{"id":162,"date":"2005-01-21T14:46:53","date_gmt":"2005-01-21T13:46:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=162"},"modified":"2020-02-20T10:56:39","modified_gmt":"2020-02-20T09:56:39","slug":"zur-nachhaltigen-finanzpolitik-oswald-metzgers-von-karl-mai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=162","title":{"rendered":"Zur \u201enachhaltigen Finanzpolitik\u201c Oswald Metzgers von Karl Mai"},"content":{"rendered":"<p>Einige Widerspr&uuml;che und L&uuml;cken neoliberaler Defizitdogmatik<br>\n<!--more--><br>\nZum Jahresbeginn 2005 bietet Herr Oswald Metzger (als &bdquo;Distinguished Fellow&ldquo;) im DIW-Wochenbericht Nr. 1-2\/2005, S. 33 ff. seine Sichtweise auf die &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo; in der Finanzpolitik an. Dies gibt eine weitere Gelegenheit, sich kritisch mit seinen vorgetragenen Argumenten auseinanderzusetzen. Im Folgenden hierzu einige Aspekte und Hinweise aus anti-neoliberaler Sicht speziell zu diesem o. g. Artikel. <\/p><p>Anfangs ist zu beachten, dass Metzger keine direkte Definition von &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo; in der Finanzpolitik gibt. Eine Rekapitulation der diesbez&uuml;glichen definitorischen Ans&auml;tze des SVR unterbleibt (Siehe Punkt 5). Nach der &uuml;blichen Feststellung steigender Verschuldung wird lediglich bemerkt: &bdquo;Neue Schulden dienen vornehmlich dazu, die Zinsen f&uuml;r alte Kredite zu bezahlen.&ldquo; Dies ist zwar eine Umschreibung der &bdquo;Zinsfalle&ldquo;, trifft aber nicht den Kern der Zweckbestimmung solcher Kredite. Im Unterschied zum geltenden Haushaltsrecht, wonach Neuverschuldung lediglich in H&ouml;he der j&auml;hrlichen &ouml;ffentlichen Investitionen zul&auml;ssig ist &ndash; w&auml;re eine Bestimmung &bdquo;Zinsen f&uuml;r alte Kredite zu zahlen&ldquo;, eine v&ouml;llig anders motivierte Zweckbindung. Es ist also nicht etwas so, dass wegen der Zinszahlungen immer noch zus&auml;tzliche Kredite aufgenommen werden d&uuml;rften, und zwar entgegen dem Haushaltsrecht. <\/p><p>Dies ist wichtig festzustellen, denn die auch im Kern von Metzger verfochtene Politik des &bdquo;Null-Defizits&ldquo; schlie&szlig;t die durch Schulden finanzierten &ouml;ffentlichen Investitionen direkt logisch aus, was zwangsl&auml;ufig deren Finanzierung durch Steuereinnahmen einfordert. Leider lassen die negativen Wirkungen der bisherigen Steuersenkungen keine ausreichende Finanzierung der &ouml;ffentlichen Infrastruktur mehr zu &ndash; ein Dilemma, das Oswald Metzger unter dem Paradigma von beschworener &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo; begr&auml;bt. <\/p><p>Fallen kreditfinanzierte Infrastrukturinvestitionen weg, dann k&ouml;nnen also nach geltendem Haushaltsrecht auch keine neuen Schulden f&uuml;r weitere hohe Zinszahlungen aufgenommen werden, die noch fortgesetzt f&uuml;r den Gesamtschuldenstand gezahlt werden m&uuml;ssten. Diesen besonderen Aspekt der &bdquo;Zinsfalle&ldquo; &uuml;bergeht Oswald Metzger geflissentlich. Am Ende stehen doppelte Regelbelastungen aus Steuerzahlungen an: f&uuml;r Infrastruktur und f&uuml;r Zinsen. Sie verwandeln sich in eine dreifache Belastung, sobald mit einer echten Tilgung der gesamten Schuldsumme begonnen wird. <\/p><p>Tritt dieser Fall echter dreifacher Belastung ein, dann w&uuml;rden j&auml;hrlich durch den Staatssektor nicht nur keine neuen Kredite aus den riesigen Geldersparnissen der privaten Haushalte zinspflichtig gebunden, sondern aus dem Staatssektor mit Steuern getilgte Milliardenbetr&auml;ge der bisherigen Kreditgl&auml;ubiger neu in den globalen Finanzmarkt hineingepumpt. <\/p><p><strong>1. Zur Einnahmeseite des Haushalts<\/strong><\/p><p>Zur Einnahmeseite hat Oswald Metzger nicht viel zu erkl&auml;ren, denn er gibt keine ausf&uuml;hrliche Analyse der chronischen &uuml;berdurchschnittlichen Einnahmeschw&auml;chen der &ouml;ffentlichen Haushalte Deutschlands im Kontext zu den Stichworten &ldquo;hohe Steuersenkungen&ldquo;, &bdquo;hohe Arbeitslosigkeit&ldquo; und &bdquo;abgabenschwache Niedrigstlohnbereiche&ldquo;. Die hierdurch bedingten Mindereinnahmen werden nicht quantifiziert abgesch&auml;tzt und in ihren bisherigen Auswirkungen ebenso wenig bewertet. Metzger trennt die Haushalte der Ebenen der Gebietsk&ouml;rperschaften nicht von derjenigen der staatlichen Sozialversicherung analytisch ab. Dies verhindert eine begr&uuml;ndete Sicht auf die steuerliche Finanzierung von Sozialleistungen durch den Bund.<br>\nDamit verwischt Metzger die unterschiedlichen Folgen der Einnahmenpolitik im f&ouml;deralen System und in den Kassen des Sozialsystems.