{"id":163,"date":"2005-02-11T15:03:08","date_gmt":"2005-02-11T14:03:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=163"},"modified":"2016-03-20T10:15:26","modified_gmt":"2016-03-20T09:15:26","slug":"kurz-und-bundig-argumente-gegen-studiengebuhren-und-die-spd-steht-zu-ihrem-nein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=163","title":{"rendered":"Kurz und b\u00fcndig \u2013 Argumente gegen Studiengeb\u00fchren. Und die SPD steht zu ihrem Nein!"},"content":{"rendered":"<p>Von Claus Wichmann, B&uuml;rgerb&uuml;ro Claus Wichmann, MdL, Bergheimer Strasse 88, 69115 Heidelberg, Tel. 06221 &ndash; 650265m, Fax 06221 &ndash; 650266, E-Mail: <a href=\"mailto:claus.wichmann@gmx.de\" title=\"E-Mail an Claus Wichmann\">claus.wichmann@gmx.de<\/a><br>\n<!--more--><\/p><ul>\n<li><strong>Studiengeb&uuml;hren sind ein weiterer Schritt zur Verschiebung steuerfinanzierter Daseinsvorsorge auf die Schultern der privaten Haushalte!<\/strong>\n<p>Anstatt den Hochschulen als Zukunft sichernde Bildungseinrichtungen dieser Bedeutung entsprechend staatlich zu finanzieren, werden sie k&uuml;nftig zu einem guten Teil ihre Mittel &uuml;ber Geb&uuml;hren, also aus den privaten Haushalten holen m&uuml;ssen. In den historisch anderes fundierten Stiftungs- und M&auml;zenatemkulturen der angloamerikanischen Hochschulsysteme liegen daf&uuml;r andere Voraussetzungen vor. Bei uns hat ein solches Entstaatlichungsprogramm keine Perspektive, weil der leistungsf&auml;hige und leistungswillige private Gegenpol fehlt. Der Aufbau solcher Strukturen, hat, am Beispiel der amerikanischen Stanford University &uuml;ber 30 Jahre gedauert. In den unionsregierten L&auml;ndern sollen nun Fakten geschaffen werden, die Lasten einseitig auf die Schultern der Studenten verschieben, ohne Unterbau und gesellschaftliche Anreizsysteme.<\/p><\/li>\n<li><strong>Studiengeb&uuml;hren (auch nachlaufende) sind familienfeindlich! <\/strong>\n<p>Zwischen 65.000 und 90.000 Euro wird nach einer aktuellen Berechnung der staatlichen KfW-Bankengruppe die Kreditsumme liegen, die bei einem darlehensfinanzierten 10-semestrigen Studium am Ende aufgelaufen ist. Selbst wenn sich (heute und auf absehbare Zeit die Ausnahme!) unmittelbar eine angemessen dotierte Anstellung anschlie&szlig;t, wird die R&uuml;ckzahlungs-Pflicht Familiengr&uuml;ndung behindern oder gar verhindern. Schon heute sind auch die sogenannten Besserverdienenden enorm belastet, wenn sie den Lebensunterhalt ihrer Kinder &uuml;ber Jahre hinweg im Studium finanzieren. Bei mehreren in Ausbildung befindlicher Kinder an der Belastungsgrenze. Die neben dem Lebensunterhalt zu erbringenden Kosten f&uuml;r Studienmaterial sind noch nicht hinzu gerechnet.<\/p><\/li>\n<li><strong>Studiengeb&uuml;hren (auch nachlaufende) sind kinderfeindlich! <\/strong>\n<p>Wird die Lebenssituation von Hochschulabsolventinnen und &ndash;Absolventen zus&auml;tzlich durch hohe R&uuml;ckzahlungspflichten belastet, wird der Kinderwunsch noch weiter und vielleicht endg&uuml;ltig zur&uuml;ckgestellt. Es ist paradox und unredlich, einerseits die &uuml;berproportionale Kinderlosigkeit von Akademikerinnen zu beklagen, andererseits aber mit Studiengeb&uuml;hren daf&uuml;r zu sorgen, dass sich ihre materielle Situation zus&auml;tzlich verschlechtert.