{"id":158559,"date":"2026-11-07T12:00:41","date_gmt":"2026-11-07T11:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158559"},"modified":"2026-11-06T19:31:43","modified_gmt":"2026-11-06T18:31:43","slug":"trotz-allem-sport-verbindet-menschen-komm-wir-spielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=158559","title":{"rendered":"Trotz allem: Sport verbindet Menschen \u2013 Komm, wir spielen!"},"content":{"rendered":"<p>Was f&uuml;r eine aufgeblasene Aufregung, was f&uuml;r eine scheinheilige Emp&ouml;rung! Die Russen kommen &ndash; und sie drohen damit, ohne Waffen zu erscheinen: Als Sportdelegation ist das russische Team im neuen Jahr f&uuml;r die Eishockey-Weltmeisterschaft startberechtigt. Den Ablehnern entgegne ich: Was w&auml;re das f&uuml;r ein Lichtblick, was f&uuml;r ein Anfang einer Entspannung in Europa &ndash; ein T&uuml;r&ouml;ffner, vielleicht sogar eine diplomatische Tat? Ausgetragen wird die WM zudem in keinem anderen Land als in unserem Deutschland, in dem Land, das doch Diplomatie kann und &bdquo;Nie wieder Krieg&ldquo; in der DNA hat! Dabei f&auml;llt mir ein, dass es hei&szlig;t, Sport verbinde Menschen &ndash; und wie einfach es ist, zu sagen: Komm, wir spielen! Genau das w&auml;re die einfache Entscheidung der Sportler, der B&uuml;rger untereinander. Also: Wir sollten spielen, niemanden (mehr) ausschlie&szlig;en und uns der zementierten Ablehnung und Sturheit der Entscheidungstr&auml;ger entgegenstellen. Nur interessieren die sich weder f&uuml;r den Sport noch f&uuml;r die Menschen. Ein Zwischenruf von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Der Grund ist klar: Hass auf Russland, den &bdquo;ewigen Feind&ldquo; &ndash; ewig?<\/strong><\/p><p>Bei der Vorstellung, dass die russische Eishockey-Nationalmannschaft zur WM 2027 in Deutschland aufs Eis kurven, mit ihren Sportkollegen aus aller Welt dem Puck hinterherjagen und das schnelle Spiel spielen k&ouml;nnte, bekommen Funktion&auml;re, Politiker, Edelfedern f&uuml;hrender Medien und Entscheidungstr&auml;ger bis hinein in die Wirtschaft heftige (heuchlerische) Schwei&szlig;ausbr&uuml;che. Nur wenige unter ihnen halten inne und akzeptieren, was der Internationale Sportgerichtshof CAS endlich entschieden hat: Die jahrelange Sperre Russlands durch den Eishockey-Weltverband ist gekippt.<\/p><p>Statt nun endlich von Entspannung zu sprechen und mit kleinen Schritten aufeinander zuzugehen &ndash; wie eben mit der Teilnahmeberechtigung von Sportlern aus einem Land, das Krieg f&uuml;hrt &ndash;, werden die Spannung, die Eskalation hochgehalten. &bdquo;Die Russen braucht momentan niemand&ldquo;, lautet nur eine der Parolen, die aus den Kreisen der verfestigten Ablehnung und Sturheit kommen. Momentan? Wie lange soll dieser Moment denn dauern? Dem B&uuml;rger wird diese Einbahnstra&szlig;e pausenlos von den b&uuml;rgerlichen Medien vorgezeichnet. Die sind gut in Meinungsmache, Erziehung, Ausrichtung: Russland, der ewige Feind. &Uuml;berall. Auch im Sport. Was sich gerade vor unseren Augen beim Eishockey abspielt, ist der fortgesetzte Bruch des angeblich g&uuml;ltigen Prinzips, dass die Politik aus dem Sport herausgehalten werden soll. Der m&uuml;ndige B&uuml;rger sch&uuml;ttelt den Kopf.