{"id":16494,"date":"2013-03-13T09:28:10","date_gmt":"2013-03-13T08:28:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16494"},"modified":"2019-02-15T12:29:16","modified_gmt":"2019-02-15T11:29:16","slug":"die-agenda-2010-begrundung-und-legitimationsbasis-fur-eine-unsoziale-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16494","title":{"rendered":"Die Agenda 2010 \u2013 Begr\u00fcndung und Legitimationsbasis f\u00fcr eine unsoziale Politik"},"content":{"rendered":"<p>Eine kritische Bilanz zum 10. Jahrestag von Gerhard Schr&ouml;ders Regierungserkl&auml;rung<br>\nIn einem Gro&szlig;teil der Massenmedien wird die <em>Agenda 2010<\/em> zu ihrem 10. Jahrestag am 14. M&auml;rz 2013 geradezu &uuml;berschw&auml;nglich gelobt. W&auml;hrend sie das <em>Handelsblatt<\/em> (v. 6.3.2013) als &bdquo;Geburtsstunde des deutschen Jobwunders&ldquo; w&uuml;rdigte, bescheinigte ihr die Welt (v. 7.3.2013) schon in der &Uuml;berschrift eines Artikels, &bdquo;keine Armut&ldquo; bewirkt zu haben. Klaus F. Zimmermann fragte in einem Gastbeitrag f&uuml;r den <em>K&ouml;lner Stadt-Anzeiger<\/em> (v. 8.3.2013) ungeduldig: &bdquo;Wo bleibt die Agenda 2020?&ldquo; Was der Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) &uuml;bersah: Angela Merkel, die heute vor ihrer erneuten Wiederwahl als Bundeskanzlerin steht, liebt keine &bdquo;Blut-, Schwei&szlig;- und Tr&auml;nenreden&ldquo;, sondern bevorzugt ein m&ouml;glichst ger&auml;uschloses Durchregieren ohne unn&ouml;tiges Pathos und &bdquo;Basta!&ldquo;-Gehabe. Mit ihr wird es deshalb zwar keine &bdquo;Agenda 2020&ldquo;, wohl aber die von neoliberalen &Ouml;konomen wie Zimmermann erhoffte Fortsetzung der neoliberalen Reformpolitik &agrave; la Schr&ouml;der\/Fischer geben, sei es weiterhin in einer Koalition der Unionsparteien mit der FDP oder wieder in einer Gro&szlig;en Koalition mit der SPD, die keineswegs von den &bdquo;Agenda&ldquo;-Reformen lassen m&ouml;chte, aber in ihrem Wahlprogramm vorsichtig &bdquo;Teilkorrekturen&ldquo; anmahnt, ohne daf&uuml;r nach der Bundestagswahl eine Durchsetzungschance zu haben. Von <strong>Christoph Butterwegge<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nRund um das 10. Agenda-2010-Jubil&auml;um ist eine richtige Schlacht um die Deutungshoheit im Hinblick darauf entbrannt, ob die &bdquo;Agenda&ldquo;-Politik ein Segen f&uuml;r Deutschland und seinen Arbeitsmarkt oder ein umfassendes Regierungsprogramm zur Pauperisierung, Prekarisierung und sozialen Polarisierung war. Die sozialdemokratischen Hauptrepr&auml;sentanten der <em>Agenda 2010<\/em>, etwa Gerhard Schr&ouml;der, von manchen oft als &bdquo;Gazprom-Gerd&ldquo; verh&ouml;hnt, und Wolfgang Clement, mittlerweile zum FDP-Wahlk&auml;mpfer herabgesunken, touren heute quer durch die Bundesrepublik und deren Medienlandschaft, um sich daf&uuml;r selbst zu loben und ihre angeblichen Erfolge im Rahmen des Agenda-2010-Jubil&auml;ums noch einmal gemeinsam mit den m&auml;chtigsten und feinsten Kreisen der Gesellschaft, die von ihren Reformen teilweise in barer M&uuml;nze profitiert haben, zu feiern. Um die <em>Agenda 2010<\/em> fundierter als ihre unkritischen Gratulanten beurteilen zu k&ouml;nnen, muss man ihre Entstehungsgeschichte, ihre zentralen Inhalte und ihre Auswirkungen daraufhin untersuchen, welche Ziele damit verfolgt und wessen Interessen bedient wurden, was im Folgenden geschehen soll.<\/p><p><strong>Hintergrund und Entstehungszusammenhang der <em>Agenda 2010<\/em><\/strong><\/p><p>Nachdem die SPD und B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen ihre parlamentarische Mehrheit bei der Bundestagswahl am 22. September 2002 mit gro&szlig;er M&uuml;he verteidigt hatten, schien es zumindest f&uuml;r einen Moment, als wollten sie eine wirtschafts-, steuer- und sozialpolitische Kurskorrektur vornehmen. Diskutiert wurde in den Regierungsparteien damals beispielsweise &uuml;ber eine Wiedereinf&uuml;hrung der Verm&ouml;gen- sowie eine kr&auml;ftige Erh&ouml;hung der Erbschaftsteuer, die Abschaffung des steuerlichen Ehegattensplittings zwecks Verbesserung der Kinderf&ouml;rderung sowie eine drastische Anhebung der Beitragsbemessungs- und Versicherungspflichtgrenze in der Krankenversicherung.<\/p><p>Wer gehofft hatte, Bundeskanzler Schr&ouml;der werde sich nunmehr an solchen Forderungen der Gewerkschaften orientieren, die seine Wiederwahl &ndash; im Unterschied zu den Kapitalverb&auml;nden &ndash; unterst&uuml;tzt hatten, wurde jedoch bitter entt&auml;uscht. In seiner <a href=\"http:\/\/www.mediaculture-online.de\/fileadmin\/bibliothek\/schroeder_RE_2002\/schroeder_RE_2002.pdf\">Regierungserkl&auml;rung vom 29. Oktober 2002 [PDF &ndash; 165 KB]<\/a> pl&auml;dierte Schr&ouml;der ohne Umschweife f&uuml;r Leistungsk&uuml;rzungen: &bdquo;Zu Reform und Erneuerung geh&ouml;rt auch, manche Anspr&uuml;che, Regelungen und Zuwendungen des deutschen Wohlfahrtsstaates zur Disposition zu stellen. Manches, was auf die Anf&auml;nge des Sozialstaates in der Bismarck-Zeit zur&uuml;ckgeht und noch vor 30, 40 oder 50 Jahren berechtigt gewesen sein mag, hat heute seine Dringlichkeit und damit auch seine Begr&uuml;ndung verloren.&ldquo; <\/p><p>Bei der Kabinetts(um)bildung entstanden zwei neue &bdquo;Superministerien&ldquo;, die mit Ulla Schmidt und Wolfgang Clement sozialdemokratische Politiker &uuml;bernahmen. Gerhard Schr&ouml;der spaltete &ndash; ein historisches Novum &ndash; den Sektor der Arbeitersozial(versicherungs)politik organisatorisch auf. Inhaltlich bedeutete die Verwaltungsreform, dass Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsrecht &ndash; traditioneller Kern der Sozialpolitik &ndash; der nach neoklassischen Modellvorstellungen betriebenen Wirtschaftspolitik untergeordnet und in das daf&uuml;r zust&auml;ndige Ressort eingegliedert wurden, wo sie denn auch nur noch eine Nebenrolle spielten. Clement, als nordrhein-westf&auml;lischer Ministerpr&auml;sident nicht eben sehr erfolgreich, ging nach Berlin, wo er zum Bundesminister f&uuml;r Wirtschaft und Arbeit ernannt wurde; Schmidt, die w&auml;hrend ihrer kurzen Amtszeit gegen&uuml;ber Krankenkassen, &Auml;rztelobby und Pharmaindustrie keine Zeichen gesetzt hatte, erhielt die restlichen Sozialbereiche hinzu und firmierte fortan als Bundesministerin f&uuml;r Gesundheit und Soziale Sicherung.<\/p><p>F&uuml;r die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung verlief der Start in die neue Legislaturperiode katastrophal: W&auml;hrend sich die konjunkturellen Aussichten, die Lage auf dem Arbeitsmarkt und die Haushaltssituation beinahe von Tag zu Tag verschlechterten, eskalierten die Konflikte &uuml;ber die Grundrichtung der Regierungspolitik. Kurz vor der Jahreswende 2002\/03 formulierten Mitarbeiter\/innen der von Heiko Geue &ndash; heute Wahlkampfmanager des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbr&uuml;ck &ndash; geleiteten Planungsabteilung des damals vom heutigen SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier gef&uuml;hrten Kanzleramtes ein Thesenpapier mit dem Titel &bdquo;Auf dem Weg zu mehr Wachstum, Besch&auml;ftigung und Gerechtigkeit&ldquo;, das die Politik der Bundesregierung fortan ma&szlig;geblich beeinflusste. Es basierte auf der sog. Lissabon-Strategie: Auf dem dortigen EU-Sondergipfel am 23.\/24. M&auml;rz 2000 wurde f&uuml;r das laufende Jahrzehnt als &bdquo;strategisches Ziel&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/summits\/lis1_de.htm\">festgelegt<\/a>, &bdquo;die Union zum wettbewerbsf&auml;higsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen &ndash; einem Wirtschaftsraum, der f&auml;hig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitspl&auml;tzen und einem gr&ouml;&szlig;eren sozialen Zusammenhalt zu erzielen.&ldquo; Die umfassende &bdquo;Modernisierung&ldquo; und Anpassung der Sozialstaaten in den Mitgliedsl&auml;ndern an Markterfordernisse bzw. Wirtschaftsinteressen verstand man als Instrument, das der Verwirklichung des Lissabon-Ziels dient.<\/p><p>Einleitend bemerkte das Thesenpapier des Bundeskanzleramtes, die &bdquo;an sich hervorragenden Systeme der sozialen Sicherung&ldquo; in Deutschland m&uuml;ssten aus mehreren Gr&uuml;nden tiefgreifend reformiert werden: &bdquo;Erstens lastet auf den Systemen, dass die Wiedervereinigung neben Verschuldung in erster Linie &uuml;ber die Belastung des Faktors Arbeit finanziert wurde. Zweitens m&uuml;ssen unsere Systeme zukunftsfest f&uuml;r die von der Globalisierung ausgehenden Ver&auml;nderungen gemacht werden. Drittens haben sich in den vergangenen Jahrzehnten Verkrustungen und Vermachtungen gebildet, die zu hohen Effizienzverlusten f&uuml;hren.&ldquo; [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Weiter hie&szlig; es, dass die Rente mit einem Drittel den gr&ouml;&szlig;ten Ausgabenblock im Bundeshaushalt bilde, den &uuml;ber die Einnahmeseite zu konsolidieren problematisch sei, weil B&uuml;rger und Unternehmer dann noch st&auml;rker belastet w&uuml;rden: &bdquo;Sowohl unter wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten (hohe Sparquote, geringe Konsumquote) als auch unter Aspekten der Gerechtigkeit wird man der Diskussion &uuml;ber eine weitere Beteiligung auch der <em>Rentner<\/em> an der R&uuml;ckf&uuml;hrung der konsumtiven Ausgaben nicht ausweichen k&ouml;nnen. Es ist zu pr&uuml;fen, wie durch eine von der R&uuml;rup-Kommission neu zu entwickelnde Rentenformel der Ausgabenblock Rente in den n&auml;chsten Jahren relativ verringert werden kann.