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die &bdquo;Studiengeb&uuml;hren ja &ndash; aber sozial vertr&auml;glich&rdquo;- Position ist Propaganda, weil sie durch die angek&uuml;ndigten Geb&uuml;hrenmodelle nicht eingel&ouml;st werden!<\/strong>\n<p>Wenn Kinder aus einkommensschw&auml;cheren oder kinderreicheren Familien im Gegensatz zu situierten Kindern ihr Berufsleben nach dem Studium mit einem Schuldenberg beginnen, dann sind nachlaufende Studiengeb&uuml;hren nicht sozial vertr&auml;glich, sondern diskriminierend und sch&auml;dlich. Die in der Schule bereits angelegte soziale Auslese in bezug auf Bildungsbeteiligung wird durch Studiengeb&uuml;hren ins Erwachsenenleben hinein fortgesetzt. Sozial vertr&auml;glich sind Studiengeb&uuml;hren also lediglich f&uuml;r wohlhabende Familien und auch hier wie oben beschrieben nur &bdquo;relativ&ldquo; vertr&auml;glich.<\/p><\/li>\n<li><strong>Billige und teure Studieng&auml;nge (nach dem Modell Koch) f&uuml;hren erst recht zur&uuml;ck zur St&auml;ndegesellschaft des Mittelalters!<\/strong>\n<p>Es gibt, mit wenigen Ausnahmen, einen direkten Zusammenhang zwischen der H&ouml;he der Kosten eines Studiengangs und der H&ouml;he der sp&auml;teren Einkommenserwartung (Beispiele: die Philologien als &sbquo;billige&rsquo; Buchwissenschaften, die Medizin als &sbquo;teure&rsquo; Apparatewissenschaft, mit den jeweils entsprechenden Einkommensh&ouml;hen). Wohlhabende Elternh&auml;user k&ouml;nnen ihren Kindern teure Studieng&auml;nge ohne anschlie&szlig;ende Darlehensschuld erm&ouml;glichen &ndash; die gehobenen St&auml;nde k&ouml;nnen sich wieder aus sich selbst rekrutieren, denn die Konkurrenz &sbquo;von unten&rsquo; wurde mit Studiengeb&uuml;hren erfolgreich ferngehalten. Eine Situation, die eine durchl&auml;ssige, plurale und aufstiegsorientierte gesellschaftliche Dynamik erstickt und das ehemalige Erfolgsmodell der Bundesrepublik, Aufstieg durch Bildung und Partizipation aushebelt. Volkswirtschaftlich werden dadurch die Produktivit&auml;tsfortschritte und steigende Wertsch&ouml;pfung des Einzelnen im Generationenwechsel blockiert. Der Grundstrickfehler unseres Bildungssystems, einerseits der irrige naturalistische Begabungsglaube (von Haus aus mehr oder weniger begabt) und an einer nach wie vor an den Strukturen der Industriegesellschaft ausgerichteten Bildungsstruktur, die aus der Zeit des Drei-Klassen-Wahlrechts stammt &ndash; Menschen die Maschinen bedienen, Menschen die Maschinen warten und Menschen die Maschinen erfinden &ndash; werden ideologisch mit neuen Etiketten versehen und ins 21. Jahrhundert gerettet. Neuseeland und Australien importieren Mediziner, die Geisteswissenschaften ver&ouml;den, der Frauenanteil unter den Studierenden geht zur&uuml;ck.<\/p><\/li>\n<li><strong>Studiengeb&uuml;hren bringen ein zus&auml;tzliches finanzielles Risiko in die Lebensplanung und dr&auml;ngen Kinder aus &auml;rmeren Bev&ouml;lkerungsschichten in die &sbquo;billigeren&rsquo; Fachhochschulen und Berufsakademien!<\/strong>\n<p>Obwohl Intelligenz und Begabung sich gemeinhin gleichm&auml;&szlig;ig verteilen &uuml;ber die Bev&ouml;lkerungsschichten (!), ist die Studienfachwahl schon heute sehr stark von der sozialen Herkunft gepr&auml;gt (siehe z. B. etwa die 17. