{"id":16297,"date":"2013-02-22T12:27:48","date_gmt":"2013-02-22T11:27:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16297"},"modified":"2015-07-10T11:50:19","modified_gmt":"2015-07-10T09:50:19","slug":"warum-es-lohnt-den-stationaren-buchhandel-zu-unterstutzen-eine-aktion-der-nachdenkseiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16297","title":{"rendered":"Warum es lohnt, den station\u00e4ren Buchhandel zu unterst\u00fctzen. Eine Aktion der NachDenkSeiten."},"content":{"rendered":"<p>Wir m&ouml;chten Sie bitten, Ihren &ouml;rtlichen Buchhandel zu nutzen &ndash; weil es sich f&uuml;r Sie lohnt, weil es f&uuml;r die weitere Entwicklung unserer Innenst&auml;dte und Gemeinden wichtig ist, dort lebens- und leistungsf&auml;hige Buchhandlungen zu erhalten, und weil die St&auml;rkung des station&auml;ren Buchhandels volkswirtschaftlich sinnvoll ist. Wenn Sie unsere Aktion bef&uuml;rworten, dann leiten Sie diesen Beitrag bitte an Ihre Freunde\/innen und Bekannten weiter. Unsere Aktion geht zur&uuml;ck auf die Erfahrungen mit Amazon und vor allem auf die Anregung einer Buchh&auml;ndlerin. Sie hat uns einen gut recherchierten Text geschickt, den wir hiermit als Basis unserer Aktion an Sie weitergeben. Ihr Text endet so: &bdquo;Der selbstbestimmte Mensch beugt sich nicht dem Lauf der Zeit, er bestimmt sie. Und sei es nur, indem er sich zweimal &uuml;berlegt, wo er sein Geld hin tragen m&ouml;chte.&ldquo; Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nHier noch zwei Links zu den j&uuml;ngsten Beitr&auml;gen zum Thema auf den NachDenkSeiten: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16210\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16283#h02\">hier<\/a>.<\/p><p>Und nun der Text der Buchh&auml;ndlerin. Sie ist uns namentlich bekannt:<\/p><p><strong>Warum es lohnt, den station&auml;ren Buchhandel zu unterst&uuml;tzen<\/strong><\/p><p>Als ich letzte Woche den Artikel von Roland Reu&szlig; in der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/krise-des-buchhandels-der-amazon-studenten-dienst-erwartet-euch-12060489.html\">FAZ<\/a> gelesen hatte und noch am gleichen Abend die Dokumentation von <a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/information\/reportage-dokumentation\/dokus\/sendung\/hr\/13022013-ausgeliefert-leiharbeiter-bei-amazon-100.html\">Diana L&ouml;bl und Peter Onneken<\/a> &uuml;ber die Arbeitsbedingungen von Amazon sah, die nicht nur in <a href=\"http:\/\/www.ft.com\/intl\/cms\/s\/2\/ed6a985c-70bd-11e2-85d0-00144feab49a.html#slide0\">Deutschland<\/a> so sind, dachte ich zun&auml;chst, es interessiert ja keinen.<br>\n<a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/panorama\/amazon-beschaeftigte-hunderte-arbeitslose-unentgeltlich-id6047753.html\">&bdquo;Der Westen&ldquo;<\/a> berichtete seit 2011 regelm&auml;&szlig;ig &uuml;ber die Arbeitsbedingungen in Rheinsberg. Die Geschichte mit den kostenlosen Leiharbeitern schaffte es auch in den <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/gesetzesluecke-amazon-beschaeftigt-massenhaft-arbeitslose-ohne-verguetung-a-800166.html\">Spiegel<\/a>. Passiert ist nicht viel.<br>\nWenn ich jetzt die Kommentare im Netz zur Diskussion lese, kann ich einen gewissen Meinungswandel feststellen. <\/p><p>Ich m&ouml;chte die Gelegenheit nutzen, ein paar Argumente f&uuml;r den unabh&auml;ngigen Buchhandel zu liefern.