{"id":16534,"date":"2013-03-15T16:12:03","date_gmt":"2013-03-15T15:12:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16534"},"modified":"2015-07-16T09:21:37","modified_gmt":"2015-07-16T07:21:37","slug":"jubilaumsfeier-fur-die-agenda-2010-wenig-kritik-und-keine-empathie-mit-den-opfern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16534","title":{"rendered":"Jubil\u00e4umsfeier f\u00fcr die Agenda 2010: Wenig Kritik und keine Empathie mit den Opfern"},"content":{"rendered":"<p>Wenn der &bdquo;Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung&ldquo; (FES) aus Anlass des 10. Jahrestages  der  &bdquo;Agenda-Rede&ldquo;  Gerhard Schr&ouml;ders  zu einer Jubil&auml;umsfeier  mit dem Titel &bdquo;Bilanz und Perspektive&ldquo; der Hartz-Reformen einl&auml;dt, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16219\">ist wohl wenig Kritik zu erwarten<\/a>.  Keiner der elf geladenen &bdquo;Experten&ldquo; &ndash; angefangen von Frank-Walter Steinmeier, &uuml;ber Gabor Steingart  (Handelsblatt), Martin Kannegiesser (Ehrenpr&auml;sident von Gesamtmetall), dem IGBCE-Gewerkschaftsvorsitzenden Michael Vassiliadis, dem neuen Vorsitzenden des Sachverst&auml;ndigenrats  Christoph Schmidt , bis hin zum ehemaligen bayerischen Ministerpr&auml;sidenten Edmund Stoiber oder der  in den Verwaltungsrat der Schweizer Gro&szlig;bank UBS aufger&uuml;ckten ehemaligen &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo; Beatrice Weder di Mauro stellte die Notwendigkeit dieser sozialpolitischen Wende in Frage. Im Gegenteil &ndash; man feierte unter Gleichgesinnten. Von <strong>P.R.<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16534#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<br>\n<!--more--><\/p><p>Dabei hatte Bert R&uuml;rup &ndash; ehemaliger &bdquo;Wirtschaftsweise&ldquo; und inzwischen Partner von Carsten Maschmeyer &ndash; immerhin gleich zu Beginn der Veranstaltung n&uuml;chtern festgestellt, das Arbeitsvolumen sei  erst in den letzten Jahren geringf&uuml;gig gestiegen  &ndash; was ein starkes Indiz daf&uuml;r ist, dass die Arbeit nur umverteilt wurde und was einen dunklen Schatten auf die Jubelmeldungen wirft, dass vor allem durch die Agenda 2010 die Arbeitslosenzahlen von 5 Millionen auf drei Millionen zur&uuml;ckgegangen seien. <\/p><p>Dietmar Hexel vom DGB-Bundesvorstand war als einziger Kritiker zugelassen und sch&uuml;ttete etwas Wasser in den Wein. Er  wies darauf hin, dass nach den  15 Kriterien, die von der Friedrich-Ebert-Stiftung selbst f&uuml;r die langfristige Beurteilung der Auswirkungen dieser Reformen entwickelt worden seien, bestenfalls  f&uuml;nf zu einem positiven Urteil &uuml;ber die Agenda-&bdquo;Reformen&ldquo;  f&uuml;hrten.  Arbeitslosigkeit und Leiharbeit  seien zu einem &bdquo;Angstthema&ldquo; geworden und die Forderung  nach einem Mindestlohn nur eine  Notma&szlig;nahme.<\/p><p>Die Anhebung des Rentenalters  und die damit verbundenen Rentenk&uuml;rzungen waren bei dieser Feierlichkeit kein Thema. Auch vom neuen SPD-Wahlprogramm war nicht die Rede, wenn  man einmal von den 8,50 Euro f&uuml;r einen Mindestlohn absieht. <\/p><p>Bei der Agenda  m&uuml;sse nur ein wenig nachjustiert werden &ndash; meinten Sozialdemokraten -, weil man von den Folgen der Ausweitung der Leiharbeit &uuml;berrascht worden sei, genauso wie von den negativen Auswirkungen eines fehlenden Mindestlohnes.  Dem widersprach der franz&ouml;sische Agenda-Bewunderer  Ren&eacute; Lassere heftig: Er machte den gesetzlichen Mindestlohn sogar verantwortlich f&uuml;r die hohe Jugendarbeitslosigkeit in seinem Land.  <\/p><p>Niemand wollte die Stimmung tr&uuml;ben, indem er z.B. an Schr&ouml;ders Rede auf dem Weltwirtschaftsforum 2005 in Davos erinnerte, wo dieser sich ausdr&uuml;cklich r&uuml;hmte: <a href=\"http:\/\/www.gewerkschaft-von-unten.de\/Rede_Davos.pdf\">&bdquo;..