{"id":15994,"date":"2013-01-29T11:04:32","date_gmt":"2013-01-29T10:04:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15994"},"modified":"2015-06-23T15:39:10","modified_gmt":"2015-06-23T13:39:10","slug":"sinn-kanns-nicht-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15994","title":{"rendered":"Sinn kann\u00b4s nicht lassen"},"content":{"rendered":"<p>Von den unseligen Target-Salden will &bdquo;Deutschlands kl&uuml;gster Professor&ldquo; (BILD-Zeitung) offenbar nichts mehr wissen. In seinem j&uuml;ngsten Gastartikel f&uuml;r die FAZ verabschiedet sich Hans-Werner Sinn ohne gro&szlig;e Worte von seinem einstigen Steckenpferd. Auch bei einigen anderen Themen rudert der Boulevard-&Ouml;konom zur&uuml;ck. Getreu dem Motto &bdquo;Was interessiert mich mein Geschw&auml;tz von gestern&ldquo; erfindet Sinn sich offenbar t&auml;glich neu. Das w&auml;re durchaus erfreulich, w&uuml;rde Sinn nicht wieder einmal mit Scheuklappen durch die Welt laufen, die Leser manipulieren und dem Ganzen den typisch &bdquo;sinnschen&ldquo; Weltuntergangspathos verleihen. <strong>Von Jens Berger<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nLange Zeit war es um Hans-Werner Sinn ruhig geworden. Trotz medialer Sch&uuml;tzenhilfe floppte sein im Herbst erschienener potentieller Bestseller &bdquo;Die Targetfalle&ldquo; an den Ladenkassen. Von seinen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14175\">ebenso k&uuml;hnen wie falschen Thesen<\/a> zu den Target-Salden will heute niemand mehr etwas wissen &ndash; auch Sinn selbst nicht, der mittlerweile in die Vorw&auml;rtsverteidigung &uuml;bergegangen ist und die Argumente seiner Kritiker als seine eigenen ausgibt. <\/p><p><strong>Wenig Licht &hellip;<\/strong><\/p><blockquote><p><em>Seit dem Sommer 2012 hat die Finanzkrise eine Pause eingelegt. Die Target-Salden, die die Kapitalflucht aus S&uuml;deuropa und die &ouml;ffentlichen Ersatzkredite des Eurosystems anzeigen, steigen nur noch in Italien. Ansonsten gehen sie deutlich zur&uuml;ck.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Hans-Werner Sinn in der FAZ (<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/europas-schuldenkrise\/gastbeitrag-die-eurokrise-ist-noch-nicht-geloest-12042126.html\">Onlineausgabe vom 28.01.2013<\/a>)<\/p><p>Heute gibt Sinn zu, dass die Target-Salden vor allem die Kapitalflucht von S&uuml;d nach Nord anzeigen. <a href=\"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/handelsblog\/2011\/06\/03\/traktoren-targetsalden-trugschlusse-hws-hat-sich-verrannt\/\">Das klang fr&uuml;her noch ganz anders<\/a>.  Auch bei der Frage, ob der Steuerzahler f&uuml;r EZB-Verluste haften muss, hat Sinn eine elegante &bdquo;Mini-Wende&ldquo; hingelegt. Hat er fr&uuml;her stets steif und fest behauptet, der Steuerzahler m&uuml;sse f&uuml;r EZB-Verluste haften, r&auml;umt er heute zwischen den Zeilen ein, dass diese Verluste auch durch &bdquo;weniger Gewinnaussch&uuml;ttungen&ldquo; getragen werden k&ouml;nnen. Viele anglos&auml;chsische &Ouml;konomen und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14817\">auch die NachDenkSeiten<\/a> haben immer wieder auf diese wichtige Frage hingewiesen. Es ist erfreulich, wenn Sinn in diesem Punkt von seiner Kampflinie abweicht. Schon Konfuzius wusste, dass &bdquo;wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, einen zweiten begeht.&ldquo; <\/p><p><strong>&hellip; und viel Schatten<\/strong><\/p><p>Auch bei der Frage der Angleichung der Wettbewerbsf&auml;higkeit scheint Sinn auf den ersten Blick dazugelernt zu haben:<\/p><blockquote><p><em>Spanien, Griechenland und Portugal m&uuml;ssen l&auml;ngerfristig im Vergleich zum Durchschnitt der Eurozone um etwa 30 Prozent billiger werden, um wieder wettbewerbsf&auml;hig zu werden, und selbst Frankreichs Preise m&uuml;ssen um 20 Prozent gegen&uuml;ber dem Durchschnitt fallen. Das ist das Ergebnis einer Ifo-Studie, die am Dienstag in Br&uuml;ssel vorgestellt wird. Deutschlands Preise m&uuml;ssen umgekehrt um etwa 20 Prozent gegen&uuml;ber dem Durchschnitt steigen.