{"id":1638,"date":"2006-08-28T18:21:09","date_gmt":"2006-08-28T16:21:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1638"},"modified":"2016-01-28T11:55:47","modified_gmt":"2016-01-28T10:55:47","slug":"neoliberale-und-einige-so-genannte-linke-sind-sich-einig-in-der-abwertung-keynesianischer-methoden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1638","title":{"rendered":"Neoliberale und einige so genannte Linke sind sich einig in der Abwertung keynesianischer Methoden"},"content":{"rendered":"<p>Christian Girschner nennt seine Kritik eine Kritik von &sbquo;links&rsquo; und weist daraufhin, dass Hirsch &auml;hnlich indifferent wie der in den NachDenkSeiten <a href=\"?p=1627\">am 23.8. kritisierte Robert Kurz<\/a> argumentiere.<br>\nIch habe bei der Lekt&uuml;re des im folgenden wiedergegebenen Textes von Girschner gleich auf der zweiten Seite viel gelernt. Immer wieder werde ich n&auml;mlich mit der These konfrontiert, keynesianische Methoden h&auml;tten nur zwischen 1967 und 1974 funktioniert. Nach 1975, so hatte der verstorbene Peter Glotz in einer Besprechung von &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo; erg&auml;nzend behauptet, habe es kein Wachstum mehr gegeben. Dass diese fast schon exotischen Behauptungen immer gleich lautend des Wegs kommen, war r&auml;tselhaft. Ich fand aber die Quelle dieser Gleichrichtung nicht. Jetzt kenne ich sie. Vielen Dank dem Autor.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Das Ende des Keynesianismus im &lsquo;Post-Fordismus&rsquo;<\/strong><\/p><p>Von Christian Girschner<\/p><p>Einige Einw&auml;nde an J. Hirschs Kritik an A. M&uuml;llers Buch &bdquo;Machtwahn&ldquo; [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>&bdquo;Globalisierung ist nur ein anderes Wort f&uuml;r die U.S. Herrschaft&ldquo;<br>\nHenry Kissinger [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Neben B&uuml;chern und langatmigen Aufs&auml;tzen publizieren viele kritische K&ouml;pfe ihre Ansichten und Interpretationen &uuml;ber die aktuelle, politik-&ouml;konomische Situation in Zeitungsartikeln oder im Internet. Diese pr&auml;gen &ndash; schon allein wegen der Zeitersparnis f&uuml;r die Leserschaft &ndash; vermutlich mehr das politische Bewusstsein und die Diskussion innerhalb der marginalisierten Opposition in diesem Land, als es auf den ersten Blick erscheint. Hinzu kommt, dass diese Kommentare des Zeitgeschehens meist auf schwer verdauliche theoretische Kost verzichten, damit sie einem breiteren Publikum &uuml;berhaupt zug&auml;nglich sind. Au&szlig;erdem kommen die Autoren inhaltlich schneller auf den Punkt und m&uuml;ssen deswegen ihre Position in einem bestimmten Ma&szlig;e zuspitzen. Diese Arbeiten verdeutlichen mehr denn je den theoretischen bzw. politischen Standpunkt der jeweiligen Autoren, ohne dass dies dem hastigen Leser zugleich immer in aller Konsequenz deutlich wird. Vor allem die Frage, wie die Autoren das Verh&auml;ltnis von Politik und &Ouml;konomie in ihren Beitr&auml;gen implizit oder explizit bestimmen, welches das Kardinalproblem der Sozialwissenschaft ist, stellt den entscheidenden Punkt dar, um einerseits die gesellschaftliche Entwicklungsdynamik zu erkl&auml;ren, andererseits ob und wie in der gegenw&auml;rtigen Gesellschaft politisch (noch) agiert werden kann bzw. sollte. Es ist daher in dieser Hinsicht nicht unbedeutsam, eine kritische Bilanz &uuml;ber einige dieser Ver&ouml;ffentlichungen zu erstellen.<\/p><p>Ich werde dies beispielhaft anhand einer ausf&uuml;hrlichen Rezension vom Frankfurter Politikwissenschaftler Joachim Hirsch &uuml;ber Albrecht M&uuml;llers neues Buch &bdquo;Machtwahn. Wie eine mittelm&auml;&szlig;ige F&uuml;hrungselite uns zugrunde richtet&ldquo; darlegen. Hirsch, der in seinen Arbeiten eine abstrakt-strukturalistische Fortentwicklung der Regulationstheorie im Marxschen Sinne vertritt, kritisiert, dass M&uuml;ller eine &bdquo;strukturtheoretische Argumentation strikt ablehnt und deshalb ungewollt in die N&auml;he von Verschw&ouml;rungstheorien ger&auml;t&ldquo;. Er erl&auml;utert diesen Vorwurf wie folgt: &bdquo;Sicher ist die Wirksamkeit einzelner Akteure bedeutungsvoll. Wenn aber die ihr Handeln bestimmenden gesellschaftlich-&ouml;konomischen Bedingungen unber&uuml;cksichtigt bleiben, entsteht ein schiefes Bild der Zusammenh&auml;nge. Der Autor h&auml;tte sich auf jeden Fall fragen m&uuml;ssen, was in den siebziger Jahren zur Krise der keynesianisch-staatsreformistischen Regulationsweise gef&uuml;hrt hat. Sie ist schlie&szlig;lich an ihren eigenen Widerspr&uuml;chen zerbrochen. Erst die Krise des Fordismus und das damit verbundene Scheitern des sozialdemokratischen Politikprojekts hat schlie&szlig;lich den Siegeszug des Neoliberalismus &ndash; nicht nur bei den &ldquo;Eliten&rdquo;, sondern in gewissem Grade bei der Bev&ouml;lkerung allgemein &ndash; m&ouml;glich gemacht.&ldquo; Hirsch greift in dieser Kritik auf die von ihm fortentwickelte Regulationstheorie zur&uuml;ck, welche den Kapitalprozess der letzten Jahrzehnte in zwei historisch aufeinander folgende Perioden gliedert. Nach dieser strukturtheoretischen Periodisierung funktionierte in der BRD der keynesianisch regulierte Fordismus nur zwischen 1967 und 1974. Hirsch zufolge h&auml;tten also nur in der kurzen Periode des Fordismus keynesianische Politikmodelle st&uuml;ckweise Erfolge gehabt, d.h. auch, nach dem der Fordismus 1974 in die Krise geriet, musste auch die keynesianische Regulationspolitik damals unwiederbringlich scheitern. Daran soll sich bis heute nichts ver&auml;ndert haben. Aus dieser postulierten Zwangsl&auml;ufigkeit muss der Umkehrschluss gezogen werden, dass im Zeitalter des Post-Fordismus nur noch neoliberale Politikmodelle funktionieren k&ouml;nnen. Nimmt man diese dichotomische Entgegensetzung f&uuml;r bare M&uuml;nze, wird hier die neoliberale Politik als unausweichliche, alternativlose und daher als unab&auml;nderliche Entwicklung angesehen, damit unter der Hand gerechtfertigt. Eine &ldquo;linke&rdquo; Opposition in Deutschland, die noch an keynesianische Steuerungsm&ouml;glichkeiten festh&auml;lt, muss nach Hirsch dementsprechend nicht nur zur Erfolglosigkeit verdammt sein, sondern w&uuml;rde auch &bdquo;in die falsche Richtung&ldquo; (Hirsch) zielen. Der Neoliberalismus ist damit f&uuml;r Hirsch, wie es die Protagonisten dieser &ldquo;Bewegung&rdquo; selbst behaupten, f&uuml;r die b&uuml;rgerliche Gesellschaft alternativlos geworden, legitimiert und feiert sich damit selbst, womit auch die nachstehende Einsicht von ihm nicht geteilt werden kann: &bdquo;Der Neoliberalismus ist eine Eroberungswaffe. Er predigt einen wirtschaftlichen Fatalismus, gegen den jeder Widerstand zwecklos erscheint. Der Neoliberalismus ist wie Aids: Er zerst&ouml;rt das Immunsystem seiner Opfer. (&hellip;) Hinter dem Fatalismus der &ouml;konomischen Gesetze verbirgt sich in Wirklichkeit eine Politik, allerdings eine paradoxe; denn es geht um eine Politik der Entpolitisierung, die darauf abzielt, den &ouml;konomischen Kr&auml;ften durch Befreiung von jeder Kontrolle und Beschr&auml;nkung schicksalhaften Einfluss zu verschaffen und gleichzeitig Regierungen und B&uuml;rger zur Unterwerfung unter die solcherart befreiten wirtschaftlichen und sozialen Kr&auml;ften zu bringen (&hellip;). Von allen Kr&auml;ften der heimlichen Verf&uuml;hrung ist die am unerbittlichsten, die ganz einfach durch die Ordnung der Dinge wirkt.