&ldquo; [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>In einer Senkung der Steuer- und Abgabenbelastung sah das Bundeskanzleramt einen &bdquo;K&ouml;nigsweg&ldquo;, um mehr Besch&auml;ftigung und Vertrauen bei den B&uuml;rger(inne)n zu schaffen. &bdquo;Es entwickelt sich eine <em>dreifach positive Wirkung auf die Investitionen<\/em>: Unternehmer erwarten, dass die Menschen mehr konsumieren; niedrigere Steuern verbessern die M&ouml;glichkeit der Gewinnerzielung; niedrigere Abgaben verbilligen die mit einem Besch&auml;ftigungsaufbau verbundenen Investitionen.&ldquo; [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Da mehr Arbeitspl&auml;tze wiederum den Konsum st&auml;rkten und die sozialen Sicherungssysteme entlasteten, erhalte die positive Wirkung der urspr&uuml;nglichen Steuer- und Abgabenentlastung &bdquo;Nahrung aus sich selbst&ldquo;, sodass sich der Kreislauf spiralf&ouml;rmig nach oben gerichtet fortsetzen k&ouml;nne. Hier wird deutlich, dass die Planer ihr Hauptaugenmerk auf das Kapital und seine M&ouml;glichkeiten der Profitmaximierung richteten, weil sie dessen Interessen mit dem Allgemeinwohl gleichsetzten und spekulative Erwartungen im Hinblick auf die arbeitsplatzschaffende Wirkung von Unternehmensgewinnen hegten. <\/p><p>Folgen der hohen Arbeitslosigkeit und der kollektiven Alterung stellten die Sozialsysteme nach Ansicht des Bundeskanzleramtes &uuml;berall auf der Welt vor gro&szlig;e Probleme. Zwar gebe es keinen grunds&auml;tzlichen Gegensatz zwischen internationaler Wettbewerbsf&auml;higkeit und Sozialpolitik, wie h&auml;ufig behauptet werde. &bdquo;Die Globalisierung f&uuml;hrt nicht zwangsl&auml;ufig zu einer Erosion der sozialen Sicherungssysteme, sie ver&auml;ndert allerdings die Bedingungen f&uuml;r ihren Erfolg.&ldquo; [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] F&uuml;r die weiter zunehmende Arbeitslosigkeit wurde in erster Linie die Entwicklung der &bdquo;Personalzusatzkosten&ldquo; verantwortlich gemacht: &bdquo;<em>Wie sch&auml;dlich steigende Lohnnebenkosten sind, zeigt die Entwicklung seit der Wiedervereinigung<\/em>: 1990 betrugen die Beitragss&auml;tze zur Sozialversicherung noch 35,5%. Bis 1998 waren sie auf den historischen H&ouml;chstwert von 42% gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist die Arbeitslosigkeit von 2,6 Mio. auf 4,28 Mio. Arbeitslose im Jahresdurchschnitt gestiegen.&ldquo; [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] So berechtigt es zu sein schien, zwischen den Zahlen der beiden genannten Zeitreihen einen Zusammenhang herzustellen, so unrichtig war es, die Massenarbeitslosigkeit auf gestiegene Personalzusatzkosten zur&uuml;ckzuf&uuml;hren. Ursache und Wirkung wurden miteinander verwechselt: &bdquo;Die hohe Erwerbslosigkeit ist die Ursache f&uuml;r die hohen Lohnnebenkosten und nicht umgekehrt.&ldquo; [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>Die fehlerhafte Analyse des Kanzleramtes f&uuml;hrte zu einer falschen Strategie, die das o.g. Thesenpapier so umriss: &bdquo;Deswegen und vor dem Hintergrund des demographischen Wandels (immer weniger Junge m&uuml;ssen in Zukunft immer mehr alte unterst&uuml;tzen) ist eine der Kernstrategien der Bundesregierung die auf eine Absenkung der Lohnnebenkosten abzielende Modernisierung der sozialen Sicherungssysteme.&ldquo; [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Erwerbslosigkeit und Unternehmensgewinne hatten schon w&auml;hrend der &bdquo;Kohl-&Auml;ra&ldquo; <em>gleicherma&szlig;en<\/em> Rekordh&ouml;hen erreicht, weshalb es v&ouml;llig abwegig war anzunehmen, die Senkung der (gesetzlichen) &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; werde einen Besch&auml;ftigungsboom ausl&ouml;sen. Vielmehr erwies sich der Glaube, die Umstellung des Sozialsystems von Beitrags- auf Steuerfinanzierung und die einseitige, nicht mehr parit&auml;tisch, sondern privat finanzierte Versicherung von Lebensrisiken schaffe zus&auml;tzliche Arbeitspl&auml;tze, wirtschaftliche Stabilit&auml;t und mehr soziale Gerechtigkeit, als Illusion &ndash; genauso tr&uuml;gerisch erwies sich die Hoffnung, das Kapitaldeckungsprinzip l&ouml;se die Probleme der Alterssicherung einer schrumpfenden Erwerbsbev&ouml;lkerung (zumindest besser als das Umlageverfahren der Gesetzlichen Rentenversicherung). Denn in beiden F&auml;llen handelt es sich um eine blo&szlig;e Problem<em>verschiebung<\/em>, die nichts an den Ursachen des Kostenanstiegs &auml;ndert. &Uuml;berzeugend argumentiert hingegen Diether D&ouml;ring, dass die Ausdehnung der Sozialversicherungspflicht (auf ihr bislang nicht unterliegende Gruppen) einer hoch individualisierten Leistungsgesellschaft, die sich dem Globalisierungsprozess stellt, entspreche und dort auch gro&szlig;e Akzeptanz finden w&uuml;rde. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Erleichtert wurde den &bdquo;Modernisierern&ldquo; die Versch&auml;rfung des Regierungskurses zur Umstrukturierung der Sozialsysteme dadurch, dass die EU-Kommission am 21. Januar 2003 ein Defizitverfahren gegen die Bundesrepublik einleitete, weil sie bei der Neuverschuldung im abgelaufenen Haushaltsjahr die 3-Prozent-Grenze des <em>Stabilit&auml;ts- und Wachstumspakts<\/em> &uuml;berschritten hatte, und dass die SPD bei den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen am 2. Februar 2003 herbe Verluste erlitt, die dort der CDU die Regierungs&uuml;bernahme erm&ouml;glichten, wodurch im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat ein Patt entstand, das bei umfassenderen Gesetzesvorhaben wie der Gesundheitsreform zu einer Kooperation mit der Opposition zwang. [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Nachdem die Leitmedien der Bundesrepublik wochenlang dar&uuml;ber spekuliert hatten, wie die in demoskopischen Umfragen ermittelten Ansehensverluste von Gerhard Schr&ouml;der und seiner Regierung in der &Ouml;ffentlichkeit durch m&ouml;glichst &bdquo;einschneidende&ldquo; oder &bdquo;schmerzhafte&ldquo; Reformen behoben werden k&ouml;nnten, gab dieser am 14. M&auml;rz 2003 vor dem Bundestag eine <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btp\/15\/15032.pdf\">Regierungserkl&auml;rung [PDF &ndash; 650 KB]<\/a> ab. Sie trug den hochtrabenden Namen &bdquo;Agenda 2010&ldquo;, der angeblich einem Vorschlag seiner Frau Doris Schr&ouml;der-K&ouml;pf zu verdanken ist. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Mit seiner kurz vor der Bombardierung Bagdads durch die USA bzw. ihre &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; und dem Beginn des Zweiten Irak-Krieges gehaltenen Rede suchte der Bundeskanzler unter dem Doppelmotto &bdquo;Mut zum Frieden und Mut zur Ver&auml;nderung&ldquo; nach deprimierenden Diskussionen &uuml;ber neue Rekordzahlen bei der Arbeitslosigkeit und negativen Reaktionen hierauf wieder in die Offensive zu gelangen.<\/p><p>Entworfen hatte die <em>Agenda 2010<\/em> ein kleiner Zirkel von Schr&ouml;der-Vertrauten im Kanzleramt. Indirekt war auch die Bertelsmann Stiftung, welche die Regierungspolitik der Bundesrepublik seit Schr&ouml;ders Ams&uuml;bernahme 1998 st&auml;rker beeinflusste, an den Vorarbeiten beteiligt. &bdquo;Das Grundkonzept der Agenda 2010 hat eine neoliberale Tendenz und stammt aus den angels&auml;chsischen L&auml;ndern. Es zielt darauf ab, die Wachstumsschw&auml;che der Wirtschaft durch mehr Innovation und Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt und in den sozialen Systemen zu &uuml;berwinden.&ldquo; [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Zwar blieb die Bertelsmann Stiftung im Hintergrund, ihre Experten hatten jedoch wesentlichen Anteil daran, dass sich neoliberales Gedankengut um die Jahrtausendwende auf den h&ouml;chsten Regierungs- und Verwaltungsebenen durchsetzte. Das gilt f&uuml;r die &bdquo;Agenda&ldquo;-Rede ebenso wie f&uuml;r die als &bdquo;Hartz IV&ldquo; bekannt gewordene Arbeitsmarktreform. [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p><strong>Aussagen und Argumentationslinien der &bdquo;Agenda&ldquo;-Rede<\/strong><\/p><p>Deutschland k&auml;mpfe derzeit mit einer Wachstumsschw&auml;che, die nicht zuletzt strukturell bedingt sei, sagte Schr&ouml;der am Beginn seiner Regierungserkl&auml;rung: &bdquo;Die Lohnnebenkosten haben eine H&ouml;he erreicht, die f&uuml;r die Arbeitnehmer zu einer kaum mehr tragbaren Belastung geworden ist und die auf der Arbeitgeberseite als Hindernis wirkt, mehr Besch&auml;ftigung zu schaffen.&ldquo; [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] In dieser Situation m&uuml;sse seine Regierung entschlossen handeln, um die Rahmenbedingungen f&uuml;r mehr Wachstum und Besch&auml;ftigung zu verbessern: &bdquo;Wir werden Leistungen des Staates k&uuml;rzen, Eigenverantwortung f&ouml;rdern und mehr Eigenleistung von jedem Einzelnen abfordern m&uuml;ssen. Alle Kr&auml;fte der Gesellschaft werden ihren Beitrag leisten m&uuml;ssen: Unternehmer und Arbeitnehmer, freiberuflich T&auml;tige und auch Rentner.