{"id":15980,"date":"2013-01-28T09:14:40","date_gmt":"2013-01-28T08:14:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15980"},"modified":"2015-06-23T15:31:16","modified_gmt":"2015-06-23T13:31:16","slug":"eu-burger-wehren-sich-gegen-kommerzialisierung-des-wassers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15980","title":{"rendered":"EU-B\u00fcrger wehren sich gegen Kommerzialisierung des Wassers"},"content":{"rendered":"<p>Die Vereinten Nationen haben am <a href=\"http:\/\/www.un.org\/Depts\/german\/gv-64\/band3\/ar64292.pdf\">28. Juli 2010 mit der Resolution 64\/292 [PDF &ndash; 551 KB]<\/a> den &bdquo;<em>Anspruch auf reines Wasser<\/em>&ldquo; in die Allgemeine Erkl&auml;rung der Menschenrechte aufgenommen. Weil diese Resolution jedoch kein Recht auf Wasser im Sinne des internationalen Rechts erwirkt, haben der Europ&auml;ische Gewerkschaftsverband f&uuml;r den &Ouml;ffentlichen Dienst (EG&Ouml;D) und dessen europ&auml;ischen Mitgliedsgewerkschaften (in Deutschland ver.di) mit Unterst&uuml;tzung diverser Nichtregierungsorganisationen die Europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiative &bdquo;<em>Wasser und sanit&auml;re Grundversorgung sind ein Menschenrecht<\/em>&ldquo; initiiert. Die EU-Kommission wird aufgefordert, allen EU-Mitgliedstaaten zur Anerkennung und Umsetzung des universellen Rechts auf Zugang zu Wasser und sanit&auml;rer Grundversorgung in <a href=\"http:\/\/www.right2water.eu\/de\/node\/37\">Europa und in der Welt verbindliche Ziele zu setzen<\/a>. Von <strong>Christine Wicht<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nNahezu 900 Millionen Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zur Trinkwasserversorgung und 2,5 Milliarden Menschen keine angemessene Sanit&auml;rversorgung. Jedes Jahr sterben etwa zwei Millionen Menschen an den Folgen unsauberen Wassers, die meisten von ihnen sind Kinder. Wasserprivatisierung ist ein lukrativer Markt, denn je knapper die elementarste Ressource der Menschheit wird, umso gr&ouml;&szlig;er versprechen die Gewinne derjenigen zu werden, die in Zukunft &uuml;ber das &bdquo;blaue Gold&ldquo; verf&uuml;gen. An dem Gesch&auml;ft mit dem Wasser und an Wasserrechten sind auch Energie-, Bergbau-, Chemie-, Bauunternehmen und Nahrungsmittelkonzerne interessiert. Selbst Entwicklungshilfeprojekte sind ein eintr&auml;glicher Markt f&uuml;r Infrastrukturanbieter. Konzerne, Banken, Berater, supranationale Institutionen (Welthandelsorganisation WTO, Internationaler W&auml;hrungsfond IWF, Weltbank, EU-Kommission) und Beh&ouml;rden arbeiten Hand in Hand. Firmen und Lobbyisten haben sich ein globales Netzwerk geschaffen, um ihre Interessen &uuml;ber politische Programme, Richtlinien und Verordnungen durchzudr&uuml;cken, ein Beispiel daf&uuml;r ist der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3861\">Weltwasserrat, der Denkfabrik und Lobbyistenorganisation zugleich ist<\/a> und seit 1997 alle drei Jahre in wechselnden L&auml;ndern Weltwasserforen veranstaltet.<\/p><p><strong>Das Triumvirat IWF, Weltbank und WTO im B&uuml;ndnis mit der EU-Kommission<\/strong><br>\nSeit Jahren sind IWF, Weltbank, WTO und EU-Kommission bestrebt, den Wassermarkt f&uuml;r Konzerne zu &ouml;ffnen und zu einer sprudelnden Geldquelle zu machen. Alle diese Institutionen verbindet das Ziel, Wasser als gew&ouml;hnliches Wirtschaftsgut einzustufen, damit es dementsprechend frei vermarktet werden kann. Zu Beginn der 1980er Jahre, mit dem Aufkommen des Monetarismus als vorherrschender &ouml;konomischer Schule und beeinflusst von den sogenannten Chicago Boys, &auml;nderte der IWF seine wirtschaftspolitische Ausrichtung und schlug einen