&ldquo; (Bourdieu; zitiert nach Ziegler 2005, 53; vgl. Bourdieu 1998 u. 2001)<\/p><p>Die von Hirsch gegen M&uuml;ller ins Feld gebrachte Position sollte daher etwas genauer hinterfragt werden, in dem man sich n&auml;her mit dem dahinter stehenden Verh&auml;ltnis zwischen Politik und &Ouml;konomie auseinandersetzt. Hierbei f&auml;llt auf, dass Hirsch mit seinem Periodisierungsmodell der kapitalistischen Entwicklung das heutige Verh&auml;ltnis von Politik und &Ouml;konomie auf ein Verh&auml;ltnis zwischen zwei &auml;u&szlig;erliche Welten reduziert: Im Post-Fordismus schwingt so die &ldquo;Welt der &Ouml;konomie&rdquo; den Taktstock unerbittlich gegen&uuml;ber der hilflosen und machtlosen &ldquo;Welt der Politik&rdquo;.  Die Politik hat nur noch die Funktion, sich der gnadenlosen und nicht mehr zu beeinflussenden bzw. unbeherrschbaren &Ouml;konomie in der Gestalt des Neoliberalismus einsichtsvoll zu unterwerfen. Im &bdquo;Fordismus&ldquo; muss demgegen&uuml;ber f&uuml;r Hirsch das Verh&auml;ltnis zwischen Politik und &Ouml;konomie noch erheblich anders gestaltet gewesen sein. Schlie&szlig;lich soll im Fordismus die &ldquo;Welt der Politik&rdquo; noch ansatzweise eine regulierende Kraft auf die Entwicklung der &Ouml;konomie gehabt haben, die aber nur eine kurze Haltbarkeitsdauer hatte. Mit dem Ende bzw. der Krise des Fordismus, so f&uuml;hrt Hirsch seine theoretische Konstruktion weiter, muss sich daher ein radikaler Bruch in der gesellschaftlichen Entwicklung ergeben haben, welcher das Verh&auml;ltnis zwischen Politik und &Ouml;konomie grundlegend umw&auml;lzte, so dass eine keynesianische Wirtschaftspolitik in jeder Hinsicht v&ouml;llig wirkungslos und damit aussichtslos wurde.<\/p><p>Dieses konstruiert wirkende und auf die reale historische Entwicklung &auml;u&szlig;erlich herangetragene Periodisierungsschemata von Politik und &Ouml;konomie ben&ouml;tigt Hirsch also vor allem, um das Pauschalurteil gegen M&uuml;ller zu vertreten, dass mit der post-fordistischen Phase das Ende der keynesianischen Politik unwiederbringlich einsetzte, die dann angeblich nur noch erfolglos praktiziert wurde, bis diese vom Neokonservativismus bzw. Neoliberalismus abgel&ouml;st wurde. Demgegen&uuml;ber w&auml;re zu fragen, mit welchem Ma&szlig;stab bewertet Hirsch den Erfolg bzw. Misserfolg der keynesianischen Politik? Und misst er den vermeintlichen Erfolg des angeblich alternativlos gewordenen Neoliberalismus im Post-Fordismus mit dem gleichen Ma&szlig;stab wie beim Keynesianismus? Worin soll der Erfolg der neoliberalen Politik im Vergleich zum angeblichen Misserfolg der keynesianischen Politik im Zeitalter des Post-Fordismus bestehen? Wieso spricht Hirsch nur vom Scheitern des Keynesianismus, nicht aber von einem &bdquo;Scheitern der Angebotspolitik&ldquo; (so z.B. Hickel 1998) in Deutschland? Greifen wir, um die Hirsch-Thesen einer &Uuml;berpr&uuml;fung zu unterziehen, hinsichtlich der Wirksamkeit der keynesianischen Politik auf Aussagen von Albrecht M&uuml;ller selbst zur&uuml;ck, den Hirsch in seiner Rezension so vehement als sozialdemokratischen Nostalgiker und Handlungstheoretiker kritisiert. F&uuml;r M&uuml;ller waren die in Deutschland w&auml;hrend der siebziger Jahre aufgelegten Konjunkturprogramme relativ erfolgreich, d.h. auch im angeblichen Zeitalter des &bdquo;Post-Fordismus&ldquo; (Hirsch): &bdquo;Die Zahl der Erwerbst&auml;tigen im Inland wuchs von Ende 1977 bis 1980 um 1,1 Millionen. Auch die realen Wachstumsraten jener kritischen Jahre best&auml;tigen das positive Urteil (&hellip;). Durchschnittlich 2,5 Prozent reales Wachstum in einer Phase mit zwei &Ouml;lpreisexplosionen sind ein Ergebnis, von dem wir heute tr&auml;umen. Ohne den Einbruch von 1975 sind es sogar 3,3 Prozent reales Wachstum im Jahresdurchschnitt der zweiten H&auml;lfte der siebziger Jahre.&ldquo; (M&uuml;ller 2004, 198) Des Weiteren weist M&uuml;ller darauf hin, dass die damaligen Wirtschaftsinstitute in ihren Untersuchungen ebenfalls den Erfolg der Konjunkturprogramme best&auml;tigten (ebd., 199f.), obwohl gegen diese keynesianische Wirtschaftspolitik best&auml;ndig ein neoliberales &bdquo;St&ouml;rfeuer&ldquo; sowohl von der Bundesbank als auch aus einzelnen Ministerien der sozial-liberalen Koalition kam (ebd., 201; vgl. M&uuml;ller 2006, 90ff.). Diese empirischen Aussagen stehen, wie man sieht, v&ouml;llig im Gegensatz zu den Thesen vom grunds&auml;tzlichen Scheitern der keynesianischen Politik bei Hirsch. Auch das Ende der sozial-liberalen Koalition hatte f&uuml;r M&uuml;ller nichts mit dem Scheitern der keynesianischen Politik zu tun, sie war vielmehr ein Resultat der Ver&auml;nderung des politischen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisses innerhalb der regierenden FDP und der Gesellschaft. So zieht M&uuml;ller &uuml;ber die darauf folgende &bdquo;post-fordistische&ldquo; bzw. neoliberale Kohl&auml;ra eine negative &ouml;konomische Bilanz, weshalb f&uuml;r ihn der &bdquo;Siegeszug des Neoliberalismus&ldquo; (Hirsch) nicht auf seine vermeintlich &uuml;berlegenen &ouml;konomischen Erfolge gegen&uuml;ber des angeblich gescheiterten &bdquo;sozialdemokratischen Politikprojektes&ldquo; zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden kann: &bdquo;Ohne die verfemten Konjunkturprogramme wuchs die Arbeitslosigkeit, die privaten und staatlichen Investitionsprogramme gingen zur&uuml;ck, das gemeinsam geschaffene Bruttoinlandsprodukt wuchs weniger als zuvor (mit Ausnahme der Phase kurz vor und nach der deutschen Vereinigung), und die Schulden stiegen deutlich mehr als in den siebziger Jahren &ndash; 1970 bis 1980 um 175 Milliarden Euro, 1980 bis 1990 um 299 Milliarden Euro und im n&auml;chsten Jahrzehnt &ndash; auch bedingt durch die deutsche Einheit &ndash; um 673 Milliarden Euro.&ldquo; (M&uuml;ller 2004, 201) Trotz der empirisch dargelegten Belege &uuml;ber die positiven Auswirkungen von Konjunkturprogrammen in den siebziger Jahren, wird sowohl von den Neoliberalen als auch von Hirsch stets das Gegenteil behauptet. Dies ist f&uuml;r M&uuml;ller das Ergebnis einer seit den fr&uuml;hen siebziger Jahren bis heute gut organisierten Kampagne: &bdquo;Eine Analyse der Medienberichterstattung vom Ausgang der Siebziger bis zum Ende der Regierung Schmidt 1982 w&uuml;rde zeigen, dass die Union mit Hilfe von FDP und Wirtschaftsverb&auml;nden damals eine massive Kampagne lanciert hat. Die Hauptbotschaft: &ldquo;18 Konjunkturprogramme hat Kanzler Schmidt in Gang gesetzt, und sie haben nichts gebracht. Lauter Strohfeuer&rdquo;. Das Brainwashing reicht bis heute und erfasst mit der SPD auch eine jener politischen Gruppierungen, die damals bewiesen haben, dass die Parole nicht stimmt.