit einem hohen Staatsdefizit zu unterst&uuml;tzen: Schlie&szlig;lich sind die Kapitalmarktteilnehmer nur noch zu hohen Risikopr&auml;mien bereit, ihnen Geld zu leihen. Deshalb schlagen die Institute des Makro-Konsortiums &ndash; dies sind die drei Wirtschaftsforschungsinstitute IMK (D&uuml;sseldorf), OFCE (Paris) und WIFO (Wien) &ndash; die Einrichtung eines Europ&auml;ischen W&auml;hrungsfonds (EWF) vor, einer gemeinsamen Finanzierungsagentur der Eurol&auml;nder, die durch die Ausgabe niedrig verzinster Eurobonds Mittel aufnehmen und an die Eurostaaten weiterreichen k&ouml;nnte. Durch die Emission von Eurobonds, die von allen 17 Eurol&auml;ndern garantiert werden, lie&szlig;en sich die Zinsdifferenzen im Euroraum beseitigen und die Krisenl&auml;nder k&auml;men in den Genuss eines deutlich niedrigeren Zinsniveaus als derzeit (dazu ausf&uuml;hrlicher Makro-Konsortium 2012). Eine alternative, deutlich schneller umsetzbare L&ouml;sung besteht darin, dass die Europ&auml;ische Zentralbank (EZB) erkl&auml;rt, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen der Euro-Krisenl&auml;nder aufzukaufen, um die Anleihezinsen auf ein tragbares Niveau zu senken und dort zu halten. Da die EZB die M&ouml;glichkeit hat, in beliebiger H&ouml;he Euro zu sch&ouml;pfen und gegen Staatsanleihen einzutauschen, w&auml;re eine Spekulation gegen diese Ank&uuml;ndigung der EZB (in der Erwartung, dass die der Zentralbank zur Verf&uuml;gung stehenden Mittel nicht ausreichen) unsinnig.<\/p>\n<p>Tats&auml;chlich hat sich die EZB in ihrer Stellungnahme vom 6. September 2012 bereit erkl&auml;rt, unbegrenzt zu intervenieren. Allerdings ist der angek&uuml;ndigte Kauf von Staatsanleihen an die Bedingung gekoppelt, dass die betreffenden L&auml;nder beim ESM ein Hilfsprogramm beantragen und die damit einhergehenden Spar- und Reformauflagen akzeptieren.<\/p>\n<p>Im folgenden Abschnitt soll das Anleiheankaufprogramm der EZB einer genaueren Untersuchung unterzogen werden, nicht zuletzt deshalb, weil es in Deutschland eine heftige Kontroverse ausgel&ouml;st hat.<\/p><\/li>\n<li><strong>Wie n&uuml;tzlich ist das Anleihekaufprogramm der EZB?<\/strong>\n<p>Das neue Staatsanleihekaufprogramm OMT (Outright Monetary Transactions) ist in Deutschland auf teilweise scharfe Ablehnung gesto&szlig;en. Die gr&ouml;&szlig;te Sorge der Kritiker scheint dabei die Inflation zu sein, die aus dem unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen auf dem Sekund&auml;rmarkt resultiere. So spricht etwa Thorsten Polleit (Frankfurt School of Finance) von einer &bdquo;Politik der Euro-Inflationierung&ldquo; und prognostiziert: &bdquo;Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis die Preise steigen und die Kaufkraft des Geldes drastisch absinkt&ldquo; (Anleihen Monitor, 25. 9. 2012). &Auml;hnlich harsch urteilt die &bdquo;S&uuml;ddeutsche Zeitung&ldquo;, die eine Finanzierung unsolider Staaten durch die EZB bef&uuml;rchtet, an deren Ende &bdquo;Blasen, Krisen, Inflation&ldquo; st&uuml;nden (S&uuml;ddeutsche Zeitung, 7.9.2012). Und auch die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute warnen in ihrer Gemeinschaftsdiagnose vom Herbst 2012 vor einer drohenden Geldentwertung: &bdquo;Wenn [&hellip;] die EZB auf Dauer als K&auml;ufer letzter Instanz f&uuml;r Staatsanleihen von Krisenl&auml;ndern auftritt, f&uuml;hrt kaum ein Weg an h&ouml;herer Inflation vorbei&ldquo; (Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose 2012, S. 52).<\/p>\n<p>Die EZB teilt offenbar die Sorge, dass die Anleihek&auml;ufe zu einem Anstieg der Geldmenge und als Folge zu einem Zuwachs der Preise f&uuml;hren k&ouml;nnten. Sie hat deshalb angek&uuml;ndigt, dass sie an anderer Stelle Geld aus dem Markt nehmen und damit m&ouml;glichen Inflationsgefahren entgegenwirken werde: &bdquo;The liquidity created through Outright Monetary Transactions will be fully sterilised&ldquo; (EZB 2012). Jedoch bezweifeln die Kritiker, dass eine solche Sterilisierung in der Praxis funktionieren k&ouml;nne (Welt.de, 6.9.2012).<\/p>\n<p>Die Bef&uuml;rworter des OMT-Programms verweisen demgegen&uuml;ber auf die harten Restriktionsauflagen, die Spanien und alle anderen Krisenl&auml;nder erf&uuml;llen m&uuml;ssen, wenn sie die Hilfe der EZB in Anspruch nehmen wollen.<\/p>\n<p>Meines Erachtens geht die Diskussion weitgehend an der eigentlichen Problematik vorbei. Dies beginnt schon bei der Darstellung der technischen Vorgehensweise der EZB. So wird das nur bildlich zu verstehende &bdquo;Gelddrucken&ldquo; der EZB, um Staatsanleihen von Euro-Krisenl&auml;ndern zu kaufen, von einigen Kommentatoren offenbar wortw&ouml;rtlich als Drucken von Papiergeld zur Staatsfinanzierung aufgefasst. So sprechen etwa &bdquo;Focus&ldquo;, &bdquo;Stern&ldquo; und viele andere vom &bdquo;Anwerfen der Notenpresse zum Kauf von Bonds&ldquo; und die &bdquo;Welt&ldquo; erkl&auml;rt, die EZB stelle &bdquo;f&uuml;r die unbegrenzten Interventionen [&hellip;] frisch gedrucktes Geld zur Verf&uuml;gung&ldquo; (Welt.de, 6.9.2012).