{"id":160,"date":"2005-01-10T11:54:27","date_gmt":"2005-01-10T10:54:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=160"},"modified":"2020-02-20T10:57:01","modified_gmt":"2020-02-20T09:57:01","slug":"mezzogiorno-als-die-zwangslaufige-perspektive-ost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=160","title":{"rendered":"Mezzogiorno als die zwangsl\u00e4ufige \u201ePerspektive Ost\u201c?"},"content":{"rendered":"<p>Karl Mai &ndash; Zu Konsequenzen aus der wissenschaftlichen Politikberatung<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. Zur Problemstellung f&uuml;r Ostdeutschland <\/strong><\/p><p><strong>1.1. Das gesamtdeutsche Zeitempfinden<\/strong><\/p><p>Die drohende Gefahr eines weiteren &ouml;konomisch-sozialen Zur&uuml;ckbleibens der ostdeutschen Region im Vergleich zu Westdeutschland wurde im Laufe des Jahres 2004 weitaus st&auml;rker &ouml;ffentlich thematisiert als noch vor wenigen Jahren, letztlich teilweise noch zugespitzt, um entweder das leidige Thema zu &bdquo;beerdigen&ldquo; oder eine neue Mobilisierung der &bdquo;nationalen Verantwortung&ldquo; f&uuml;r die Zukunft der Ostdeutschen zu erreichen.<\/p><p>Man kann schon jetzt absehen: der emotionale wie auch der logisch-wissenschaftlich begr&uuml;ndete &bdquo;Sturm&ldquo; in der &Ouml;ffentlichkeit ist im Kreuzfeuer von erneuten fiskalischen Haushaltsdefiziten auf allen Ebenen und dem f&ouml;deralen Interessengegensatz West-Ost rasch abgeschw&auml;cht. Kritiker der Transfers verlauten: Ostdeutschland soll und darf den Westen nicht etwa mehr, allenfalls weniger als bisher kosten. Au&szlig;erdem w&auml;re &ndash; nach der regierungsoffizieller Auffassung &ndash; noch ein &bdquo;sehr langer Weg&ldquo; in den f&uuml;nf Ost-Bundesl&auml;ndern zur&uuml;ckzulegen, bevor am Ende das Zielniveau West ann&auml;hernd erreichbar ist, weil auch die westdeutschen L&auml;nder weiter vorankommen. <\/p><p>W&auml;hrend manche Stimmen in den Talkshows in verhaltenem Optimismus auf das Anspringen der Konjunktur in Deutschland warten, damit auch der Wachstumsprozess Ost wieder zunehmend in Fahrt kommen kann, haben andere Stimmen l&auml;ngst resigniert und sich darauf berufen, dass ja &bdquo;alle gro&szlig;en L&auml;nder&ldquo; ihre jeweiligen Mezzogiorno-Regionen besitzen und folglich die Menschen der ostdeutschen Unterentwicklungsregion sich damit abfinden m&uuml;ssen, wenn sie weiter zur&uuml;ckbleiben sollten. Nichts scheint auch leichter, als sich hinter den Globalisierungseffekten zu verstecken, welche diese Region &bdquo;niederhalten&ldquo;. Was ist so schlimm daran, dass wir in Deutschland gemeinsam dieses drohende &bdquo;Mezzogiorno&ldquo; nicht abwenden k&ouml;nnen? &ndash; wird unterschwellig gefragt. <\/p><p>Wie immer in solchen kontroversen Debatten, ist ein Blick auf Fakten und Daten recht n&uuml;tzlich, weil er die Bewertungen zu korrigieren vermag. Wie sieht es eigentlich vergleichsweise aus, dieses s&uuml;ditalienische Mezzogiorno in seiner relativen Unterentwicklung gegen&uuml;ber den Landesteilen Nord und Mitte des italienschen Wirtschaftsraumes? <\/p><p><strong>1.2. Zum Typ &bdquo;Mezzogiorno&ldquo; Italiens<\/strong><\/p><p>S&uuml;ditalien war nach der italienschen Einheitsbildung (1861) &ouml;konomisch-sozial weiter zur&uuml;ckgeblieben und fristete lange ein Schicksal als Agrarregion mit geringem Industriebesatz. Wie aus der nachstehenden Statistik-Tabelle mittels Umrechnung hervorgeht, erreicht S&uuml;ditalien inzwischen erst knapp 58 % des BIP je Kopf im speziellen Vergleich zum entwickelten &bdquo;Norden und der Mitte des Landes&ldquo; (=100). Diese Relation liegt leicht unter der gegenw&auml;rtigen Leistung in Ostdeutschland. Produktivit&auml;t und Besch&auml;ftigungsrate in S&uuml;ditalien sind dagegen im nationalen Vergleich relativ sogar g&uuml;nstiger als in Ostdeutschland. &bdquo;Der ostdeutsche Anteilswert an der Industriebesch&auml;ftigung von nur 15 % ist &uuml;brigens noch kleiner als der entsprechende Wert des italienischen Mezzogiorno, der immerhin 19 % betr&auml;gt.&ldquo; Diese Angaben haben einen stagnierenden regionalen Hintergrund in S&uuml;ditalien &ndash; eine drohende zuk&uuml;nftige Entwicklung auch f&uuml;r Ostdeutschland?<\/p><p>(Hier ist in folgender Tabelle zu beachten, dass die Angaben f&uuml;r den S&uuml;den in Relation zum ganzen Landesdurchschnitt gebildet sind.)<\/p><p><em>Tabelle 1<\/em><\/p><table>\n<tr>\n<th>&nbsp;<\/th>\n<th>Italien<\/th>\n<th>Norden und Mitte<\/th>\n<th>S&uuml;den<\/th>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>Bruttoinlandsprodukt BIP) pro Kopf<\/td>\n<td>100,0<\/td>\n<td>118,0<\/td>\n<td>67,8<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>Produktivit&auml;t (BIP pro Arbeiter)<\/td>\n<td>100,0<\/td>\n<td>104,9<\/td>\n<td>87,2<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>Besch&auml;ftigungsrate (Prozentanteil der Erwerbsbev&ouml;lkerung an der Gesamtbev&ouml;lkerung; Zahlen vom Januar 2003)<\/td>\n<td>61,0<\/td>\n<td>65,3<\/td>\n<td>90,9<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>Export (Anteile in Prozent 2001)<\/td>\n<td>100,0<\/td>\n<td>89,1<\/td>\n<td>10,9<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>Arbeitslosenquote<\/td>\n<td>9,1<\/td>\n<td>4,9<\/td>\n<td>32,3<\/td>\n<\/tr>\n<\/table><p class=\"reference\">Quelle: &ldquo;Aus Politik und Zeitgeschichte&rdquo;, B 35-36\/2004, S. 23<\/p><p>Der R&uuml;ckstand des S&uuml;dens in Italien wurde bereits 1998 auf zwanzig Jahre gesch&auml;tzt und d&uuml;rfte sich inzwischen vergr&ouml;&szlig;ert haben, weil die meisten Sonderentwicklungsprogramme ausgelaufen sind, die zuvor ca. 50 % des verf&uuml;gbaren Einkommens im S&uuml;den garantierten. <\/p><p>Nun verlagert sich der Schwerpunkt wieder auf die im S&uuml;den vorhandenen endogenen schwachen Entwicklungspotentiale, die auf einem 98 %-igen Kleinbetriebsanteil mit unter 100 Mitarbeitern basieren. Dort sind ca. 45 % aller Besch&auml;ftigten konzentriert. Auf Sizilien und Sardinien z. B. haben 35 % aller Unternehmen nur bis zu 5 Besch&auml;ftigte, die Zahl der Ein-Personen-Unternehmen &uuml;berwiegt. Daher sind in S&uuml;ditalien die Voraussetzungen f&uuml;r eine Verst&auml;rkung des Exportsanteils nicht vorhanden, von gr&ouml;&szlig;eren innovativen Potenzialen ganz zu schweigen. Mit einem extrem schwachen Exportpotential bleibt die Unterentwicklung des S&uuml;dens von Italien nicht mehr ausgleichbar. <\/p><p>Die Zentralregierung Italiens hat dieses entt&auml;uschende Ergebnis langj&auml;hriger Transfers und Lohnzusch&uuml;sse an den S&uuml;den offenbar resignierend akzeptiert. Einige Beobachter gelangten zu der desillusionierten Resignation, wonach &bdquo;Transfers die Struktur der Wirtschaft weg von einem marktorientierten Entwicklungspfad gef&uuml;hrt haben.