&ldquo; (ebd., 198f.) Die &bdquo;positive Erfahrung&ldquo; mit Konjunkturprogrammen wird bis heute ignoriert, da sie &bdquo;wie der Pfahl im Fleisch der neoliberalen Ideologie steckt.&ldquo; (ebd., 201) <a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">[3]<\/a> Folgt man der Argumentation und den empirischen Beweisen von M&uuml;ller &uuml;ber den relativen Erfolg einer keynesianisch ausgerichteten Politik, dann ist es offensichtlich, dass Hirsch v&ouml;llig ungepr&uuml;ft nur das &bdquo;nachplappert&ldquo; (M&uuml;ller), was die Neoliberalen stets &uuml;ber die ihr unliebsame keynesianische Wirtschaftspolitik medienwirksam und mit tatkr&auml;ftiger Unterst&uuml;tzung des Kapitals verbreitet haben. In dieser Hinsicht ist eine weitere These von Hirsch offenbar hinf&auml;llig, wenn er behauptet: &bdquo;Erst&ldquo; durch das Scheitern des sozialdemokratischen Politikprojektes &bdquo;erhielt die neoliberale Propaganda ihre materielle Basis.&ldquo; Umgekehrt w&auml;re dagegen zu fragen, warum die neoliberale Politik trotz ihrer miserablen &ouml;konomischen &ldquo;Erfolge&rdquo; sich &uuml;berhaupt so lange bis heute hat halten k&ouml;nnen? Aber darauf gibt Hirsch keine Antwort, weil die Frage nicht in sein konstruiertes und offenbar auch gegen empirische Belege immunisiertes Periodisierungsschemata von Fordismus\/Post-Fordismus und das damit behauptete mechanische Verh&auml;ltnis zwischen Politik und &Ouml;konomie passt. Nun k&ouml;nnte man zu Gunsten von Hirsch einwenden, dass sich die Verh&auml;ltnisse im Vergleich zu den 70iger Jahren rasant ver&auml;ndert haben, so dass eine keynesianisch orientierte Politik ein unm&ouml;glich zu realisierendes Projekt w&auml;re. Jedoch w&uuml;rde dem beispielsweise Joseph E. Stiglitz widersprechen, um nur einen &Ouml;konomen zu nennen (vgl. Hickel 2006). Dieser sieht keine Gr&uuml;nde, warum eine keynesianische Politik auch heute unter neuen (aber letztlich wieder ver&auml;nderlichen) Rahmenbedingungen nicht m&ouml;glich sein soll. Zudem greifen die verschiedensten L&auml;nder entgegen dem Pauschalurteil von Hirsch durchaus auf keynesianische Regulationsm&ouml;glichkeiten zur&uuml;ck, da &ndash; wie dies fr&uuml;her schon P. Mattick herausgearbeitet hat &ndash; diese die kapitalistische Krisenhaftigkeit zwar nicht aufheben, aber doch bedeutsam mildern, abfedern und verschieben kann. Dass man in Deutschland davon nichts wissen will, ist nicht nur auf die doktrin&auml;re Engstirnigkeit und Scheuklappenmentalit&auml;t, sondern vor allem auf strategische Kalk&uuml;le eines grunds&auml;tzlich anderen Herrschaftsprojekts der Machtelite zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, welche man auch als &bdquo;pr&auml;ventive Konterrevolution&ldquo; (Marcuse 1975, 22ff.) bezeichnen k&ouml;nnte [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]. So fasst Stiglitz die bislang gemachten Erfahrungen mit der keynesianischen Politik wie folgt zusammen: &bdquo;Wirtschaftssysteme sind manchmal sehr instabil, und sie unterliegen grunds&auml;tzlich Schwankungen. In den letzten siebzig Jahren hat sich unser Wissen dar&uuml;ber, wodurch diese Fluktuationen verursacht werden und wie man stabilisierend ins Wirtschaftsgeschehen eingreifen kann, erheblich erweitert. Im Gro&szlig;en und Ganzen hatte die keynesianische Medizin die erhoffte Wirkung: Sie lie&szlig; Rezensionen k&uuml;rzer und leichter und Aufschw&uuml;nge l&auml;nger ausfallen. Wir mussten jedoch auch erfahren, dass aktive Eingriffe ihre Grenzen haben. Politische Ma&szlig;nahmen wirken mit Verz&ouml;gerung &ndash; so entfalten geldpolitische Ma&szlig;nahmen, (&hellip;), fr&uuml;hestens nach sechs Monaten, manchmal auch erst nach einem Jahr ihre volle Wirkung. (&hellip;)&ldquo; (Stiglitz 2005, 206). &Uuml;ber die praktizierte Tauglichkeit keynesianischer Politik macht z.B. Noam Chomsky aufmerksam, wenn er darauf hinweist, dass in den USA unter der neoliberalen Vorherrschaft stets ein &ldquo;milit&auml;rischer Keynesianismus&rdquo; zwecks St&uuml;tzung und F&ouml;rderung der Konzerne betrieben wurde, w&auml;hrend f&uuml;r die breite Bev&ouml;lkerung eine Politik der radikalen Marktdisziplin zwecks Lohnsenkung, Verarmung und Unterwerfung durchgesetzt wurde. Der Vorteil dieses Pentagon-Keynesianismus [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] liegt n&auml;mlich darin, dass er &bdquo;den Bed&uuml;rfnissen der bestehenden Machtverh&auml;ltnisse und Privilegien dient&ldquo;. So sind die regierenden Bef&uuml;rworter des Neoliberalismus oder Neokonservativismus stets &bdquo;begeisterte Partisanen des Keynesianismus, um die Produktion &uuml;ber das milit&auml;rische System anzuregen und die Nachfrage durch die K&uuml;rzung von Steuern zu forcieren.&ldquo; (Chomsky 1987, 231 vgl. Ders. 2004, 203ff.) So sichert und baut man einen Wohlfahrtsstaat f&uuml;r Konzerne und Reiche. Auch an dieser Stelle zeigt sich, dass das Pauschalurteil von Hirsch von der v&ouml;lligen Obsoletheit keynesianischer Wirtschaftspolitik im sogenannten Post-Fordismus deplaziert ist.<\/p><p>Mit diesen vorgebrachten Einw&auml;nden fallen weitere Behauptungen von Hirsch in sich zusammen, die er gegen M&uuml;ller in Stellung bringt, wenn er in der Buchrezension schreibt, dass sich die neoliberale &bdquo;Wende der SPD&ldquo; dem Scheitern keynesianischer Politik im Post-Fordismus verdankt, d.h., es &bdquo;h&auml;ngt ganz wesentlich damit zusammen und l&auml;sst sich nicht allein mit der Inkompetenz und Korruptheit ihrer Funktion&auml;re erkl&auml;ren.&ldquo; Des Weiteren wird hinzugef&uuml;gt: &bdquo;&gt;Globalisierung&rdquo; wird bei M&uuml;ller zu einem blo&szlig;en ideologischen Konstrukt. Der sicherlich h&ouml;chst schwammige Begriff bezieht sich jedoch auch auf die Realit&auml;t eines durchgreifend ver&auml;nderten Akkumulationsmodus und tiefgreifend umgew&auml;lzter Klassenverh&auml;ltnisse. F&uuml;r M&uuml;ller bedeutet die Krise des fordistischen Kapitalismus keinen historischen Bruch, sondern markiert nichts anderes als eine nicht weiter ernst zu nehmende Modifikation der alten Verh&auml;ltnisse.