{"id":16407,"date":"2013-03-06T13:33:30","date_gmt":"2013-03-06T12:33:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16407"},"modified":"2019-02-15T12:29:51","modified_gmt":"2019-02-15T11:29:51","slug":"thesen-zum-4-armuts-und-reichtumsbericht-der-bundesregierung-wer-vom-reichtum-nicht-reden-will-sollte-auch-von-der-armut-schweigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16407","title":{"rendered":"Thesen zum 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung &#8211; Wer vom Reichtum nicht reden will, sollte auch von der Armut schweigen"},"content":{"rendered":"<p>Das Bundeskabinett hat heute &ndash; ein Jahr versp&auml;tet &ndash; den innerhalb der Regierung heftig umstrittenen 4. Armuts- und Reichtumsbericht gebilligt. Die Bundesregierung bewertet dessen Befunde &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2013\/03\/2013-03-05-armuts-u-reichtumsbericht-4.html\">&uuml;berwiegend positiv<\/a>&ldquo;: der Arbeitsmarkt habe sich gut entwickelt, es gebe eine Trendwende in der Einkommensentwicklung, die Schere zwischen Arm und Reich habe sich nicht weiter ge&ouml;ffnet, das Armutsrisiko sei nicht gestiegen, die Einkommens- und Verm&ouml;genssituation &Auml;lterer sei &uuml;berdurchschnittlich gut. Deutschland gehe es so gut wie nie, <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/newsticker\/news1\/article114162037\/Bundeskabinett-billigt-Armutsbericht.html\">meint FDP-Chef Philipp R&ouml;sler<\/a>.<br>\nDer Armutsforscher <strong>Christoph Butterwegge<\/strong> schaut auf die Wirklichkeit hinter der politischen Sch&ouml;nf&auml;rberei durch die Regierung.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2588\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-16407-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/0603213-NDS-Thesen-zum-4-Armuts-und-Reichtumsbericht-der-Bundesregierung.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/0603213-NDS-Thesen-zum-4-Armuts-und-Reichtumsbericht-der-Bundesregierung.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/0603213-NDS-Thesen-zum-4-Armuts-und-Reichtumsbericht-der-Bundesregierung.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/0603213-NDS-Thesen-zum-4-Armuts-und-Reichtumsbericht-der-Bundesregierung.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=16407-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/0603213-NDS-Thesen-zum-4-Armuts-und-Reichtumsbericht-der-Bundesregierung.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"0603213-NDS-Thesen-zum-4-Armuts-und-Reichtumsbericht-der-Bundesregierung.mp3\">Download<\/a><\/p><ol>\n<li>Nach am 27. Januar 2000 und am 19. Oktober 2001 gefassten Parlamentsbeschl&uuml;ssen soll die Bundesregierung regelm&auml;&szlig;ig einen Armuts- und Reichtumsbericht (ARB) vorlegen, und zwar, wie es dort hei&szlig;t, jeweils zur Mitte einer Legislaturperiode. Unterschiedlich zusammengesetzte Regierungskoalitionen haben dies seit der Jahrtausendwende &ndash; wenngleich nicht immer termingerecht &ndash; drei Mal getan. Sehr viel Zeit lie&szlig;en sich CDU, CSU und FDP in der laufenden Legislaturperiode. Erst knapp ein Jahr nach dem vorgegebenen Ver&ouml;ffentlichungstermin, am 18. September 2012, wurde der Entwurf zum 4. ARB durch eine Indiskretion bekannt.