&ldquo; Ob diese letztere Begr&uuml;ndung hinreichend ist, kann allerdings hier nicht verifiziert werden. <\/p><p>Im historischen Ergebnis besteht in Italien das klassische Mezzogiorno weiter. &bdquo;Gro&szlig;e Armut, Analphabetentum, immer noch stark verwurzelte kriminelle Organisationen, Schattenwirtschaft und Hilflosigkeit pr&auml;gen weithin das wirtschaftliche und soziale Leben des Mezzogiorno.&ldquo; Die Verquickung mit der Maffia ist dort eine Besonderheit, die f&uuml;r einige Regionen Italiens typisch ist. <\/p><p><strong>1.3. R&uuml;ckblick Ost: Ein wesentlicher historischer Unterschied<\/strong><\/p><p>Im Unterschied zum italienischen Original des Mezzogiorno hat die jetzige gro&szlig;e ostdeutsche Unterentwicklungsregion eine v&ouml;llig andere Vergangenheit hinsichtlich bereits einmal fr&uuml;her erreichten Industrialisierungsgrades und vorhanden gewesener Produktionspotenziale. Das industrielle Potenzial in diesem mittleren Teil der fr&uuml;heren Deutschen Reiches pr&auml;gte sich au&szlig;erordentlich stark in der Zeit der faschistischen Kriegswirtschaft (1936 bis 1944) aus, in der das jetzige Ostdeutschland ein leistungsstarkes Kerngebiet der reichsdeutschen R&uuml;stungsproduktion war. Der Produktionsindex &uuml;bertraf hier Mitte 1944 ganz bedeutend die regionale Leistungsf&auml;higkeit von 1936, die Brutto-Industrieproduktion wuchs zwischen 1936 und 1944 um 54 %, die Produktivit&auml;t lag um 27 % &uuml;ber dem Niveau Westdeutschlands. <\/p><p>Nach Kriegsende 1945 erfuhr jedoch die ostdeutsche Region ihre erste zerst&ouml;rende Deindustrialisierung vieler Branchen durch das sowjetische Demontage- und Reparationsregime. Die bis Mitte 1948 andauernde rigorose Nachkriegs-Demontage der verarbeitenden Kernindustrie (insgesamt mehr als 1370 Betriebe, nach anderen Angaben 2000 bis 2400 Betriebsteile), wichtiger Energieerzeugungskapazit&auml;ten und von ca. 13.000 km Gleisen auf dem Streckennetz der Eisenbahn f&uuml;hrten zu einem Verlust von etwa ein Drittel der industriellen Kapazit&auml;ten von 1944. Mit insgesamt ca. 13 Milliarden Dollar Reparationsleistungen (auf damaliger Preisbasis) &bdquo;lag die Pro-Kopf-Belastung mit Reparationen f&uuml;r die SBZ\/DDR-Einwohner fast viermal so hoch wie die der Einwohner der sp&auml;teren Bundesrepublik. Das bestimmte selbstverst&auml;ndlich die &ouml;konomischen Startbedingungen der beiden deutschen Staaten ma&szlig;geblich mit.&ldquo; Und: &bdquo;Tats&auml;chlich haben die Wiedergutmachungsleistungen an die Sowjetunion, die die SBZ stellvertretend f&uuml;r ganz Deutschland erbrachte, eine herausragende Bedeutung f&uuml;r den Start und die Entwicklung der ostdeutschen Volkswirtschaft gehabt&ldquo;, res&uuml;miert der Historiker Dietrich Staritz. <\/p><p>Dies bedingte in der sowjetischen Besatzungszone ab 1945 eine dramatische, tiefgehende und nachwirkende Verwerfung in der Wirtschaftsstruktur. Sie lie&szlig; einerseits nur &auml;ltere Anlagen oder Reste der vorherigen modernen und kriegswichtigen Industriebranchen zur&uuml;ck, entzog andrerseits in den Jahren 1946 bis 1953 von 48,8 % auf 12,9 % abfallend, aber jahresdurchschnittlich etwa 22 % des Bruttosozialprodukts dem wirtschaftlichen Kreislauf der SBZ\/DDR &ndash; ein enormer Aderlass, der dem fortgesetzten Wegfall einer j&auml;hrlich &bdquo;normalen&ldquo; Brutto-Investitionsrate gleichkommt. Hinzu trat der weitere Verlust an materiellen Ressourcen und Menschen in der Zeit der &bdquo;offenen Westgrenze&ldquo; bis August 1961, die auch nach westlichen Sch&auml;tzungen ganz erheblich waren. Dies behinderte faktisch den Wiederaufbau zum einstigen Leistungsstand um mindestens f&uuml;nfzehn Jahre, ganz zu schweigen von den &auml;u&szlig;erst negativen Auswirkungen auf den ostdeutschen Lebensstandard. <\/p><p>Bekanntlich gelang der fr&uuml;heren DDR erst nach 1961 &bdquo;hinter der dem eisernen Vorhang&ldquo; langsam die Erh&ouml;hung eigener wirtschaftlicher Akkumulationskraft und eine schrittweise Restrukturierung der angestrebten erneuerten Industriebasis. Diese einsetzende industrielle Potenzialzunahme erfolgte aus inneren Quellen der stark von chronischen Werkstoff- und Versorgungsm&auml;ngeln belasteten DDR-Wirtschaft, die nun zunehmend in die Integration des RGW (COMECON) eingebunden und einer Zwangspezialisierung unterworfen wurde. <\/p><p>Zu Ende der DDR-Zeit waren die j&auml;hrlichen Raten der Brutto- und auch der Netto-Investitionen in der Wirtschaft vergleichsweise sogar h&ouml;her als die zeitgleichen westdeutschen Raten &ndash; ein weitgehend ungew&uuml;rdigter bzw. ideologisch missachteter Fakt der DDR-Geschichte. Diese Sachlage zeugt kaum von einem maroden Niedergang der DDR-Wirtschaft insgesamt, trotz jener o. a. schwerwiegenden R&uuml;ckschl&auml;ge und Verz&ouml;gerung in der anf&auml;nglichen Nachkriegsentwicklung, der weiteren Verluste w&auml;hrend der &bdquo;offenen Grenze&ldquo; bis 1961 sowie auch infolge der sp&auml;teren einseitigen Belastungen innerhalb des RGW (COMECON). <\/p><p>Allerdings musste die technologische Erneuerung der DDR-Produktionskapazit&auml;ten lange einseitig zugunsten der Energie- und Braunkohlenerzeugung sowie der Metallurgie und Schwerindustrie verlaufen und litt im &bdquo;Kalten Krieg&ldquo; zus&auml;tzlich unter den langj&auml;hrigen Importbeschr&auml;nkungen aus den NATO-Staaten (&bdquo;Embargo-Liste&ldquo;). Der Anteil der Ausr&uuml;stungen mit einer Nutzungszeit bis unter 20 Jahren betrug in der DDR-Schlussphase 79 %. Die Ausr&uuml;stungen der DDR-Wirtschaft waren bis zuletzt um ca. 10 Prozentpunkte noch h&ouml;her verschlissen als (im Durchschnitt des internationalen Vergleichs) &uuml;blich. Das diesbez&uuml;gliche Defizit in der Erneuerung der DDR-Anlagen betrug 1989 noch ca. 66 Mrd. Mark der DDR, kaum mehr als das typische Jahresergebnis im Investitionsvolumen von 1985. <\/p><p>Dieser zeitliche R&uuml;ckstand erscheint nach den Folgen von 8 Jahren der ersten Deindustrialisierung (von 1945 bis zum Ende der Reparationsleistungen August 1953) sowie nach den weiteren hohn Verlusten durch die &bdquo;offene Westgrenze&ldquo; nicht als unerkl&auml;rbar. Jedenfalls waren die inneren Investitionspotentiale der fr&uuml;heren DDR extrem ausgesch&ouml;pft, wenngleich deren Effektivit&auml;t unter den technologischen Beschr&auml;nkungen des &bdquo;Kalten Krieges&ldquo; und des RGW zur&uuml;ckblieb. Vor 1989 h&auml;tte kein westdeutscher &Ouml;konom gewagt, die DDR mit dem italienischen Mezzogiorno ernsthaft zu vergleichen. <\/p><p><strong>1.4. Vereinigungsdesater Ost<\/strong><\/p><p>Nach der staatlichen Einigung von 1990 vollzog sich dann in sch&auml;rfstem Tempo die zweite ostdeutsche Deindustrialisierung. Sie erfolgte im Zuge einer weitgehenden Umstrukturierung und &bdquo;Aufl&ouml;sung&ldquo; der ostdeutschen Industrieproduktion im Zuge der Treuhandverwaltung, bei Verlust