<br>\nEs geht mir nicht darum, Amazon per se zu verteufeln. Wenn jemand Erfolg hat, dann g&ouml;nne ich ihm diesen auch. Faire Konkurrenz belebt das Gesch&auml;ft. Dieses Motto gilt sowohl Online als auch Offline.<\/p><p>Amazon verschafft sich jedoch Wettbewerbsvorteile mit unfairen Mitteln.<\/p><p>Alle kleinen und mittleren Unternehmen m&uuml;ssen (Ertrags- und Umsatz-) Steuern zahlen, Amazon tut das <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/gesetzesluecke-amazon-beschaeftigt-massenhaft-arbeitslose-ohne-verguetung-a-800166.html\">nicht oder nur im geringen Ma&szlig;e<\/a>. Dies ging schon mehrfach durch die <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Amazons-europaeisches-Steuersparmodell\/!91782\/\">Presse<\/a>.<br>\nAmazon und auch manche Buchhandelskette erhalten von den Verlagen weit h&ouml;here <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/188910\/\">Rabatte<\/a> als der unabh&auml;ngige Buchhandel. Dies wusste zwar jeder in der Branche, aber dank <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/594936\/\">Herrn Schroer<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/595320\/\">Herrn Thiele<\/a> ist dies nun auch best&auml;tigt. Ich bezweifle jedoch, dass weitere Verlage deren Beispiel folgen werden. Ich m&ouml;chte kurz anmerken, dass es laut Buchpreisbindungsgesetz <a href=\"http:\/\/www.berlinerbuchhandel.de\/sixcms\/media.php\/976\/Wortlaut_Preisbindungsgesetz.pdf\">&sect;6 (3) [PDF &ndash; 40 KB]<\/a> eigentlich verboten ist, dem Letztverk&auml;ufer gr&ouml;&szlig;ere Rabatte einzur&auml;umen als den Barsortimentern (KNV, Libri, Umbreit). Diese erhalten in der Regel 50%.<\/p><p>Die wichtigsten Argumente zugunsten des Online-Shoppings sind Preis und Angebotsvielfalt, Zeit und die Selbstbestimmung. <\/p><p><strong>Preis<\/strong><\/p><p>Eines der h&auml;ufigsten Argumente f&uuml;r Amazon ist die portofreie Lieferung. Das machen mittlerweile viele Buchhandlungen auch. Amazon liefert auch nur B&uuml;cher und Blu-Ray-DVDs versandkostenfrei. F&uuml;r weitere Artikel gilt eine versandkostenfreie Lieferung erst ab 20 Euro Einkaufswert.<br>\nAmazon hat als Gro&szlig;kunde auch Sonderkonditionen bei der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/angebliche-kampfpreise-fuer-grosskunden-kartellamt-leitet-verfahren-gegen-deutsche-post-ein-11950599.html\">Deutschen Post<\/a>. Gro&szlig;kunden bekommen Rabatte und bevorzugte Lieferungen zugesichert. W&auml;hrend Amazon seine B&uuml;cher meist auf den n&auml;chsten Tag verschicken kann, brauchen unsere B&uuml;chersendungen auch mal bis zu sieben Tage, bis sie beim Kunden ankommen. &Uuml;brigens sind dieses Jahr auch die Portokosten der B&uuml;chersendungen um 15 bzw. 20 Cent gestiegen.<br>\nEine E-Mail an den Buchh&auml;ndler gen&uuml;gt und man kann sich das Buch meist am n&auml;chsten Tag abholen. Der Buchh&auml;ndler kann einen Gro&szlig;teil der gew&uuml;nschten Titel auf den n&auml;chsten Tag bestellen und in der Regel informiert er die Kunden kurz, wenn das Buch eingetroffen ist.