{"id":16111,"date":"2013-02-07T10:32:12","date_gmt":"2013-02-07T09:32:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16111"},"modified":"2020-10-26T13:12:02","modified_gmt":"2020-10-26T12:12:02","slug":"die-grosemittelklasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16111","title":{"rendered":"Die Gro\u00dfeMittelKlasse"},"content":{"rendered":"<ol type=\"I\">\n<li><strong>Was erlaubt sich Buffett? &ndash; Eigensinn<\/strong>\n<p>&bdquo;Wieso denn Klassenkampf? Das ist Betrug!&ldquo; rief die &auml;ltere Dame vor weithin studentischem Publikum aus. Die Veranstaltung galt der Finanzkrise 2007 bis 2009, ihren Ursachen und Folgen. Die Dame aber sah nur unf&auml;hige Politiker, erdru&#776;ckende Schulden und sich selbst als &bdquo;Opfer finanzieller Repression durch den Staat&ldquo;.<\/p>\n<p>Klassenkampf? Klassenkampf ist out, der Begriff so verp&ouml;nt wie die Wahrnehmung der Praxis. Sicher, Warren Buffett kritisiert gelegentlich den &bdquo;Class War&ldquo;, den seinesgleichen fu&#776;hre und selbstredend gewinne, aber der Mann ist auch 82 und unantastbar reich.<\/p>\n<p>Gew&ouml;hnliche Leute und die Alltagsmedien meiden das Wort, es ist sogar einem k&auml;mpferischen Internet-User wie @advance so unangenehm wie &bdquo;Arschficken mit H&auml;morriden&ldquo;, alternativ: eine schmerzhafte sexuelle Aktivit&auml;t.<\/p>\n<p>Gek&auml;mpft, ja gek&auml;mpft wird in dieser Welt um alles, selbst um Parkpl&auml;tze &ndash; aber k&auml;mpfende Klassen? &Uuml;berhaupt: Klassen? Ehrenwert ist doch nur eine, die &bdquo;Mittelklasse&ldquo;. Sie hat das Bewusstsein so imponierend ergriffen, dass der User @radura sie ironisch und sprachspielerisch &bdquo;Gro&szlig;eMittelKlasse&ldquo; nennt.<\/p>\n<p>Von <strong>Karl-Heinz Kl&auml;r<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16111#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Gro&szlig;eMittelKlasse k&auml;mpfe nicht, sie leide; sie fu&#776;hle sich beschissen von oben und unten, von unten bis oben; sie klage daru&#776;ber am Starnberger See und in Little Rock, Arkansas, sagt @radura.<\/p>\n<p>Was fu&#776;r ein Begriff: Gro&szlig;eMittelKlasse!<\/p>\n<p>Lang her, dass Karl Marx und Friedrich Engels schrieben, die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft sei die Geschichte von Klassenk&auml;mpfen, und hinzufu&#776;gten &ndash; es war im Jahr 1848 &ndash; dass die ganze Gesellschaft sich mehr und mehr in zwei gro&szlig;e feindliche Lager spalte, in zwei gro&szlig;e, einander direkt gegenu&#776;berstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat.<\/p>\n<p>Die beiden 48er hatten fundamental Recht mit dem ersten Satz. Klassen und Klassenk&auml;mpfe pr&auml;gen die menschliche Vergesellschaftung seit der dauerhaften Erwirtschaftung eines Mehrprodukts, das herrschaftlich kontrolliert und angeeignet werden kann. Seit u&#776;ber 10 000 Jahren bewegen sie und schu&#776;tteln sie Gesellschaften durch.<\/p>\n<p>Falsch lagen Karl und Frederick mit dem zweiten Satz, obwohl es eine Zeitlang danach aussah. Tats&auml;chlich ging es auch unterm Kapitalismus bald wieder zu wie davor unterm Feudalismus, n&auml;mlich verzwickt. Die gro&szlig;e Vereinheitlichung fand nicht statt, bis heute nicht. Die arbeitenden Klassen gibt es auch weiterhin nur im Plural; Angestellte werden zu Herren der Angestellten; lohnabh&auml;ngige Verk&auml;ufer ihrer Arbeitskraft erwerben Grundbesitz und Wertpapiere, manche werden zu Aktion&auml;ren ihrer selbst.<\/p>\n<p>So nimmt sich der Klassenkampf aus wie das gesellschaftliche &Auml;quivalent des privaten Geschlechterkriegs: aufgeregt beschworen hier, lustlos verdr&auml;ngt dort, pflichtgem&auml;&szlig; bestritten von den institutionalisierten Obrigkeiten der Liebe und des sozialen Friedens.<\/p><\/li>\n<li><strong>Wie wird man reich? &ndash; Wie eh und je<\/strong>\n<p>Wer indes m&ouml;chte bestreiten, dass auch im 21. Jahrhundert Interessen national und international das politische Machtspiel bestimmen? Nicht immer sind es Klasseninteressen, und wo doch sind diese nicht notwendig materiell im Sinne von pekuni&auml;r. Aber auch 2000 Jahre nach der r&ouml;mischen Republik lautet die klu&#776;gste Frage unter politischen Beobachtern so wie damals: cui bono? Wem nu&#776;tzt es? Die Gegens&auml;tze in den Gesellschaften m&ouml;gen verschmiert sein, eskamotiert sind sie nicht.