neoliberalen Wirtschaftskurs ein. Kredite von IWF und auch der Weltbank wurden fortan nur noch in Verbindung mit massiven Auflagen, den sogenannten <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=194\">Strukturanpassungsprogrammen (SAPs)<\/a> erteilt. Auf diese Weise wurden die Prinzipien des Washington Consensus (http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Washington_Consensus) umgesetzt. Au&szlig;erdem wurde mit der Durchsetzung der Prinzipien des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs, der Wettbewerbsorientierung, vor allem aber auch der Deregulierung und Privatisierung &ouml;ffentlicher Aufgaben den Konzernen der reichen Mitgliedsl&auml;nder der Zugang zu neuen M&auml;rkten, u.a. auch dem Wassermarkt und wirtschaftliche Macht verschafft. Daneben besteht ein Netzwerk diverser Entwicklungsbanken wie beispielsweise die European Investment Bank, Inter-American Development Bank, Asian Development Bank, Europ&auml;ische Bank f&uuml;r Wiederaufbau und Entwicklung, Europ&auml;ische Zentralbank und die Islamic Development Bank. Die genannten Banken vermitteln Kredite f&uuml;r Projekte und nach Abwicklung der Privatisierung treten sie in den Hintergrund. Wenn die negativen Folgen der Privatisierung publik werden, finanzieren sie bereits das n&auml;chste so genannte (Entwicklungs-)Projekt.<\/p><p>Neben IWF und Weltbank spielt die WTO eine wichtige Rolle. Sie verf&uuml;gt &uuml;ber ein ungeheures Machtpotential und als supranationale Institution erhebt sie vor allem die Forderungen und Interessen der international agierenden Konzerne zum Gebot f&uuml;r die Welt, nach dem sich alle Unterzeichnerstaaten zu richten haben, sonst werden sie vor das WTO-Schiedsgericht gebracht. Alle drei Institutionen sind eng mit so genannten &bdquo;Denkfabriken&ldquo; verbunden, die vor allem als verl&auml;ngerter Arm der Wirtschaft fungieren. Diese &bdquo;Think Tanks&ldquo;  wiederum vertreten die Interessen von Konzernen, Investoren und anderen Geldgebern durch Lobbyarbeit und aufw&auml;ndige Kampagnen in den Medien. Global agierende Wasserkonzerne, der Weltwasserrat und Global Water Partnership (gegr&uuml;ndet von Weltbank, gest&uuml;tzt auf dasEntwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP und der schwedischen staatlichen Entwicklungsorganisation SIDA) arbeiten mit WTO, Weltbank und IWF eng zusammen. Wie die aufgef&uuml;hrten Institutionen vernetzt sind, zeigt dieses <a href=\"http:\/\/wirtschaftslexikon.gabler.de\/Definition\/gats.html?extGraphKwId=58894\">Schaubild in Gablers Wirtschaftslexikon<\/a>. Die Grundlinien der Politik von EU-Kommission, Weltbank, IWF und WTO sind im Wesentlichen durch den neoliberalen Dreiklang von Privatisierung, Liberalisierung und Deregulierung bestimmt. Im Folgenden werden einige markante Stationen aufgef&uuml;hrt, die diesen Kurs aufzeigen sollen:<\/p><p><strong>MAI und GATS<\/strong><br>\nInvestitionen in Infrastrukturprojekte erfreuen sich bei Anlegern gro&szlig;er Beliebtheit. Sie werden als ethisch einwandfrei angepriesen, zudem bieten Wasseraufbereitung oder Wasserinfrastruktur ein enormes Wachstumspotenzial. Das Gesch&auml;ft mit dem privaten Wasser ist besonders attraktiv, weil jeder Mensch von sauberem Wasser abh&auml;ngig ist, hier kann der Anbieter von einer garantiert stabilen Nachfrage nach diesem elementaren Gut ausgehen. Das globale Liberalisierungsprojekt MAI (Multilaterales Investitionsabkommen, <a href=\"http:\/\/www.fes.de\/pdf-files\/iez\/00192.pdf\">siehe hier [PDF &ndash; 512 KB]<\/a>) aus den 1990er Jahren war als zentraler Hebel zur weiteren Liberalisierung und Markt&ouml;ffnung gedacht. Ziel war die F&ouml;rderung von