&ldquo; [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/p><p>Hier zeigt sich die ganze Demagogie der Schr&ouml;der&rsquo;schen <em>Agenda 2010<\/em>. Entgegen den Behauptungen in seiner Regierungserkl&auml;rung wurden die Kosten der Reformpolitik n&auml;mlich sehr ungleich verteilt. So mussten die Rentner\/innen ab 2004 mehrere &bdquo;Nullrunden&ldquo; &uuml;ber sich ergehen lassen, die in Wirklichkeit Minusrunden waren, weil ihre Einkommen stagnierten, w&auml;hrend die Verbraucherpreise sowie ihre Beitr&auml;ge zur Kranken- und Pflegeversicherung stiegen. Im selben Jahr wurde nach der sog. Riester-Treppe ein weiterer &bdquo;D&auml;mpfungs-&ldquo;, genauer: K&uuml;rzungsfaktor in die Rentenanpassungsformel eingef&uuml;gt, der mit daf&uuml;r sorgen wird, das Rentenniveau vor Steuern bis zum Jahr 2030 um 20 bis 25 Prozent zu senken. Unternehmern und Freiberuflern wurde dagegen &uuml;berhaupt kein finanzielles Opfer abverlangt. Sie profitierten vielmehr von Steuersenkungen, die haupts&auml;chlich Kapitaleigent&uuml;mer und Spitzenverdiener entlasteten.<\/p><p>Schr&ouml;der sprach von einer &bdquo;gewaltige(n) gemeinsame(n) Anstrengung&ldquo;, die n&ouml;tig sei, aber letztlich auch zum Ziel f&uuml;hren werde. Man m&uuml;sse, meinte der Bundeskanzler weiter, zum Wandel im Innern bereit sein und gen&uuml;gend Mut zur Ver&auml;nderung aufbringen, zumal nur zwei M&ouml;glichkeiten best&uuml;nden: &bdquo;Entweder wir modernisieren, und zwar als soziale Marktwirtschaft, oder wir werden modernisiert, und zwar von den ungebremsten Kr&auml;ften des Marktes, die das Soziale beiseite dr&auml;ngen w&uuml;rden.&ldquo; [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] Auf diese Weise rechtfertigte Schr&ouml;der alle von ihm unternommenen Schritte als &bdquo;kleineres &Uuml;bel&ldquo;, auch wenn sie in die Richtung einer neoliberalen Modernisierung wiesen und politisch den Weg f&uuml;r noch marktradikalere L&ouml;sungen ebneten. <\/p><p>Da die Struktur der Sozialsysteme seit einem halben Jahrhundert praktisch unver&auml;ndert geblieben sei und Instrumente der sozialen Sicherheit heute sogar zu mehr Ungerechtigkeit f&uuml;hrten &ndash; hier nannte Schr&ouml;der die Belastung des &bdquo;Faktors Arbeit&ldquo; (gemeint: der Arbeitgeber) und den Anstieg der &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; w&auml;hrend der Kohl-Regierung &ndash;, komme man an durchgreifenden Ver&auml;nderungen nicht vorbei: &bdquo;Der Umbau des Sozialstaates und seine Erneuerung sind unabweisbar geworden. Dabei geht es nicht darum, ihm den Todessto&szlig; zu geben, sondern ausschlie&szlig;lich darum, die Substanz des Sozialstaates zu erhalten.&ldquo; [<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] Mit derselben Argumentation, die im Grunde einen Blankoscheck f&uuml;r Leistungseinschr&auml;nkungen und K&uuml;rzungsma&szlig;nahmen darstellt, hatten bisher noch fast alle Politiker seit Heinrich Br&uuml;ning eine reaktion&auml;re, restriktive bzw. regressive Sozialpolitik gerechtfertigt, [<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>] weil sie wussten, dass durch eine offene Kampfansage gegen&uuml;ber dem Wohlfahrtsstaat kaum W&auml;hlerstimmen zu gewinnen sein w&uuml;rden.<\/p><p>Schr&ouml;der f&uuml;hrte mehrere Beispiele an, wie die rot-gr&uuml;ne Koalition den angeblich notwendigen Reformprozess bereits vorangetrieben habe, darunter die Schaffung der kapitalgedeckten privaten Altersvorsorge, die mehrstufige Einkommensteuerreform, die &bdquo;Modernisierung der Gesellschaft&ldquo; im Familienbereich, beim Staatsangeh&ouml;rigkeitsrecht und bei der Zuwanderung sowie die Verbesserung der Bedingungen f&uuml;r schulische und vorschulische Bildung. Zu den weitreichenden Strukturreformen, die Deutschland bei Wohlstand und Arbeit wieder an die Spitze bringen sollten, geh&ouml;rten Schr&ouml;der zufolge die Lockerung des K&uuml;ndigungsschutzes in Kleinbetrieben (Ank&uuml;ndigung, befristet Besch&auml;ftigte sowie Leih- bzw. Zeitarbeiter\/innen nicht mehr auf die geltenden Obergrenzen anzurechnen), eine Umgestaltung der Regeln f&uuml;r die Sozialauswahl bei K&uuml;ndigungen, eine Vereinfachung des Steuerrechts f&uuml;r Kleinbetriebe, die Verringerung der H&ouml;chstbezugszeit des Arbeitslosengeldes auf 12 bzw. (f&uuml;r &Uuml;ber-55-J&auml;hrige) auf 18 Monate, eine &bdquo;Nachjustierung&ldquo; bei der Rentenversicherung, eine Revision des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen und eine private Versicherung f&uuml;r das Krankengeld. <\/p><p>Obwohl es den &bdquo;Agenda&ldquo;-Kritikern innerhalb der SPD nicht gelang, die f&uuml;r ein Mitgliederbegehren dagegen n&ouml;tige Anzahl von Unterst&uuml;tzer(inne)n zu gewinnen, sah sich die sozialdemokratische F&uuml;hrung gen&ouml;tigt, einen Sonderparteitag am 1. Juni 2003 nach Berlin einzuberufen. Dort erhielten zwar Redner\/innen, die scharfe Kritik an der <em>Agenda 2010<\/em> &uuml;bten, gro&szlig;en Beifall; Gerhard Schr&ouml;der, der mehrfach mit seinem R&uuml;cktritt als Parteivorsitzender und Bundeskanzler gedroht hatte, bekam aber die Unterst&uuml;tzung von ungef&auml;hr zwei Dritteln der Delegierten f&uuml;r seinen Kurs, nachdem einige Punkte der <em>Agenda 2010<\/em> in einem Leitantrag abgeschw&auml;cht und prinzipiellere Fragen auf einen Programmparteitag im November 2003 verschoben worden waren. Auf einem Sonderparteitag von B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen in Cottbus gab es am 14.\/15. Juni 2003 ebenfalls klare Voten f&uuml;r die Kanzler-Agenda. Deren legislative Umsetzung erwies sich jedoch als schwierig und langwierig, weil die von CDU\/CSU und FDP regierten L&auml;nder im Bundesrat &uuml;ber eine klare Mehrheit verf&uuml;gten. Das f&uuml;hrte zu einer Radikalisierung der (Arbeitsmarkt-)Reformen, die aber letztlich im Konsens aller etablierten Parteien verwirklicht wurden.<\/p><p><strong>Die rot-gr&uuml;ne Arbeitsmarktreform als Kern der Agenda 2010<\/strong><\/p><p>Gerhard Schr&ouml;ders &bdquo;Agenda&ldquo; flankierte das f&uuml;r die rot-gr&uuml;ne Regierungspolitik zentrale Gesetzgebungsverfahren zur Reform des Arbeitsmarktes. &bdquo;Hartz IV&ldquo; ist die ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigte Chiffre f&uuml;r den bis heute mit Abstand tiefsten Einschnitt in das deutsche Sozialmodell. Bundeskanzler Schr&ouml;der legte sich am 14. M&auml;rz 2003 hinsichtlich der H&ouml;he des geplanten Arbeitslosengeldes (Alg) II, welche die nach dem damaligen VW-Manager Peter Hartz benannte Kommission in ihrem Abschlussbericht offen gelassen hatte, erstmals fest. Er sagte in seiner &bdquo;Agenda&ldquo;-Rede, man m&uuml;sse die Zust&auml;ndigkeiten und Leistungen f&uuml;r Erwerbslose in einer Hand vereinigen, um die Chancen derjenigen zu erh&ouml;hen, die nicht nur arbeiten k&ouml;nnten, sondern auch wirklich wollten: &bdquo;Das ist der Grund, warum wir die Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammenlegen werden, und zwar einheitlich auf einer H&ouml;he &ndash; auch das gilt es auszusprechen &ndash;, die in der Regel dem Niveau der Sozialhilfe entsprechen wird.&ldquo; [<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>] Hiermit schob der Bundeskanzler nicht blo&szlig; den Erwerbslosen die Schuld an ihrem Schicksal zu, sondern best&auml;tigte auch die Stammtischweisheit, wonach man nur die Arbeitslosenunterst&uuml;tzung auf das soziokulturelle Existenzminimum senken muss, um die Betroffenen zur Annahme einer Stelle zu zwingen.<\/p><p>Gleichzeitig brach Schr&ouml;der das Wahlversprechen der SPD, die Arbeitslosenunterst&uuml;tzung nicht auf die H&ouml;he der F&uuml;rsorgeleistung herabzudr&uuml;cken: &bdquo;Wir bekennen uns zur besonderen Verantwortung gegen&uuml;ber den Schw&auml;cheren in unserer Gesellschaft. Deswegen wollen wir im Rahmen der Reform der Arbeitslosen- und Sozialhilfe keine Absenkung der zuk&uuml;nftigen Leistungen auf Sozialhilfeniveau.&ldquo; [<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>] Die von Schr&ouml;der in seiner &bdquo;Agenda&ldquo;-Rede hoff&auml;hig gemachte Sprachregelung, bei Hartz IV handle es sich um eine &bdquo;Zusammenlegung&ldquo; von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, war verharmlosend, besch&ouml;nigend und beschwichtigend. Mit der &bdquo;Arbeitslosenhilfe&ldquo; wurde n&auml;mlich zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland eine f&uuml;r Millionen Menschen existenziell wichtige Sozialleistung abgeschafft.<\/p><p>Matthias Knuth, Forschungsdirektor am Institut Arbeit und Qualifikation der Universit&auml;t Duisburg-Essen, begreift Hartz IV als eine sich st&auml;ndig selbst widerlegende Reform, die deshalb f&uuml;r die politische Landschaft der Bundesrepublik Deutschland so folgenreich ist, weil sie den Wechsel vom Versicherungs- zum F&uuml;rsorgeregime vorantrieb. Durch die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe seien die Erwerbslosen mehrheitlich ihres &bdquo;Arbeitsb&uuml;rger-Status&ldquo; beraubt worden: &bdquo;Die Einf&uuml;hrung der Grundsicherung f&uuml;r Erwerbsf&auml;hige ohne gleichzeitige gesetzliche Mindestlohnregelung leistet einer Abw&auml;rtsspirale Vorschub, bei der Entlohnungsbedingungen immer mehr nach unten ausfransen und erg&auml;nzende staatliche Unterst&uuml;tzung erforderlich machen, w&auml;hrend die Beitrags- und Besteuerungsbasis erodiert.