<\/p>\n<p>Das gilt am st&auml;rksten dort, wo die kapitalistische Produktionsweise das Terrain vollkommen erobert hat, wo Marktkalku&#776;le alle gesellschaftlichen Subsysteme erfasst, wenn nicht durchdrungen haben, auch Wissenschaft und Bildung, auch Gesundheitswesen, Volksparteien und Volkskirchen. Ich rede von den USA und Europa. Hier scheinen die alten Klassenbegriffe haltlos geworden, hier scheint der Klassenkampf in die individuelle Konkurrenz entleert, und beim Klassenbewusstsein gewinnt man den Eindruck: Anything goes. Es ist die Lage, die Herbert Marcuse 1964 im &bdquo;Eindimensionalen Menschen&ldquo; gemustert und seziert hatte, nur verschlimmert.<\/p>\n<p>Seit den allerersten Klassengesellschaften gibt es indessen ein gro&szlig;es Aber, das gegen die Verblendung wirkt. Es wirkt auch weiterhin. Bourgeoisie und Proletariat resu&#776;mierten im Kommunistischen Manifest herrschaftlich unterschiedene Aneignungen der Natur: Die einen arbeiteten, die anderen lie&szlig;en arbeiten, und reich wurden jene, die andere fu&#776;r sich arbeiten lie&szlig;en. Man kann das Ausbeutung nennen oder meinetwegen auch Arbeitgebertum. Der Sachverhalt aber ist eindeutig; seine Feststellung hat bis heute alle religi&ouml;sen, weltanschaulichen und pseudowissenschaftlichen Angriffe und Obstruktionen u&#776;berstanden.<\/p>\n<p>Den Einfall, dass auch Kapital arbeite, lasse ich beiseite wie die Auferstehung des Fleisches am Tag des ju&#776;ngsten Gerichts. Dann gibt es aber Leute, die auf Grund von Glu&#776;ck und Fertigkeit reich werden, manche sogar sehr reich, und sie beuten niemanden aus, von Familienmitgliedern oder Groupies vielleicht abgesehen. Es sind Fu&szlig;ball- und Golfstars, angesagte Ku&#776;nstler, glu&#776;ckliche Erfinder, Rennfahrer, Film- und Fernsehgr&ouml;&szlig;en, Religionsstifter und -deuter, Gurus fu&#776;r Sch&ouml;nheit, Kochen und Gesundheit. Die Aufstellung ist nicht vollst&auml;ndig, aber sie enth&auml;lt kategorial eine einzige Sorte Mensch: Spieler.<\/p>\n<p>Spieler fallen aus dem gro&szlig;en Aber heraus.<\/p>\n<p>Die Selbstausbeuter geh&ouml;ren dagegen ins Bild, sie sind das friedfertige &Auml;quivalent der politreligi&ouml;s u&#776;berspannten Selbstmordattent&auml;ter. Diese t&ouml;ten und hoffen auf die Jungfrauen beim Chef im Jenseits, jene u&#776;berarbeiten sich, um dem Chef im Diesseits zu imponieren.<\/p>\n<p>Reich wird dabei niemand, und der Klassenkampf h&ouml;rt deswegen auch nicht auf. Es ist aber ausnahmsweise echter Betrug, Selbstbetrug.<\/p>\n<p>Denn das wollen wir festhalten: Das kapitalistische Normalarbeitsverh&auml;ltnis ist nicht betru&#776;gerisch, sagt Karl Marx. Nur reich wird man nicht darin &ndash; es sei denn als Herr der Angestellten.<\/p><\/li>\n<li><strong>Wer hat Angst? &ndash; Die Eigentu&#776;mer aller Gewichtsklassen<\/strong>\n<p>Wenden wir uns dem gro&szlig;en Aber nach Lehman, 2008, zu. Wer arbeitet, wer l&auml;sst arbeiten?<br>\nUnd wie strukturiert der einbegriffene Gegensatz aktuell Gesellschaft und Wirtschaft? Zum Beispiel in der Bundesrepublik?<\/p>\n<p>Es mag sein, dass das gute Fragen sind, nur in Deutschland begegnen sie einem nicht, geschweige denn dass einer ungefragt Antworten darauf g&auml;be. In Deutschland begegnet einem nur eine Frage auf Schritt und Tritt: Wie rette ich mein Geld?<\/p>\n<p>Die so fragen sind die Nachfolger des Rentiers selig. Dazu z&auml;hle ich die Besitzer von Verm&ouml;gen, angelegt in Staatsanleihen, Sparbu&#776;chern, Tages- und Festgeldvertr&auml;gen, Lebensversicherungen, Fonds. Manche von ihnen horten jetzt auch Gold, das entfernt sie nicht unbedingt aus dem Zusammenhang.<\/p>\n<p>Diese Verm&ouml;genden, dem Risiko abhold, sind von so unterschiedlichem Kaliber, dass sie, sollte man meinen, unm&ouml;glich eine Klasse bilden k&ouml;nnen. Die eine hat 5 000 Euro auf dem Sparbuch, der andere 10 Millionen in einem Geldmarktfonds &ndash; was verbindet die beiden? Die Summe auf dem Konto eher nicht, die Wahrnehmung des Verm&ouml;gens ohne weiteres. Beide sind Eigentu&#776;mer, Eigentum verbu&#776;rgt kleine und gro&szlig;e Freiheiten in Rechtsstaaten.