<br>\nUnd die B&uuml;cher kosten &uuml;berall das Gleiche. Ich wei&szlig;, dass auf dem Marketplace neue B&uuml;cher auch billiger angeboten werden. Aber manch einer hat vielleicht schon bemerkt, dass B&uuml;cher, die zwar regul&auml;r lieferbar sind, von Amazon direkt aber nicht angeboten werden, extrem <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/offer-listing\/325720308X\/ref=dp_olp_new?ie=UTF8&amp;condition=new\">&uuml;berteuert<\/a> angeboten werden. Dies sollte manchem Kritiker der Buchpreisbindung zu denken geben. Die Preisgestaltung richtet sich n&auml;mlich nach der Verf&uuml;gbarkeit. Der konkurrenzlose Anbieter bestimmt den Preis.<\/p><p><strong>Angebotsvielfalt<\/strong><\/p><p>Die n&auml;chste Unwahrheit ist, das  Amazon alles auf Lager hat &ndash; die ber&uuml;hmte Angebotsvielfalt.<br>\nHier wurde eine geniale Werbekampagne aufgebaut. Amazon wurde dadurch zum Ma&szlig; aller Dinge.<br>\nThalia versuchte zu Offline-Zeiten eine gro&szlig;e Auswahl mit seinen gro&szlig;en offenen Filialen und der Stapelware vorzut&auml;uschen. &bdquo;Erlebniseinkauf&ldquo; hie&szlig; das Zauberwort. Andere Ketten folgten dem Beispiel. Die Buchbranche wurde stark &ouml;konomisert. <a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/page\/?source=\/kulturzeit\/themen\/143983\/index.html\">Thalia<\/a>, Weltbild &amp; Co. haben mit ihrer aggressiven <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/buchhandel-an-der-rabattgrenze-1279586.html\">Expansionspolitik<\/a> den unabh&auml;ngigen Buchhandel zuerst ins Wanken gebracht. Kleine Buchhandlungen mussten schlie&szlig;en und mittlere Traditionsbuchhandlungen wurden &uuml;bernommen. Bestseller gab es nun in Stapeln, der Einkauf wurde <a href=\"http:\/\/www.buchreport.de\/nachrichten\/handel\/handel_nachricht\/datum\/2009\/03\/23\/alle-wichtigen-titel-verfuegbar.htm\">zentral<\/a> gesteuert, Kultur, Auswahl und Beratung wichen dem <a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?q=thalia+entl%C3%A4%C3%9Ft&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=B6kkUaXJG-SB4gTa0YGYAQ&amp;ved=0CCMQpwUoBg&amp;source=lnt&amp;tbs=cdr:1,cd_min:01.01.1994,cd_max:01.01.2007&amp;tbm=#hl=de&amp;tbs=cdr:1,cd_min:01.01.1994,cd_max:01.01.2007&amp;sclient=psy-ab&amp;q=thalia+effektivit%C3%A4t&amp;oq=thalia+effektivit%C3%A4t&amp;gs_l=serp.3...27132.35108.1.35671.17.17.0.0.0.0.124.1674.10j7.17.0...0.0...1c.1.4.serp.VZg-mCqZBuk&amp;psj=1&amp;bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_qf.&amp;bvm=bv.42661473,d.bGE&amp;fp=e230fb3d47c6750f&amp;biw=1301&amp;bih=656\">renditeorientierten Wachstum<\/a>. Genau wie Amazon bei unrentablen Klassikern ein <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Tage-Burma-George-Orwell\/dp\/325720308X\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1361353734&amp;sr=8-1\">&bdquo;Derzeit nicht verf&uuml;gbar&ldquo;<\/a> meldet, wurden und werden bei Thalia exotische Titel und unkooperative Verlage aus dem Sortiment <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/a-709746.html\">entfernt<\/a> und die schrumpfende Auswahl mit Frontalpr&auml;sentation und Nonbooks verschleiert. Diese Taktik blieb vom Kunden allerdings nicht unbemerkt und Thalia hat in Amazon auch deshalb seinen Meister gefunden. Amazon hatte eben eine geniale Idee.