<br>\nOb solche Behauptungen aus reiner Unkenntnis resultieren oder aus dem Grund, bewusst (Inflations-) &Auml;ngste in der Bev&ouml;lkerung zu sch&uuml;ren, muss hier offen bleiben. In jedem Fall druckt eine Zentralbank nat&uuml;rlich real kein Geld, wenn sie Staatsanleihen kauft. Um das wirkliche Vorgehen zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass die Gesch&auml;ftsbanken Reservekonten bei der Zentralbank ihres Systems halten m&uuml;ssen. Das hei&szlig;t, sie haben Einlagen bei &bdquo;ihrer&ldquo; Zentralbank, sog. Bankreserven, die zusammen mit dem Bargeld die &bdquo;Geldbasis&ldquo; bilden. Kauft nun eine Zentralbank auf dem Sekund&auml;rmarkt Staatsanleihen, so schreibt sie den Gesch&auml;ftsbanken die entsprechenden Geldbetr&auml;ge auf den Reservekonten der Banken bei der Zentralbank gut. Letztendlich findet nur ein &bdquo;Asset-Tausch&ldquo; statt: Die Banken verkaufen finanzielle Verm&ouml;genswerte und erhalten zus&auml;tzliche Reserven als Gegenleistung.<\/p>\n<p>Wie soll daraus Inflation entstehen? Wenn Geld (als Reserven) geschaffen, aber nicht geliehen und ausgegeben wird, gibt es keinen magischen Marktmechanismus, der automatisch und auf mystische Weise alle Produktpreise ver&auml;ndert. Die Anleihekaufgegner und der &ouml;konomische Mainstream behaupten deshalb, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Geldbasis (der Summe aus Bankreserven und Bargeld) und der Geldmenge gibt, wobei der sog. Geldmultiplikator Ver&auml;nderungen in der Geldbasis in Ver&auml;nderungen der Geldmenge &uuml;bertr&auml;gt: Die Zentralbank stellt den Gesch&auml;ftsbanken die Geldbasis zur Verf&uuml;gung, aus der die Banken dann &ndash; in deutlich gr&ouml;&szlig;erem Umfang &ndash; Geld sch&ouml;pfen. In dieser Logik f&uuml;hrt der oben erw&auml;hnte (zu) starke Anstieg der Bankreserven zu einer immensen Kreditexpansion, damit zu einem zu schnellen Ausgabenwachstum (relativ zum Output) und folglich zu Inflation: Zu viel Geld jagt zu wenige G&uuml;ter.<\/p>\n<p>Diese Idee basiert auf der Annahme, dass Banken Depositen und Reserven ben&ouml;tigen, bevor sie Kredite gew&auml;hren k&ouml;nnen. Banken liehen nur dann Gelder aus, wenn sie &uuml;ber vorherige Reserven verf&uuml;gten, und das Staatsanleihekaufprogramm OMT stelle solche Reserven bereit. H&auml;tten die Banken mehr Reserven &ndash; so die Vorstellung -, k&ouml;nnten sie mehr Kredite vergeben. Tats&auml;chlich aber ist die Kreditvergabe der Banken an Firmen oder private Haushalte nicht durch ihre Reservepositionen beschr&auml;nkt: Banken verleihen Geld an jeden kreditw&uuml;rdigen Kunden, den sie finden k&ouml;nnen, und k&uuml;mmern sich erst anschlie&szlig;end um ihre Reservepositionen (Mitchell 2009a und 2009b).[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Wenn sie knapp an Reserven sind, k&ouml;nnen sie sich untereinander auf dem Interbankenmarkt Geld leihen, Wertpapiere endg&uuml;ltig (&bdquo;outright&ldquo;) oder f&uuml;r eine festgesetzte Zeitperiode (im Rahmen &bdquo;befristeter Transaktionen&ldquo;) an die Zentralbank verkaufen oder &uuml;ber die Spitzenrefinanzierungsfazilit&auml;t kurzfristige Kredite bei der Zentralbank aufnehmen.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Die letztgenannte M&ouml;glichkeit wird von den Banken nur ungern in Anspruch genommen, da sie einen &bdquo;Strafzins&ldquo; (h&ouml;here Zinskosten) beinhaltet.<\/p>\n<p>Sicherlich spielt auf der Ebene der einzelnen Gesch&auml;ftsbank der &bdquo;Preis der Reserven&ldquo; eine Rolle in der Entscheidung der Kreditabteilung, Geldmittel zu verleihen. Aber die Reserveposition an sich ist nicht von Bedeutung. Solange f&uuml;r eine Bank die Zinsspanne zwischen ihrem Verleihzinssatz und dem Zinssatz f&uuml;r die Spitzenrefinanzierungsfazilit&auml;t ausreichend gro&szlig; ist, wird sie Kredite vergeben (vgl. dazu den Kasten).<\/p>\n<p><strong>Kasten: Bankreserven und Kredite<\/strong><\/p>\n<p>Banken verleihen keine Reserven (die sie auf ihren Zentralbankkonten haben) an Nichtbanken und sie brauchen auch keine Reserven, bevor sie Kredite vergeben. Das hei&szlig;t nat&uuml;rlich nicht, dass sie <em>generell<\/em> keine Reserven ben&ouml;tigen. Gesch&auml;ftsbanken m&uuml;ssen Reservekonten bei der Zentralbank unterhalten. Die Bankreserven, die Verbindlichkeiten der Zentralbank sind, stellen sicher, dass das Zahlungsverkehrssystem &ndash; bestehend aus den Millionen von Transaktionen, die tagt&auml;glich zwischen den Banken abgewickelt werden &ndash; st&ouml;rungsfrei funktioniert. Die &Uuml;berweisung eines Betrages von einer Gesch&auml;ftsbank zu einer anderen l&auml;uft technisch einfach so ab, dass auf dem Zentralbankkonto der &uuml;berweisenden Bank eine Abbuchung, auf dem Konto der empfangenden Bank eine entsprechende Gutschrift vorgenommen wird. Gesch&auml;ftsbanken ben&ouml;tigen mithin Reserven, um Zahlungen untereinander durchf&uuml;hren (und um Bargeldbed&uuml;rfnisse ihrer Kunden befriedigen) zu k&ouml;nnen. Dar&uuml;ber hinaus m&uuml;ssen die Gesch&auml;ftsbanken entsprechend der jeweiligen Mindestreservepflicht ein bestimmtes Mindestguthaben auf ihrem Zentralbankkonto halten.