<\/p>\n<p>Und jetzt: Auftritt der Gro&szlig;enMittelKlasse! Es ist der Schutz des Eigentums, der diesen ideellen Gesamteigentu&#776;mer schafft; im Schutz des Eigentums hat die Gro&szlig;eMittelKlasse ihren Daseinszweck.<\/p>\n<p>Ich gestehe zu, dass man statt von einer Klasse auch von einer Religionsgemeinschaft der Geldverm&ouml;genden reden k&ouml;nnte. Fu&#776;r eine Religionsgemeinschaft spr&auml;che die Existenz eines Glaubenszentrums, n&auml;mlich der Bundesbank, von Theologen und Mullahs wie Issing, Henkel, Steltzner, Raffelhu&#776;schen, Weimer e tutti quanti und nicht zuletzt der fundamentalistische Eifer, mit der die Gemeinde ins Feld zieht. Aber was g&auml;lte dann fu&#776;r Sinn?<\/p>\n<p>Ich bleibe bei der Klasse.<\/p>\n<p>Ihre Altvorderen blicken in Deutschland auf eine eigentu&#776;mliche Geschichte der Leiden zuru&#776;ck. Die beiden Weltkriege, die das Land auf dem Gewissen hat, forderten Arbeitern und Bauern einen hohen Blutzoll ab, dieser Klasse ging es ans Verm&ouml;gen: Hyper-Inflation 1923, W&auml;hrungsreform 1948. Nicht dass das heute noch Tag und Nacht in den K&ouml;pfen spukte, wie stereotyp behauptet wird, aber die Angst vor dem Verlust ist da. Sie ist entfacht worden, sie wird stets aufs Neue entfacht.<\/p>\n<p>Die Klasse, die die Angst hegt, bestimmt seit dem September 2008 weithin den Ton in der &ouml;ffentlichen Debatte der BRD, und immer ist sie unglu&#776;cklich. Sie fu&#776;rchtet um ihr Geld und dass es ihr gestohlen werde, @radura hat ihre Angst im Netz erspu&#776;rt. Wie sehr der Gedanke an Verlust peinigt, erkennt man an Privatausgaben, die unter Beamtenwitwen vor zwei Jahren noch als frivol galten, jetzt jedoch trotzig mit dem Bemerken gerechtfertigt werden, bald sei das Geld ja ohnehin nichts mehr wert.<\/p><\/li>\n<li><strong>Woher kommt die Angst? &ndash; Aus der &Uuml;bertreibung<\/strong>\n<p>Unmittelbar nach der Lehman-Pleite schienen die Geldverm&ouml;gen in G&auml;nze gef&auml;hrdet; die Bundeskanzlerin musste fu&#776;r das gesamte deutsche Spargeld bu&#776;rgen, um einem Ansturm auf die Banken vorzubeugen. Als ihre Regierung sich unideologisch besann, mit geliehenem Geld tatkr&auml;ftig die Konjunktur belebte und so den Absturz in die Depression verhinderte, loderte in den Reihen der Geldverm&ouml;gensbesitzer bald die Angst vor der Inflation hoch.<\/p>\n<p>Diese Angst reicherten die Theologen und Mullahs im Schlepptau der Bundesbank rasch an um die Angst vor der Staatspleite, und wie die Dinge lagen und liegen, machten sie die Europ&auml;ische Union zu ihrem Gefechtsfeld. Das hatte den Vorteil, dass man die traditionellen Gegner im Innern den Verderbern jenseits der Grenzen gleichstellen und umso besser bek&auml;mpfen konnte.<\/p>\n<p>&bdquo;Alle wollen uns betru&#776;gen&ldquo;, bellt es seitdem aus der Gro&szlig;enMittelKlasse, und selbst prek&auml;r besch&auml;ftigte Medienknechte z&ouml;gern keine Sekunde, daraus im Netz einen &ouml;ffentlichen Chor zu bilden. Alle, das sind die Griechen und die Spanier, die Amerikaner, die EU, die Politiker, die Beamten, die Banker, die Versicherungen und hier und da sogar die Superreichen, die Schwarzgeldschieber, die Steuerbetru&#776;ger. (Die Hartz-Vierer sind immer und sowieso dabei.)<\/p>\n<p>Die Eigentu&#776;mer, die so auftrumpfen und wu&#776;ten, ticken in der Mehrheit deutschnational. Der Protest hat aber auch etwas Anarchisches, gelegentlich sogar Romantisch-Seufzendes, das macht ihn einnehmend und erfolgreich. In der kaum zensierten Welt der Internet-Foren war er der Renner der vergangenen Saison, er rennt immer noch. Dazu tr&auml;gt bei, dass die Protestler einen Satz draufhaben, der im ganzen Volk heftiges Nicken hervorruft: &bdquo;Wir zahlen und zahlen und zahlen!&ldquo; Da sagt doch jeder Benzin-, Strom- und Gasverbraucher: Genau! Wir zahlen und zahlen und zahlen! Es stimmt ja auch.<\/p>\n<p>Zahlt die Klasse der Geldverm&ouml;gensbesitzer wirklich? Ja. Sie zahlt Steuern und Abgaben, und sie bekommt fu&#776;r ihr in deutsche Staatsanleihen, in Sparbu&#776;chern, Tages-, Festgeld und Lebensversicherungen angelegtes Verm&ouml;gen kaum Zinsen. Sie erleidet insofern die &bdquo;finanzielle Repression&ldquo;, von der eingangs die Rede war. Zur Wahrheit geh&ouml;rt, dass es bis heute ein Zahlen in kleiner Mu&#776;nze ist, objektiv und vergleichsweise; zudem ein Zahlen, das einzahlt, weil es Verluste beschr&auml;nkt und Krise und Depression in Schach h&auml;lt, die um die Ecke lauern.