<\/p><p>Und doch wird es nicht besser, sondern schlimmer: Der Wertewesten h&auml;lt daran fest, Boykotte, Sanktionen, Sperren und Behinderungen im Sport auf fantasievolle Weise einzusetzen (Visa verweigern, Startgenehmigungen verz&ouml;gern, fragw&uuml;rdige Bedenken ins Feld f&uuml;hren). Es war und bleibt falsch, das gr&ouml;&szlig;te Land der Welt zu isolieren und dessen Menschen daran zu hindern, sich in Wettk&auml;mpfen mit Sportlern aller Nationen zu messen. Feind auf ewig? Nein, ewig kann dieser Zustand nicht anhalten. Sportler sind keine Soldaten.<\/p><p><strong>Die westlichen Eliten sind nicht an Verst&auml;ndigung interessiert<\/strong><\/p><p>Warum plustern sich dennoch Sportfunktion&auml;re, Politiker oder Wirtschaftslenker auf &ndash; etwa die Chefetage des Autobauers Skoda? Skoda droht als finanzstarker Sponsor mit Geldentzug f&uuml;r die WM in Deutschland, die Anzugtr&auml;ger skandinavischer Eishockeyverb&auml;nde bringen einen Boykott ins Spiel, und Deutschlands Funktion&auml;rsgilde will in voller Kompetenzpracht die WM gar zur&uuml;ckgeben. All diese Akteure halten selbst die russischen Sportler f&uuml;r den Feind. Deren Land ist Kriegstreiber, aggressiv, b&ouml;se &ndash; und die Sportler geh&ouml;ren eben dazu. Dass nicht wenige andere L&auml;nder Krieg f&uuml;hrten und f&uuml;hren und dennoch nicht von Sportwettbewerben ausgeschlossen wurden und werden, wird durchgewinkt, damit das Feindbild stimmt.<\/p><p>Wo k&auml;men wir denn hin, wenn wir den ewigen Feind zum sportlichen Kontrahenten k&uuml;ren w&uuml;rden? So schreien die wertebasierten Diplomaten und zweifeln: Die russischen Sportler als Menschen statt als Feinde betrachten? Ich entgegne: K&ouml;nnten die Sportler von hier und dort allein entscheiden, sie w&uuml;rden einfach spielen. Mir f&auml;llt dazu eine gro&szlig;artige, wundervolle Episode aus der Geschichte ein. Im Ersten Weltkrieg geschah es, dass Soldaten nicht mehr aufeinander schossen &hellip;<\/p><p><strong>Das Spiel verbindet, der Sport verbindet &ndash; danach er&uuml;brigt sich jeder Schie&szlig;befehl<\/strong><\/p><p>Wie w&auml;re die folgende Geschichte &uuml;ber den Zauber des Sports als Mittel der Verst&auml;ndigung, der Freundschaft, des Zusammenseins der V&ouml;lker wohl ausgegangen, h&auml;tten die Soldaten die t&ouml;dlichen Befehle von oben nicht mehr befolgt? Im Dezember 1914 &ndash; der Erste Weltkrieg hatte erst wenige Monate zuvor begonnen &ndash; geschah es: An der Westfront legten um den 24. und 25. Dezember deutsche und britische Soldaten im belgisch-franz&ouml;sischen Grenzgebiet die Waffen nieder. Nach und nach wagten sie sich aus ihren Sch&uuml;tzengr&auml;ben und Unterst&auml;nden, hinaus zwischen die Fronten, in jenen Abschnitt, der Niemandsland genannt wird. Deutsche und Briten &ndash; einfache B&uuml;rger, das waren sie &ndash; kamen aufeinander zu, riefen sich vorsichtig etwas zu, reichten sich zun&auml;chst zaghaft und &auml;ngstlich die H&auml;nde. Die Erleichterung dar&uuml;ber, nicht aufeinander schie&szlig;en zu