<\/li>\n<li>W&auml;hrend die &Ouml;ffentlichkeit mit einem kurzen Aufschrei der Emp&ouml;rung &uuml;ber die darin immerhin dokumentierte Auseinanderentwicklung von Arm und Reich reagierte, stie&szlig; sich die FDP an einigen Bewertungen des CDU-gef&uuml;hrten Arbeits- und Sozialministeriums, das f&uuml;r die Datensammlung verantwortlich zeichnet: Vizekanzler und Wirtschaftsminister Philipp R&ouml;sler kritisierte besonders Feststellungen, wonach die Privatverm&ouml;gen hierzulande &bdquo;sehr ungleich verteilt&ldquo; sind, die Einkommensspreizung zugenommen hat, &uuml;ber 4 Mio. Menschen f&uuml;r einen Bruttostundenlohn von unter 7 Euro arbeiten und Niedrigl&ouml;hne das Armutsrisiko versch&auml;rfen und den sozialen Zusammenhalt schw&auml;chen. Daraufhin wurden Passagen, die den ausufernden Niedriglohnsektor, die zunehmende Lohnspreizung und die extreme Verteilungsschieflage betrafen, im Rahmen der Ressortabstimmung gestrichen bzw. abgeschw&auml;cht, was der Regierungskoalition nach Bekanntwerden der ge&auml;nderten Fassung den Vorwurf eintrug, Zensur ausge&uuml;bt und das Dokument &uuml;ber die Lebenslagen in Deutschland gesch&ouml;nt zu haben.<\/li>\n<li>Zum ersten Mal wurde Berichtskosmetik dieser Art nicht hinter den ministeriellen Kulissen, vielmehr vor aller Augen betrieben und weiten Teilen der &Ouml;ffentlichkeit klar, dass Armut und Reichtum politisch-normative Begriffe sind und selbst innerhalb des &bdquo;b&uuml;rgerlichen Lagers&ldquo; unterschiedliche Bewertungsma&szlig;st&auml;be existieren. Deshalb w&auml;re es auch falsch, den ARB k&uuml;nftig von &bdquo;unabh&auml;ngigen&ldquo; Wissenschaftlern erstellen zu lassen und die Bundesregierung damit ein St&uuml;ck weit von der Pflicht zu entbinden, selbst Position hinsichtlich der Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung bzw. der Verteilungs(un)gerechtigkeit zu beziehen.<\/li>\n<li>Aufgrund der Divergenzen im Regierungslager wurde die Beschlussfassung &uuml;ber den 4. ARB wiederholt verschoben. Erst knapp sechs Monate nach dessen Fertigstellung besch&auml;ftigte sich das Bundeskabinett abschlie&szlig;end damit. Dass die CDU\/CSU\/FDP-Koalition den ihr per Bundestagsbeschluss vorgegebenen Termin um anderthalb Jahre &uuml;berzog, stellte eine demonstrative Missachtung des Parlaments, der &Ouml;ffentlichkeit und der Betroffenen dar. Man sp&uuml;rte f&ouml;rmlich, wie unangenehm den Regierungsparteien das Thema der zunehmenden sozialen Spaltung und der Verteilungsschieflage ist, weil sie eine Mitschuld an dieser Entwicklung tragen.<\/li>\n<li>Methodisch hat im 4. ARB ein Paradigmawechsel stattgefunden: Die bisher im Mittelpunkt stehenden Kernindikatoren (17 Armuts-, 5 Reichtums- und 8 Querschnittsindikatoren) werden zwar fortgeschrieben, in den Vordergrund sind durch die Entscheidung f&uuml;r das Lebensphasenmodell aber die biografischen &Uuml;berg&auml;nge zwischen Kindheit, Jugend sowie fr&uuml;hem, mittlerem, hohem und h&ouml;chstem Erwachsenenalter ger&uuml;ckt. Der neue Schl&uuml;sselbegriff hei&szlig;t &bdquo;soziale Mobilit&auml;t&ldquo;, f&uuml;hrt jedoch in die Irre, weil er das Problem der Armut individualisiert, ein schichtunabh&auml;ngiges Gleichgewicht zwischen Aufstiegschancen und Abstiegsrisiken unterstellt sowie Exklusionsprozesse, soziale Ausgrenzungsmechanismen und Diskriminierungserfahrungen einzelner Bev&ouml;lkerungsgruppen relativiert. Zwar werden an bestimmten Stationen im Lebensverlauf vieler Menschen entscheidende Weichen f&uuml;r ihren sp&auml;teren Bildungsstand sowie ihre k&uuml;nftige Einkommens- und Verm&ouml;genssituation gestellt, die biografische Entwicklung gibt aber h&ouml;chstens Aufschluss &uuml;ber einen Teil der Armutsrisiken. Dass die Armut &ndash; ebenso wie der Reichtum &ndash; strukturell bedingt und ein gesellschaftliches Problem ist, entgeht der Analyse, wenn man diese auf einzelne Lebensphasen konzentriert. Weil der 4. ARB &uuml;berwiegend auf &ndash; f&uuml;r andere Zwecke erhobenen &ndash; Querschnittsdaten basiert, bleibt au&szlig;erdem die erforderliche L&auml;ngsschnittbetrachtung auf der Strecke.