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, S. 138 ff.). Studiengeb&uuml;hren w&uuml;rden diese Tendenz noch einmal verst&auml;rken. Das &bdquo;downsizing&ldquo; gro&szlig;er Universit&auml;ten entzieht der kritischen Masse, die gro&szlig; genug sein muss, damit aus guten Leistungen hervorragende Ergebnisse entstehen k&ouml;nnen den Boden.<\/p><\/li>\n<li><strong>Studiengeb&uuml;hren (auch nachlaufende) verhindern die notwendige h&ouml;here Bildungsbeteiligung und damit unsere Zukunftschancen<\/strong>\n<p>Die Gewissheit einer sp&auml;teren Darlehenshypothek mit R&uuml;ckzahlungspflichten ab einem bestimmten Einkommen wird sich bei unteren und mittleren Einkommensverh&auml;ltnissen und Mehrkinder-Familien auf Studien- und Studienfachentscheidungen auswirken. Im OECD-Vergleich liegen wir mit der Quote der Akademiker im hinteren Feld. Angesichts sinkender Kinderzahlen m&uuml;ssen wir breitere Schichten f&uuml;r einen Hochschulabschluss gewinnen. Die Potentiale bei den Kindern aus h&ouml;heren Einkommensschichten sind jedoch ausgesch&ouml;pft.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die &bdquo;500 Euro-pro- Semester-Studiengeb&uuml;hren&ldquo; ist nur die Einstiegsdosis im Geb&uuml;hrenrausch der Droge &bdquo;Privater Geldbeutel!&ldquo;<\/strong>\n<p>Frankenberg nennt 500 Euro pro Semester und spekuliert mit auf den Anschein der Zumutbarkeit. Gleichzeitig spricht er von Einstieg und je nach Studiengang unterschiedlichen Geb&uuml;hren. Auch von anderer Seite sind bereits andere Zahlen auf dem Markt: <\/p>\n<p><strong>1.000 Euro<\/strong>, Prof. Gaethgens, Pr&auml;sident der Hochschulrektorenkonferenz, der im November 2004 schon mal von 3000 Euro als gesetzlicher Obergrenze sprach<br>\n<strong>1.000 &ndash; 1.500 Euro<\/strong>, Prof. Straubhaar, Pr&auml;sident des Weltwirtschaftsarchivs in Hamburg<br>\n<strong>2.500 Euro<\/strong>, Klaus Zimmermann, Chef des Dt. Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung<br>\n<strong>4.000 Euro<\/strong>, Gesellschaft Deutscher Naturforscher und &Auml;rzte <\/p>\n<p>Als 1989 in Australien Studiengeb&uuml;hren eingef&uuml;hrt wurden, lagen sie bei 250 Aus $ pro Semester. Inzwischen liegen sie zwischen 3.600 und 6.000 Aus $.<\/p><\/li>\n<li><strong>Studiengeb&uuml;hren (auch nachlaufende) benachteiligen Kindern aus mittleren und unteren Einkommensschichten im Bildungsstreben und damit am sozialen Aufstieg!<\/strong>\n<p>Zu den bisherigen Aussonderungskriterien in Kindergarten, &Uuml;bergang zur weiterf&uuml;hrenden Schule, &Uuml;bergang in die Oberstufe des Gymnasiums und Studienentscheidung mit l&auml;ngerem fehlenden Einkommen oder Job zur Studienfinanzierung kommt nun noch der Kredit f&uuml;r Studiengeb&uuml;hren. Wohlhabende Familien sind in der Lage, ihren Kindern Studiengeb&uuml;hren und Lebensunterhalt zu finanzieren und Darlehensschulden zu vermeiden. Mittlere und untere Einkommensschichten werden die Darlehenslast ihren Kindern nicht zumuten wollen und entscheiden sich angesichts von Studiengeb&uuml;hren und Darlehensschuld noch zahlreicher gegen ein Hochschulstudium.<\/p><\/li>\n<li><strong>Studiengeb&uuml;hren bleiben nicht in den Hochschulen!