{"id":16045,"date":"2013-02-01T13:08:52","date_gmt":"2013-02-01T12:08:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16045"},"modified":"2015-06-23T15:50:58","modified_gmt":"2015-06-23T13:50:58","slug":"100-spitzensteuersatz-was-fur-eine-schnapsidee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16045","title":{"rendered":"100% Spitzensteuersatz? Was f\u00fcr eine Schnapsidee!"},"content":{"rendered":"<p>Wenn der <a href=\"http:\/\/www.mz-web.de\/servlet\/ContentServer?pagename=ksta\/page&amp;atype=ksArtikel&amp;aid=1359647795397&amp;openMenu=987490165154&amp;calledPageId=987490165154&amp;listid=994342720546\">Bericht der Mitteldeutschen Zeitung<\/a> zutreffend ist, hat die Linkspartei die Schnapsidee der Parteivorsitzende Katja Kipping in ihr provisorisches Wahlprogramm aufgenommen, Einkommen ab 500.000 Euro pro Jahr mit einem Steuersatz von 100% zu belegen. Populismus mag ja nicht immer das falsche Mittel sein, um politischen Einfluss zu nehmen. Mit dieser Idee w&uuml;rde die Linkspartei sich jedoch ganz sicher keinen Gefallen tun und ihre anderen Forderungen ohne Not diskreditieren. Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><strong>Erg&auml;nzung 4.2.2013:<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16067\">Korrektur zum Artikel &bdquo;100% Spitzensteuersatz? Was f&uuml;r eine Schnapsidee!&ldquo;<\/a><br>\n<!--more--><br>\nWill der Staat trotz Schuldenbremse und Fiskalpakt weiterhin seine politische Handlungsf&auml;higkeit behalten, kommt der Gesetzgeber nicht um eine Erh&ouml;hung des Spitzensteuersatzes herum. Diese Erh&ouml;hung darf auch gerne deftig ausfallen. Der franz&ouml;sische Pr&auml;sident Hollande hat mit seiner Reichensteuer, die Einkommen ab einer Million Euro mit 75% besteuert, da eine durchaus &uuml;berlegenswerte Vorlage abgeliefert. Eine Einkommenskappung ab einer bestimmten Summe geh&ouml;rt jedoch ganz sicher nicht zu den Vorschl&auml;gen, die das Land weiterbringen. Vor allem w&auml;re eine solche Forderung, zumal von der Linkspartei, eine Steilvorlage f&uuml;r politische Gegner. <\/p><p><strong>Zwei Fu&szlig;baller, drei Steuersysteme<\/strong><\/p><p>Was soll ein Spitzensteuersatz von 100% ab 500.000 Euro eigentlich bringen? Jeder Topmanager oder Sportstar w&auml;re schlie&szlig;lich mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er sich bei einer gesetzlichen Einkommenskappung ein h&ouml;heres Gehalt in seinen Vertrag schreiben lie&szlig;e. Warum sollte beispielsweise ein Bastian Schweinsteiger, der sich seine Arbeit f&uuml;r den FC Bayern M&uuml;nchen mit 10 Millionen Euro pro Jahr mehr als f&uuml;rstlich verg&uuml;ten l&auml;sst, k&uuml;nftig mehr 500.000 Euro pro Jahr verlangen? Er h&auml;tte davon keinen Vorteil und auch sein Arbeitgeber h&auml;tte nur Nachteile. Im realen Leben w&uuml;rde Schweinsteiger bei einer solchen Steuergesetzgebung wahrscheinlich zu einem ausl&auml;ndischen Verein wechseln, aber selbst wenn man sich einmal f&uuml;r einen Moment vorstellt, er bliebe in Deutschland, w&uuml;rde sein Gehalt auf 500.000 Euro sinken und weder der Fiskus, noch die Gesellschaft h&auml;tten auch nur einen einzigen Cent davon. <\/p><p>Das franz&ouml;sische Modell zeigt hier seine Vorteile. Der Ballartist Zlatan Ibrahimovic, der bei Paris Saint Germain unter Vertrag steht, geh&ouml;rt zu Einkommensmillion&auml;ren, die sogar Bastian Schweinsteiger blass aussehen lassen. Sein Gehalt betr&auml;gt stolze 14 Millionen Euro &ndash; <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/zwangsabgaben-die-reichensteuer-ein-laendervergleich\/6922730.html\">wohlgemerkt netto<\/a>! Sein Arbeitgeber, der &uuml;brigens arabischen Scheichs geh&ouml;rt, zahlt f&uuml;r