{"id":15886,"date":"2013-01-17T09:55:45","date_gmt":"2013-01-17T08:55:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15886"},"modified":"2015-06-23T11:38:21","modified_gmt":"2015-06-23T09:38:21","slug":"konjunkturstatistik-2012-auf-die-lesart-kommt-es-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15886","title":{"rendered":"Konjunkturstatistik 2012 \u2013 auf die Lesart kommt es an"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Die deutsche Wirtschaft trotzte 2012 der europ&auml;ischen Wirtschaftskrise&ldquo;, so ist die <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressekonferenzen\/2013\/BIP2012\/pm_bip2012_PDF.pdf?__blob=publicationFile\">Pressemitteilung [PDF &ndash; 106 KB]<\/a> zur Meldung der j&uuml;ngsten Konjunkturdaten durch das Statistische Bundesamt &uuml;berschrieben. Richtig ist, dass die deutsche Konjunktur im letzten Jahr im Vergleich zu unseren Nachbarl&auml;ndern auf durchaus stabilem Niveau stagniert. Die inl&auml;ndische Konjunktur befindet sich aber auch in Deutschland in der Rezession, lediglich der immer gr&ouml;&szlig;er werdende Export&uuml;berschuss hat dazu gef&uuml;hrt, dass die deutsche Wirtschaft 2012 &uuml;berhaupt gewachsen ist. Diese Entwicklung ist jedoch gesamtwirtschaftlich fatal. Anstatt als &bdquo;Wachstumslokomotive&ldquo; die Eurozone mitzuziehen, hat die Exportfixierung der deutschen Wirtschaft dazu gef&uuml;hrt, dass die gef&auml;hrlichen &ouml;konomischen Ungleichgewichte auch im letzten Jahr erneut gestiegen sind. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nNach den Zahlen des Statistischen Bundesamts ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt im letzten Jahr um 0,7% gewachsen. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass selbst das &bdquo;Schuldenland&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.bea.gov\/newsreleases\/national\/gdp\/gdpnewsrelease.htm\">USA im letzten Quartal ein Wachstum von 3,1% verbuchen konnte<\/a>. Verglichen mit den konjunkturellen Hiobsbotschaften der Eurostaaten unter Merkels K&uuml;rzungsknute ist dieses Ergebnis jedoch erstaunlich gut. Doch das Ergebnis t&auml;uscht. Rechnet man den Export einmal heraus, ist die deutsche Wirtschaft im <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/?p=8126\">letzten Jahr um 0,3% geschrumpft<\/a>, alleine der &uuml;beraus solide Au&szlig;enbeitrag[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>], der gegen&uuml;ber dem letzten Jahr noch einmal massiv stieg, sorgte daf&uuml;r, dass Deutschland offiziell noch einmal knapp an der Rezession vorbeigeschrammt ist. Es wird noch einige Wochen dauern, bis detaillierte Ergebnisse vorliegen, aber bereits heute kann man mit gutem Gewissen mutma&szlig;en, dass vor allem der Export in die USA und nach Ostasien die wegbrechenden M&auml;rkte S&uuml;deuropas mehr als ausgeglichen hat und zu diesem erstaunlichen Exportwachstum gef&uuml;hrt hat.<\/p><p>Auch im letzten Jahr ist der Export&uuml;berschuss der deutschen Volkswirtschaft gewachsen. W&auml;hrend die Importe um 2,3% stiegen, wuchsen die Exporte um 4,1%. Damit ist der Au&szlig;enbeitrag von 4,1% (2009), &uuml;ber 5,1% (2010) und 5,2% (2011) auf nunmehr 5,7% (2012) des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass gesamtwirtschaftlich die &Uuml;bersch&uuml;sse des Einen immer exakt gleich den Defizite des Anderen sind. Jede Milliarde Euro, mit der die deutschen Export&uuml;bersch&uuml;sse wachsen, f&auml;llt somit spiegelbildlich in einem anderen Land als Defizit an. Quer &uuml;ber die ideologischen Gr&auml;ben hinweg, sind sich die &Ouml;konomen dar&uuml;ber einig, dass die kriselnden Eurostaaten ihre Defizite senken m&uuml;ssen, um sich aus der Verschuldungsspirale zu befreien.