<br>\nDas verbaut ihm au&szlig;erdem die kritische Sicht auf einen &uuml;bernationalen Vergleich bei den staatlichen Quoten von Steuern, Sozialabgaben und s&auml;mtlichen Sozialleistungen &ndash; dem er sich generell entzieht. <\/p><p>Die &bdquo;halbherzigen&ldquo; Steuerreformen werden offenbar in dem Sinne moniert, dass dadurch h&ouml;here Einnahmen st&auml;rker als erforderlich behindert worden sind &ndash; hier unterstellt Metzger h&ouml;here Einnahmen durch noch niedrigere Steuern. Darin gipfelt sein steuerliches Credo, f&uuml;r das er keine &uuml;berzeugenden empirischen Beweise erbringen k&ouml;nnte. Er spricht generell von &bdquo;ausgeh&ouml;hlten&ldquo; Bemessungsgrundlagen f&uuml;r direkte Steuern, ohne hierf&uuml;r hinreichende Angaben oder krasse Beispiele zu erbringen, die den Unternehmenssektor blo&szlig;stellen k&ouml;nnten. &Ouml;ffentlicher Widerstand gegen einen weitreichenden Wegfall von umfangreichen Steuerverg&uuml;nstigungen insbesondere f&uuml;r Unternehmen &ndash; ohne Ber&uuml;cksichtigung von damit bewirkten Lenkungseffekten &ndash; muss letztlich tolerabel erscheinen, solange man die sozialen und Verm&ouml;gensdifferenzierungen als deren Folge ablehnt. <\/p><p>Metzger spricht von &bdquo;hohen tariflichen Belastungen der Einkommen und Gewinne&ldquo; und fordert, &bdquo;die Einkommen gleichm&auml;&szlig;iger zu belasten.&ldquo; Hier fehlt aber jeglicher &uuml;bernationaler Vergleich der Steuerbelastungen. F&uuml;r Deutschland von zu hohen effektiven Gewinnsteuern zu sprechen, w&auml;re angesichts der statistischen Datenlage im internationalen Vergleich unhaltbar. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Tarifliche Gewinnsteuers&auml;tze bilden bekanntlich nur einen &bdquo;Rahmen&ldquo;, der bei zahlreichen Steuerverg&uuml;nstigungen gleichsam vorget&auml;uscht wird. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] <\/p><p>Als Gegenfinanzierung f&uuml;r weitere Senkungen der direkten Abgaben pl&auml;diert Metzger f&uuml;r eine Heraufsetzung der Mehrwertsteuer. Hierzu fehlen aber gesch&auml;tzte Angaben zum erreichbaren zus&auml;tzlichen Einnahmenpotenzial f&uuml;r den Fiskus. Auch &uuml;ber differenzierte soziale Wirkungen wird nichts ausgesagt. Unklar bleibt ferner, ob damit der Wettlauf der EU-Staaten um die niedrigsten direkten Steuern absehbar gestoppt werden k&ouml;nnte. <\/p><p>Nebul&ouml;s erscheint daher die Formulierung von der &bdquo;angemessenen Steuerfinanzierung des Staates&ldquo;, die nirgendwo aus seinen Pflichten und Aufgaben abgeleitet wird. Insbesondere fehlt hier die Br&uuml;cke zur &bdquo;angemessenen&ldquo; Finanzierung von Erhaltung und Erweiterung der Infrastruktur, die eine erstrangige staatliche Aufgabe darstellt und nach einem Erreichen des &bdquo;Null-Defizits&ldquo; besonders kritisch wird. <\/p><p>Man gewinnt daher den Eindruck, dass die magere oder sekund&auml;re Behandlung bzw. die Vernachl&auml;ssigung der Einnahmeseite der &ouml;ffentlichen Haushalte allein deswegen von Oswald Metzger betrieben wird, weil dies ansonsten den essentiellen Widerspruch in der neoliberalen Sichtweise auf die derzeitige Haushaltsfinanzierung erhellen w&uuml;rde: den Widerspruch zwischen Steuersenkungsmanie und selbst verschuldeten fehlenden Steuereinnahmen. Demgem&auml;&szlig; &uuml;bt Metzger auch keinerlei Kritik an der Intention der bisherigen gescheiterten Steuersenkungspolitik von Hans Eichel. <\/p><p>Typisch f&uuml;r die neoliberale &bdquo;Spar-Haushalt&ldquo;-Demagogie ist das Ausklammern der Potenziale f&uuml;r die Wachstumsraten des BIP, der Besch&auml;ftigung und der resultierenden Staatseinnahmen von Steuern und Sozialabgaben &ndash; als Leitlinie f&uuml;r die Einnahmeseite des &ouml;ffentlichen Haushalts. Demographischer Strukturwandel und hohe Arbeitslosigkeit werden in isolierender und einseitiger Betrachtung allein als Ursache f&uuml;r steigende Defizite verortet. Lohneinkommen und Sozialleistungen werden bevorzugt dem Zwang zur prim&auml;ren Defizitbeseitigung der &ouml;ffentlichen Haushalte unterworfen. <\/p><p>Die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivit&auml;tsraten und ihre Verkn&uuml;pfung mit den Steigerungen der nominellen und realen Arbeitseinkommen ist f&uuml;r Metzger kein Thema, so dass auch die k&uuml;nftigen Belastungen durch variable Sozialbeitragss&auml;tze nicht prognostisch bewertet werden k&ouml;nnten. &Auml;nderungen des Kreises der staatlichen SV-Pflichtversicherten und der SV-Beitragsbemessungsgrenzen werden nicht konkret diskutiert. <\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich bedeuten meine vorstehenden kritischen Bemerkungen nicht, dass Metzger alle Aspekte der Einnahmeseite der Haushalte im DIW-Beitrag ausf&uuml;hrlich er&ouml;rtern sollte, jedoch selbst ein konzeptioneller &Uuml;berblick &uuml;ber die wesentlichen Einflussfaktoren fehlt. Insgesamt entfernt sich Metzger damit weit von jeder komplexen, realistisch determinierten Sichtweise auf die Einnahmeseite in der Finanzstrategie. <\/p><p><strong>2. Zur Ausgabeseite der &ouml;ffentlichen Haushalte<\/strong> <\/p><p>Wenn man von den Potenzialen der Einnahmeseite absieht, m&uuml;ssen die anwachsenden Ausgaben der &ouml;ffentlichen Haushalte ohne zus&auml;tzliche &bdquo;Kostend&auml;mpfung&ldquo; bedrohlich erscheinen &ndash; jedenfalls l&auml;sst sich dies leicht suggerieren. Metzger bezieht sich lediglich auf die Ausgabenentwicklung des Bundeshaushalts, der bekanntlich nur einen Teil der &ouml;ffentlichen Ausgaben (ca. 40 %) umfasst. Eine wirksame Konsolidierungspolitik betrifft aber den Gesamthaushalt, d.h. die unterschiedliche Situation der L&auml;nder- und Gemeindehaushalte darf man nicht &uuml;berspielen &ndash; eine unzul&auml;ssige Einschr&auml;nkung unter dem Aspekt von &bdquo;nachhaltiger&ldquo; Finanzpolitik. Damit umgeht er elegant die negativen Folgen der