<br>\nWas Amazon nicht selbst verkaufen wollte, erledigte  der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/wettbewerb-zwischen-marktplaetzen-bundeskartellamt-nimmt-amazon-ins-visier-12087577.html\">&bdquo;Marketplace&ldquo;<\/a> f&uuml;r den IT-Riesen. Thalia b&uuml;&szlig;te an Umsatz ein, schloss mehrere Filialen, zu dem auch manch ein vor kurzem &uuml;bernommenes <a href=\"http:\/\/www.rundschau-online.de\/bonn\/60-mitarbeiter-betroffen-universitaetsbuchhandlung-bouvier-wird-geschlossen,15185502,17172682.html\">Traditionsunternehmen<\/a> geh&ouml;rte, und wurde vom Finanzinvestor <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/douglas-thalia-soll-in-zwei-jahren-wieder-nachhaltig-geld-verdienen-11988842.html\">Advent<\/a> &uuml;bernommen, der die Kette &bdquo;nachhaltig&ldquo; auf Wachstumskurs bringen m&ouml;chte.<br>\nInzwischen werden im allgemein station&auml;ren Handel Titel, die sich in drei bis sechs Monaten nicht verkauft haben, remittiert. Ich kann den Frust von Herrn Reu&szlig; &uuml;ber die schwindende Auswahl in mancher Buchhandlung gut verstehen. Es kann nicht nur Bestseller geben, und &uuml;ber manch einen gut laufenden Titel haben gute Buchhandlungen interessante Werke, die vielleicht nur einmal im Jahr verkauft wurde, quer finanziert. Allerdings ist es dann nachvollziehbar, wenn die Auswahl schwindet, weil die Kunden nur noch online kaufen.<br>\nJede kleine Buchhandlung kann alles bestellen, was lieferbar ist. B&uuml;cher, DVDs, Globen, Noten. Auch Titel, die bei Amazon nicht gelistet sind. Ein guter Buchh&auml;ndler bestellt auch mal direkt beim Autor. Und auch wenn der Titel vergriffen ist &ndash; die meisten Buchh&auml;ndler haben das Motto &bdquo;Gibt&rsquo;s nicht, gibt&rsquo;s nicht!&ldquo; und besorgen den gew&uuml;nschten Titel antiquarisch. Und dies oft, wenn nicht immer, zu g&uuml;nstigeren Preisen als bei Amazon. <\/p><p><strong>Zeit<\/strong><\/p><p>Hier komme ich nun zum Faktor Zeit.<br>\nEin guter Buchh&auml;ndler steht und f&auml;llt mit der Kunst der Recherche. Er wei&szlig;, welche Datenbanken fehlerhaft sind, wo und wie er suchen mu&szlig;. Das ist wesentlicher Bestandteil seiner Ausbildung. Ja, man kann sich heutzutage selbst den ganzen Abend damit verbringen, sich durch die gro&szlig;e Angebotsvielfalt durch zu klicken. Man kann aber auch eine kurze E-Mail mit seinen W&uuml;nschen an seinen Buchh&auml;ndler schicken oder ihn kurz anrufen. Meist erh&auml;lt man am n&auml;chsten Tag eine relevante Auswahl an Titelvorschl&auml;gen.<br>\nEin beliebtes Mittel zur effektiven Kostenersparnis, die sich viele Betriebsberater ausgedacht haben, ist die Abw&auml;lzung von Serviceleistungen an den Kunden. Hier werden Arbeitspl&auml;tze eingespart, indem der &bdquo;selbstbestimmte&ldquo; Kunde in seiner Freizeit diese Arbeit &uuml;bernimmt. Immerhin sind die Online-Shops 24 Stunden am Tag f&uuml;r Sie ge&ouml;ffnet. <\/p><p><strong>&bdquo;Selbstbestimmung&ldquo;<\/strong><\/p><p>Ein weiterer &bdquo;Service&ldquo; von Amazon, der gelobt wird, besteht aus den ber&uuml;hmten Kundenrezensionen und den Algorithmen.<br>\nDiese Funktionen f&uuml;hren zur Annahme seitens des Kunden, dass er selbst bestimmen k&ouml;nne, was er kauft. &bdquo;Ich weiss, was ich will!&ldquo;<br>\nMittlerweile wissen wir, dass viele <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/top-rezensenten-man-benutzt-amazon-und-wird-benutzt-11761329.html\">Rezensionen<\/a> auf Amazon <a href=\"http:\/\/www.buchreport.de\/nachrichten\/online\/online_nachricht\/datum\/2013\/01\/14\/wenn-die-crowd-mithilft.htm\">gef&auml;lscht<\/a> sind, sei es von den Konkurrenten, den Verlagsmitarbeitern oder den Autoren selbst. Es gibt auch echte und gute Rezensionen, ohne Zweifel.