gro&szlig;er Anteile ihrer bisherigen &auml;u&szlig;eren und inneren Absatzm&auml;rkte. Die industrielle Produktion sank rapide auf einen Stand von 34,6 % im Jahre 1992 (im Vergleich zu 1989) und hatte im Jahre 1997 erst wieder 45,6 % des vorherigen Standes erreicht. (Das ostdeutsche BIP zu DM-Preisen sank von 1991 gegen&uuml;ber 1989 auf nur 54,6 % ab.) <\/p><p>Das vorherige industrielle Leistungsvolumen und der Industrieanteil der Wertsch&ouml;pfung von 1989 wurden in den zur&uuml;ckliegenden f&uuml;nfzehn Jahren seit dem Ende der DDR noch nicht wieder in der ostdeutschen Region eingestellt, geschweige denn &uuml;bertroffen. Im Jahr 2003 wurde der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertsch&ouml;pfung mit 16,1 % nur mit 5,9 %-Punkten &uuml;ber dem niedrigen Stand von 1991 ausgewiesen (ohne Berlin, Preisbasis 1995). Dazu der bissige Kommentar von Prof. Sinn: &bdquo;Es w&auml;re gut, wenn Ostdeutschland seinen R&uuml;ckstand bei der Industrieproduktion wenigstens auf das Niveau des italienischen Mezzogiorno verringern k&ouml;nnte. Dann w&auml;re Deutschland schon ein gutes St&uuml;ck weiter.&ldquo; Tats&auml;chlich liegt die Industriebesch&auml;ftigung in Ostdeutschland noch um 4 %-Punkte unter der von S&uuml;ditalien. <\/p><p>Derartige Angaben haben manche Kritiker der Vereinigungs&ouml;konomie dazu bewogen, deren Scheitern &ouml;ffentlich zu bezeugen, wobei einerseits von den entt&auml;uschten Erwartungen von 1990 her gesehen geurteilt und andrerseits auch die Periode der stagnierenden Angleichung nach 1997 gleicherma&szlig;en gewertet wird. Bereits 2002 hatte Ulrich Busch in einem grunds&auml;tzlichen Beitrag u. a. die Vorgeschichte der Mezzogiorno-Debatte in Deutschland rekapituliert und kritisch bemerkt: &bdquo;Ostdeutschland stabilisiert sich zunehmend als eine unterentwickelte Region im Zentrum Europas, als deutscher Mezzogiorno, eine Situation, die unter den Bedingungen der EU-Osterweiterung in den n&auml;chsten Jahren keineswegs entsch&auml;rft werden wird, sondern eher noch an Brisanz gewinnt.&ldquo; <\/p><p>Zu Anfang 2003 wurde ein noch immer verbreitetes offizielles Tabu auch durch Prof. Sinn (ifo-M&uuml;nchen) gebrochen, als er feststellte, &bdquo;dass man die wirtschaftliche Vereinigung der beiden deutschen Landesteile als gescheitert ansehen kann.&ldquo; Dies leitete einen neuen Schub von journalistischen Ver&ouml;ffentlichungen ein, die in Buch- und Artikelform eiligst begr&uuml;ndeten, wie belastend die permanenten West-Ost-Transfers f&uuml;r die wirtschaftliche Entwicklung in Westdeutschland und also auch in ganz Deutschland seien. (Eine ausf&uuml;hrliche Er&ouml;rterung des Problems der Transfers West-Ost ist in der Verlautbarung &bdquo;Intervention&ldquo; aus der Memorandum-Gruppe nachzulesen, die im November 2004 ver&ouml;ffentlicht wurde. ) <\/p><p><strong>1.5. Ostdeutschland &bdquo;abgekippt&ldquo; und im Dilemma <\/strong><\/p><p>Die Stagnation der ostdeutschen Region im &bdquo;Angleichungsprozess&ldquo; Ost an West liegt in der BIP-Leistung je Kopf seit sieben Jahren erkennbar vor. Dazu besteht keine strittige &ouml;ffentliche Debatte, so dass hierf&uuml;r keine weiteren Daten erbracht werden sollen. Damit konzentriert sich die Kontroverse auf die zuk&uuml;nftige Entwicklung &ndash; also auf Sicherheiten oder Chancen, den Angleichungsprozess neu zu beleben und das Ziel der &Uuml;berwindung des noch zu starken regionalen R&uuml;ckstandes zu Westdeutschland historisch zu erreichen. <\/p><p>Hier setzte in j&uuml;ngster Zeit eine erhebliche &ouml;ffentliche Spaltung der Interessen ein, die sich an der H&ouml;he der Transferleistungen West-Ost kontrovers entz&uuml;ndete und im Streit um die Reform des F&ouml;deralsystems zuspitzte, dabei auch in heftigen ostdeutschen Forderungen gipfelte, den Solidarpakt II mit seinem geplanten Transfervolumen West-Ost in den Verfassungsrang zu erheben. Die verst&auml;ndliche Verunsicherung der Ostdeutschen &uuml;ber die politische Labilit&auml;t der k&uuml;nftigen F&ouml;rderpolitik rechtfertigt es aus deren Sicht, die grundlegende Zielrichtung der Wirtschaftspolitik f&uuml;r die ostdeutsche Region pr&auml;zisierend etwa wie folgt (als Vorschlag) neu im Grundgesetz zu verankern: <\/p><p>&bdquo;Die auf die Angleichung regional stark unterschiedlicher Lebensverh&auml;ltnisse gerichtete staatliche Finanzausgleichspolitik (Bund und L&auml;nder) hat wegen der innerhalb Deutschlands fortbestehenden extremen Unterentwicklungsregion Ostdeutschland nationale Priorit&auml;t und ist daher bis zum Erreichen zumindest vergleichbarer westdeutscher L&auml;nderniveaus zielgerichtet fortzuf&uuml;hren. Dementsprechend sind der vertikale und horizontale Finanzausgleich sowie die gebotenen Sonderzuweisungen des Bundes zu gew&auml;hrleisten.&ldquo; Oder steht (weithin unbeachtet) eine ausreichende Forderung gar bereits im Grundgesetz? <\/p><p>Eine solche politische Forderung ist schon grunds&auml;tzlich deswegen sinnvoll, weil der Ost-West-Angleichungsprozess aus historischer Sicht nicht preisgegeben werden k&ouml;nnte, ohne die ostdeutsche Region in einer indifferenten &bdquo;globalisierten Sichtweise&ldquo; als permanente Unterentwicklungszone &bdquo;abzuschreiben&ldquo; und damit aufzugeben. Dies bildete nicht nur eine Verurteilung zur &bdquo;Armutszone Deutschlands&ldquo; f&uuml;r die rasch schrumpfende ostdeutsche Wohnbev&ouml;lkerung. Damit w&uuml;rde auch die echte fr&uuml;here DDR-Eigenleistung im industriellen Neuaufbau ihrer letzten 30 Existenzjahre historisch getilgt und der endg&uuml;ltigen Vergessenheit zugewiesen. <\/p><p>Im Gegensatz zu vorstehender Position hat in seinem letzten Jahresgutachten 2004\/2005 der Sachverst&auml;ndigenrat (SVR) der Bundesregierung einen g&auml;nzlich anderen Ma&szlig;stab f&uuml;r die zuk&uuml;nftige Entwicklung vorgegeben: <\/p><p>&bdquo;Die wirtschaftspolitische Aufgabe besteht demnach (weiterhin) darin, die &ouml;konomischen Nachteile der neuen Bundesl&auml;nder durch die unterschiedliche Entwicklung der beiden Gebietsst&auml;nde in der Zeit vor der Vereinigung auszugleichen und Bedingungen f&uuml;r eine sich selbst tragende wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen. Dagegen sollte die Wirtschaftspolitik nicht danach streben, einheitliche oder auch nur gleichwertige Lebensverh&auml;ltnisse in ganz Deutschland herstellen zu wollen. Dies ist auch kein Verfassungsgebot.