<\/p>\n<p>Aber Banken sitzen nicht da und warten auf &Uuml;berschussreserven, bevor sie Kredite vergeben und Depositen schaffen. Bankmanager interessieren sich im Allgemeinen wenig f&uuml;r die Gesamth&ouml;he der Reserven im Bankensystem und kein Kreditsachbearbeiter w&uuml;rde jemals auf die Idee kommen, die Reserveposition seiner Bank zu &uuml;berpr&uuml;fen, bevor er einen Kredit genehmigt (Wray 1998, S. 107). Gew&auml;hrt er den Kredit, so kreiert er damit unmittelbar ein Depositum. Es ist mithin genau umgekehrt: Kredite schaffen Depositen (auf die die Kreditnehmer dann zugreifen k&ouml;nnen), die Reserven erzeugen. Weder sind Bankreserven erforderlich, um Kredite zu gew&auml;hren, noch existiert in der realen Welt ein Geldmultiplikator-Mechanismus, wie er immer noch in vielen Lehrb&uuml;chern beschrieben wird. Sehr klar sehen das inzwischen Autoren der Bank f&uuml;r Internationalen Zahlungsausgleich, der Zentralbank der Zentralbanken: &bdquo; [&hellip;] the emphasis on policy-induced changes in deposits is misplaced. If anything, the process actually works in reverse, with loans driving deposits. In particular [&hellip;] the concept of the money multiplier is flawed and uninformative in terms of analyzing the dynamics of bank lending. Under a fiat money standard and liberalized financial system, there is no exogenous constraint on the supply of credit except through regulatory capital requirements. An adequately capitalized banking system can always fulfill the demand for loans if it wishes to&rdquo; (Disyatat 2010, S. 2).<\/p>\n<p>Die traditionelle Auffassung, dass ein unzureichender Zugang zu Reserven die Kreditvergabe einschr&auml;nkt und dass umgekehrt ein h&ouml;herer Reservebestand die Banken veranlasst, mehr Kredite zu gew&auml;hren, hat &ndash; so die BIZ-Autoren &ndash; mit der Wirklichkeit wenig zu tun: &bdquo;In fact, the level of reserves hardly figures in banks&lsquo; lending decisions.  The amount of credit outstanding is determined by banks&lsquo; willingness to supply loans, based on perceived risk-return trade-offs, and by the demand for those loans. The aggregate availability of bank reserves does not constrain the expansion directly. [&hellip;]<\/p>\n<p>By the same token [&hellip;] an expansion of reserves in excess of any requirement does not give banks more resources to expand lending. [&hellip;]<\/p>\n<p>A striking recent illustration of the tenuous link between excess reserves and bank lending is the experience during the Bank of Japan&rsquo;s &ldquo;quantitative easing&rdquo; policy in 2001-2006. Despite significant expansions in excess reserve balances, and the associated increase in base money, during the zero-interest rate policy, lending in the Japanese banking system did not increase robustly&rdquo; (Borio\/Disyatat 2009, S. 19).<\/p>\n<p>Die Erkenntnis, dass Kredite unabh&auml;ngig von den Reservepositionen der Banken gew&auml;hrt werden (und dass eine Bank durch einen Mangel an kreditw&uuml;rdigen Kunden, nicht aber durch die Menge der von ihr gehaltenen Reserven in ihren Kreditvergabem&ouml;glichkeiten eingeschr&auml;nkt wird), ist nicht neu. Der US-amerikanische &Ouml;konom und Nobelpreistr&auml;ger James Tobin stellte bereits im Jahr 1963 in einem &ndash; leider weitgehend in Vergessenheit geratenen &ndash; Aufsatz zu Recht fest: &bdquo;An individual bank is not constrained by any fixed quantum of reserves. It can obtain additional reserves to meet requirements by borrowing from the Federal Reserve, by buying &bdquo;Federal Funds&ldquo; from other banks, by selling or &bdquo;running off&rdquo; short-term securities. In short, reserves are available at the discount window and in the money market, at a price. This cost the bank must compare with available yields on loans and investments. If those yields are low relative to the cost of reserves, the bank will seek to avoid borrowing reserves and perhaps hold excess reserves instead. If those yields are high relative to the cost of borrowing reserves, the bank will shun excess reserves and borrow reserves occasionally or even regularly&rdquo; (Tobin 1963, S. 417).<\/p>\n<p>Tats&auml;chlich gibt es keine funktionale Beziehung zwischen der Reserveposition der Banken und der Inflationsentwicklung. Inflation kann im Kern zwei Ursachen haben: Bei der nachfragebedingten Inflation &uuml;bertrifft das nominale Nachfrage- das potenzielle Angebotswachstum, d. h. die M&ouml;glichkeiten der Realwirtschaft, die steigende G&uuml;ternachfrage mit einer entsprechenden Produktionsausweitung zu befriedigen. Dies geschieht, wenn die Unternehmen bereits mit voller Kapazit&auml;t arbeiten, wobei es m&ouml;glich ist, dass einige Sektoren diesen Punkt eher erreichen als andere und dann beginnen, das Preisniveau in die H&ouml;he zu treiben. Zum anderen kann es zu einer kostenbedingten Inflation kommen, wenn beispielsweise Unternehmen die durch &uuml;berh&ouml;hte Lohnzuw&auml;chse hervorgerufenen Kostensteigerungen auf die Preise abw&auml;lzen und die gestiegenen Preise dann weitere Lohnforderungen ausl&ouml;sen.