&ldquo; [<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>]<\/p><p>Das als Ersatz eingef&uuml;hrte Alg II orientiert sich nicht mehr am fr&uuml;heren Nettoverdienst eines Langzeitarbeitslosen, vielmehr l&auml;sst selbst Angeh&ouml;rige der Mittelschicht, etwa Facharbeiter und Ingenieure, die nicht sofort eine neue Stelle finden, nach einer kurzen Schonfrist auf das (Sozialhilfe-)Niveau von Personen abst&uuml;rzen, die nie erwerbst&auml;tig waren. Man h&auml;tte das &bdquo;Arbeitslosengeld II&ldquo; ehrlicher &bdquo;Sozialhilfe II&ldquo; nennen m&uuml;ssen, weil sein Regelsatz nur noch F&uuml;rsorgeniveau erreicht und weil nicht blo&szlig; Arbeitslose, sondern auch noch &bdquo;Aufstocker&ldquo; genannte Geringverdiener\/innen die neue F&uuml;rsorgeleistung beziehen. Von der Sozialhilfe wurde auch das f&uuml;r Hartz IV typische Konstrukt der &bdquo;Bedarfsgemeinschaft&ldquo; entlehnt, welches es erm&ouml;glichte, Einkommen und Verm&ouml;gen von Personen, die mit dem Antragsteller weder verwandt noch ihm gegen&uuml;ber zum Unterhalt verpflichtet sind, aber mit ihm zusammen in einer Wohnung leben, bei der Bed&uuml;rftigkeitspr&uuml;fung anzurechnen.<\/p><p>In den Hochglanzbrosch&uuml;ren, die der Bev&ouml;lkerung Hartz IV n&auml;her bringen sollten, wurde besonders hervorgehoben, dass erwerbsf&auml;hige Sozialhilfeempf&auml;nger\/innen nunmehr Alg II (Grundsicherung f&uuml;r Arbeitsuchende) erhalten, renten-, kranken- und pflegeversichert werden sowie in den Genuss der arbeitsmarktpolitischen Ma&szlig;nahmen der BA kommen. [<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>] Verschwiegen wurde, dass man Letzteres auch einfacher h&auml;tte bewirken k&ouml;nnen, ohne die fr&uuml;here &bdquo;Arbeitslosenhilfe&ldquo; als eine auf h&ouml;herem Niveau angesiedelte Leistungsart abzuschaffen.<\/p><p>Durch die &bdquo;Zusammenlegung&ldquo; von Arbeitslosen- und Sozialhilfe geriet Letztere unter st&auml;rkeren Druck. Folgerichtig trat gleichfalls zum 1. Januar 2005 eine Sozialhilfereform in Kraft, die das Bundessozialhilfegestz (BSHG) in das Sozialgesetzbuch (SGB XII) &uuml;berf&uuml;hrte und das Niveau des letzten Sicherungsnetzes der Bundesrepublik besonders durch Perpetuierung des bisher Jahr um Jahr verl&auml;ngerten Anpassungsmoratoriums und eine relativ niedrige Pauschalierung der sog. wiederkehrenden Einmalleistungen absenkte &ndash; f&uuml;r Rainer Roth das eigentliche Ziel. [<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>] Wie Helga Spindler zeigt, wurde mit der neuen Regelsatzverordnung, die der Bundesrat am 14. Mai 2004 billigte, eine weitere Runde zur Senkung des soziokulturellen Existenzminimums eingel&auml;utet. [<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>] Vor allem der schlecht kompensierte Wegfall sog. wiederkehrender einmaliger Leistungen, etwa zur Beschaffung von Winterkleidung, zur Reparatur einer Waschmaschine oder zum Kauf von Schulb&uuml;chern f&uuml;r Kinder und Jugendliche, hat negative Auswirkungen auf Sozialhilfeempf&auml;nger\/innen, die fr&uuml;her entsprechende Antr&auml;ge gestellt und bewilligt bekommen hatten.<\/p><p>Hartz IV brach mit dem Prinzip der Lebensstandardsicherung, das den deutschen Sozial(versicherungs)staat bis dahin ausgezeichnet hatte. &bdquo;Im Ergebnis verliert die untere Mittelschicht, die bisher von einer eher &sbquo;statusorientierten&lsquo; Sozialpolitik profitiert hat und sich nun st&auml;rker in Richtung kulturelles Existenzminimum bewegt.&ldquo; [<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>] Barbara Stolterfoht hob zwei Effekte hervor: &bdquo;Hartz IV erh&ouml;ht die soziale Fallh&ouml;he massiv und weitet gleichzeitig den Kreis der potentiell von Armut betroffenen Menschen erheblich aus.&ldquo; [<a href=\"#foot_25\" name=\"note_25\">25<\/a>] Trifft die &bdquo;Zusammenlegung&ldquo; von Arbeitslosen- und Sozialhilfe besonders &Auml;ltere, die bis zur Rente Arbeitslosenhilfe beziehen wollten, sind Familien, Kinder und Jugendliche die Hauptleidtragenden der relativ niedrigen Pauschalierung fr&uuml;her zus&auml;tzlich gew&auml;hrter und nunmehr in einem h&ouml;heren Regelsatz aufgegangener Beihilfen: &bdquo;W&auml;hrend dadurch alleinstehende Erwerbslose und Menschen, die die Einzelantragstellung scheuten, nicht wesentlich verlieren oder zum Teil sogar zu den Gewinnern der Reform z&auml;hlen, geh&ouml;ren Familien mit Kindern zu den Verlierern der Reform. Ihr besonderer Mehrbedarf wird in den pauschalierten Regels&auml;tzen nicht gen&uuml;gend ber&uuml;cksichtigt.&ldquo; [<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">26<\/a>]<\/p><p>Mit der &bdquo;Agenda&ldquo;-Politik und Hartz IV verfolgte die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung eine Doppelstrategie: Einerseits sollte die Abschaffung der &bdquo;Arbeitslosenhilfe&ldquo; bzw. die Abschiebung der Langzeitarbeitslosen in die F&uuml;rsorge den stark defizit&auml;ren Staatshaushalt entlasten, andererseits wollte man durch materiellen Druck und Einsch&uuml;chterung der Betroffenen mehr bzw. st&auml;rkere &bdquo;Besch&auml;ftigungsanreize&ldquo; schaffen. Die teils drastischen Leistungsk&uuml;rzungen sowie erneut versch&auml;rfte Zumutbarkeitsklauseln zwingen Langzeitarbeitslose, ihre Arbeitskraft zu Dumpingpreisen zu verkaufen.<\/p><p>Was linke &bdquo;Abweichler&ldquo; innerhalb der SPD-Fraktion wie Ottmar Schreiner aus dem Regierungsentwurf durch ihre Drohung, das Gesetz abzulehnen, herausstreichen konnten, brachten CDU\/CSU und FDP in den Sitzungen des Vermittlungsausschusses von Bundestag und Bundesrat, der sich am 19. Dezember 2003 auf eine F&uuml;lle an Regelungen einigte, wieder hinein: Langzeitarbeitslose m&uuml;ssen auch Stellen annehmen, die weder tarifgerecht noch orts&uuml;blich entlohnt werden. Hartz IV versch&auml;rfte die Zumutbarkeitsregelungen f&uuml;r Langzeitarbeitslose ein weiteres Mal. Nicht nur der Berufs- und Qualifikationsschutz, sondern auch die Beachtung der &bdquo;W&uuml;rde&ldquo; der Betroffenen blieben dabei auf der Strecke.<\/p><p>Seit dem Inkrafttreten von Hartz IV m&uuml;ssen Langzeitarbeitslose &ndash; wie fr&uuml;her schon Bezieher von &bdquo;Hilfen zum Lebensunterhalt&ldquo; (HLU) bei der &bdquo;Hilfe zur Arbeit&ldquo; &ndash; gegen eine minimale &bdquo;Mehraufwandsentsch&auml;digung&ldquo; von 1 oder 2 EUR pro Stunde im &ouml;ffentlichen Interesse liegende und zus&auml;tzliche (nicht mehr unbedingt: gemeinn&uuml;tzige) Arbeit leisten, wollen sie ihren Anspruch auf Unterst&uuml;tzung nicht zu 30 Prozent (und bei Weigerung m&ouml;glicherweise ganz) einb&uuml;&szlig;en. Bei den Arbeitslosen unter 25 Jahren entf&auml;llt diese Unterst&uuml;tzung sofort. Auf dem Arbeitsmarkt f&uuml;hren die sog. 1-Euro-Jobs zu einem sch&auml;rferen Verdr&auml;ngungswettbewerb von oben nach unten. Vor allem niedrig Qualifizierte in Normalarbeitsverh&auml;ltnissen m&uuml;ssen gew&auml;rtigen, durch Alg-II-Bezieher\/innen ersetzt zu werden, was Auswirkungen auf das gesamte Lohngef&uuml;ge hat. Daraus resultierte eine &bdquo;Spirale nach unten&ldquo;, wie Hans-J&uuml;rgen Urban diesen Teufelskreis nennt: &bdquo;Der Hartz-IV-Regelsatz entfaltet Druck auf Einkommen und Arbeitsverh&auml;ltnisse, umgekehrt dr&uuml;cken Niedrigl&ouml;hne den Hartz-IV-Regelsatz.&ldquo; [<a href=\"#foot_27\" name=\"note_27\">27<\/a>]<\/p><p>Die mittels der <em>Agenda 2010<\/em> durchgesetzten Reformen tragen Z&uuml;ge einer sozialpolitischen Zeitenwende, wie es sie zuletzt am Ende der Weimarer Republik gab. Bei den 1-Euro-Jobs etwa dr&auml;ngen sich Parallelen zum Freiwilligen Arbeitsdienst auf. &bdquo;Die neue Workfare beschreibt (&hellip;) eine Tendenz zu breiten, verpflichtenden, neuen Arbeitsdiensten mit Leistungszwang.&ldquo; [<a href=\"#foot_28\" name=\"note_28\">28<\/a>] Arbeitsf&ouml;rderung, die Erwerbslosen mehrere Wahl- und Entwicklungsm&ouml;glichkeiten zu er&ouml;ffnen suchte, wird heute unter Androhung und\/oder Anwendung von Sanktionen betrieben. Walter Hanesch und Imke Jung-Kroh hoeben den Strafcharakter der &bdquo;Aktivierung&ldquo; nach dem SGB II hervor und betonen dar&uuml;ber hinaus, &bdquo;dass k&uuml;nftig eine Eingliederung um jeden Preis erzwungen werden soll, unabh&auml;ngig davon, ob dadurch eine reale Verbesserung der materiellen Lage f&uuml;r die Betroffenen erreicht werden kann. Die restriktiv-punisierende (bestrafende (WL)) Ausrichtung dieses Aktivierungskonzepts ist jedoch wenig geeignet, eine nachhaltige Eingliederung in das Besch&auml;ftigungssystem zu erreichen.