&ldquo; Sieht man einmal davon ab, dass Hirsch hier ganz geschickt A. M&uuml;ller seine Periodentheorie des Kapitalismus und damit sein Pauschalurteil &uuml;ber das Scheitern des Keynesianismus im Post-Fordismus unterschiebt, dann kann man die Hirsch-Thesen wie folgt konkretisieren und kritisieren: F&uuml;r Hirsch schwang demzufolge auch bei der neoliberalen Wende der SPD relativ kurz nach der Bundestagswahl 1998 mit ihrer Unternehmenssteuerreform im Jahr 2000 und beim sp&auml;teren Ausrufen der Agenda 2010, einschlie&szlig;lich der Zulassung von Hedgefonds, die unbeherrschbare &Ouml;konomie des Post-Fordismus den Taktstock gegen&uuml;ber der ohnm&auml;chtigen Politik, dem sich auch der Bundeskanzler Schr&ouml;der als Realist im vorauseilenden Gehorsam unterwarf, sich deshalb zu einem Neoliberalen zwangsl&auml;ufig verwandelte, damit zum &bdquo;Genosse der Bosse&ldquo; wurde. Schon damals besa&szlig; also nach Hirsch Schr&ouml;der die tiefgreifende Erkenntnis, dass das keynesianische Projekt im Post-Fordismus nicht funktioniert und versuchte es daher gar nicht mehr. Bei Hirsch wird so die gr&ouml;&szlig;te Unternehmenssteuersenkung und die damit vorbereitete und dann vollzogene Demontage des Sozialstaates &ndash; und seine Ersetzung durch einen repressiven &bdquo;Almosen- und Suppenk&uuml;chenstaat&ldquo; (C. Butterwegge), wo Arbeitslose den Status von modernen Leibeigenen erhalten (Kl&ouml;nne\/Kreutz\/Meyer 2006, 73; vgl. Agenturschluss 2006; Rentschler 2004) &ndash; wegen des eingetretenen Haushaltsdefizits unter Kanzler Schr&ouml;der zur unab&auml;nderlichen Folge des neuen Akkumulationsregimes und der damit verursachten &ldquo;Globalisierung&rdquo; erhoben. Derweil besitzt der &ldquo;deutsche Exportweltmeister&rdquo; [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] die niedrigste reale Besteuerung sowohl f&uuml;r Kapitalgesellschaften als auch f&uuml;r Einkommen aus Unternehmert&auml;tigkeit und Verm&ouml;gen in der EU [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>], wirkt so als konkurrenz&uuml;berlegener Zuchtmeister f&uuml;r eine neoliberale Wirtschafts- und Sozialpolitik auf alle anderen EU-Staaten negativ zur&uuml;ck. Die EU-Mitgliedsl&auml;nder werden schlie&szlig;lich mit deutschen &bdquo;Exporten &uuml;berschwemmt, die dort inl&auml;ndische Produktionen verdr&auml;ngen.&ldquo; (Hickel 2006, 45) Diese merkantilistische Exportpolitik Deutschlands &bdquo;auf Kosten der anderen Mitgliedsl&auml;nder droht das Euroland zu sprengen.&ldquo; (ebd.) Aber &uuml;ber solche auf der Hand liegenden Widerspr&uuml;che sieht Hirsch gro&szlig;z&uuml;gig hinweg. Die Unternehmenssteuerabsenkungen und die damit eingeplanten Haushaltsdefizite gelten dagegen in der Theorie des Neoliberalismus als die entscheidenden politischen Waffen und als legitimatorischer Hebel, um den Sozialstaat zu zerschlagen, damit die L&ouml;hne zu senken, prek&auml;re und &ldquo;flexible&rdquo; Arbeitsverh&auml;ltnisse einzurichten und die Gewerkschaften als Gegenmacht auszuschalten, au&szlig;erdem die politischen Mitwirkungsrechte (Parteien, Parlamente etc.) aufzuheben, schlussendlich die Privatisierung staatlicher Aufgaben voranzutreiben, um immer gr&ouml;&szlig;ere Teile des gesellschaftlichen Lebens vom &ldquo;Marktmechanismus&rdquo;, besser: Konzernen, steuern zu lassen (dazu: R&uuml;gemer 2006). &Uuml;ber diesen politischen Hebel soll so ein von Teilen der neoliberalen Machtelite gesteuerter Obrigkeitsstaat mit demokratischer Fassade institutionalisiert werden, auf letzteres kann dann irgendwann auch verzichtet werden, man nennt diesen f&uuml;r den &bdquo;&ouml;konomischen Liberalismus&ldquo; typischen Vorgang auch &bdquo;Eliminierung der Politik&ldquo; [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] (Neumann 1986, 249ff.). Mitte der neunziger Jahre wurde die von neoliberalen Vordenkern entwickelte politische Waffe der &ldquo;Steuersenkungen&rdquo; in einem Strategiepapier &bdquo;Finanzpolitik 2000&ldquo; des Bundesfinanzministeriums auf die bundesdeutschen Verh&auml;ltnisse angewandt und propagiert (Kl&ouml;nne\/Kreutz\/Meyer 2006, 93), aber richtig durchgesetzt werden konnte es erst durch die radikale Verschiebung des politischen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse unter der &bdquo;rot-gr&uuml;nen Koalition&ldquo;, d.h. unter Einschluss und damit Befriedung der sozialdemokratisch gesinnten bzw. gesteuerten Gewerkschaften. Dass diese neoliberale Politik bzw. dieser &bdquo;Systemwechsel&ldquo; [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] weder aus einem angeblichen Scheitern des Keynesianismus im Post-Fordismus noch unmittelbar aus dem &ldquo;Sachzwang&rdquo; Globalisierung zu erkl&auml;ren ist, scheint f&uuml;r Hirsch v&ouml;llig irrelevant zu sein. Er vertraut lieber seiner strukturalistischen Periodisierungstheorie mit samt den damit gesetzten Pauschalurteilen, anstatt eine konkrete Analyse des Herrschaftsprojektes der hiesigen Machtelite in Betracht zu ziehen.<br>\nDagegen muss bei Hirsch, obwohl er dar&uuml;ber nichts weiter ausf&uuml;hrt, der zur&uuml;ckgetretene Finanzminister O. Lafontaine &ndash; damit genauso wie A. M&uuml;ller &ndash; mit seiner keynesianisch orientierten Auffassung zum heillosen Schw&auml;rmer aus einer l&auml;ngst untergegangenen Welt des Fordismus gestylt werden. Sein Abgang als Finanzminister (vgl. Chomsky 1999) war daher f&uuml;r Hirsch historisch genauso unausweichlich wie der Siegeszug des Neoliberalismus. Freilich hat die Argumentation von Hirsch &uuml;ber die unabwendbare neoliberale Wende der SPD den Vorteil, dass er der Leserschaft einen vermeintlich tieferen Einblick in die Politik und damit hinter die empirische Oberfl&auml;che der kapitalistischen Entwicklung verschafft. Es w&auml;re ja auch f&uuml;r einen Theoretiker zu banal, wenn, wie es A. M&uuml;ller ansatzweise macht, man auf die m&auml;chtigen bzw. durchsetzungsf&auml;hig gewordenen Kapitalinteressen hinweist, die die &Ouml;ffentlichkeit und Politik systematisch kolonialisiert haben, um die neoliberale Wende der SPD zu erkl&auml;ren. Die Erkl&auml;rung, dass hier ein von m&auml;chtigen Kapital- und Geldinteressen lang vorbereiteter und stets propagierter bzw. geforderter &ldquo;rollback&rdquo; zum Zuge gekommen ist, muss dem Strukturtheoretiker Hirsch g&auml;nzlich trivial und damit vom Grundsatz v&ouml;llig unzul&auml;nglich sein. Es geh&ouml;rt eben zum Spiel der Intellektuellen &bdquo;einfache Dinge kompliziert erscheinen (zu) lassen, aber irgendwie m&uuml;ssen sie sich ihr Gehalt ja verdienen.