<\/li>\n<li>Hier liegt ein gravierender Mangel aller bisherigen Regierungsberichte: Nach den &ouml;konomischen, politischen und sozialen <em>Ursachen<\/em> der kaum mehr zu leugnenden Einkommens- und Verm&ouml;gensspreizung wird &uuml;berhaupt nicht gefragt. H&ouml;chstens die <em>Ausl&ouml;ser<\/em> pers&ouml;nlicher Notlagen wie Arbeitslosigkeit, Trennung bzw. Scheidung vom (Ehe-)Partner oder (Fr&uuml;h-)Invalidit&auml;t sind Gegenstand der Betrachtung. Herrschafts-, Eigentums- und Machtverh&auml;ltnisse bleiben hingegen im Dunkeln. Auf diese Weise leistet man pers&ouml;nlichen Schuldzuweisungen und Ressentiments gegen&uuml;ber Minderheiten unn&ouml;tig Vorschub.<\/li>\n<li>Wer vom Reichtum nicht reden will, sollte auch von der Armut schweigen. Trotz gegenteiliger Absichtsbekundungen der Bundesregierung ist Reichtum im 4. ARB das Stiefkind der statistischen Datenerfassung und -analyse geblieben. Trotz aller seinen Wert mindernden Besch&ouml;nigungs-, Beschwichtigungs- und Entschuldigungsversuche dokumentiert dieser eine doppelte Spaltung: Erstens wachsen Armut und Reichtum gleicherma&szlig;en, sind also zwei Seiten derselben Medaille. Dies zeigt sich besonders deutlich beim Verm&ouml;gen, das sich zunehmend bei wenigen Superreichen konzentriert, die &uuml;ber riesiges Kapitaleigentum verf&uuml;gen und meistens auch gro&szlig;e Erbschaften machen. W&auml;hrend die reichsten 10 Prozent der Bev&ouml;lkerung laut 4. ARB mehr als 53 Prozent des Nettogesamtverm&ouml;gens besitzen, kommt die &auml;rmere H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung gerade mal auf 1 Prozent. &Uuml;ber 40 Mio. Menschen leben also von der Hand in den Mund. Zweitens geht der wachsende private Reichtum mit &ouml;ffentlicher Verarmung einher, worunter die Armen wiederum am meisten leiden. W&auml;hrend sich das private Nettoverm&ouml;gen allein zwischen 2007 und 2012 um 1,4 Bio. Euro erh&ouml;ht hat, ist das Nettoverm&ouml;gen des Staates laut 4. ARB in den letzten beiden Jahrzehnten um mehr als 800 Mrd. Euro gesunken. Folglich bedeuten im Grundgesetz, in den Landesverfassungen und im europ&auml;ischen Fiskalvertrag festgeschriebene &bdquo;Schuldenbremsen&ldquo;, dass der Sozialstaat, wie man ihn bisher kannte, weiter ausblutet. Nur die Reichen k&ouml;nnen sich einen armen Staat leisten. Denn sie schicken ihre Kinder auf Privatschulen und ausl&auml;ndische Eliteuniversit&auml;ten, kaufen alles, was ihr Leben versch&ouml;nert, selbst und sind auf &ouml;ffentliche Schwimmb&auml;der, Bibliotheken oder sonstige kommunale Einrichtungen &ndash; im Unterschied zu den Armen &ndash; nicht angewiesen.<\/li>\n<li>Vernachl&auml;ssigt werden im 4. ARB die krassen regionalen Disparit&auml;ten, unter denen das Ost-West- und das Nord-S&uuml;d-Wohlstandsgef&auml;lle besonders hervorstechen. Wenn der Sozialabbau und die Regierungspolitik nach dem Matth&auml;us-Prinzip (im Evangelium des Matth&auml;us hei&szlig;t es sinngem&auml;&szlig;: &bdquo;Wer hat, dem wird gegeben, und wer wenig hat, dem wird auch das Wenige noch genommen&ldquo;) fortgesetzt werden, d&uuml;rften die St&auml;dte der Bundesrepublik noch mehr zerfallen: in Luxusquartiere, wo sich die (Super-) Reichen hinter hohen Mauern verschanzen und von privaten Sicherheitsdiensten bewachen lassen, einerseits sowie in Elendsquartiere, wo sich die Armen versammeln, andererseits.<\/li>\n<li>W&auml;hrend das Stichwort &bdquo;Kinderarmut&ldquo; nur in den Fu&szlig;noten bzw. den dort aufgef&uuml;hrten Titeln zitierter Fachliteratur auftaucht, wird Bed&uuml;rftigkeit im Alter als &bdquo;kein Problem&ldquo; bezeichnet. Undifferenzierter geht es kaum: &bdquo;Die Einkommens- und Verm&ouml;genssituation der &Auml;lteren von heute ist &uuml;berdurchschnittlich gut&ldquo;, hei&szlig;t es im 4. ARB. Es wird darauf hingewiesen, dass am 31. Dezember 2011 &bdquo;nur&ldquo; 436.210 Personen &uuml;ber 64 Jahren die Grundsicherung im Alter bezogen, was einem Anteilswert von rund 2,6 Prozent der Bev&ouml;lkerung in dieser Altersgruppe