<\/p>\n<p>Beides ist im Moment nicht gegeben: Die hohe Arbeitslosigkeit in der Eurozone wird auf absehbare Zukunft wohl kaum starke Lohnerh&ouml;hungen zulassen (am ehesten vielleicht noch in Deutschland, aber dort w&auml;re ein h&ouml;heres Lohnwachstum erw&uuml;nscht, vgl. dazu Abschnitt 6), so dass eine kostenbedingte Inflation gegenw&auml;rtig mehr als unwahrscheinlich erscheint. Aber auch eine nachfragebedingte Inflation droht nicht. Denn in einer &ouml;konomischen Situation, die durch Arbeitslosigkeit und unterausgelastete Kapazit&auml;ten gekennzeichnet ist, gibt es immer Raum f&uuml;r reale Anpassungen (d.h. Outputerh&ouml;hungen), um einem nominalen Wachstum der aggregierten Nachfrage zu entsprechen. Sollten also tats&auml;chlich die Banken ihre Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte in n&auml;chster Zeit deutlich ausweiten und damit einen Nachfrageschub initiieren, d&uuml;rften die Unternehmen bei geringer Auslastung der vorhandenen Kapazit&auml;ten darauf reagieren, indem sie ihre Ausbringungsmenge steigern. Sie werden Preiserh&ouml;hungen ihrer Waren und Dienstleistungen m&ouml;glichst vermeiden, da sie ihre Marktanteile halten wollen und f&uuml;rchten m&uuml;ssen, dass ihre Konkurrenten nicht mitziehen.<\/p>\n<p>Aber warum sollte es &uuml;berhaupt zu einer Erh&ouml;hung der Kreditvergabe kommen? Das Anleiheaufkaufprogramm der EZB k&ouml;nnte theoretisch zwar die Nachfrage der Konsumenten und die Investitionsneigung der Unternehmen stimulieren, indem es die l&auml;ngerfristigen Zinsen senkt (wenn die Zentralbank Staatsanleihen kauft und so deren Renditen nach unten dr&uuml;ckt). Ob allerdings der Privatsektor im Euroraum, der in L&auml;ndern wie Spanien und Irland alle Bem&uuml;hungen auf eine Erh&ouml;hung der Ersparnis bzw. einen Abbau der Schulden richtet und der sich fast &uuml;berall Austerit&auml;tsprogrammen gegen&uuml;bersieht, bereit ist, seine Kreditnachfrage auszuweiten, darf doch bezweifelt werden (vgl. die Ausf&uuml;hrungen unter Abschnitt 4). Unternehmen fragen nur dann Kredite f&uuml;r Investitionen nach, wenn sie erwarten, dass die von ihnen produzierten Konsum- oder Kapitalg&uuml;ter von privaten Haushalten und anderen Unternehmen gekauft werden. Im Moment verf&uuml;gen die Unternehmen vielerorts &uuml;ber gro&szlig;e freie Produktionskapazit&auml;ten; ein kr&auml;ftiger Investitionsboom ist mithin nicht zu erwarten. Ebenso wenig d&uuml;rften die privaten Haushalte, die in einer Situation anhaltender Unterbesch&auml;ftigung einem wieder wachsenden Arbeitslosigkeitsrisiko ausgesetzt sind, einen deutlich steigenden Bedarf an neuen Krediten anmelden. Das gilt nicht nur f&uuml;r Spanien und die anderen Euro-Krisenl&auml;nder, sondern auch f&uuml;r Deutschland, wo sich in diesem Jahr die Konjunkturentwicklung &ndash; nicht zuletzt aufgrund der versch&auml;rften Eurokrise und der damit einhergehenden geringen Nachfrage aus dem Euroraum &ndash; erheblich abschw&auml;chen k&ouml;nnte. In allen wichtigen Industriel&auml;ndern dr&uuml;ckt gegenw&auml;rtig eine hohe Arbeitslosigkeit die L&ouml;hne und folglich die Einkommenserwartungen, mit der Folge, dass sowohl die Konsumnachfrage als auch die Investitionst&auml;tigkeit sehr schwach sind. Auch steigende staatliche Haushaltsdefizite, die diese Ausgabenl&uuml;cke vollst&auml;ndig kompensieren oder gar &uuml;berkompensieren w&uuml;rden, sind im Moment weit und breit nicht in Sicht. In jedem Fall lassen sich die vieldiskutierten Preissteigerungen bei Edelmetallen, Immobilien, Nahrungsmitteln oder &Ouml;l, die zum allergr&ouml;&szlig;ten Teil spekulativ bedingt sind, wohl kaum auf eine Zunahme der &ouml;ffentlichen Nachfrage zur&uuml;ckf&uuml;hren.<\/p>\n<p>Eine &uuml;bersch&auml;umende Nachfrage, die zu deutlich steigenden Inflationsraten f&uuml;hren w&uuml;rde, ist also gegenw&auml;rtig nicht zu erwarten. Die gerade in Deutschland weit verbreiteten &Auml;ngste vor Inflation oder gar Hyperinflation sind damit unbegr&uuml;ndet. Die Entscheidung der EZB, unter bestimmten Voraussetzungen unbegrenzt Staatsanleihen von Euro-Krisenl&auml;ndern zu kaufen, ist deshalb auch nicht wegen unkalkulierbarer Inflationsrisiken problematisch, wie hierzulande in vielen Medien behauptet wird. Sie ist vielmehr problematisch, weil sie einen an sich richtigen Schritt an Bedingungen kn&uuml;pft, die den Misserfolg der Ma&szlig;nahme geradezu vorprogrammieren. Denn die EZB will einen Anleihekauf nur unter der Voraussetzung vornehmen, dass das betreffende Land ein Hilfsprogramm beim Euro-Rettungsfonds ESM beantragt und sich den damit einhergehenden Spar- und Reformauflagen unterwirft. Die Euro-W&auml;hrungsh&uuml;ter gehen also nach wie vor davon aus, dass sich Staatshaushalte inmitten einer Rezession durch Sparanstrengungen sanieren lassen, in einer Situation also, in der bereits die privaten Haushalte und Unternehmen massive Sparversuche vornehmen. Da eine solche Politik des G&uuml;rtel-enger-Schnallens bei den Staatshaushalten die Wirtschaft nur tiefer in die Krise treibt, ist es verst&auml;ndlich, dass Spanien bislang z&ouml;gert, einen neuen Antrag auf Hilfen des Rettungsfonds ESM zu stellen. Es ist absurd: Statt das dringend erforderliche Wachstum in den Krisenl&auml;ndern zu f&ouml;rdern, bietet die EZB ihre Hilfe an unter der Bedingung, dass das Wachstum weiter geschw&auml;cht und der Schaden damit vergr&ouml;&szlig;ert wird. Da hilft es dann wenig, dass die Zinsen, die f&uuml;r Staatsanleihen zu zahlen sind, um ein oder zwei Prozentpunkte sinken.