Auslandsdirektinvestitionen. Das MAI-Abkommen wurde zwischen der EU, den OECD-Staaten und transnationalen Konzernen verhandelt. Es war ein Versuch neoliberale Strukturen im gro&szlig;en Stil einzuf&uuml;hren. Im &bdquo;kleinen&ldquo; Kreis der OECD-Staaten sollte das MAI durchgedr&uuml;ckt werden, weil es in der WTO wohl chancenlos gewesen w&auml;re. Durch den massiven Widerstand von NGOs und B&uuml;rgern konnte das Abkommen zwar verhindert werden, aber &uuml;ber die 1994 in Marrakesch geschlossenen GATS-Vereinbarungen wurde das gescheiterte Abkommen im Dienstleistungsbereich wieder vorangetrieben. Der GATS-Experte Thomas Fritz wies schon 2003 darauf hin, dass das GATS aufgrund der Bestimmungen zur Niederlassungsfreiheit eine zunehmende Rolle bei Streitigkeiten im Zusammenhang mit Wasserprivatisierungen spielen d&uuml;rfte. Hinzu komme, dass Regierungsvertreter, die einen Privatisierungsvertrag mit einem ausl&auml;ndischen Investor abschlie&szlig;en, oftmals nicht durchschauen, dass dieser nicht nur dem nationalen Vertragsrecht folgt, sondern gegebenenfalls auch in den Regelungsbereich des GATS oder anderer Investitionsschutzabkommen f&auml;llt. <a href=\"http:\/\/www.blue21.de\/PDF\/Wasser-Pol-Oekologie.pdf\">Im Streitfall genie&szlig;en die internationalen Abkommen Vorrang [PDF &ndash; 31 KB]<\/a>.<\/p><p><strong>Dienstleistungsrichtlinie<\/strong><br>\nGewisserma&szlig;en als <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4425\">&bdquo;europ&auml;isches GATS&ldquo; sollte mit der Dienstleistungsrichtlinie<\/a> die vollst&auml;ndige Dienstleistungsfreiheit in der EU verwirklicht werden. Die EU-Kommission behauptet zwar, die 2006 verabschiedete Richtlinie verpflichte die Mitgliedstaaten nicht zu Liberalisierung oder gar Privatisierung von Dienstleistungen. Das ist formal zwar richtig, da der Richtlinienentwurf keine Vorschriften enth&auml;lt, die direkt solche Ma&szlig;nahmen vorsehen. Indirekt tr&auml;gt die Dienstleistungsrichtlinie jedoch dazu bei, die Liberalisierung und Privatisierung insbesondere bisher &ouml;ffentlich erbrachter Dienstleistungen weiter voranzutreiben, denn in den Anwendungsbereich der Dienstleistungsbereich fallen weite Bereiche der Daseinsvorsorge. So fallen &ouml;ffentliche Aufgaben, wenn sie privatisiert bzw.  teilprivatisiert werden oder wurden, auch unter die Regelungen der Dienstleistungsrichtlinie.<\/p><p><strong>Konzessionsrichtlinie<\/strong><br>\nDie EU-Kommission hat am 20.12.2011 einen Vorschlag f&uuml;r eine Richtlinie &uuml;ber die Konzessionsvergabe vorgelegt. Betroffen von der Richtlinie sind u.a. Rettungs- und Gesundheitsdienstleistungen, Kindertagesst&auml;tten, Altenpflege und Kommunen, welche die Trinkwasserver- oder Abwasserentsorgung teilweise privatisiert bzw. liberalisiert haben. Nach neoliberalem Mantra sollen mit der Richtlinie Dienstleistungen g&uuml;nstiger werden und sich die Qualit&auml;t verbessern. <\/p><p>Der Ausschuss f&uuml;r Binnenmarkt und Verbraucherschutz hat diese Richtlinie am 24. Januar 2013 verabschiedet. Der zust&auml;ndige Binnenmarktkommissar Michel Barnier sagt, dass bestehende Konzessionen von der Richtlinie nicht betroffen seien. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn sobald die Konzessionen auslaufen, gilt die neue Richtlinie. Danach muss entweder ausgeschrieben oder die Dienstleistung an eine 100-prozentige Tochter &uuml;bertragen werden, was wiederum an Bedingungen gekn&uuml;pft ist.<\/p><p>Die neue Konzessionsrichtlinie muss noch vom EU-Parlament beschlossen und in den einzelnen EU-Staaten in nationales Recht umgesetzt werden.