bisherigen Steuersenkungen f&uuml;r die Haushalte von Bund und unteren Gebietsk&ouml;rperschaften. <\/p><p>Die R&uuml;ckkopplung der Haushaltsausgaben, insbesondere der investiven Verwendungen, zu den potenziellen oder zuk&uuml;nftigen Einnahmen bleibt ebenfalls ausgeblendet. Durch die negativen Wirkungen von fiskalischen Ausgabenk&uuml;rzungen wird die m&ouml;gliche Wachstumsrate gedr&uuml;ckt. Dabei z&auml;hlt es zu den &ouml;konomischen Binsenwahrheiten, dass die Entwicklung der &ouml;ffentlichen Infrastruktur das erste Opfer einer forcierten deutschen Haushaltskonsolidierung bildet, wie auch l&auml;ngst statistisch nachweisbar ist. <\/p><p><strong>2.1. &bdquo;Vergangenheitskosten&ldquo;<\/strong> <\/p><p>Auf der Bundesebene zieht Metzger die &bdquo;aus der Vergangenheit resultierenden Anspr&uuml;che&ldquo; in Form der &bdquo;Alterssicherung und Zinsen&ldquo; in einen Posten zusammen, der f&uuml;r 2004 einen Umfang von 255,6 Mrd. Euro erreichen und 54,7 % aller Ausgaben umfassen soll. Hierzu fehlen genaue Angaben &uuml;ber die inhaltlichen Posten. Jedoch ist klar, dass die Quellen f&uuml;r die Finanzierung dieser Posten unterschiedlich sind: die Alterssicherung wird &uuml;berwiegend aus dem Haushalt der GRV abgedeckt, der sich &uuml;berwiegend (zu 74 %) aus Sozialbeitr&auml;gen und aus Steuerzusch&uuml;ssen (zu 26 %) [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] finanziert, zuz&uuml;glich der steuerlich finanzierten staatlichen Pensionen, w&auml;hrend die Zinsausgaben immer aus laufenden Steuereinnahmen (bzw. aus j&auml;hrlicher Neuverschuldung) gezahlt werden m&uuml;ssen. Diese unterschiedliche Determination erlaubt keine willk&uuml;rliche Globalbetrachtung im Sinne von &bdquo;Vergangenheitsanspr&uuml;chen&ldquo;, zumal die Zinsausgaben f&uuml;r die Gl&auml;ubiger in die Kategorie &bdquo;Einkommen aus Geldverm&ouml;gen&ldquo; fallen und dem Gesetz der Zinseszinsen unterliegen. <\/p><p>Metzger deklariert nun abschreckend die Lasten der Alterssicherung als &bdquo;nichts anderes als die massenhafte Verteilung ungedeckter Blankoschecks&ldquo;, insofern der demographische Wandel den Anteil der Erwerbst&auml;tigen-Kohorten reduziert. Ganz offensichtlich &uuml;bergeht er damit die Tatsache, dass die Kohorten von Jugendlichen ebenfalls relativ abnehmen werden, so dass sich hierdurch die k&uuml;nftigen Belastungen der Erwerbst&auml;tigen-Kohorten abmindern. Richtiger w&auml;re also eine zeitliche Perspektivanalyse der Gesamtbelastung der Erwerbst&auml;tigen-Kohorten &ndash; wobei die realistische Variante eine Prognose der Einkommensentwicklung infolge der Produktivit&auml;tsentwicklung und der k&uuml;nftigen Erwerbsbeteiligung einschlie&szlig;en m&uuml;sste. <\/p><p>Metzger hebt auf die Finanzierung der Versicherungssysteme &bdquo;aus der laufenden Wertsch&ouml;pfung der aktiven Erwerbsgeneration&ldquo; korrekt ab, sieht aber v&ouml;llig davon ab, welche Steigerungen der realen Netto-Einkommen k&uuml;nftig erfolgen, die den nach dem Jahr 2020 h&ouml;heren graduellen Gesamtbelastungen Erwerbst&auml;tiger kompensatorisch entgegenstehen. Damit entzieht sich Metzger der in letzter Zeit hierzu mehrfach ge&auml;u&szlig;erten Gegenargumentation. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p><strong>2.2. Zur &bdquo;impliziten&ldquo; Verschuldung<\/strong><\/p><p>Neben der offiziellen Staatsverschuldung (1.411 Mrd. Euro per 30.6.2004) beruft sich Metzger auf eine &bdquo;implizite Verschuldung&ldquo; von 5.700 Mrd. Euro lt. Angaben des SVR und folgert, dass somit die &bdquo;wahre Verschuldung Deutschlands&ldquo; mit &bdquo;mehr als dem Dreifachen der Jahreswirtschaftsleistung&ldquo; zu Buche schl&auml;gt. Gro&szlig;e moralische Entr&uuml;stung Oswald Metzgers: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir vers&uuml;ndigen uns an den nachkommenden Generationen, weil wir deren Handlungsspielr&auml;ume bereits heute verspielen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Hier ist jedoch nicht der Ort, die Berechnung des SVR zu verifizieren. Gemeint ist letztlich der angeblich verengte &bdquo;Handlungsspielraum&ldquo; aus k&uuml;nftig zu hohen Staatsausgaben f&uuml;r die Altengenerationen. <\/p><p>Damit tr&auml;gt Metzger das Problem in eine fiskalisch irrationale Dimension, weil ja erstens diese &bdquo;implizite Verschuldung&ldquo; nicht aus finanzmarktf&auml;higen Schuldtiteln besteht und insgesamt nicht irgendwie schlagartig getilgt werden m&uuml;sste. Zweitens ist hierf&uuml;r keine laufende Verzinsung erforderlich. Es handelt sich zun&auml;chst um k&uuml;nftige gesetzliche Versorgungsanspr&uuml;che der noch lebenden Altenkohorten. Sie verteilen sich auf deren gesamte weitere Lebenszeit ratenweise. Sie m&uuml;ssen anteilig der immer aktuellen konsumierenden Versorgungsberechtigtenanzahl laufend aus dem j&auml;hrlichen Volkseinkommen zur Auszahlung an die jeweiligen Rentnerkohorten gelangen, gedeckt durch Sozialabgaben (und private Altersversicherungen) sowie Steuereinnahmen. <\/p><p>Damit wird die j&auml;hrlich wirksame Last aus der &bdquo;impliziten&ldquo; Verschuldung &uuml;bersehbar und handhabbar, denn sie verteilt sich immer auf eine solche Anzahl von Jahren, die einem Jahrgangsspektrum des maximalen