{"id":16543,"date":"2013-03-16T11:47:46","date_gmt":"2013-03-16T10:47:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16543"},"modified":"2015-07-16T09:24:58","modified_gmt":"2015-07-16T07:24:58","slug":"der-dgb-hat-nicht-mehr-alle-tassen-im-schrank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16543","title":{"rendered":"Der DGB hat nicht mehr alle Tassen im Schrank"},"content":{"rendered":"<p>Als so genannter &bdquo;Klartext&ldquo; erschien am 15. M&auml;rz ein Blatt des <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/10_2013_klartext_Hoehere_Loehne_Keine_Gefahr_fuer_Wettbewerbsfaehigkeit.pdf\">DGB zur Agenda 2010 [PDF &ndash; 130 KB]<\/a>. Darin stand einiges Lesenswerte, aber der Gesamttenor ist eigentlich unglaublich. Die &Uuml;berschrift lautet: &bdquo;H&ouml;here L&ouml;hne: Keine Gefahr f&uuml;r Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo;. Auch der Text ist in Bezug auf die verteilungspolitisch und &ouml;konomisch gebotenen Lohnerh&ouml;hungen ausgesprochen defensiv. Am Ende des Textes werden Zukunftsinvestitionen zur Stabilisierung der Konjunktur gefordert und angemerkt: &bdquo;Das ist f&uuml;r die Krisenl&auml;nder, aber auch f&uuml;r uns gut. Zum anderen gef&auml;hrdet ein h&ouml;heres Lohnniveau unsere Wettbewerbsf&auml;higkeit und Exportchancen nicht.&ldquo; &bdquo;Unsere Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo; und &bdquo;Exportchancen&ldquo; &ndash; das sind die Sorgen der Gewerkschaften in der jetzigen Situation. Das ist sachlich nicht zu rechfertigen. Die Verantwortlichen des DGB haben offenbar nicht verstanden, dass die auseinanderklaffende Lohnentwicklung und damit auch ihre eigene defensive Lohnpolitik mitverantwortlich sind f&uuml;r die Krise in Europa. Die Agenda 2010 ist einer der Hauptverursacher der Euro-Krise. Das und einiges mehr m&uuml;ssten DGB und Einzelgewerkschaften zu den Zehnjahresfeiern der Agenda 2010 sagen: Von <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Zum Beispiel m&uuml;ssten DGB und Einzelgewerkschaften in ihren Texten und Reden erkl&auml;ren:<\/strong><\/p><p style=\"margin-left: 25px\">Mit den Harz IV Reformen sind nicht nur die Arbeitslosen getroffen worden; die Arbeitenden sind wegen der willentlichen Zerst&ouml;rung einer intakten Arbeitslosenversicherung massivem Druck ausgesetzt worden; ihnen ist der Schneid abgekauft worden. Das Ergebnis: weiter stagnierende Reall&ouml;hne, prek&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse, Leiharbeit. Der Architekt Gerhard Schr&ouml;der r&uuml;hmt sich des Aufbaus des &bdquo;besten Niedriglohnsektors&ldquo;. Und die konservativen, neoliberal eingef&auml;rbten Kr&auml;fte freuen sich dar&uuml;ber, dass die Sozialdemokraten die Drecksarbeit dieser arbeitnehmerfeindlichen Politik &uuml;bernommen haben.<\/p><p style=\"margin-left: 25px\">Die noch gravierendere und gef&auml;hrliche Folge dieser Politik des Lohndumping: Die europ&auml;ische Einigung auf eine gemeinsame W&auml;hrung ist in h&ouml;chster Gefahr, weil auch dank der stagnierenden L&ouml;hne in Deutschland der Gleichschritt der Wettbewerbsf&auml;higkeit der einzelnen Euro-Volkswirtschaften unm&ouml;glich gemacht wurde. Deutschland exportiert seine Arbeitslosigkeit zu den V&ouml;lkern der Euro Partner und zwingt diese jetzt auch noch mitten in der Krise zu &auml;hnlich schlimmen Reformen.