&ldquo; (Chomsky 2004, 266) Da Hirsch auch keine handfesten Belege f&uuml;r das vorgebrachte Pauschalurteil &uuml;ber das Scheitern des Keynesianismus vorbringen kann, au&szlig;er dann, wenn er selbst auf die neoliberalen Ma&szlig;st&auml;be wie dem Fetisch eines ausgeglichenen Staatshaushaltes und der Notwendigkeit eines unkontrollierten Finanz- und Konzernkapitalismus in und zwischen den Staaten zwecks &bdquo;Wachstumssicherung&ldquo; zur&uuml;ckgreift, wirkt seine strukturtheoretische Phasentheorie der realen politischen Entwicklung mehr als nur &auml;u&szlig;erlich aufgesetzt. Als Politikwissenschaftler konstruiert er so nicht nur ein seltsam mechanisches und eindimensionales Bild &uuml;ber die &ouml;konomische Entwicklung des Kapitals, sondern auch &uuml;ber die politische Entwicklung in Deutschland. Er blendet das ver&auml;nderte politische Kr&auml;fteverh&auml;ltnis und die damit konstituierten Herrschafts- und Machtambitionen zugunsten eines abstrakten und allm&auml;chtig steuernden Akkumulationsmodus des Post-Fordismus aus. Dies ist die notwendige Konsequenz eines in der Regulationstheorie angelegten &Ouml;konomismus, welcher sich aus einem strukturtheoretischen Periodisierungszwang der Kapital- und Politikentwicklung selbst ergibt. Die kapitalistische Entwicklungsdynamik wird insofern in ein historisches Phasenmodell gepresst, welches vom Theoretiker vorgegeben und gegossen wurde, um f&uuml;r jede Phase eine angeblich neue objektiv-&ouml;konomische Gesetzm&auml;&szlig;igkeit und damit ein spezifisches Verh&auml;ltnis von Politik und &Ouml;konomie zu unterstellen, unter dem dann alle gesellschaftlichen Ver&auml;nderungen zwanghaft und unterschiedslos subsumiert werden m&uuml;ssen. Dieses d&uuml;rre und letztlich hilflose, aber in der Literatur inzwischen inflation&auml;r verwendete Dualismusstrukturmodell des Fordismus und Post-Fordismus zeigt sich u.a. darin, dass die Autoren selbst nach einer mehr als zwanzigj&auml;hrigen &ldquo;Theorieentwicklung&rdquo; nicht einmal in der Lage sind, den Akkumulationsregimen, die es vor und nach dem Fordismus gegeben haben sollen, einen eigenst&auml;ndigen Namen zu geben. Dies allein l&auml;sst darauf schlie&szlig;en, dass auch hier der Erkl&auml;rungsgehalt wie bei allen bisherigen &ldquo;marxistischen&rdquo; Periodisierungstheorien mehr als d&uuml;rftig einzusch&auml;tzen ist.<br>\nDar&uuml;ber hinaus dr&auml;ngt sich der Verdacht auf, dass in der Regulationstheorie von Hirsch das bei Marx &uuml;berhistorisch angelegte Theorem der Dialektik zwischen Produktivkr&auml;fte und Produktionsverh&auml;ltnisse (&ldquo;historischer Materialismus&rdquo;) nun in der Gestalt einer Dialektik zwischen Akkumulationsregime und Regulationsweise als ahistorische Periodisierungsmethode auf die &ldquo;innere&rdquo; Entwicklung des Kapitals angewendet und damit der kapitalistischen Entwicklungsdynamik &auml;u&szlig;erlich &uuml;bergest&uuml;lpt wurde, um so von sich wechselseitig ausschlie&szlig;enden und unendlich aufeinander folgenden Akkumulationsmodellen des Kapitals auszugehen, dem dann ebenso sich wechselseitig ausschlie&szlig;ende politische Regulierungspraktiken brav folgen. Nur dann, wenn man dieses modernisierte Basis-&Uuml;berbau-Strukturmodell des Marxismus von zusammenhanglos aufeinander folgenden Akkumulationsregimen verinnerlicht und verabsolutiert hat, ist es auch m&ouml;glich, davon zu sprechen, dass der Keynesianismus endg&uuml;ltig gescheitert, der Siegeszug des Neoliberalismus sowie die neoliberale Wende der SPD ein unabwendbares Schicksal sind. Mit dieser geschichtsphilosophischen Strukturtheorie des Kapitals wird radikal davon abstrahiert, dass die &ouml;konomisch-quantitative Seite des Kapitals best&auml;ndiger politischer Kampf bedeutet, oder anders ausgedr&uuml;ckt, dass sich der &ouml;konomisch-quantitative Wert (im Marxschen Sinne) im Gegensatz zu seiner qualitativen Seite nur durch permanente politische Herrschaftsauseinandersetzungen zwischen den Kapitalbesitzenden und der Klasse der Lohnabh&auml;ngigen konstituiert und erh&auml;lt. Der selbstzweckhaft vermehrende Wert ist deshalb als innerer Motor der kapitalistischen Entwicklung selbst ein politisches Kampf- und Herrschaftsverh&auml;ltnis zwischen den Klassen und stellt somit eine politische Kategorie dar. Es ist der die ganze Gesellschaft durchziehende und bestimmende andauernde Kampf um die Lebens- und Arbeitsbedingungen, der die Kapitaldynamik von innen antreibt, dieser also nicht &auml;u&szlig;erlich hinzuaddiert werden kann, weshalb die vermeintlich eherne &ouml;konomische &ldquo;Struktur&rdquo; (auch in der Gestalt eines &bdquo;Akkumulationsregimes&ldquo;) als unerbittlicher Sachzwang f&uuml;r das politische Handeln, den Hirsch hervorhebt und gegen A. M&uuml;ller wendet, durch diesen Kampf selbst konstituiert und bestimmt ist, damit aber auch &ouml;konomisch-quantitativ v&ouml;llig unbestimmt bleibt. So wenig es z.B. einen von der politischen Kampfsituation unabh&auml;ngigen oder &auml;u&szlig;erlichen &bdquo;Wert der Ware Arbeitskraft&ldquo; gibt (Lohnh&ouml;he, Familienform, sozialstaatliche Sicherungs- und Reparatursysteme), so wenig existiert der Gebrauchswert der Arbeitskraft (Extensit&auml;t und Intensit&auml;t der Arbeit, Arbeitsbedingungen, -schutz etc.) wie die angewandte Produktionstechnologie jenseits dieses politischen Kampfes. Auch die dem Kapital innewohnende Produktivit&auml;tssteigerung setzt diese Feststellung nicht au&szlig;er Kraft. D.h. vor allem, die Kapitalverwertung, einschlie&szlig;lich die damit einhergehende Reichtumsverteilung, und damit die vielfach angef&uuml;hrten ehernen &ldquo;&ouml;konomischen Gesetze des Kapitals&rdquo; haben &bdquo;au&szlig;erhalb des Klassenkampfes keinen Sinn, keinen angebbaren Inhalt&ldquo; (Castoriadis 1990, 56; vgl. Girschner 1999, 279ff.), was auch schon Rosa Luxemburg manchmal hervorhob (vgl. Girschner 2001). Entsprechend sind auch die &ldquo;Theorien&rdquo; der &ldquo;Wirtschaftswissenschaften&rdquo; selbst eine unmittelbare ideologische und politische Waffe in diesem permanenten Herrschaftskampf. So ist die nach dem neoliberalen Drehbuch erfolgte politische Durchsetzung eines deregulierten Weltmarktes unter der Vorherrschaft der USA und zur Sicherung derselben Resultat eines eingetretenen Ungleichgewichts der gesellschaftlichen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse sowohl in den als auch zwischen den ungleich starken Nationalstaaten, wobei das Kr&auml;fteverh&auml;ltnis und damit die Politik innerhalb der Nationalstaaten &ndash; trotz &ldquo;Globalisierung&rdquo; &ndash; immer noch h&ouml;chst unterschiedlich ausfallen. Dieser &ldquo;neoliberale&rdquo; Weltmarkt der Konzerne und Kartelle wird gerne als &ldquo;Globalisierung &rdquo; tituliert und besitzt inzwischen eine eigene institutionelle Herrschaftsabsicherung als quasi politikfreier und sich selbst regulierender Weltmarkt f&uuml;r Konzerne in der Gestalt des WTO und anderen Handelsabkommen (beispielsweise: NAFTA). Diese besondere Art von &ldquo;Weltmarkt-Regierung&rdquo; hat f&uuml;r die neoliberale Machtelite und den Konzernen den unsch&auml;tzbaren Vorteil, dass deren Entscheidungen wie auch das daraus entspringende Agieren der Konzerne der unmittelbaren politischen Beeinflussung und Wahrnehmung der Bev&ouml;lkerung entzogen wurde (hier wurde also das liberal-&ouml;konomische Prinzip der &bdquo;Eliminierung der Politik&ldquo; erfolgreich modernisiert und realisiert; vgl. Neumann). Zugleich werden nicht nur in Deutschland die daraus entspringenden politik-&ouml;konomischen Folgen als unabwendbares Schicksal im Namen der naturw&uuml;chsigen und deswegen politisch unbeeinflussbaren Globalisierung der Bev&ouml;lkerung oktroyiert und zur Legitimation der als alternativlos hingestellten &ldquo;neoliberalen Reformen&rdquo; verwendet. Als unumst&ouml;&szlig;lichen Beleg f&uuml;r diese naturw&uuml;chsige Entwicklungsdynamik des Weltmarktes wird deshalb in den &ldquo;b&uuml;rgerlichen Zeitungen&rdquo; und im Wissenschaftsbetrieb sehr h&auml;ufig eine entsprechende Passage aus dem kommunistischen Manifest von Marx und Engels zitiert (vgl. Beck 2002, 19ff.), die ja ansonsten als hoffnungslos obsolet abgetan und deshalb vollst&auml;ndig gemieden bzw. ignoriert werden.