Rentenbezugszeitraumes ausgabenseitig zuzuordnen ist. In diesem Zeitraum flie&szlig;en laufend neue SV-Einnahmen von sp&auml;teren Rentnerkohorten in die GRV-Kasse, so dass die hierf&uuml;r letztlich faktische Steuerlast sich aus den Salden der Jahrgangsdaten f&uuml;r Einnahmen und Ausgaben ergibt. Dies ist normal f&uuml;r ein Umlageverfahren in der Rentenfinanzierung mit staatlicher Garantie des Saldenausgleichs. F&uuml;r die staatlichen Pensionen ist ohnehin der Steuerzahler von vornherein allein belastet. <\/p><p>V&ouml;llig unbemerkt &uuml;bergeht Metzger die Konsumtion aus diesen Versorgungsanspr&uuml;chen als Faktor der effektiven und k&uuml;nftigen Kaufkraftbildung und damit der Endnachfrage auf dem Markt &ndash; Rentnerkaufkraft als Wirtschaftsfaktor f&uuml;r das produzierte Marktangebot. Wachsende Arbeitsproduktivit&auml;t bei st&auml;ndig wachsendem BIP-Potential d&uuml;rfte die Versorgungsanspr&uuml;che der jeweiligen Altenkohorten auch k&uuml;nftig volkswirtschaftlich sicherstellen k&ouml;nnen &ndash; selbst wenn man von den sp&auml;teren M&ouml;glichkeiten absieht, die reale Altenkonsumtionsrate zu optimieren. (Immerhin pflegen die Altengenerationen zunehmend Geld- und Sachverm&ouml;gen zu vererben.) Dar&uuml;ber hinaus gilt, dass eine rein private Alterssicherung &uuml;ber den Kapitalmarkt nicht nur stark risikobehaftet ist, sondern gleichfalls darauf hinaus l&auml;uft, die Konsumtionsanspr&uuml;che der Alten aus dem j&auml;hrlichen materiellen Volkseinkommen abzudecken. Hierin besteht letztlich kein qualitativer Unterschied zum bisherigen SV-Umlageverfahren. <\/p><p><strong>2.3. Eine &uuml;ble Desinformation<\/strong> <\/p><p>Die manipulierende Darstellung Metzgers wird besonders deutlich in seiner Abbildung 2, wo er die &bdquo;Sozialausgaben im Verh&auml;ltnis zu den Steuereinnahmen des Bundes&ldquo; zeigt. Es ist von &bdquo;Sozialausgaben&ldquo; die Rede, ohne dass hierf&uuml;r eine erkennbare inhaltliche Abgrenzung erfolgt oder auf die g&uuml;ltige Abgrenzung der Sozialleistungen gem&auml;&szlig; Statistik abgehoben wird. So steigt angeblich der &bdquo;Anteil der f&uuml;r Sozialausgaben verwendeten Steuereinnahmen&ldquo; von &uuml;ber 40 % im Jahr 1992 bis &uuml;ber 60 % im Jahr 2004 an, d.h. es wird definitiv ausgesagt, dass bereits &uuml;ber 60 % aller Steuern f&uuml;r Sozialausgaben verwendet werden. Der &bdquo;Anteil der f&uuml;r die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) verwendeten Steuereinnahmen&ldquo; wird f&uuml;r 2004 bei 24 % ausgewiesen. Diese Darstellung ist irritierend bzw. schlichtweg falsch: Es geht sachlich um denjenigen Teil der Sozialausgaben, der aus Steuermitteln gezahlt wird; nicht aber darum zu bestimmen, welchen Anteil die Sozialausgaben an den Steuereinnahmen haben. <\/p><p>Im &bdquo;Sozialkompass Europa&ldquo; (Ausgabe 2003) wurde f&uuml;r Deutschland im Jahre 2000 der staatliche Anteil aus Steuern an der Finanzierung aller Sozialleistungen mit 32,5 % benannt, im Durchschnitt der EU-15 lag er dagegen bei 35,8 %. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Im &bdquo;Statistischen Taschenbuch&ldquo; f&uuml;r 2004 sind Angaben f&uuml;r das Jahr 2002 f&uuml;r s&auml;mtliche Sozialausgaben in H&ouml;he von 697,53 Mrd. Euro ausgewiesen, wobei die staatlichen Zuweisungen 266,96 Mrd. Euro oder 38,26% der Gesamtsumme betragen. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Die Fiktion, dass 60 % der Steuern in Deutschland f&uuml;r Sozialleistungen ausgegeben werden, ist eine Fehlinterpretation von Oswald Metzger, die desinformiert.<\/p><p>Im EU-Vergleich betr&auml;gt die Sozialleistungsquote am BIP f&uuml;r das Jahr 2000 in den EU-15-L&auml;ndern 27,3 %, in Deutschland 29,5 % und in Frankreich 29,7 %. Es kann also auch von extrem hohen Sozialleistungen (relativ zum BIP) in Deutschland keine Rede sein. <\/p><p><strong>2.4. Metzgers &bdquo;Verschuldungsverbot&ldquo;<\/strong> <\/p><p>Metzger: <\/p><blockquote><p>&raquo;Ich pl&auml;diere f&uuml;r ein Verschuldungsverbot in der Verfassung, das nur eine Ausnahme kennt: In der Rezession k&ouml;nnen konjunkturbedingte Einnahmeausf&auml;lle und Mehrausgaben f&uuml;r den Arbeitsmarkt mit &Uuml;berziehungskrediten aufgefangen werden, die aber &uuml;ber den Konjunkturzyklus hinweg wieder ausgeglichen werden m&uuml;ssen.&laquo; <\/p><\/blockquote><p>&Uuml;berziehungskredite sind auch staatliche Verschuldung, die erst von Metzger angeprangert und nunmehr wieder begrenzt bef&uuml;rwortet wird &ndash; offenbar geht es auch bei einem Neoliberalen nicht ohne staatliche Neuverschuldung ab. <\/p><p>Allerdings bildet der Ausgleich &bdquo;&uuml;ber den Konjunkturzyklus hinweg&ldquo; immer ein operatives Problem, weil sich zumeist keine deutlichen zus&auml;tzlichen au&szlig;erplanm&auml;&szlig;igen Haushaltseinnahmen ermitteln lassen, um tats&auml;chlich zu tilgen. Ab wann muss diese Tilgung wirksam einsetzen, ohne eine anspringende Konjunktur zu drosseln? Hier ergeben sich Fragen, die dereinst schon Karl Schiller in Bedr&auml;ngnis brachten. <\/p><p>Jeder Finanzwissenschaftler wird sich hiernach fragen: was ist eigentlich neu an Metzgers Vorschlag? Sicherlich &uuml;bergeht er die Verschuldung f&uuml;r staatliche Konjunkturprogramme und beschr&auml;nkt sich auf die Arbeitsmarktseite. Aber damit ist auch klar, dass keinerlei Impulse f&uuml;r die Konjunktur durch diesen Vorschlag ausgel&ouml;st werden k&ouml;nnten. Aus neoliberaler Sichtweise Metzgers sollen sie &uuml;berhaupt nicht ausgel&ouml;st werden. <\/p><p>Jedoch &uuml;bergeht er auch die Verschuldung f&uuml;r Vorhaben der &ouml;ffentlichen Infrastruktur im au&szlig;erkonjunkturellen Sinne, was erhebliche negative Wachstumsimpulse ausl&ouml;sen muss.