<br>\nAber guter Service setzt auch Kommunikation voraus. Der Buchh&auml;ndler h&ouml;rt zu, hakt nach und gibt individuelle Buchvorschl&auml;ge jenseits der umsatzorientierten Algorithmen. Es ist auch schon mal vorgekommen, dass ich einer Kundin, nach l&auml;ngerem Gespr&auml;ch, das vielfach empfohlene Buch &uuml;ber Zeitmanagement abgeraten habe und ihr Erich Fromms &bdquo;Haben und Sein&ldquo; zum Reinlesen in die Hand gedr&uuml;ckt habe. Das war dann auch ganz genau das, was sie gesucht hatte und sie war mir auch sehr dankbar f&uuml;r den Tipp. Die Algorithmen fragen nicht, warum man auf einen bestimmten Titel aufmerksam wurde, oder wof&uuml;r man ein gewisses Buch brauche. Sie orientieren sich nach Verkaufszahlen und Schl&uuml;sselw&ouml;rtern, schlagen immer noch mehr Titel vor (Kunden, die dieses Produkt kauften, kauften auch&hellip;) und wollen nur eins: Verkaufen!<br>\nJa, auch wir Buchh&auml;ndler m&uuml;ssen und wollen auch verkaufen. Aber wir haben kein Problem damit, von etwas abzuraten und wirkliche Alternativen, jenseits von Schl&uuml;sselw&ouml;rtern, zu bieten. Jedes Buch findet einen gl&uuml;cklichen Leser, und nur weil ich mal ein Buch gekauft und gelesen habe, hei&szlig;t das nicht, dass ich es gut fand. Dies sagen uns die Algorithmen und manche Rezensionen nun mal nicht. Selbstbestimmung hei&szlig;t auch kommunizieren. Und wenn ein Leser einen guten Buchh&auml;ndler hat, wei&szlig; dieser nach einiger Zeit, welches Buch man interessant findet und welchen Verkaufsschlager man bei ihm getrost im Regal stehen lassen darf.<\/p><p><strong>Aufbruch in die Moderne? Oder eher nicht<\/strong><\/p><p>Der n&auml;chste gro&szlig;e Erfolg von Amazon ist das Gesch&auml;ft mit den E-Books.<br>\nEin medialer Hype und eine PR-Aktion ohne Gleichen ist das. <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/552663\/\">Wachstumszahlen<\/a> wurden uns seit f&uuml;nf Jahren um die Ohren gehauen. Tausende B&uuml;cher auf nur einem Ger&auml;t, immer und sofort verf&uuml;gbar! Ikea reagiert darauf mit neuen <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/lifestyle\/article13602483\/Ikea-ruestet-Billy-fuer-eine-buchlose-Zukunft-um.html\">Billy-Regalen<\/a> und was ist? <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/593909\/\">2%<\/a> Marktanteil in Deutschland! Die Franzosen haben noch <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/594117\/\">schlechter<\/a> abgeschnitten.<\/p><p>E-Books werden ihren Platz einnehmen, davon bin ich &uuml;berzeugt. Genau wie H&ouml;rb&uuml;cher. Das gedruckte Buch an sich wird aber nicht aussterben. Zu dieser Frage tobt in unserer Branche schon fast ein Glaubenskrieg. Aber das Gesch&auml;ft geh&ouml;rt allein Amazon, dar&uuml;ber sollten sich Verlage und der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2012\/35\/Verlag-Buchhaendler-Amazon\">Selfpublisher<\/a>, die Amazon unterst&uuml;tzen, im Klaren sein. Der Kampf um die Vormachtstellung wird nicht gegen den kleinen Buchh&auml;ndler, sondern gegen gro&szlig;e Ketten und vor allen Dingen gegen die anderen <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/kultur-bei-amazon-welche-bedeutung-buecher-fuer-bezos-haben-1.1603764\">IT-Giganten<\/a> ausgefochten. Wer immer den Kampf gewinnt, bestimmt.