&ldquo; (Ziff. 614, Hervorhebung von mir &ndash; K.M.) Das Grundgesetz fordert zwar ausdr&uuml;cklich von der f&ouml;deralen Finanzausgleichspolitik, &bdquo;dass die Einheitlichkeit der Lebensverh&auml;ltnisse im Bundesgebiet gewahrt wird&ldquo; (GG Artikel 106, Abs. 3, Pkt. 2), aber dies kann der SVR unwidersprochen ignorieren. <\/p><p>Ferner ist schon bemerkenswert, dass es angeblich nur um einen Ausgleich f&uuml;r &bdquo;die unterschiedliche Entwicklung der beiden Gebietsst&auml;nde in der Zeit vor der Vereinigung&ldquo; geht, was nicht nur einem auff&auml;lligen Wechsel des Vergleichsma&szlig;stabes entspricht, weil die tiefe Deindustrialierung durch die Treuhand-&Auml;ra ignoriert wird, sondern auch unterschiebt, dass das fr&uuml;her erreichte DDR-Niveau von 1989 immer noch als aktuelle Ursache f&uuml;r den Ost-West-R&uuml;ckstand zu gelten habe. Eine fatale ahistorische Sichtweise, die eher als ein Lapsus gelten k&ouml;nnte, wenn nicht nachfolgen w&uuml;rde: &bdquo;Dagegen sollte die Wirtschaftspolitik nicht danach streben, einheitliche oder auch nur gleichwertige Lebensverh&auml;ltnisse in ganz Deutschland herstellen zu wollen. Dies ist auch kein Verfassungsgebot.&ldquo;(!) <\/p><p>Damit ist eigentlich an wenig auffallender Stelle im aktuellen SVR-Jahresgutachten definitiv der wissenschaftsoffizielle Berater-Abgesang f&uuml;r einen weiteren Ost-West-Angleichungsprozess als Politikempfehlung an die Bundesregierung ausgesprochen. Willk&uuml;rlich argumentiert der SVR gegen die oben zitierte w&ouml;rtliche Grundgesetzbestimmung im Artikel 106, Abs. 3, Pkt.2 nach seinem Belieben. <\/p><p>Die DB-Research-Studie vom 10. 11.2004 flankiert diese vorstehende Feststellung mit den Worten: &bdquo;Das langfristige Wachstumspotenzial der &ouml;stlichen Bundesl&auml;nder liegt aufgrund demografischer Faktoren sp&uuml;rbar unter demjenigen der westlichen Bundesl&auml;nder.&ldquo; Dies schlie&szlig;t einen k&uuml;nftig weiteren Angleichungsprozess in der BIP-Leistung je Kopf nat&uuml;rlich aus. Und: &bdquo; Der Lebensstandard wird zwar weiterhin zunehmen, aber der Abstand zum Westen d&uuml;rfte anwachsen.&ldquo; (S. 1) <\/p><p>Die drohende Perspektive des weiteren Auseinanderklaffens der Ost-West-Lebensverh&auml;ltnisse, die vom Papier der Gutachtergruppe um v. Dohnanyi (April 2004) aufgegriffen wurde und zur dramatischen &ouml;ffentlichen Warnung diente, l&auml;sst den SVR offenbar kalt. Unbek&uuml;mmert zitiert der SVR in seinem letzten Jahresgutachten dann auch den pr&auml;zisen Entscheid des Bundesverfassungsgerichts vom 24.10.2002, wonach ein Eingreifen der Bundesregierung geboten ist, &bdquo;wenn sich die Lebensverh&auml;ltnisse in den L&auml;ndern der Bundesrepublik in erheblicher, das bundesdeutsche Sozialgef&uuml;ge beeintr&auml;chtigender Weise auseinander entwickelt haben oder sich eine derartige Entwicklung konkret abzeichnet.&ldquo; (S. 637) Voraussagen zu dieser konkreten Aussicht finden sich indessen nicht nur in Form alternativer Verlautbarungen aus der Memorandum-Gruppe, sondern auch in den letzten Experten-Studien aus der &bdquo;Mainstream&ldquo;-Wirtschaftsforschung. <\/p><p><strong>2. Weitere Sichtweisen auf die ostdeutschen Perspektiven<\/strong><\/p><p>Bis zum Jahresende 2004 sind einige wichtige Studien erschienen, die eine sehr skeptische bis negative Voraussage f&uuml;r die Zukunft mit zur&uuml;ckbleibender ostdeutscher Leistungsf&auml;higkeit signalisieren. Bereits Prof. Sinn hatte (2003) zu den ostdeutschen Indikatoren der Angleichung Ost an West erkl&auml;rt: &bdquo;Das sind keine Werte, die irgendwelche Hoffnungen auf einen Aufholprozess zulassen.&ldquo; <\/p><p>Die &Ouml;ffentlichkeit wurde am Anfang April 2004 durch das dramatisch-kritische Papier der von-Dohnanyi-Gruppe &uuml;berrascht, das schlagartig die ostdeutsche Misere erhellte und eine Wende in der Politik gegen&uuml;ber der gr&ouml;&szlig;ten innerdeutschen Unterentwicklungsregion einforderte. Dann folgten mehrere Verlautbarungen bzw. Studien aus Expertenkreisen:<\/p><ol type=\"a\">\n<li>eine erste Stellungnahme der Memorandum-Gruppe (Bremen) vom 26.April 2004 unter dem Titel &bdquo;Eine neue Wirtschaftsstrategie f&uuml;r Ostdeutschland&ldquo;, die sich generell und ausf&uuml;hrlicher zu einigen Schwerpunkten des Papiers der Gruppe um v. Dohnanyi &auml;u&szlig;erte<\/li>\n<li>eine Studie des FES-Managerkreises vom Mai 2004 unter dem Titel &bdquo;Doch noch ein Wirtschaftswunder in Ostdeutschland?&ldquo;<\/li>\n<li>eine Studie von Deutsche Bank Research vom 10.November 2004 unter dem Titel&bdquo;Perspektiven Ostdeutschlands &ndash; 15 Jahre danach&ldquo;<\/li>\n<li>das SVR-Jahresgutachten 2004\/2005 vom 15.11.2004, das auf ca. 90 Seiten seine ausf&uuml;hrliche Begutachtung zu Ostdeutschland vorlegte<\/li>\n<li>die kritische Verlautbarung &bdquo;Intervention&ldquo; aus der &bdquo;Memorandum-Gruppe&ldquo; vom November 2004 mit einer Bewertung ostdeutschen Entwicklungschancen aus alternativer Sichtweise.<\/li>\n<\/ol><p>Die unter a) und e) genannten Stellungnahmen aus der alternativen Sichtweise der Memorandum-Gruppe (Bremen) st&uuml;tzen jene Intentionen, die sich mit der Perspektive eines Mezzogiorno aus politischer Sicht nicht abfinden wollen. Die anderen Dokumente\/Studien dagegen nehmen sich hierin stark zur&uuml;ck oder akzeptieren das Erl&ouml;schen des &bdquo;Ost-West- Angleichungsprozesses&ldquo; und damit letztendlich eine &bdquo;Mezzogiorno&ldquo;-Perspektive. Letztere Studien werden daher mit ihren markantesten Aussagen original zitiert, um einen unverf&auml;lschten Eindruck beim Leser zu erwecken und einen konzentrierten &Uuml;berblick zu erm&ouml;glichen. (Siehe: 4. Anhang) <\/p><p>Die implizite Preisgabe einer konsequenten Politik zur Wiederbelebung des ostdeutschen effektiven Angleichungsprozesses bei hinreichender Zielstellung seitens des tonangebenden Sachverst&auml;ndigenrats (SVR) im Jahresgutachten 2004\/2005 hatte folgende die Konsequenz: die hierf&uuml;r notwendigen &ouml;konomischen Anstrengungen brauchten vom SVR nicht n&auml;her quantifiziert abgesch&auml;tzt und im Zeitverlauf projiziert werden. Die betrifft vor allem die Projektion der erforderlichen zus&auml;tzlichen Produktionspotentiale und hierf&uuml;r zus&auml;tzlich aufzubietende Investitionsvolumina (aus exogenen und endogenen Quellen) in den Export- und wichtigen Wachstumsbranchen der Industrie sowie die zugeh&ouml;rige induzierte Besch&auml;ftigungsentwicklung im Industriebereich. <\/p><p>Das noch bestehendes Defizit zwischen Endverbrauch und Eigenerzeugung in den neuen Bundesl&auml;ndern von ca. 115 Mrd. Euro im Jahr, das gegenw&auml;rtig durch Netto-Transfers und private Netto-Kapitalzufl&uuml;ssen abgedeckt wird, w&uuml;rde nur durch bedeutende zus&auml;tzliche und h&ouml;here private Kapitalinvestitionen in die ostdeutsche Wertsch&ouml;pfung behoben werden k&ouml;nnen. Bei einem Kapitalkoeffizienten von durchschnittlich 3,0 im Produzierenden Gewerbe (ohne Bau) m&uuml;ssten Kapitalinvestitionen von ca. 345 Mrd. Euro zus&auml;tzlich zur Schlie&szlig;ung dieser innerdeutschen &bdquo;Produktionsl&uuml;cke&ldquo; flie&szlig;en &ndash; auf zehn Jahre verteilt also j&auml;hrlich ca. 35 Mrd. Euro. Entsprechend einem