<\/p><p><strong>Die Zauberformel PPP<\/strong><br>\nSeit Jahren propagiert die EU-Kommission PPP-Modelle (private-&ouml;ffentliche Partnerschaften) als unverzichtbare und innovative Finanzierungsl&ouml;sungen. Doch das &bdquo;Tafelsilber&ldquo; der &ouml;ffentlichen H&auml;nde wird oft unter Wert an transnationale Konzerne verkauft, um schnell Geld in die klammen &ouml;ffentlichen Kassen zu sp&uuml;len. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich PPP als desastr&ouml;se Form des Ausverkaufs von &ouml;ffentlichem Eigentum. Gewinne streichen die Betreiber ein, Verluste bzw. Kosten werden auf die B&uuml;rger abgew&auml;lzt. Oft unterbleiben Investitionen in die Infrastruktur und nach einem R&uuml;ckkauf darf die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3320\">Kommune zun&auml;chst kr&auml;ftig investieren<\/a>. <\/p><p>Welche Auswirkungen Privatisierungen im Wassersektor auf die Preisentwicklung und Qualit&auml;t haben, ist am Beispiel der Teilprivatisierung der Berliner Wasserwerke zu sehen. Es zeigte sich, dass dieses PPP-Modell nur den privaten &bdquo;Partnern&ldquo; nutzte, indem sie sich eine stattliche Rendite sicherten, f&uuml;r welche die B&uuml;rger zahlen durften. Nach heftigen Protesten kauft nun die Stadt Anteile der Wasserbetriebe wieder zur&uuml;ck, eine teure L&ouml;sung f&uuml;r die B&uuml;rger, ein gutes Gesch&auml;ft f&uuml;r die privaten Betreiber.<\/p><p><strong>Der Global Compact &ndash; PPP, als neues Modell der Entwicklungszusammenarbeit<\/strong><br>\nDer von Generalsekret&auml;r Kofi Annan angesto&szlig;ene Global Compact war gedacht als Vertrag zwischen Unternehmen und den Vereinten Nationen, um u.a. der weltweiten Durchsetzung von Menschenrechten n&auml;herzukommen. Dieses Ziel wird jedoch dadurch konterkariert, dass der Vertrag den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1132\">betroffenen Konzernen erheblichen Einfluss auf die Politik der Vereinten Nationen einr&auml;umt<\/a>. Ein zentrales Anliegen des Global Compact ist die F&ouml;rderung von PPP-Projekten zwischen den Vereinten Nationen, &ouml;ffentlich-gemeinn&uuml;tzigen Dienstleistungserbringern und gewinnorientierten Unternehmen. Mit den PPP-Projekten sollen Armut, Hunger, Krankheiten und Kriege bek&auml;mpft, eine Ern&auml;hrungsgrundlage geschaffen und der Zugang zu Wasser gesichert werden. Ein Beispiel daf&uuml;r ist das <em>Global Compact Netzwerk Deutschland<\/em>, das sich im Jahr 2009 in einem Hintergrundpapier mit dem Schwerpunktthema &bdquo;Wasser ist ein Menschenrecht&ldquo; befasste. Zwar werden die Ursachen der Wasserknappheit in ihren Ver&ouml;ffentlichungen erw&auml;hnt, aber im Vordergrund steht die Bewertung, dass Investitionen in die lokale Wasserinfrastruktur auf lange Sicht Investoren eine hohe Rendite sichern: <em>&bdquo;Nach Sch&auml;tzungen generiert jeder US $, der in den Sektor Wasser und sanit&auml;re Versorgung investiert wird, im Durchschnitt weitere 8 US $ an Kosteneinsparungen und Produktivit&auml;tsgewinnen. <a href=\"http:\/\/www.globalcompact.de\/sites\/default\/files\/jahr\/publikation\/dgcn_sp_09_wasser_hintergrundpapier.pdf\">Je nach Region und Sektor fallen die Profite sogar weitaus h&ouml;her aus&ldquo; [PDF &ndash; 643 KB]<\/a><\/em>.