<\/strong>\n<p>Es gibt kein Studiengeb&uuml;hren-Land auf dieser Erde, in dem das Aufkommen tats&auml;chlich ungeschm&auml;lert in den Hochschulen verbleibt. In der Realit&auml;t werden die Studiengeb&uuml;hren &uuml;ber kurz oder lang mit einer K&uuml;rzung der Staatszusch&uuml;sse verrechnet. Das Studiengeb&uuml;hrenmodell von Frankenberg, ist eine verdeckte Kreditaufnahme zu Lasten der Studierenden, deren Erl&ouml;se &uuml;ber Geb&uuml;hren im Einstiegsmodell schon heute unter den K&uuml;rzungen liegen, die &uuml;ber Solidarpakt, Globale Minderausgabe und sinkende Investitionsmittel den Hochschulen vorenthalten werden. Minister Frankenberg kann mit seinem Studiengeb&uuml;hren-Versprechen an die Hochschulen erst dann ernst genommen werden, wenn er gemeinsam mit dem Finanzminister eine Garantieverpflichtung eingeht, die den Staatszuschuss f&uuml;r die n&auml;chsten zehn Jahre festschreibt, zuz&uuml;glich der Inflationsrate, zuz&uuml;glich einer Investitionsmittelsicherheit, die den vom Landesrechnungshof beklagten Verfall der Hochschulen stoppt. Auf eine solche verbindliche Garantie aber wird sich kein Finanzminister einlassen. Die Erfahrungen mit den Langzeitstudiengeb&uuml;hren belegen dies. Einerseits wurde &ouml;ffentlich versprochen, die Geb&uuml;hren k&auml;men voll den Hochschulen zugute, andererseits mussten diese allein &uuml;ber Globale Minderausgaben die dreifache Summe bluten.<br>\nDie Zusicherung der Geb&uuml;hrenerl&ouml;se an die Hochschulen ist f&uuml;r die Studiengeb&uuml;hrenbef&uuml;rworter aus strategischen Gr&uuml;nden unvermeidlich. Denn nur mit der Aussicht auf hohe zus&auml;tzliche Finanzbeitr&auml;ge l&auml;sst sich die verbreitete prinzipielle Studiengeb&uuml;hren-Kritik an den Hochschulen eind&auml;mmen. Verwaltungskosten und Aufbau einer Kontrollb&uuml;rokratie sind das wahre Gesicht, derjenigen, die immerfort f&uuml;r Vereinfachung des Steuerrechts und Absenkung der Steuerquote pl&auml;dieren, gleichzeitig aber ungeniert &uuml;ber immer neue Geb&uuml;hren und Abgabenmodelle die soziale Schere in der Bev&ouml;lkerung weiter auseinander gehen lassen und Partizipation nur denjenigen zugestehen, die es sich leisten k&ouml;nnen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Nachlaufende Studiengeb&uuml;hren verursachen einen riesigen B&uuml;rokratieschub mit unabsehbaren Kosten!<\/strong>\n<p>Studiengeb&uuml;hren-Darlehen, die nach erfolgreichem Studium und ab einem bestimmten Einkommen r&uuml;ckzahlbar werden, verlangen eine umfangreiche Nachforschungs-B&uuml;rokratie. Sie wird umso gr&ouml;&szlig;er, je un&uuml;bersichtlicher die Berufsbiographien werden, d. h. je h&auml;ufiger sich die Wechsel zwischen Arbeitslosigkeit, Vollt&auml;tigkeit, Part-time-jobs, Auslandst&auml;tigkeiten etc. vollziehen. Diese Kosten werden in den gegenw&auml;rtig gehandelten Studiengeb&uuml;hren-Modellen nicht ber&uuml;cksichtigt. Die Flucht motivierter studierwilliger ins Ausland wird weiter zunehmen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Nachlaufende Studiengeb&uuml;hren verursachen ein hohes Ausfall- und Zins-Risiko!