<\/p><\/li>\n<li><strong>Ist die Spanien- und Eurokrise l&ouml;sbar?<\/strong>\n<p>Als bisheriges Res&uuml;mee l&auml;sst sich festhalten: Der Beschluss der EZB, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen angeschlagener Eurol&auml;nder zu kaufen, ist an sich ein Schritt in die richtige Richtung. Dies zeigt sich schon daran, dass allein die Ank&uuml;ndigung von EZB-Chef Mario Draghi, notfalls unbegrenzt zu intervenieren, zu einem R&uuml;ckgang der Renditen f&uuml;r Staatsanleihen dieser L&auml;nder gef&uuml;hrt hat. Probleme entstehen jedoch, sobald tats&auml;chlich ein Einsatz des Staatsanleiheprogramms der EZB erforderlich wird: Da die Anleihek&auml;ufe an die Bedingung gekn&uuml;pft sind, dass die Euro-Krisenl&auml;nder einen Hilfsantrag beim Rettungsfonds ESM stellen und sich anschlie&szlig;end weiteren Restriktionsauflagen unterwerfen, werden dann die positiven Effekte niedrigerer Zinss&auml;tze durch die negativen Wirkungen einer versch&auml;rften Austerit&auml;tspolitik aufgewogen.<\/p>\n<p>Die erste Ma&szlig;nahme, Spanien (und den anderen Krisenl&auml;ndern) zu helfen, w&auml;re folglich, auf jegliche Auflagen bei einem Kauf von Staatsanleihen durch die EZB zu verzichten, damit eben nicht der Vorteil einer verringerten Zinslast durch den Nachteil weiterer Wachstumseinbu&szlig;en neutralisiert wird. Nat&uuml;rlich reicht dieser erste Schritt bei weitem nicht aus, um Spanien aus der Krise zu f&uuml;hren. Wie oben erw&auml;hnt, ist es dar&uuml;ber hinaus notwendig, in der gegenw&auml;rtigen Lage auf einen staatlichen Defizitabbau zu verzichten, um den notwendigen Schuldenabbau im Privatsektor Spaniens voranzutreiben. L&auml;ngerfristig ist aber insbesondere eine Verbesserung der Leistungsbilanz Spaniens erforderlich.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Denn bei einem Leistungsbilanzdefizit lassen sich nicht gleichzeitig &ouml;ffentliche und private Schulden reduzieren; die Entschuldung des privaten Sektors wird dann zwangsl&auml;ufig durch eine Verschuldung des Staates erkauft. Je mehr sich die Leistungsbilanz verbessert, desto st&auml;rker wird der Staat entlastet, weil bei einem gegebenen Finanzierungs&uuml;berschuss des Privatsektors das Defizit der &ouml;ffentlichen Haushalte umso niedriger ist, je geringer das Leistungsbilanzdefizit ausf&auml;llt.<\/p>\n<p>Erst ein Leistungsbilanz&uuml;berschuss w&uuml;rde Spanien eine Entschuldung des privaten Sektors und des Staates erlauben, da in diesem Fall die beiden Sektoren Privatsektor und Staat zusammengenommen einen Einnahmen&uuml;berschuss in H&ouml;he des Leistungsbilanz&uuml;berschusses aufwiesen. Nur ein solcher Einnahmen&uuml;berschuss gegen&uuml;ber dem Ausland (nichts anderes stellt ein Leistungsbilanz&uuml;berschuss dar) g&auml;be Spanien die M&ouml;glichkeit, seine immense Auslandsverschuldung abzubauen. Das Gleiche gilt selbstverst&auml;ndlich f&uuml;r die anderen Krisenl&auml;nder der Eurozone, die bei den bisherigen &Uuml;berschussl&auml;ndern hoch verschuldet sind: Wollen sie Schulden zur&uuml;ckzahlen, so geht dies nur, wenn im jeweiligen Land der Privat- und der Staatssektor einen Einnahmen&uuml;berschuss verzeichnen. Umgekehrt m&uuml;ssten Deutschland und die &uuml;brigen Leistungsbilanz&uuml;berschussl&auml;nder gegen&uuml;ber ihren europ&auml;ischen Handelspartnern Defizite im Au&szlig;enhandel zulassen, wenn ein realer Schuldenabbau stattfinden soll, bei dem die Gl&auml;ubigerl&auml;nder zumindest einen Teil der Schulden des Auslands zur&uuml;ckerhalten.<\/p>\n<p>Wichtig ist, dass eine Verbesserung der Wettbewerbsf&auml;higkeit und damit der Leistungsbilanz Spaniens (wie aller anderen Krisenl&auml;nder) nicht durch eine allgemeine Lohnsenkung erfolgen darf. Denn bei sinkenden Einkommen w&auml;ren viele Arbeitnehmer noch weniger als bisher in der Lage, ihre Kredite zu bedienen, mit der Folge, dass eine wachsende Zahl von Hypothekenschuldnern ihre Wohnungen und H&auml;user verl&ouml;re und die Banken noch mehr faule Kredite in ihren B&uuml;chern zu bilanzieren h&auml;tten. Die Steuereinnahmen des Staates s&auml;nken weiter, die Sozialausgaben w&uuml;chsen notgedrungen. An einen Aufschwung der privaten Investitionst&auml;tigkeit w&auml;re auf Jahre hinaus nicht zu denken, da die mangelnde Auslastung der Kapazit&auml;ten jegliche Gewinnperspektive potenzieller Investoren zunichte machte. Dar&uuml;ber hinaus entst&uuml;nde bei einer fl&auml;chendeckenden Lohnsenkung die Gefahr einer Deflation, die zu einer Erh&ouml;hung der Realzinsen und der realen Schuldenlast f&uuml;hren und so die Krise Spaniens weiter versch&auml;rfen w&uuml;rde.<\/p>\n<p>Aus diesen &Uuml;berlegungen ergibt sich unmittelbar eine L&ouml;sungsstrategie f&uuml;r die Eurokrise: Die Lohnst&uuml;ckkostenpfade m&uuml;ssten im Euroraum in einem Prozess der EWU-weit koordinierten Lohnpolitik umgekehrt werden, d. h. die gesamtwirtschaftlichen Lohnst&uuml;ckkosten Spaniens und der anderen Defizitl&auml;nder relativ zu denen der &Uuml;berschussl&auml;nder solange langsamer wachsen, bis sich die Lohnst&uuml;ckkostenniveaus wieder angeglichen haben. Deutschland m&uuml;sste vom Inflationsziel der EZB nach oben abweichen (statt 2% ungef&auml;hr 3% Preissteigerung tolerieren), die Krisenl&auml;nder nach unten (1% statt 2%). Die Wettbewerbsf&auml;higkeit der L&auml;nder mit Auslandsschulden k&ouml;nnte so allm&auml;hlich wiederhergestellt werden, so dass die au&szlig;enwirtschaftlichen Ungleichgewichte beseitigt w&uuml;rden.