<\/p>\n<p>Das will die Klasse aber nicht h&ouml;ren, sie sieht den eigenen Weltuntergang heraufziehen. Viele in ihren disparaten Reihen misstrauen den heimatlosen Geldverwaltern und deren erpresserischen Warnungen, zu Recht. Manche beschimpfen die Spekulanten, Million&auml;re und Milliard&auml;re, die kaum Steuern zahlen und ihre V&ouml;lker betru&#776;gen, statt sie zu retten, zu Recht.<\/p>\n<p>Einige zweifeln sogar am Kapitalismus, an der unaufh&ouml;rlichen Plusmacherei, am immer mehr und immer weiter und immer flexibler und 24 Stunden am Tag, zu Recht.<\/p>\n<p>Aber all das halten sie als Anleger mit ihrem Geld und dem Anspruch auf angemessene Verwertung ihres Geldes als Kapital in Gang.<\/p>\n<p>Das entgeht ihnen, sie sind ja gegen die Folgen. Bei Karl Marx gibt es einen treffenden Satz u&#776;ber diese Verblendung: Sie wissen es nicht, aber sie tun es.<\/p><\/li>\n<li><strong>Gab&rsquo;s das schon mal? &ndash; Nein, die Wiederholung ist eine Farce<\/strong>\n<p>Die Gro&szlig;eMittelKlasse erfu&#776;llt das Volk mit Raunen, aber sie l&auml;uft politisch ins Leere.<\/p>\n<p>Vielstimmig und laut ist sie, doch ohne Partei und ohne Fu&#776;hrer. Wo sie klar sieht, findet sie in der anhaltend neoliberalen Welt der Bundesregierung (und der EU-Verantwortlichen) kaum Ansprechpartner und keine ausgestreckte Hand; wo sie chauvinistisch dumm babbelt, applaudieren Bild und Stammtische, politisch fu&#776;hrt das ins Nirwana. Unternehmerverb&auml;nde und Gewerkschaften halten Abstand. Freiberufler, Gewerbetreibende und Handwerker, der alte Stock, bilden keine berufsst&auml;ndischen Sto&szlig;truppen mehr fu&#776;r die Wiederherstellung und Einhegung des nationalen Kabuffs.<\/p>\n<p>Also ein verlorenes Gefecht, eine verlorene Klasse gar? Sachte&hellip; Aus Karl Polanyis bedeutender Schrift &bdquo;The Great Transformation&ldquo; von 1944 kann man erfahren und lernen, warum der Faschismus die Agenda der 1930er Jahre bestimmen konnte: Er war im Kern eine soziale Bewegung, die ein reales Problem ansprach, sagt Polanyi. <\/p>\n<p>Nicht wenige Parameter der internationalen Politik, der Weltwirtschaft und der Sozialbeziehungen sehen heute anders aus als bei der Ru&#776;ckabwicklung des selbstregulierenden Marktes, die Polanyi fu&#776;r die Zeit von 1876 bis 1938 erkundet hat, doch gibt es auch bemerkenswerte &Auml;hnlichkeiten.<\/p>\n<p>Auffallend sind neben der aktuellen Ru&#776;ckabwicklung des selbstregulierenden Finanzmarkts die Parallele Goldstandard &ndash; Euro, die Verku&#776;mmerung des Primats der Politik &ndash; konkret die Beschneidung wohlbegru&#776;ndeter rechtsstaatlicher Verfahren und sozialstaatlicher Einrichtungen sowie der u&#776;berm&auml;&szlig;ige Einfluss demokratisch nicht legitimierter Agenturen &ndash; schlie&szlig;lich, aber nicht zuletzt die Verunsicherung und die Zukunftsangst breiter Schichten der Bev&ouml;lkerung.<\/p>\n<p>Wie verbreitet Verunsicherung und Zukunftsangst in der BRD und der gesamten EU sind, ermisst man leichter, wenn man die Klasse der Geldverm&ouml;gensbesitzer um die Gruppe der Ruhegeldempf&auml;nger erweitert. Dass ein solches Verfahren angebracht sei, lese ich regelm&auml;&szlig;ig in der FAZ, denn Anspru&#776;che auf Altersruhegeld seien Verm&ouml;gen. Das Blatt hat Recht.<\/p>\n<p>Derart aufgerundet ist die Gro&szlig;eMittelKlasse fast schon das ganze Volk.<\/p>\n<p>Wenn man auf der Suche nach dem gro&szlig;en Aber, also nach dem Gegensatz der Klassen, auf ann&auml;hernd das ganze Volk trifft, hilft nur Geistesgegenwart. Denn wo Volk hergestellt wird, ist Selbstvergewisserung angesagt, sie kann leicht aggressiv werden.<\/p>\n<p>Aber wird wirklich Volk hergestellt? Droht tats&auml;chlich ein neuer Aufstand der Massen, diesmal durch die Gro&szlig;eMittelKlasse? Auf der &auml;u&szlig;ersten Rechten h&auml;tte man es gern und flutet das Netz mit einschl&auml;gigen Forderungen. Indes, &bdquo;Mein armes Geld!