&ldquo; [<a href=\"#foot_29\" name=\"note_29\">29<\/a>]<\/p><p>Neu war, dass auch fr&uuml;her mittels einer Lohnersatzleistung vor Armut und sozialer Ausgrenzung weitgehend Gesch&uuml;tzte zum Kreis der Entrechteten geh&ouml;rten. Denn die rot-gr&uuml;ne Regierungspolitik f&uuml;hrte zu einer Rutsche in die Armut: Nach der im <em>Gesetz zu Reformen am Arbeitsmarkt<\/em> vom 24. Dezember 2003 auf maximal 12 bzw. 18 Monate (fr&uuml;her: 32 Monate) f&uuml;r &Uuml;ber-55-J&auml;hrige verk&uuml;rzten Bezugszeit des Arbeitslosengeldes I (die ab 1. Februar 2006 generell galt) mussten Hartz-IV-Betroffene praktisch jede Besch&auml;ftigungsm&ouml;glichkeit annehmen, selbst dann, wenn sie blo&szlig; einen Hungerlohn einbringt. Schlie&szlig;lich wurde noch der K&uuml;ndigungsschutz f&uuml;r &Auml;ltere ausgehebelt und den Betroffenen wichtige, anderen Arbeitnehmer(inne)n zumindest noch zugestandene Rechtsanspr&uuml;che geraubt. Die sog. Hartz-Gesetze brachten uns&auml;gliches Leid &uuml;ber davon Betroffene und ihre Familien und machten die Bundesrepublik zu einem &bdquo;kalten Land&ldquo;, wie der Titel eines Buches dar&uuml;ber lautet. [<a href=\"#foot_30\" name=\"note_30\">30<\/a>] Letztlich wurde das soziale Klima der Bundesrepublik vergiftet, die politische Kultur im allgemeinen Sinne belastet sowie die Spaltung des Landes in Arm und Reich vertieft. [<a href=\"#foot_31\" name=\"note_31\">31<\/a>]<\/p><p><strong>Auf dem Weg zum F&uuml;rsorge-, Almosen- und Suppenk&uuml;chenstaat<\/strong><\/p><p>Hartz IV f&uuml;hrte zur Versch&auml;rfung der sozialen Schieflage im Land, zur Ausweitung der (Kinder-)Armut bis in die Mitte der Gesellschaft hinein und zur Verbreiterung des Niedriglohnbereichs. Letzteres war kein Zufall, sondern gewollt, wie die Tatsache zeigt, dass Gerhard Schr&ouml;der es auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos am 28. Januar 2005 als gro&szlig;en Erfolg seiner Politik als Bundeskanzler feierte, &bdquo;einen der besten Niedriglohnsektoren&ldquo; in Europa <a href=\"http:\/\/www.gewerkschaft-von-unten.de\/Rede_Davos.pdf\">geschaffen zu haben [PDF &ndash; 25 KB]<\/a>: &bdquo;Wir haben einen funktionierenden Niedriglohnsektor aufgebaut, und wir haben bei der Unterst&uuml;tzungszahlung Anreize daf&uuml;r, Arbeit aufzunehmen, sehr stark in den Vordergrund gestellt.&ldquo; [<a href=\"#foot_32\" name=\"note_32\">32<\/a>]<\/p><p>Ein staatlich gef&ouml;rderter Niedriglohnsektor, wie ihn die <em>Agenda 2010<\/em> und die Hartz-Gesetze errichten halfen, verhindert weder Arbeitslosigkeit noch Armut, sondern vermehrt Letztere eher. Als erg&auml;nzende Sozialleistung zu einem sehr niedrigen Lohn konzipiert, bildet das Arbeitslosengeld II f&uuml;r Lohndumping betreibende Unternehmer eine willkommene Subvention, deren Gesamtbetrag sich mittlerweile auf ca. 70 Mrd. EUR bel&auml;uft, die sog. Aufstocker\/innen seit dem 1. Januar 2005 erhalten haben. Umso dringlicher w&auml;re die gesetzliche Garantie eines fl&auml;chendeckend g&uuml;ltigen und existenzsichernden Mindestlohns, wie ihn die weitaus meisten EU-Mitgliedsl&auml;nder haben.<\/p><p>Anke Hassel und Christof Schiller behaupten, &bdquo;dass mit der Reform die Armut nicht erh&ouml;ht, sondern verdeckte Armut aufgedeckt und bek&auml;mpft wurde.&ldquo; [<a href=\"#foot_33\" name=\"note_33\">33<\/a>] Armutspolitisch hatten die als &bdquo;Grundsicherung f&uuml;r Arbeitsuchende&ldquo; firmierenden Transferleistungen indes einen Doppeleffekt: Hartz IV machte zumindest einen Teil der vorher verdeckten Armut sichtbar, erzeugte aber zugleich weitere Armut. Einerseits nehmen auch viele Menschen, darunter vor allem Geringverdiener\/innen, sog. Freiberufler\/innen und (Solo-)Selbstst&auml;ndige, das Arbeitslosengeld II in Anspruch, die aus Scham nicht zum Sozialamt gegangen w&auml;ren, um &bdquo;St&uuml;tze&ldquo; zu beantragen, andererseits erhalten Millionen Langzeitarbeitslose, die fr&uuml;her Empf&auml;nger\/innen von &bdquo;Arbeitslosenhilfe&ldquo; gewesen w&auml;ren, seither weniger oder sogar &uuml;berhaupt kein Geld mehr, weil das Partnereinkommen (z.B. gut verdienender Ehem&auml;nner und Lebenspartner) bei Hartz IV sehr viel strikter auf den Leistungsanspruch der Antragsteller\/innen (&uuml;berwiegend Frauen) angerechnet wird (Bedarfsgemeinschaft).<\/p><p>Insgesamt zeitigte das Gesetzespaket negative Verteilungseffekte, wie Irene Becker und Richard Hauser per Simulationsanalyse nachwiesen: &bdquo;Die Ersetzung der Alh durch das Alg II hat f&uuml;r einen Teil der Betroffenen zwar durchaus positive Effekte, da verdeckte Armut von fr&uuml;heren Alh-Empf&auml;ngern vermutlich effektiv abgebaut wird. Dies geht aber zu Lasten derjenigen, die bisher mit der Alh knapp oberhalb des Existenzminimums gelebt haben. Die Reform f&uuml;hrt also zu einer Umverteilung innerhalb des untersten Segments der Einkommensverteilung &ndash; wobei die Zahl der Verlierer dominiert &ndash; mit entsprechend fragw&uuml;rdigen Ergebnissen insbesondere f&uuml;r arbeitslose Frauen und in den neuen L&auml;ndern.&ldquo; [<a href=\"#foot_34\" name=\"note_34\">34<\/a>]<\/p><p>Armut, in der Bundesrepublik lange Zeit eher ein Rand(gruppen)ph&auml;nomen, wurde durch die sog. Hartz-Gesetze selbst f&uuml;r Teile der Mittelschicht zur Normalit&auml;t. &bdquo;Hartz IV droht zum Lebensalltag f&uuml;r immer mehr Menschen zu werden. Ein gef&auml;hrlicher Trend, der sich &ndash; zumindest mit Blick auf die Zukunft &ndash; im Alter verfestigen k&ouml;nnte, weil auf Lohnarmut und Langzeitarbeitslosigkeit unweigerlich Altersarmut folgt und &ndash; wenn die Politik nicht umsteuert &ndash; immer mehr Menschen auf die Grundsicherung im Alter angewiesen sein werden.&ldquo; [<a href=\"#foot_35\" name=\"note_35\">35<\/a>] Da die Deregulierung des Arbeitsmarktes mit einer Demontage des Sozialstaates im Allgemeinen und der Gesetzlichen Rentenversicherung im Besonderen einherging, die Prekarisierung der Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse und die (Teil-) Privatisierung der Altersvorsorge mehr oder weniger Hand in Hand gingen, war zunehmende Altersarmut durch die &bdquo;Agenda&ldquo;-Politik vorprogrammiert. [<a href=\"#foot_36\" name=\"note_36\">36<\/a>]<\/p><p><strong>Gesundheits-, Renten- und Steuerreformen<\/strong><\/p><p>Zwar bildete Hartz IV das Herzst&uuml;ck der <em>Agenda 2010<\/em> und wird daher h&auml;ufig im selben Atemzug. Man untersch&auml;tzt ihre gesellschaftspolitische Tragweite jedoch, wenn die Funktion von Schr&ouml;ders Regierungserkl&auml;rung auf die Legitimation seiner Arbeitsmarktreform reduziert wird. Denn schlie&szlig;lich waren die ersten beiden Hartz-Gesetze am 14. M&auml;rz 2003 bereits in Kraft, und es ging bei der <em>Agenda 2010<\/em> nicht blo&szlig; um Ver&auml;nderungen auf dem Arbeitsmarkt. Die damit verfolgten Pl&auml;ne waren vielmehr erheblich ambitionierter: Neben gesundheits- und rentenpolitischen Ma&szlig;nahmen nahm die Regierung Schr&ouml;der\/Fischer auch wichtige steuerpolitische Weichenstellungen vor, die der (Export-)Wirtschaft eine gr&ouml;&szlig;ere Dynamik verleihen sollten.<\/p><p>Am 1. Januar 2004 trat das <em>Gesundheitsmodernisierungsgesetz<\/em> (GMG) in Kraft, mit dem die Gesetzliche Krankenversicherung finanziell entlastet und die &bdquo;Eigenverantwortung&ldquo; der Versicherten durch h&ouml;here Zuzahlungen bei Heil- und Hilfsmitteln sowie Einf&uuml;hrung der Praxisgeb&uuml;hr in H&ouml;he von 10 EUR pro Quartal gest&auml;rkt werden sollte. (Letztere wurde &uuml;brigens zum 1. Januar 2013 per einstimmig gefassten Parlamentsbeschluss wieder abgeschafft.) Wie realit&auml;tsfern und falsch Gerhard Schr&ouml;ders Einsch&auml;tzungen waren, zeigt die Bemerkung in seinen 2006 erschienenen Memoiren, dass die Praxisgeb&uuml;hr l&auml;ngst &bdquo;eine Selbstverst&auml;ndlichkeit&ldquo; und ein gesundheitspolitisches Instrument mit den &bdquo;erhofften Steuerungswirkungen&ldquo; sei. [<a href=\"#foot_37\" name=\"note_37\">37<\/a>]<\/p><p>Typisch f&uuml;r die Br&uuml;che und Widerspr&uuml;che der Sozialpolitik von SPD und B&uuml;ndnisgr&uuml;nen war folgende Konzession gegen&uuml;ber den Unionsparteien: Hatte man die Reprivatisierung dieses Gesundheitsrisikos f&uuml;r nach 1978 Geborene durch CDU\/CSU und FDP sofort nach dem Regierungswechsel im Herbst 1998 r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht, strich man den <em>Zahnersatz<\/em> w&auml;hrend der Verhandlungen im Juli 2003 ganz aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Ab 1. Januar 2005 sollten deren Mitglieder ihn (bei der GKV  oder bei einer Privatassekuranz) zus&auml;tzlich versichern. Als sich w&auml;hrend des Jahres 2004 herausstellte, dass die Erhebung des zus&auml;tzlichen Beitrages von Arbeitslosen und Rentner(inne)n einen sehr hohen b&uuml;rokratischen Aufwand erfordern w&uuml;rde, suchte die Bundesregierung zun&auml;chst gemeinsam mit der Union &ndash; welche diese vom Einkommen der versicherten Person unabh&auml;ngige Regelung offenbar als Vorl&auml;uferin einer &bdquo;Gesundheitspr&auml;mie&ldquo; begriff und an ihr festhielt &ndash; nach einer Ersatzl&ouml;sung. Am 26. November 2004 setzte die rot-gr&uuml;ne Koalition mittels ihrer Kanzlermehrheit gegen CDU\/CSU und FDP im Bundestag durch, dass Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen den Zahnersatz dort mit einem &bdquo;Sonderbeitrag&ldquo; in H&ouml;he von 0,4 Prozent ihres Bruttomonatseinkommens versichern m&uuml;ssen. Zwar trat diese Regelung nunmehr mit einer sechsmonatigen Verz&ouml;gerung am 1. Juli 2005 in Kraft, daf&uuml;r wurde aber der erst zum 1. Januar 2006 geplante Aufschlag in H&ouml;he von 0,5 Prozent f&uuml;r die separate Versicherung des Krankengeldes durch die Arbeitnehmer\/innen um gleichfalls ein halbes Jahr auf dasselbe Datum vorgezogen. Hierdurch wurden die Versicherten (auch Rentner\/innen) per saldo noch mehr als nach der vorher geplanten Neuregelung belastet, die Arbeitgeber hingegen noch ein wenig st&auml;rker entlastet, als urspr&uuml;nglich im &bdquo;Gesundheitsmodernisierungsgesetz&ldquo; (GMG) festgelegt.