{"id":1618,"date":"2006-08-17T17:11:56","date_gmt":"2006-08-17T15:11:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1618"},"modified":"2016-01-30T11:05:29","modified_gmt":"2016-01-30T10:05:29","slug":"41-der-deutschen-leben-vom-staat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1618","title":{"rendered":"\u201e41% der Deutschen leben vom Staat\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&hellip; schockt uns <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/aktuell\/2006\/08\/16\/leben-vom-staat\/leben-vom-staat.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/aktuell\/2006\/08\/16\/leben-vom-staat\/leben-vom-staat.html\">BILD<\/a>. Und <a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/?p=215\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bildblog.de\/?p=215\">&bdquo;Deutschlands kl&uuml;gster Manager&ldquo;<\/a> Hans-Olaf Henkel l&auml;sst darauf wieder einmal einen seiner &uuml;blichen Sprechreflexe ab: &bdquo;Nur mit mutigen Reformen kann dieser (Teufelskreis) durchbrochen werden: Mehr Selbstverantwortung, weniger Vater Staat, und vor allem: <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/standards\/kommentar\/2006\/08\/16\/kommentar.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/standards\/kommentar\/2006\/08\/16\/kommentar.html\">Leistung muss sich wieder lohnen.<\/a>&ldquo;. Ein ganz allt&auml;gliches Beispiel f&uuml;r die in Deutschland &uuml;blich gewordene plumpe Demagogie mit L&uuml;gen und Legenden.<br>\n<!--more--><br>\n&ldquo;Rund 41 Prozent der Haushalte in Deutschland geben an, dass sie einen Haupteinkommensbezieher haben, der &uuml;berwiegend von Transferleistungen lebt&rdquo;, ist die Aussage die Klaus-J&uuml;rgen Duschek vom Statistischen Bundesamt bei der Vorstellung eines Teilergebnisses des Mikrozensus 2005.<br>\n(Leider liegt uns diese Statistik trotz intensiver Recherche nicht vor, deswegen sind wir von Informationen Dritter abh&auml;ngig.)<\/p><p>Die Aussage des Statistischen Bundesamtes klingt &auml;hnlich wie die Schlagzeile in BILD, die &Uuml;berschrift des Boulevardblattes ist aber dennoch falsch.<br>\nDie Daten des Statistischen Bundesamtes, auf die &ldquo;Bild&rdquo; sich bezieht, erfassen n&auml;mlich Ausl&auml;nder wie Deutsche gleicherma&szlig;en. Au&szlig;erdem geht es in der Statistik gar nicht um 82 Millionen Einzelpersonen, sondern um 39 Millionen <a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/?p=1633\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bildblog.de\/?p=1633\">&ldquo;Haushalte&rdquo;<\/a>.<\/p><p>Und nicht einmal der Bezug auf die &bdquo;Haushalte&ldquo; stimmt.<br>\nDer Beitrag von BILD war selbst dem <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/artikel\/0,2828,432069,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/artikel\/0,2828,432069,00.html\">manager-magazin<\/a> zu demagogisch. Das Magazin relativierte: &bdquo;Die Meldung, dass 41 Prozent aller Deutschen vom Staat und nicht vom pers&ouml;nlich erarbeiteten Einkommen leben, ist &hellip;grob verk&uuml;rzt. 32,2 Prozent aller Haushalte &ndash; und nicht der einzelnen Personen &ndash; leben gr&ouml;&szlig;tenteils von den Eink&uuml;nften eines Rentners oder Pension&auml;rs.&ldquo; Und die Dramatik, die BILD sch&uuml;rt, wird von dem Wirtschaftsblatt noch weiter durch den Hinweis relativiert, dass der Anteil der Haushalte, die &bdquo;den &uuml;berwiegenden Teil&ldquo; ihres Einkommens aus &ouml;ffentlichen Unterst&uuml;tzungsleistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Rente beziehen seit 1996 bis 2005 gerade einmal 0,2 Prozent gestiegen ist.