m&uuml;ssen, muss gewaltig gewesen sein &ndash; ebenso die Erkenntnis, wie sinnlos es ist, auf Befehl von oben aufeinander zu schie&szlig;en. Die Menschen, zu &bdquo;Soldaten&ldquo; umfunktioniert, eben noch Feinde, tauschten nun Geschenke. Sie stellten Weihnachtsb&auml;ume auf. Es wurde gesungen, von der Heimat erz&auml;hlt und erkannt, dass sie alle gar keinen Krieg wollten. Und dann? Sie nahmen einen Ball oder etwas, das dazu taugte, und los ging es im Niemandsland: Sie spielten Fu&szlig;ball. Deutsche und Briten spielten miteinander, gegeneinander. Aus Soldaten wurden wieder Sportler.<\/p><p>Mal tr&auml;umen, das sollte erlaubt sein, dachte ich, als ich mir ausmalte, wie die Geschichte ausgegangen w&auml;re, h&auml;tten die Soldaten an der Front ihre Waffen endg&uuml;ltig niedergelegt und w&auml;ren nach Hause gegangen. Stattdessen kam es so:<\/p><blockquote><p>Die milit&auml;rischen F&uuml;hrungen beider Seiten sahen diese Verbr&uuml;derung gar nicht gern. Bereits am 26. Dezember oder in den Tagen danach erging der Befehl, das Feuer wieder zu er&ouml;ffnen; sp&auml;tere Wiederholungen unterbanden die Heeresleitungen strikt.<\/p><\/blockquote><p>Und auch das sei mir erlaubt: Ich stellte mir weiter vor, an allen Fronten der Welt w&uuml;rde Fu&szlig;ball gespielt, w&uuml;rden Tore geschossen statt Kugeln. Soldaten sind Menschen, und sie sind keineswegs freiwillig Soldaten. Krieg ist im Interesse derer, die nicht hinm&uuml;ssen, sagte einst der Schriftsteller Erich Maria Remarque.<\/p><p><strong>Lasst die WM mit Russland stattfinden und beendet die Isolation der russischen Menschen!<\/strong><\/p><p>Das w&auml;re <em>die<\/em> Nachricht, die diese Zeit der Eskalation und Verbitterung, befeuert von den politischen Eliten, braucht:<\/p><blockquote><p><em>Die Eishockey-WM 2027 in Deutschland findet wie geplant statt. Mit Russland. Im Rahmen diplomatischer Bem&uuml;hungen der Bundesregierung, die zudem den Kontakt nach Moskau wieder aufgenommen hat, sei dies ein Zeichen der Ann&auml;herung, hei&szlig;t es aus dem Kanzleramt.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Mir als Sportfreund f&auml;llt noch ein besonderes Ereignis aus dem Jahr 1954 ein. Deutschland wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach in die &bdquo;Weltgemeinschaft&ldquo; zur&uuml;ckgeholt. Auch im Sport trat Deutschland wieder an, so im Fu&szlig;ball. Die Mannschaft von Trainer Sepp Herberger wurde in Bern Weltmeister &ndash; und das einstige Kriegsland wurde nicht mehr als Feind angesehen.<\/p><p>Auch Russland darf nicht auf Dauer vom Wertewesten isoliert bleiben &ndash; und vor allem nicht die russischen Menschen. Sie sind keine Feinde.<\/p><p><small>Titelbild: ChatGPT, erstellt mit k&uuml;nstlicher Intelligenz<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was f&uuml;r eine aufgeblasene Aufregung, was f&uuml;r eine scheinheilige Emp&ouml;rung! Die Russen kommen &ndash; und sie drohen damit, ohne Waffen zu erscheinen: Als Sportdelegation ist das russische Team im neuen Jahr f&uuml;r die Eishockey-Weltmeisterschaft startberechtigt. 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