<\/p><p><strong>Schockstrategie<\/strong><br>\nNaomi Klein hat in ihrem Buch &bdquo;Schockstrategie&ldquo; dargestellt, dass es in funktionierenden Demokratien schwierig ist neoliberale Prinzipien durchzusetzen. Daf&uuml;r bedarf es eines Schockzustands oder einer schweren Krise, eine Bankenkrise ist ein solcher Zustand. (Angela Merkel hat das j&uuml;ngst in ihrer Rede in Davos ganz ungeschminkt ausgesprochen.) Griechenland und Portugal sollen ihr Tafelsilber privatisieren. Die Troika (EU-Kommission, Europ&auml;ische Zentralbank und IWF) fordert die Privatisierung von &ouml;ffentlichen G&uuml;tern, darunter auch der Wasserwirtschaft. In Griechenland sollen die Wasserwerke von Athen und Thessaloniki privatisiert werden. In Portugal wird die Privatisierung der staatlichen Wasserbetriebe <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/tv\/monitor\/sendungen\/2012\/1213\/wasser.php5\">&bdquo;Aguas de Portugal&ldquo; vorangetrieben. Siehe auch Monitorbericht vom 13.12.2012<\/a>.<\/p><p><strong>Folgen der Deregulierungs- Liberalisierungs- und Privatisierungspolitik<\/strong><br>\nWenn weltweit agierende Konzerne auf die liberalisierten M&auml;rkte dr&auml;ngen, wird die &ouml;ffentliche Hand als Anbieter zur&uuml;ckgedr&auml;ngt und die Leistungen der kommunalen Daseinsvorsorge m&uuml;ssen unter (neoliberalen) Marktbedingungen erbracht werden, die &ouml;ffentliche Hand wird so zu einem marktkonformen Verhalten gezwungen. Dadurch werden Arbeitspl&auml;tze abgebaut, prek&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse entstehen, Steuereinnahmen und Einnahmen der Sozialkassen sinken, die &ouml;ffentliche und private Verarmung steigt an. Der Staat stockt dann prek&auml;re Geh&auml;lter mit Steuermitteln auf und wer nicht mehr zu vermitteln ist, bekommt eine Minimalversorgung (Hartz IV). Au&szlig;erdem werden Umweltauflagen, Tarif-, Arbeits-, Sozialrechte auf ein internationales Niveau abgebaut und die Umsetzung dieser Strategie geht einher mit einem Abbau demokratischer Partizipationsm&ouml;glichkeiten.<\/p><p><strong>Endlich: EU-Politik von unten &ndash; EU-B&uuml;rger k&ouml;nnen sich wehren<\/strong><br>\nMit der Aufnahme des &bdquo;<em>Anspruchs auf reines Wasser<\/em>&ldquo; in die Allgemeine Erkl&auml;rung der Menschenrechte haben die Vereinten Nationen ein Zeichen gesetzt. Jedoch haben Resolutionen der Vollversammlung lediglich empfehlenden Charakter. Zu ihrer Umsetzung braucht es einen verbindlichen Rechtsrahmen. Auf EU-Ebene soll dieser nun mittels der Europ&auml;ischen B&uuml;rgerinitiative &bdquo;Wasser ist ein Menschenrecht&ldquo; erreicht werden.  Die M&ouml;glichkeit einer solchen Initiative der B&uuml;rger wurde mit dem Vertrag von Lissabon geschaffen. Damit sie ein Erfolg wird, ist es jedoch notwendig, dass sich die B&uuml;rger der EU-Staaten vernetzen und grenz&uuml;berschreitend organisieren. Der franz&ouml;sische Soziologe Pierre Bourdieu hegte die Hoffnung, dass eines Tages die europ&auml;ische Gewerkschaftsbewegung zum Motor eines sozialen Europas werden k&ouml;nne. Die Gewerkschaften br&auml;uchten, so Bourdieu, aktive Mitglieder, die andere mobilisieren k&ouml;nnten und international d&auml;chten (Quelle: Gegenfeuer, UVK-Verlagsgesellschaft). Genau dies macht nun der Europ&auml;ische Gewerkschaftsverband f&uuml;r den &Ouml;ffentlichen Dienst als Initiator der Kampagne u.a. <a href=\"http:\/\/www.right2water.eu\/\">mit seiner mehrsprachigen Website zur B&uuml;rgerinitiative<\/a>.<\/p><p>Mit dieser eingangs erw&auml;hnten Europ&auml;ischen B&uuml;rgerinitiative <strong>&bdquo;Wasser ist ein Menschenrecht&ldquo;<\/strong> fordern die Unterzeichner von der EU-Kommission folgende Ma&szlig;nahmen:<\/p><ol>\n<li>Die EU-Institutionen und die Mitgliedstaaten haben die Aufgabe, daf&uuml;r zu sorgen, dass B&uuml;rger und B&uuml;rgerinnen das Recht auf Wasser und sanit&auml;re Grundversorgung haben.<\/li>\n<li>Die Versorgung mit Trinkwasser und die Bewirtschaftung der Wasserressourcen darf nicht den Binnenmarktregeln unterworfen werden. Die Wasserwirtschaft ist von der Liberalisierungsagenda auszuschlie&szlig;en.