entsprach, wohingegen der Anteil von Empf&auml;nger(inne)n von Mindestsicherungsleistungen aller Altersgruppen an der Gesamtbev&ouml;lkerung bei 8,9 Prozent lag. Abgesehen davon, dass eine geschlechterspezifische Datenauswertung ergibt, dass die Armutsbetroffenheit alleinlebender Frauen im hohen Alter &uuml;ber dem Bev&ouml;lkerungsdurchnitt liegt, ist die Dunkelziffer, d.h. der Anteil jener Menschen, die &ndash; ihnen zustehende &ndash; Sozialleistungen nicht beantragen, weil sie zu stolz sind, weil sie sich sch&auml;men oder weil sie den b&uuml;rokratischen Aufwand scheuen, unter Senior(inn)en bekannterma&szlig;en extrem hoch. Deshalb ist von weit mehr als einer Million Ruhest&auml;ndler(inne)n ausgehen, die auf oder unter dem Hartz-IV-Niveau (durchschnittlich 707 Euro pro Monat) leben. Mehr als 760.000 haben einen Minijob; fast 120.000 davon sind 75 Jahre oder &auml;lter.<\/li>\n<li>(Alters-)Armut ist kein blo&szlig;es Zukunftsproblem, sondern l&auml;ngst eine bedr&uuml;ckende Zeiterscheinung. Vielerorts geh&ouml;ren Menschen, die in M&uuml;llcontainern nach Pfandflaschen suchen, heute zum &bdquo;normalen&ldquo; Stadtbild. Wer ohne ideologische Scheuklappen durchs Land geht und genau hinschaut, kommt zu einem anderen Ergebnis als der Regierungsbericht: Momentan verfestigt sich die Armut und breitet sich in die Mitte der Gesellschaft hinein aus. In manchen Ballungsgebieten und Boomtowns der Bundesrepublik drastisch steigende Mieten und Energiepreise gef&auml;hrden sogar den Lebensstandard von Normalverdienern und verst&auml;rken die Angst vieler Mittelschichtangeh&ouml;riger vor dem sozialen Abstieg. Die soziale Ungleichheit w&auml;chst in erschreckendem Ma&szlig;e, ohne von den politischen Entscheidungstr&auml;gern als Kardinalproblem der Gesellschaftsentwicklung wahrgenommen zu werden.<\/li>\n<li>Um pers&ouml;nlichen Schuldzuweisungen zu begegnen, Vorurteile zu widerlegen und wirksame Gegenma&szlig;nahmen ergreifen zu k&ouml;nnen, m&uuml;sste man an die Wurzeln der Spaltung in Arm und Reich herangehen. Armuts- und Reichtumsberichte k&ouml;nnten eine gute Basis f&uuml;r die Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik der Bundesregierung sein, wenn sie die &bdquo;Lebenslagen in Deutschland&ldquo; n&uuml;chtern analysieren, die Ursachen f&uuml;r wachsende Ungleichheit ergr&uuml;nden und entsprechende Handlungsempfehlungen geben w&uuml;rden. Solange die Bundesregierung solche Berichte indes missbraucht, um ihre Politik dem Wahlvolk als Erfolgsgeschichte zu &bdquo;verkaufen&ldquo;, bringen sie nur einen geringen Erkenntnisgewinn.<\/li>\n<li>Reichtumsf&ouml;rderung, wie die Bundesregierung sie betreibt &ndash; erinnert sei nur an die Senkung der Mehrwertsteuer f&uuml;r Hoteliers &ndash; ist keine Armutsbek&auml;mpfung, sondern das Gegenteil. Wer den Reichtum nicht antasten will, kann die Armut &uuml;berhaupt nicht verringern. Die kontroversen Diskussionen &uuml;ber den 4. ARB waren ein Lehrst&uuml;ck der politischen Bildung, das zeigt: Eine liberal-konservative Regierung, die den Interessen der reichen Besitzstandswahrer verpflichtet ist, will den Wohlhabenden nicht wehtun und vermeidet alles, was diese st&auml;rker belasten w&uuml;rde. Daher werden auch keinerlei Konsequenzen im Sinne einer Kurskorrektur, etwa auf steuerpolitischem Gebiet, aus dem 4. ARB gezogen. Sollte die Bundesregierung laut dem urspr&uuml;nglichen Entwurf wenigstens pr&uuml;fen, ob und wie privater Reichtum &uuml;ber die Progression in der Einkommensteuer hinaus f&uuml;r die nachhaltige Finanzierung &ouml;ffentlicher Aufgaben herangezogen werden k&ouml;nne, will sie nach dem Kabinettsbeschluss vom 6. M&auml;rz 2013 blo&szlig; noch pr&uuml;fen, wie weiteres pers&ouml;nliches und finanzielles freiwilliges Engagement Verm&ouml;gender f&uuml;r das