<\/p><p>Geradezu gelogen hat BILD mit seiner Schlagzeile wonach 41% der Deutschen vom Staat leben. Nach der Statistik des Bundesamtes zu den Eink&uuml;nften von Einzelpersonen leben nur 29,2 Prozent der Bev&ouml;lkerung (und eben nicht nur der Deutschen) zum &uuml;berwiegenden Teil von staatlichen Sozialleistungen, 1996 waren es &uuml;brigens 27 Prozent.<\/p><p>Die auff&auml;lligsten Ver&auml;nderungen beim Vergleich der Erhebung zwischen 1996 und 2006, so das mangager-magazin, ergeben sich in zwei Punkten: <\/p><p>7,2 Prozent aller Haushalte lebten 2005 zum gr&ouml;&szlig;ten Teil von Arbeitslosengeld I oder II, 1996 waren es dagegen nur 4,6 Prozent. (Ist das angesichts der Zunahme der Arbeitslosigkeit nicht ziemlich logisch?)<br>\nDie zweite Auff&auml;lligkeit sei: W&auml;hrend 1996 noch 3 Prozent aller Haushalte zum &uuml;berwiegenden Teil von Zuwendungen Angeh&ouml;riger finanziert wurden, sank die Ziffer f&uuml;r das vergangene Jahr um knapp ein Viertel auf 2,3 Prozent. (Na ja, das ist nun wirklich keine Panikmache wert.)<\/p><p>Weiter berichtet das Wirtschaftsmagazin: Bei 55,4 Prozent aller deutschen Haushalte bilden Eink&uuml;nfte aus Erwerbst&auml;tigkeit den &ldquo;&uuml;berwiegenden Lebensunterhalt des Haupteinkommensbeziehers im Haushalt&ldquo;. Im Jahr 1996 lag dieser Anteil sogar um 0,4 Prozentpunkte niedriger.<\/p><p>Und noch etwas:<br>\nBILD schreibt: &bdquo;Laut Bundessozialministerium flie&szlig;en schon 694,5 Milliarden Euro in den Sozialstaat.&ldquo; Oh Schreck, das ist ja weit mehr als doppelt soviel, wie die gesamten Ausgaben des Bundes in H&ouml;he von rund 260 Milliarden Euro und erheblich mehr als die gesamten Einnahmen des Fiskus! Damit sind wir eigentlich mehr als pleite.<\/p><p>Wie sich diese Zahl von mehr als 694 Milliarden Euro ergibt, wei&szlig; vielleicht BILD und ein Informant aus dem Bundessozialministerium.<br>\nMangels einer aktuellen Statistik beziehe ich mich auf eine im &bdquo;Statistischen Taschenbuch&ldquo; f&uuml;r 2004, dort sind Angaben f&uuml;r das Jahr 2002 f&uuml;r s&auml;mtliche Sozialausgaben in H&ouml;he von 697,53 Mrd. Euro (also noch h&ouml;her) ausgewiesen, die staatlichen Zuweisungen betragen dabei insgesamt 266,96 Mrd. Euro oder 38,26% der Gesamtsumme. Dieses Verh&auml;ltnis von etwa 60% private Leistungen zu etwa 40% (zus&auml;tzliche) staatliche Leistungen d&uuml;rfte sich nicht wesentlich verschoben haben. <\/p><p>Und noch ein Faktum: Schwarz auf wei&szlig; betragen im Bundeshaushalt 2006 die gesamten Ausgaben im Bereich der Sozialpolitik im Jahr 2006 120 Mrd. Euro. Davon gehen 77,5 Mrd. Euro an die Rentenversicherung und ein anderer gro&szlig;er Teil, n&auml;mlich 38,3 Mrd. Euro, flie&szlig;t (nehmen wir das mal als Tatsache an) in die steuerfinanzierte Grundsicherung &ndash; ALG II.<br>\nZwischen den in BILD genannten ann&auml;hernd 700 Milliarden, die &bdquo;in den Sozialstaat flie&szlig;en&ldquo; und den 120 Milliarden, die der Bundeshaushalt f&uuml;r die Sozialpolitik ausweist, klafft also eine ziemliche L&uuml;cke. (Die auch durch die Ausgaben der Kommunen und der L&auml;nder f&uuml;r soziale Leistungen nicht ann&auml;hernd geschlossen werden kann.) <\/p><p>Vermutlich wird dabei zus&auml;tzlich mit der, leider bis hin zum Bundespr&auml;sidenten, perfiden T&auml;uschung gearbeitet, dass die Leistungen aus der gesetzlichen (und eben nicht staatlichen) Arbeitslosenversicherung und der gesetzlichen (und eben nicht staatlichen)<br>\nRentenversicherung als &bdquo;staatliche Leistung&ldquo; eingestuft werden und nicht als Versicherungsleistungen, f&uuml;r die die Menschen ihre Berufsleben lang Beitr&auml;ge geleistet haben.