{"id":15935,"date":"2013-01-23T09:04:17","date_gmt":"2013-01-23T08:04:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15935"},"modified":"2015-06-23T15:12:26","modified_gmt":"2015-06-23T13:12:26","slug":"die-zerstorung-der-medienpluralitat-schreitet-voran-ein-essay-zur-konzentration-nach-rechts-erlebt-an-der-ruhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15935","title":{"rendered":"Die Zerst\u00f6rung der Medienpluralit\u00e4t schreitet voran. Ein Essay zur \u201eKonzentration nach rechts\u201c, erlebt an der Ruhr"},"content":{"rendered":"<p>Beachten Sie die Verschiebungen in der Zeitungslandschaft &ndash; im konkreten Fall demonstriert an der Entlassung der Redaktion der Westf&auml;lischen Rundschau zugunsten der Redaktion einer konservativeren Zeitung und an den Verschiebungen in der WAZ-Gruppe. Wer erforschen will, warum Angela Merkel trotz gravierender Fehler so popul&auml;r ist, muss die von Justus Meyer beschriebenen Tendenzen beachten. Die Gleichrichtung, ehrlicher genannt die &bdquo;Gleichschaltung&ldquo;, wird immer noch weiter getrieben. Im Grunde ein schon lange anhaltender Prozess.<br>\nHeute um 16 Uhr findet &uuml;brigens eine <a href=\"http:\/\/rundschau-retten.de\/category\/aktionen\/\">Kundgebung &bdquo;Rundschau retten&ldquo; in L&uuml;denscheid<\/a> statt. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Konzentration nach rechts<br>\nDie Zeitungslandschaft wird schw&auml;rzer<\/strong><\/p><p>von Justus Meyer<\/p><p>Fast ist es vollbracht. Die WAZ, deren Ruf als &bdquo;roter Konzern&ldquo; schon seit einigen Jahren nur noch ein Ger&uuml;cht war, macht nun ernst: Mit der Entscheidung, die Redaktion der Westf&auml;lischen Rundschau zu entlassen, aber gleichzeitig die Zeitung selbst weiterzuf&uuml;hren, ist der endg&uuml;ltige Schritt hin zum schwarzen Meinungsmonopol an der Ruhr getan. In zwei Wochen stehen &ndash; wenn nicht noch ein Wunder geschieht &ndash; 120 Redakteure ebenso viele freie Mitarbeiter auf der Stra&szlig;e. Ab diesem Zeitpunkt werden beispielsweise die Leser in Dortmund, L&uuml;nen und Schwerte ihren Lokalteil ausgerechnet vom konservativen Konkurrenten vor Ort, den Ruhr Nachrichten, zugeliefert bekommen. Der so genannte &bdquo;Mantel&ldquo; des Blattes, also der &uuml;berregionale Teil, kommt ohnehin seit 2009 von der WAZ aus Essen<br>\nIm zynischen Berater-Deutsch verkauft das Unternehmen die Entleibung der alten SPD-Zeitung (1946 erhielten die SPD-Politiker Fritz Hen&szlig;ler, Paul Sattler und Heinrich Str&auml;ter die Lizenz von den Briten)  als <a href=\"http:\/\/www.waz-mediengruppe.de\/fileadmin\/template\/Inhalte\/Downloads\/PDF\/Pressemitteilungen_2013\/20130115_PM_Umstrukturierungen_bei_der_WAZ_Mediengruppe.pdf\">&bdquo;grundlegende Sanierung&ldquo; [PDF &ndash; 60 KB]<\/a>. Begr&uuml;ndung f&uuml;r den Kahlschlag: die roten Zahlen, die die Westf&auml;lische Rundschau seit Jahren schreiben w&uuml;rde. Wie das allerdings in einem extrem verschachtelten Gebilde wie der WAZ-Holding berechnet wird, ist f&uuml;r Au&szlig;enstehende kaum nachzuvollziehen. Und der Minderheiten-Gesellschafter ddvg &ndash; das ist die Medienholding der SPD &ndash; erkl&auml;rte in einer <a href=\"http:\/\/www.presseportal.de\/pm\/29844\/2398292\/erklaerung-des-unternehmensbereichs-der-spd-zur-heutigen-mitteilung-der-waz-zur-aufloesung-der\">Stellungnahme<\/a>: &bdquo;Die Entscheidung der WAZ ist nicht nachvollziehbar und erweckt den Eindruck einer seelenlosen Redaktionsklempnerei&ldquo;. In Gewerkschaftskreisen ist die