Gemeinwohl eingeworben werden kann. Die neue, total verquaste Formulierung kann nicht &uuml;berdecken, dass man es Reichen und Superreichen selbst &uuml;berl&auml;sst, ob und wie sie sich f&uuml;r das Gemeinwohl engagieren. Auf diese Weise sind die wachsenden sozialen Probleme der Bundesrepublik gewiss nicht zu l&ouml;sen. N&ouml;tig w&auml;ren vielmehr eine im obersten Bereich erheblich progressivere Einkommensteuer, die R&uuml;cknahme der steuerlichen Priviligierung von Kapitalertr&auml;gen durch die Abgeltungssteuer in H&ouml;he von 25 Prozent, die Wiedererhebung der 1997 ausgesetzten Verm&ouml;gensteuer und eine Erbschaftsteuer, die auch gro&szlig;e Betriebsverm&ouml;gen erfasst. Schlie&szlig;lich ist es keine Leistung, der Sohn oder die Tochter eines Familienunternehmers zu sein.<\/li>\n<li>Im beginnenden Bundestagswahlkampf spielt die Kardinalfrage der sozialen Gerechtigkeit vermutlich eine Schl&uuml;sselrolle. Vor allem die <strong>Altersarmut<\/strong>, der die amtierende Bundesregierung trotz wohlklingender Versprechungen im Koalitionsvertrag aufgrund ihrer Uneinigkeit in zentralen Punkten nicht einmal durch einen k&auml;rglichen Rentenzuschuss (&bdquo;Zuschuss-&ldquo; bzw. &bdquo;Lebensleistungsrente&ldquo;) f&uuml;r Geringverdiener\/innen entgegentrat, d&uuml;rfte also ein wichtiges Thema werden. &Uuml;berzeugende sozialpolitische Konzepte und wirksame Ma&szlig;nahmen gegen Armut im Alter sind ein Kriterium, nach dem B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger ihre Wahlentscheidung treffen. CDU, CSU und FDP haben sowohl im Hinblick auf die Armuts- und Reichtumsberichterstattung wie auch im Hinblick auf die Armutsbek&auml;mpfung kl&auml;glich versagt.<\/li>\n<\/ol><p>Lebenslagen in Deutschland, Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.bmas.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/PDF-Publikationen-DinA4\/a334-4-armuts-reichtumsbericht-2013.pdf?__blob=publicationFile\">Der vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung [PDF &ndash; 4.1 MB]<\/a><\/p><p><em>Prof. Dr. Christoph Butterwegge lehrt Politikwissenschaft an der Universit&auml;t zu K&ouml;ln. Zuletzt sind seine B&uuml;cher &bdquo;Armut in einem reichen Land&ldquo; und &bdquo;Armut im Alter&ldquo; (beide im Campus Verlag) erschienen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundeskabinett hat heute &ndash; ein Jahr versp&auml;tet &ndash; den innerhalb der Regierung heftig umstrittenen 4. Armuts- und Reichtumsbericht gebilligt. Die Bundesregierung bewertet dessen Befunde &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2013\/03\/2013-03-05-armuts-u-reichtumsbericht-4.html\">&uuml;berwiegend positiv<\/a>&ldquo;: der Arbeitsmarkt habe sich gut entwickelt, es gebe eine Trendwende in der Einkommensentwicklung, die Schere zwischen Arm und Reich habe sich nicht weiter ge&ouml;ffnet, das Armutsrisiko sei<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16407\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,188,11,132],"tags":[1383,291],"class_list":["post-16407","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-bundesregierung","category-strategien-der-meinungsmache","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-armuts-und-reichtumsbericht","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16407","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16407"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16407\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":49352,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16407\/revisions\/49352"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16407"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16407"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16407"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}