<br>\nUnd auch manche Bibliothek sollte sich dar&uuml;ber im Klaren sein. Herr Reu&szlig; hat uns nochmal ins Ged&auml;chtnis gerufen, dass die &ouml;ffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken ihre Kataloge mit  Cover-Abbildungen als &bdquo;Mehrwert&ldquo; anreichern. Diese beziehen sie von Amazon und sind mit einem Link auf eben jene Seite ausgestattet. Da f&uuml;r die Nutzung der Kataloge Cookies erlaubt werden m&uuml;ssen und nicht jeder seinen Browser mit Self-Destructing-Cookies oder &auml;hnlichem ausgestattet hat, wird hier auch die Suchhistorie an Amazon weitergeleitet. Amazon ist gerade sehr bem&uuml;ht um die <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/help\/customer\/display.html\/?nodeId=200884980\">Studenten<\/a> und testet in Deutschland im Moment sein neues Konzept der E-Book-Ausleihe, nat&uuml;rlich im <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/595778\/\">Kindle-Format<\/a>. Klar kann man die konvertieren, aber Bequemlichkeit, Desinteresse oder schlichte Ahnungslosigkeit f&uuml;hren mal wieder zur Aufgabe der Selbstbestimmung und man bindet sich wieder an diese Datenkrake.<br>\nAmazon will nicht nur gr&ouml;&szlig;ter &bdquo;Buchh&auml;ndler&ldquo; werden. Seine Ambitionen als Verlag und Bibliothek sind erkennbar. Alles aus einer Hand! Das ist das Motto. F&uuml;r viele ist Amazon heute schon ein Synonym f&uuml;r &bdquo;Online kaufen&ldquo;. Mit den gewaltigen Ums&auml;tzen, die Amazon f&uuml;r Investitionen nutzt, k&ouml;nnte in naher Zukunft so manch eine Bibliothek oder Verlag &uuml;berfl&uuml;ssig werden. Es ist wichtig zu begreifen, dass es hier nicht nur um den Handel geht!<br>\nViele kleine Buchhandlungen bieten E-Books verschiedener Formate in ihren Online-Shops an, manch andere nicht. Kann ich auch verstehen, denn die Marge ist erb&auml;rmlich.<br>\nVielleicht &uuml;berlegen sich die Verlage ja bald, ihre B&uuml;cher inklusive E-Book endlich im Paket anzubieten. Denn viele E-Book-Liebhaber wollen auf ihre B&uuml;chertapete nicht verzichten. Der Verlag <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/574983\/\">Kein &amp; Aber<\/a> hat es vorgemacht. L&ouml;sungsans&auml;tze gibt es viele. Dies ist jedoch eine Entscheidung der einzelnen Verlage, nicht der Buchhandlungen.<\/p><p>Leider gibt es auch in unserer Branche mittlerweile manch unf&auml;hige Manager, schwurbelnde Marketingexperten und andere Hei&szlig;luftk&uuml;nstler in wichtigen Positionen. Die haben dem Buchh&auml;ndler kr&auml;ftig zugesetzt und mit Prognosen, Effektivit&auml;tsma&szlig;nahmen und windigen Phrasen Unsicherheit und &Auml;ngste gesch&uuml;rt. Die Folge ist leider die Entsolidarisierung. Besser schlechte Arbeitsbedingungen als keine Arbeit. Diese &Ouml;konomisierung in allen Lebensbereichen ist nichts Neues und in anderen Branchen, in den <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/arbeitsbedingungen-an-unis-wissenschaftler-auf-widerruf-11997349.html\">Universit&auml;ten<\/a>, &uuml;berhaupt in unserer Gesellschaft auf dem Weg, der Normalzustand zu werden. Angst, Zerm&uuml;rbung und Resignation sind die Folge.<\/p><p>Die Folgen des zunehmenden E-Commerce f&uuml;r die Infrastruktur in den St&auml;dten k&ouml;nnen wir mit jeder Ladenschlie&szlig;ung beobachten. Dies gilt nicht nur f&uuml;r Buchhandlungen &ndash; Zalando &amp; Co.werden schon daf&uuml;r sorgen, dass die ein oder andere Textilkette ihr Filialnetz verkleinern wird.