<br>\nDie gesetzliche Rentenversicherung z.B. finanziert sich zu 74% aus Beitr&auml;gen und zu 26% aus staatlichen Zusch&uuml;ssen. Und diese Zusch&uuml;sse aus Steuergeldern sind im Wesentlichen durch die hohe Arbeitslosigkeit und sinkende L&ouml;hne und damit sinkende Beitr&auml;ge verursacht. <\/p><p>Wer s&auml;mtliche Forderungen an die umlagefinanzierten Sicherungssysteme, wie etwa der Rente, als staatliche Transferleistung oder wer das Arbeitslosengeld I hochrechnet, ohne gleichzeitig die neu hinzukommenden Beitr&auml;ge davon abzurechnen, stellt sich ungef&auml;hr so d&auml;mlich an, wie wenn jemand ausschlie&szlig;lich errechnen w&uuml;rde, welche Summe von Sparkonten abgehoben wird ohne gleichzeitig gegenzurechnen, wie viel von anderen Sparern wieder auf die Sparkonten einbezahlt wird. Jeder wei&szlig; doch, dass wenn alle, die ein Sparguthaben haben und dieses auf einmal abheben w&uuml;rden, dass das zu einem Bankrott aller Banken f&uuml;hren w&uuml;rde.<br>\nMindestens so irreal ist die Rechnung, mit der uns BILD erschrecken will, um Hans-Olaf Henkel eine Vorlage f&uuml;r seine immer gleiche Ideologie von mehr Selbstverantwortung und weniger Staat zu liefern.<\/p><p>Eigentlich m&uuml;sste sich die Republik dar&uuml;ber kaputt lachen, dass &bdquo;Deutschlands kl&uuml;gster Manager&ldquo; auf die Demagogie von BILD hereinf&auml;llt.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip; schockt uns <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/aktuell\/2006\/08\/16\/leben-vom-staat\/leben-vom-staat.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/aktuell\/2006\/08\/16\/leben-vom-staat\/leben-vom-staat.html\">BILD<\/a>. Und <a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/?p=215\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bildblog.de\/?p=215\">&bdquo;Deutschlands kl&uuml;gster Manager&ldquo;<\/a> Hans-Olaf Henkel l&auml;sst darauf wieder einmal einen seiner &uuml;blichen Sprechreflexe ab: &bdquo;Nur mit mutigen Reformen kann dieser (Teufelskreis) durchbrochen werden: Mehr Selbstverantwortung, weniger Vater Staat, und vor allem: <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/standards\/kommentar\/2006\/08\/16\/kommentar.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/standards\/kommentar\/2006\/08\/16\/kommentar.html\">Leistung muss sich wieder<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1618\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,183,145],"tags":[459,777,343,413,405],"class_list":["post-1618","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","category-sozialstaat","tag-bild","tag-henkel-hans-olaf","tag-luegen-mit-zahlen","tag-schlanker-staat","tag-statistisches-bundesamt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1618"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1618\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30704,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1618\/revisions\/30704"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}