<\/strong>\n<p>Je unsicherer und je instabiler Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse in der globalisierten Wirtschaft werden, desto gr&ouml;&szlig;er werden die R&uuml;ckzahlungsrisiken und desto teurer die Gew&auml;hrleistungen daf&uuml;r. Der j&uuml;ngste Coup von Noch-Ministerpr&auml;sident Teufel und Wissenschaftsminister Frankenberg, verk&uuml;ndet auf einer PK am 1. 2. 2005: die Hochschulen sollen es sein, die den Banken die Risiken abnehmen, indem sie Ausfallfonds finanzieren m&uuml;ssen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Studiengeb&uuml;hren sind nicht deshalb gerecht, weil die Eltern von Kindergartenkindern hohe Geb&uuml;hren zahlen m&uuml;ssen und Studierende nicht &ndash; Es gibt keine Gleichheit im Unrecht!<\/strong>\n<p>Gerade, weil die Fr&uuml;hbetreuung und die Kindergartenzeit immer mehr als pr&auml;gende Phase f&uuml;r Bildungsteilhabe in den Blick r&uuml;ckt, muss ihre Freistellung von Geb&uuml;hren das Ziel sein und nicht das Abfinden mit einem als falsch erkannten Zustand. Es hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun (aber viel mit gedanklicher Inkonsequenz), wenn die zweite Br&uuml;cke ans andere Ufer auch noch angez&uuml;ndet wird, nur weil die erste bereits brennt! <\/p>\n<p>Besonders unglaubw&uuml;rdig wird die Argumentationskette, wenn f&uuml;r die Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren von der Ba-W&uuml; Landesregierung ins Feld gef&uuml;hrt, dass die steuerfinanzierte Hochschule auch &uuml;ber die Abgaben der Putzfrau finanziert wird und deshalb Geb&uuml;hren zu rechtfertigen sind, in Anbetracht der Tatsache, dass gleichzeitig ein 42-j&auml;hriger Staatsminister a.D., zuz&uuml;glich zu den Entsch&auml;digungen aus seinem Landtagsmandat bis zum Erreichen des Pensionsalters schon 1,5 Mio &euro; an Pensionsleistungen aus Steuermitteln erh&auml;lt.<\/p><\/li>\n<li><strong>Studiengeb&uuml;hren werden nicht dadurch gerecht, weil Menschen mit Hochschulabschluss (im Durchschnitt) &uuml;berdurchschnittliche Einkommen erzielen!<\/strong>\n<p>Es d&uuml;rfte schwerfallen, einen zwingenden Kausalzusammenhang herzustellen zwischen Hochschulausbildung und &uuml;berdurchschnittlichem Einkommen (ein Geselle im Handwerk liegt oftmals besser als der zehn Jahre &auml;ltere Magister der Anglistik mit Nebenfach Philosophie und einer befristeten Stelle in einem Verlag). In den Krankenh&auml;usern zeigen sich die ersten Auswirkungen eines drohenden &Auml;rztemangels, der durchschnittliche Lohnabstand zwischen Akademiker und Nichtakademiker ist in der BRD am geringsten. Studierte Sozialarbeiter erhalten nur befristete Vertr&auml;ge, die Arbeitslosigkeit bei Akademikern hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt, die Lohnzuw&auml;chse stagnieren, Kaufkraft ist r&uuml;ckl&auml;ufig, die Ungleichverteilung von Einkommen durch Arbeit und Einkommen durch Verm&ouml;gen nimmt unaufh&ouml;rlich zu. <\/p>\n<p>Trotzdem: Wenn man das Nutzenargument einf&uuml;hrt, dann w&auml;ren als erste die Konzerne und Nutznie&szlig;er der hoch und h&ouml;chstqualifizierten Arbeitnehmer gefragt, z. B. Siemens, die seit Jahren kaum mehr Steuern zahlen, Forschung, Entwicklung, Produktion und Vertrieb aber auf Qualifikationen st&uuml;tzen, die sie trotz fehlender Steuerzahlungen inkl. Infrastruktur gestellt bekommen, ohne einen Anteil zu leisten.