<\/p>\n<p>Wie realistisch ist ein solches Szenario? Es muss ehrlicherweise einger&auml;umt werden, dass der hier vorgeschlagene L&ouml;sungsweg nur geringe Realisierungschancen besitzt. Auf der anderen Seite hat aber die Europ&auml;ische W&auml;hrungsunion bei einer Fortf&uuml;hrung der bisherigen Wirtschaftspolitik keine Zukunft mehr. Es bleibt also nur die vage Hoffnung, dass es doch noch zu einer Abkehr von dem desastr&ouml;sen Austerit&auml;tskurs kommt, wenngleich  insbesondere in Deutschland kaum Anzeichen f&uuml;r ein Umdenken zu erkennen sind. M&ouml;glich w&auml;re allenfalls, dass sich die Euro-S&uuml;dl&auml;nder einschlie&szlig;lich Frankreichs koordiniert gegen die ihnen aufgezwungene Austerit&auml;tspolitik zur Wehr setzen, zumal Frankreich immer st&auml;rker mit in den Abw&auml;rtsstrudel ger&auml;t: Die seit Monaten wieder stark steigenden Export&uuml;bersch&uuml;sse Deutschlands gehen zunehmend zulasten Frankreichs; seit 2009 ist der deutsche &Uuml;berschuss gegen&uuml;ber Frankreich um etwa die H&auml;lfte angestiegen.<br>\nKommt es nicht bald zu einer Kurs&auml;nderung der Wirtschaftspolitik in der Eurozone, so bleibt letztlich nur die M&ouml;glichkeit, f&uuml;r eine m&ouml;glichst rasche Beendigung der W&auml;hrungsunion in ihrer jetzigen Form zu pl&auml;dieren, um den gewaltigen &ouml;konomischen Schaden, der ohnehin schon L&auml;ndern wie Spanien, Griechenland oder Portugal zugef&uuml;gt wurde, nicht noch zu vergr&ouml;&szlig;ern. Dies umso mehr, als auch die politische Zerr&uuml;ttung im Euroraum in geradezu be&auml;ngstigender Weise zunimmt; man denke nur an die H&auml;me und den Spott, die sich in den hiesigen Medien fast t&auml;glich &uuml;ber die s&uuml;dlichen Eurol&auml;nder (insbesondere Griechenland) ergie&szlig;en, und die Wut und Emp&ouml;rung auf der anderen Seite. Es ist keineswegs mehr auszuschlie&szlig;en, dass eine Fortf&uuml;hrung der Austerit&auml;tspolitik auf Dauer Demokratie und Frieden in Europa ernsthaft gef&auml;hrdet. Damit sollen die immensen Probleme, die mit einem Ausstieg aus der W&auml;hrungsunion verbunden sind, nicht geleugnet werden. Vielleicht w&auml;re ein gemeinsamer Austritt der Krisenl&auml;nder, verbunden mit einer tempor&auml;ren strikten Kontrolle des Kapitalverkehrs, der am wenigsten riskante Weg. In jedem Fall ist es meines Erachtens dringend notwendig, sich mit der Frage, wie eine Aufl&ouml;sung der W&auml;hrungsunion mit einem Minimum an Friktionen umgesetzt werden k&ouml;nnte, intensiv zu besch&auml;ftigen.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Literatur<\/strong><\/p><ul>\n<li><strong>Bergheim, S.<\/strong> (2007): <a href=\"http:\/\/www.dbresearch.de\/PROD\/DBR_INTERNET_DE-PROD\/PROD0000000000215308.pdf\">Spanien 2020 &ndash; die Erfolgsgeschichte geht weiter, in: Deutsche Bank Reseach, 11. September, Frankfurt [PDF &ndash; 261 KB]<\/a>. letzter Zugriff: 15.11.2012<\/li>\n<li><strong>Borio, C.\/ Disyatat, P.<\/strong> (2009): Unconventional monetary policies: an appraisal, in: BIS Working Papers, No. 292, November<\/li>\n<li><strong>Disyatat, P.<\/strong> (2010): The bank lending channel revisited, in: BIS Working Papers, No. 297, Februar<\/li>\n<li><strong>DGB<\/strong> (2012): <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/themen\/++co++b3d78e7c-2434-11e2-9a7d-00188b4dc422\">Spanien: K&uuml;rzungspolitik f&uuml;hrt in die Katastrophe, in: klartext 37<\/a>, letzter Zugriff: 15.11.2012<\/li>\n<li><strong>Eurostat<\/strong> (2012): <a href=\"http:\/\/epp.eurostat.ec.europa.eu\/cache\/ITY_PUBLIC\/3-30112012-BP\/EN\/3-30112012-BP-EN.PDF\">newsrelease euroindicators [PDF &ndash; 126 KB]<\/a>, letzter Zugriff: 15.12.2012<\/li>\n<li><strong>EZB<\/strong> (2008): Monatsbericht Juli, Frankfurt<\/li>\n<li><strong>EZB<\/strong> (2012): <a href=\"http:\/\/www.ecb.int\/press\/pr\/date\/2012\/html\/pr120906_1.en.html\">Press Release, 6.9.2012<\/a>, ECB, letzter Zugriff: 15.11.2012<\/li>\n<li><strong>Flassbeck, H.<\/strong> (2010): Die Marktwirtschaft des 21. 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Zwischenbilanz und Konzept f&uuml;r einen stabilen Euroraum, in: IMK Report 2012<\/li>\n<li><strong>Koo, R. C.<\/strong> (2003): Balance Sheet Recession: Japan&rsquo;s Struggle with Uncharted Economics and its Global Implications, Clementi Loop, Singapore<\/li>\n<li><strong>Koo, R. C.<\/strong> (2011): <a href=\"http:\/\/www.paecon.net\/PAEReview\/issue58\/Koo58.pdf\">The world in balance sheet recession: causes, cure, and politics, in: real-world economics review, no. 58, S. 19-37 [PDF &ndash; 755 KB]<\/a>, letzter Zugriff: 15.11.2012<\/li>\n<li><strong>Makro-Konsortium<\/strong> (2012): Fiskalpakt belastet Euroraum, in: IMK Report 71, M&auml;rz<\/li>\n<li><strong>Minsky, H. P.