Rede davon, dass die gesamte WAZ noch eine Rendite von 14 Prozent erwirtschaften w&uuml;rde. Aber: Solidarit&auml;t war gestern. Zumal die WAZ seit dem letzten Jahr im Besitz der eher CDU-freundlichen Familie Grotkamp ist. Doch der Schwenk nach rechts vollzog sich schon seit Jahren. Ausgerechnet unter dem Kanzleramts-Chef von Gerhard Schr&ouml;der, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bodo_Hombach\">Bodo Hombach<\/a>, der 2002 Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der WAZ-Gruppe wurde, entwickelte sich die WAZ zum konservativen Konzern. Hombach war es beispielsweise, der 2005 den damaligen Chefredakteur der Rheinischen Post <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ulrich_Reitz\">Ulrich Reitz<\/a>  zum Chefredakteur der WAZ und sp&auml;ter auch zum Mitglied der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung machte. In dieser Eigenschaft ist Reitz jetzt schon daf&uuml;r verantwortlich, dass in gro&szlig;em Stil Personal abgebaut und Lokalredaktionen geschlossen wurden. Ergebnis: die Auflagen der WAZ-Bl&auml;tter &ndash; neben der Essener WAZ sind dies die Westf&auml;lische Rundschau, die Neue Ruhr\/Neue Rhein-Zeitung und die Westfalenpost &ndash; befinden sich auf Talfahrt. Ein Ende ist nicht abzusehen, denn welcher Leser soll die Westf&auml;lische Rundschau beispielsweise noch abonnieren, wenn er nur noch eine Mogelpackung mit fremden Inhalten bekommt?<\/p><p>&Auml;hnlich begann der Anfang vom endg&uuml;ltigen Ende eines einst &bdquo;gro&szlig;en&ldquo; linken Blattes: der Frankfurter Rundschau. Auch hier ist das SPD-Unternehmen <a href=\"http:\/\/www.ddvg.de\/\">ddvg<\/a> beteiligt, aber mit einem wesentlich h&ouml;heren Anteil, n&auml;mlich mit 40 Prozent gegen&uuml;ber den 60 Prozent des K&ouml;lner DuMont-Verlages. Einerseits muss man zugeben, dass die FR schon vor dem Einstieg der ddvg in Schwierigkeiten war. Allerdings: das Blatt wurde unter der Federf&uuml;hrung von DuMont und mit Billigung der ddvg derart von seinen regionalen Wurzeln abgetrennt und in die Redaktionsgemeinschaft von Berliner Zeitung und K&ouml;lner Stadtanzeiger gezwungen, dass man sich irgendwann fragen musste, f&uuml;r welche Leserschaft dieses Blatt eigentlich gemacht wurde. Die durch die bislang erfolglose Suche nach einem Investor zerm&uuml;rbte FR-Belegschaft hat nun DuMont und ddvg aufgerufen, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden und im Zweifel aus eigener Tasche f&uuml;r eine wenigstens minimal Abfindung der rund 500 Mitarbeiter zu sorgen. Die letzte Axt an das Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main, in dem die FR bislang erschien, hat m&ouml;glicherweise jetzt ausgerechnet der Axel Springer Verlag gelegt. Der gr&ouml;&szlig;te Kunde der Druckerei in Neu-Isenburg, die bislang schwarze Zahlen geschrieben hat, k&uuml;ndigte seine s&auml;mtlichen Auftr&auml;ge. Damit stehen nicht nur die Redakteure der FR vor dem vermutlichen Ende ihres Blattes, sondern auch die Drucker. Angenehme Nebenwirkung f&uuml;r Springer: der Konzern, der seit einiger Zeit von Rekordgewinn zu Rekordgewinn eilt, kann die Preise in der Druckindustrie dr&uuml;cken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beachten Sie die Verschiebungen in der Zeitungslandschaft &ndash; im konkreten Fall demonstriert an der Entlassung der Redaktion der Westf&auml;lischen Rundschau zugunsten der Redaktion einer konservativeren Zeitung und an den Verschiebungen in der WAZ-Gruppe. 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