<br>\nHier befindet er sich in Gegensatz zu jenen Volkswirtschaftlern, die vom Grunde her die &ouml;ffentliche Verschuldung f&uuml;r die Infrastruktur akzeptieren. Aus Metzgers Sicht ist es offenbar kein Problem, wenn die &uuml;ppig anwachsenden Geldverm&ouml;gen auf den globalen Kapitalmarkt str&ouml;men, statt in die staatliche Finanzierung von vernachl&auml;ssigten Infrastrukturen zu flie&szlig;en, f&uuml;r die zunehmende Steuereinnahmen als Finanzierungsquelle ausbleiben. <\/p><p>Das reale Problem besteht ferner darin, den Eintritt einer Rezession f&uuml;r die nationale Wirtschaft exakter zu bestimmen, also den Grad des Wirtschaftsr&uuml;ckschlags und den Umfang notwendiger Ma&szlig;nahmen auf dem Arbeitsmarkt rechtzeitig abzusch&auml;tzen. Gelingt dies nicht, ist mit Verz&ouml;gerungen in der Reaktion des Staates zu rechnen, der seine operativen Ma&szlig;nahmen-Finanzierungen erst pr&auml;zisieren und einleiten muss. Die weitere Reaktion des Arbeitsmarktes selbst ist ohnehin nicht von diesen Ma&szlig;nahmen abh&auml;ngig, weil sie den G&uuml;termarkt nicht direkt ber&uuml;hren, sondern nur eine soziale Pufferfunktion aus&uuml;ben. <\/p><p>Klappt es aber nicht mit dem vorstehenden &bdquo;Verfassungsverbot&ldquo;, dann &bdquo;w&auml;re die vom DIW Berlin propagierte Festschreibung eines Ausgabenpfades in einem mehrj&auml;hrigen Haushaltsgesetz&ldquo; die Alternative. Jedoch auch eine solche L&ouml;sung setzt daf&uuml;r hinreichende Einnahmen voraus, die den &bdquo;Ausgabenpfad&ldquo; weit &uuml;berdecken m&uuml;ssten, um das prim&auml;re Defizit zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, die Neuverschuldung zu reduzieren und letztendlich echte &Uuml;bersch&uuml;sse zu erreichen. Die Abstraktion vom realistischen Wachstumspfad ist fatal. <\/p><p>Damit ist die Ambivalenz von weiteren Steuersenkungen, gleichzeitigem Schuldenabbau und einem moderaten &bdquo;Ausgabenpfad&ldquo; wirklich &bdquo;nachhaltig&ldquo; evident. Dies bedeutet eine unwahrscheinliche &bdquo;Gratwanderung&ldquo; f&uuml;r jeden Exponenten solcher Fiskalpolitik &uuml;ber Jahre hinweg, wie auch das Missgeschick von Hans Eichel zeigt. <\/p><p>Metzger impliziert permanente Strukturreformen als Voraussetzung f&uuml;r &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo; und f&uuml;hrt auch eine Reihe von Detail-Vorschl&auml;gen dazu auf, die hier nicht diskutiert werden sollen. Sie betreffen das Sozialversicherungssystem. Die nahe liegende Implikationen ausreichend hoher realer Wachstumsraten und resultierende hohe Steuereinnahmen dagegen werden von ihm nicht akzentuiert, weil er als Neoliberaler auf Steuersenkungen schw&ouml;rt, obwohl diese Politik bereits zuletzt auch in Deutschland gescheitert ist. <\/p><p><strong>3. Zu volkswirtschaftlichen und sozialen Aspekten <\/strong><\/p><p><strong>3.1. Eine fragw&uuml;rdige &bdquo;Tendenz&ldquo; <\/strong><\/p><p>Oswald Metzger ist Entdecker eines wirtschaftlichen Zusammenhangs besonderer Art. Er schreibt: Die &bdquo;steigenden Ausgaben f&uuml;r Zinsen, Pensionen und Sozialleistungen&ldquo; wachsen &bdquo;k&uuml;nftig mit st&auml;rkerer Tendenz als das nominale Bruttoinlandprodukt&ldquo;. Dies habe dann auch die Konsequenz, dass &bdquo;ein auf Konsolidierung angelegter Ausgabenpfad f&uuml;r alle &ouml;ffentlichen Haushalte, der z. B. halb so hoch definiert wird wie das nominale Bruttoinlandprodukt, ohne Strukturreformen&ldquo; komplexer Art &bdquo;&uuml;berhaupt nicht erreicht&ldquo; werden k&ouml;nnte. <\/p><p>Hier ist zun&auml;chst die These von der Tendenz selbst h&ouml;chst fragw&uuml;rdig, denn die Sozialausgaben, Pensionen und Zinsen steigen aus jeweils sachlich voneinander unabh&auml;ngigen Gr&uuml;nden und insgesamt nicht logisch zwingend verkn&uuml;pft mit dem BIP-Wachstum. Sie steigen daher auch nicht logisch zwingend schneller als das BIP-Wachstum, wenn man nicht besondere Sachverhalte impliziert. Ein solcher besonderer Sachverhalt w&auml;re das tendenzielle Null-Wachstum des BIP oder eine langj&auml;hrige Stagnation. <\/p><p>Damit wird auch klar, dass aus Metzgers Sicht das k&uuml;nftige BIP-Wachstum f&uuml;r Deutschland keine g&uuml;nstige Prognose haben kann. Er gibt sich nicht einmal die M&uuml;he zu zeigen, dass das finanzwissenschaftliche Kriterium der &bdquo;Tragf&auml;higkeit&ldquo; der Haushaltslage bereits hinreichend in der Lehrbuch-Literatur beschrieben wurde und u. a. die reale Wachstumsrate als eine von mehreren entscheidenden Variablen zeigt. Es ist &bdquo;die Gefahr einer instabilen Entwicklung um so wahrscheinlicher, je schw&auml;cher das reale BIP w&auml;chst&ldquo;, vermerkt z. B. Prof. Cezanne. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Dazu tr&auml;gt auch ein stetiges Absinken der &ouml;ffentlichen Investitionen wesentlich bei. Auf aktuelle ausf&uuml;hrliche Darstellungen zur Tragf&auml;higkeit der staatlichen Verschuldung muss verwiesen werden. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Verk&uuml;rzt sei hier lediglich erw&auml;hnt, dass diese Tragf&auml;higkeit proportional der realen BIP-Wachstumsrate und der Verringerung der Prim&auml;rdefizitrate sowie umgekehrt proportional der H&ouml;he der Realzinsrate tendiert. Bei einer stabilen oder sinkenden Schuldenstandsquote am BIP wird die Tragf&auml;higkeit bereits als erreicht betrachtet. Prof. Br&uuml;mmerhoff folgert: &bdquo;Das Problem ist demnach nicht die bestehende Verschuldung, sondern ein wachsender Anteil der Verschuldung am Bruttoinlandprodukt&ldquo;. [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Die Frage des problematischen Verh&auml;ltnisses von &uuml;blicher &bdquo;Tragf&auml;higkeit&ldquo; zur begrifflichen &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo; der Haushaltsfinanzierung wird jedoch bei Metzger ausgeklammert (siehe: Punkt 5). <\/p><p>Worauf es Metzger letztlich allein ankommt, ist: die neoliberale Zwangsvorstellung von den permanenten Strukturreformen fest in der &Ouml;ffentlichkeit zu positionieren. <\/p><p><strong>3.2. Zu den Arbeitskosten <\/strong><\/p><p>Metzger spricht von &bdquo;der arbeitsplatzvernichtenden Wirkung der hohen deutschen Arbeitskosten&ldquo; und erkl&auml;rt, dass die &bdquo;fatale Folge der hohen Arbeitskosten&ldquo; &bdquo;eine signifikante Unterbesch&auml;ftigung im Bereich der Geringqualifizierten&ldquo; sei. Nat&uuml;rlich wei&szlig; jeder deutsche Volkswirtschaftler, dass die arbeitsplatzvernichtende Wirkung der Produktivit&auml;tsfortschritte und der Rationalisierungsinvestitionen auf einem globalen Wettbewerbsmarkt durch das Kriterium der Tendenz der relativen H&ouml;he der konkurrierenden Profitraten, speziell auch der Lohnst&uuml;ckkostenentwicklung, ausgel&ouml;st wird, die ja bekanntlich die gesamten Arbeitskosten einschlie&szlig;en. Den im multifaktoriellen Sinne mitbeteiligten Arbeitskosten kommt hier nicht die logische Hauptrolle zu. <\/p><p>Au&szlig;erdem ist v&ouml;llig uneinsichtig, wieso gerade die Gruppe mit den niedrigsten Arbeitskosten &ndash; eben die Geringqualifizierten &ndash; auf dem Arbeitsmarkt gezielt marginalisiert werden sollten, wenn doch angeblich die deutschen Arbeitskosten generell &bdquo;zu hoch&ldquo; sind. Die besonders hohen Arbeitskosten sind in der Gruppe der Hochqualifizierten zu suchen. In einem arbeitsteiligen Wertsch&ouml;pfungsprozess kann man die Kooperation von Hoch- und Niedrigqualifizierten &uuml;berhaupt nicht analytisch streng auf die Produktivit&auml;t im Unternehmen aufgliedern. Es ist immer eine unternehmerische Entscheidung, ob Lohnkosten bei geringer oder bei den hoch qualifizierten Lohnempf&auml;ngern &bdquo;eingespart&ldquo; werden sollen. Entscheidend sind am Ende die Gesamtlohnkosten an der Wertsch&ouml;pfung. <\/p><p>Im internationalen Vergleich zeigt sich kein signifikanter Zusammenhang von H&ouml;he der Arbeitskosten und Umfang oder Dauer der Arbeitslosigkeit von Geringqualifizierten, den Metzger ausdr&uuml;cklich unterstellt. <\/p><p><strong>3.3. Zur Lohnspreizung <\/strong><\/p><p>Nach Metzger wird die &bdquo;Unterbesch&auml;ftigung im Bereich der Geringqualifizierten&ldquo; &bdquo;beg&uuml;nstigt durch eine zu geringe Lohnspreizung in den Tarifvertr&auml;gen und flankiert von zu hohen Sozialtransfers des Staates f&uuml;r Arbeitsf&auml;hige.&ldquo; Das l&auml;uft auf das Argument hinaus, je niedriger der Tariflohn f&uuml;r Geringqualifizierte, umso mehr Jobs sind im Angebot, und je niedriger die Sozialtransfers, umso h&ouml;her ist die Nachfrage nach Billiglohnjobs. Hartz-IV l&auml;sst gr&uuml;ssen! <\/p><p>In Wirklichkeit ist das Angebot von Jobs f&uuml;r Geringqualifizierte nicht unabh&auml;ngig von einer konkreten Funktion im unternehmerischen Wertsch&ouml;pfungsprozess, bei Absicherung der technischen Ausr&uuml;stung f&uuml;r solche Arbeitspl&auml;tze oder der M&ouml;glichkeit ihrer effektiven Auslastung. Auch in diesem Punkte erweist sich Metzger als ein zu grob Vereinfachender. <\/p><p><strong>4. Fazit: Metzgers Argumentationslinie <\/strong><\/p><p>Die Nachzeichnung der Argumente Oswald Metzgers zeigt die Widerspr&uuml;chlichkeit seiner Sicht auf die &bdquo;Nachhaltigkeit der Finanzpolitik&ldquo;, die er argumentativ begr&uuml;nden will. Typisch f&uuml;r seine hier erwiesene einseitige Sicht auf der Ausgabenseite ist die weitgehende Ausblendung einer differenzierteren Sicht auf der Einnahmeseite der &ouml;ffentlichen Haushalte. Hier umgeht er u. a. die kritische Frage nach den Steuerverg&uuml;nstigungen und hohen Steuerentlastungen f&uuml;r die Gewinn- und Verm&ouml;genseinkommen sowie Unternehmen. Die &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo; einer Konsolidierung der Haushalte wird ohne Bezug auf die Prognose des BIP-Wachstums vorwiegend aus der Ausgabenseite abgeleitet oder auf sie verschoben. Es fehlt eine Diskussion oder Rekapitulation der finanzwissenschaftlichen Kriterien f&uuml;r die Tragf&auml;higkeit der &ouml;ffentlichen Haushaltsverschuldung u. a. auch aus der aktuellen Lehrbuch-Literatur &ndash; kein &bdquo;Ruhmesblatt&ldquo; f&uuml;r ein als &bdquo;Distinguished Fellow&ldquo; angezeigten Autor der neoliberalen Extra-Klasse. <\/p><p><strong>5. Nochmals zum Nachhaltigkeitsbegriff <\/strong><\/p><p>Die wenig pr&auml;zise Fassung von &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo; bei Metzger zwingt dazu, auf die Aussagen des SVR zur&uuml;ckzukommen, um hierzu einige Feinheiten zu erkennen. Der SVR formulierte im &bdquo;Jahresgutachten 2003\/2004&ldquo; wie folgt: <\/p><blockquote><p>&raquo;Auf europ&auml;ischer Ebene ist die Nachhaltigkeit oder Tragf&auml;higkeit der Finanzpolitik zur wichtigsten Leitlinie der Haushaltspolitik geworden. So verpflichtet Artikel 121 Absatz 1 EG-Vertrag die Mitgliedstaaten, &bdquo;eine auf Dauer tragbare Finanzlage der &ouml;ffentlichen Hand&ldquo; sicherzustellen. Die Beurteilung nachhaltiger &ouml;ffentlicher Finanzen erfolgt dabei an Hand der H&ouml;he der gesamtstaatlichen Finanzierungssalden oder Schuldenst&auml;nde. Durch die Vermeidung &uuml;berm&auml;&szlig;iger Defizite im Sinne des Artikel 104 Absatz 1 EG-Vertrag mit den Referenzwerten von 3 vH als Obergrenze f&uuml;r die Defizitquote und 60 vH f&uuml;r die Schuldenstandsquote sowie durch die in der Entschlie&szlig;ung des Europ&auml;ischen Rates zum Stabilit&auml;ts- und Wachstumspakt enthaltene Vorgabe eines mittelfristigen Haushaltsausgleichs soll eine nachhaltige Finanzpolitik gesichert werden.&laquo;<\/p><\/blockquote><p>Hiernach wird zun&auml;chst erkennbar, dass &bdquo;Tragf&auml;higkeit&ldquo; und &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo; synonyme Ausdr&uuml;cke sind, die nach EU-Recht inhaltlich gleichbedeutend rangieren. Die Tragf&auml;higkeit signalisiert demnach einen j&auml;hrlich gegebenen Zustand in der Einhaltung der vorstehend benannten Konvergenzkriterien. Mit einer solchen Interpretation will der SVR sich jedoch nicht abfinden, weil hierin immer nur die &bdquo;explizite&ldquo; Staatsverschuldung ber&uuml;cksichtigt wird. Die Bedingungen f&uuml;r die k&uuml;nftigen Jahre mit ihren steuerlichen Gesamtbelastungen f&uuml;r den Staat sind hier nicht einbezogen. Diese in die Zukunft gerichteten, zu erwartenden steuerlichen Belastungen aus gegenw&auml;rtigen Haushaltsverpflichtungen (insbesondere der staatlichen Renten- und Pensionsverpflichtungen) sollen als &bdquo;implizite&ldquo; Schulden verortet werden &ndash; ein durch die EU-Kriterien f&uuml;r die Verschuldung nicht mehr abgedecktes Verfahren. Der SVR verk&uuml;ndet hierzu seine Auffassung: <\/p><blockquote><p>&raquo;Neben der expliziten staatlichen Verschuldung muss zus&auml;tzlich auch eine m&ouml;gliche implizite Verschuldung ber&uuml;cksichtigt werden. Das Konzept der Tragf&auml;higkeitsl&uuml;cke, das aus einer langfristigen Betrachtung der staatlichen Einnahme- und Ausgabenstr&ouml;me abgeleitet wird, beschreibt dann den notwendigen finanzpolitischen Handlungsbedarf zur Sicherstellung tragf&auml;higer &ouml;ffentlicher Haushalte. Unter Zugrundelegung plausibler Parameterwerte ergibt sich f&uuml;r Deutschland im Jahr 2002 eine erhebliche Tragf&auml;higkeitsl&uuml;cke, die die Schuldenstandsquote um ein Mehrfaches &uuml;bersteigt.&laquo; <\/p><\/blockquote><p>Diese &bdquo;in die Zukunft gerichteten Verpflichtungen des Staates&ldquo; insbesondere aus der Alterssicherung sind h&ouml;chst unterschiedlich in den Staaten der EU vorhanden &ndash; hier fehlt jede Vereinheitlichung, die einen einheitlichen EU-Ma&szlig;stab zur Begrenzung sinnvoll gestatten w&uuml;rde. Daher bedeutet diese inhaltliche Ausweitung des Begriffes &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo; letztlich einen nationalen Alleingang des SVR bei der EU-weiten Konsolidierungsstrategie, der eine unwahrscheinlich harte und einseitige Versch&auml;rfung der &bdquo;nachhaltigen&ldquo; Ausgabenpolitik einschlie&szlig;t. Unter diesen Vorzeichen des SVR sind daher rigorose Ausw&uuml;chse einer staatlichen Konsolidierungspolitik vor allem im Sozialbereich gleichsam fachlich als &bdquo;nachhaltig&ldquo; legitimiert. <\/p><p>Die riesige Summe einer &bdquo;impliziten Verschuldung&ldquo;, die der Staat zwar k&uuml;nftig ratenweise tragen muss, die aber einer materiellen Verwendung laufend ansteigender Volumina der j&auml;hrlichen Volkseinkommen entspricht, wird so zum erdr&uuml;ckenden Popanz hochstilisiert. Dies ist fachlich motivierte Angstpropaganda &ndash; w&auml;hrend die Expansion von privaten reinen Geldverm&ouml;gen und Zinseszinseinkommen unvermindert fortgesetzt und forciert wird. <\/p><p>Daher ist eine Deutung der Tragf&auml;higkeit oder Nachhaltigkeit, wie mit den EWU-Kriterien juristisch vorgegeben oder aber wie &ouml;konomisch seitens der wirtschaftswissenschaftlichen Lehrmeinung l&auml;ngst exakt bestimmbar ist, die einzig sachgerechte und international vergleichbare Interpretation. Allerdings sollte hierbei aus alternativer Sicht das Primat einer &ouml;konomisch relevanten Bestimmung der nationalen Tragf&auml;higkeit von Haushaltsverschuldung gelten. Die juristischen Kriterien sollen den &ouml;konomischen Anforderungen entsprechend flexibilisiert werden.