durchschnittlichen Kapitaleinsatzkoeffizienten je Besch&auml;ftigten w&auml;re dann auch ein zugeh&ouml;riger industrieller Besch&auml;ftigungszuwachs gegeben. <\/p><p>Dies abzusichern w&auml;re u. a. schon m&ouml;glich, wenn bis zu einem Viertel des deutschen j&auml;hrlichen privaten Netto-Geldverm&ouml;genszuwachses und auch ein Anteil der Netto-Kapitalausfuhr ins Ausland alternativ in das Produktionspotential nach Ostdeutschland &bdquo;umgelenkt&ldquo; werden k&ouml;nnte. Die Netto-Geldverm&ouml;gensbildung der Privaten Haushalte betrug 2003 125,5 Milliarden Euro und die Netto-Kapitalausfuhr ins Ausland betrug 70 Milliarden Euro (nach Angaben der Bundesbank).Die nationalen Potenzen f&uuml;r den Aufholprozess Ost zu West sind keineswegs derzeit ersch&ouml;pft, wenn man den privaten Finanzierungsquellen neue echte Marktchancen er&ouml;ffnen k&ouml;nnte. Damit w&auml;re mehr als eine Verdreifachung des gegenw&auml;rtigen viel zu geringen gesamten privaten Investitionsvolumens im Produzierenden Gewerbe Ost zu erreichen. <\/p><p><strong>3. Einige Folgerungen f&uuml;r die ostdeutschen Perspektiven <\/strong><\/p><p>Wir k&ouml;nnten nun die eingangs gestellte thematische Fragestellung vorzugsweise aus der dominierenden Sichtweise der zitierten &bdquo;Mainstream&ldquo;-Studien heraus beantworten: <\/p><p>Die Hauptfrage nach der Wiederbelebung eines Aufholprozesses Ost-West ist inzwischen realistischer Weise als erledigt zu betrachten, nachdem auch der SVR in seiner sehr ausf&uuml;hrlichen Analyse hierzu keine Aussagen getroffen hat, die &ndash; verbindlich oder hinreichend begr&uuml;ndet &ndash; diese Hoffnung n&auml;hren k&ouml;nnten. Die umfangreiche Begutachtung durch die DB Research birgt dieselbe Konsequenz, vor allem gest&uuml;tzt auf den ostdeutschen demografischen Prozess.<br>\nDie Studie des FES-Manager-Kreises formuliert zwar die radikale Erh&ouml;hung der privaten Direktinvestitionen im ostdeutschen Exportsektor als Voraussetzung f&uuml;r einen weiteren Schub im Aufholprozess &ndash; ignoriert aber u. a. den Widerspruch zu den bestehenden fiskalischen Rahmenbedingungen, f&uuml;r den sie keine optimale Aufl&ouml;sung anbietet. <\/p><p>Alle vorgenannten Studien sind sich darin einig, dass die derzeitigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen Ost insgesamt keine fortschreitende Ost-West-Angleichung mehr bef&ouml;rdern, sondern weiterhin das Gegenteil zulassen: die Abkopplung zumindest gro&szlig;er Teile der ostdeutschen Unterentwicklungsgebiete hin in Richtung Typ &bdquo;Mezzogiorno.&ldquo; <\/p><p>Damit w&auml;re aus der aktuellen Berater-Sichtweise die aufgeworfene Fragestellung gem&auml;&szlig; der &Uuml;berschrift dieses Beitrages zu bejahen. Daran &auml;ndern auch nichts die fast beschw&ouml;renden Vorschl&auml;ge und Ans&auml;tze von anderer, auch kompetenter Seite, diese fatale Entwicklung zu bremsen oder zu vermeiden. Insofern sind viele der konkreten Vorschl&auml;ge auch in den vorgenannten Studien zu Einzelma&szlig;nahmen zwar nicht wirkungslos, jedoch letztlich qualitativ unzureichend angesichts der schon absehbaren unterschiedlichen Entwicklungsdynamik und -pfade im Verh&auml;ltnis der zwei &ouml;konomisch und sozial auseinander laufenden deutschen Landesteile innerhalb der EU. <\/p><p>Abschlie&szlig;end und im Gegensatz hierzu die Position aus den o. a. Verlautbarungen aus der &bdquo;Memorandum-Gruppe&ldquo; (Bremen) hinsichtlich der &bdquo;Perspektiven Ost&ldquo;: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es sind bisher faktisch keine wirtschaftspolitischen Ans&auml;tze erkennbar, dass k&uuml;nftig eine R&uuml;ckkehr zur Beschleunigung der Wachstumsdynamik der ostdeutschen Unterentwicklungsregion im Rahmen der gegenw&auml;rtigen neoliberalen Politik erfolgen wird. Insofern ist derzeit f&uuml;r Ostdeutschland eine nur unzureichende H&ouml;he der Wachstumsrate (im Vergleich zu Westdeutschland) k&uuml;nftig vorprogrammiert bzw. wahrscheinlich, die eine z&uuml;gige Niveauangleichung der BIP-Leistung je Kopf weiterhin behindert. Diese Analyse erschlie&szlig;t die Sicht auf einen notwendigen Strategiewechsel, um den Angleichungsprozess Ost an West, gest&uuml;tzt auf die gro&szlig;en Potentiale in ganz Deutschland, wieder in Gang zu bringen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Nach Diskussion der objektiven Entwicklungspfade f&uuml;r Ostdeutschland kommt die letzte Verlautbarung &bdquo;Intervention&ldquo; aus der Memorandum-Gruppe zu dem Ergebnis: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die heftige Ost-Debatte des Jahres 2004 hat die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen des Dilemmas der deutschen Unterentwicklungsregion schlagartig erhellt. Mit &ldquo;weiter so!&rdquo; ger&auml;t die Politik ins historische Hintertreffen nach der Vereinigung. Der Einstieg in eine neue Strategie zur Wiederbelebung des Aufholprozesses ist zwar politisch wenig wahrscheinlich und unter den gegenw&auml;rtigen Zw&auml;ngen der &bdquo;Haushaltskonsolidierung&ldquo; verstellt, aber als anmahnende alternative Forderung unverzichtbar.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Ein Wechsel in der gesamtdeutschen Wirtschaftspolitik, der auch die ostdeutschen fiskalischen Vorbedingungen f&uuml;r einen neuen industriellen Wachstumsimpuls &ouml;ffnet, ist daher dringend geboten. Das Grundanliegen der Beratergruppe um v. Dohnanyi harrt weiter seiner ad&auml;quaten Verwirklichung: Forcierung des Angleichungsprozesses Ost-West als nationale Hauptaufgabe nach der Vereinigung &ndash; wof&uuml;r auch wiederholt Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt an alle Deutschen mit gro&szlig;er Eindringlichkeit appellierte. Wird diese historische Aufgabe nicht gesamtdeutsch geschultert, dann ger&auml;t in der Tat das ostdeutsche Unterentwicklungsgebiet endg&uuml;ltig zum nationalen &bdquo;Mezzogiorno&ldquo; mit weitreichenden, dramatischen Konsequenzen f&uuml;r die deutsche Volkswirtschaft und f&uuml;r viele B&uuml;rger im seit 1990 &bdquo;vereinigten Vaterland&ldquo;.<br>\nDiejenigen, denen auch die letzten ostdeutschen Erwartungen an die Einheit l&auml;ngst ein Dorn im Auge sind, werden mit Freuden die Parole aufnehmen, die der Journalist und Buchautor Wolfgang Herles wie folgt formuliert hat: &bdquo;Die &sbquo;Vollendung der Einheit&rsquo; ist ein Hirngespinst, noch dazu ein gef&auml;hrliches.&ldquo; Das Nicht-Vollenden der Einheit in absehbarer Frist dagegen muss infolge der weitreichenden und historisch dramatischen Konsequenzen aus nationaler Sichtweise als unverzeihlicher Fehler der deutschen Politik bezeichnet werden.