<\/p><p style=\"margin-left: 25px\">Es ist allerh&ouml;chste Zeit, die L&ouml;hne in Deutschland deutlich steigen zu lassen. Das ist die Verantwortung der Tarifpartner wie auch der Politik. Die Wettbewerbsf&auml;higkeit unserer Volkswirtschaft muss durch steigende Masseneinkommen an die Wettbewerbsf&auml;higkeit unserer Partnerl&auml;nder angepasst werden. Das kommt allen zugute: den abh&auml;ngig Arbeitenden bei uns und bei unseren Freunden in Europa. Die Solidarit&auml;t unter den abh&auml;ngig Arbeitenden Europas wie auch die &ouml;konomische Vernunft verlangt dringend diese wirtschaftspolitische Linie. Wir m&uuml;ssen die Krise in Europa dringend und schnell &uuml;berwinden, wenn wir die Gefahr f&uuml;r Demokratie und Frieden bannen wollen.<\/p><p style=\"margin-left: 25px\">Eine solche Politik liegt auch im Interesse der Unternehmen, die im wesentlichen f&uuml;r den heimischen Markt arbeiten. Sie sind dringend auf einen Anstieg der Massenkaufkraft in Deutschland angewiesen.<\/p><p>So m&uuml;ssten Gewerkschafter reden und schreiben. Stattdessen ihr zaghafter Umgang mit der arbeitnehmer- und gewerkschaftsfeindlichen Agenda 2010 &ndash; sichtbar am zitierten Flugblatt.<\/p><p>Dass dieses Flugblatt von aktiven Gewerkschaftern verteilt wird, k&ouml;nnen wir uns eigentlich nicht richtig vorstellen.<\/p><p><strong>Dass der DGB die im Flugblatt Klartext erkennbare Linie f&auml;hrt, ist sachlich nicht zu begreifen.<\/strong><\/p><p>Vielleicht hat sich der DGB Vorsitzende Michael Sommer schon so sehr in die Denkweise seiner politischen Lieblingspartnerin Angela Merkel versetzt, dass ihm die f&uuml;r den DGB nahe liegende Linie einer offensiven Lohnpolitik &ndash; im Interesse der vertretenen Arbeitnehmer und im Interesse Europas &ndash; nicht mehr einf&auml;llt. <\/p><p>Vielleicht ist diese Linie auch Ergebnis der Macht jener Einzelgewerkschaften, die nur noch auf Export versessen sind.<\/p><p>Oder vielleicht f&uuml;hlt sich der DGB nicht frei zur notwendigen Kritik der Agenda 2010, weil auch Gewerkschafter an den Elementen der Agenda 2010 mitgearbeitet haben, zugegebenerma&szlig;en oft wegen des Versuchs, Schlimmeres zu verh&uuml;ten.<\/p><p>P.S.: Dass auch f&uuml;r diesen &bdquo;Klartext&ldquo; das Vorstandsmitglied Claus Matecki verantwortlich zeichnet, ist merkw&uuml;rdig. Von ihm sind wir bisher besseres gew&ouml;hnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als so genannter &bdquo;Klartext&ldquo; erschien am 15. M&auml;rz ein Blatt des <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/10_2013_klartext_Hoehere_Loehne_Keine_Gefahr_fuer_Wettbewerbsfaehigkeit.pdf\">DGB zur Agenda 2010 [PDF &ndash; 130 KB]<\/a>. Darin stand einiges Lesenswerte, aber der Gesamttenor ist eigentlich unglaublich. Die &Uuml;berschrift lautet: &bdquo;H&ouml;here L&ouml;hne: Keine Gefahr f&uuml;r Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo;. Auch der Text ist in Bezug auf die verteilungspolitisch und &ouml;konomisch gebotenen Lohnerh&ouml;hungen ausgesprochen defensiv. 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