{"id":16001,"date":"2013-01-29T17:28:09","date_gmt":"2013-01-29T16:28:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16001"},"modified":"2015-06-23T15:41:01","modified_gmt":"2015-06-23T13:41:01","slug":"meinungsmache-bestimmt-das-politische-leben-nr-4-die-parteistrategen-verkunden-offen-wie-sie-die-wahlerinnen-rumkriegen-wollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16001","title":{"rendered":"Meinungsmache bestimmt das politische Leben Nr. 4: Die Parteistrategen verk\u00fcnden offen, wie sie die W\u00e4hler\/Innen rumkriegen wollen."},"content":{"rendered":"<p>Quasi als Nachklapp zu den Wahlen in Niedersachsen kann man in diesen Tagen mit einem Blick in die Medien geb&uuml;ndelt und direkt aus dem Mund von Parteisprechern erfahren, welche Themen und Botschaften die Parteien im weiteren Verlauf des Wahlkampfes ansprechen wollen, wie sie ihr Image und die W&auml;hlerpotenzial erweitern wollen, welche F&uuml;hrungspersonen welche Rolle &uuml;bernehmen sollen usw.  Normalerweise w&uuml;rde gelten, dass die Parteistrategen solche &Uuml;berlegungen anstellen und anwenden. Jetzt wird uns erkl&auml;rt und &ouml;ffentlich diskutiert, wie das gehen soll. Die Parteien halten ihre potentiellen W&auml;hlerInnen offensichtlich f&uuml;r unsensibel, kritiklos und absolut manipulierbar. Am Beispiel eines Mediums, der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom Montag sollen einige konkrete F&auml;lle skizziert werden. Von <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nVorweg: die S&uuml;ddeutsche dient hier nur als Beispiel. Auch andere Medien h&auml;tten zum Beleg herhalten k&ouml;nnen.<br>\nEine Doppelseite, die Seiten 4 und 5, liefern schon die Mehrzahl der Belege: <\/p><ol type=\"a\">\n<li>&bdquo;Und nun: wieder in Inhalte&ldquo; und &bdquo;Weg von der Person Steinbr&uuml;ck, hin zum Sozialen &ndash; die SPD lernt&ldquo; hei&szlig;t es auf Seite 4 in einem Bericht zur SPD-Strategie und ihrer Klausur vom Sonntag und Montag. Darin wird berichtet, zu der urspr&uuml;nglichen Absicht des SPD-Spitzenkandidaten, seine Partei wolle Wahlkampf gegen die Finanzm&auml;rkte f&uuml;hren, stelle nun der SPD die soziale Gerechtigkeit ins Zentrum ihres Wahlkampfes. Dann werden einige Themen genannt, die diese Schwerpunktsetzung unterf&uuml;ttern sollen: konkrete Vorschl&auml;ge f&uuml;r eine einigerma&szlig;en anst&auml;ndige Zahlung von Arbeitnehmern, den Kampf gegen Altersarmut und bessere Bildung.<\/li>\n<li>Auf Seite 5 wird dann noch ein weiteres Profilierungsthema zur Unterf&uuml;tterung des Sozialimages beschrieben: die SPD wolle 5 Milliarden f&uuml;r die soziale Stadtentwicklung in Metropolen ausgeben. Im Antrag des Parteivorsitzenden f&uuml;r eine gro&szlig;e St&auml;dtebaukonferenz in Hamburg hei&szlig;e es, die soziale Stadtentwicklung sei die Grundlage und Voraussetzung f&uuml;r Innovation, Fortschritt und soziale Gerechtigkeit. Im gleichen Artikel wird dann weiter berichtet, der Kanzlerkandidat Steinbr&uuml;ck wolle auf der Klausurtagung seine Vorschl&auml;ge f&uuml;r die SPD-Wahlkampfthemen pr&auml;sentieren. Im Mittelpunkt sollen Themen gesellschaftlicher Gerechtigkeit stehen, wie Mindestlohn, Kampf gegen die Altersarmut und eine solide Finanzpolitik. W&ouml;rtlich wird Sigmar Gabriel zitiert : &bdquo;Wir wollen wieder das erreichen, was Deutschland stark gemacht hat: ein soziales Gleichgewicht.&ldquo; Und Gabriel weiter, sozusagen ein Versuch zur Beruhigung von W&auml;hlern, denen das vielleicht dann doch zu viel nach Manipulationsversuch klingen k&ouml;nnte oder denen gar Zweifel kommen k&ouml;nnten, wie sich die neue Schwerpunktsetzung mit der Politik der vergangenen Jahre vertr&auml;gt: &bdquo;F&uuml;r uns ist Gerechtigkeit kein Wahlkampfthema, sondern eine innere Haltung, um die man k&auml;mpfen muss.&ldquo; Das ist erkennbar eine affirmative Strategie.<\/li>\n<li>Auf der gleichen Seite steht ein gro&szlig;er Artikel &uuml;ber die strategischen Erw&auml;gungen von CDU und CSU. Er ist &uuml;berschrieben mit &bdquo;A bisserl sozialpopulistisch&ldquo;. Die CSU dr&auml;nge auf einen Kurswechsel. Und auch bei der CDU sei es mit der N&auml;he zur marktliberalen FDP erstmal vorbei: die Union mache die Gerechtigkeit zu einem zentralen Wahlkampfthema. Dann wird berichtet, Seehofer habe zu diesem Ziel zum Rentenkongress der CSU ausgerechnet und demonstrativ Norbert Bl&uuml;m als Gast eingeladen. Seehofer setze schon l&auml;nger auf soziale Themen. Mit Blick auf die berichtete Absicht der SPD, einen Wahlkampf um die soziale Gerechtigkeit in Deutschland zu