<br>\nNachstehend folgt ein erg&auml;nzender &Uuml;berblick zu den wichtigsten Aussagen der hier angef&uuml;hrten Expertenstudien aus der Wirtschaftsforschung zu wirtschaftspolitischen Strategien und Ma&szlig;nahmen. <\/p><p><strong>4. Anhang: Textstellen aus den Studien der Wirtschaftsforschung<\/strong><\/p><p><strong>4.1. Zur Studie des FES-Managerkreises vom Mai 2004 <\/strong><\/p><p>Die vorgelegte FES-Experten-Studie reagierte auf das dramatisch-kritische Papier der Beratergruppe um v. Dohnanyi (vom Anfang April 2004) und bezog u.a. zur erforderlichen Wachstumsstrategie eine klare Position. Hier einige wichtige Kernaussagen: <\/p><blockquote><p>\nLeitsatz. &bdquo;Wenn die westdeutsche Wirtschaft zu schwach w&auml;chst, kann Ostdeutschland nicht aufholen und wenn die ostdeutsche Wirtschaft nicht aufholt (und damit die Transferzahlungen verringert werden), kann die westdeutsche Wirtschaft nicht so gut wachsen. Verteilungsdiskussionen bringen keine L&ouml;sungen. Es m&uuml;ssen L&ouml;sungen f&uuml;r Wachstum in West- und Ostdeutschland gefunden werden, Verteilungskontroversen f&uuml;hren nicht weiter.&ldquo; (S. 5)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Ostdeutschland braucht einen Aufholprozess in irischen Dimensionen, sollen die bestehenden Disparit&auml;ten zum Westen &uuml;berwunden und ein Beitrag zu mehr Wachstum und Besch&auml;ftigung geleistet werden.&ldquo; (S. 1)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Der wirtschaftliche Aufholprozess in Ostdeutschland wird von allen Seiten gefordert. Es wird jedoch sehr oft untersch&auml;tzt, welche Wachstumsdynamik daf&uuml;r entfesselt werden muss. Ostdeutschland m&uuml;sste, um im Jahr 2020 &uuml;ber 90 % der westdeutschen Wirtschaftsleistung pro Kopf zu erreichen, ab dem n&auml;chsten Jahr jedes Jahr 2,5 %-Punkte schneller wachsen als Westdeutschland (um ganz aufzuholen sogar &uuml;ber 3 %). F&uuml;r die n&auml;chsten 16 Jahre w&uuml;rde das Wachstumsraten von durchschnittlich 4 % bis 5 % pro Kopf bedeuten. F&uuml;r einen in diesen Dimensionen m&ouml;glichen Aufholprozess w&auml;re ein Wirtschaftswunder, wie es Irland in den 80er und 90er Jahren erreicht hat, n&ouml;tig.&ldquo; (S. 5)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Um im Jahr 2020 etwa 90 % des wahrscheinlichen westdeutschen Niveaus des Jahres 2020 zu erreichen, m&uuml;ssen 300.000 zus&auml;tzliche Arbeitspl&auml;tze in der Exportbasis entstehen. Nur durch eine drastische Steigerung der Direktinvestitionen kann das gelingen. Das verarbeitende Gewerbe ist f&uuml;r einen Expansionsprozess gut ger&uuml;stet. Das niedrige Niveau begrenzt jedoch die quantitativen Wirkungen, so dass der interne Wachstumsprozess mehr als bisher durch erhebliche Direktinvestitionen verst&auml;rkt werden muss.&ldquo; (S. 1-2)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Die Wirtschaftsf&ouml;rderung in Ostdeutschland steht unter Zeitdruck. Nach 2010 wird sich diesj&auml;hrige Zahl der Berufsanf&auml;nger in etwa halbieren. Aus der demografischen Entwicklung folgt fast zwingend, dass die Chancen Ostdeutschlands auf gr&ouml;&szlig;ere Neuansiedlungen von Unternehmen oder auch auf gr&ouml;&szlig;ere Expansionsentscheidungen im Zeitablauf zur&uuml;ckgehen werden. Die Anwerbung von Direktinvestitionen muss deshalb absolute Priorit&auml;t erhalten, da es ein ausreichendes endogenes Potential, um die Arbeitsplatzl&uuml;cke zu schlie&szlig;en, nicht gibt. Ostdeutschland muss seine Standortbedingungen verbessern und seine bereits vorhandenen Standortvorteile viel h&auml;rter vermarkten.&ldquo; (S. 16)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Der demografische Wandel mit einer absinkenden Zahl von Erwerbst&auml;tigen sorgt f&uuml;r eine deutliches Absinken der Einnahmen (um 20-40 %), w&auml;hrend verschiedene Ausgabenbl&ouml;cke wie z.B. Pflege und Gesundheit strukturell steigen werden (um 20-30 %). Bei r&uuml;ckl&auml;ufiger Einwohnerzahl drohen auch die Verwaltungsleistungen deutlich teurer zu werden. Die erforderlichen Einsparungen k&ouml;nnen nicht mehr nach den bisherigen Methoden ereicht werden. Ein grundlegender Umbau und eine durchgehende Vereinfachung der Verwaltung ist notwendig.&ldquo; (S. 15)\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Nachstehend einige wichtige Vorschl&auml;ge f&uuml;r Einzelma&szlig;nahmen: <\/strong><\/p><p><strong>Ausbau der Entwicklungsagentur<\/strong>:<\/p><blockquote><p>So hat die vergleichbare Organisation von Tschechien 200 Mitarbeiter, w&auml;hrend der IIC nur &uuml;ber 31 Mitarbeiter verf&uuml;gt. Die Bundesregierung sollte die bestehenden Strukturen zusammen mit den ostdeutschen L&auml;ndern st&auml;rken, um den Standort Ostdeutschland wirkungsvoller vermarkten zu k&ouml;nnen.\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Konzentration der F&ouml;rderung auf Exportbasis und Wachstumspole:<\/strong><\/p><blockquote><p>F&uuml;r eine Optimierung der k&uuml;nftigen F&ouml;rderstrukturen,bezogen auf eine langfristige Entwicklungsstrategie, sind detaillierte Wirkungsanalysen erforderlich. Wir erwarten, dass bei der F&ouml;rderung von Hightechbereichen die immer wieder angemahnte Clusterbildung ein wichtiger Gesichtspunkt sein wird, da nur wenige ostdeutsche Stadtregionen das Potential f&uuml;r den Aufbau von Besch&auml;ftigung in diesen Bereichen haben. Diese regionale Ungleichbehandlung erzeugt nat&uuml;rlich Widerst&auml;nde, da unter dem Schlagwort &bdquo;Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen&ldquo; Ausgleichsma&szlig;nahmen gefordert werden.\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Bessere Vermarktung der hohen Arbeitsmotivation der Ostdeutschen:<\/strong><\/p><blockquote><p>Die Anwerbung von Direktinvestitionen darf sich daher nicht nur auf den Hochtechnologiebereich beschr&auml;nken. Ostdeutschland kann auch noch weit st&auml;rker Backoffice-Funktionen &uuml;bernehmen, da nur hier qualifizierte Erwerbsf&auml;hige mit relativ geringen Lohnanspr&uuml;chen und guten Deutschkenntnissen verf&uuml;gbar sind. Die Lohnkostenvorteile d&uuml;rfen nicht mehr versch&auml;mt versteckt, sondern m&uuml;ssen offensiv vermarktet werden.\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Lokale Wettbewerbsvorteile ausbauen:<\/strong><\/p><blockquote><p>Standortbedingungen werden langfristig von der lokalen Politik auch &uuml;ber die Qualit&auml;t von Bildungseinrichtungen und Wohnangeboten mitbestimmt. Vorteile in der wirtschaftlichen Entwicklung, die durch lokale Politik hervorgerufen werden, verst&auml;rken sich im Zeitablauf.