&ldquo; ist kein Schlachtruf, sondern ein Gejammer.<\/p>\n<p>Auch ist das Geld nicht weg, sondern blo&szlig; angelegt. Doch zugegeben, wenn Exporte Ausgaben sind und Importe Einnahmen, dann w&auml;re es nach der Riesenpleite mit den Asset Backed Securities der 00er Jahre schon eine Erleichterung, wenn man sicher sein du&#776;rfte, dass der Exportweltmeister mit den immensen Guthaben am internationalen Kapitalmarkt nicht unverhofft als Wohlt&auml;ter endet. Kann man aber nicht.<\/p><\/li>\n<li><strong>Wer war es? &ndash; Die Gl&auml;ubiger und ihre Schuldigen<\/strong>\n<p>Wie jemand in Deutschland auf den Gedanken kommt, sein Geld sei in Gefahr, ist also nicht ganz so r&auml;tselhaft wie die dunkle Materie. Und doch: Gibt es Zweifel, dass die Staaten seit Lehmans Pleite etwas Anderes getan haben, als Banken, Versicherungen und Pensionsfonds zu retten? Und was haben sie damit gerettet wenn nicht das Geld der Geldverm&ouml;gensbesitzer und der kapitalgedeckten Ruhegeldempf&auml;nger, mithin das Geld der Gl&auml;ubiger?<\/p>\n<p>Hier wird eine Verwirrung mit H&auml;nden greifbar, die nichts mit den Mysterien der Weltwirtschaft zu tun hat. Die rhetorische Frage kann man nicht bejahen, klar. Aber die f&auml;llige Verneinung f&auml;llt schwer, enthu&#776;llt sie doch nicht das Ganze des Vorgangs. Es tritt zu Tage eine Kluft im Milieu der Gro&szlig;enMittelKlasse. Oder ist es gar eine Spaltung? Geld und Verm&ouml;gen und Altersversorgung haben sie alle, aber in so unterschiedlichem Umfang, dass bei den kleineren Eigentu&#776;mern die Selbsteigenschaft &bdquo;Steuer- und Sozialversicherungszahler&ldquo; signifikant ist, die Selbsteigenschaft &bdquo;Anbieter von Arbeitskraft&ldquo; umso mehr.<\/p>\n<p>Als Steuer- und Sozialversicherungszahler bu&#776;rgen die kleineren Eigentu&#776;mer nicht nur fu&#776;r die lokale Sparkasse, sondern auch fu&#776;r die gro&szlig;en Gelds&auml;cke; als Anbieter von Arbeitskraft brauchen sie gute Jobs und gute L&ouml;hne. Sp&auml;testens wer hier in die Bredouille ger&auml;t, ahnt, dass die eigene Rechnung in der Gro&szlig;enMittelKlasse nicht aufgehen k&ouml;nnte. Wo die m&auml;chtigen Gl&auml;ubiger Schulden eintreiben wollen und deshalb Austerit&auml;t verordnen, leidet die Konjunktur, und mit gew&ouml;hnlicher Lohnarbeit ist bald kein Staat mehr zu machen. Und au&szlig;erdem: Was nu&#776;tzen ein paar Tausender auf der hohen Kante, wenn der ganze Laden kracht?<\/p>\n<p>Die Ahnung, von potenteren Klassen- oder Volksgenossen (systemisch) u&#776;bervorteilt zu werden, facht den chauvinistischen Furor nur noch an. Es ist fu&#776;r die Triebabfuhr einfacher, von Fremden beschissen zu werden als von den eigenen Leuten.<\/p>\n<p>Da man den fremden Schuldnern aber nicht auf den Pelz ru&#776;cken kann und auch nicht wu&#776;sste zu welchem Ende, kommt es republikweit zu verbalen und symbolischen Ersatzhandlungen, unverstellt zu besichtigen im Internet. Das Angriffsziel ist nicht der Schuldner, sondern der Schuldige. Schuldig sind die Politiker, sie verkaufen das Volk, hei&szlig;t es: weil unendlich dumm und korrupt die eigenen, weil Besatzungsoffiziere der &bdquo;EUdSSR&ldquo; die anderen.<\/p>\n<p>Was bei den alten Kommunisten die Enteignung gewesen, sei ku&#776;nftig unter der Regie der Bru&#776;sseler Kommissare und der EZB die galoppierende Inflation. Nun hat zwar schon lange keiner mehr in unseren Breiten die Inflation galoppieren sehen, und wo dieser Renner ohne Marktmacht von Gewerkschaften herkommen soll, k&ouml;nnen selbst Mullahs nicht erkl&auml;ren.<\/p>\n<p>Aber den Politikern, dem Staat, der EU wird alles zugetraut, sogar Wunder &ndash; Gewalttaten sowieso.<\/p>\n<p>Man liest und greift sich an den Kopf: Obama ein Sozialist, Bru&#776;ssel die Hochburg der Kommunisten, Angela M ihr Oberhaupt? Im Netz wird so getan als ob, und Millionen glauben es.<\/p>\n<p>Das Netz hat alles zum Quadrat gesteigert, auch die politische Phantasie, um nicht ein n&auml;her liegendes Wort zu w&auml;hlen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Draghi oder der Putzlappen? &ndash; Viel L&auml;rm um keine Alternative<\/strong>\n<p>Statt Verschw&ouml;rungstheorien anzuh&auml;ngen und permanent zu transpirieren, k&ouml;nnte Entspannung angesagt sein, der Realit&auml;tscheck legt es nahe.