f&uuml;hren, finde man in M&uuml;nchen, die Schwesterpartei CDU m&uuml;sse deshalb endlich auch a bisserl sozial populistisch werden. Seit dem Schock von Niedersachsen scheine die CDU in der Tat nun ihr Profil offensiv verbreitern zu wollen. Die Kanzlerin habe schon am Tag nach der Wahl erkl&auml;rt, die CDU werde sich jetzt nicht mehr scheuen, auch gegen den Willen der FDP allgemeine Lohnuntergrenzen zum Thema zu machen. Die Ministerpr&auml;sidenten von Th&uuml;ringen, Christine Lieberknecht (CDU) wolle den Mindestlohn sogar ohne R&uuml;cksicht auf die FDP durchsetzen. Und selbst der konservative Schwabe Volker Kauder habe erkl&auml;rt, es m&uuml;sse gerecht zugehen. &ndash; Wir k&ouml;nnen wir sehen, dass den W&auml;hlerinnen und W&auml;hlern sogar offen gesagt wird, dass eine Strategie populistische Z&uuml;ge trage. Die Strategen haben offensichtlich keine Sorge, diese Offenheit k&ouml;nnte ihnen negativ ausgelegt werden. Wahrscheinlich haben sie Recht.<\/li>\n<li>In einem anderen Artikel auf der gleichen Seite wird beschrieben, wie die Bundesforschungsministerin Schavan mit organisierter Solidarit&auml;t bei der Wahl zur Direktkandidatin in ihrem Wahlkreis in Ulm ein Gegengewicht zu der Pr&uuml;fung ihrer Dissertation zu schaffen versucht. Zu ihrer Nominierung sind  auf Betreiben der &ouml;rtlichen CDU mehr als 300 CDU Mitglieder gekommen und haben die Ministerin Schavan minutenlang gefeiert. Das zu organisieren ist nat&uuml;rlich legitim. Aber der Vorgang zeigt, wie weit gehend die Strategen es f&uuml;r m&ouml;glich halten, Vorbehalte und Zweifel durch Demonstrationen der St&auml;rke und emotionalen Zustimmung Weg zu b&uuml;rsten.<\/li>\n<li>Augen zu und durch &ndash; das scheint auch das Motto der FDP-Oberen zum Thema Sexismusvorw&uuml;rfe an Br&uuml;derle zu sein &bdquo;Bravos f&uuml;r Br&uuml;derle. &ndash; Sexismus hin oder her &ndash; die FDP applaudiert ihrem Frontmann.&ldquo; Im konkreten Fall ist es nicht nur die FDP, auch Politiker anderer Couleur &auml;u&szlig;ern sich in &auml;hnlichem Sinne und unterst&uuml;tzen die Strategie des Durchhaltens. Im konkreten Fall wird dem Leser nicht ausdr&uuml;cklich verk&uuml;ndet, dass man ihn auf diese Weise &bdquo;&uuml;berzeugen&ldquo; wolle. Aber die Strategie ist leicht erkennbar, wenn die W&auml;hlerschaft skeptisch w&auml;re.<\/li>\n<li>Wie sehr sich die Strategien der Parteien schon in den K&ouml;pfen der Medienschaffenden festgesetzt haben, wird in einem Bericht auf der ersten Seite der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom Montag des 28. Januar erkennbar. Dort wird &uuml;ber das Ergebnis der Enquetekommission &bdquo;Wachstum, Wohlstand, Lebensqualit&auml;t&ldquo; berichtet. Dabei kommen die Meinungen der Regierung, der Union, der SPD und der Gr&uuml;nen zur Sprache. Ein Hinweis auf die Haltung der Linken fehlt. Das ist das Ergebnis der inzwischen auch von vielen Medien verinnerlichten Strategie der etablierten Parteien, die Linkspartei einfach zu ignorieren.<\/li>\n<\/ol><p>Wir sehen: wir Leben in spannenden Tagen der Formulierung von Wahlkampfstrategien. Sie sind besonders spannend, weil uns auch offen gesagt wird, wie wir beeinflusst werden sollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quasi als Nachklapp zu den Wahlen in Niedersachsen kann man in diesen Tagen mit einem Blick in die Medien geb&uuml;ndelt und direkt aus dem Mund von Parteisprechern erfahren, welche Themen und Botschaften die Parteien im weiteren Verlauf des Wahlkampfes ansprechen wollen, wie sie ihr Image und die W&auml;hlerpotenzial erweitern wollen, welche F&uuml;hrungspersonen welche Rolle &uuml;bernehmen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16001\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[12,183,11,190],"tags":[321,253,460],"class_list":["post-16001","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-manipulation-des-monats","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","category-wahlen","tag-schavan-annette","tag-steinbrueck-peer","tag-sz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16001","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16001"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16001\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16003,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16001\/revisions\/16003"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16001"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16001"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16001"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}