&ldquo; (S. 16-18)<\/p><\/blockquote><p>Zu den vorstehenden Einzelma&szlig;nahmen ist &uuml;berwiegend Konsens zu erwarten. <\/p><p><strong>4.2. Zur Studie von &bdquo;Deutsche Bank Research&ldquo; vom 10.November 2004 <\/strong><\/p><p>Aus dieser umfangreichen und inhaltlich weit gespannten Studie soll nun eine begrenzte Auswahl von Kerns&auml;tzen zitiert werden, die sich auf die Wachstumschancen Ost direkt beziehen: Wichtiger Leitsatz der Studie: <\/p><blockquote><p>Die Orientierung an Westdeutschland wird angesichts der EU-Osterweiterung immer weniger relevant. (S. 1)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Eine Angleichung des Lebensstandards f&uuml;r den Durchschnitt der ostdeutschen L&auml;nder ist angesichts der geringen M&ouml;glichkeiten der Politik, dem demografischen Trend gegenzusteuern, nicht zu erreichen. (S.4)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Da die Bev&ouml;lkerung in den ostdeutschen L&auml;ndern schneller altern und st&auml;rker schrumpfen wird als in Westdeutschland, ist mit Blick auf die davon ausgehenden negativen Effekte auf das Wachstumspotenzial eines klar: Die Angleichung, die bisher nicht erreicht wurde, kann inden kommenden Dekaden schwerlich nachgeholt werden. Im Gegenteil: der Abstandzwischen West und Ost wird sich demografisch bedingt sogar noch vergr&ouml;&szlig;ern. (S. 36)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Setzt sich der seit Mitte der 90er Jahre zu beobachtende R&uuml;ckgang der Investitionen fort und\/oder f&auml;llt der Beitrag des technischen Fortschritts angesichts alternder Belegschaften geringer als bisher aus, w&uuml;rde die Wirtschaft Ostdeutschland kontinuierlich schrumpfen. (S. 42)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&Uuml;berdies ist die Produktivit&auml;t des ostdeutschen Kapitalstocks, die Mitte der 90er Jahre noch um bis zu 20% &uuml;ber der westdeutschen lag, drastisch gesunken und lag 2001 nur noch bei 90% des Westniveaus. Dies bedeutet, dass heute in Ostdeutschland pro eingesetzte Kapitaleinheit gut ein Viertel weniger produziert werden kann als 1995. &hellip; Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, sinkt das ostdeutsche Wachstumspotenzial auch ohne demografische Belastung. (S. 37)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Die divergierenden Entwicklungen des Wachstumspotenzials f&uuml;hren in unserem Basisszenarium, das konstante Erwerbspersonenquoten f&uuml;r die Bundesl&auml;nder unterstellt, dazu, dass das BIP pro Kopf in Ostdeutschland bis 2020 von derzeit 64,5% auf 60% des Westniveaus sinkt (unter der Annahme gleicher Wachstumsbeitr&auml;ge von Kapital und technischem Fortschritt in Ost und West). &hellip;&ldquo; &bdquo; Damit w&uuml;rde Ostdeutschland bis 2050 wieder auf das Niveau von Mitte der 90er Jahre zur&uuml;ckfallen. (S. 44)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>R&uuml;ckl&auml;ufige Staatsausgaben und gr&ouml;&szlig;ere regionale Unterschiede &ndash; auch bei den &ouml;ffentlichen Finanzen &ndash; sind f&uuml;r die Zukunft wahrscheinlich. Die Anpassungserfordernisse werden f&uuml;r die ostdeutschen Bundesl&auml;nder besonders gro&szlig; sein. (S. 51)<\/p><\/blockquote><p>Dies gelte infolge der erforderlichen Reform des f&ouml;deralen Finanzausgleichs. Die Studie der DB Research vermittelt insgesamt einen n&uuml;chternen pessimistischen Ausblick f&uuml;r die Zukunft der neuen Bundesl&auml;nder, die sich damit auf dem Niveau eines permanenten R&uuml;ckstandes (&bdquo;Mezzogiorno-Ost&ldquo;) bewegt. <\/p><p>Daran k&ouml;nnen auch die umfangreichen wirtschaftspolitischen Empfehlungen nichts &auml;ndern, die der Bundesregierung gegeben wurden. Kritisch sind vor allem folgende Auffassungen zu bewerten bzw. zu diskutieren: <\/p><blockquote><p>Die massiv betriebene Subventionierung von Investitionen sollte z&uuml;gig abgebaut werden. Dies sollte schrittweise bis 2010 erledigt sein. Der innerdeutsche Subventionswettlauf ist kontraproduktiv. Gefordert ist u. a. eine &Uuml;berpr&uuml;fung und Reform des gesamten F&ouml;rderinstrumentariums, einschlie&szlig;lich der EU-Regionalhilfen. Die Gemeinschaftsaufgabe &bdquo;F&ouml;rderung der regionalen Wirtschaftsstruktur&ldquo; sollte aufgel&ouml;st und die Investitionszulage mittelfristig abgeschafft werden.&ldquo; (S. 6) &bdquo;Eine explizite, gar ausschlie&szlig;liche F&ouml;rderung von so genannten &bdquo;Clustern&ldquo; w&auml;re jedoch nicht zielf&uuml;hrend. Daf&uuml;r fehlen h&auml;ufig die wirtschaftlichen Voraussetzungen, sieht man insgesamt drei bis vier Branchen in Sachsen, Th&uuml;ringen und Sachsen-Anhalt ab. (S. 6)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Statt des Wettbewerbs &uuml;ber die Bemessungsgrundlage in der Steuerpolitik und die Ansiedlungssubventionen sollten &uuml;ber die Gewerbesteuer hinaus auch Zu- und Abschl&auml;ge in der Einkommen- und K&ouml;rperschaftsteuer erm&ouml;glicht werden. Gr&ouml;&szlig;ere Freiheiten im Wirtschafts- und Arbeitsrecht w&auml;ren ebenfalls notwendig, um st&auml;rkere Anreize f&uuml;r die private Investitionst&auml;tigkeit setzen zu k&ouml;nnen. (S. 5)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Angesichts der erheblichen Fortschritte in der Versorgung der &ouml;stlichen Bundesl&auml;nder mit &ouml;ffentlicher wirtschaftsnaher Infrastruktur sind lediglich Investitionen zur Schlie&szlig;ung fortbestehender L&uuml;cken notwendig. (S. 7)<\/p><\/blockquote><p>Mit dieser sehr knappen Wiedergabe der Leitgedanken und Vorschhl&auml;ge der DB-Research-Studie kommen wir zum n&auml;chsten Dokument. <\/p><p><strong>4.3. Zum SVR-Jahresgutachten 2004\/2005 <\/strong><\/p><p>Mit au&szlig;ergew&ouml;hnlicher Ausf&uuml;hrlichkeit hat der SVR die ostdeutsche Lage und die weiteren Perspektiven er&ouml;rtert, nachdem die vorangegangene &ouml;ffentliche Debatte zu Ostdeutschland eine F&uuml;lle von Aspekten und Tendenzen in emotionaler Weise aufgew&uuml;hlt hatte. Hier nun weitere Kerns&auml;tze aus dem neuen Jahresgutachten: <\/p><blockquote><p>Ein wirkliches Patentrezept f&uuml;r den Aufbau Ost gibt es nicht. (S. 637) Ein K&ouml;nigsweg f&uuml;r den Aufbau Ost ist nicht in Sicht. (S. 631)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Die Lage auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt ist nach wie vor trist, eine durchgreifende Besserung nicht in Sicht.