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Hans-Werner Sinn in der FAZ (<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/europas-schuldenkrise\/gastbeitrag-die-eurokrise-ist-noch-nicht-geloest-12042126.html\">Onlineausgabe vom 28.01.2013<\/a>)<\/p><p>Dies ist alles durchaus korrekt. Der Artikel wurde jedoch nicht von einem Volont&auml;r, sondern von Sinn pers&ouml;nlich verfasst und es ist schon arg merkw&uuml;rdig, dass ein &Ouml;konomie-Professor hier derart schluderig formuliert. Der Satz w&auml;re vollkommen korrekt, h&auml;tte Sinn den Begriff &bdquo;Preise&ldquo; durch &bdquo;Lohnst&uuml;ckkosten&ldquo; ersetzt. Wer Sinn kennt, wei&szlig;, dass es sich hierbei nicht um einen Fl&uuml;chtigkeitsfehler oder um eine Vereinfachung handelt. Dies wird im n&auml;chsten Absatz von Sinns Aufsatz deutlich:<\/p><blockquote><p><em>Wollte man die n&ouml;tige Anpassung innerhalb eines Jahrzehnts schaffen, wobei nur das franz&ouml;sische Preisniveau konstant gehalten wird, m&uuml;sste die durchschnittliche [europ&auml;ische\/Anm. JB] Inflationsrate bei 2,3 Prozent liegen, Deutschland m&uuml;sste um j&auml;hrlich 4,1Prozent inflationieren. Spaniens Preise m&uuml;ssten dann freilich um 1,3 Prozent pro Jahr sinken. So oder so steht eine Phase &auml;u&szlig;erst schwieriger Anpassungen f&uuml;r die L&auml;nder S&uuml;deuropas und Frankreichs bevor, die die Gesellschaftssysteme dieser L&auml;nder erheblich belasten, wenn nicht gar vor eine Zerrei&szlig;probe stellen werden. Bislang ist von den notwendigen Preissenkungen so gut wie nichts passiert.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Hans-Werner Sinn in der FAZ (<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/europas-schuldenkrise\/gastbeitrag-die-eurokrise-ist-noch-nicht-geloest-12042126.html\">Onlineausgabe vom 28.01.2013<\/a>)<\/p><p>Bislang ist, das ist wichtig zu erg&auml;nzen, jedoch auch in Deutschland so gut wie nichts passiert, um die Inflationsrate zu steigern. Und &ndash; wahrscheinlich ohne es zu merken &ndash; hat der Leser von Sinns Aufsatz hier bereits den gedanklichen Schritt von der Wettbewerbsf&auml;higkeit zu den Verbraucherpreisen vollzogen. Und das ist Manipulation auf hohem Niveau! Die Anpassung der Verbraucherpreise ist <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14074\">die Folge<\/a> und nicht die Ursache von Anpassungen der Wettbewerbsf&auml;higkeit, also Lohnsteigerungen und Lohnk&uuml;rzungen. <\/p><p><strong>Manipulation durch Begriffe<\/strong><\/p><p>W&uuml;rde man eine Umfrage machen und die Deutschen fragen, ob sie sich eine Inflation von j&auml;hrlich 4,1% w&uuml;nschen, w&uuml;rden sicher fast alle Befragten mit einem emp&ouml;rten &bdquo;Nein!&ldquo; antworten. W&uuml;rde man sie jedoch fragen, ob sie sich w&uuml;nschen, dass die L&ouml;hne in Deutschland um 4,1% steigen, fiele die Antwort diametral anders aus. Bei der Anpassung der Wettbewerbsf&auml;higkeit geht es aber prim&auml;r um die Anpassung der Lohnst&uuml;ckkosten und somit vor allem der L&ouml;hne. Die Anpassung der Verbraucherpreise ist eine Folge der Lohnentwicklungen und nicht deren Ursache, schlie&szlig;lich leben wir ja nicht in einer Planwirtschaft, in der der Staat die Preise bestimmt.<\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich wei&szlig; dies auch Hans-Werner Sinn ganz genau. Aber warum dr&uuml;ckt er sich dann derart missverst&auml;ndlich aus? &Uuml;ber Sinns &ouml;konomische F&auml;higkeiten kann man vortrefflich streiten, dass er aber ein begnadeter Manipulierer und Demagoge ist, dar&uuml;ber kann es eigentlich keine zwei Meinungen geben. Sinns Kernthese ist schlie&szlig;lich, dass die deutschen Steuerzahler und Rentner die Kosten der Eurokrise <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10025\">voll tragen werden<\/a>. W&uuml;rde er nun jedoch klipp und klar schreiben, dass die gew&uuml;nschten Anpassungen mit deutlichen Lohnsteigerungen in Deutschland, die sich auch auf die Renten ausschlagen, einhergehen m&uuml;ssen, bek&auml;me seine Kernthese Kratzer. Um dies zu verhindern, biegt sich Professor Sinn die Begriffe so zurecht, dass zumindest die meisten Leser sicher gar nicht merken werden, dass er sich stetig selbst widerspricht. Aber darin war Sinn ja schon immer einsame Spitze.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/39b328f3b22049cfa08453af4a86a52b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von den unseligen Target-Salden will &bdquo;Deutschlands kl&uuml;gster Professor&ldquo; (BILD-Zeitung) offenbar nichts mehr wissen. In seinem j&uuml;ngsten Gastartikel f&uuml;r die FAZ verabschiedet sich Hans-Werner Sinn ohne gro&szlig;e Worte von seinem einstigen Steckenpferd. Auch bei einigen anderen Themen rudert der Boulevard-&Ouml;konom zur&uuml;ck. 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