<\/p><p>Am 1. Juli 2005 traten gesetzlich verordnete Beitragssenkungen in Kraft, die ausschlie&szlig;lich den Arbeitgebern, nicht jedoch den Versicherten zugute kamen, weil diese den Zahnersatz und das Krankengeld nunmehr &ndash; wie oben erw&auml;hnt &ndash; mit ihrem &bdquo;Sonderbeitrag&ldquo; in H&ouml;he von 0,9 Prozent des Bruttolohns bzw. -gehalts ganz allein finanzieren. Durch die Ausgliederung des Zahnersatzes aus der solidarischen GKV-Finanzierung und die Regelung, wonach die gesetzlichen Krankenkassen ab 1. Januar 2005 &bdquo;befundbezogene Festzusch&uuml;sse&ldquo; f&uuml;r Kronen, Br&uuml;cken und Prothesen zahlen, wurden nicht nur die Versicherten zus&auml;tzlich be- und die Arbeitgeber entlastet, sondern auch Zahn&auml;rzt(inn)en und Dentallabors, welche die Gesundheitsreform durchg&auml;ngig begr&uuml;&szlig;ten, zus&auml;tzliche Einnahmequellen er&ouml;ffnet.<\/p><p>Verteilungspolitisch bewirkte die <em>Gesundheitsreform 2004<\/em> daher eine weitere Lastenverschiebung zugunsten der Arbeitgeberseite, w&auml;hrend sie Arbeitnehmer\/innen und Patient(inn)en zus&auml;tzlich belastete. Seit dem 1. Januar 2004 m&uuml;ssen Rentner\/innen auch Krankenkassenbeitr&auml;ge auf Betriebsrenten und seit dem 1. April 2004 den vollen Beitragssatz in der Pflegeversicherung entrichten. Noch h&auml;rter als die genannten Bev&ouml;lkerungsgruppen traf es (Senioren- bzw. Pflege-) Heimbewohner\/innen, Arbeitslosen- und Sozialhilfehilfeempf&auml;nger\/innen sowie Obdachlose, die bislang von jeder Zuzahlungspflicht befreit gewesen waren. Hatten sie vorher (ebenso wie Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr) bei Arznei-, Verbands-, Heil- und Hilfsmitteln, aber auch bei station&auml;ren Vorsorge- und Rehabilitationskuren bzw. Krankenhausaufenthalten einen Anspruch auf die volle Kosten&uuml;bernahme durch ihre Kasse bzw. das Sozialamt, mussten sie nunmehr Rechnungen zun&auml;chst selbst bezahlen, die Quittungen sammeln und sich das Geld bei &Uuml;berschreiten von 2 bzw. 1 Prozent (Chroniker\/innen) des Bruttoeinkommens sp&auml;ter erstatten lassen.<\/p><p>Die am 12. November 2002 von Ulla Schmidt berufene, unter dem Namen ihres Vorsitzenden Bert R&uuml;rup bekannt gewordene &bdquo;Kommission f&uuml;r die Nachhaltigkeit in der Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme&ldquo; sollte unter Gew&auml;hrleistung von &bdquo;Generationengerechtigkeit&ldquo; neue Finanzierungsgrundlagen im Bereich der sozialen Sicherung (Gesetzliche Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung) entwickeln. Am 28. August 2003 legte die R&uuml;rup-Kommission ihren Abschlussbericht vor. Zutreffend wird festgestellt, dass &bdquo;Arbeitnehmerversicherungen&ldquo; mit auf das Einkommen bezogenen Beitr&auml;gen den Kern des deutschen Sozialsystems bilden. Aus dieser Finanzierungsweise folgert man, dass dieses System k&uuml;nftig verst&auml;rkt unter Druck ger&auml;t, weil &bdquo;steigende Altenquotienten und sinkende Wachstumsraten&ldquo; sich negativ auf die Sozialversicherungsbeitr&auml;ge auswirken m&uuml;ssten. Priorit&auml;t f&uuml;r die Kommission hatte deswegen &ndash; wie h&auml;tte es auch anders sein k&ouml;nnen &ndash; eine Senkung der sog. Lohnnebenkosten: &bdquo;Die positiven besch&auml;ftigungspolitischen Konsequenzen einer Senkung der Sozialversicherungsbeitr&auml;ge sind belegt, und innerhalb der Kommission besteht Konsens dar&uuml;ber, dass mithilfe einer Senkung der Lohnzusatzkosten positive Besch&auml;ftigungsimpulse gesetzt werden k&ouml;nnen.&ldquo; [<a href=\"#foot_38\" name=\"note_38\">38<\/a>]<\/p><p>Da sie die Bedeutung des demografischen Wandels f&uuml;r die  Wohlstandsentwicklung und die Sozialpolitik &uuml;berbewertete, schlug die Kommission mit Blick darauf eine weitere Absenkung des Rentenniveaus, eine Verl&auml;ngerung der Lebensarbeitszeit (schrittweise Anhebung des gesetzlichen Rentenalters von 65 auf 67 Jahre) und die Erg&auml;nzung der Renten(anpassungs)formel um einen &bdquo;Nachhaltigkeitsfaktor&ldquo; vor. Dieser soll (vornehmlich aus kollektiven Alterungsprozessen und Besch&auml;ftigungskrisen erwachsende) Verschiebungen im Verh&auml;ltnis von Rentner(inne)n zu Beitragszahler(inne)n ber&uuml;cksichtigen. &bdquo;Damit wird ein automatischer Stabilisator in das Rentensystem eingebaut, der dessen Immunit&auml;t gegen Ver&auml;nderungen der demografischen und &ouml;konomischen Rahmenbedingungen deutlich erh&ouml;ht.&ldquo; [<a href=\"#foot_39\" name=\"note_39\">39<\/a>]<\/p><p>V&ouml;llig klar war der R&uuml;rup-Kommission, dass durch den &bdquo;Nachhaltigkeitsfaktor&ldquo; k&uuml;nftige Generationen im Ergebnis entlastet, Rentner\/innen hingegen st&auml;rker belastet werden d&uuml;rften, was sie als eine &bdquo;St&auml;rkung der intergenerativen Gerechtigkeit&ldquo; bezeichnete und als erg&auml;nzendes Ziel neben die &bdquo;Entlastung des Faktors Arbeit&ldquo; stellte: &bdquo;Da ein Kostenanstieg als Folge der Bev&ouml;lkerungsalterung unvermeidbar ist, muss es das Ziel sein, diese Kosten nicht nur m&ouml;glichst besch&auml;ftigungsfreundlich, sondern auch gleichm&auml;&szlig;iger zwischen den Generationen zu verteilen. Eine am Ziel der generativen Gleichbehandlung ausgerichtete Nachhaltigkeitspolitik wird die demografischen Verschiebungen nur durch intergenerative Umverteilung, d.h. eine Umverteilung zu Gunsten der J&uuml;ngeren und noch nicht Geborenen, bew&auml;ltigen k&ouml;nnen.&ldquo; [<a href=\"#foot_40\" name=\"note_40\">40<\/a>]<\/p><p>2004 trat R&uuml;rups &bdquo;Nachhaltigkeitsfaktor&ldquo; an die Stelle des ihm nicht un&auml;hnlichen &bdquo;demografischen Faktors&ldquo;, den die schwarz-gelbe Regierung ins Rentenrecht eingef&uuml;hrt, die rot-gr&uuml;ne Koalition aber sofort nach ihrem Amtsantritt und vor seinem Wirksamwerden suspendiert hatte. Bundeskanzler Schr&ouml;der bezeichnete diese R&uuml;cknahme sp&auml;ter als einen politischen Fehler. Parallel dazu wurde die M&ouml;glichkeit einer rentensteigernden Anrechnung von Zeiten der schulischen bzw. universit&auml;ren Ausbildung abgeschafft, was besonders Akademiker\/innen (mit einer l&uuml;ckenhaften Erwerbsbiografie) trifft. Zusammen mit der sog. Riester-Treppe tr&auml;gt das <em>Gesetz zur Sicherung der nachhaltigen Finanzierungsgrundlagen der Gesetzlichen Rentenversicherung<\/em> (RV-Nachhaltigkeitsgesetz) im Rahmen des &Uuml;bergangs zur nachgelagerten Besteuerung nach dem Alterseink&uuml;nftegesetz zu einer drastischen Reduktion des Rentenniveaus bei. Betrug dieses um die Jahrtausendwende noch 53 Prozent des Durchschnittseinkommens vor Steuern, darf es bis zum Jahr 2030 auf 43 Prozent &ndash; also um ein F&uuml;nftel &ndash; sinken, ohne dass der Gesetzgeber korrigierend eingreifen muss.<\/p><p>W&auml;hrend die Mehrheit der Arbeitnehmer\/innen, Rentner\/innen und Patient(inn)en materielle Einbu&szlig;en hinnehmen mussten, geh&ouml;rten Spitzenverdiener und Kapitaleigent&uuml;mer zu den Hauptnutznie&szlig;ern von Schr&ouml;ders Reformagenda. In seiner Rede am 14. M&auml;rz 2003 bekr&auml;fte der Bundeskanzler seine Absicht, eine umfangreiche Steuerreform zu realisieren, die eine weitere Spreizung der Einkommen mit sich brachte sowie die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich weiter vorantrieb: Wer den Eingangssteuersatz um 10,9 Punkte (von 25,9 auf 15 Prozent) und den Spitzensteuersatz sogar um 11 Punkte (von 53 auf 42 Prozent) senkt, reduziert damit nicht blo&szlig; den finanziellen Handlungsspielraum des Staates, sondern wei&szlig; genau, dass die steuerliche Entlastung der h&ouml;chsten Einkommensgruppen in absoluten Geldbetr&auml;gen hierdurch sehr viel st&auml;rker ausf&auml;llt als die der weniger gut Betuchten, und forciert die Umverteilung von unten nach oben. <\/p><p>Die zur Gegenfinanzierung der Steuersenkungen vereinbarte Privatisierung von Bundeseigentum erschloss neue Gewinnquellen f&uuml;r Anleger, verringerte den Handlungsspielraum des Staates aber weiter.