&ldquo; (S. 671) Es &bdquo;gebietet der internationale Standortwettbewerb &ndash; nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Beitritts zehn neuer L&auml;nder zur Europ&auml;ischen Union im Mai dieses Jahres &ndash; die Lohnst&uuml;ckkostenentwicklung r&uuml;ckl&auml;ufig zu gestalten, das hei&szlig;t, der durch den Produktivit&auml;tsfortschritt gekennzeichnete Verteilungsspielraum darf nicht ausgesch&ouml;pft werden. (S. 674)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Der Aufbau Ost ist nicht gescheitert; gleichwohl sind Kurskorrekturen erforderlich. (S. 632) <\/p><\/blockquote><blockquote><p>Die grunds&auml;tzliche Frage, ob eine spezifische Wachstums- und F&ouml;rderpolitik f&uuml;r Ostdeutschland notwendig ist, wird man angesichts der wirtschaftlichen Besonderheiten der ostdeutschen Regionen prinzipiell bejahen m&uuml;ssen. (Ziffer 43) Die gegenw&auml;rtige F&ouml;rderpolitik weist betr&auml;chtliche M&auml;ngel auf. (S. 631)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Bis zum Jahr 2030 wird die Bev&ouml;lkerung in den ostdeutschen Fl&auml;chenl&auml;ndern um fast 20 vH zur&uuml;ckgehen. Dies hat weit reichende Konsequenzen f&uuml;r die &ouml;ffentlichen Haushalte, die bei heutigen Ausgaben- und Infrastrukturentscheidungen zu ber&uuml;cksichtigen sind. [&hellip;] eine verbesserte Einnahmesituation bei den L&auml;ndersteuern w&uuml;rde au&szlig;erdem durch verminderte Ausgleichszahlungen &uuml;ber den horizontalen L&auml;nderfinanzausgleich &bdquo;bestraft&ldquo;. (S. 654)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Die speziell und ausschlie&szlig;lich f&uuml;r Ostdeutschland gew&auml;hrten Unterst&uuml;tzungsleistungen, also vor allem die Solidarpakt-Mittel und besondere Programme zur Wirtschaftsf&ouml;rderung in den neuen Bundesl&auml;ndern, belaufen sich auf rund 15 Mrd. Euro j&auml;hrlich. Das sind etwa 13 vH der j&auml;hrlichen Bruttotransfers. Sie stellen den Ansatzpunkt f&uuml;r eine Neuausrichtung der F&ouml;rderpolitik in Ostdeutschland dar. (S. 637\/638) F&uuml;r den Aufbau Ost sind &uuml;ber den Solidarpakt II hinaus keine zus&auml;tzlichen Mittel erforderlich; es kommt vielmehr darauf an, die zugesagten Mittel auch vern&uuml;nftig zu nutzen. (S. 632) Eine Aufschn&uuml;rung des Solidarpakts II stellt auch keine besonders realistische Politikoption dar. (S. 656) Aus den Fortschrittsberichten f&uuml;r das Jahr 2002 wurde deutlich, dass die ostdeutschen Fl&auml;chenl&auml;nder bis auf Sachsen die Sonderbedarfs-Bundeserg&auml;nzungszuweisungen nur zu geringen Teilen f&uuml;r die vorgesehenen Zwecke und &uuml;berwiegend zur Deckung laufender Ausgaben eingesetzt haben. Auch die Fortschrittsberichte der neuen Bundesl&auml;nder f&uuml;r das Jahr 2003 weisen erneut hohe Fehlverwendungsquoten aus. (S. 651)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Zusammenfassend sollte klar sein, dass die ostdeutschen L&auml;nder in Zukunft mit erheblich geringeren Einnahmen rechnen m&uuml;ssen Zu bef&uuml;rchten ist, das dies zu Forderungen nach einem Solidarpakt III f&uuml;hren wird. Ein Solidarpakt III sollte unmissverst&auml;ndlich ausgeschlossen werden. Die ostdeutschen L&auml;nder m&uuml;ssen ihre Haushalte &uuml;ber die Ausgabenseite konsolidieren. (S. 671)<\/p><\/blockquote><p>Nachstehend eine knappe Auswahl von vorgeschlagenen wirtschaftspolitischen Ma&szlig;nahmen, die aus der gef&uuml;hrten Diskussion entspringen: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Sonderwirtschaftszonen in Ostdeutschland stellen einen weiteren Vorschlag f&uuml;r eine Kurskorrektur beim Aufbau Ost dar. Davon ist wenig zu halten. Sonderwirtschaftszonen d&uuml;rften schon EG-rechtlich nur eingeschr&auml;nkt zul&auml;ssig sein. Wer mehr regionale Differenzierung will, sollte auf einen konsequenten Wettbewerbsf&ouml;deralismus setzen, nicht auf Sonderwirtschaftszonen.&ldquo; (S 637)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&bdquo;Erg&auml;nzend findet sich der Vorschlag einer cluster-orientierten F&ouml;rderpolitik. Die Bundesregierung hat in ihrem aktuellen Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit 2004 eine solche Umorientierung der F&ouml;rder- und Strukturpolitik angek&uuml;ndigt. Vor &uuml;berzogenen Erwartungen an eine Clusterf&ouml;rderung muss jedoch gewarnt werden. Sie kann Teil einer Strategie f&uuml;r den Aufbau Ost sein. Sie in den Mittelpunkt einer Neuausrichtung der F&ouml;rderpolitik stellen zu wollen, deutet aber eher auf eine gewisse Ratlosigkeit als auf ein &uuml;berzeugendes Gesamtkonzept hin.&ldquo; (S. 637)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&bdquo;Neben dem Ausgleich der unterproportionalen Finanzkraft und dem infrastrukturellen Nachholbedarf sollten die Solidarpakt-II-Mittel auch f&uuml;r gewerbliche Investitionsf&ouml;rderung sowie zur Schuldentilgung eingesetzt werden k&ouml;nnen.&ldquo; (S. 646)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&bdquo;Investitionshilfen im Rahmen der GA k&ouml;nnen als sachkapital- oder lohnbezogene Zusch&uuml;sse vergeben werden. F&ouml;rderf&auml;hig sind dabei die Lohnkosten f&uuml;r im Zusammenhang mit Erstinvestitionen eingestellte Personen w&auml;hrend eines Zeitraums von zwei Jahren. Dabei muss der &uuml;berwiegende Teil der gef&ouml;rderten Arbeitspl&auml;tze eine &uuml;berdurchschnittliche Qualifikationsanforderung oder eine besonders hohe Wertsch&ouml;pfung aufweisen oder in einem Bereich mit besonders hohem Innovationspotential anfallen.&ldquo; (S. 647)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&bdquo;Insofern w&auml;re die Folgerung voreilig, die Infrastrukturf&ouml;rderung stark einzuschr&auml;nken und die Mittel auf die F&ouml;rderung der gewerblichen Investitionen zu konzentrieren. Es handelt sich vielmehr um komplement&auml;re F&ouml;rderwege. Die F&ouml;rdermittel f&uuml;r den Aufbau Ost sollten also sowohl f&uuml;r die Schlie&szlig;ung einer verbleibenden Infrastrukturl&uuml;cke als auch f&uuml;r die gewerbliche Investitionsf&ouml;rderung eingesetzt werden. Welche Investitionen in welchem Umfang gef&ouml;rdert werden, kann am besten vor Ort in den ostdeutschen Kommunen und L&auml;ndern entschieden werden.&ldquo; (S. 650)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&bdquo;Der Sachverst&auml;ndigenrat hat sich wiederholt f&uuml;r ein Auslaufen des Investitionszulagengesetzes ausgesprochen (zuletzt JG 2002 Ziffer 388). Problematisch ist insbesondere, dass auf diese Zulage ein Rechtsanspruch besteht und vergleichsweise hohe Mitnahmeeffekte ausgel&ouml;st werden. Sinnvoll w&auml;re demgegen&uuml;ber eine einzelfallbezogene und regionalpolitischen Zielen entsprechende Investitionsf&ouml;rderung.&ldquo; (S. 657)<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl Mai &ndash; Zu Konsequenzen aus der wissenschaftlichen Politikberatung<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[131,133,30],"tags":[277,575,276,291,455],"class_list":["post-160","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","category-wichtige-wirtschaftsdaten","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-ddr","tag-ostdeutschland","tag-treuhand","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-wirtschaftsweise"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/160","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=160"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/160\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58690,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/160\/revisions\/58690"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=160"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=160"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=160"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}