<\/p><\/li>\n<li><strong>Stipendienmodelle fehlen g&auml;nzlich und auf unabsehbare Zeit!<\/strong>\n<p>Es gibt in Deutschland nur eine verschwindend kleine Zahl von Stipendiengebern zur Studienfinanzierung, die &uuml;berdies auch noch weltanschaulich\/parteipolitisch ausgerichtet sind. Die Absicht, &uuml;ber Stipendiengeber Studiengeb&uuml;hren zu finanzieren und daraus wiederum die Hochschulen, hat f&uuml;r potentielle Stipendiengeber keinen Reiz.<\/p><\/li>\n<li><strong>Demokratisierung der Hochschule &uuml;ber verst&auml;rkte Partizipation &ndash; Kundenbeziehung zwischen Studenten und Hochschule &uuml;ber Geb&uuml;hren herzustellen ist Unfug!<\/strong>\n<p>Genauso wenig wie man zum Auto wird, wenn man in der Garage steht, genau so wenig wird man zum Kunden der Universit&auml;t, wenn man Studiengeb&uuml;hren bezahlt. Soziale Auslese und Ausgrenzung, wie mehrfach beschrieben erh&ouml;hen weder den Anteil der Studierenden, noch bilden sie den fruchtbaren Humus f&uuml;r Innovation, ganz im Gegenteil, sie gef&auml;hrden den sozialen Konsens in der Gesellschaft. Geb&uuml;hren f&uuml;r das Studium zu erheben, macht (Wenn &uuml;berhaupt) nur dann einen Sinn, wenn eine &ouml;ffentlich finanzierte Grundalimentation der Studierenden &uuml;ber den zu entrichtenden Geb&uuml;hren liegt. Eine Kundenbeziehung setzt auch Rechte und Beteiligung der Studenten voraus. Das pateranalistische Modell der zentralistischen Steuerung durch das Wissenschaftsministerium Baden-W&uuml;rttembergs, wie jetzt mit der Landeshochschulgesetznovelle verabschiedet, l&auml;sst den Hochschulen einen &auml;hnlich freien Entscheidungsspielraum, wie den &bdquo;Volkseigenen Betrieben&ldquo; der DDR. Mit echter Autonomie hat das nichts zu tun. Dar&uuml;ber hinaus ist die Beziehung zwischen Professoren und Studierenden keine parit&auml;tische Angebots- und Nachfragebeziehung. Professoren bzw. die Institution, die sie verk&ouml;rpern, vergeben nach Examensprozeduren, die f&uuml;r alle m&ouml;glichen subjektiven Einfl&uuml;sse anf&auml;llig sind, akademische Grade. Wer hier erfolgreich sein will, tritt eben nicht widersprechend und fordernd und selbstbewusst, eben als Kunde auf. Es ist und bleibt eine hierarchische Beziehung, die den Studierenden qua definitionem die &lsquo;schlechtere&rsquo; Position l&auml;sst.<\/p><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Claus Wichmann, B&uuml;rgerb&uuml;ro Claus Wichmann, MdL, Bergheimer Strasse 88, 69115 Heidelberg, Tel. 06221 &ndash; 650265m, Fax 06221 &ndash; 650266, E-Mail: <a href=\"mailto:claus.wichmann@gmx.de\" title=\"E-Mail an Claus Wichmann\">claus.wichmann@gmx.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[206,17],"tags":[408,234],"class_list":["post-163","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-chancengerechtigkeit","category-hochschulen-und-wissenschaft","tag-soziale-herkunft","tag-studiengebuehren"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/163","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=163"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/163\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32298,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/163\/revisions\/32298"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}