<\/p><p><strong>Die verheerenden Folgen der Reformagenda<\/strong><\/p><p>Auf den ersten Blick scheint es so, als sei Schr&ouml;ders &bdquo;Agenda&ldquo;-Politik eine wahre Erfolgsgeschichte. Schaut man genauer hin, ergibt sich ein v&ouml;llig anderes Bild: <em>&Ouml;konomisch<\/em> hat sie den &bdquo;Standort D&ldquo; (also im Wesentlichen nur die Exportwirtschaft) im Hinblick auf die Wettbewerbsf&auml;higkeit weiter gest&auml;rkt, was die wirtschaftliche Unwucht zwischen der Bundesrepublik und L&auml;ndern der s&uuml;dlichen EU-Peripherie (Griechenland, Spanien und Portugal) versch&auml;rfte und entscheidend zur dortigen &bdquo;Staatsschuldenkrise&ldquo; beitrug. Die Schw&auml;chung der Binnennachfrage durch Lohn- und Sozialdumping wurde jedoch in ihren negativen Folgen f&uuml;r die Volkswirtschaft v&ouml;llig au&szlig;er acht gelassen. Auch die Pufferfunktion der sozialen Sicherungssysteme gegen&uuml;ber konjunkturellen Schwankungen wurde geschw&auml;cht. <\/p><p>In <em>sozialer<\/em> Hinsicht hingegen wirkte die &bdquo;Agenda&ldquo;-Politik verheerend, weil sie zu einer bis dahin im Nachkriegsdeutschland unvorstellbar krassen Verteilungsschieflage bei den Einkommen und Verm&ouml;gen f&uuml;hrte, von der perspektivisch Gefahren f&uuml;r den inneren Frieden und die Demokratie ausgehen. <\/p><p><em>Parteipolitisch<\/em> war die <em>Agenda 2010<\/em> ein totales Fiasko: 1998, als SPD und B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen eine CDU\/CSU\/FDP-Koalition abl&ouml;sten, regierten die Sozialdemokraten fast alle EU-Staaten. Als Gerhard Schr&ouml;der 2005 abtrat, hatte sich Europas politische Landschaft grundlegend ver&auml;ndert: Von selbsternannten &bdquo;Modernisierern&ldquo; in k&uuml;rzester Zeit zugrunde gerichtet, hatten die sozialdemokratischen Parteien stark an Vertrauen der W&auml;hler\/innen und politischem Gewicht verloren. Mit der <em>Agenda 2010<\/em> war nicht blo&szlig; der Abschied vom tradierten kontinentaleurop&auml;ischen Sozialmodell verbunden, das auf Konsens, Sozialpartnerschaft und Solidarit&auml;t basierte, vielmehr auch von uralten Parteitraditionen der deutschen Sozialdemokratie, was die SPD nicht nur die Kanzlerschaft und sechs Ministerpr&auml;sidentenposten, sondern auch ein Drittel ihrer Mitglieder und die H&auml;lfte ihrer W&auml;hlerstimmen kostete. Nie war die Krise der Sozialdemokratie umfassender, der personelle Aderlass dramatischer und die Entfremdung zwischen Parteispitze und -basis gr&ouml;&szlig;er. Heute sucht die SPD als Oppositionspartei den Eindruck zu erwecken, die soziale Situation von traditionell Besch&auml;ftigten verbessern zu wollen, ohne dabei allerdings vom &bdquo;Agenda&ldquo;-Kurs abzuweichen. [<a href=\"#foot_41\" name=\"note_41\">41<\/a>]<\/p><p>Gerhard Schr&ouml;der reklamiert den Wirtschaftsaufschwung und den damit verbundenen R&uuml;ckgang der (offiziell registrierten) Arbeitslosigkeit nach 2005 heute als Erfolg seiner &bdquo;Agenda&ldquo;-Politik. [<a href=\"#foot_42\" name=\"note_42\">42<\/a>] Dieser Erfolg hielt sich jedoch &ndash; wenn &uuml;berhaupt &ndash; in sehr engen Grenzen. Ernst Niemeier zeigt, dass nicht etwa die &bdquo;Aktivierung&ldquo; der Langzeitarbeitslosen durch Hartz IV f&uuml;r den Anstieg der Besch&auml;ftigung seit Inkrafttreten dieses Gesetzespakets verantwortlich war, sondern die konjunkturell bedingte Zunahme der Arbeitsplatzangebote durch den bereits kurz nach dem Regierungswechsel im Herbst 2005 sp&uuml;rbaren Wirtschaftsaufschwung. [<a href=\"#foot_43\" name=\"note_43\">43<\/a>] (Siehe auch <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/imk_33663.htm\">Gustav Horn, Die gro&szlig;e Illusion<\/a>) <\/p><p>Der durch die Arbeitsmarktreformen angeblich mit induzierte &bdquo;Besch&auml;ftigungsboom&ldquo; ist eher eine Scheinbl&uuml;te. Vergleicht man nicht Daten von konjunkturellen Tiefpunkten mit Daten aus sp&auml;teren Aufschwungphasen, sondern &ndash; ehrlicherweise &ndash; vielmehr (wirtschafts-)phasensynchrone Daten und bereinigt sie von demografischen und anderen Sondereffekten, zeigt sich n&auml;mlich Folgendes: Zwar ist die Zahl der Erwerbst&auml;tigen seit Wirksamwerden der &bdquo;Agenda&ldquo;-Reformen gestiegen und die Zahl der Arbeitslosen zur&uuml;ckgegangen. Das ist allerdings teilweise demografisch bedingt und liegt nicht zuletzt an der h&ouml;heren Frauenerwerbsquote sowie erh&ouml;hter Zuwanderung. Gleichzeitig sind die Reall&ouml;hne jedoch besonders im unteren Einkommensbereich gesunken. Unter dem anhaltenden Trend zur Prekarisierung von Arbeits- und Lebensbedingungen leidet die Qualit&auml;t der Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse: Millionen Menschen haben kein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverh&auml;ltnis, das ihnen Schutz vor elementaren Lebensrisiken bieten w&uuml;rde. Selbst wenn dieses Niveau halbwegs erreicht wird, leisten sie vielfach Leiharbeit oder (Zwangs-)Teilzeitarbeit. Dass die Gesamtzahl der Transferleistungsempf&auml;nger\/innen zuletzt ebenso abgenommen hat wie die relative H&ouml;he der Zahlbetr&auml;ge, liegt nicht etwa am R&uuml;ckgang von Armut bzw. der materiellen Bed&uuml;rftigkeit, sondern prim&auml;r an den durch die &bdquo;Agenda&ldquo;-Reformen drastisch versch&auml;rften Anspruchsvoraussetzungen, Kontrollmechanismen und Repressalien der f&uuml;r die Leistungsgew&auml;hrung zust&auml;ndigen Jobcenter und Sozial- bzw. Grundsicherungs&auml;mter.<\/p><p>Selbst wenn man annimmt, dass die gr&ouml;&szlig;ere Krisenresistenz der deutschen Volkswirtschaft auf die &bdquo;Agenda&ldquo;-Politik zur&uuml;ckgehen sollte, ist der Preis, den unterprivilegierte Bev&ouml;lkerungsteile daf&uuml;r auch in konjunkturell guten Zeiten zahlen m&uuml;ssen, zu hoch. Das rigidere Arbeitsmarktregime erh&ouml;hte den Druck auf die Erwerbslosen, aber auch auf die Belegschaften, Betriebsr&auml;te und Gewerkschaften, niedrigere L&ouml;hne und schlechtere Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. [<a href=\"#foot_44\" name=\"note_44\">44<\/a>] Auf diese Weise wurde diese Art von Arbeitsmarktpolitik zu einem Haupteinfallstor f&uuml;r Erwerbs- und ihr zwangsl&auml;ufig folgende Altersarmut.<\/p><p>Die folgenschwerste Wirkung der <em>Agenda 2010<\/em> besteht in einer durch sie verst&auml;rkten Polarisierung von Einkommen und Verm&ouml;gen. Selbst die CDU\/CSU\/FDP-Koalition kam nicht umhin, die steigende Ungleichverteilung im 4. Armuts- und Reichtumsbericht zu dokumentieren: Verf&uuml;gten die reichsten 10 Prozent der Bev&ouml;lkerung danach im Jahr 1998 &uuml;ber 45 Prozent des Nettoverm&ouml;gens, waren es im Jahr 2003 bereits 49 Prozent und im Jahr 2008 sogar fast 53 Prozent. Dagegen musste sich die &auml;rmere H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung in den Jahren 1998 und 2003 mit 3 Prozent und im Jahr 2008 mit 1 Prozent ben&uuml;gen. [<a href=\"#foot_45\" name=\"note_45\">45<\/a>] Die sozialen Probleme, soziale Ungleichheit und soziale Ungerechtigkeit haben seither deutlich zu-, das soziale Verantwortungsbewusstsein und der soziale Zusammenhalt im selben Ma&szlig; abgenommen. Aus diesem Grund sind &bdquo;Agenda 2010&ldquo; und &bdquo;Hartz IV&ldquo; auch Chiffren f&uuml;r den Trend zur &Ouml;konomisierung, Kommerzialisierung und Entsolidarisierung unserer Gesellschaft.<\/p><p>P.S.:<br>\nGerade vor diesem Hintergrund erscheint die Frage aufschlussreich, was aus den f&uuml;hrenden &bdquo;Agenda&ldquo;-Akteuren &ndash; sicher nicht zuf&auml;llig nur M&auml;nner &ndash; geworden ist:<\/p><ul>\n<li>Dr. Heiko Geue, geistiger Ziehvater der <em>Agenda 2010<\/em>, leitet heute die (bisher total verungl&uuml;ckte) Wahlkampagne und ist ein Vertrauter von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbr&uuml;ck;<\/li>\n<li>Dr. Frank-Walter Steinmeier, ihr verantwortlicher Architekt und fr&uuml;her Geues Vorgesetzter, ist heute als Fraktionvorsitzender seiner Partei im Bundestag einer der wichtigsten Gralsh&uuml;ter der Agenda-Politik und hat Chancen, im Herbst 2013 wieder Au&szlig;enminister und Vizekanzler einer Gro&szlig;en Koalition zu werden;<\/li>\n<li>Wolfgang Clement, damals als einziger Fachminister im Kabinett Schr&ouml;der\/Fischer sowohl an Entstehung wie an Umsetzung der Reformagenda in erster Linie beteiligt, ist aus der SPD ausgetreten und unterst&uuml;tzt FDP-Politiker im Wahlkampf, er &uuml;bernahm unter anderem den Vorsitz einer Denkfabrik der weltgr&ouml;&szlig;ten Leiharbeitsfirma Adecco und ist Aufsichtsratsmitglied der RWE Power AG, der Investmentgesellschaft Lahnstein, Middelhoff &amp; Partners LLP und des russischen Beratungsunternehmens Energy Consulting, im letzten Jahr wurde er bezeichnenderweise <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13782\">zum Vorsitzenden<\/a> der arbeitgeberfinanzierten Propagandaagentur &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; (INSM);<\/li>\n<li>Peter Hartz war bis Juli 2005 Vorstandsmitglied der Volkswagen AG und wurde am 25. Januar 2007 vom Landgericht Braunschweig wegen Untreue zu einer Haftstrafe auf Bew&auml;hrung verurteilt;<\/li>\n<li>Prof. Dr. Bert R&uuml;rup vermarktete ebenso wie Walter Riester sein Insiderwissen in jenem Wirtschaftszweig, dem er zuvor als &bdquo;wissenschaftlicher Berater&ldquo; ein riesiges neues Gesch&auml;ftsfeld er&ouml;ffnet hatte, er gr&uuml;ndete zusammen mit dem fr&uuml;heren AWD-Eigent&uuml;mer Carsten Maschmeyer ein Beratungsb&uuml;ro f&uuml;r Entscheider aus der Finanzwirtschaft, k&uuml;rzlich wurde er noch zum Pr&auml;sidenten eines &bdquo;Research Instituts&ldquo; des wirtschaftsliberalen Handelsblatts ernannt;<\/li>\n<li>Gerhard Schr&ouml;der ist heute Aufsichtsratsvorsitzender von TNK-BP, einem russisch-britischen Energieunternehmen, und des Pipeline-Konsortiums Nordstream AG sowie Mitglied im Europa-Beirat der Rothschild-Investmentbank und Berater des Ringier-Verlages (Schweiz).