Ibrahimovic ein Bruttogehalt in H&ouml;he von rund 56 Millionen Euro. Ist dies unanst&auml;ndig? Nat&uuml;rlich. Aber diese Unanst&auml;ndigkeit sp&uuml;lt auch sehr viel Geld in den franz&ouml;sischen Steuerkassen. Geld, mit dem sich andere Unanst&auml;ndigkeiten am unteren Ende der Einkommens- und Verm&ouml;gensskala ausgleichen lassen. Ibrahimovic bringt dem franz&ouml;sischen Fiskus immerhin j&auml;hrlich Einnahmen in H&ouml;he von mehr als 42 Millionen Euro. Selbst nach dem reichenfreundlichen deutschen Steuergesetz muss ein Bastian Schweinsteiger &ndash; so er keine Steuertricks ausnutzt &ndash; j&auml;hrlich 4,7 Millionen Euro Steuern zahlen. Mit einer Kappungsgrenze bei 500.000 Euro w&uuml;rde Schweinsteiger selbst bei der Fortf&uuml;hrung der linearen Progression bis 53%, die das Steuerkonzept der Linkspartei vollkommen zu Recht vorsieht, wohl nicht mehr als 250.000 Euro zahlen. W&auml;re er dennoch weiterhin beim FC Bayern M&uuml;nchen unter Vertrag,w&uuml;rde der Verein den Rest seines Gehaltes sicher durch andere Zuwendungen, die nicht der Einkommensteuerpflicht unterliegen, aufstocken. Bei Spitzenmanagern s&auml;he es &auml;hnlich aus. Der Fiskus w&uuml;rde in jedem Fall in die R&ouml;hre schauen.<\/p><p><strong>Wo bleibt der Anreiz?<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich gibt es in Deutschland nicht nur Fu&szlig;baller, Banker und VW-Chefs, sondern auch viele Superreiche, die keine Angestellten sind, sondern wegen unternehmerischer T&auml;tigkeit, Spekulation oder den Zinsen und Dividenden aus ihrem Erbe Millioneneinkommen erzielen. Und hier kommt auch die Anreizfunktion ins Spiel. Welchen Anreiz h&auml;tte ein Unternehmer, dessen Einkommen bereits oberhalb der Kappungsgrenze liegt, weitere unternehmerische Risiken einzugehen? Er kann schlie&szlig;lich nichts gewinnen, daf&uuml;r aber viel verlieren. Beim franz&ouml;sischen Modell w&uuml;rde er faktisch ebenfalls sehr hoch besteuert, h&auml;tte jedoch auch einen Anreiz, da er immerhin ein Viertel des Gewinns oberhalb des Grenzsatzes f&uuml;r sich behalten darf.<\/p><p><strong>Steilvorlage f&uuml;r den Gegner<\/strong><\/p><p>Doch &ouml;konomische Argumente sind hier ohnehin fehl am Platz. Die Linke wird &ndash; daf&uuml;r muss man kein Prophet sein &ndash; bei den n&auml;chsten Bundestagswahlen keine absolute Mehrheit erreichen und daher wird die Kappungsgrenze ohnehin nicht kommen. Die Forderung nach einer Kappungsgrenze ist somit auch kein realistischer programmatischer Vorsto&szlig;, sondern eine Wahlkampfforderung, also PR. Es ist ja auch richtig, dass die Linkspartei hin und wieder Forderungen erhebt, die bei k&uuml;hler Analyse etwas &uuml;bers Ziel hinausschie&szlig;en. Die Linkspartei ist ein Sprachrohr f&uuml;r linke Politik und zu ihren wichtigsten Aufgaben geh&ouml;rt es, SPD und Gr&uuml;ne vor sich herzutreiben. Wenn dies mit Populismus zu erreichen ist, ist der Populismus auch gerechtfertigt. Doch hierbei handelt es sich nicht um Populismus, sondern um PR-Klamauk. <\/p><p>Mit derlei Klamauk erreicht die Linkspartei jedoch genau das Gegenteil. Nicht nur die b&uuml;rgerlichen Medien, sondern auch SPD und Gr&uuml;ne werden die Linken mit solchen Forderungen im Wahlprogramm als Tagtr&auml;umer und Politclowns darstellen und es besteht die ganz gro&szlig;e Gefahr, dass sich diese Vorw&uuml;rfe von den Steuerpl&auml;ne auf weitere politische Forderungen &uuml;bertragen. &bdquo;Sie wollen den Hartz-IV-Satz erh&ouml;hen? Und womit wollen Sie das bezahlen? Mit einem Steuersatz von 100%?&ldquo; Wir wissen doch alle, dass das politische Gesch&auml;ft, und vor allem die Berichterstattung der Medien, nicht immer fair und vor allem zur Linkspartei h&auml;ufig sehr unfair ist. Aber muss man dem politischen Gegner dann derartige Steilvorlagen liefern?