<\/strong> (1980):  <a href=\"http:\/\/digitalcommons.bard.edu\/hm_archive\/311\/\">Chapter II: The Sky Did Not Fall in 1975: The Impact of Big Government, in:  Hyman P. Minsky Archive. Paper 311<\/a>, letzter Zugriff: 15.11.2012<\/li>\n<li><strong>Minsky, H. 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F&uuml;r wertvolle Anregungen dazu m&ouml;chte ich mich sehr herzlich bei Friederike Spiecker bedanken.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Gemeint sind hier reine Finanztransaktionen, die keinen Einfluss auf die H&ouml;he der Netto-Auslandsposition eines Landes &ndash; hier Deutschlands &ndash; haben (anders als Leistungstransaktionen, also etwa Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse oder &ndash;defizite eines Landes, die zu einer Ver&auml;nderung der Netto-Auslandsposition der Gesamtheit der Inl&auml;nder f&uuml;hren). Ein einfaches Beispiel ist eine deutsche Bank, die einem Einwohner Spaniens ein Hypothekendarlehen gew&auml;hrt. Obwohl auch bei ihnen (neue) Gl&auml;ubiger- und Schuldnerbeziehungen entstehen, l&ouml;sen reine Finanztransaktionen als solche im Euroraum noch keine Krisen aus. Sie werden aber dann zum Problem, wenn sie bestehende Fehlentwicklungen (wie die Blasenbildung in Spanien) f&ouml;rdern und verst&auml;rken.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Erm&ouml;glicht wird dies durch TARGET2, das elektronische Zahlungssystem des Eurosystems, &uuml;ber das Kreditinstitute grenz&uuml;berschreitende Geldgesch&auml;fte durchf&uuml;hren. Alle privaten Geld&uuml;berweisungen zwischen den Eurol&auml;ndern schlagen sich dabei in den Notenbank-Bilanzen nieder. &Uuml;berweist ein Spanier Geld nach Deutschland, so verzeichnet die spanische Zentralbank anschlie&szlig;end eine Verbindlichkeit gegen&uuml;ber der Europ&auml;ischen Zentralbank und umgekehrt die Bundesbank in gleicher H&ouml;he eine Forderung gegen die EZB. (Die hinter TARGET2 stehende Bilanzmechanik ist einfach zu verstehen: Wenn das Zentralbankguthaben einer Gesch&auml;ftsbank, das eine Verbindlichkeit einer bestimmten nationalen Zentralbank A darstellt, mittels TARGET2 in ein Zentralbankguthaben einer anderen Gesch&auml;ftsbank bei einer anderen nationalen Zentralbank B umgewandelt wird, verringern sich bei Zentralbank A die Einlagen auf der Passivseite, w&auml;hrend sie bei Zentralbank B ansteigen. Damit sich das Eigenkapital der beiden nationalen Zentralbanken nicht ver&auml;ndert, werden Ausgleichsbuchungen vorgenommen, d. h. es wird bei Zentralbank A eine TARGET2-Verbindlichkeit auf der Passivseite und bei Zentralbank B eine TARGET2-Forderung auf der Aktivseite verbucht.)<br>\nSeit der Krise 2008 haben sich in den TARGET2-Bilanzen der Notenbanken gravierende Ungleichgewichte herausgebildet, wobei die TARGET-Salden zu einem erheblichen Teil die Kapitalflucht aus Spanien und aus den anderen Euro-Krisenl&auml;ndern widerspiegeln. Vgl. auch Flassbeck\/Spiecker 2012, S. 20f; Horn et al. 2012, S. 16.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Unter &bdquo;Sparen&ldquo; ist hier die Geldverm&ouml;gensbildung als Differenz zwischen den Einnahmen in einer Zeitperiode und den Ausgaben in derselben Zeitperiode zu verstehen. Gibt ein Sektor (oder Wirtschaftssubjekt) in einer Periode weniger aus, als er einnimmt, so erzielt er einen Einnahmen&uuml;berschuss, d. h. er &bdquo;spart&ldquo;. Dieser Einnahmen&uuml;berschuss erh&ouml;ht dann entweder den schon vorhandenen Geldverm&ouml;gensbestand oder er erm&ouml;glicht es, den Schuldenstand zu reduzieren.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Die Bilanz des Staatssektors errechnet sich aus Einnahmen minus Ausgaben. Oder etwas genauer (z. B. Mitchell 2010): Bilanz des Staatssektors = (Steuereinnahmen + andere Einnahmen) &ndash; (Sozialausgaben + andere Ausgaben). Steuereinnahmen und Sozialausgaben bewegen sich gegenl&auml;ufig zueinander: Bei schwacher Wirtschaftsentwicklung sinken die Steuereinnahmen und steigen die Sozialausgaben, so dass sich die Bilanz des Staatssektors in Richtung Defizit (bzw. eines steigenden Defizits) bewegt. Bei kr&auml;ftigem Wirtschaftswachstum steigen die Steuereinnahmen und fallen die Sozialausgaben, so dass die Bilanz des Staatsektors zunehmend positiv wird. Diese Schwankungen in der Neuverschuldung des Staates (ohne dass &uuml;ber politische Entscheidungen Staatsausgaben oder Steuers&auml;tze ver&auml;ndert werden), die einen stabilisierenden Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung aus&uuml;ben, werden als automatische Stabilisatoren bezeichnet.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Zu betonen ist aber, dass der Importr&uuml;ckgang einer einbrechenden Volkswirtschaft keine dauerhafte Verbesserung der Handelssituation mit sich bringt, da bei jedem wieder aufkommenden Wachstum das Importproblem erneut auftaucht, solange die Preise nicht deutlich gefallen sind.