<br>\nDie als Schreckgespenst herangezogene &bdquo;implizite&ldquo; Verschuldung geh&ouml;rt nicht in diesen Kontext und muss k&uuml;nftig weiter &uuml;ber den laufend durch SV-Einnahmen erh&ouml;hten Sozialhaushalt und seine steuerlichen Zusch&uuml;sse gesondert geregelt werden. <\/p><p><strong>6. Zur &Uuml;berwindung des neoliberalen Haushaltsdilemmas <\/strong><\/p><p>Das von der rot-gr&uuml;nen Steuerpolitik konsequent herbeigef&uuml;hrte Dilemma aus den bekannten ambivalenten, ja kontradiktorisch wirkenden Ma&szlig;nahmen von gleichzeitigen hohen Steuersenkungen, harten K&uuml;rzungen der Ausgaben und straffen Reduzierungen der laufenden Neuverschuldung muss vor allem dann rasch &uuml;berwunden werden, wenn das stagnierende Wirtschaftswachstum den Zustrom von Haushaltseinnahmen drosselt oder verhindert. Ohne eine signifikante Erh&ouml;hung der stagnierenden Wachstumsraten kann der Staat nicht die Kriterien der Tragf&auml;higkeit der Verschuldung erreichen &ndash; das Ziel besteht in einem stetigen echten &bdquo;Herauswachsen aus dem Schuldendilemma&ldquo;. Dies wird bei angemessen hoher und stabiler Steuerquote am BIP letztlich abgesichert. <\/p><p>Solange die Politik die divergierenden Ziele der Haushaltspolitik nicht aufgibt, wird es keine &Uuml;berwindung des vorstehenden Dilemmas geben &ndash; das verhindern die R&uuml;ckkopplungseffekte der ausgabenseitigen &bdquo;Konsolidierungspolitik&ldquo; auf das Wachstum. Die L&ouml;sung besteht in der sofortigen Aussetzung weiterer &bdquo;globaler&ldquo; Konsolidierungen auf der Haushaltsausgabenseite, der befristeten Lockerung der Neuverschuldung f&uuml;r investive Zwecke im Infrastrukturbereich, der Absicherung h&ouml;herer und hinreichender Haushaltseinnahmen durch Steuern und Abgaben, Bef&uuml;rwortung einer produktivit&auml;tsorientierten Lohnpolitik der Tarifpartner sowie einer erg&auml;nzenden, wachstumsf&ouml;rderlichen Geld- und Zinspolitik durch die EZB. Diese makro&ouml;konomische Koordination ist l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llig und wird von kritischen Makro&ouml;konomen eingefordert. <\/p><p>Bei sprunghaft steigenden Unternehmensgewinnen trotz &bdquo;Stagnationsphase&ldquo;, wieder h&ouml;heren Gewinnr&uuml;cklagen und hohem Cash-Flow, wachsendem Export&uuml;berschuss, st&auml;ndig steigenden privaten Geldverm&ouml;gen und hohem Geldkapitalexport ist der Ruf nach einer noch h&auml;rteren Konsolidierung auf der Ausgabenseite der (Sozial-)Haushalte nichts anderes als unverh&uuml;llter &bdquo;Klassenkampf von oben&ldquo; gegen die Masse der Einkommensschwachen und generell Sozialtranferabh&auml;ngigen. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Vgl. hierzu Prof. Jarass, &bdquo;Kapitalbesteuerung in Deutschland und in Europa&ldquo;, Gutachten vom 3.11.2004<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Vgl. hierzu: IfW Kiel, Arbeitspapier Nr. 1220 &bdquo;Steuerverg&uuml;nstigungen in Deutschland&ldquo;, August 2004<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] VDR, Rentenversicherung in Zahlen 2004, S. 12<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Siehe hierzu u. a.: Prof. Dr. Christoph Butterwegge, &bdquo;Zwischen der sozialen Wirklichkeit und ihrer &ouml;ffentlichen Wahrnehmung liegen Welten&ldquo;, Bemerkungen zum demografischen Wandel bzw. zur Notwendigkeit seiner Entdramatisierung anl&auml;sslich einer Anh&ouml;rung im Hessischen Landtag am 10.11.2004. Dort ist die kritische Literatur umfangreicher nachgewiesen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] BMGS, &bdquo;Sozialkompass Europa&ldquo;, Ausgabe 2003, S. 13<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] BMSG, &bdquo;Statistisches Taschenbuch 2004&ldquo;, Tab. 7.3<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Cezanne, &bdquo;Allgemeine Volkswirtschaftslehre&ldquo;, 5. Auflage 2002, S. 461<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Clement\/Terlau\/Kiy, &bdquo;Grundlagen der angewandten Makro&ouml;konomie&ldquo;, Vahlen 2004, 3. Auflage, S. 550 f.f.; Heine\/Herr, &bdquo;Volkswirtschaftslehre&ldquo;, Oldenbourg 1999, S. 523-527; Br&uuml;mmerhoff, &bdquo;Finanzwissenschaft&ldquo;, Oldenbourg 2001, 8. Auflage , S. 605 ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Br&uuml;mmerhoff, a.a.O., S. 607<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einige Widerspr&uuml;che und L&uuml;cken neoliberaler Defizitdogmatik<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,135,137,30],"tags":[519,1168,392,325,449,1207],"class_list":["post-162","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-finanzpolitik","category-steuern-und-abgaben","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-diw","tag-metzger-oswald","tag-schuldenbremse","tag-staatsschulden","tag-umsatzsteuer","tag-unternehmenssteuer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/162","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=162"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/162\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58689,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/162\/revisions\/58689"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=162"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=162"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=162"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}