<br>\nEs ist mir ein pers&ouml;nliches Anliegen, auch auf die <a href=\"http:\/\/www.nordkurier.de\/cmlink\/nordkurier\/nachrichten\/blickpunkte\/miese-arbeitsbedingungen-bei-paket-diensten-1.420063\">prek&auml;ren Zust&auml;nde<\/a> in den Logistikunternehmen in Folge des zunehmenden Online-Handels hinzuweisen. Windeln, Schuhe, Waschmittel, Balea-Artikel, B&uuml;cher &amp; DVDs &ndash; Amazon bietet ein Rundum-Sorglos-Paket. Ich habe t&auml;glich mit den Paketboten zu tun und kann die Arbeitsbedingungen, die <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2012\/23\/Wallraff-Paketzusteller\">G&uuml;nter Wallraff<\/a> uns gezeigt hat, best&auml;tigen.<br>\nDie Folgen f&uuml;r die &Ouml;kologie kann sich jeder selbst ausdenken. Wenn der Kunde sich seine Alverde-Produkte von Amazon zusenden l&auml;sst, wird der &ouml;kologische Gedanke, der dahinter stehen mag, ad absurdum gef&uuml;hrt.<\/p><p>Ich bin kein Kulturpessimist, es ist eine rein logische Schlussfolgerung, wenn ich behaupte, dass Service, Angebotsvielfalt und Selbstbestimmung mit zunehmender Marktkonzentration verloren gehen.<br>\nDoch das Schlimmste ist, dass uns auch gro&szlig;es Wissen verloren gehen wird. Fachwissen. Wissen kann zu Kritik f&uuml;hren und dies ist in einer &bdquo;marktkonformen Demokratie&ldquo; eher hinderlich. Kritischer Geist entlarvt so manche Wahrheiten als blo&szlig;es Marketing.<\/p><p>Man kann sagen, dass dies die Aufgabe der Politik sei, die die Rahmenbedingungen setzen muss und dass der Einzelne als Verbraucher damit nichts zu tun habe. Nat&uuml;rlich m&uuml;ssen sich das Arbeitsministerium, das <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/kartellamt-prueft-preispolitik-von-amazon-gegenueber-drittanbietern-a-884496.html\">Kartellamt<\/a>, das Finanzamt und auch das Wirtschaftsministerium Firmen wie Amazon genauer ansehen. Doch es wird wieder nur ein Einzelfall sein, der &bdquo;l&uuml;ckenlos aufgekl&auml;rt&ldquo; wird. Es bestehe kein Bedarf, den Arbeitnehmerschutz, der eben nicht nur die Leiharbeit betrifft, nachzubessern. Das wurde uns am 20.2.2013 in der <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2013\/43000269_kw08_de_ak_leiharbeit\/index.html\">Bundestagsdebatte<\/a> wieder mal suggeriert. Mittlerweile d&uuml;rfte jedem klar sein, dass diese Einzelf&auml;lle keineswegs &bdquo;einzeln&ldquo; sind.<\/p><p>Am 20.2. kam die Meldung, dass es <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/595724\/\">30%<\/a> weniger Buchhandels-Auszubildende gibt als je zuvor. Einer der Hauptgr&uuml;nde sei der &bdquo;demografische Wandel&ldquo;. Amazon bildet nicht aus, und letztes Jahr gab es wieder viele Schlie&szlig;ungen. Das wird wohl eher der Grund sein. Die mangelnde Unterst&uuml;tzung unseres Branchenverbands tut sein &Uuml;briges, den Buchh&auml;ndler als &bdquo;uncooles&ldquo; Relikt aus alten Tagen darzustellen. Fachkr&auml;fte sind zudem teuer und die Berufschancen sind nicht unbedingt aussichtsreich. Es liegt an uns allen, ob sich dieses Image wieder &auml;ndern wird. <\/p><p>Ich pers&ouml;nlich habe mir vorgenommen als &bdquo;freilaufende Buchh&auml;ndlerin&ldquo; in Rente zugehen (vorausgesetzt, es gibt