<\/p>\n<p>Die Welt steht nicht am Abgrund. International sind genu&#776;gend Ressourcen erschlossen, um akute Notf&auml;lle zu beherrschen. Die Institutionen, die zum Krisenmanagement erforderlich sind, gibt es, in Europa und weltweit. Anders als der V&ouml;lkerbund, dessen Unangemessenheit Karl Polanyi beschreibt, sind sie stabil und fest verankert. Regionale Double-Dip-Rezessionen als Ausl&auml;ufer der Finanzkrise 2007ff. k&ouml;nnen 2013 allesamt enden. Dafu&#776;r spricht das aktuelle Lagebild, dafu&#776;r sprechen Erfahrungen mit dem Konjunkturzyklus und Studien wie die von Rogoff und Reinhart.<\/p>\n<p>Ich rede jedoch von 2013 und 2014 nicht nur aus Gru&#776;nden der formalen Logik im Konjunktiv, sondern auch wegen eines doppelten Hakens, den dieses Szenario hat. Zum zyklisch Guten werden die Verh&auml;ltnisse in Europa, in der OECD-Welt sich n&auml;mlich nur wenden, wenn die Finanzen der Eurozone auch tats&auml;chlich und ohne weitere willku&#776;rliche Verz&ouml;gerung mit den Mitteln der Europ&auml;ischen Zentralbank gefixt werden.<\/p>\n<p>Dagegen gibt es den bekannten Widerstand der Bundesregierung. Niemand tritt ihr zu nahe, der ihre Haltung auf den lauten Protest aus der Gro&szlig;enMittelKlasse zuru&#776;ckfu&#776;hrt und auf die ideologische Zuspitzung dieses Protests durch die Theologen und Mullahs in der Tradition der Bundesbank.<\/p>\n<p>Man mag Verst&auml;ndnis fu&#776;r die Bundesregierung aufbringen, denn geht sie mit Mario Draghi, entt&auml;uscht sie eigene (falsche) Versprechungen, ohne sicher zu sein, dass die Operation rechtzeitig gelingt und bei der n&auml;chsten gro&szlig;en Wahl einzahlt. Man mag das Ma&szlig; an Verst&auml;ndnis sogar erweitern: Frau Merkel hat sich, wenn auch z&ouml;gernd und zaudernd, etwas getraut &ndash; ob ein sozialdemokratischer Regierungschef im Bund (gegen &auml;u&szlig;ersten Widerstand der Union &ndash; was sonst?) sich &auml;hnlich viel getraut h&auml;tte, wei&szlig; man nicht.<\/p>\n<p>Aber jetzt ist auch gut. Alles, was man einer Krisenbew&auml;ltigung &agrave; la Draghi mit Sinn und Verstand entgegensetzen kann, entstammt dem Geist der Kritik am Kapitalismus. Frau Merkel und Herr Sch&auml;uble sollen nicht so tun, als seien sie davon geleitet. Sie sind so wenig Kritiker der gegenw&auml;rtigen Produktion des gesellschaftlichen Lebens wie die Theologen der neoklassischen deutschen Volkswirtschaftslehre. Wer 2007 und 2008 dabei war, erinnert sich nur zu gut: Diese wie jene hatten die u&#776;bergeschichtliche Geltung und den Glanz der kapitalistischen Produktionsweise so verinnerlicht, dass die Finanzkrise sie traf wie ein Gehirnschlag, manche haben sich bis heute nicht erholt.<\/p>\n<p>Die Kritik der Bundesregierung und der Vertreter der herrschenden akademischen Volkswirtschaftslehre an der EZB minus Weidmann ru&#776;hrt von einem Wunschbild des Kapitalismus her. Realisiert war dieses Ideal nie und wird es nie werden. Es ist absurd, sich in einen Putzlappen zu verbei&szlig;en, wenn es darum geht, das System vor dem Absturz zu bewahren. Realkapitalistisch gedacht spricht alles dafu&#776;r, der EZB zu folgen. Es hei&szlig;t ja nichts Anderes, als den Weg der Federal Reserve, der Bank of England, der Bank of Japan zu gehen.<\/p>\n<p>Warum so eingebildet, warum so trotzig?<\/p>\n<p>Nun kommt der bekannte Einwand aus der m&auml;chtigen Kulisse, zu dem mir nur eine Gegenfrage einf&auml;llt: Wen hat es jemals gejuckt, wenn ein Kritiker dieser Produktionsweise ihn vortrug?<\/p>\n<p>Der Einwand lautet: &bdquo;Das kann doch nicht gut gehen!&ldquo;<\/p>\n<p>Keynes hat vor langer Zeit geantwortet, dass wir am langen Ende alle tot seien &ndash; oder so &auml;hnlich, jedenfalls richtig.<\/p>\n<p>Also, man muss sich nicht Marx und Engels ausliefern, um auf der sicheren Seite zu ankern, Frau Merkel! Aber vielleicht noch ein paar Eigenheiten des sozialen Lebens beachten.<\/p><\/li>\n<li><strong>Eine kleine radikale Minderheit &ndash; Was, schon wieder?