<\/li>\n<li>Die EU verst&auml;rkt ihre Initiativen, einen universellen Zugang zu Wasser und sanit&auml;rer Grundversorgung zu erreichen.<\/li>\n<\/ol><p>Punkt 2 bedeutet auch, dass die Wasserver- und Abwasserentsorgung gemeinwohlorientiert erfolgen soll und nicht kommerziellen Gewinnmaximierungsinteressen unterworfen werden darf. Damit richtet sich die B&uuml;rgerinitiative auch gegen die Absicht der EU-Kommission, die Wasserwirtschaft in die geplante und oben erw&auml;hnte Konzessionsrichtlinie einzubeziehen.<\/p><p><strong>Demokratische Schw&auml;chen der Europ&auml;ischen B&uuml;rgerinitiative<\/strong><br>\nIn einem Gesetzgebungsverfahren bedeutet &bdquo;Initiative&ldquo; eigentlich das Recht zur Einbringung einer Gesetzesvorlage, doch so weit geht die Demokratie in Europa nicht. Selbst das Europ&auml;ische Parlament kann keine Vorschl&auml;ge f&uuml;r Gesetze einzubringen. Dieses Recht ist allein der EU-Kommission vorbehalten. Wenn die Initiative erfolgreich ist, muss eine &ouml;ffentliche Anh&ouml;rung zu ihrem Ergebnis im Europ&auml;ischen Parlament stattfinden. Die Europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiative ist ein themenbestimmendes Instrument, das den B&uuml;rgern die M&ouml;glichkeit gibt, die Aufmerksamkeit nicht nur der Kommission, sondern auch der Medien und der &Ouml;ffentlichkeit auf eine bestimmte Fragestellung zu lenken und eine europaweite Diskussion dar&uuml;ber anzuregen.<br>\nAuch und gerade weil die Wasser-B&uuml;rgerinitiative die hohe H&uuml;rde von mindestens einer Million Unterschriften aus mindestens 7 der 27 Mitgliedstaaten &uuml;berwinden muss, ist ihr zu w&uuml;nschen, dass sie ihr Ziel erreicht. Nicht nur, um etwas gegen die Kommerzialisierung unseres elementarsten Lebensmittels zu unternehmen, sondern auch, um einem partizipatorischen, nicht an &uuml;berm&auml;chtigen Lobbyinteressen orientierten, Demokratiemodell in Europa n&auml;herzukommen.<\/p><p><a href=\"https:\/\/signature.right2water.eu\/oct-web-public\/signup.do?lang=de\">Die B&uuml;rgerinitiative ist online zu unterzeichnen<\/a>. <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/crd8wuk\">Hier<\/a> k&ouml;nnen au&szlig;erdem Unterschriftenlisten ausgedruckt und ausgef&uuml;llt an ver.di, Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin geschickt werden. <a href=\"http:\/\/ppp-irrweg.de\/index.php?id=12037\">Weitere Informationen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vereinten Nationen haben am <a href=\"http:\/\/www.un.org\/Depts\/german\/gv-64\/band3\/ar64292.pdf\">28. Juli 2010 mit der Resolution 64\/292 [PDF &ndash; 551 KB]<\/a> den &bdquo;<em>Anspruch auf reines Wasser<\/em>&ldquo; in die Allgemeine Erkl&auml;rung der Menschenrechte aufgenommen. Weil diese Resolution jedoch kein Recht auf Wasser im Sinne des internationalen Rechts erwirkt, haben der Europ&auml;ische Gewerkschaftsverband f&uuml;r den &Ouml;ffentlichen Dienst (EG&Ouml;D) und dessen europ&auml;ischen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15980\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[160,143,150],"tags":[305,1216,335],"class_list":["post-15980","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-markt-und-staat","category-privatisierung-oeffentlicher-leistungen","category-verbraucherschutz","tag-menschenrechte","tag-petitionen","tag-wasserversorgung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15980","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15980"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15980\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15989,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15980\/revisions\/15989"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}