<\/li>\n<\/ul><p><em>Prof. Dr. Christoph Butterwegge lehrt Politikwissenschaft an der Universit&auml;t zu K&ouml;ln. Zuletzt sind seine B&uuml;cher &bdquo;Armut in einem reichen Land&ldquo;, &bdquo;Krise und Zukunft des Sozialstaates&ldquo; und &bdquo;Armut im Alter&ldquo; erschienen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Chef BK, Arbeitsbereich Planung (Dr. Geue), Auf dem Weg zu mehr Wachstum, Besch&auml;ftigung und Gerechtigkeit. Thesenpapier f&uuml;r die Planungsklausur, Berlin, Dezember 2002 (hektografiert), S. 2<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Ebd., S. 10 (Hervorh. im Original)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Ebd., S. 12 (Hervorh. im Original)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Ebd., S. 14<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Ebd., S. 15 (Hervorh. im Original)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Annelie Buntenbach, Abbauarbeiten am Sozialstaat. Praktische Beitr&auml;ge der Bundesregierung zur Massenerwerbslosigkeit, in: dies.\/Helmut Kellershohn\/Dirk Kretschmer (Hrsg.), R&uuml;ckw&auml;rts in die Zukunft. Zur Ideologie des Neokonservatismus, Duisburg 1998, S. 163<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Chef BK, Arbeitsbereich Planung (Dr. Geue), Auf dem Weg zu mehr Wachstum, Besch&auml;ftigung und Gerechtigkeit, a.a.O., S. 15<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Vgl. Diether D&ouml;ring, Sozialstaat in un&uuml;bersichtlichem Gel&auml;nde. Erkundung seiner Reformbedarfe unter sich ver&auml;ndernden Rahmenbedingungen, in: ders. (Hrsg.), Sozialstaat in der Globalisierung, Frankfurt am Main 1999, S. 25 f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Vgl. Rolf Schmucker, Klassenmedizin, in: Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik 4\/2003, S. 408<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Vgl. Gerhard Schr&ouml;der, Entscheidungen. Mein Leben in der Politik, Hamburg 2006, S. 393<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Frank B&ouml;ckelmann\/Hersch Fischler, Bertelsmann. Hinter der Fassade des Medienimperiums, Frankfurt am Main 2004, S. 227<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Vgl. Thomas Schuler, Bertelsmannrepublik Deutschland. Eine Stiftung macht Politik, Frankfurt am Main\/New York 2010, S. 112 ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Hrsg.), Agenda 2010, a.a.O., S. 7<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Ebd., S. 8<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Ebd., S. 12<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Vgl. hierzu: Christoph Butterwegge, Krise und Zukunft des Sozialstaates, 4. Aufl. Wiesbaden 2012, S. 54 ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Hrsg.), Agenda 2010, a.a.O., S. 22<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] Vorstand der SPD (Hrsg.), Erneuerung und Zusammenhalt &ndash; Wir in Deutschland. Regierungsprogramm 2002-2006, Berlin o.J., S. 26 (http:\/\/www.documentarchiv.de\/brd\/2002\/wahlprogramm_spd_2002.html#4; 24.2.2013)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] Matthias Knuth, &bdquo;Hartz IV&ldquo; &ndash; die unbegriffene Reform, in: Sozialer Fortschritt 7\/2006, S. 165<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] Vgl. z.B. SPD-Bundestagsfraktion (Hrsg.), Hartz IV: Menschen in Arbeit bringen &ndash; Deutschland erneuern, Berlin, September 2004<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] Vgl. Rainer Roth, Nebensache Mensch. Arbeitslosigkeit in Deutschland, Frankfurt am Main 2003, S. 394<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] Siehe Helga Spindler, Die neue Regelsatzverordnung &ndash; Das Existenzminimum stirbt in Prozentschritten, in: info also 4\/2004, S. 147<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] Susanne Koch\/Ulrich Walwei, Hartz IV: neue Perspektiven f&uuml;r Langzeitarbeitslose?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 16\/2005, S. 11<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_25\" name=\"foot_25\">&laquo;25<\/a>] Barbara Stolterfoht, Abkehr vom Sozialversicherungsstaat?, Sozial- und armutspolitische Schlussfolgerungen aus Anlass von Hartz IV, in: spw &ndash; Zeitschrift f&uuml;r Sozialistische Politik und Wirtschaft 140 (2004), S. 42<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_26\" name=\"foot_26\">&laquo;26<\/a>] Ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_27\" name=\"foot_27\">&laquo;27<\/a>] Hans-J&uuml;rgen Urban, Hartz IV: Lohndumping mit System, in: Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik 1\/2011, S. 20<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_28\" name=\"foot_28\">&laquo;28<\/a>] Anne Allex, Politische Tendenzen der Agenda 2010, in: Holger Kindler\/Ada-Charlotte Regelmann\/Marco Tullney (Hrsg.), Die Folgen der Agenda 2010, a.a.O., S. 27<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_29\" name=\"foot_29\">&laquo;29<\/a>] Walter Hanesch\/Imke Jung-Kroh, Anspruch und Wirklichkeit der &bdquo;Aktivierung&ldquo; im Kontext der &bdquo;Sozialen Stadt&ldquo;, in: Walter Hanesch\/Kirsten Kr&uuml;ger-Conrad (Hrsg.), Lokale Besch&auml;ftigung und &Ouml;konomie. Herausforderung f&uuml;r die &bdquo;Soziale Stadt&ldquo;, Wiesbaden 2004, S. 233<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_30\" name=\"foot_30\">&laquo;30<\/a>] Siehe Rudolph Bauer\/Holdger Platta (Hrsg.), Kaltes Land. Gegen die Verrohung der Bundesrepublik. F&uuml;r eine humane Demokratie, Hamburg 2012<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_31\" name=\"foot_31\">&laquo;31<\/a>] Vgl. hierzu: Christoph Butterwegge, Armut in einem reichen Land. Wie das Problem verharmlost und verdr&auml;ngt wird, 3. Aufl. Frankfurt am Main\/New York 2012, S. 168 ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_32\" name=\"foot_32\">&laquo;32<\/a>] Rede von Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der vor dem World Economic Forum in Davos, 28.1.2005 (<a href=\"http:\/\/archiv.bundesregierung.de\/bpaexport\/rede\/91\/780791\/multi.htm\">http:\/\/archiv.bundesregierung.de\/bpaexport\/rede\/91\/780791\/multi.htm<\/a>; 15.10.2010)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_33\" name=\"foot_33\">&laquo;33<\/a>] Siehe Anke Hassel\/Christof Schiller, Der Fall Hartz IV. Wie es zur Agenda 2010 kam und wie es weitergeht, Frankfurt am Main\/New York  2010, S. 53<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_34\" name=\"foot_34\">&laquo;34<\/a>] Irene Becker\/Richard Hauser, Verteilungseffekte der Hartz-IV-Reform. Ergebnisse von Simulationsanalysen, Berlin 2006, S. 102<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_35\" name=\"foot_35\">&laquo;35<\/a>] Annelie Buntenbach, Sozialpolitik am Wendepunkt: Vom Sozialstaat zum Sozialhilfestaat?, in: Soziale Sicherheit 4\/2010, S. 126<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_36\" name=\"foot_36\">&laquo;36<\/a>] Vgl. hierzu: Christoph Butterwegge\/Gerd Bosbach\/Matthias W. Birkwald (Hrsg.), Armut im Alter. Probleme und Perspektiven der sozialen Sicherung, Frankfurt am Main\/New York 2012<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_37\" name=\"foot_37\">&laquo;37<\/a>] Siehe Gerhard Schr&ouml;der, Entscheidungen, a.a.O., S. 414<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_38\" name=\"foot_38\">&laquo;38<\/a>] Bundesministerium f&uuml;r Gesundheit und Soziale Sicherung (Hrsg.), Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme. Bericht der Kommission, Berlin, August 2003, S. 46<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_39\" name=\"foot_39\">&laquo;39<\/a>] Ebd., S. 81 f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_40\" name=\"foot_40\">&laquo;40<\/a>] Ebd., S. 47<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_41\" name=\"foot_41\">&laquo;41<\/a>] Vgl. Simon Hegelich\/David Knollmann\/Johanna Kuhlmann, Agenda 2010. Strategien &ndash; Entscheidungen &ndash; Konsequenzen, Wiesbaden 2011, S. 241 f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_42\" name=\"foot_42\">&laquo;42<\/a>] &bdquo;Die heutige Regierung hat mit dem Aufschwung nicht viel zu tun&ldquo;, BILD-Interview mit Altkanzler Gerhard Schr&ouml;der, in Bild v. 26.10.2010: &bdquo;Die Agenda hat einen erheblichen Anteil am Aufschwung! Dazu kam eine vern&uuml;nftige Lohnpolitik der Gewerkschaften und eine Position der mittelst&auml;ndisch orientierten deutschen Wirtschaft, die sehr fr&uuml;hzeitig weltmarktf&auml;hig geworden ist &ndash; weil sie auf Innovation, Forschung und Entwicklung gesetzt haben.&ldquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_43\" name=\"foot_43\">&laquo;43<\/a>] Vgl. Ernst Niemeier, Hat der Arbeitsmarkt wirklich von Hartz IV profitiert?, in: WSI-Mitteilungen 6\/2010, S. 322<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_44\" name=\"foot_44\">&laquo;44<\/a>] Vgl. dazu: Klaus D&ouml;rre, Das neue Elend: Zehn Jahre Hartz-Reformen, in: Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik 3\/2013, S. 105<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_45\" name=\"foot_45\">&laquo;45<\/a>] Vgl. Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales (Hrsg.), Lebenslagen in Deutschland. Der Vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Bericht, Bonn, M&auml;rz 2013, S. 465<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kritische Bilanz zum 10. Jahrestag von Gerhard Schr&ouml;ders Regierungserkl&auml;rung<br \/> In einem Gro&szlig;teil der Massenmedien wird die <em>Agenda 2010<\/em> zu ihrem 10. Jahrestag am 14. M&auml;rz 2013 geradezu &uuml;berschw&auml;nglich gelobt. 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