&ldquo;Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt..&ldquo; [PDF &ndash; 23.1 KB]<\/a><\/p><p>Zwei Diskussionsteilnehmer  aus dem Publikum versuchten, die  Schikanen der Arbeits&auml;mter im  Umgang mit den  Arbeitslosen anzusprechen, sie fanden bei den &bdquo;Experten&ldquo; jedoch  ebenso wenig Beachtung wie die  kleinen Gruppe der &bdquo;Montagsdemonstranten&ldquo;  und die mit viel Ironie protestierenden Jungsozialisten vor dem Tagungsgeb&auml;ude.  <\/p><p>Als die fr&uuml;here  stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Ursula Engelen-Kefer (vom damaligen Bundeskanzler als &bdquo;Engelen-Keifer&ldquo; verspottet)  eine kritische Frage nach den negativen Auswirkungen des &bdquo;Kombilohns&ldquo; stellte, wiegelte sie der Moderator mit Hinweis auf das anstehend Schlussreferat Gerhard Schr&ouml;ders ab.  <\/p><p>Gerhard Schr&ouml;der sparte in seinem Schlusswort dann auch nicht mit vergiftetem Lob und gespielter Bescheidenheit: Wenn heute die wirtschaftliche Lage in Deutschland besser sei als in anderen L&auml;ndern, sei die Agenda 2010 nur  teilweise urs&auml;chlich: Wichtig seien  die erfolgreichen internationalen   Aktivit&auml;ten des &bdquo;deutschen innovativen Mittelstandes&ldquo; und die &bdquo;au&szlig;erordentlich verantwortungsvolle Arbeit der Gewerkschaften&ldquo; und ihrer Lohnabschl&uuml;sse.<\/p><p>Gerhard Schr&ouml;der fasste sich kurz: Er habe es nicht n&ouml;tig, sich f&uuml;r die Agenda 2010 zu rechtfertigen. Vielmehr m&ouml;chte er &bdquo;provokativ&ldquo; drei Erfahrungen vermitteln:<\/p><ol>\n<li>Bei Umfragen seien stets 85 Prozent und mehr f&uuml;r Reformen und Ver&auml;nderungen.  Wenn dann konkrete Ver&auml;nderungen mit den Auswirkungen f&uuml;r einzelne Gruppen  anst&uuml;nden, schrumpfe die Zustimmung auf 15 Prozent.<\/li>\n<li>Im F&ouml;deralismus st&uuml;nden immer irgendwelche Landtagswahlen an. In  der &bdquo;zeitlichen L&uuml;cke&ldquo; von 3 bis 5 Jahren, nach denen erst die &bdquo;positiven Folgen&ldquo; der &bdquo;Reformen&ldquo; sichtbar w&uuml;rden,  werde  jede dieser Wahlen zu einer Abstimmung &uuml;ber die Bundesregierung  umgedeutet.<\/li>\n<li>Aus diesem Grunde halte er Einschnitte in Besitzst&auml;nde immer nur &bdquo;top &ndash; down&ldquo;  durchsetzbar, sie w&uuml;rden sonst zerredet,  insbesondere von den Medien.<\/li>\n<\/ol><p>An dieser Rechtfertigung seiner &bdquo;Basta&ldquo;-Politik gegen&uuml;ber seiner Partei und gegen die Mehrheitsmeinung in der Bev&ouml;lkerung gab es keinerlei Kritik, daf&uuml;r umso mehr Beifall. Wie meinte doch Edmund Stoiber, der Kanzlerkandidat von CDU\/CSU im Jahre 2002  im R&uuml;ckblick auf die Verk&uuml;ndung der Agenda 2010 vor 10 Jahren: Es gibt offenbar Reformen, die  nur die SPD durchsetzen  kann: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/ondemand100~_id-video1279442.html\">Stellen Sie sich mal vor, ich h&auml;tte als Unionskanzler diese Positionen und diese Reformen durchzusetzen versucht, dann h&auml;tten wir nicht nur Montagsdemonstrationen gehabt &hellip;<\/a>&ldquo;<\/p><p>Treffender kann man die Rolle Schr&ouml;ders als Trojanisches Pferd der Konservativen nicht beschreiben. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Unser Autor, der Gast auf dieser Agenda-Jubelfeier war, m&ouml;chte gerne auch k&uuml;nftig auf der Einladungsliste des Managerkreises der Friedrich-Ebert-Stiftung bleiben und bittet deshalb um Verst&auml;ndnis, dass wir seinen vollen Namen nicht nennen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der &bdquo;Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung&ldquo; (FES) aus Anlass des 10. 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