<\/strong>\n<p>Die Gro&szlig;eMittelKlasse ist nicht das Ende des Klassenkampfes, sie verstellt ihn nur. Sie ist nicht einmal eine Klasse, vielmehr eine ideelle, nachgerade u&#776;bernatu&#776;rliche Gemeinschaft von Eigentu&#776;mern. Auch wenn man ihr die reinen Selbsteigentu&#776;mer &ndash; also die Nichtsklaven ohne aktuelles Verm&ouml;gen &ndash; zugesellen wollte, weil mit 67 jedem Menschen in Deutschland eine Rente zusteht, w&auml;re zwar das Volk komplett, aber nicht in einer Klasse.<\/p>\n<p>Die Aktivisten der Gro&szlig;enMittelKlasse machen viel Wind im Netz und am Stammtisch, aber es sind meist &auml;ltere M&auml;nner, die schon k&ouml;rperlich Schwierigkeiten h&auml;tten, auf Barrikaden zu steigen. Auch sind sie weder so zahlreich noch so mitrei&szlig;end, dass sie ohne weiteres Wahlen entscheiden k&ouml;nnten. Man muss sich politisch nicht vor ihnen ducken, man kann ihnen auch ein Gefecht liefern. Man kann sie, nebenbei, auch beruhigen und die Klu&#776;geren bes&auml;nftigen.<\/p>\n<p>Ein Problem bleibt.<\/p>\n<p>Zur Bildung geh&ouml;re, sagt Peter Bieri, ein Sinn fu&#776;r Proportionen und Genauigkeit. Wer nun kleine, gro&szlig;e und gr&ouml;&szlig;te Verm&ouml;gen in den einen Topf des Eigentums tel quel verru&#776;hrt und das Resultat als archimedischen Punkt gesellschaftlicher Analyse und Moral u&#776;berh&ouml;ht, soll nicht auf Erkenntnis spekulieren, daraus flie&szlig;t keine.<\/p>\n<p>Die Gro&szlig;eMittelKlasse ist keine Klasse, aber politisch wirkt sie wie eine Klasse der gro&szlig;en Mittel, also im Sinne jener 0,2% des obersten einen Prozents von 100% der Bev&ouml;lkerung.<\/p>\n<p>Das ist der superreichen Nullkommazweiprozentminderheit im Kreis der Eigentu&#776;mer auch klar und ganz recht, aber gar nicht recht w&auml;re ihr, wenn es allen Anderen auch klar w&auml;re.<\/p>\n<p>Denn wer die Superreichen dieser Welt in ihrer Herrlichkeit ansieht, wird mit der Gemeinschaft der Eigentu&#776;mer in der Gro&szlig;enMittelKlasse nichts mehr anfangen k&ouml;nnen. Das Gebilde reizt dann zum Lachen.<\/p>\n<p>Die Superreichen dieser Welt und ihre Advokaten und Lobbyisten &ndash; ohne ihre Advokaten und Lobbyisten g&auml;be es sie nicht als Kampfgruppe &ndash; sind der &Ouml;ffentlichkeit nur gel&auml;ufig, wo sie aus der Rolle fallen: als Wohlt&auml;ter wie Bill Gates oder Warren Buffett oder als Politgauner wie Silvio Berlusconi. In ihrer Mehrheit sind sie privat vermutlich achtbare Leute, gesellschaftlich aber bilden sie Oligarchien, die der Volksherrschaft die Luft abdrehen.<\/p>\n<p>Die Oligarchen lassen arbeiten und wie! Sie stellen eine Bourgeoisie ganz nach den Erwartungen des Kommunistischen Manifests dar. Um den Nachwuchs brauchen sie sich nicht zu sorgen, es gibt genu&#776;gend geltungssu&#776;chtige Selfmademen, die die Peitsche schwingen und endlich auch richtig reich werden wollen. Sie sind in allen Nationen zu finden, und es ist sinnlos, sie grundvernu&#776;nftig zu fragen: Was willst Du denn mit noch mehr Geld anfangen?<\/p>\n<p>Nein, diese kleine radikale Minderheit verlangt nach dem starken Arm des Gesetzes.<\/p><\/li>\n<li><strong>Den Klassenkampf beenden? &ndash; Ja, w&auml;re gut<\/strong>\n<p>Die Mullahs des Kapitalismus behaupten, Demokratie sei ohne &bdquo;freies Unternehmertum und freie M&auml;rkte&ldquo; undenkbar, ein Satz typisch fu&#776;r Offenbarungsreligionen. Tats&auml;chlich legt die historische Erfahrung nahe, dass nur ein sorgf&auml;ltig eingehegter Kapitalismus und unmissverst&auml;ndlich regulierte M&auml;rkte mit den Erfordernissen und Regeln der Volksherrschaft vereinbar sind. Gewiss nicht vereinbar ist das Verhaltensmuster des vergangenen Jahres: Die gro&szlig;en Investoren und Gl&auml;ubiger pfeifen, die Rating-Agenturen geben Begleitschutz, die Politiker spuren und parieren &ndash; wer nicht pariert, wird durch einen Goldman ersetzt.<\/p>\n<p>Klar, in der Welt der Gl&auml;ubiger gilt nur deren Interesse, das ist aber nicht Demokratie. Die Demokratie erkennt unterschiedliche Interessen an, sie l&auml;sst sie gelten und sucht sie auszugleichen. Der Ausgleich der Interessen steht politisch nicht zur Disposition, nur die Form und der Umfang &ndash; fu&#776;r Deutsche, die dem Grundgesetz anh&auml;ngen: siehe Artikel 20.