<br>\nDie wegen dieser neoliberalen &ldquo;Regierungsform&rdquo; des Weltmarktes gewachsene und inzwischen als imposant zu bezeichnende Reichtumspolarisierung in den und zwischen den Staaten dokumentiert und belegt diesen politisch organisierten Rollback von Seiten der Konzerne, Gro&szlig;banken, dem Geldadel und den Intellektuellen (vgl. Klein 2006; Ziegler 2005\/b; Chossudovsky 2004 u. 2002; Krysmanski 2004). Letzteres wurde seit Anfang der siebziger Jahre erstmals in den USA mit dem Ziel entwickelt, erprobt und erfolgreich durchgesetzt, die in den f&uuml;nfziger und sechziger Jahren gewachsene &ldquo;soziale und politische Anspruchsmentalit&auml;t&rdquo; bzw. Widerspenstigkeit der Klasse der Lohnabh&auml;ngigen zu brechen, um sie wieder zu disziplinieren und zu unterwerfen, damit die gef&auml;hrdete, aber renditesichernde Handlungssouver&auml;nit&auml;t des Kapitals auf allen gesellschaftlichen Feldern wieder hergestellt und auf Dauer erhalten bleibt (vgl. Chomsky 1987, 243ff.; Bakan 2005, 105ff.; Nace 2004; Austin\/Phoenix 2004; Phillips 2003). Soweit kopiert seit den achtziger Jahren die bundesdeutsche Machtelite mit wachsender Militanz das erfolgreiche amerikanische Modell des neoliberalen Rollback mit samt den dazugeh&ouml;rig entwickelten Methoden der Indoktrination, Korruption, PR-Agenturen, Denkfabriken, des Lobbyismus, den Beratersystemen und Kommissionen sowie der Infiltration der Ministerien durch Konzernmitarbeitern, welche auch die letzten Reste von innerparteilicher und parlamentarischer Demokratie und kritischer &Ouml;ffentlichkeit aush&ouml;hlen bzw. wegfegen und ersetzen. Mit einer &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo; (Hirsch) hat dies nichts zu tun. Freilich spiegelt dieser Vorwurf durch den Strukturtheoretiker nicht nur die offizielle neoliberale Doktrin der Machtelite wider, wonach ja im Gegensatz zum untergegangenen Realsozialismus im &ldquo;freien Westen&rdquo; nie etwas geplant wird, sondern auch dessen Grundeinstellung in der Gestalt einer objektiv gegebenen und alles bestimmenden Akkumulationsstruktur, der die oben benannten politischen Herrschaftskonflikte und -strategien des Kapitals letztendlich &auml;u&szlig;erlich bleiben und deshalb auf zusammenhangslose wie vernachl&auml;ssigbare Einzelerscheinungen zusammenschrumpfen [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]. M&uuml;ller zeigt diesen Rollback in seinem Buch &ldquo;Machtwahn&rdquo; f&uuml;r Deutschland in vielen Punkten beispielhaft auf und legt damit zugleich dar, weshalb eine keynesianisch orientierte Politik derzeit nicht durchsetzbar, aber nicht unm&ouml;glich ist.<\/p><p><strong>Literatur<\/strong><\/p><p>Agenturschluss (Hg) 2006: Schwarzbuch Hartz IV; Berlin\/Hamburg<br>\nAustin, A.\/Phoenix, L.E. 2004: Der politische Aufstieg der Umweltgegner; in: Hamm, B. (Hg): Gesellschaft zerst&ouml;ren &ndash; Der neoliberale Anschlag auf Demokratie und Gerechtigkeit; Berlin<br>\nBakan, Joel 2005: Das Ende der Konzerne; Hamburg<br>\nBeck, Ulrich 2002: Macht und Gegenmacht im globalen Zeitalter; Frankfurt\/M.<br>\nBiermann, W.\/Kl&ouml;nne, A. 2001: Globale Spiele. Imperialismus heute &ndash; Das letzte Stadium des Kapitalismus?; K&ouml;ln<br>\nBofinger, Peter 2006: Wir sind besser, als wir glauben. Wohlstand f&uuml;r alle; Reinbek bei Hamburg<br>\nBourdieu, Pierre 2001: Gegenfeuer 2. F&uuml;r eine europ&auml;ische Bewegung ; Konstanz<br>\nDers. 1998: Gegenfeuer. Wortmeldungen im Dienste des Widerstandes gegen die neoliberale Invasion; Konstanz<br>\nButterwegge, C. 2006: &bdquo;Wir sind auf dem Weg in den Suppenk&uuml;chen-Staat&ldquo;; in: Berliner Zeitung online Ausgabe, 31.07.<br>\nCastoriadis, Cornelius 1990: Gesellschaft als imagin&auml;re Institution; Frankfurt\/M.<br>\nChomsky, Noam 2006: Failed States; New York<br>\nDers. 2004: Eine Anatomie der Macht; Hamburg<br>\nDers. 1999: &bdquo;Mach`s gut Oskar&ldquo;; in: Chomskyarchiv.de<br>\nDers. 1987: Vom Politischen Gebrauch der Waffen; Wien<br>\nChossudovsky, Michel 2004: Globale Armut im sp&auml;ten 20. Jahrhundert; in: Hamm (Hg): Gesellschaft zerst&ouml;ren; Berlin<br>\nDers. 2002: Global Brutal. Der entfesselte Welthandel, die Armut, der Krieg; Frankfurt\/M.<br>\nDebord, Guy 1996: Die Gesellschaft des Spektakels; Berlin<br>\nGirschner, Christian 2001: Kapitalismus bis zum Erl&ouml;schen der Sonne?; in: Iz3w, Mai\/Juni<br>\nDers. 1999: Politische &Ouml;konomie und Weltmarkt. Die allgemeine Weltmarktdynamik in der Marxschen Kritik der politischen &Ouml;konomie; K&ouml;ln<br>\nHamm, Bernd 2006: Die soziale Struktur der Globalisierung; Berlin<br>\nHickel, Rudolf 2006: Kassensturz; Reinbek bei Hamburg<br>\nDers. 1998: Bilanz eines Scheiterns: Angebotspolitik; in: Gewerkschaftliche Monatshefte, Heft 3<br>\nHuffschmid, J&ouml;rg 2006: Deutsche Wirtschaftspolitik gegen den Rest der Welt; in: Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik, Heft 7<br>\nISW (Institut f&uuml;r sozial-&ouml;kologsiche Wirtschaftsforschung) 2006\/a: Alternativen zum Neoliberalismus; isw-report Nr. 66, M&uuml;nchen<br>\nDies. 2006\/b: Bilanz 2005 &ndash; Ausblick 2006; isw-wirtschaftsinfo Nr. 38, M&uuml;nchen<br>\nJarras, Lorenz 2005: Einheitliche Unternehmenssteuerbelastung &ndash; ein Standortnachteil?; in: Wirtschaftsdienst. Zeitschrift f&uuml;r Wirtschaftspolitik, Heft 4<br>\nDers. 2006: &bdquo;Steuerausf&auml;lle bis zu 15 Milliarden&ldquo;; in: die tageszeitung, vom 12.07.<br>\nKlein, Dieter 2006: Milliard&auml;re &ndash; Kassenleere. R&auml;tselhafter Verbleib des anschwellenden Reichtums; Berlin<br>\nKl&ouml;nne, A.\/Kreutz, D. \/Meyer, O. 2006: Es geht anders! Alternativen zur Sozialdemontage; ver&auml;nderte zweite Auflage; K&ouml;ln<br>\nKrysmanski, Hans J&uuml;rgen 2004: Hirten &amp; W&ouml;lfe. Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen; M&uuml;nster<br>\nMarcuse, Herbert 1999: Das Schicksal der b&uuml;rgerlichen Demokratie; (nachgelassene Schriften) L&uuml;neburg<br>\nDers. 1975: Zeitmessungen; Frankfurt\/M.<br>\nMattick, Paul 1974: Marx und Keynes; zweite unver&auml;nderte Auflage, Frankfurt\/M.<br>\nMayer, L.\/Schmid, F.\/Schuler, C. 2005: &bdquo;Freiheit&ldquo; statt Sozialstaat; in: www.isw-muenchen.de<br>\nM&uuml;ller, Albrecht 2006: Machtwahn. Wie eine mittelm&auml;&szlig;ig F&uuml;hrungselite uns zugrunde richtet; M&uuml;nchen<br>\nDers. 