dann noch eine Rente!). Ich hatte dankenswerter Weise einen exzellenten Ausbildungsbetrieb. Nachdem ich in einer Kette gearbeitet habe, bin ich nun in einer jungen, unabh&auml;ngigen Buchhandlung gelandet. Ich verdiene 11,39 Euro die Stunde, zwei Euro mehr als zuvor (ich war im oberen Lohnsegment) und meine Chefs, wie auch unsere Kunden, wissen mein Fachwissen zu sch&auml;tzen. Ich hatte Gl&uuml;ck. Ich gehe wieder gerne zur Arbeit. Einige Kunden fragen mich mittlerweile nach den sozialen Standards und ich kann ihnen fest in die Augen sehen und ohne zu l&uuml;gen versichern, dass diese, gemessen an der Lage des Buchhandels, hervorragend sind. Ich will hier nicht meinen Namen oder den meiner Buchhandlung nennen, da es solche L&auml;den auch bei Euch um die Ecke, in manch einer Seitenstra&szlig;e, zu finden gibt. Die Suche lohnt! Das Urteil, ob wir altmodisch und inkompetent sind, kann man erst f&auml;llen, wenn man uns besucht und mit uns redet. Sicher wird man auch auf manch eine unwissende Aushilfe sto&szlig;en. Aber das wird sich &auml;ndern, wenn es wieder eine Perspektive in unserer Branche gibt und der Leser dem Inhaber kommuniziert, dass ihm Fachwissen und Engagement wichtiger ist als ein Online-Shop. <\/p><p>Der selbstbestimmte Mensch beugt sich nicht dem Lauf der Zeit, er bestimmt sie. Und sei es nur, indem er sich zweimal &uuml;berlegt, wo er sein Geld hin tragen m&ouml;chte.<\/p><p><strong>Nachtrag AM zur volkswirtschaftlichen Betrachtung und Bewertung von station&auml;rem Buchhandel einerseits und einem Versandhandel wie von Amazon andererseits:<\/strong><\/p><p>Beim Versandhandel werden eine Reihe von Kosten &bdquo;externalisiert&ldquo;, d.h. auf die Volkswirtschaft insgesamt verlagert. Zum Beispiel wird die Auslieferung oft von Menschen besorgt, deren Kosten sozialer Sicherung nicht geleistet oder wie die Krankenversicherung &uuml;ber Angeh&ouml;rige abgewickelt wird. &ndash; Die &ouml;kologischen Kosten des dichten Netzes von Logistik -Unternehmen, die mit ihren Lieferwagen und LKWs nacheinander die Stra&szlig;en unserer St&auml;dte und Gemeinden zur Auslieferung von P&auml;ckchen und Paketen befahren, fallen bei uns allen an. Jedenfalls werden sie nur in kleinen Teilen von den Unternehmen selbst getragen, also internalisiert, wie man in der Sprache der Volkswirtschaft sagt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir m&ouml;chten Sie bitten, Ihren &ouml;rtlichen Buchhandel zu nutzen &ndash; weil es sich f&uuml;r Sie lohnt, weil es f&uuml;r die weitere Entwicklung unserer Innenst&auml;dte und Gemeinden wichtig ist, dort lebens- und leistungsf&auml;hige Buchhandlungen zu erhalten, und weil die St&auml;rkung des station&auml;ren Buchhandels volkswirtschaftlich sinnvoll ist. Wenn Sie unsere Aktion bef&uuml;rworten, dann leiten Sie diesen Beitrag<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16297\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,137],"tags":[1304,1288],"class_list":["post-16297","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-steuern-und-abgaben","tag-amazon","tag-einzelhandel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16297"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16300,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16297\/revisions\/16300"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}