<\/p>\n<p>Gesetze mu&#776;ssen die Verfassung auch im Wirtschaftsleben durchsetzen, laisser faire, laisser aller ist keine Alternative. Karl Polanyi hat erkl&auml;rt warum der erste historische Versuch im Verderben des 2. Weltkriegs endete; beim zweiten Versuch kam die Welt 2008 knapp vor der Klippe zum Stehen. Am besten w&auml;re wohl: Schluss mit dem Unfug!<\/p>\n<p>Regulierung vermag viel, man darf sich von ihren Gegnern nicht irre machen lassen. Sie kann zum Beispiel die Dominanz des Finanzkapitals beenden, die entgegen der Reklame der Branche nur die Kosten der Unternehmen und der &ouml;ffentlichen Hand in die H&ouml;he geschraubt hat, ohne messbaren volkswirtschaftlichen Nutzen. Der Erzkapitalist Paul Volcker hat nicht von ungef&auml;hr im Geldautomaten die letzte nu&#776;tzliche Innovation der Finanzindustrie erblickt.<\/p>\n<p>Regulierung kann ausk&ouml;mmliche L&ouml;hne bef&ouml;rdern und fu&#776;r angemessene Steuern der Unternehmen sorgen. Es trifft nicht zu, dass &bdquo;die Globalisierung&ldquo; beides verhindere, das ist Propaganda. Und die Europ&auml;ische Union k&ouml;nnte sehr dabei helfen; dieses Instrument will allerdings konzertant gespielt sein, statt verwu&#776;stet zu werden.<\/p>\n<p>Regulierung vermag auch das Leben der reinen Selbsteigentu&#776;mer zu erleichtern. Von denen war in diesem Stu&#776;ck mehrfach die Rede, ohne weitere Erl&auml;uterung, aber diese Klassenanalyse ist fu&#776;r ein andermal. Nur so viel: Bei David Graeber war ju&#776;ngst nochmals zu lesen, dass man nicht Leibsklave sein mu&#776;sse, um ein Sklavendasein zu fu&#776;hren. Auch als Schuld- oder Lohnsklave lebt es sich nicht frei und selbstbestimmt. Das deutsche Rechtssystem erlaubt zuviel von beidem, auch wenn seine Autoren, rechts und links, das nie zug&auml;ben.<\/p>\n<p>Sch&ouml;ner als Regulieren ist u&#776;brigens Investieren. Der Staat spart, indem er investiert. Der Gesellschaft und ihren jungen Bu&#776;rgern ist mit guter Ausbildung und einem raschen Berufseinstieg bei lebhafter Konjunktur mehr geholfen als mit Fiskalpakten und willku&#776;rlichen Verschuldungszielen, die beidem zuwiderlaufen und bis zu 50% Jugendarbeitslosigkeit in der EU verursachen.<\/p>\n<p>Was, das glauben Sie nicht? Sie lesen und h&ouml;ren die ganze Zeit eher das Gegenteil? Da helfen nur Nachdenken, das Studium herrschaftsfreier Wissenschaft und einer kritischen, unabh&auml;ngigen Presse.<\/p><\/li>\n<\/ol><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16111#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Dr. Karl-Heinz Kl&auml;r war B&uuml;roleiter von Willy Brandt, Leiter der Abteilung &ldquo;Politik, Forschung und Planung beim SPD-Vorstand&rdquo;, Staatssekret&auml;r, Bevollm&auml;chtigter des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und f&uuml;r Europa und Vorsitzender der Sozialdemokratischen Fraktion im Ausschuss der Region der Europ&auml;ischen Union.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<ol type=\"I\">\n<li><strong>Was erlaubt sich Buffett? &ndash; Eigensinn<\/strong>\n<p>&bdquo;Wieso denn Klassenkampf? Das ist Betrug!&ldquo; rief die &auml;ltere Dame vor weithin studentischem Publikum aus. Die Veranstaltung galt der Finanzkrise 2007 bis 2009, ihren Ursachen und Folgen. Die Dame aber sah nur unf&auml;hige Politiker, erdru&#776;ckende Schulden und sich selbst als &bdquo;Opfer finanzieller Repression durch den Staat&ldquo;.<\/p>\n<p>Klassenkampf?<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16111\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[11,132,161],"tags":[902,854,291],"class_list":["post-16111","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-strategien-der-meinungsmache","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wertedebatte","tag-klaer-karl-heinz","tag-mittelschicht","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16111","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16111"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16111\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":66199,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16111\/revisions\/66199"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16111"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16111"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16111"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}