2004: Die Reforml&uuml;ge. 40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren; M&uuml;nchen<br>\nNace, Ted 2004: Der Weg zur Unternehmenskriminalit&auml;t; in: Hamm, B. (Hg): Gesellschaft zerst&ouml;ren &ndash; Der neoliberale Anschlag auf Demokratie und Gerechtigkeit; Berlin<br>\nNeumann, Franz 1986: Demokratischer und autorit&auml;rer Staat; Frankfurt\/M., Erstausgabe 1967<br>\nPhillips, Kevin 2003: Die amerikanische Geldaristokratie. Eine politische Geschichte des Reichtums in den USA; Frankfurt\/New York<br>\nRentschler, Frank 2004: Der Zwang zur Selbstunterwerfung; in: Exit!, Heft1<br>\nR&uuml;gemer, Werner 2006: Privatisierung in Deutschland; M&uuml;nster<br>\nStiglitz, Joseph E. 2005: Die Roaring Nineties. Vom Boom zum Crash; M&uuml;nchen<br>\nWeiss, H.\/Schmiederer, E. 2004: Asoziale Marktwirtschaft; K&ouml;ln<br>\nZiegler, Jean 2005: Die neuen Herrscher der Welt und ihre globalen Widersacher; M&uuml;nchen<br>\nDers. 2005\/b: Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen Armut und Unterdr&uuml;ckung; M&uuml;nchen<\/p><p><em>Christian Girschner, Am Vorfeld 14, 28259 Bremen, T.:0421\/5148602<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Joachim Hirsch: &bdquo;Eliten&ldquo;: dumm oder korrupt? in: www.links-netz.de. &Uuml;ber Albrecht M&uuml;llers &bdquo;Machtwahn. Wie eine mittelm&auml;&szlig;ige F&uuml;hrungselite uns zugrunde richtet&ldquo; (2006).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Zitiert nach Biermann\/Kl&ouml;nne (2001, 25)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] M&uuml;ller r&auml;umt allerdings ein, was Hirsch in seiner Stilisierung von M&uuml;ller als ein von der Zeit &uuml;berholten und doktrin&auml;ren Keynesianer offensichtlich nicht ohne Grund unerw&auml;hnt l&auml;sst, dass gut getimte Konjunkturprogramme &bdquo;nicht alleinseligmachend&ldquo; sind (M&uuml;ller 2004, 205) und pl&auml;diert f&uuml;r eine pragmatisch ausgerichtete Wirtschaftspolitik, welche keynesianische und angebotsorientierte Instrumente beinhaltet: &bdquo;Wir m&uuml;ssen zu einem guten Mix unserer Wirtschaftspolitik zur&uuml;ckkehren &ndash; einerseits einer angebots&ouml;konomischen Linie, die unsere Volkswirtschaft von unn&ouml;tigen Lasten befreit und f&uuml;r einen ordentlichen Schub an technischen Fortschritt und Innovationen sorgt, andererseits einer eher nachfrageorientierten Politik.&ldquo; (ebd., 159f.)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Die neoliberale Konterrevolution kann wie folgt auf den Punkt gebracht werden: &ldquo;Es hat den Anschein, als w&uuml;rde der Kapitalismus sich jetzt sicher genug f&uuml;hlen, um alles von sich zu werfen, was seiner produktiven Destruktivit&auml;t Schranken auferlegt &ndash; juristische, moralische, politische Schranken (oder als k&ouml;nne er sich diese Schranken nicht mehr leisten). Das System rei&szlig;t sich selbst den Schleier vom Gesicht und stellt sich als das dar, was es ist. (&hellip;) Die Vereinigung von Gro&szlig;kapital und Staat tritt ganz unvermittelt und offen zutage. Die Vorstellung, es k&ouml;nne zwischen privaten Interessen und der Regierung einen Konflikt geben, wird nicht mehr ernstgenommen oder, falls n&ouml;tig, durch einen Regierungserlass beseitigt. Da es keine Unterschiede zwischen Gesch&auml;ftwelt, Mafia und Politik mehr gibt, ist Korruption zu einem Begriff ohne Bedeutung geworden. Je weiter oben sie angesiedelt ist, desto mehr wird sie allein durch die Tatsache, dass sie so weit oben ist, gesch&uuml;tzt und &ldquo;legitimiert&rdquo;.&ldquo; (Marcuse 1999, 161; Hervorhebung im Original)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] &bdquo;With the Cold War no longer available, it was necessary to reframe pretexts not only for intervention but also for militarized state capitalism at home. The Pentagon budget presented to Congress a few months after the fall of the Berlin Wall remained largely unchanged, but was packaged in a new rhetorical framework, presented in the National Security Strategy of March 1990. One priority was to support advanced industry in traditional ways, in sharp violation of the free market doctrines proclaimed and imposed on others.&rdquo; (Chomsky 2006, 126)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Deutschland als Exportweltmeister auf der einen und zugleich ein stagnierender Binnenmarkt auf der anderen Seite ist kein Zufall, was Hirsch dank seiner &ldquo;Post-Fordismus-Theorie&rdquo; g&auml;nzlich ignorieren muss, denn: &bdquo;Diese gespaltene Entwicklung zwischen der Au&szlig;en- und Binnenwirtschaft ist nicht das Ergebnis eines unentrinnbaren Sachzwanges. Sie wird durch eine Politik produziert, die mit der aggressiven Steigerung der Exportwirtschaft auf einen gef&auml;hrlichen Merkantilismus setzt. Die neoliberalen Instrumente zum Aufbau der internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit belasten am Ende die binnenwirtschaftliche Entwicklung schwer. Das gesamte Arsenal dieser neoliberalen Instrumente zwingt die Binnenwirtschaft in die Stagnation. Solche Instrumente sind beispielsweise die Lohnzur&uuml;ckhaltung, die voranschreitende Privatisierung sozialer Risiken, der R&uuml;ckzug des Staates aus der Gesamtwirtschaft durch eine rigorose Sparpolitik, die relative H&ouml;herbelastung der Bezieher von Masseneinkommen mit Steuern, der Ausbau des Niedriglohnsektors, die Deregulierung auf den Arbeitsm&auml;rkten. Dadurch werden alle Aggregate der Binnenwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen: Die privaten und &ouml;ffentlichen Konsumausgaben stagnieren, die &ouml;ffentlichen Investitionen gehen zur&uuml;ck, und die Ausr&uuml;stungsinvestitionen in der Unternehmenswirtschaft kommen mangels Aussicht auf ausreichenden Absatz nicht in Schwung. Insoweit auf diese Stagnation auch noch mit Restrukturierungen in den Unternehmen reagiert wird, erh&ouml;ht sich der Verlust von Arbeitspl&auml;tzen.&ldquo; (Hickel 2006, 47f.)