<\/p><p>Es &uuml;berrascht nicht, dass Katja Kipping hinter diesem unausgegorenen Vorschlag steht. Die Parteivorsitzende der Linkspartei mag sympathisch, jung und frisch sein &ndash; mit &ouml;konomischem Sachverstand ist sie leider nicht gesegnet. Wie m&uuml;ssen sich wohl ihre diesbez&uuml;glich wesentlich kompetenteren Parteifreunde Axel Troost und Michael Schlecht vorkommen, wenn sie im Bundestagswahlkampf &uuml;ber die Marktpl&auml;tze der Republik touren und derlei Unsinn verteidigen m&uuml;ssen? Aber noch ist es ja nicht zu sp&auml;t. Laut Mitteldeutscher Zeitung handelt es sich hierbei nur &bdquo;Wahlprogrammentwurf&ldquo; und ein Entwurf kann immer noch ge&auml;ndert werden. Hoffen wir, dass dies in diesem Punkt geschieht. Es w&auml;re schade, wenn nicht. Schade f&uuml;r die Linkspartei und vor allem schade f&uuml;r eine Politik, die sich um einen sozialen Ausgleich und ein menschenw&uuml;rdiges Wirtschafts- und Finanzsystem engagiert.<\/p><p><strong>Erg&auml;nzung:<\/strong> Wir wurden von Lesern darauf aufmerksam gemacht, dass der Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Linken, Matthias H&ouml;hn, die von der Mitteldeutschen Zeitung publizierte Meldung &uuml;ber den 100%-Steuersatz als Ente bezeichnet. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Die in den Medien zitierte Formulierung ist eine Forderung gegen&uuml;ber den Unternehmen, die Geh&auml;lter ihrer Spitzenleute maximal auf das 40fache des gesellschaftlichen Minimums zu begrenzen. Das w&auml;ren im Moment etwa 40.000 Euro.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Auch Katja Kipping rudert zur&uuml;ck und weist <a href=\"http:\/\/tagesschau.de\/inland\/linksparteisteuern102.html\">den Artikel der Mitteldeutschen Zeitung zur&uuml;ck<\/a>.<\/p><p>Wenn dem denn so sein sollte, stellen sich hier nat&uuml;rlich weitere Fragen. Wie, wenn nicht &uuml;ber das Steuersystem, will man eine Geh&auml;lterkappung durchsetzen? Und bez&uuml;glich der Steuereinnahmen muss man sich auch die Frage stellen, warum Geh&auml;lter oberhalb von 40.000 Euro pro Monat &uuml;berhaupt gekappt werden sollen, wenn man sie &uuml;ber eine Reichensteuer i.H.v. 75% genauso gut gesellschaftlich sinnvoll besteuern k&ouml;nnte? Nach Adam Riese bringt es dem Staat mehr, wenn er den &uuml;ber dem Maximum liegenden Satz eines Monatsgehalt von 100.000 Euro mit 75% besteuert, als wenn er Regulierungen durchsetzt, die Geh&auml;lter in dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung verbietet. Von <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/katja-kipping-im-gespraech-40-000-euro-im-monat-sind-genug-11788075.html\">Katja Kipping wird die Forderung nach einer 100%-Steuer<\/a> jedenfalls vorgetragen. Und wenn diese Schnappsidee nicht ihren Weg ins Wahlprogramm findet, ist dies ohne Zweifel eine gute Nachricht.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/eff762d67b8c419ab272b99bf0bb664a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der <a href=\"http:\/\/www.mz-web.de\/servlet\/ContentServer?pagename=ksta\/page&amp;atype=ksArtikel&amp;aid=1359647795397&amp;openMenu=987490165154&amp;calledPageId=987490165154&amp;listid=994342720546\">Bericht der Mitteldeutschen Zeitung<\/a> zutreffend ist, hat die Linkspartei die Schnapsidee der Parteivorsitzende Katja Kipping in ihr provisorisches Wahlprogramm aufgenommen, Einkommen ab 500.000 Euro pro Jahr mit einem Steuersatz von 100% zu belegen. Populismus mag ja nicht immer das falsche Mittel sein, um politischen Einfluss zu nehmen. 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