<\/p><p>Siehe dazu auf den NachDenkSeiten den sehr detaillierten Bericht &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15854\">Eurokrise und kein Ende &ndash; Spanien im freien Fall<\/a>&ldquo;. <\/p><p>Wenn Deutschland es allerdings nicht schafft, seine &Uuml;bersch&uuml;sse abzubauen, k&ouml;nnen andere Staaten auch ihre Defizite nicht abbauen. Das ist eine simple mathematische Grundwahrheit. Dabei ist es jedoch nicht sonderlich wahrscheinlich, dass das Wachstum der deutschen &Uuml;bersch&uuml;sse aus dem Au&szlig;enhandel mit der Eurozone entstanden ist. Deutschlands Wirtschaft ist wahrscheinlich eher Nutznie&szlig;er der aktiven Konjunkturpolitik in den USA und Ostasien. W&auml;hrend Europa sich sprichw&ouml;rtlich zu Tode spart, investieren andere Wirtschaftsregionen aktiv gegen die (vor allem von Europa ausgel&ouml;ste) Wirtschaftskrise an und davon profitiert nun einmal auch indirekt der deutsche Export in diese L&auml;nder. Man k&ouml;nnte die deutsche Linie also mit Fug und Recht als &bdquo;parasit&auml;r&ldquo; bezeichnen. Und schon morgen wird sich Frau Merkel daf&uuml;r r&uuml;hmen, dass Deutschland &bdquo;dank&ldquo; seiner Sparsamkeit so solide dasteht &ndash; wer kennt schon die eigentlichen Fakten? <\/p><p>Vom Statistischen Bundesamt ist diesbez&uuml;glich keine Aufkl&auml;rung zu erwarten. Gerade so als ob er &bdquo;seiner&ldquo; Kanzlerin Wahlkampfhilfe andienen wollte, lobt Amtsleiter Roderich Egeler die deutsche Konjunktur als besonders &bdquo;widerstandsf&auml;hig&ldquo;. Ob dies damit etwas zu tun haben k&ouml;nnte, dass Egeler das gleiche Parteibuch wie seine Kanzlerin hat? <\/p><p>Mit stolzgeschwellter Brust berichtet das Statistische Bundesamt auch davon, dass die &ouml;ffentlichen Haushalte in Deutschland im letzten Jahr dank der konjunkturellen Entwicklung einen Finanzierungs&uuml;berschuss erzielen konnten. Solide Staatsfinanzen, eine zu schwache Binnenkonjunktur und eine Rezession vor den Toren &ndash; diese Kombination schreit nach keynesiansicher Lesart geradezu zwingend nach einem Konjunkturprogramm. Doch in Deutschland werden die Konjunkturdaten offensichtlich anders gelesen. Hierzulande r&uuml;hmt man sich f&uuml;r seine konjunkturpolitische Zur&uuml;ckhaltung und verschweigt, dass Deutschland l&auml;ngst im Abw&auml;rtsstrudel w&auml;re, wenn andere Staaten (allen voran die USA) auf eine aktive Konjunkturpolitik verzichten w&uuml;rden. Dies ist nicht nur verantwortungslos, sondern auch kurzsichtig. Denn wenn die Weltwirtschaft tats&auml;chlich kollabieren sollte, wird Deutschland seine aufget&uuml;rmten Forderungen an das Ausland, die mit jedem Leistungsbilanz&uuml;berschuss gr&ouml;&szlig;er werden, abschreiben k&ouml;nnen. <\/p><p>Zum Thema: Thorsten Hild &ndash; &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/?p=8126%20\">Wirtschaftsentwicklung 2012: Deutschland ist noch abh&auml;ngiger vom Au&szlig;enhandel geworden &ndash; und st&ouml;&szlig;t an seine Grenzen<\/a>&ldquo;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/e62795d767dc4addb4084c3f1acca7d1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Differenz zwischen dem Wert der ein- und ausgef&uuml;hrten Waren und Dienstleistungen innerhalb eines Jahres<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Die deutsche Wirtschaft trotzte 2012 der europ&auml;ischen Wirtschaftskrise&ldquo;, so ist die <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressekonferenzen\/2013\/BIP2012\/pm_bip2012_PDF.pdf?__blob=publicationFile\">Pressemitteilung [PDF &ndash; 106 KB]<\/a> zur Meldung der j&uuml;ngsten Konjunkturdaten durch das Statistische Bundesamt &uuml;berschrieben. Richtig ist, dass die deutsche Konjunktur im letzten Jahr im Vergleich zu unseren Nachbarl&auml;ndern auf durchaus stabilem Niveau stagniert. Die inl&auml;ndische Konjunktur befindet sich aber auch in Deutschland<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15886\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[13,12,133],"tags":[380,499,405],"class_list":["post-15886","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-manipulation-des-monats","category-wichtige-wirtschaftsdaten","tag-export","tag-handelsbilanz","tag-statistisches-bundesamt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15886","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15886"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15886\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15889,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15886\/revisions\/15889"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15886"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15886"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15886"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}