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Die niedrige Unternehmensbesteuerung in Deutschland kann nicht auf den stets angef&uuml;hrten &ldquo;Sachzwang&rdquo; &bdquo;Globalisierung&ldquo;\/&bdquo;Post-Fordismus&ldquo; bzw. die versch&auml;rfte Weltmarktkonkurrenz zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden, vielmehr ist es umgekehrt, die deutsche Machtelite versch&auml;rft bewusst mit ihrer durchgesetzten Politik bzw. ihrem neoliberalen Machtprojekt die Konkurrenzbedingungen f&uuml;r andere L&auml;nder, vor allem f&uuml;r die &uuml;brigen EU-Staaten (vgl. Huffschmid 2006), und sieht sich jedoch in der von ihr selbst inszenierten Dauerpropaganda gleichzeitig immer als hilfloses Opfer und geschundenes Gesch&ouml;pf der &ldquo;Globalisierung&rdquo;, dem dann u.a. nur noch weitere Steuersenkungen f&uuml;r das Kapital abhelfen k&ouml;nnen. Die hohe Arbeitslosigkeit, welche als Beleg f&uuml;r die mangelnde Konkurrenzf&auml;higkeit deutscher Unternehmen angef&uuml;hrt wird, wird f&uuml;r diesen Zweck als ideologische Kampfwaffe eingesetzt: Eine solche scharfe und politisch erfolgreiche Waffe im Kampf gegen den Sozialstaat und die Lohnabh&auml;ngigen bzw. den Gewerkschaften gibt die Machtelite nicht leichtfertig aus der Hand. Daraus erkl&auml;ren sich auch die extremen Ausf&auml;lle (und Abstrafungen) der Machtelite und ihr h&ouml;rigen Intellektuellen gegen keynesianische Ansichten, da diese eine alternative Politik zum angeblich alternativlosen Neoliberalismus aufzeigen, welche die Position und Lage der Lohnabh&auml;ngigen verbessern und die Demontage des Sozialstaates hemmen oder sogar stoppen k&ouml;nnte. Zur deutschen Politik der &bdquo;permanenten Steuerreform&ldquo; (Bofinger) sei folgendes angemerkt: &bdquo;Nehmen wir an&ldquo;, sagt der Steuerexperte Professor Lorenz Jarras, &bdquo;Deutschland h&auml;tte die ohnehin extrem niedrige Steuerquote&ldquo;, d.h. auf Gewinne und Verm&ouml;genseinkommen, &bdquo;des Jahres 2000 beibehalten, die bereits damals die niedrigste der EU war. Dann h&auml;tten wir im Jahr 2001 30 Milliarden und im Jahr 2003 50 Milliarden mehr Steuereinnahmen gehabt, im Jahr 2004 60 Milliarden und 2005 66 Milliarden.&ldquo; (zitiert nach Mayer\/Schmid\/Schuhler 2005,1) Konkreter: die reale Steuerbelastung der Einkommen aus Unternehmert&auml;tigkeit und Verm&ouml;gen ist mit 21% die niedrigste im EU-Vergleich; in keinem anderen der 15 EU-Staaten au&szlig;er Deutschland ist zwischen 1995-2002 die reale Kapitalsteuerbelastung gesunken; die reale Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften betrug 2003 nur rund 11%, f&uuml;r 2004 und 2005 lag die reale Ertragssteuer der Firmen bei 15%; die reale Besteuerung von Verm&ouml;gensbest&auml;nden in Deutschland ist in der EU mit Abstand am niedrigsten. Nach Pl&auml;nen der &ldquo;gro&szlig;en Koalition&rdquo; sollen die Steuers&auml;tze f&uuml;r Kapitalgesellschaften wegen der &ldquo;Globalisierung&rdquo; weiter abgesenkt werden, was bis zu 15 Milliarden Euro Steuerausf&auml;llen im Jahr verursachen wird und nicht nur f&uuml;nf Milliarden Euro, wie die Bundesregierung behauptet (Jarras 2005 u. ders. 2006; vgl. isw\/a 2006, 28ff. u. 33ff.; isw\/b 2006, 26ff.; Bofinger 2006, 50ff. u. 174ff.; Kl&ouml;nne\/Kreutz\/Meyer 2006, 94ff. u. 150ff.; Hickel 2006, 114ff.; Hamm 2006, 266ff.; Weiss\/Schmiederer 2004). Fazit: &bdquo;Aus den angef&uuml;hrten Fakten wird deutlich: Deutschland ist kein Getriebener im angeblichen Steuerwettlauf nach unten. Es ist im &ldquo;Race to the bottom&rdquo; selbst Antreiber und Schrittmacher.&ldquo; (isw\/b, 26)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] &bdquo;Die liberal-&ouml;konomische Theorie hat (&hellip;) das Ziel, die politische Macht der Demokratie zu schw&auml;chen. (&hellip;) Hier liegt der Ansatz zum Faschismus. Da die &Ouml;konomie den Staat braucht, will sie einen Staat, der die &ouml;konomischen Machtverh&auml;ltnisse nicht antastet. Man kann also sagen, dass der Faschismus aus dem Bed&uuml;rfnis der &ouml;konomischen Machthaber nach einem starken Staat entstand, der aber nicht der Kontrolle des Volkes unterworfen sein durfte. Der Faschismus entstand nicht als Reaktion auf die kommunistische Gefahr, sondern zur Unterdr&uuml;ckung der demokratischen Bewegung, die die politische Macht zur rationalen und sozialen Gestaltung der &Ouml;konomie verwenden wollte.&ldquo; (Neumann 1986, 255) Hier sei zudem daran erinnert, dass es zu den liberal-theoretischen Grunds&auml;tzen der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften geh&ouml;rt, die kapitalistische &Ouml;konomie als vorgesellschaftliche bzw. rein stofflich-technische Sph&auml;re zu bestimmen, damit gilt sie zugleich als &ldquo;politikfreie Welt&rdquo; des Produzierens. Politik und damit &ldquo;Herrschaft&rdquo; sowie &ldquo;Macht&rdquo;, welche nicht mehr nach ihrem sozio&ouml;konomischen Gehalt definiert werden, damit nur noch beliebige, schwammige und wechselseitig austauschbare Kategorien in der Soziologie sind (beispielhaft ist dies bei Beck zu sehen; 2002, 95ff.), existieren nur au&szlig;erhalb dieser Welt des herrschaftsfreien technischen Produzierens und fokussieren sich deshalb vor allem auf den Staat, der daher gegen&uuml;ber der vorgesellschaftlichen &Ouml;konomie als alles entscheidende Herrschaftsanstalt und Machtverh&auml;ltnis feststeht. Der Staat ist deshalb f&uuml;r den &ouml;konomischen Liberalismus ein notwendiges &Uuml;bel, solange er unter der sicheren politischen Vorherrschaft des Kapitals steht, damit die Einfl&uuml;sse der Klasse der Lohnabh&auml;ngigen minimiert. Zu diesem Zweck kann sich der &bdquo;&ouml;konomische Liberalismus (&hellip;) mit jeder politischen Theorie verheiraten&ldquo; (Neumann 1986, 251) und sich mit antidemokratischen, diktatorischen oder totalit&auml;ren Regimes erfolgreich verbinden und vereinigen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] So der BDI-Chef M. Rogowski im &bdquo;Stern&ldquo; (30\/2004) (zitiert nach Kl&ouml;nne\/Kreutz\/Meyer 2006, 107).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Dies ist die Folge der &bdquo;strukturalistischen Systematisierung&ldquo;, welche den Standpunkt der &bdquo;ewigen Gegenwart eines Systems&ldquo; einnimmt und dieses &bdquo;als ein Absolutes denkt&ldquo;, welches &bdquo;nie geschaffen wurde und nie enden wird&ldquo;, damit der &bdquo;Traum der Diktatur einer unbewussten und vorgegebenen Struktur &uuml;ber jegliche gesellschaftliche Praxis&ldquo; darstellt. Dadurch wird &bdquo;jede Realit&auml;t simpel auf die Existenz des Systems zur&uuml;ckgef&uuml;hrt.&ldquo; Hierbei wird verkannt, dass die &bdquo;Struktur&ldquo; selbst &bdquo;das Kind der gegenw&auml;rtigen Macht&ldquo; ist (Debord 1996, 171f.).<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christian Girschner nennt seine Kritik eine Kritik von &sbquo;links&rsquo; und weist daraufhin, dass Hirsch &auml;hnlich indifferent wie der in den NachDenkSeiten <a href=\"?p=1627\">am 23.8. kritisierte Robert Kurz<\/a> argumentiere.<br \/> Ich habe bei der Lekt&uuml;re des im folgenden wiedergegebenen Textes von Girschner gleich auf der zweiten Seite viel gelernt. Immer wieder werde ich n&auml;mlich mit der These<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1638\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[208,30],"tags":[477,299,1695,300],"class_list":["post-1638","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezensionen","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-keynesianismus","tag-konjunkturprogramme","tag-machtwahn","tag-mueller-albrecht"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1638"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1638\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30665,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1638\/revisions\/30665"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}