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Der US-amerikanische &Ouml;konom Hyman Minsky hat diesen Prozess des massiven, gleichzeitigen Verkaufs von &bdquo;assets&ldquo;, ihren daraus resultierenden Preisverfall und die &ouml;konomischen Folgen oft beschrieben: &bdquo;As businesses, households, and financial institutions try to compensate for the shortfall in their cash flows by selling assets, i.e., as they try to make position by selling out position, a serious decline in the market price of both financial and capital assets can result. Such declines lower the mark to market net worth of economic units and adversely affect the demand for consumption and investment output&rdquo; (Minsky 1995, S. 199). Vgl. z. B. auch Minsky 1982, S. 35f, und Minsky 2008, S. 112f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Bereits Minsky hatte erkannt, dass eine Entschuldung des Privatsektors der Unterst&uuml;tzung durch ein entsprechend hohes Staatsdefizit bedarf. In der Nachkriegsperiode war diese staatliche Unterst&uuml;tzung zun&auml;chst auch gegeben: &bdquo;Earlier in the post-World War II epoch, during the era of active contracyclical fiscal policies, aggregate profits tended to rise during the recession phases of business cycles due to increase in the government&rsquo;s deficit. With aggregate profits stabilized and even rising, a reduction in private debts, induced by various &ldquo;crunches&ldquo; in financial markets, took place in an orderly fashion.&rdquo; (Minsky 1995, S. 205)  Vgl. auch Minsky 1980, S. 45f, und Minsky 1986, S. 36f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Hyman Minsky stellt hierzu mit Recht fest: &bdquo;Banks are important exactly because they do not operate under the constraint of a money lender &ndash; banks do not need to have money on hand in order to lend money&ldquo; (Minsky 1986, S. 249). Banken vergeben also als Kredite nicht das Geld, das sie zuvor von irgendwelchen Sparern erhalten haben. Vielmehr schaffen sie es &bdquo;aus dem Nichts&ldquo;: Gew&auml;hrt eine Gesch&auml;ftsbank A einem Kunden einen Kredit &uuml;ber 10 000 Euro, so schreibt sie ihm diesen Betrag auf dessen Girokonto gut (sie braucht dazu weder vorherige Depositen noch Bargeld im Tresor). Damit ist Giralgeld entstanden, &uuml;ber das der Kunde verf&uuml;gen kann, indem er beispielsweise den gutgeschriebenen Betrag f&uuml;r eine &Uuml;berweisung nutzt. Nat&uuml;rlich ist die Bank durch die &bdquo;Geldsch&ouml;pfung&ldquo; nicht &bdquo;reicher&ldquo; geworden: Sie hat jetzt zwar in ihrer Bilanz auf der Aktivseite eine Kreditforderung gegen den Kunden, dem steht aber in gleicher H&ouml;he auf der Passivseite die Einlage des Kunden als Verbindlichkeit gegen&uuml;ber.<br>\nTrotz ihrer F&auml;higkeit, einen Kredit und ein Depositum &bdquo;aus dem Nichts&ldquo; zu schaffen, m&uuml;ssen Gesch&auml;ftsbanken ihren Forderungsbestand &bdquo;finanzieren&ldquo;. Nehmen wir in einem stark vereinfachenden Beispiel an, der Kunde der Bank A zahlt die 10 000 Euro, die er als Kredit erhalten hat und die ihm auf seinem Girokonto gutgeschrieben wurden, an einen Autoh&auml;ndler, der sein Bankkonto bei einer anderen Bank B hat. Bank B schreibt dem Autoh&auml;ndler die 10 000 Euro auf dessen Girokonto gut. Sie hat damit auf der Passivseite ihrer Bilanz das Giro-Guthaben des Autoh&auml;ndlers von 10 000 Euro als Verbindlichkeit,  dem steht jedoch auf der Aktivseite eine Forderung gegen Bank A in gleicher H&ouml;he gegen&uuml;ber, d.h. Bank A schuldet Bank B 10 000 Euro an Reserven. Wie kann sich Bank A diese Reserven beschaffen, wenn sie nicht dar&uuml;ber verf&uuml;gt? Eine M&ouml;glichkeit ist, Reserven von anderen Banken oder von der Zentralbank zu leihen. Am kosteng&uuml;nstigsten ist f&uuml;r die Banken im Allgemeinen das Einwerben von Einlagen. Obwohl Banken also keine vorherigen Depositen ben&ouml;tigen, um Kredite vergeben zu k&ouml;nnen, sammeln sich andererseits bei einer Kreditausweitung zus&auml;tzliche Depositen bei den Banken an (vgl. dazu auch die Ausf&uuml;hrungen im Kasten), so dass f&uuml;r die Banken die Notwendigkeit, sich bei der Zentralbank zu refinanzieren, sinkt. Vgl. zu den technischen Einzelheiten der Kreditvergabe von Banken und der Geldtransfers zwischen Banken die Darstellung bei Fullwiler 2012 und Wray 2012, S. 92-97. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Gegenw&auml;rtig verf&uuml;gen die Banken sogar &uuml;ber erweiterte M&ouml;glichkeiten: Seit der Finanzkrise k&ouml;nnen sie sich bei der EZB Notenbankgeld in unbegrenzter H&ouml;he zum derzeitigen Leitzins von 0,75 Prozent leihen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Zwar konnte Spanien seine Leistungsbilanzdefizite seit 2008 abbauen (nachdem sie im Jahr 2007 noch 10 Prozent des BIP betrugen); dies erfolgte jedoch nicht auf der Grundlage von Wachstum und reicht keineswegs aus. So zeigt sich beispielsweise bei der Betrachtung der Ex- und Importe von Waren im Handel zwischen Spanien und Deutschland, dass Spanien sein Handelsbilanzdefizit mit Deutschland  nicht &uuml;ber wachsende Exporte, sondern vor allem durch die krisenbedingt eingebrochenen Importe verbessert hat. Vgl. z.B. DGB 2012.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch immer dominiert hierzulande die Sicht, dass die Eurokrise einer fehlenden Haushaltsdisziplin der Mitgliedsl&auml;nder zuzuschreiben ist. 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